Januar 17th, 2017 by Silversurger

Letzte Woche ging es im ersten Teil der Serie über Pitcharten um den 4-Seam-Fastball, den am häufigsten verwendeten Pitch. Ebenfalls recht häufig kommt eine andere Art vor, auf die man einen Fastball werfen kann: der sogenannte 2-Seam-Fastball oder kurz 2-Seamer.

Als Fastball zeichnet sich auch der 2-Seamer gegenüber anderen Pitcharten durch eine hohe Wurfgeschwindigkeit und eine relativ geradlinige Flugbahn mit rückwärts drehendem Ball aus. Im Vergleich mit dem 4-Seamer ist er jedoch sowohl etwas langsamer als auch etwas weniger geradlinig. Letzteres erschwert dem Pitcher die Kontrolle – dem Batter aber natürlich ebenfalls. Das Ziel eines 2-Seamers ist meist, den Ball im unteren Bereich der Strikezone zu platzieren und damit entweder einen Strike oder einen schwachen Groundball zu verursachen, der sich leicht in ein Aus oder gar ein Double Play umsetzen lässt.

Der 2-Seam-Fastball wird nicht von jedem Pitcher genau gleich gegriffen; gemeinsam ist allen Varianten, dass Zeigefinger und Mittelfinger jeweils auf einer Naht aufliegen. Der Gegenhalt von unten kommt entweder durch Daumen und Ringfinger oder nur durch den Daumen zu Stande. Die Armbewegung (gestreckt von oben) ist die gleiche wie beim 4-Seamer, die Finger bewegen sich aber etwas anders. Durch erhöhten Druck des Zeigefingers erzeugt man den für den 2-Seamer typischen Drall nach rechts unten bei einem rechtshändigen bzw. links unten bei einem linkshändigen Pitcher.

Griff eines 2-Seam-Fastballs1


Eine etwas kontroverse Frage ist, ob es sich beim Sinker um eine eigene Pitchart handelt oder nur um ein anderes Wort für einen 2-Seam-Fastball. Ich bin bei der Recherche auf beide Positionen gestoßen und außerdem noch auf die Zwischenposition, dass der Sinker als Unterform des 2-Seamers zu sehen ist – demnach handelt es sich vom Griff und der Art des Wurfes um einen 2-Seam-Fastball, aber Sinker nennt man ihn nur, wenn die Abwärtsbewegung überdurchschnittlich stark hervortritt. Ich lasse das einfach mal so stehen.

Abhängig vom Repertoire des jeweiligen Pitchers erfüllt der 2-Seamer unterschiedliche Funktionen. Für Strikeout-Pitcher wie Noah Syndergaard dient er als Abwechslung zum 4-Seamer, um den Batter durch die leicht andere Geschwindigkeit und Flugbahn zu überraschen. Besonders wirkungsvoll ist dies in der Regel gegen Batter, für die sich der 2-Seamer nach außen bewegt (also Linkshänder bei einem rechtshändigen Pitcher und umgekehrt). Oder er wird als Hauptpitch verwendet, was oft auf Pitcher zutrifft, die langsamer als der MLB-Durchschnitt werfen und mehr von der Bewegung des Balles leben. Das Paradebeispiel dafür ist Bartolo Colon, der trotz seines biblischen Alters von 43 Jahren und einer Velocity von deutlicher unter 90mph die Batter regelmäßig vor Rätsel stellt und zu schwachen Groundern zwingt.

Bartolo Colon wirft einen 2-Seamer2


1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Terry Foote (CC BY-SA 2.0)

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Januar 3rd, 2017 by Silversurger

Neues Jahr, neue Serie: Auf Anregung von Michael und Oli im Baseblog.de-Wunschkonzert werde ich mich in den kommenden Wochen mit den verschiedenen Arten beschäftigen, auf die man einen Pitch werfen kann.

Es gibt zig verschiedene Pitches, sofern man die diversen Unterarten und Varianten berücksichtigt. Wenn man ein bisschen zusammenfasst und sich auf die im modernen Baseball gebräuchlichsten Pitches konzentriert, kommt man auf die acht, denen ich mich in der Serie widme. Ein einzelner Pitcher beherrscht in aller Regel drei oder vier verschiedene Pitches. Die sichtbaren Unterschiede zwischen den Pitches bestehen vor allem in der Geschwindigkeit des Balles sowie in der Form seiner Flugbahn. Das geht teilweise auch aus den Bezeichnungen der Pitches hervor, aber grundsätzlich richtet sich die Einordnung nicht nach Geschwindigkeit und Bahn der Bälle, sondern danach, auf welche Art sie gehalten und geworfen werden. Daher kommt es durchaus vor, dass der Fastball des einen Pitchers langsamer ist als der Changeup manch anderer Pitcher, aber es bleibt dennoch ein Fastball aufgrund der Wurfmethode.

Das Problem bei der Sache ist, dass man beim Zuschauen normalerweise nicht sieht, was genau der Pitcher mit dem Ball anstellt – klar, denn erstens will er das vor dem Gegner verbergen und zweitens passiert das Ganze verdammt schnell. Deswegen kann man oft nur raten, um welche Art von Pitch es sich jeweils handelt. Hilfreich sind dabei technische Hilfsmittel wie Radarmessung und Aufzeichnung der Flugbahn, vorhandenes Wissen über den Pitcher und dessen Repertoire sowie natürlich vor allem zwei geübte Augen.

Weit über die Hälfte der in der MLB-Saison 2016 geworfenen Pitches waren Fastballs – 56,7% laut Fangraphs, zu denen man die beiden getrennt erfassten Fastball-Varianten Cutter (5,7%) und Splitter (1,4%) noch hinzuzählen kann. Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim Fastball um die in aller Regel schnellste Art, einen Pitch zu werfen. Ein Fastball wird immer mit Backspin, also mit Rückwärtsdrall geworfen. Dadurch verliert er nur langsam an Höhe und scheint mitunter sogar während des Fluges zu steigen, was allerdings eine optische Täuschung darstellt.

Der typischste und am häufigsten verwendete Fastball ist der 4-Seam-Fastball oder kurz: 4-Seamer. Andere Versionen des Fastballs sind der 2-Seam-Fastball, auch 2-Seamer oder Sinker genannt, sowie die beiden schon erwähnten Pitches Cutter und Splitter.

Der Curveball erklärt sich ebenfalls bereits durch den Namen. Er beschreibt eine gebogene Flugbahn, die dem Batter die Einschätzung erschwert, wo der Ball ankommt.

Der Slider gehört wie der Curveball zu den Breaking Balls, also zu den Bällen, die während des Fluges aus ihrer Bahn auszubrechen scheinen. Von der Geschwindigkeit und Flugbahn her ist der Slider zwischen Fastball und Curveball anzusiedeln.

Das Besondere am Changeup ist, dass er auf den ersten Blick wie ein Fastball aussieht, aber deutlich langsamer fliegt.

Der Knuckleball schließlich ist ein Pitch, den relativ wenige Pitcher im Repertoire haben. Diese Wenigen spezialisieren sich oft sehr stark auf den Knuckleball und werfen ihn fast ausschließlich. Ein Knuckleball weist fast keine Rotation auf, was zu einer kaum vorhersagbaren Flugbahn führt – das macht die Sache schwierig für den Batter, aber auch für den Catcher, den Umpire und nicht zuletzt für den Pitcher selbst.

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