Januar 14th, 2017 by Silversurger

Am kommenden Mittwoch, dem 18. Januar, wird die Baseball Writers Association of America (BBWA) bekannt geben, welche ehemaligen Spieler dieses Jahr in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen werden.

Wahlberechtigt sind die Mitglieder der BBWA, sofern sie dieser seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder Wähler darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer in einem Jahr weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden.

Nach diesem Verfahren sind üblicherweise 25 bis 40 Spieler wählbar. In diesem Jahr sind es 34, die man hier aufgelistet findet. 19 davon sind zum ersten Mal im Pool, 14 zum zweiten bis zehnten Mal und einer – Lee Smith – sogar zum fünfzehnten Mal. Smith ist der letzte Spieler, der noch unter die alte Regel fällt, nach der man fünfzehn statt zehn Versuche hatte, die nötigen Stimmen zu bekommen.

Wer schafft es auf Anhieb? 
Anders als im letzten Jahr, als Ken Griffey Jr. mit dem Rekordergebnis von 99,32% beim ersten Versuch in die Hall gewählt wurde, gibt es dieses Mal keinen Spieler auf der Liste, dessen Wahl als sicher gilt. Berechtigte Hoffnungen dürfen sich Manny Ramirez, Vladimir Guerrero, Ivan Rodriguez und Jorge Posada machen.

Ramirez war einer der großen Hitter seiner Zeit (.312/.411/.585), ließ sich allerdings zweimal mit leistungssteigernden Drogen erwischen, was seine Chancen auf einen sofortigen Einzug in die Hall deutlich schmälern dürfte. Auch gegen „Pudge“ Rodriguez gab es Dopingvorwürfe, allerdings keinerlei Beweise und aus unbestätigten Gerüchten sollte man einem der offensiv wie defensiv besten Catcher aller Zeiten (mit unter anderem den meisten Spielen, den meisten Hits und den meisten Extra-Base-Hits sowie 13 Gold Gloves als Catcher) keinen Strick drehen. Er ist meinen Augen der aussichtsreichste Kandidat, im ersten Jahr gewählt zu werden. Guerrero könnte es ebenfalls schaffen. Er war ein großartiger Hitter, bekannt für seine Fähigkeit, auch nach schlechten Pitches zu schlagen und Basehits daraus zu produzieren. Als Fielder beging er einerseits viele Errors, hatte aber andererseits einen sehr starken rechten Arm. Ich bin sicher, Guerrero wird in die Hall of Fame kommen, vielleicht im ersten, spätestens aber im zweiten Jahr. Posada schließlich hat in 17 Jahren mit den Yankees vier World Series gewonnen und es mit einer Karriere-Slashline von .273/.374/.474 auf gute Zahlen gebracht; für so überragend, dass er zwangsläufig in die Hall of Fame gewählt wird, halte ich ihn aber nicht.

Wer kommt noch rein?
Hinter der aus Griffey Jr. und Mike Piazza bestehenden Hall-of-Fame-Klasse von 2016 verpassten Jeff Bagwell (71,6%), Tim Raines (69,8%) und Trevor Hoffman (67,3%) letztes Jahr nur knapp die Aufnahmeschwelle. Alle drei können guter Hoffnung sein, dass es dieses Mal klappt – in aller Regel wird man mit solchen Zustimmungswerten im Folgejahr gewählt.

Hinter den drei Genannten landete 2016 mit Curt Schilling (52,3%), Roger Clemens (45,2%) und Barry Bonds (44,3%) ein Trio großer Namen, deren Chancen auf eine der begehrten Plaketten in Cooperstown nur mittelmäßig sind. Vor allem Clemens und Bonds spalten die Gemüter – beide gehören unzweifelhaft zu den besten MLB-Spielern aller Zeiten, beide sind aber auch bekannte Dopingsünder. In welchem Ausmaß sind die Karriereleistungen der Beiden auf verbotene Substanzen zurückzuführen? Und welche Rolle soll bei der Wahl die charakterliche Einwandfreiheit der Kandidaten spielen? Vor diesen Fragen stehen die BBWA-Mitglieder in Bezug auf Bonds und Clemens nun zum fünften Mal. Der Ausgang ist offen, wenngleich sich die Anzeichen mehren, dass der Widerstand gegen ihre Aufnahme bröckelt und sie dieses Mal wohl zumindest näher an die 75% herankommen als in den Jahren davor. Wenn es nach mir ginge: Ich würde sie in die Hall of Fame aufnehmen, das Dopingthema aber nicht verschämt unter den Tisch kehren, sondern durch entsprechende Darstellung im Museum eine offensive Auseinandersetzung damit befördern.

Um eine konkrete Prognose zu wagen: Ich tippe, dass die diesjährige Hall-of-Fame-Klasse aus Rodriguez, Guerrero, Bagwell, Raines und Hoffman bestehen wird. Bonds und Clemens bleiben dieses Mal noch draußen, sind aber nächstes Jahr dabei.

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es übrigens noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Eras Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Für die Aufnahme in diesem Jahr haben die Committees bereits während der Winter Meetings im Dezember die beiden Funktionäre John Schuerholz (Präsident der Atlanta Braves) und Bud Selig (ehemaliger Commissioner der MLB) gewählt.

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