Dezember 14th, 2019 by Silversurger

In zehn Tagen ist Weihnachten. Wer bislang weder alle Geschenke beisammen hat noch sich mit seinen Liebsten auf einen „Nichtangriffspakt“ einigen konnte, kommt wahrscheinlich so langsam in Stress. Aber kein Grund zur Panik, denn ich habe ein paar hervorragende Geschenktipps für euch. Der erste davon ist ganz unbescheiden mein eigenes Buch. Kauft es und schenkt es allen, denen ihr den schönen Baseballsport näher bringen wollt. Ich habe inzwischen mehrfach die Rückmeldung erhalten, dass „Baseball – Alles, was man wissen muss“ sich zum Beispiel als Geschenk für Eltern und Großeltern von Baseballspielern großer Beliebtheit erfreut.

Aber genug der Eigenwerbung, denn der Hauptgrund für diesen Artikel ist mein zweiter Geschenktipp: Ich möchte euch Baseball Highlights 2045 vorstellen, das mit Abstand beste Baseball-Brettspiel, das ich kenne.

Baseball Highlights 2045 ist ein Deck-Building-Spiel. Jeder Mitspieler bekommt zu Beginn ein eigenes Kartendeck, das er im Laufe des Spiels durch regelmäßige Kaufrunden ausbaut und individualisiert. Der bekannteste Vetreter dieses Spielgenres ist wohl Dominion, das Spiel des Jahres 2009.

Das Spielmaterial von Baseball Highlights 2045 besteht in erster Linie aus Karten: Es gibt vier leicht unterschiedliche Grundsets (Teams) aus je 15 Spielerkarten sowie 60 Free-Agent-Karten, mit denen man sein Team verbessern kann. Hinzu kommen vier Spielbretter, eine Handvoll Spielfiguren, die als Batter und Baserunner fungieren, sowie einige Marker für die Anzeige des Heimteams, der erzielten Runs und der gewonnenen Einzelspiele. Zusätzliche Grundsets und Free Agents kann man in Form von Erweiterungspacks erwerben.

Gespielt wird in Serien, das heißt wie im echten Baseball ist das Hauptziel nicht ein Einzelsieg, sondern 2 von 3, 3 von 5 oder 4 von 7 Spielen zu gewinnen. Das erweitert das taktische Element, denn manchmal kann es sinnvoll sein, in einem Einzelspiel nicht auf Sieg zu spielen, sondern auf Kaufkraft, um das Team für die nächste Runde aufzurüsten.

Zwei Eigenheiten, die schon im Namen des Spiels angelegt sind, bedürfen einer näheren Erklärung: Baseball Highlights deutet darauf hin, dass nicht detailliert neun Innings á 3 Outs simuliert werden, sondern es werden von jedem Team je Einzelspiel nur sechs Spielerkarten gespielt, die eben die Highlights des jeweiligen Spiels symbolisieren. Eine Spielerkarte droht in der Regel Offensiv-Aktionen (Hits) an und/oder verhindert mit Defensiv-Aktionen Hits des Gegners. Zudem gibt es Sofort-Aktionen, die abhängig von der jeweiligen Spielsituation direkt in Kraft treten.

Der zweite Erklärungsbedarf steckt in der Jahresangabe 2045. Das Spiel ist in der Zukunft angesiedelt – in einer Zukunft, in der nach wie vor Baseball gespielt wird, aber nicht mehr ausschließlich von Menschen. Baseball Highlights 2045 unterscheidet zwischen drei Spielertypen: Naturals (normale Menschen), Cyborgs (durch Prothesen und Implantate verbesserte Menschen) und Roboter. Das klingt etwas abgedreht, ist aber letztlich nur eine Hintergrundstory, die eine vielfältige Gestaltung der Karten rechtfertigt, sich auf das Spiel an sich jedoch kaum auswirkt. Man muss also kein Science-Fiction-Nerd sein, um an Baseball Highlights 2045 Spaß zu haben.

Die Altersempfehlung des Herstellers lautet „ab 10 Jahren“. Das ist realistisch, wobei man das Spiel durchaus auch schon mit einem (oder einer) brettspielerfahrenen 7- bis 8-Jährigen spielen kann, sofern er/sie die englischsprachigen Karten lesen kann oder jemand dabei ist, der sie übersetzt und erklärt. Das Spiel ist am besten geeignet für zwei Spieler, aber es lässt sich auch gut in Turnierform mit drei oder vier Leuten spielen, und ein Solo-Modus ist ebenfalls vorgesehen. Ein normales 2-Spieler-Duell mit einer 3-Spiele-Serie als Vorrunde und einer Best-of-7-Serie als Hauptrunde dauert in der Regel eine knappe Stunde.

Die Brettspielversion von Baseball Highlights 2045 ist in Deutschland nicht gerade an jeder Ecke erhältlich, aber man findet sie problemlos im Onlinehandel, zum Beispiel bei Amazon. Noch einfacher zu bekommen ist das Spiel für wenige Euro als App auf Android– und Apple-Geräten. Die Umsetzung ist sehr gelungen und macht fast so viel Spaß wie das „richtige“ Spiel – aber eben nur fast, denn mit einem zünftigen Brettspielnachmittag am Tisch kann sich ein Handy- oder Tabletspiel meiner Ansicht nach niemals messen.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde privat erworben. Ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 9th, 2017 by Silversurger

Die beiden spannendsten Fragen der Offseason sind geklärt. Trotzdem erlaube ich mir, die Herren Shohei Ohtani und Giancarlo Stanton bis zum Grand Slam am Donnerstag auf meinen Senf warten zu lassen und erst einmal das Versprechen einzulösen, das ich im Artikel über „What About Baseball“ gegeben habe: Rechtzeitig vor Weihnachten stelle ich heute ein weiteres Baseball-Brettspiel vor – und nicht nur irgendeines, sondern meinen bisherigen Favoriten. „Bottom of the 9th“ heißt das gute Stück aus der kleinen, aber feinen Spieleschmiede „Dice Hate Me Games“.

Die Schachtel von „Bottom of the 9th“ macht auf den ersten Blick einen recht mickrigen Eindruck, sie hat eher die Größe eines Reisespiels. Aber das täuscht, denn an Inhalt wird einiges geboten: neben dem Spielfeld drei Batter- und diverse Markierungssteine, allesamt aus Holz, drei Würfel und ein Stapel Karten mit sehr unterschiedlichen Inhalten und Bestimmungen.

So hochwertig die Materialien sind, so durchdacht ist auch das Spielprinzip. Das übliche Szenario eines Duells zwischen zwei Spielern ist ein Unentschieden im unteren neunten Inning, das dem Spiel auch seinen Namen gegeben hat. Ein Spieler pitcht, der andere Spieler schlägt und die spielentscheidende Frage ist, ob das Team am Schlag einen Run und damit den Walk-off erzielen kann. Daneben gibt es noch eine Reihe von Karten mit weiteren Szenarien, die insbesondere – aber nicht nur – für die Einzelspielervariante gedacht sind. Natürlich kann man auch eine Partie über volle neun Innings spielen, was allerdings nicht empfohlen wird, weil es sich doch ziemlich zieht.

Gepitcht und geschlagen wird auch bei diesem Spiel durch Würfeln, doch am Beginn jedes At Bats steht erstmal der Staredown zwischen Pitcher und Batter: Dieser besteht darin, dass der pitchende Spieler verdeckt die Richtung seines Pitches (high/low und inside/outside) festlegt und der schlagende Spieler versucht, diese ebenfalls verdeckt vorherzusagen. Je nachdem, wie gut ihm dies gelingt, hat in der anschließenden Würfelrunde einer der Spieler einen Vorteil, indem er zum Beispiel ein zweites Mal würfeln oder das Würfelergebnis um +/-1 verändern darf. Gewürfelt wird immer zuerst vom Pitcher mit zwei Würfeln. Danach ist der Batter an der Reihe – je nach Pitch versucht er, eine höhere oder eine niedrigere Zahl zu erzielen als der Pitcher und somit einen Treffer zu landen oder einen Ball passieren zu lassen.

Die Komplexität und der Abwechslungsreichtum des Spiels werden zusätzlich dadurch gefördert, dass man sich aus den Spielerkarten ein individuelles Lineup zusammenstellt, in dem jeder Spieler bestimmte Stärken und Schwächen hat. Dasselbe gilt für die Pitcher, die obendrein ermüden können, insbesondere wenn sie zu oft ihren jeweiligen Spezialpitch werfen.

Ihr merkt schon, das Spiel bietet eine Menge Möglichkeiten, den Verlauf durch eigene Entscheidungen und Taktiken zu beeinflussen. Das unterscheidet es deutlich vom letzte Woche vorgestellten „What About Baseball“ und ist äußerst förderlich dafür, oft und lange Spaß daran zu haben.

Ich habe mich letzte Woche schon darüber ausgelassen, dass ich die Altersempfehlung ab 8 Jahren im Fall von „What About Baseball“ für eindeutig zu hoch gegriffen halte. Bei „Bottom of the 9th“ geht es mir ähnlich: Laut Angabe auf der Packung soll es für ein Alter ab 13 geeignet sein. Meiner Einschätzung und Erfahrung nach kann man es einem baseball- und brettspielinteressierten Achtjährigen durchaus schon zutrauen – mit der Einschränkung, dass man ihm die Anweisungen auf den Spielerkarten übersetzen muss, wenn er nicht englischsprachig aufgewachsen ist. Nach oben sehe ich bei diesem Spiel keine Grenze, auch Erwachsene haben damit dauerhaft Spaß.

Von mir gibt es für „Bottom of the 9th“ eine uneingeschränkte Empfehlung. Erfreulicherweise ist das Spiel problemlos in Deutschland erhältlich; man bekommt es zum Beispiel für rund 20 Euro bei Amazon oder für ein paar Euro mehr bei Ebay. Auch zwei Erweiterungen in Form von je 12 zusätzlichen Spielerkarten sind dort verfügbar. Die besitze ich allerdings noch nicht und kann daher nichts dazu sagen.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 3rd, 2017 by Silversurger

Da ich sowohl Baseball als auch Brettspiele liebe, bin ich eigentlich ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, diese beiden Vorlieben miteinander zu vereinen. Das ist leider nicht einfach, denn selbst in Amerika sind gute Baseball-Brettspiele rar gesät und sie in Deutschland ohne horrende Versandkosten zu bekommen, ist fast unmöglich. Dennoch konnte ich mittlerweile zwei solche Spiele ergattern und das erste davon möchte ich heute vorstellen.

Das Spiel heißt „What About Baseball“ und stammt von dem relativ kleinen Verlag „Shrout & Co.“. Die Materialien machen einen stabilen und mit Liebe gestalteten Eindruck: Neben einer gedruckten Anleitung und dem Spielplan, der ein Baseballfeld sowie Anzeiger für Balls, Strikes und Outs darstellt, sind Spielfiguren in rot und blau, ein Block mit Scoresheets, zwei Bleistifte, zwei normale Würfel und drei spezielle Würfel dabei. Die Scoresheets sind einfach gehalten, man trägt lediglich ein Batting Lineup sowie die Runs, Hits und Errors in den einzelnen Innings ein. Aber auch für Statistikfans ist gesorgt, denn es gibt noch eine fortgeschrittene Version des Scoresheets, die man sich auf der Homepage des Spiels kostenlos herunterladen kann.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man spielt wie im echten Baseball über neun Innings, je drei Outs beenden ein Halbinning. Der Spieler – oder das Team – in der Defense würfelt mit dem Pitcherwürfel das Ergebnis jedes Pitches aus: Ball, Strike, Foul Ball oder Kontakt. Kontakt heißt, der Ball kommt ins Spiel und nun ist der Batter an der Reihe, mit den zwei normalen Würfeln das Resultat des Schlags zu ermitteln: eine 12 ist ein Homerun, eine 11 ein Triple, eine 10 ein Double, eine 9 ein Single und alles darunter ein Out. Um die Sache etwas interessanter zu machen, gibt es noch zwei Sonderwürfel, die zum Einsatz kommen, wenn der Batter einen 1er-, 2er-, 3er- oder 4er-Pasch würfelt. Dadurch kommen ab und zu auch Errors, Wild Pitches, Stealversuche oder Double Plays vor.

Laut den Angaben auf der Packung und in der Beschreibung ist das Spiel geeignet für zwei bis vier Spieler ab 8 Jahren. Beide Angaben kann ich so nicht bestätigen: zum einen weil es problemlos möglich ist, das Spiel sowohl allein als auch in größeren Gruppen zu spielen, zum anderen weil das genannte Mindestalter mir deutlich zu hoch gegriffen erscheint. Ich habe das Spiel mit meinen eigenen Kindern im Alter von fünf und acht Jahren gespielt. Der Fünfjährige hat es sofort verstanden und das würde wohl auch jedes andere fünfjährige Kind, sofern es ein Grundinteresse und – verständnis für Baseball mitbringt, also weiß, was Balls, Strikes, Hits und Walks sind. Für den Achtjährigen wird das Spiel schon relativ schnell langweilig, weil es sich leider um ein reines Glücksspiel handelt.

Damit sind wir auch schon beim zentralen Kritikpunkt an „What About Baseball“. Ich finde es extrem schade, dass ein so schön gestaltetes Spiel sein Potenzial verschenkt, indem es keinerlei Möglichkeiten vorsieht, eigene Entscheidungen zu treffen oder gar Strategien anzuwenden. Der Verlauf und der Ausgang des Spiels hängen von nichts anderem als den Würfeln ab, es spielt sich quasi von selbst und so verfliegt der Spielspaß für Erwachsene oder ältere Kinder leider recht schnell.

„What About Baseball“ hat mich somit leider nicht überzeugt. Zum Glück habe ich noch ein anderes Baseball-Brettspiel auf Lager, das ich demnächst vorstellen werde, und so viel kann ich schon verraten: Es ist in meinen Augen deutlich gelungener.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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