Februar 4th, 2020 by Silversurger

Auf Anregung des Lesers Firstdown macht die Ballparks-Serie heute Station in St. Louis. Busch Stadium steht regelmäßig in der Spitzengruppe der bestbesuchten Stadien der MLB – was in erster Linie an dem fast immer konkurrenzfähigen Heimteam liegen dürfte, aber sicher auch daran, dass es ein schöner, moderner Ballpark mit obendrein herrlicher Aussicht ist.

Busch Stadium, St. Louis (1)

Geschichte
Als eine der ältesten und erfolgreichsten MLB-Franchises blicken die Cardinals auf eine umfangreiche Stadiengeschichte in St. Louis zurück. Busch Stadium ist seit der Teamgründung 1892 der siebte Ballpark, in dem sie ihre Heimspiele austragen. Da die letzten beiden Stadien ebenfalls Busch Stadium heißen, spricht man auch von Busch Stadium III, wenn man betonen möchte, dass es um den aktuellen Ballpark geht.

Man könnte auf die Idee kommen, Busch Stadium sei nach einer Biermarke benannt. Stimmt aber nicht ganz, denn der Stadionname war zuerst da: Eigentlich wollte 1953 der damals neue Teambesitzer August Busch Jr. die Spielstätte „Budweiser Stadium“ taufen. Doch die Regeln der Liga verboten es, ein Stadion nach einem alkoholischen Getränk zu benennen. Daher gab ihm Busch seinen eigenen Namen – und brachte etwas später die neue Marke Busch Beer auf den Markt. Die Familie Busch bzw. der Konzern Anheuser-Busch verkauften die Franchise 1996 an eine Investorengruppe, sind den Cardinals aber immer noch so eng verbunden, dass sie auch für das 2006 eröffnete Stadion die Namensrechte erwarben.

Der Bau von Busch Stadium III wurde seit 1995 angestrebt, doch wie so oft scheiterteten die frühen Pläne an Finanzierungs- und Standortfragen. So gab man sich nach dem Auszug des NFL-Teams St. Louis Rams zunächst mit einer Renovierung von Busch Stadium II zufrieden. Erst 2003 stand der Mix aus Krediten, öffentlichen Zuschüssen und privaten Beteiligungen, der einen Baustart im Januar 2004 ermöglichte. Da der Standort des neuen und der des alten Stadions sich überschneiden, mussten die zeitlichen Abläufe des Baus und des Abrisses präzise aufeinander abgestimmt werden: 2004 und 2005 wurde in Busch Stadium II noch gespielt, während direkt nebenan ein Großteil von Busch Stadium III errichtet wurde. Nach Saisonende 2005 musste der alte Ballpark zügig abgerissen werden, damit der neue soweit fertig gestellt werden konnte, um im April 2006 vor reduzierter Kulisse die ersten Spiele zu ermöglichen. Erst im Laufe der Saison wurden nach und nach alle Bereiche des Stadions fertig gestellt und frei gegeben.

Territorrialschlacht: Busch Stadium III (rechts) vs. Busch Stadium II (links) (2)

Das Team der Cardinals schloss das neue Stadion offensichtlich schnell ins Herz: Das Eröffnungsspiel gegen die Milwaukee Brewers am 10. April 2006 wurde 6:4 gewonnen, sowohl der erste Hit durch David Eckstein als auch der erste Homerun durch Albert Pujols gingen auf das Konto des Heimteams. Am Ende der Saison, in der sämtliche Spiele in St. Louis ausverkauftes Haus meldeten, schafften es die Cardinals in die World Series und gewannen diese 4:1 gegen die Detroit Tigers. Die Cardinals sind damit das einzige Team seit den Yankees von 1923, das im Eröffnungsjahr eines neuen Stadions den Titel holte.

Busch Stadium III hat inzwischen noch zwei weitere World Series beherbergt: 2011 feierten die Cards eine weitere Championship, als sie einen 2:3-Rückstand gegen die Texas Rangers mit zwei Siegen in Busch Stadium zum 4:3-Erfolg drehten. 2013 unterlagen sie den Boston Red Sox in 2:4 Spielen.

Architektonische Auffälligkeiten
In vielerlei Hinsicht ist Busch Stadium III ein typisches Exemplar des retro-klassischen Stils, in dem das Architekturbüro Populous in den 90er- und Nuller-Jahren zahlreiche Ballparks designte. Kennzeichnend für diese Stadien sind die Konstruktion als reine Baseballstadien, die in Stufen übereinander geschichteten Tribünen und die offene Bauweise mit einem Einschnitt im Outfield, der eine attraktive Aussicht ermöglicht – im konkreten Fall auf die Skyline der Stadt St. Louis mit ihrem Wahrzeichen Arch Gateway.

Die Außenfassade des Stadions wird dominiert von rotem Ziegelstein und Metall und spiegelt somit den industriellen Charakter der Region wider. Ihr ikonischster Teil ist der Westeingang durch Tor 3 mit der Bronzestatue der Cardinals-Legende Stan Musial und der symbolischen Nachbildung der Eads Bridge.

Stan Musial wacht vor Gate 3 (3)

Ein wunder Punkt des schönen und beliebten Stadions war lange Zeit die Umgebung: Trotz der Lage mitten in St. Louis war rings um das Bauwerk wenig los, was für die Zuschauer vor und nach dem Spiel attraktiv hätte sein können. Als Abhilfe sollte direkt nach dem Stadionbau auf dem frei gewordenen Platz von Busch Stadium II unter dem namen Ballpark Village ein Komplex mit Restaurants, Hotels und Unterhaltungsangeboten entstehen. Das Projekt verzögerte sich immer wieder, doch 2014 konnte schließlich der erste Abschnitt von Ballpark Village eröffnet werden. Die endgültige Fertigstellung wird für dieses Jahr erwartet.

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Felddimensionen von 336 Fuß (102m) Leftfield-Line, 400 Fuß (122m) Centerfield und 335 Fuß (102m) Rightfield-Line liegt Busch Stadium leicht über dem MLB-Durchschnitt. Es überrascht daher nicht, dass die Parkfaktoren sowohl für die letzte Saison als auch über mehrere Jahre hinweg gesehen den Ballpark der Cardinals als pitcherfreundlich ausweisen. Insbesondere für rechtshändige Slugger ist Busch Stadium ein ungünstiges Pflaster, denn sie schlagen hier signifikant weniger Homeruns als in den meisten anderen MLB-Stadien.

Wo sitzt man am besten?
Tradition hat offenbar ihren Preis: Gemeinsam mit anderen altehrwürdigen Franchises wie den Cubs, Yankees, Dodgers und Red Sox finden sich die Cardinals in den Top-5 der teuersten Ticketpreise der Liga. 96 Dollar kostete eine Eintrittskarte für Busch Stadium 2019 im Durchschnitt. Es ist zudem nicht einfach, überhaupt an Tickets heranzukommen, denn die Auslastung des Stadions liegt regelmäßig bei über 95%.

Wenn Geld keine Rolle spielt, sind die grünen Sitze des Cardinals Club direkt hinter der Homeplate die Premium-Erfahrung in Busch Stadium. Man ist dort nicht nur mit perfekter Sicht ganz nah am Geschehen, sondern hat vor dem Spiel Zugang zu einem Büffet und wird während des Spiels am Platz bedient. Ergattert man einen solchen Platz für unter 300 Dollar – was für weniger gefragte Spiele über Reseller-Plattformen möglich ist –, dann hat man ein echtes Schnäppchen gemacht, denn oft gehen die Preise hier in den vierstelligen Bereich.

Möchte man kein Vermögen ausgeben, so empfehlen sich eher Plätze auf den oberen Levels (300 und 400). An heißen, sonnigen Tagen sitzt man dabei deutlich besser auf der Third-Base-Seite (z. B. 352-357 und 452-454) als auf der anderen. Die Rightfield-Seite sollte man, unabhängig vom Level, an solchen Tagen vor allem für Nachmittagsspiele eher meiden.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Joe Penniston (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: deliriant (CC BY–NC-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Matthew D. Britt (CC BY-SA 2.0)

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