Dezember 6th, 2018 by Silversurger

Es ist mir jetzt fast ein bisschen peinlich, dass ich letzte Woche an dieser Stelle von „Saure-Gurken-Zeit“ gesprochen habe. Damit lag ich völlig daneben, denn auf dem Trade- und Free-Agent-Markt der MLB haben sich in den letzten Tagen die Ereignisse geradezu überschlagen. Dabei haben noch nicht mal die Winter Meetings angefangen. Das jährliche Treffen von Repräsentanten aller 30 Teams findet ab dem kommenden Samstag für vier Tage in Las Vegas statt. Traditionell ist das die Gelegenheit, bei der die großen Deals besprochen werden. Dieses Jahr hat sich einiges schneller entwickelt, zu einem guten Teil angetrieben durch Jerry Dipoto, den trade-eifrigen General Manager der Seattle Mariners. Man darf gespannnt sein, ob es auf den Meetings so handlungsfreudig weitergeht oder ob mit den bereits durchgezogenen Deals das Vehandlungspulver schon weitgehend verschossen ist.

Paul Goldschmidt zu den Cardinals
Ich fange mal an mit dem bisher einzigen Blockbuster-Trade des Jahres, an dem Dipoto und die Mariners nicht beteiligt waren: Paul Goldschmidt, bislang Dreh- und Angelpunkt der Offensive der Arizona Diamondbacks, geht zu den St. Louis Cardinals. Im Gegenzug wechseln Pitcher Luke Weaver, die beiden Minor Leaguer Catcher Carson Kelly und Infielder Andrew Young sowie ein Draftpick für 2019 nach Arizona. Goldschmidt ist eine deutliche Verstärkung für die Cardinals – das wäre er für jedes Team – und wird mit Matt Carpenter ein furchterregendes Duo an den Ecken des Infields bilden. Während St. Louis somit klar den Angriff auf die Spitze der NL Central wagt, scheint man sich bei den Diamondbacks eher in Richtung Neuaufbau zu orientieren. Goldschmidt ist weg, Patrick Corbin (siehe unten) ebenfalls und auch A. J. Pollocks ausgelaufener Vertrag wird wohl nicht verlängert werden.

Mets ertraden Cano und Diaz
Angefangen hatte die Woche mit dem ersten großen Trade der Seattle Mariners seit James Paxton, also seit rund zwei Wochen. Die New York Mets verstärken sich mit Second Baseman Robinson Cano und Closer Edwin Diaz. Dafür gehen Outfielder Jay Bruce, Reliever Anthony Swarzak sowie die drei Pitcher-Talente Jarred Kelenic, Justin Dunn und Gerson Bautista nach Seattle. Cano ist auf seiner Position einer der besten Spieler aller Zeiten, allerdings ist er schon 36 Jahre alt, saß dieses Jahr eine Dopingsperre ab und bringt noch fünf Jahre Vertragslaufzeit über 120 Millionen Dollar mit. Um die Kosten und das Risiko stemmen zu können, waren die Mets froh, mit Bruce und Swarzak zwei Spieler abgeben zu dürfen, die ebenfalls relativ teure Verträge haben und zuletzt die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Zudem übernehmen die Mariners noch 20 Millionen Dollar von Canos Gehalt. Die drei Prospects, vor allem Kelenic, dürften den Mets mehr weh getan haben als Bruce und Swarzak. Immerhin erhalten sie dafür mit Diaz den zurzeit besten Closer der Liga, der zudem erst 24 Jahre alt ist und noch vier Jahre unter Teamkontrolle steht.

Phillies sichern sich Segura
Nachdem sich letzte Woche die Atlanta Braves mit Josh Donaldson und Brian McCannn und diese Woche die Mets mit Cano und Diaz verstärkt hatten, wollten die Philadelphia Phillies nicht zurück stehen. Sie haben daraufhin ebenfalls einen Deal mit Seattle eingefädelt, der ihnen All-Star-Shortstop Jean Segura sowie die beiden Reliever Juan Nicasio und James Pazos einbringt. Die Mariners erhalten dafür First Baseman Carlos Santana und Shortstop J. P. Crawford. Aus sportlicher Sicht ergibt dieser Trade kaum Sinn für die Mariners – es geht für sie letztlich einzig um gesparte Gehälter. Wenn man den Vertrag von Santana gegenrechnet, ergibt sich für Seattle eine Ersparnis von über 30 Millionen Dollar.

Colome zu den White Sox getradet
Und gleich noch einer, der von der Gehaltsliste der Mariners gestrichen werden kann: Reliever Alex Colome geht von Seattle zu den Chicago White Sox. Für ihn bekommen die Mariners Catcher Omar Narvaez. Narvaez ist ein Ergänzungsspieler, der noch bis 2022 unter Teamkontrolle steht und 2019 das Mindestgehalt der MLB verdienen wird – es handelt sich also um einen weiteren Trade, der von Seattles Seite primär der Kostenreduktion dient.

Nationals holen Corbin und Gomes
Im Windschatten der aufsehenerregenden Trades dieser Woche haben die Washington Nationals sich das bisher größte Free-Agent-Signing der Offseason geleistet. Der linkshändige Starting Pitcher Patrick Corbin, in meinem Free-Agent-Ranking auf Platz drei, unterschreibt einen Sechsjahresvertrag über 140 Millionen Dollar. Die Nationals überraschen mit diesem Move. Eigentlich hatten einige Anzeichen dafür gesprochen, dass sie zu einem Rebuilding tendieren und in der NL East für die nächsten zwei, drei Jahre den Braves, den Phillies und vielleicht den Mets das Feld überlassen. Die Verpflichtung von Corbin spricht eine andere Sprache und ebenso, dass die Nationals zudem Catcher Yan Gomes für zwei Prospects von den Cleveland Indians ertradet haben. Mit vier Teams, die an die Spitze streben, könnnte die NL East die interessanteste Division der kommenden Saison werden.

Ein neuer Catcher für die Astros
Auch die Houston Astros haben sich einen neuen Catcher gegönnnt: Robinson Chirinos erhält einen Vertrag über ein Jahr und 5,75 Millionen Dollar. Chirinos ist als mittelmäßiger Batter und defensiv unterdurchschnittlicher Catcher eher der Typ Ergänzungsspieler. Für den Moment darf er sich als Teil der Startaufstellung fühlen, denn die Catcher aus dem letzten Jahr – Brian McCann, Martin Maldonado und Evan Gattis – wurden allesamt nicht weiter verpflichtet.

Garrett Richards zu den Padres
Die San Diego Padres investieren für das Jahr 2020, indem sie Pitcher Garrett Richards (bisher bei den Los Angeles Angels) einen Zweijahresvertrag über 15 Millionen Dollar geben. Das ist eine Menge Geld für einen 30-Jährigen mit ausführlicher Verletzungsgeschichte, der 2019 voraussichtlich kein Spiel absolvieren wird, nachdem er im Juli eine Tommy-John-Surgery hatte. Es ist eine Verpflichtung mit hohem Risiko, aber auch mit hohen Chancen. Denn immer wenn Richards gesund war, hat er gezeigt, dass er ein sehr guter Pitcher ist, der einem Team weiterhelfen kann.

Einige neue Free Agents
Üblicherweise steht man als Spieler in den ersten sechs Jahren seiner MLB-Karriere unter Teamkontrolle. Drei Jahre lang verdient man in der Regel das Minimum, danach wird das Gehalt im sogenannten Arbitration-Verfahren ausgehandelt – es sei denn, der Verein hat kein Interesse, den Spieler weiter zu beschäftigen. Letzten Freitag endete der Zeitraum, in dem die Teams entscheiden mussten, welchen Spielern im vierten bis sechsten Jahr sie einen Vertrag anbieten. Jene, die kein Angebot bekommen haben, sind nun Teil des Free-Agent-Marktes. Unter ihnen sind keine ganz große Namen, aber doch ein paar Überraschungen. 2B Jonathan Schoop (zuletzt Brewers), OF Billy Hamilton (Reds), IF Yangervis Solarte (Blue Jays), IF Wilmer Flores (Mets), P Mike Fiers (Athletics) und 1B Justin Bour (Phillies) sind die bekanntesten unter den „non-tendered“ Free Agents, die nun auf der Suche nach einem neuen Team sind.

Dodgers verlängern mit Dave Roberts
Nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander waren Zweifel aufgekommen, ob die Los Angeles Dodgers an ihrem Manager Dave Roberts festhalten würden. Die Dodgers zogen dann aber doch zunächst die Option auf ein weiteres Jahr und nun haben sie sich mit Roberts auf eine langfristige Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt: Vier Jahre, also bis einschließlich zur Saison 2022, soll der 46-Jährige im Amt bleiben. Die finanziellen Konditionen der Einigung wurden bisher nicht bekannt.

Eovaldi bleibt in Boston
Quasi in letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass auch die Nummer sieben meiner Free-Agent-Liste, Nathan Eovaldi, einen neuen Vertrag in der Tasche hat. Der Pitcher bleibt bei den Boston Red Sox, mit denen er gerade die World Series gewonnen hat. Der Vertrag läuft wohl über vier Jahre und 67,5 Millionen Dollar.

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Januar 11th, 2018 by Silversurger

Und sie bewegt sich doch! Letzte Nacht ist endlich mal wieder etwas passiert in dieser sehr langsamen Offseason: Mit Jay Bruce hat ein weiterer Free Agent meiner Top-20-Liste einen neuen (und alten) Arbeitgeber gefunden. Einen Monat vor dem Trainingsauftakt für die neue Saison sind aber immer noch 14 Mitglieder dieser Liste – und zahlreiche weitere Free Agents – ohne neuen Vertrag. Würden die Arbeitslosen der MLB sich zu einer eigenen Mannschaft zusammen finden, brächten sie ein beachtliches Lineup zusammen: C Lucroy, 1B Hosmer, 2B Walker, SS Nunez, 3B Moustakas, LF Gonzalez, CF Cain, RF Martinez, DH Morrison. Starting Rotation: Darvish, Arrieta, Lynn, Cobb, Cashner. Bullpen: Holland, Reed, Albers, Watson. Das wäre kein schlechtes Team, oder?

Jay Bruce zurück in New York
Die notorisch sparsamen Mets haben sich doch noch aus der Deckung gewagt und Outfielder Jay Bruce zurück geholt. Nach einem holprigem Start in New York hatte der Outfielder 2017 in die Erfolgsspur gefunden (.256/.321/.520) und sich zum Publikumsliebling gemausert. Zur Trade Deadline war er nach Cleveland getradet worden, weil die Saison der Mets frühzeitig abgehakt war und sein Vertrag ohnehin auslief. Nun streift Bruce in den nächsten drei Jahren doch wieder das Mets-Jersey über und erhält dafür 39 Millionen Dollar. Bruce wird hauptsächlich im Rightfield spielen, kann aber auch mal an der First Base einspringen und bringt den Mets somit mehr Flexibilität für ihr Lineup sowie dringend benötigte Führungsqualität. Wenn nun noch ein solider Second oder Third Baseman (die jeweils andere Rolle übernimmt Asdrubal Cabrera) gefunden wird und vielleicht noch ein Starter für die untere Hälfte der Rotation, dann sieht die Offseason der Mets plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus wie es lange den Anschein hatte.

Boone Logan zu den Brewers
Das andere interessante Free-Agent-Signing dieser Woche ist aus Milwaukee zu vermelden und betrifft wenig überraschend einen Relief Pitcher. Reliever scheinen die einzigen Spieler zu sein, für die es in dieser Offseason einen nennenswerten Markt gibt. Die Brewers haben sich die Dienste von Linkshänder Boone Logan gesichert, der 1,875 Millionen Dollar Festgehalt für ein Jahr erhält und über leistungsbezogene Bestandteile weitere 3,2 Millionen verdienen kann. Der Verein hat eine einseitige Option auf ein zweites Vertragsjahr.

Neuer Backup-Catcher für die Angels
Die Los Angeles Angels sind eines von ganz wenigen Teams, die dieses Jahr richtig aufgerüstet haben. Mit Catcher René Rivera haben sie nun ein weiteres Puzzlestück hinzugefügt. Der 34-Jährige erhält 2,8 Millionen Dollar für ein Jahr und wird voraussichtlich als Reserve und Entlastung für Stamm-Catcher Martin Maldonado dienen.

Padres finden Bullpen-Verstärkung in Japan
Nachdem vor zwei Wochen schon die Diamondbacks mit dem ersten MLB-Engagement des 33-jährigen japanischen Relievers Yoshihisa Hirano überraschten, haben die San Diego Padres nun eine ähnliche Verpflichtung getätigt: Auch Kazuhisa Makita ist 33 und auch er erhält von seinem neuen Team einen Zweijahresvertrag. Im Gegensatz zu Hirano ist er nicht als Closer eingeplant sondern in einer weniger exponierten Bullpenrolle, folgerichtig ist er mit vier Millionen Dollar auch ein Stück günstiger. Ich bin gespannt, ob und wie Makitas Submarine-Stil sich in der MLB bewährt.

Dreiecks-Trade zwischen Dodgers, Royals und White Sox 
Es sind keine allzu berühmten Spieler involviert, aber ich finde, ein Dreiecks-Trade ist immer eine interessante Konstellation. In diesem Fall haben die Dodgers, die Royals und die White Sox sich auf solch einen Ringtausch geeinigt. Im Einzelnen: Die Dodgers bekommen Reliever Scott Alexander von den Royals und Minor-League-Infielder Jake Peter von den White Sox; die Royals erhalten von den Dodgers Pitching-Prospect Trevor Oaks und Minor-League-Infielder Erick Mejia; die White Sox bekommen die Reliever Luis Avilan und zwei Millionen Dollar von den Dodgers sowie Reliever Joakim Soria und eine Million von den Royals. Die wichtigsten Konsequenzen des Trades sind, dass die Dodgers mit Alexander einen Linkshänder-Spezialisten als Nachfolger von Tony Watson haben, ohne wieder in den Bereich der Luxussteuer zu rutschen; dass die Royals Sorias Gehalt loswerden und damit mehr Spielraum in der Free Agency haben (z. B. für Eric Hosmer); und dass die White Sox zwei solide Reliever bekommen, ohne viel dafür hergeben zu müssen.

Trade Solarte
Einen weiteren Trade haben die Blue Jays und die Padres vereinbart: Yangervis Solarte wechselt von San Diego nach Toronto, das im Gegenzug zwei Minor Leaguer abgibt. Solarte gibt den Blue Jays Tiefe für das gesamte Infield, dafür haben die Padres in Outfielder Edward Oliveras und RP Jared Carkuff nun zwei weitere Talente, die sich mit etwas Glück zu MLB-Spielern entwickeln könnten.

Skandal um Spieler-Agent Wood 
Die Agentur CSE, die zahlreiche MLB- und Minor-League-Spieler vertritt, hat einen hochrangigen Mitarbeiter, Spieler-Agent Jason Wood, gefeuert. Das wäre keine Meldung wert, stünde die Entlassung nicht in Zusammenhang mit einem ekligen Skandal, in dem mittlerweile die Staatsanwaltschaft ermittelt: Ein Spieler soll beim Duschen eine Kamera gefunden haben und es sieht alles danach aus, dass Wood diese Kamera angebracht und zahlreiche weitere von ihm betreute Spieler beim Duschen gefilmt hat. Wood bestreitet die Vorwürfe, der Anfangsverdacht ist aber offenbar stark genug, dass der Agent auch von der Spielergewerkschaft bis auf weiteres gesperrt wurde. Wood vertrat bislang beispielsweise Red-Sox-Outfielder Andrew Benintendi, Mariners-Pitcher David Phelps und Rays-Pitcher Jake Odorizzi.

Finale Weltrangliste für 2017
Ein kurzer Nachtrag zur kürzlich hier veröffentlichten Serie über Baseball in aller Welt: Der Weltverband WBSC hat die endgültige Baseball-Weltrangliste des Jahres 2017 veröffentlicht. Die ersten sechs Plätze sind unverändert geblieben,wobei die zweitplatzierten USA im Jahr ihres WBC-Triumphes den Rückstand auf Spitzenreiter Japan deutlich verkleinern konnten. Den größten Sprung nach vorne machte Israel von Rang 22 auf 19. Deutschland steht wie schon ein Jahr zuvor auf dem 20. Platz.

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