Juli 25th, 2019 by Silversurger

Für die MLB-Teams, die mit den Playoffs nichts zu tun haben, wird es diese Woche zum letzten Mal in dieser Saison richtig spannend, wenngleich nur jenseits des Platzes: Die Trade-Deadline steht an und somit die Chance, den einen oder anderen Spieler mit auslaufendem Vertrag an konkurrenzfähige Teams abzugeben und im Gegenzug möglichst vielversprechende Nachwuchstalente zu erhalten. Nach einer Regeländerung gilt die Deadline am 31. Juli dieses Jahr erstmals ohne Wenn und Aber. Während früher anschließend noch einen weiteren Monat lang die Möglichkeit bestand, über formale Umwege Trades einzufädeln, ist nun klar, dass es nach dem 31. Juli keine Wechsel mit Auswirkung auf die laufende MLB-Saison mehr geben wird. In der American League ist für die meisten Teams klar absehbar, ob sie zur Deadline als „Buyer“ oder „Seller“ auf dem Plan stehen, denn die Karten im Hinblick auf die Playoffs sind schon relativ eindeutig verteilt. In der National League ist das Bild weniger klar, da sich 14 von 15 Teams zumindest noch Außenseiterchancen auf die Postseason ausrechnen können.

National League
In der National League East sind mindestens drei Teams als potenzielle Käufer einzustufen. Die Atlanta Braves (60-43) haben keine offensichtlichen Lücken im Kader, scheinen aber auch nicht abgeneigt, noch einen Top-Spieler an Land zu holen. Ein Starting Pitcher dürfte das wahrscheinlichste Ziel sein. Auf dem Pitching-Markt werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die Washington Nationals (55-46) tätig werden, um mit ein, zwei neuen Relievern ihre Schwachstelle anzugehen. Die Philadelphia Phillies (54-48) hatten bereits eine sehr aktive Offseason und werden ihren Trend zum Aufrüsten fortsetzen. Auf ihrer Wunschliste stehen vor allem Spieler, die noch ein, zwei Jahre Vertragsdauer mitbringen und nicht nur die wenigen Monate bis Saisonende. Die New York Mets (46-55) sind zwar noch nicht endgültig aus dem Rennen, aber sie werden wohl realistisch genug sein, dieses Jahr abzuhaken und zu schauen, ob und wie sich die auslaufenden Verträge von Zack Wheeler, Todd Frazier und Jason Vargas versilbern lassen. Auch um Noah Syndergaard, der noch bis 2022 an den Klub gebunden ist, gibt es immer wieder Gerüchte. Der Preis für ihn dürfte allerdings hoch sein – während der für Wheeler durch dessen aktuelle Verletzung vermutlich deutlich gefallen ist. Die Miami Marlins (38-62) sind der eindeutigste Seller der NL. Veteranen wie Curtis Granderson, Neil Walker und Sergio Romo können Gegenwerte bringen, die das Rebuilding der Marlins voranbringen.

Die NL Central ist weit offen, daher wird hier wohl kein Team nennenswert als Seller auftreten. Die Chicago Cubs (55-47), die St. Louis Cardinals (54-47) und die Milwaukee Brewers (54-50) sind allesamt auf der Suche nach Relievern. Die Brewers hätten zudem nach der Verletzung von Brandon Woodruff gern einen weiteren Starter, während die Cubs nach einem guten rechtshändigen Batter Ausschau halten. Die Cincinnati Reds (46-54) und die Pittsburgh Pirates (46-55) befinden sich in uneindeutigen Situationen – nicht direkt im Playoffrennen, aber auch nicht abgeschlagen genug, um aufzugeben. In ihrer Situation ist damit zu rechnen, dass sie zur Trade-Deadline weder in die eine noch in die andere Richtung sonderlich aktiv werden.

Die Los Angeles Dodgers (67-37) gewinnen die NL West locker ohne weitere Verstärkungen, aber wie in den vergangenen Jahren werden sie auch dieses Mal versuchen, das eine oder andere Puzzlestück im Hinblick auf das große Ziel eines World-Series-Gewinns hinzuzufügen. Der Schwerpunkt dürfte klar auf Hilfe für den Bullpen liegen. Die restlichen Teams der Division können allesamt noch auf eine Wild Card spekulieren. Die Arizona Diamondbacks (52-51), die ohnehin bereits ein halbes Rebuilding-Projekt darstellen, könnten sich entscheiden, Leute wie Adam Jones und Zack Greinke auf den Markt zu werfen. Greinke steht noch bis 2021 unter Vertrag, ist mit 80 Millionen Dollar an garantiertem Gehalt aber auch extrem teuer. Die Colorado Rockies (47-55) und die San Francisco Giants (52-51) sehe ich als Kandidaten für eine eher untätige Herangehensweise an die Deadline. Das ist in beiden Fällen eine erstaunliche Entwicklung. Die Rockies sahen vor der Saison nach sicheren Contendern aus, konnten die Erwartungen aber bisher nicht erfüllen. Umgekehrt sind die Giants erst in den letzten paar Wochen quasi aus dem Nichts empor gekommen und plötzlich sieht es so aus, dass einst heiße Trade-Kandidaten wie Madison Bumgarner, Will Smith oder Sam Dyson womöglich gar nicht zum Verkauf stehen. Für die San Diego Padres (48-53) ist ebenfalls unklar, ob sie eher kaufen oder verkaufen wollen. Gebrauchen könnten sie einen Starter, idealerweise mit etwas längerem Vertrag als nur bis Saisonende. Guten Gegenwert würden sie für ihren Closer Kirby Yates erzielen.

American League
Die New York Yankees (66-35) gehören zu den klaren Favoriten, einen der verfügbaren Top-Starter zu akquirieren – jemanden wie Zack Wheeler, Mike Minor oder Marcus Stroman. Genau wie die Yankees haben auch die Tampa Bay Rays (58-47) genug Tradematerial in der Farm, um sich ordentlich zu verstärken. Sie dürften vor allem an einem rechtshändigen Batter interessiert sein, aber auch ein starker Reliever würde ihnen weiterhelfen. Die Boston Red Sox (56-47) befinden sich zurzeit im Niemandsland der American League East und sind auch von der Wild Card ein Stück entfernt. Die Ergebnisse der nächsten Tage werden ihre Herangehensweise an die Deadline beeinflussen. Wenn sie sich zum Aufrüsten entscheiden, dürfte ihr Fokus auf Hilfe für den Bullpen liegen, nachdem sie die Rotation bereits vor knapp zwei Wochen durch Andrew Cashner ergänzt haben. Die Toronto Blue Jays (39-65) sind gut bestückt mit dem, was viele suchen: Ihre Reliever Daniel Hudson und Ken Giles sowie Starter Marcus Stroman dürften zu den begehrtesten Trade-Chips der Liga gehören. Auch die Baltimore Orioles (32-69) sind klar in der Situation eines Sellers. Mindestens Closer Mychal Givens und Infielder Jonathan Villar werden in den nächsten Tagen gegen Talente eingetauscht werden.

Die Minnesota Twins (61-40) könnten einen Top-Starter sowie einen verlässlichen Reliever gebrauchen. Das ist allerdings das gleiche, was sehr viele suchen und man darf bezweifeln, ob die Twins zum Zahlen hoher Preise in Form guter und/oder zahlreicher Talente bereit sind. Ihr einziger Konkurrent in der AL Central, die Cleveland Indians (59-42), wird voraussichtlich wenige bis keine Trade-Aktivitäten entfalten. Die Gerüchteküche in Cleveland drehte sich in den letzten Wochen weniger um Verstärkungen als darum, ob man Starter Trevor Bauer auf den Markt wirft. Nachdem die Indians sich sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen eine stark verbesserte Position erarbeitet haben, dürfte das aber vorerst vom Tisch sein. Die Chicago White Sox (45-54) haben im Zuge ihres Neuaufbaus in den letzten Jahren ein Team mit jungen Spielern und langfristigen Verträgen zusammengestellt und werden ebenfalls wenig Interesse an Trades haben. Ein Wechselkandidat könnte allenfalls noch Veteran José Abreu sein, doch sowohl der Klub als auch der Spieler haben signalisiert, über den auslaufenden Vertrag hinaus miteinander arbeiten zu wollen. Die Kansas City Royals (39-64) werden sicher schon einige Angebote für Infielder Whit Merrifield prüfen. Zudem stehen Outfielder Billy Hamilton sowie die Reliever Jake Diekman, Wily Peralta und Ian Kennedy im Schaufenster. Auch bei den Detroit Tigers (30-67) können verstärkungswillige Teams fündig werden: Outfielder Nicholas Castellanos und Closer Shane Green werden in einer Woche wahrscheinlich einen neuen Arbeitgeber haben.

Die Houston Astros (66-38) schwimmen mit in dem Trend, in erster Linie nach Pitching Ausschau zu halten. Mindestens ein weiterer Starter soll her, vielleicht auch zwei angesichts der Verletzungsmisere in Houstons Rotation, dazu gerne ein Linkshänder für den Bullpen. Die Hauptkonkurrenten in der AL West, die Oakland Athletics (58-45), sind bereits einen Schritt weiter, denn sie haben schon Starting Pitcher Homer Bailey von den Royals an Land gezogen. Auch die A’s sind aber weiterhin an Pitchern interessiert, genauso wie die Los Angeles Angels (54-49), die vor wenigen Wochen noch nach Sellern aussahen, aber nun so gut dastehen, dass sie wohl kaufen werden. Trotz der jüngsten Erfolge sind die Schwächen in der Rotation schon länger unübersehbar, und durch den Tod von Tyler Skaggs und die Entlassung von Matt Harvey sind sie noch akuter geworden. Die Texas Rangers (51-51) befinden sich seit dem All-Star-Break im freien Fall und werden wohl als Seller auftreten. Starting Pitcher Mike Minor, Outfielder Hunter Pence und Reliever Chris Martin könnten interessante Optionen für andere Teams sein. Auf gar keinen Fall wird die Deadline verstreichen, ohne dass der tradefreudigste General Manager der Liga, Jerry Dipoto von den Seattle Mariners (42-63), aktiv geworden ist. Sicher vor einem Trade ist unter Dipoto niemand, als wahrscheinlichste Kandidaten für einen Arbeitsplatzwechsel gelten Starter Mike Leake und – trotz aktueller Verletzung – Second Baseman Dee Gordon.

Szene der Woche 
Auf dem Feld gab es in den letzten Tagen ein Triple-Play der Twins, einen Cycle von Trea Turner und Spiele von Robinson Cano sowie von Paul DeJong mit jeweils 4 Hits und 3 Homeruns. Meine Szene der Woche war aber die Aufnahmezeremonie der Baseball Hall of Fame. Mariano Rivera als erster einstimmig Gewählter aller Zeiten, zudem Roy Halladay, Edgar Martinez, Mike Mussina, Harold Baines und Lee Smith empfingen die ehrenvolle Aufnahme in den Kreis der Besten ihres Sports. Für den 2017 bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Halladay nahm seine Witwe Brandy an der Ehrung teil. Wenn ihr an einer etwas ausführlicheren Vorstellung der Hall-of-Fame-Klasse 2019 interessiert seid, werft doch mal einen Blick auf den Artikel, den ich früher im Jahr dazu geschrieben habe.

Statistik der Woche 
11. Am Jahrestag der Mond-Mission Apollo 11 haben die Astros 11 Runs gegen die Athletics erzielt und 11:1 gewonnen. Der 11. Run wurde mit dem 11. Hit der Astros durch den 11. Batter erzielt, den sie im dritten Inning an den Schlag brachten. Rookie-Phänomen Yordan Alvarez trug seinen Teil bei, unter anderem mit dem 11. Homerun seiner jungen Karriere. Starter Gerrit Cole warf 11 Strikeouts auf dem Weg zu seinem 11. Win des Jahres.

Spiel der Woche
Die New York Yankees und die Minnesota Twins sind zwei Schwergewichte der American League. Der Fight, den sie sich Dienstagnacht lieferten, war diesem Status mehr als würdig. Wie zwei Schwergewichtsboxer hauten sie sich in den späten Innings der Partie die scheinbar entscheidenden Schläge um die Ohren, immer wieder rappelte der Gegner sich hoch und schlug zurück. Aaron Hicks, Didi Gregorius, Miguel Sano und Gleyber Torres ließen sich allesamt zu früh für den vermeintlichen Knockout feiern, bevor es am Ende dann doch wieder Hicks war, der den Schlusspunkt setzte – nicht mit einem Schlag, sondern mit einem spektakulären Catch, der gegen den Flyball von Max Kepler im zehnten Inning bei zwei Outs und geladenen Bases ein neuerliches Comeback der Twins verhinderte und den 14:12-Erfolg der Yankees besiegelte.

Mein Einschalttipp
Da dieser Grand Slam am Donnerstag im Zeichen der Trade-Deadline steht, habe ich auch einen dazu passenden Einschalttipp: Die San Diego Padres treffen am Wochenende dreimal auf die San Francisco Giants. Für beide Klubs können der Verlauf und der Ausgang dieser Serie die Richtung weisen, wie sie an die Deadline herangehen. In der Partie am Sonntag treffen als Starting Pitcher voraussichtlich Chris Paddack (2.84 ERA, 4.02 FIP) für die Padres und Madison Bumgarner (3.66 ERA, 3.62 FIP) für die Giants aufeinander. Für Bumgarner geht es buchstäblich um seinen Job, denn sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und falls die Giants sich zum Verkaufen entschließen, wird er wohl der wahrscheinlichste Trade-Kandidat seines Klubs sein. Das Spiel läuft ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv.

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Januar 26th, 2019 by Silversurger

Vor einigen Tagen hat die Baseball Writers Association of America (BBWA) bekannt geben, welche ehemaligen Spieler zur diesjährigen Aufnahme in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown gewählt wurden. Mariano Rivera hat dabei Geschichte geschrieben, denn er wurde als erster Spieler überhaupt mit einem einstimmigen Ergebnis gewählt. Gemeinsam mit ihm erhielten Roy Halladay, Edgar Martinez und Mike Mussina die nötige Dreiviertelmehrheit. Zudem kommen Harold Baines und Lee Smith auf Entscheidung des Era Committees in die Ruhmeshalle.

Bevor ich jeden der geehrten Spieler kurz vorstelle, bringe ich noch mal das Wahlsystem in Erinnerung: Die „normale“ Hall-of-Fame-Wahl wird durchgeführt von der Journalistenvereinigung BBWA. Wahlberechtigt sind deren Mitglieder, sofern sie der BBWA seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder von ihnen darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer in einem Jahr weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden. Üblicherweise sind nach diesem Verfahren jährlich 25 bis 40 Spieler wählbar.

In diesem Jahr durften 425 Wahlberechtigte über 35 Spieler abstimmen. Gewählt wurden die genannten vier Spieler. 16 kamen auf unter 5% und sind nächstes Jahr nicht mehr wählbar, ebenso wie Fred McGriff, der es beim zehnten Versuch nur auf 39,1% brachte. Spannende Fälle sind Curt Schilling (60,9%), Roger Clemens (59,5%), Barry Bonds (59,1%) und Larry Walker (54,6%). Walker war zum neunten Mal dabei und kann sich für nächstes Jahr gute Hoffnung machen. Denn typischerweise bekommen Spieler im letzten Jahr der Wählbarkeit noch einmal einen wohlwollenden Schub an Stimmen. Schilling, Clemens und Bonds waren zum siebten Mal dabei und werden wohl frühestens beim zehnten Versuch 2022 reinkommen. Zwar gehören gerade Clemens und Bonds unbestreitbar zu den besten Baseballspielern aller Zeiten, doch bei der Wahl werden sie regelmäßig abgestraft für ihren sehr wahrscheinlichen Doping-Missbrauch. Auch Schillings Leistungen waren ohne Weiteres gut genug für die Hall of Fame; bei ihm spielen charakterliche Defizite und radikale politische Äußerungen eine große Rolle dabei, dass die Wähler ihn noch schmoren lassen. Das komplette Wahlergebnis findet sich hier.

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Era Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Dieses Jahr war das „Today’s Game Committee“ dran und hat während der Winter Meetings im Dezember Harold Baines und Lee Smith gewählt.

Mariano Rivera
Dass Mariano Rivera eine der großartigsten MLB-Karrieren aller Zeiten haben würde, war erst spät abzusehen: Er debütierte 1995 als 25-Jähriger für die New York Yankees und gab mit 5.51 ERA bei zehn Starts und neun Relief-Auftritten wenig Anlass für hochtrabende Erwartungen. Doch der Umstieg zum reinen Relief Pitcher brachte ihm den Durchbruch. 1997 wurde er von den Yankees zum Closer erklärt und hielt diese Rolle fortan Jahre lang fest im Griff. Mariano führt die Allzeit-Ranglisten mit den meisten Saves (652) und den meisten beendeten Spielen (952) an und schaffte es 13-mal ins All-Star-Team. Trotz überragender Saisonleistungen gelang es ihm regelmäßig, in den Playoffs noch eine Schippe draufzulegen. Sein Postseason-ERA von 0.70 in 141 Innings und seine 42 Saves in Playoff-Spielen sind mit großem Abstand führend in der MLB-Geschichte. Rivera war einer der ganz großen Faktoren dafür, dass die Yankees in seiner aktiven Zeit siebenmal die World Series erreichten und sie fünfmal gewannen.

Roy Halladay
Mit einem beachtlichen Ergebnis von 85,4% hat ein weiterer Pitcher es gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit in die Hall of Fame geschafft. Tragischerweise war es Roy Halladay nicht vergönnt, diese Ehrung zu erleben, denn Halladay starb im November 2017 mit 40 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Halladay war ein dominanter Starter in den 2000er Jahren und gewann mit jedem seiner beiden Teams einen Cy-Young-Award: 2003 mit den Toronto Blue Jays in der AL, 2010 mit den Philadelphia Phillies in der NL. Er pitchte in der Blüte seiner Karriere nicht nur sehr gut, sondern auch sehr ausdauernd. Achtmal brachte er es auf 220 oder mehr Innings in einem Jahr, 2003 sogar auf seitdem unerreichte 266. Man kann vermuten, dass es für Halladay ohne die tragischen Umstände knapp geworden wäre, die 75% im ersten Anlauf zu erreichen. Aber auch wenn es sonst vielleicht zwei oder drei Wahlgänge gebraucht hätte, hat er die Aufnahme in die Ruhmeshalle zweifellos verdient.

Edgar Martinez
Edgar Martinez, der seine gesamte Karriere bei den Seattle Mariners verbrachte, erlebte bei der Wahl 2019 den typischen Aufschwung des zehnten Jahres – nach neun vergeblichen Anläufen nahm er die 75%-Hürde dieses Mal mit 85,4% ganz locker. Offenbar waren nun doch viele der BBWA-Mitglieder der Ansicht, dass man den siebenfachen All-Star mit einer Karriere-Slashline von .312/.418/.515 nicht dauerhaft ignorieren darf. Martinez hatte es schwerer als viele andere, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu spielen. Das lag zum einen daran, dass er fast ausschließlich als DH spielte, und zum anderen daran, dass er – gerade für einen DH – vergleichsweise wenige Homeruns schlug. Bei Letzterem muss man Martinez zugute halten, dass er im Gegensatz zu fast allen großen Sluggern seiner Generation nie mit verbotenen Substanzen in Verbindung gebracht wurde.

Mike Mussina
Der Vierte im Bunde der frisch Gewählten ist Mike Mussina. Er übertraf mit 76,7% im sechsten Anlauf gerade so die Schwelle. Der Pitcher, dessen 18 Jahre lange Karriere sich auf die Baltimore Orioles und die New York Yankees aufteilte, gewann nie einen Cy-Young-Award und nie eine World Series. Er überzeugte generell weniger mit einzelnen herausragenden Auftritten und Statistiken als durch Konstanz und Durchhaltevermögen. Alles in allem brachte er es dadurch auf 83.0 WAR und somit auf Rang 58 der Rangliste aller Spieler der MLB-Historie – übrigens weit vor allen anderen Spielern, die dieses Jahr mit ihm in die Hall of Fame einziehen. Ich muss zugeben, dieser Wert hat mich überrascht – und meine anfängliche Skepsis zerstreut, ob Mussina wirklich in die Halle gehört.

Harold Baines
Komplett unzerstreut bleibt meine Skepsis, dass Harold Baines, einer der beiden durch das Era Committe bestimmten Spieler, etwas in der Hall of Fame zu suchen hat. Baines hatte eine lange und produktive Karriere, brachte es auf fünf All-Star-Berufungen und war in den meisten seiner 21 MLB-Jahre zweifellos ein überdurchschnittlicher Spieler. Das ist gut und aller Ehren wert, aber mehr auch nicht. Schließlich reden wir von der Hall of Fame, nicht von der Halle der Überdurchschnittlichen. Das mag hart klingen, aber die Wähler der BBWA sahen es offenbar genauso wie ich: Baines brachte es in den Wahlen auf einen Höchstwert von 6,1% im Jahr 2010 und fiel 2011 im fünften Jahr seiner Wählbarkeit unter die 5%-Hürde. Dass und wie er nun über das Era Committee berufen wurde, hat mehr als ein gewisses Geschmäckle: Dem Gremium gehörten unter anderem Jerry Reinsdorf an, der Owner der Chicago White Sox, sowie Tony La Russa, der ehemalige General Manager der White Sox. Baines spielte 14 Jahre lang für die White Sox und als er seine Karriere dort begann, waren die beiden entscheidenden Führungspersonen – Reinsdorf und La Russa.

Lee Smith
Während die Entscheidung über die Aufnahme von Baines innerhalb des Era Committees äußerst knapp fiel, bestand im Hinblick auf Lee Smith Einigkeit in dem Gremium. Smith war ebenfalls in der BBWA-Wahl nicht zum Zuge gekommen. Er stand für die (damalige) Höchstzahl von 15 Wahlgängen zur Wahl, brachte es jedoch nie über 50,6%. Als Relief Pitcher – so sagte man jedenfalls bis zu Riveras 100%-Wahl – hat man es generell relativ schwer, die nötigen Zustimmungsraten zu erhalten. Nachdem letztes Jahr bereits Trevor Hoffman (601 Saves) in die Halle gewählt wurde, sind dort nun mit ihm, Rivera (652) und Smith (478) die Top-3 Spieler mit den meisten Karriere-Saves der MLB-Geschichte vertreten. Smith war von 1993 bis 2006 Rekordhalter in dieser Kategorie.

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November 18th, 2018 by Silversurger

Bei all den offiziellen und hochverdienten MLB-Awards diese Woche hätte ich fast vergessen, dass ich ebenfalls einen Award ins Leben rufen wollte. Gewählt wird bei mir nicht durch die Baseball Writers Association of America, sondern durch euch – die Baseblog-Leserinnen und -Leser. Falls jemand von euch Mitglied der BBWA ist, darf er natürlich gerne mitwählen.

Auszeichnen möchte ich – wie während der Saison mehrfach angekündigt – die dämlichste Verletzung der gerade beendeten MLB-Saison. Nominierungen dafür habe ich das ganze Jahr über eifrig gesammelt und die folgenden sechs Spieler haben es in die Abstimmung geschafft.

  • Carson Smith: Der Red-Sox-Reliever ärgerte sich so sehr über einen erlaubten Homerun und seine anschließende Auswechslung, dass er im Dugout wütend seinen Handschuh wegschleuderte – und sich dabei den Arm auskugelte.
  • Hunter Strickland: Der Closer der Giants versuchte sich ebenfalls in Frustbewältigung nach einem misslungenen Auftritt. Eine Tür wurde zum Opfer seiner Prügelattacke und gewann – Strickland brach sich die Hand und fiel zwei Monate lang aus.
  • Chris Martin: Der Reliever der Rangers wollte sein Team bei einer Rangelei auf dem Feld in keinem Fall im Stich lassen. Er verzichtete daher auf das beabsichtigte Aufwärmen im Bullpen und rannte stattdessen los zu dem Brawl – dort kam er aber nie an, da er sich unterwegs eine Zerrung im Oberschenkel zuzog.
  • Brandon Morrow: Der Cubs-Reliever musste im Juni mehrere Tage mit einem verknacksten Rücken pausieren – passiert war es beim Versuch, sich eine Hose anzuziehen.
  • Shawn Kelley: Der Reliever der Athletics wollte sich im Haushalt nützlich machen und ein scharfes Messer spülen – das klappte nicht, stattdessen zog er sich einen tiefen Schnitt im Daumen seiner Wurfhand zu.
  • Salvador Perez: Der Catcher der Royals verletzte sich zum Ende des Spring Trainings am Innenband im linken Knie – nicht auf dem Feld, sondern als er beim Transport seines Gepäcks auf eine Treppe fiel.

Nicht in die Wahl aufgenommen habe ich Chris Sale. Das Ass der Red Sox hatte während der Playoffs einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt, angeblich wegen einer Entzündung um ein Bauchnabelpiercing. Dies erwies sich allerdings als von ihm selbst lancierte Fake News, in Wirklichkeit steckte offenbar eine profane Magen-Darm-Geschichte hinter der Sache.

Ich freue mich auf rege Beteiligung an der Wahl und hoffe, dass diese problemlos funktioniert – es ist mein erster Versuch mit einem frisch installierten Abstimmungstool.

Welches war die dämlichste Verletzung der MLB-Saison 2018?

  • Chris Martin - Oberschenkelzerrung auf dem Weg zu einer Rangelei (32%, 20 Votes)
  • Hunter Strickland - Handfraktur beim Schlag gegen eine Tür (26%, 16 Votes)
  • Carson Smith - Ausgekugelter Arm beim Wegschleudern des Handschuhs (23%, 14 Votes)
  • Brandon Morrow - Verknackster Rücken beim Anziehen einer Hose (18%, 11 Votes)
  • Shawn Kelley - Schnitt im Daumen beim Geschirrspülen (2%, 1 Votes)
  • Salvador Perez - Innenbandriss beim Transport seines Spring-Training-Gepäcks (0%, 0 Votes)

Total Voters: 62

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Übrigens suche ich auch noch nach einem passenden Namen für den Award. Für Vorschläge wäre ich sehr dankbar. Nutzt einfach die Kommentarfunktion unter diesem Artikel.

Und nur damit mich niemand falsch versteht: Es liegt mir nichts ferner als ernsthafte Verletzungen zu feiern. Jeder verletzte Spieler kann sich meines Mitgefühls und meiner aufrichtigen Genesungswünsche sicher sein. Trotzdem erlaube ich mir, über Missgeschicke wie die hier geschilderten in einem gewissen Rahmen zu lachen und zu scherzen. Soweit ich es beurteilen kann, tun das alle betreffenden Spieler auch selbst.

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November 8th, 2018 by Silversurger

Ab heute erscheint der Grand Slam am Donnerstag wieder in seiner Offseason-Form. Bis es im April wieder um Spiele, Ergebnisse und Tabellen geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich noch ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, aber ich freue mich nach wie vor über jede weitere.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 19 Preisträger gibt es: je einen auf jeder Feldposition in der National League und in der American League – nur für die First Basemen der NL gab es zwei, da die Abstimmung mit einem Unentschieden zwischen Freddie Freeman (Braves) und Anthony Rizzo (Cubs) endete. Besonders hervorzuheben ist C Yadier Molina (Cardinals), der schon den neunten Gold Glove seiner Karriere abräumte. 3B Nolan Arenado (Rockies) hält derzeit die längste Serie, indem er im sechsten Jahr seiner Karriere zum sechsten Mal die Ehrung erhalten hat. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2018.

Billy Beane ist Executive of the Year
Zum ersten Mal überhaupt vergab die MLB in dieser Woche den Titel des „Executive of the Year“, also des Funktionärs des Jahres. Anders als die meisten anderen Awards wird dieser Preis nicht getrennt nach Ligen verteilt, sondern für die MLB insgesamt. Sein erster Träger ist Billy Beane, Vizepräsident der Oakland Athletics. Beane hat es mal wieder geschafft, mit wenig Geld ein Team zusammenzustellen, das eine überraschend starke Saison spielte und mit 97 Siegen in die Playoffs einzog – ganz so, wie man es von Beane kennt und erwartet, wenn man den Film „Moneyball“ gesehen hat.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Ende August bereits abgegeben und jetzt bin ich gespannt, ob ich wenigstens mit ein paar meiner Einschätzungen richtig liege, nachdem drei meiner Favoriten es gar nicht ins Finale geschafft haben.

Dodgers verlieren GM Zaidi an die Giants
Farhan Zaidi wechselt zwischen zwei Erzrivalen die Seiten: Der bisherige General Manager der Los Angeles Dodgers erhält bei den San Francisco Giants den Posten des „President of Baseball Operations“. Die Job-Bezeichnungen in der MLB sind leider immer etwas erklärungsbedürftig: Für Zaidi ist das der Aufstieg in die höchste Position eines Front Offices, das heißt er ist nun der Hauptentscheider, wenn es um Trades, Spielerverträge etc. geht. In manchen Klubs ist das der General Manager, aber sowohl bei den Giants als auch bei den Dodgers gibt es darüber noch eben jenen Präsidentenposten. In Los Angeles hat Andrew Friedman diese Stelle inne und muss sich nun einen neuen leitenden Angestellten suchen.

Woodward ist neuer Rangers-Manager
Neben Zaidi müssen die Dodgers auch ihren bisherigen Third Base Coach Chris Woodward ersetzen. Woodward hat das Angebot der Texas Rangers angenommen, bei ihnen Manager zu werden, also quasi Chefcoach. Woodward wurde nach langwieriger Suche aus mindestens elf Kandidaten ausgewählt und wird für seine analytische Herangehensweise gerühmt. In Los Angeles arbeitete er neben der Aufgabe als Basecoach hauptsächlich mit dem Infield und dirigierte die defensiven Shifts. Vor seiner vor fünf Jahren in Seattle begonnenen Coaching-Karriere hatte Woodward eine zwölf Jahre lange MLB-Karriere als Utility-Infielder.

Roberts und Kershaw bleiben
Neben den schmerzhaften Abgängen von Zaidi und Woodward haben die Dodgers auch zwei wichtige Vertragsverlängerungen zu vermelden: Ihr Pitcher-Ass Clayton Kershaw hat erfolgreich mit seiner Option gepokert, aus dem noch zwei Jahre laufenden Vertrag aussteigen zu können. Man einigte sich schließlich auf eine neue dreijährige Laufzeit, für die Kershaw 93 Millionen Dollar erhält und sich noch etwas dazu verdienen kann: Je eine Zusatzmillion gibt es jährlich für den 24., 26., 28. und 30. Start sowie weitere Boni für einen der ersten drei Plätze im Cy-Young-Voting. Von so viel Geld kann Dave Roberts als Manager nur träumen, doch auch er wird bleiben: Trotz Kritik, die während der World Series aufgekommen war, zogen die Dodgers zunächst die Vertragsoption für ein weiteres Jahr zum Preis von 1,1 Millionen. Eine Einigung auf einen neuen, längerfristigen Vertrag steht offenbar kurz bevor.

Qualifying Offers für sieben Spieler
Sieben Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein sogenanntes Qualifying Offer erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,9 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Bryce Harper, Dallas Keuchel, Patrick Corbin, A. J. Pollock, Yasmani Grandal, Hyun-Jin Ryu und Craig Kimbrel haben nun bis Montag nächster Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnen sie es ab und unterschreiben woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Die meisten der Spieler, vielleicht auch alle, werden das Angebot ablehnen; am ehesten könnte ich mir bei Grandal und Ryu vorstellen, dass sie es annehmen. Alle sieben Empfänger der Qualifying Offers stehen übrigens in meiner Liste der Top-20 Free Agents dieser Offseason. Dort stehen auch Charlie Morton und Michael Brantley, deren Teams sich aber gegen das Qualifying Offer entschieden haben.

Cubs: Smyly geht, Hamels bleibt
Die Chicago Cubs haben die Verlängerungsoption im Vertrag von Pitcher Cole Hamels gezogen. Der 34-Jährige kostet sie 20 Millionen Dollar für die Saison 2019. Um einen Teil des Geldes wieder reinzuholen, wurde Pitcher Drew Smyly zu den Texas Rangers getradet. Smyly verdient 2019 sieben Millionen und hat dieses Jahr gar nicht gespielt, nachdem er sich 2017 einer Tommy-John-Surgery unterziehen musste. Die Rangers kaufen somit ein bisschen die Katze im Sack, aber die Aufnahme von Smyly war für sie dennoch attraktiv. Denn hätten die Cubs andernfalls gesagt, dass sie sich Hamels nicht leisten können, so hätten die Rangers wegen einer alten Vereinbarung mit Hamels sechs Millionen als Entschädigung für die nicht gezogene Option an ihn bezahlen müssen – ohne Gegenleistung, versteht sich.

Sabathia hängt ein Jahr dran
Pitcher-Oldie CC Sabathia bleibt der Liga noch ein Jahr lang erhalten: Der 38-Jährige hat sich mit den New York Yankees auf einen Einjahresvertrag über acht Millionen Dollar geeinigt. Gleichzeitig gab er bekannt, dass die kommende Saison – seine neunzehnte in der MLB – die letzte seiner Karriere sein wird.

McCullers fällt lange aus
Hiobsbotschaft für die Houston Astros: SP Lance McCullers Jr. musste sich diese Woche einer Tommy-John-Surgery unterziehen. Er wird damit für die gesamte Saison 2019 ausfallen. Dass die Operation nötig wird, war McCullers offenbar seit August bewusst und es ist nun klar, warum der eigentliche Starter in den letzten zwei Monaten der Saison nur noch für einzelne Relief-Innings zum Einsatz kam. Der Pitcherriege der Astros könnte ein größerer Umbruch bevorstehen, denn Dallas Keuchel und Charlie Morton sind Free Agents und nach McCullers‘ Verletzung sind von einer der Top-Rotationen der letzten Jahre nun nur noch Justin Verlander und Gerrit Cole übrig.

Rays holen Zunino und kubanisches Talent 
Der erste nennenswerte Trade der aktuellen Offseason geht – wie könnte es anders sein – auf das Konto des hyperaktiven GM der Seattle Mariners, Jerry Dipoto. Sein Handelspartner sind in dem Fall die Tampa Bay Rays, die von den Mariners Catcher Mike Zunino und Outfielder Guillermo Heredia erhalten und dafür Outfielder Mallex Smith nach Seattle schicken. Auf beiden Seiten ist voraussichtlich noch ein Minor-League-Spieler in den Trade involviert. Kernstück des Trades ist Zunino, ein defensiv anerkannt starker Catcher mit eher unkonstanter Offense. Mallex Smith wird gespannt sein, ob und wie lange er dieses Mal tatsächlich bei den Mariners landet. Vor knapp zwei Jahren hatte Dipoto ihn nämlich schon einmal von den Atlanta Braves ertradet, nur um ihn 77 Minuten später in einem erneuten Trade nach Tampa Bay weiterzureichen.

Einen weiteren signifikanten Move haben die Rays mit Blick auf die noch etwas fernere Zukunft unternommen: Gegen eine Bonuszahlung von 2,6 Millionen Dollar wurde das kubanische Talent Sandy Gaston unter Vertrag genommen. Der 16-jährige Pitcher wirft einen bereits bis zu 97 Meilen schnellen Fastball und wurde von MLB Pipeline auf Platz 16 unter den internationalen Top-Prospects geführt.

MLB-All-Stars auf Tour in Japan
Eine Gruppe von MLB-Spielern – die Bezeichnung als All-Star-Team ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen, aber ein paar echte Hochkaräter sind durchaus dabei – spielt ab morgen eine Reihe von sechs Spielen gegen die japanische Nationalmannschaft. Wer vormittags die Gelegenheit hat und hungrig nach Live-Baseball ist, kann über DAZN im MLB-Network die Spiele sehen. Auf mlb.tv werden sie wohl leider nicht ausgestrahlt. Die Partien beginnen jeweils zwischen 10 und 11 Uhr unserer Zeit. Hier findet ihr Übersichten über die konkreten Spieltermine und über die Kader der Teams. Zur Einstimmung gab es heute schon ein Freundschaftsspiel gegen die Yomiuri Giants, das das MLB-Team 9:6 gewann. Danke an Ralf für den Hinweis auf die Serie und die Live-Übertragung!

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September 27th, 2018 by Silversurger

Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

American League
Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

National League
Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

Szene der Woche
Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

Statistik der Woche
23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

Spiel der Woche
Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

Mein Einschalttipp
Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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Juni 21st, 2018 by Silversurger

Rund 75 Spiele hat jedes Team in der aktuellen MLB-Saison absolviert und in der American League gibt es schon ein ziemlich stabil erscheinendes Playoff Picture. In der insgesamt ausgeglicheneren National League hingegen ist noch das meiste offen und wird es wohl auch bis weit nach dem All-Star-Break bleiben. Apropos Allstars: Ihr habt noch bis 5. Juli die Möglichkeit, bis zu 5-mal am Tag und bis zu 35-mal insgesamt auf mlb.com abzustimmen, wer im aufsehenerregendsten unbedeutenden Spiel des Jahres dabei sein soll. Ich kündige übrigens schon mal an, dass es auch hier eine Abstimmung geben wird – allerdings nicht über All-stars und nicht jetzt, sondern erst gegen Ende der Saison. Ich werde abstimmen lassen über die dämlichste Verletzung des Jahres. Als erster Kandidat hatte sich vor ein paar Wochen Bostons Carson Smith die Nominierung verdient, diese Woche kamen San Franciscos Hunter Strickland und Chris Martin aus Texas hinzu. Mehr dazu in den Abschnitten über die jeweilige Division.

National League
Wer gedacht hatte, in der National League East spiele sich durch das Wiedererstarken der Washington Nationals (39-33) und ein paar schwache Spiele der Atlanta Braves (43-30) nach und nach wieder die alte Hackordnung ein, der sieht sich getäuscht: Die Braves haben ihr kleines Tief schnell überwunden und von den letzten zehn Spielen sieben gewonnen, während die Nationals sieben verloren haben. Auch das zweite Überraschungsteam der Division, die Philadelphia Phillies (39-33), hatten mit gewonnenen Serien gegen die Brewers und die Cardinals eine erfolgreiche Woche und haben von der Bilanz her wieder zu den Nationals aufgeschlossen. Entsprechend interessant wird die am Wochenende anstehende Serie zwischen den Nationals und den Phillies werden. Lachender Dritter ist wahrscheinlich wieder mal Atlanta, das in der Zeit gegen die Orioles und im Anschluss gegen die Reds antreten darf, also gegen zwei der schwächsten Teams der Liga. Die Nationals haben in einem Trade mit den Royals diese Woche ihren Bullpen um Kelvin Herrera aufgerüstet. Herrera wird vermutlich in einer Setup-Rolle primär das achte Inning vor Closer Sean Doolittle übernehmen. Für ihn gingen die Prospects OF Blake Perkins, 3B Kelvin Gutierrez und Pitcher Yohanse Morel nach Kansas City.

In der NL Central geht es weiterhin hauteng zu zwischen den Chicago Cubs (42-29) und den Milwaukee Brewers (43-30). Beide stehen quasi gleichauf, mit ein paar leichten Vorteilen für die Cubs: Sie haben erstens noch zwei Spiele weniger, können sich also noch aus eigener Kraft von dem Konkurrenten absetzen; sie haben zweitens das bessere Run Differential (+99 zu +49); und auf sie wartet drittens mit den Cincinnati Reds (28-45) der angenehmere Gegner in der nächsten Serie. Die Brewers bekommen es derweil mit den St. Louis Cardinals (38-34) zu tun, die dringend ein paar Siege brauchen, um den Anschluss an das Führungsduo nicht zu verlieren, wie es den Pittsburgh Pirates (36-37) bereits passiert ist.

Auch in der NL West hat jemand den Anschluss verloren, nämlich die San Diego Padres (34-42). Nach vier Niederlagen in Folge sind ihre Hoffnungen, in dieser ausgeglichenen Division als Außenseiter für Furore zu sorgen, deutlich kleiner geworden. Die Arizona Diamondbacks (40-33), die Los Angeles Dodgers (38-35), die San Francisco Giants (37-38) und die Colorado Rockies (36-38) sind hingegen nach wie vor so nah beieinander, dass die Reihenfolge dieser vier von Woche zu Woche komplett anders aussehen kann. Der Favorit in der Runde sind nach wie vor die Dodgers, die recht optimistisch in die nahe Zukunft blicken dürfen: Sie spielen am Wochenende dreimal gegen die als Aufbaugegner geeigneten Mets und Anfang nächster Woche wird aller Voraussicht nach ihr Pitcher-Ass Clayton Kershaw von der Verletztenliste zurückkehren. Etwas länger wird auf selbiger der Closer der Giants, Hunter Strickland, stehen. Er hat am Montag einen Save gegen die Marlins vergeben und daraufhin vor Frust gegen eine Tür gehauen. Resultat: Hand gebrochen, Operation, sechs bis acht Wochen Pause. Damit ist er einer der eingangs erwähnten Kandidaten für die dämlichste Verletzung des Jahres.

American League
Die New York Yankees (49-22) haben sich in der American League East gegenüber ihrem Erzrivalen Boston Red Sox (49-26) in den letzten Tagen etwas Luft verschafft. Während die Red Sox zweimal den Twins unterlagen, gewannen die Yankees zweimal gegen die Mariners und vorher noch ein Nachholspiel gegen die Nationals. Die Yankees und die Red Sox sind nun nach Siegen gleichauf und haben auch fast identische Werte, was erzielte und kassierte Runs angeht. Doch die Yankees haben noch vier Spiele weniger absolviert und damit alle Trümpfe in der Hand, um in gut einer Woche mit einem Vorsprung ins nächste direkte Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten zu gehen. Die Toronto Blue Jays (34-39) und die Tampa Bay Rays (34-40) verkörpern derweil ein recht solides Mittelmaß, das aber sowohl von der Divisionsspitze als auch von den Wild-Card-Plätzen schon so weit entfernt ist, dass die restliche Saison für sie relativ langweilig zu werden droht. Und dann gibt es noch die Baltimore Orioles (21-51). Sie sind schlecht.

Über die AL Central schreibe ich hier jede Woche das gleiche. Das tut mir leid, aber die Realität lässt mir kaum eine andere Möglichkeit. Also dieses Mal in Kurzform: halbwegs gute Cleveland Indians (40-33), dann lange nichts, positiv überraschend mittelmäßige Detroit Tigers (36-39), negativ überraschend mittelmäßige Minnesota Twins (33-37), dann wieder lange nichts und schließlich die furchtbar schwachen Chicago White Sox (24-49) und Kansas City Royals (22-52). Halt, eins muss ich dann doch noch erwähnen: Max Kepler hat gestern einen Homerun geschlagen und obendrein einen fantastischen Catch im Outfield dazu beigetragen, dass die Twins die Red Sox mit 4:1 zum zweiten Mal in Folge schlugen. Vielleicht machen Kepler & Co. die Division ja doch noch mal spannend?

12 Spiele hintereinander hatten die Houston Astros (50-26) gewonnnen, bevor sie sich am Dienstag einmal knapp mit 1:2 den Rays geschlagen geben mussten. Das ist beeindruckend und es sieht nicht so aus, als sollten die Astros in absehbarer Zeit zu stoppen sein: Sie haben nach wie vor die beste Offense und die beste Defense der gesamten Liga und der Spielplan meint es auch noch gut mit ihnen. Bis zum All-Star-Break, also noch rund vier Wochen lang, treffen sie auf keinen einzigen Gegner, der noch realistische Chancen auf die Postseason hat. Der zweite der AL West, die Seattle Mariners (46-28), spielt nach wie vor eine beeindruckende Saison, hat aber nicht ganz so viel Glück mit den Gegnern: Zuletzt setzte es drei Niederlagen gegen die Red Sox und die Yankees, und nach einem weiteren Spiel gegen die Yankees geht es gleich noch dreimal gegen die Red Sox. Im Wild-Card-Rennen haben die Mariners aber ein beruhigendes Polster von sieben Spielen auf die Los Angeles Angels (39-35), die sieben der letzten neun Spiele verloren haben, und das obwohl Mike Trout (.335/.469/.689, 23 HR) in der Form seines Lebens ist. Die Angels richten ihren Blick zurzeit eher nach unten als nach oben, denn die Oakland Athletics (38-36) stehen kurz davor, ihnen Platz drei streitig zu machen. Die Texas Rangers (32-44) sind trotz einer Serie von fünf Siegen noch zu weit weg, um irgendjemandem etwas streitig zu machen – außer vielleicht den Titel für die dämlichste Verletzung. Reliever Chris Martin hat hierfür eine durchaus aussichtsreiche Bewerbung abgegeben, indem er sich letzte Woche beim Versuch, vom Dugout aufs Feld zu rennen, um an einem Brawl teilzunehmen, den Oberschenkel zerrte.

Szene der Woche
Max Kepler grandiosen Catch habe ich ja oben schon erwähnt, aber es gab in dieser Woche einen, der mich noch mehr beeindruckt hat: Billy Hamiltons Fang eines Flyballs von Pittsburghs Francisco Cervelli hatte laut Statcast eine Wahrscheinlichkeit von nur 2%, aber er machte ihn trotzdem. Das kann durchaus der Catch des Jahres gewesen sein und ich möchte ihm hier noch den möglichen Wurf des Jahres zur Seite stellen: Cubs-Outfielder Jason Heyward wendete damit einen scheinbaren Routine-Sacrifice-Fly am Mittwoch zum Doubleplay gegen Justin Turner und Chris Taylor von den Dodgers.

Statistik der Woche 
-5. So viele Tage benötigte der 19-jährige Juan Soto, um seinen ersten Homerun zu erzielen, nachdem er von den Washington Nationals in die MLB befördert wurde. Ihr habt richtig gelesen: minus fünf. Soto spielt seit 20. Mai 2018 in der Major League, schlug aber in einem Spiel vom 15. Mai 2018 bereits einen Homerun gegen die Yankees – und hatte am gleichen Tag drei Hits für die Harrisburg Senators bei den Bowie Baysox. Kann Soto durch die Zeit reisen und an mehreren Orten gleichzeitig sein? Die Erklärung ist leider nicht ganz so spektakulär: Am 15. Mai war Soto tatsächlich in Bowie, Maryland, aktiv. Das MLB-Spiel vom gleichen Tag wurde wegen schlechten Wetters abgebrochen und am 18. Juni zu Ende gespielt – mit Soto und seinem spielentscheidenden Homerun zum 5:3.

Spiel der Woche
Eigentlich sind dieses Jahr die Seattle Mariners die Meister der knappen Spiele, doch gestern hatten sie in einem solchen mal das Nachsehen. Zunächst hatte es noch nicht mal knapp ausgesehen, denn die Mariners gingen gegen die Yankees im fünften Inning bereits mit 5:0 in Führung. Doch die New Yorker arbeiteten sich schrittweise heran und wendeten das Blatt in den letzten beiden Innings durch zwei beeindruckende Homeruns. Zuerst war es im achten Durchang Gary Sanchez, der mit einem Mammutschlag für den Ausgleich sorgte. Im neunten Inning gelang dann Giancarlo Stanton mit einem Hit, der ebenfalls keinen Raum für Zweifel ließ, der Walkoff-Sieg. Für die Yankees war es übrigens bereits der 23. Sieg in diesem Jahr, bei dem sie einen Rückstand gedreht haben.

Mein Einschalttipp
Ich hoffe, ihr lest diesen Artikel schon bald, denn mein Einschalttipp der Woche findet bereits heute ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Die New York Yankees und die Seattle Mariners absolvieren das dritte Spiel ihrer Serie und nachdem es gestern schon ein wahnsinnig spannendes Spiel war, steht heute als Pitching-Matchup ein absoluter Leckerbissen an: Seattles James Paxton (3.44 ERA, 2.88 FIP) trifft auf New Yorks Luis Severino (2.09 ERA, 2.18 FIP). Ihr könnt das Spiel sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv sehen. Ich weiß, Argentinien gegen Kroatien bei der WM ist eine harte Konkurrenz, aber meine Priorität ist eindeutig und wenn eure es nicht ist, dann könnt ihr ja wenigstens vor und nach dem Fußballspiel mal reinschauen. Gut, dass Baseball in der Regel etwas länger dauert.

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Mai 17th, 2018 by Silversurger

Nach 42 Spielen in der MLB-Saison 2018 haben die Los Angeles Dodgers exakt den gleichen Record wie die Miami Marlins, gegen die sie gerade zweimal verloren haben. Klar, das ist nur eine Momentaufnahme und aller Voraussicht nach werden die Siegquoten beider Teams in absehbarer Zeit unterschiedliche Richtungen einschlagen. Aber dass ein solcher Zwischenstand nach einer beträchtlichen Zahl gespielter Partien möglich und gar nicht mal besonders ungewöhnlich ist, macht für mich einen ganz großen Teil des Reizes dieser Sportart aus. Weniger reizvoll finde ich die immer wieder aufkommenden Drogen- und Dopingfälle. Mit Robinson Cano ist diese Woche ein prominenter Täter überführt worden und dank geschickten Taktierens vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Alles, was ich im MLB-Geschehen der letzten sieben Tage sonst noch erfreulich, ärgerlich oder einfach interessant fand, lest ihr im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

American League
Die American League East bietet nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen und es ist geradezu verblüffend, wie groß die Parallelen der New York Yankees (28-12) und der Boston Red Sox (29-14) sind: Die Bilanzen sind fast gleich, nur ein bisschen verzerrt durch die weniger absolvierten Spiele der Yankees. Die Run Differentials sind ebenfalls fast identisch, was daher rührt, dass beide Teams exakt gleiche viele Runs (166) kassiert haben und sich bei den erzielten Runs (Yankees 231, Red Sox 232) nur um einen einzigen unterscheiden. Die Chancen, dass beide auch in einer Woche noch die erfolgreichsten Teams der gesamten Liga sind, stehen gut, denn die anstehenden Aufgaben sehen sehr lösbar aus: Die Red Sox treten viermal gegen die Baltimore Orioles (13-29) und dreimal bei den Tampa Bay Rays (19-22) an, die Yankees spielen Auswärtsserien in Kansas City und in Texas. Erwähnen muss ich noch, dass Bostons Reliever Carson Smith am Montag eine aussichtsreiche Bewerbung um die dämlichste Verletzung des Jahres abgegeben hat: Er kugelte sich im Spiel gegen die Athletics die Schulter des Wurfarms aus, aber nicht etwa beim Pitchen, sondern als er aus Frust über einen erlaubten Homerun und seine Auswechslung im Dugout seinen Handschuh wegschleuderte. Das Ziel der Frustbewältigung hat er mit dieser Aktion wohl verfehlt; er steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

Eine besondere Stellung innerhalb der MLB nimmt nach wie vor die AL Central ein. Sie ist die einzige Division, in der man mit negativem Record auf Platz eins stehen kann. Die Cleveland Indians (21-21) tun das zurzeit ungefähr jeden zweiten Tag, momentan stehen sie nach dem gestrigen Sieg über die Tigers zumindest wieder ausgeglichen. Angesichts der nächsten neun Spiele, von denen in sieben die Astros und in den anderen beiden die Cubs der Gegner sind, glaube ich aber nicht, dass Cleveland sich in der aktuellen Form bei .500 halten kann. Das eröffnet eine Chance für die Minnesota Twins (18-21), die ihr Zwischentief überwunden und acht der letzten zwölf Spiele gewonnen haben. Von Montag bis Mittwoch treffen sie auf die Detroit Tigers (19-23), die in der Division zwar krasser Außenseiter, aber ebenfalls gar nicht weit von der Spitze entfernt sind – anders als die weiteren Außenseiter Kansas City Royals (13-30) und Chicago White Sox (10-29).

In der AL West gab es in den vergangenen Tagen eigentlich genug sportliche Schlagzeilen, vor allem durch das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs Houston Astros (28-17) und Los Angeles Angels (25-18). In drei spannenden Spielen behielt Houston zweimal die Oberhand und festigte damit die Tabellenführung (siehe „Spiel der Woche“). Die aufsehenerregenderen Nachrichten drehten sich allerdings um die Seattle Mariners (24-18) und dort vor allem um Robinson Cano. Am Sonntag wurde dem Second Baseman noch allseits großes Mitleid zuteil, weil er sich beim Hit durch einen Pitch von Detroits Blaine Hardy die rechte Hand brach. Einen Tag später avancierte Cano zum Buhmann, denn es wurde bekannt, dass ihm der Gebrauch von Furosemid nachgewiesen wurde. Das ist eine Substanz, die nicht selbst leistungssteigernd wirkt, aber allgemein bekannt dafür ist, dass sie dazu verwendet wird, den Nachweis verwendeter Dopingmittel zu behindern. Die Liga hatte dafür schon vor einigen Wochen einer Sperre von 80 Spielen ausgesprochen. Diese war noch nicht bekannt und wirksam geworden, weil Cano Einspruch eingelegt hatte. Den Einspruch zog er nun zurück und sitzt die Sperre damit relativ bequem in der Zeit ab, die er wegen der Verletzung ohnehin verpasst hätte. Laut Cano ist dieses zeitliche Zusammentreffen reiner Zufall. Wer’s glaubt, wird selig.

National League
Die jungen Atlanta Braves (26-16) mischen weiterhin die National League East auf, inzwischen sind sie sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten Runs (225) und vom Run Differential (+59) her das führende Team der gesamten NL. Fast genauso erfolgreich sind die Philadelphia Phillies (24-16), die zwar nicht ganz so viele Runs wie die Braves gescort, dafür aber mit 146 die wenigsten Runs der NL zugelassen haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber wenn sich die Phillies und die Braves von Montag bis Mittwoch dreimal direkt gegenüber stehen, dann ist das die absolute Spitzenserie der NL (siehe „Mein Einschalttipp“). Im Schatten dieser beiden haben sich die Washington Nationals (24-18) nach vorne gearbeitet und der Spielplan meint es derzeit gut mit ihnen: Sie treffen nun zwölfmal hintereinander auf Teams mit deutlich negativem Record (Dodgers, Padres, @Marlins, @Orioles). Für die New York Mets (20-19) sieht es hingegen trotz immer noch knapp positiver Bilanz stark danach aus, dass sie dabei sind, den Anschluss zu verlieren. Seit über einem Monat, genauer gesagt seit 13. April, haben sie es nicht mehr geschafft, mal zwei Spiel hintereinander zu gewinnen.

Schon seit einigen Wochen erfreut die NL Central den neutralen Beobachter mit der besonders schönen Konstellation, dass vier Teams fast gleichauf stehen und sich keines davon anschickt, sich nach oben oder unten abzusetzen. Die Pittsburgh Pirates (25-17), die Milwaukee Brewers (26-18), die St. Louis Cardinals (23-17) und die Chicago Cubs (22-18) sind nach wie vor nur zwei Spiele auseinander. Die größte Überraschung sind dabei die Pirates, aber mit den Padres sowie den Cincinnati Reds (15-29) als Gegner in den nächsten sieben Spielen ist es durchaus wahrscheinlich, dass Pittsburgh auf absehbare Zeit weiter auf der Erfolgswelle schwimmt.

Etwas abgeflaut ist hingegen die Erfolgswelle der Arizona Diamondbacks (25-18). Sie führen zwar immer noch die NL West an, aber nach sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen ist der Vorsprung auf die Colorado Rockies (23-20) deutlich geschrumpft und er wäre schon komplett verschwunden, wenn die Rockies nicht ebenfalls an den vergangenen Tagen einige Niederlagen eingesteckt hätten. Generell ist die NL West zurzeit schlecht drauf, denn kein Team der Division hat aus den letzten zehn Spielen mehrheitlich Siege herausgeholt. Die San Francisco Giants (22-22) stehen gerade noch ausgeglichen, die San Diego Padres (17-27) deutlich negativ und hinter ihnen zieren die massiv enttäuschenden Los Angeles Dodgers (16-26) das Tabellenende mit zurzeit sechs verlorenen Spielen hintereinander.

Szene der Woche
Es waren schon wieder so viele sehenswerte Szenen, dass ich an dieser Stelle eine kleine Auswahl vorstelle statt nur eine herauszugreifen: Der seltsamste Anblick war für mich diese Woche der Hit von C. J. Cron. Es sah ein bisschen nach Cricket aus, als der Rays-1B den zu kurz geratenen Pitch von Royals-Pitcher Eric Skoglund ins Leftfield schlug, nachdem dieser auf dem Boden aufgekommen war. Auf Base kam er dadurch allerdings nicht, denn der Flugball war sichere Beute für Jon Jay. Im gleichen Spiel am Dienstag, sogar direkt beim nächsten Pitch, trug sich die Szene zu, die mich am meisten beeindruckt hat: Matt Duffy schlägt einen Single, Adeiny Hechavarria startet von der zweiten Base durch zur Homeplate und scheint einen Tick zu spät zu kommen, bevor er den Slide des Jahres hinlegt und den letztlich siegbringenden Run scored. Zu guter Letzt ist noch die emotionalste Szene der Woche zu erwähnen. Eigentlich war es ein ganz normaler Homerun von Stephen Piscotty, aber der Fakt, dass er diesen beim ersten At Bat nach einer Woche Trauerpause wegen des Tods seiner Mutter schlug, machte daraus ein wirklich bewegendes Ereignis.

Statistik der Woche 
45. So viele Pitches warf Jacob deGrom am Sonntag im ersten Inning gegen die Phillies – und beendete das Inning, ohne einen Hit oder einen Run zuzulassen. Es waren die zweitmeisten Pitches eines einzelnen Pitchers in einem Inning ohne Runs; der Rekord liegt bei 50 (Ken Patterson im Jahr 1990). Zu dem hohen Pitchcount trugen drei Walks und insgesamt 20 Foulballs bei. Nach dem ersten Inning wurde deGrom ausgewechselt, weil die Coaches der Mets der Ansicht waren, die hohe Belastung sei genug für ihn, zumal er gerade erst von der Verletztenliste zurückgekehrt war und sein Warmup für die Partie wegen einer Regenverzögerung eine Stunde länger gedauert hatte.

Spiel der Woche
Eine Spitzenserie, die diesen Namen verdient, lieferten sich an den letzten drei Tagen die Los Angeles Angels und die Houston Astros. Die dritte Partie war die interessanteste, zumal sie auch die Serie entschied. Offensiv ist die Geschichte dieses Spiels schnell erzählt, es braucht dazu nur einen Namen: Evan Gattis. Der DH der Astros war mit seinem 2-Run-Homer im zweiten Inning für alle Runs des Spiels verantwortlich. Mit nach Hause brachte er Josh Reddick, der bei einem Error von Zack Cozart auf Base gekommen war. Der eigentliche Held des Spiels war aber Houstons Pitcher Justin Verlander. Er absolvierte die kompletten neun Innings, in denen er nur fünf Hits zuließ und die Highlights ausgerechnet gegen zwei der aktuell spektakulärsten Baseballer der Welt setzte: im achten Inning, als er Mike Trout mit zwei Runnern in Scoringposition zu einem Groundout brachte, und im neunten, als er gegen Shohei Ohtani den 2500. Strikeout seiner Karriere erzielte. Der 35-Jährige steht diese Saison jetzt bei 68.2 Innings und einem exzellenten ERA von 1.05.

Mein Einschalttipp
Das überraschende Spitzenduell der National League steigt von Montag bis Mittwoch in Philadelphia zwischen den Phillies und den Atlanta Braves. Leider kommt offenbar keines der drei Spiele auf DAZN, aber auf mlb.tv sind sie natürlich alle zu sehen. Das beste Pitching-Matchup – soweit es sich so lange vorher schon absehen lässt – wird Mittwochnacht geboten, wenn der junge Sean Newcomb (2.51 ERA, 3.08 FIP) und Routinier Jake Arrieta (2.59 ERA, 3.48 FIP) ihre Kräfte messen.

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August 13th, 2017 by Silversurger

Als Fan der New York Mets hat man es zurzeit nicht leicht. Nicht nur, weil die Ergebnisse der Mets in dieser Saison massiv enttäuschen und nicht nur, weil (tatsächliche oder vermeintliche) Stars wie Matt Harvey, Noah Syndergaard und David Wright ständig verletzt sind – sondern auch und vor allem, weil derzeit fast täglich ein etablierter und beliebter Spieler weg getradet wird: Zuerst gingen kurz vor der Trade-Deadline First Baseman Lucas Duda (Tampa Bay Rays) und Closer Addison Reed (Boston Red Sox), nach der Deadline folgten Outfielder Jay Bruce (Cleveland Indians) und letzte Nacht Second Baseman Neil Walker (Milwaukee Brewers).

Alle vier waren mehr oder weniger Leistungsträger bei den Mets und auf den ersten Blick fällt es schwer zu verstehen, dass die Teamverantwortlichen sich für relativ wenig Gegenleistung von ihnen trennten. Alle genannten Spieler wurden gegen nicht mehr als ein paar nachrangige Minor-League-Reliever oder einen „Player to be named later“ eingetauscht. Bei näherem Hinsehen wird aber auch klar, dass es für die Mets sinnvoll war, diese Spieler abzugeben und dass die eigene Verhandlungsposition dabei nicht besonders stark war: Die vier standen nur noch für dieses Jahr unter Vertrag und hätten den Verein jeweils mehrere Millionen Dollar an Gehalt gekostet. Diese Gehälter wollten die Mets sich sparen, da für sie sportlich in diesem Jahr ohnehin nichts mehr erreichbar ist. Sie mussten also Tradepartner finden, die bereit sind, die Restgehälter der Spieler zu übernehmen. Das war für die Mets die Priorität und das ist ihnen gelungen. Auf der anderen Seite mussten sie darauf verzichten, von den aufnehmenden Teams hochwertige Prospects zu verlangen.

Verständlich ist das Handeln der Mets also, gut finden muss man es deswegen aber noch lange nicht: Als Fan möchte man natürlich immer vielversprechende Talente zum eigenen Team kommen sehen und schert sich recht wenig darum, ob die Teambesitzer ein paar Millionen Dollar sparen oder nicht. Das gilt insbesondere, wenn die Owner – so wie die Mets-Besitzer Fred und Jeff Wilpon – als knauserig bekannt sind und somit die Befürchtung besteht, dass das Geld tatsächlich gespart wird statt es in das Team der Zukunft zu investieren.

Die Zukunft hat derweil begonnen, indem die Mets in den letzten Tagen in Shortstop Amed Rosario und First Baseman Dominic Smith die beiden aussichtsreichsten Prospects ihres Farmsystems in das MLB-Team geholt haben. Beide sollen in den kommenden Jahren tragende Säulen der Mannschaft bilden, gemeinsam mit den Outfieldern Michael Conforto und Yoenis Cespedes. Alle anderen Positionen sind mehr oder weniger vakant wegen auslaufender Verträge (OF Curtis Granderson, IF Jose Reyes, C René Rivera), schwankender Leistungen (C Travis d’Arnaud, IF Asdrubal Cabrera, IF Wilmer Flores, OF Brandon Nimmo) und einem wahrscheinlich anstehenden Karriereende (3B David Wright).

Anders als vor der laufenden Saison, als die Mets auf Kontinuität setzten und damit baden gingen, steht in der kommenden Offseason ein größerer Umbruch an. Offen ist noch, ob es ein echtes Rebuilding-Projekt wird, mit dem man sich für ein paar Jahre selbst aus dem Rennen nimmt, oder ob die Mets anstreben, sich zügig neu zu formieren und direkt wieder anzugreifen. Letzteres wäre natürlich schöner, kann aber nur funktionieren, wenn man von Vereinsseite her erstens bereit ist, nennenswert Geld in die Hand zu nehmen und für die vakanten Positionen echte Verstärkungen an Land zu ziehen. Zweitens sind die Konzepte und Personalien der Medizin- und Trainingsabteilungen überarbeitungsbedürftig, denn die Verletzungsgeschichten der letzten Jahre sind zu zahlreich und intensiv als dass man sie auf reines Pech zurückführen könnte. Bekäme man dieses Problem in den Griff, so könnte die Pitcher-Rotation ohne größere Personaländerungen in der Lage sein, die Erwartungen zu erfüllen, denen sie dieses Jahr nicht gerecht wurde. Drittens und vor allem anderen ist eine Entscheidung über die Zukunft von Manager Terry Collins zu treffen. Der 68-Jährige, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, ist ein sehr sympathischer Mensch und steht immer felsenfest hinter seinen Spielern. Aber seine lange Liste zweifelhafter Entscheidungen beim Lineup-, Batting-Order-und In-Game-Management, seine übertriebene Nibelungentreue zu formschwachen Veteranen und seine Tendenz, Reliever zu verheizen, sprechen dagegen, an ihm noch länger festzuhalten. Ich mag Collins wirklich sehr, doch ich finde es ist an der Zeit, ihm einen freundlichen und ehrenvollen Abschied zu bereiten und auch von Seiten des Managements frischen Wind ins Team zu bringen.

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März 30th, 2017 by Silversurger

Am Sonntag geht es endlich los mit der MLB-Saison 2017. Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees machen (warum auch immer) den Anfang um 19:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, anschließend spielen die Arizona Diamondbacks gegen die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals gegen Titelverteidiger Chicago Cubs. Alle anderen Teams haben ihr Eröffnungsspiel am Montag.

Was ich von der neuen Saison erwarte, habe ich in meinen Previews nach und nach verraten – O. K., der letzte Teil kommt erst morgen früh, aber der aufmerksame Leser hat sich bereits an dreißig Fingern abgezählt, welches Team ich dieses Jahr als World-Series-Sieger tippe.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch die Baseball-Bundesliga am Wochenende die Saison eröffnet. Los geht es schon am Freitagabend mit dem Spiel Heidenheim Heideköpfe gegen Haar Disciples. Auch auf die Bundesliga bin ich heiß wie Frittenfett, aber wegen der vielen wechselnden Importspieler und weil ich auch nur die Mainz Athletics wirklich intensiv verfolge, traue ich mir hier keine Prognose zu.

Jetzt aber erstmal das Wichtigste aus den vergangenen sieben Tagen – zum vorerst letzten Mal im Offseason-Format, ab nächster Woche gibt es dann wieder den bewährten Aufbau nach Divisionen mit Spielzug und Statistik der Woche etc.

Will Smith braucht Tommy-John-Surgery
Die San Francisco Giants müssen kurz vor Saisonstart eine Hiobsbotschaft verdauen: Mit RP Will Smith fällt ein wichtiger Teil des Bullpens für dieses Jahr aus, nachdem er sich der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen muss.

Zwei Neue für die Rays  
Die Tampa Bay Rays haben sich Im Frühlingsschlussverkauf noch zwei neue Spieler geleistet: Peter Bourjos kommt von den Chicago White Sox für Geld oder einen später zu benennenden Spieler und soll die Tiefe im Outfield ergänzen, hauptsächlich als Ersatzmann für Kevin Kiermaier. Catcher Derek Norris, von den Washington Nationals nach der Wieters-Verpflichtung entlassen, wird bei den Rays direkt in die Stammformation einsteigen, jedenfalls bis Wilson Ramos wieder fit ist. Ramos kam im Winter ebenfalls aus Washington, jedoch mit einer bekannten Verletzung, die ihn noch mindestens für die erste Saisonhälfte zum Aussetzen zwingt.

Vertragsverlängerungen für Rougned Odor und Jose Ramirez
Zwei junge Spieler und deren Teams haben sich durch frühzeitige Vertragsabschlüsse Planungs- und Kostensicherheit gesichert: Die Texas Rangers bezahlen dem 23-jährigen 2B Rougned Odor 49,5 Millionen Dollar und zwei Pferde (!) für sechs Jahre und haben die Option auf ein siebtes Jahr. Der 24-jährige Infield-Allrounder Jose Ramirez erhält von den Cleveland Indians 26 Millionen für die nächsten fünf Jahre und auch dieser Vertrag kann über Teamoptionen bis auf sieben Jahre ausgedehnt werden.

Jeurys Familia 15 Spiele gesperrt
Dass Jeurys Familia nach einem Vorfall häuslicher Gewalt eine Sperre erwartet, galt schon seit seiner vorübergehenden Festnahme am 31. Oktober als relativ sicher. Unklar war nur, wie lange genau die New York Mets auf ihren Closer verzichten müssen. Die MLB hat nun bekannt gegeben, dass es 15 Tage sind. Das ist die Hälfte dessen, was Aroldis Chapman letztes Jahr absitzen musste, offenbar weil Familias Fall als weniger schlimm eingestuft wurde und weil er bei der Aufklärung umfassend kooperierte. Nach übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten hat Familia seine Frau weder geschlagen noch mit Gewalt bedroht, sich aber während eines Streits unangemessen verhalten (angeblich geht es um eine zerstörte Tür).

Zweiter No-Hitter im Spring Training
Letzte Woche war es noch etwas Besonderes, als die New York Yankees den ersten Spring-Training-No-Hitter seit zwei Jahren schafften. Bis zum nächsten dauerte es aber nun gerade mal sieben Tage: Sage und schreibe acht Pitcher der Los Angeles Angels of Anaheim vereinten ihre Künste, um beim 4:0-Sieg ihres Teams die Seattle Mariners ohne Basehit abzufertigen. Das ist eine reife Leistung, auch wenn es nur im Spring Training war und obendrein gegen einen Split Squad der Mariners, in dem Seattle nur zwei Stammspieler einsetzte.

MLB im deutschen Fernsehen
Bisher war mlb.tv konkurrenzlos, wenn man die MLB aus Deutschland in bewegten Livebildern verfolgen wollte. Für den Die-Hard-Fan, der den Zugriff auf alle Spiele braucht, bleibt das auch so, aber wer sich auch mit einer kleineren Auswahl von Spielen zufrieden gibt, hat nun gleich zwei Alternativen: Der Streaminganbieter DAZN hat bekannt gegeben, dass er ab dieser Saison mehr als 600 MLB-Spiele übertragen wird. Und auf Sport1-US werden mindestens 75 Spiele gezeigt, die meisten davon mit Originalkommentar im Pay-TV, ein paar aber sogar im Free-TV mit eigenem deutschem Kommentar. Los geht es am Sonntag ab 23:15 Uhr mit Giants@Diamondbacks. Ich werde am Wochenende noch mal in einem ausführlicheren Artikel auf die verfügbaren Quellen mit ihren Vor- und Nachteilen und den anfallenden Kosten eingehen.

Kein First Pitch von Donald Trump
Ein neu gewählter US-Präsident eröffnet üblicherweise die MLB-Saison mit einem zeremoniellen ersten Pitch. Von Donald Trump bleibt uns das vorerst erspart. Er sagte die entsprechende Anfrage der Washington Nationals unter Verweis auf einen Terminkonflikt ab.

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Februar 9th, 2017 by Silversurger

Wie jeder Footballfan liebe ich den Superbowl. Wie jeder Baseballfan bin ich aber auch froh, wenn er vorbei ist, denn das ist das untrügliche Signal, dass jetzt wieder Baseball auf dem Programm steht: Am kommenden Sonntag machen die Pitcher und Catcher der Cleveland Indians den Anfang und in den Tagen darauf steigen auch bei den anderen Teams zunächst die Pitcher und Catcher und kurz darauf die restlichen Spieler offiziell ins Training ein. Am 24. Februar stehen bereits die ersten Spring-Training-Spiele an und ab da vergeht die Zeit bis zum echten Saisonbeginn am 2. April wie im Fluge, zumal zwischenzeitlich auch noch der World Baseball Classic, also die Baseball-Weltmeisterschaft, auf dem Programm steht.
Kurz bevor es ernst wird, gab es diese Woche noch eine Menge interessanter Free-Agent-Verpflichtungen: Mike Napoli und Jason Hammel sind bei neuen Teams untergekommen und vor allem der Markt für Reliever ist endlich richtig in Schwung geraten. Der Grand Slam am Donnerstag hält euch auf dem Laufenden:

Neue Engagements für Napoli, Carter und Morrison
Als einer der letzten „großen“ Free Agents hat 1B/DH Mike Napoli einen neuen Verein gefunden und es sind – nach schon lange anhaltenden Spekulationen wenig überraschend – die Texas Rangers. Der Deal ist noch nicht offiziell, aber der 35-jährige Slugger wird wohl für ein Jahr plus Team-Option unterschreiben und dafür 8,5 Millionen Dollar erhalten.
Im Windschatten dieser Verpflichtung sind zwei weitere First Basemen ebenfalls zu neuen Verträgen gekommen: Logan Morrison verbringt für 4,2 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei den Tampa Bay Rays und Chris Carter kommt dieses Jahr für 3,5 Millionen bei den Yankees unter. Carter wird den Fans der Yankees vermutlich Wechselbäder der Gefühle bescheren: Im letzten Jahr hatte er sowohl die meisten Homeruns (41) als auch die meisten Strikeouts (206) der National League.

Jason Hammel zu den Royals
Auch der bislang interessanteste verbliebene Starting Pitcher ist nun vom Markt: Jason Hammel, zuletzt beim World-Series-Sieger Chicago Cubs (wenngleich er in der Postseason nicht zum Einsatz kam), geht zu den Kansas City Royals. Für rund 14 Millionen übernimmt der 34-Jährige in den nächsten zwei Jahren den Platz in der Rotation, der durch den tragischen Unfalltod von Yordano Ventura freigeworden war.

Der Knoten der Reliever-Free-Agency ist geplatzt
Die diesjährige Free Agency hielt einige Paukenschläge in Form ungewöhnlich teurer und langfristiger Verträge für Relief Pitcher bereit – was in manchen Fällen (Aroldis Chapman, Mark Melancon) noch halbwegs verständlich, in anderen Fällen (Brett Cecil) meiner Ansicht nach völliger Irrsinn ist. Auf jeden Fall führten diese Monsterverträge dazu, dass auch bei anderen Relievern und bei deren Beratern Begehrlichkeiten geweckt wurden und dass die Clubs, die nicht auf die Preistreiberei einsteigen wollten, lange pokern mussten. In den letzten ein, zwei Wochen scheint der Knoten endlich geplatzt und zahlreiche solide Reliever einigten sich mit ihren Teams auf „normale“ Verträge.
Das Paradebeispiel für eine solche Politik der ruhigen Hand sind die New York Mets. General Manager Sandy Alderson hatte gleich zu Beginn der Offseason deutlich gemacht, dass es mit ihm keine exorbitanten Reliever-Verträge geben wird. Im Umfeld wurde es angesichts der vorhandenen Löcher im Kader und scheinbarer Untätigkeit der Verantwortlichen schon langsam unruhig, da zauberte Alderson letzten Freitag Einigungen mit Lefty Jerry Blevins (ein Jahr, 6 Millionen, plus Option auf ein weiteres Jahr) und Righty Fernando Salas (ein Jahr, 3 Millionen) hervor – also mit genau den beiden Spielern, deren Wiederverpflichtung nach starken Auftritten im letzten Jahr von Fans und Medien vielfach erhofft worden war. Ebenfalls gute Deals konnten in den letzten Tagen die Los Angeles Dodgers mit Sergio Romo (1 Jahr, 3 Millionen), die Cleveland Indians mit Boone Logan (1 Jahr, 6,5 Millionen) und die Toronto Blue Jays mit Joe Smith (1 Jahr, 3 Millionen) schließen.

Und was ist mit Matt Wieters?
Von meiner vor drei Monaten aufgestellten Top-20-Liste der Free Agents dieser Offseason ist noch genau einer übrig: Matt Wieters galt als einer der beiden besten Catcher eines auf dieser Position dünn besetzten Marktes – eigentlich als der beste, wenn man berücksichtigt, dass der andere der beiden, Wilson Ramos, dieses Jahr verletzungsbedingt in erster Linie als DH zu gebrauchen ist. Mit 30 Jahren, einem offensiv höchstens mittelmäßigen 2016 (.243/.302/.409), aber der Aussicht auf Besserung, je weiter er seine eigene Verletzungsgeschichte hinter sich lässt, schien Wieters‘ Hoffnung auf einen lukrativen Mehrjahresvertrag nicht unbegründet zu sein. Doch es kam anders: Nach und nach orientierten sich die Favoriten auf eine Verpflichtung – die Orioles, die Nationals, die Yankees, die Mets – anderweitig und Wieters sieht mehr und mehr nach dem Unglücklichen aus, der bei der Reise nach Jerusalem ohne Stuhl dasteht, wenn die Musik aufhört zu spielen. Ganz so weit wird es nicht kommen, aber inzwischen ist wohl davon auszugehen, dass er sich mit einem Einjahresvertrag begnügen und nächstes Jahr einen neuen Anlauf auf ein besseres Engagement starten muss. Als mögliche Orte, an denen Wieters landen könnte, wurden in den letzten Tagen Tampa Bay, Colorado, Anaheim, Cincinnati und immer noch Baltimore gehandelt.

Homer Bailey operiert
Leider muss man auch schon über eines der ersten Verletzungsopfer der noch nicht begonnenen Saison berichten: Homer Bailey, Starter der Cincinnati Reds, musste sich einen Knochensporn am Ellbogen entfernen lassen und wird zumindest den Beginn der Saison verpassen. Bailey bleibt somit das Verletzungspech treu. Seit er 2014 einen Sechsjahresvertrag über 105 Millionen Dollar unterzeichnete, verpasste er wegen Ellbogen-OPs einen Teil der Saison 2014 und fast die kompletten Spielzeiten 2015 und 2016.

Regeländerungen offiziell vorgeschlagen
Die aller Wahrscheinlichkeit nach bevorstehenden Regeländerungen zur neuen Saison – Verkleinerung der Strikezone und Abkürzung von Intentional Walks – hatte ich in früheren Artikeln schon beschrieben. Damit sie wirklich in Kraft treten können, muss jedoch noch die Spielergewerkschaft MLBPA zustimmen. Diese Zustimmung wurde seitens der Liga nun erbeten und es ist wohl relativ bald mit einer Entscheidung zu rechnen, damit Spieler und Schiedsrichter die Neuerungen im Spring Training angemessen einüben können.

MLB.TV ist zurück
Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Seit vorgestern ist MLB.TV für die kommende Saison buchbar – nach wie vor zu sehr vernünftigen Preisen, zum Beispiel 113 Dollar plus Steuern für das Premiumpaket, mit dem man ein ganzes Jahr lang sämtliche Saison- und Playoffspiele der MLB live, zeitversetzt und als Aufzeichnung sehen kann.

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