November 2nd, 2020 by Silversurger

Seit heute läuft offiziell die Free Agency der MLB. Jeder Spieler, der keinen laufenden Vertrag hat, kann nun frei mit interessierten Klubs verhandeln und einen neuen Kontrakt unterzeichnen.

Erfahrungsgemäß zieht sich die Free Agency im Baseball über die gesamte Offseason hin, anders als beispielsweise im Football oder in anderen Sportarten mit einer Salary Cap, also einer festen Obergrenze für Spielergehälter. Dieses Jahr könnte die Sache sogar noch ein bisschen zäher werden als sonst, weil auf allen Seiten eine große Unsicherheit in Bezug auf die Pandemielage und die Rahmenbedingungen der kommenden Saison herrscht.

Sechs Spieler haben von ihrem bisherigen Team ein sogenanntes Qualifying Offer erhalten. Das heißt, sie können innerhalb von zehn Tagen für ein Festgehalt von 18,9 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei dem Verein unterschreiben. Lehnt ein Spieler ein Qualifying Offer ab und unterschreibt anderswo, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Letzteres ist der Hauptgrund dafür, dass die Klubs Qualifying Offers aussprechen. Tatsächlich annehmen werden das Angebot nur wenige der Spieler, da die meisten von ihnen sich ausrechnen, mehr Geld und/oder längere Laufzeiten herausholen zu können.

Insgesamt handelt es sich in meinen Augen um eine eher schwache Free-Agent-Klasse, jedenfalls in dem Sinne, dass die ganz großen Namen fehlen. Mookie Betts hätte die Liste locker angeführt, doch die Dodgers haben sich seine langfristigen Dienste klugerweise schon vor einigen Monaten gesichert, solange sie noch das alleinige Recht hatten, mit ihm zu verhandeln. Zugute halten muss man der Free-Agent-Klasse 2020, dass recht ausgeglichen von allen Positionen und Spielertypen etwas dabei ist.

Hier mein Top-20-Ranking der wichtigsten Free Agents dieser Offseason (die Klammerangabe „QO“ weist auf das Vorliegen eines Qualifying Offers hin):

  1. J. T. Realmuto, C, 29 Jahre alt, bisher Philadelphia Phillies (QO)
    Catcher, die sowohl defensiv als auch offensiv das Team bereichern, findet man nicht allzu leicht. Realmuto ist auf seiner Position vermutlich der beste Spieler der Liga, in jedem Fall ist er mit großem Abstand der beste verfügbare Catcher der diesjährigen Free Agency. Er wird einen lukrativen Langzeitvertrag verlangen, und er wird ihn bekommen.
    Favoriten: Phillies, Mets, Yankees
  2. Trevor Bauer, RHP, 29, Cincinnati Reds (QO)
    Auch Bauer hätte nach seiner hervorragenden Saison, die nächste Woche möglicherweise noch mit dem Cy-Young-Award der NL gekrönt wird, gute Chancen auf einen langfristigen Kontrakt. Der exzentrische Pitcher vertritt allerdings seit Jahren die Position, ausschließlich Einjahresverträge zu unterschreiben, weil er glaubt, damit sein Karriere-Einkommen maximieren zu können.
    Favoriten: Padres, White Sox, Yankees, Angels
  3. George Springer, OF, 31, Houston Astros (QO)
    Wenn man seine Verletzunsgeschichte außen vor lässt, ist Springer sicher einer der besten Leadoff-Hitter der MLB, obendrein ein starker Centerfielder und zudem erfahren und erfolgreich in Meisterschaftsspielen. Er stammt aus Connecticut und ließ bereits verlauten, dass er gerne wieder näher an der Heimat wäre. Alles zusammen liest sich wie ein Bewerbungsschreiben für die Mets.
    Favoriten: Mets, Braves, Astros
  4. D. J. LeMahieu, IF, 32, New York Yankees (QO)
    LeMahieu kam vor zwei Jahren als vermeintlicher Ergänzungsspieler zu den Yankees, mauserte sich aber zur klaren Führungsfigur auf dem Platz und jenseits davon. Die Yankees werden kein Interesse haben, ihn gehen zu lassen, doch möglicherweise setzt sich auch bei dem Kalifornier die Sehnsucht nach der Heimat durch.
    Favoriten: Yankees, Dodgers
  5. Marcus Stroman, RHP, 29, New York Mets (QO)
    Mit dem Opt-Out aus der Corona-Saison 2020 im Anschluss an eine Verletzung schienen Stromans Tage bei den Mets gezählt. Doch die Annahme des Qualifying Offers, um ein Jahr zu überbrücken und mit Leistung für einen größeren Zahltag 2021/22 zu werben, könnte für ihn die sinnvollste Option sein.
    Favoriten: Mets, White Sox, Angels
  6. Marcell Ozuna, OF, 30, Atlanta Braves
    Ozuna gehört zum zweiten Mal hintereinander zu den interessantesten Free Agents. Letztes Jahr schloss er eine Wette auf sich selbst ab, indem er sich mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen bei den Braves begnügte. Die Taktik, sich mit einer starken Saison für dieses Jahr in eine bessere Position für einen noch größeren Vertrag zu bringen, könnte aufgehen, denn die starke Saison hat er definitiv abgeliefert. Als eher schwacher Defender dürfte er, solange keine universelle DH-Regel beschlossen ist, vor allem für AL-Teams interessant sein.
    Favoriten: Red Sox, White Sox, Rangers
  7. Charlie Morton, RHP, 36, Tampa Bay Rays
    Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist Morton einer der besten Pitcher auf dem Markt. Er könnte ein Schnäppchen sein, nachdem die Rays überraschend auf das Ziehen einer Vertragsoption verzichtet haben, die ihn für 15 Millionen in Tampa Bay gehalten hätte.
    Favoriten: Red Sox, Rays, Marlins
  8. Justin Turner, 3B, 35, Los Angeles Dodgers
    Seinem Ruf als Führungsspieler und Publikumsliebling hat Turner einen harten Schlag versetzt, als er sich bei der World-Series-Feier mit distanzlosem Feiern trotz positivem Coronatest in die Schusslinie der Kritik brachte. Davon abgesehen ist er einer der besten und erfahrensten Third Basemen der Liga.
    Favoriten: Dodgers, Braves, Orioles
  9. Marcus Semien, SS, 30, Oakland Athletics
    Semien konnte seine Breakout-Saison 2019 nicht wiederholen, ist aber dennoch der beste Shortstop auf dem Markt und somit einen Blick wert für Teams, die einen entsprechenden Bedarf haben und sich keinen Trade für Francisco Lindor oder Trevor Story leisten können oder wollen.
    Favoriten: Athletics, Reds
  10. Michael Brantley, OF, 33, Houston Astros
    Brantley hatte schon diverse Verletzungsprobleme und kommt gerade in ein Alter, in dem diese typischerweise eher mehr als weniger werden. Solange er gesund ist, ist er ein herausragender Kontakthitter mit solider Power. Auf Dauer dürfte er vor allem für Teams interessant sein, die ihn als DH einsetzen können.
    Favoriten: Astros, Yankees, Twins
  1. Didi Gregorius, SS, 30, Philadelphia Phillies
  2. Masahiro Tanaka, RHP, 32, New York Yankees
  3. Liam Hendriks, RHP, 31, Oakland Athletics
  4. Nelson Cruz, DH, 40, Minnesota Twins
  5. James Paxton, LHP, 31, New York Yankees
  6. Kolten Wong, 2B, 30, St. Louis Cardinals
  7. Jackie Bradley Jr., OF, 30, Boston Red Sox
  8. Taijuan Walker, RHP, 28, Toronto Blue Jays
  9. Andrelton Simmons, SS, 31, Los Angeles Angels
  10. Yadier Molina, C, 32, St. Louis Cardinals

Knapp verpasst haben die Liste: RHP Kevin Gausman (QO), OF Joc Pederson, OF Brett Gardner, LHP Mike Minor, C James McCann, RHP Jake Odorizzi, IF Tommy LaStella.

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Juli 19th, 2018 by Silversurger

Das Tauziehen ist beendet: Die Zukunft von Baltimores Star-Infielder Manny Machado beherrschte in den letzten Tagen geradezu penetrant die Berichterstattung um die MLB, selbst die All-Star-Events wurden davon ein Stück weit zur Seite gedrängt. Unter anderem die Yankees, die Brewers und die Phillies sollen sich sehr um einen Deal bemüht haben, aber nun ist die Sache endlich entschieden und Machado wird für den Rest der Saison die Los Angeles Dodgers verstärken. Im Gegenzug wechselt ein Paket von fünf Prospects, darunter Outfielder Yusniel Diaz, zu den Orioles.

Ebenfalls beendet ist die Zeit von Mike Matheny als Manager der St. Louis Cardinals. Matheny war sechseinhalb Jahre für den Klub tätig. In den ersten vier Jahren unter seiner Verantwortung erreichten die Cardinals jedes Mal die Playoffs. 2016 und 2017 verpassten sie diese, und nachdem es auch in diesem Jahr zur Saisonmitte nicht allzu vielversprechend aussieht, entschied man sich, den Wechsel einzuleiten. Der bisherige Bench-Coach Mike Shildt übernimmt vorerst als Interims-Manager und hat die Chance, sich als dauerhafte Besetzung zu empfehlen.

Da wegen des All-Star-Breaks seit letzter Woche nur wenige MLB-Spiele stattgefunden haben, verzichte ich dieses Mal auf die Einzelbetrachtung der Divisionen und lege den Fokus des Grand Slams auf die drei Hauptevents der All-Star-Woche – ergänzt um einen egoistischen Einschalttipp.

MLB Futures Game 
Den Auftakt der All-Star-Woche bildete wie üblich das Futures Game. Dieses Stelldichein der vielversprechendsten Talente erfährt leider nicht die Beachtung, die es verdient. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es immer schon am Sonntag gleichzeitig mit der letzten Runde der MLB-Spiele vor dem Break stattfindet. Traditionell treten die US-amerikanischen Talente gegen die aus dem Rest der Welt an. Dieses Mal gewannen die USA 10:6, wobei das meiste Aufsehen einem Spieler des Welt-Teams zukam: Yusniel Diaz gelang es als zweiter Spieler in der Geschichte des Futures Games, in der Partie zwei Homeruns zu erzielen. Dieser Auftritt kann durchaus direkten Einfluss darauf gehabt haben, dass Diaz drei Tage später zum Kernstück des Machado-Trades wurde. Auf der anderen Seite machte der erst 18-jährige Pitcher Hunter Greene auf sich aufmerksam. Der letztjährige #2-Draftpick der Cincinnati Reds warf 27 Pitches, darunter 19 Fastballs, von denen jeder Geschwindigkeiten zwischen 100,0 und 103,1 Meilen pro Stunde erreichte. Einen davon, 102,3 mph schnell, ließ er allerdings von Luis Alexander Basabe (White Sox) über den Zaun schlagen.

Homerun-Derby
221 Homeruns wurden im diesjährigen Homerun-Derby geschlagen, mehr als je zuvor. Die meisten (55) gingen auf das Konto von Kyle Schwarber (Chicago Cubs). 21 Bälle über den Zaun gelangen Schwarber allein im Halbfinale gegen Rhys Hoskins (Philadelphia Phillies). Gewonnen hat das Derby letzten Endes aber nicht Schwarber, sondern Bryce Harper (Washington Nationals). In seinem Heimstadion behielt Harper im Finale dank eines atemberaubenden Comebacks in der letzten Minute seiner Zeit mit 19:18 die Oberhand. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, ist zumindest umstritten. Denn einige der Pitches, die Harpers Papa ihm zuwarf, kamen zu früh, noch bevor der vorherige Ball gelandet war. Das entspricht nicht den Regeln, aber den Titel wird man Harper nicht aberkennen. Denn zum einen versäumten die Offiziellen, in der Situation direkt einzugreifen und zum anderen dürfte der erzielte Vorteil minimal sein, zumal Harper am Ende noch 22 Sekunden übrig hatte.

All-Star-Game
Zum sechsten Mal hintereinander hat die American League das All-Star-Game gewonnen. Das hört sich nach dauerhafter Dominanz an, doch ganz so klar ist die Sache nicht. Langfristig gesehen hat die AL erst seit dem diesjährigen Spiel genau einen Sieg Vorsprung mit 44:43 gewonnenen All-Star-Games. Und es hätte am Dienstag ohne Weiteres auch andersherum ausgehen können, denn das Spiel war durchweg knapp und wurde erst im zehnten Inning entschieden. Die Zuschauer erlebten mehr oder weniger ein zweites Homerun-Derby, denn fast alle der 8:6 Zähler fielen durch lange Bälle. Zehnmal ging der Ball über den Zaun, ein neuer All-Star-Game-Rekord. Die Entscheidung im Extra-Inning brachten Back-to-back-Homeruns der Astros-Teamkollegen Alex Bregman und George Springer.

Mein Einschalttipp
Mein USA-Urlaub neigt sich dem Ende zu, doch am Samstag steht noch der hoffentlich krönende Abschluss mit dem Derby der New York Yankees gegen meine Mets an. Das Schöne als Fan eines solchen Teams ist, dass man in das Spiel ohne jede Erwartungshaltung gehen kann. Wenn man überrascht wird, dann ausschließlich positiv, denn schlimmer als vor zwei Wochen beim 0:9 gegen die Rays kann es kaum werden. Das einzige, was meine Freude auf das Spiel trüben könnte, wäre ein Rainout, weswegen ich ständig den Wetterbericht beobachte. Momentan steht die Vorhersage bei 50% Regenwahrscheinlichkeit, also bitte Daumen drücken. Aller Voraussicht nach wird Yoenis Cespedes nach seiner Verletzung zumindest als DH zur Verfügung stehen und auch das Pitching-Matchup klingt vernünftig: Zwar werden deGrom und Severino nach ihren All-Star-Einsätzen wohl einen Tag länger geschont werden, aber Steven Matz (3.38 ERA, 4.81 FIP) und Sonny Gray (5.46 ERA, 4.34 FIP) waren nach ein paar holprigen Starts zuletzt gut drauf und dürften für ein interessantes Spiel sorgen. Matz schätze ich dabei etwas stärker ein, dafür haben die Yankees die deutlich bessere Offense am Start. Wenn ihr reinschauen wollt, schaltet ab 19:05 mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv oder DAZN ein. Ich sitze übrigens auf Höhe des vorderen linken Außenfelds – der Typ mit der Metskappe. 😉

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