Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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August 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison läuft auf vollen Touren. Das klingt wie ein Allgemeinplatz, ist aber tatsächlich eine hochaktuelle Meldung: Gestern war nämlich der erste Tag seit über drei Wochen, an dem kein Team coronabedingt pausieren musste. Die Cardinals, die es besonders schwer erwischt hatte, sind seit Samstag wieder im Rennen. Ab demselben Tag mussten einige Reds-Spiele wegen eines positiven Testergebnisses ausfallen. Da diese Infektion eines einzelnen, namentlich nicht genannten Spielers offenbar keine weiteren Kreise zog, konnten die Reds schon gestern mit einem Doubleheader gegen die Royals wieder ins Geschehen eingreifen.

American League
In der Tabelle der AL East sind die New York Yankees (16-8) plötzlich nicht mehr unangefochten – zwei Niederlagen gegen den direkten Konkurrenten Tampa Bay Rays (16-9) haben dazu geführt, dass die Rays nach Siegen gleichgezogen haben. Mit neun gewonnenen Spielen aus den letzten zehn ist Tampa Bay zurzeit das heißeste Team der Liga, und wenn heute Abend (siehe „Einschalttipp“) ein weiterer Erfolg gelingt, übernehmen sie die Führung der Division. Die Yankees leiden derweil mal wieder unter dem Verletzungspech, das ihnen seit Jahren ein treuer Begleiter ist. Mit Giancarlo Stanton, Aaron Judge und DJ LeMahieu landeten in der vergangenen Woche drei ihrer herausragenden Batter auf der Injury List. Auch die Teams in der zweiten Reihe der AL East sind sich in den letzten Tagen direkt begegnet: Die überraschend gut gestarteten Baltimore Orioles (12-12) unterlagen dreimal hintereinander den Toronto Blue Jays (10-11), wodurch die Lücke zwischen den beiden fast geschlossen wurde. Die Boston Red Sox (7-18) befinden sich derweil weiterhin im freien Fall, weisen mittlerweile den zweitschlechtesten Record und die schlechteste Run-Differenz (-49) der MLB auf.

Die AL Central wird nach wie vor von den Minnesota Twins (16-9) angeführt, doch die Cleveland Indians (15-9) mit zuletzt fünf Siegen in Folge bleiben dran. Hier wird es vor allem nächste Woche von Dienstag bis Donnerstag spannend, wenn die beiden eine Serie gegeneinander spielen. Zu den Indians ist noch zu erwähnen, dass es nach dem letzte Woche erwähnten Zwischenfall um Mike Clevinger und Zach Plesac ein Team-Meeting gab. Darin äußerten mehrere Spieler offen ihren Ärger über die beiden Pitcher, die mit einem abendlichen Ausflug die Pandemieregeln verletzt und anschließend darüber gelogen hatten. Mindestens ein Mitspieler drohte offen an, aus der Saison auszusteigen, falls Clevinger und Plesac kurzfristig in den Kader zurückkehren sollten. Das wird erst mal nicht passieren, die beiden trainieren zurzeit an einem gesonderten Standort. Wie es mit ihnen weitergeht, ob man ihnen nach einer angemessen langen Quarantäne verzeiht oder ob man versucht sie zu traden, bleibt abzuwarten. Zurück zum Sport: Das junge Team der Chicago White Sox (14-11) hat in den letzten Tagen in einen Rhythmus gefunden und könnte der lachende Dritte werden, wenn sich die Twins und die Indians nächste Woche gegenseitig die Punkte wegnehmen. Davor steht für die White Sox allerdings noch das Derby gegen die Cubs übers Wochenende. Hinter den drei erwähnten Teams tut sich schon eine gewisse Kluft auf: Die Detroit Tigers (9-13) und die Kansas City Royals (10-15) werden erwartungsgemäß mit den Playoffs nichts zu tun haben.

Ziemlich sicher dürfte hingegen schon jetzt die Playoff-Teilnahme der Oakland Athletics (17-8) sein. Die A’s haben nach wie vor die beste Bilanz der gesamten AL. Ihr Hauptkonkurrent um den ersten Platz der AL West sind inzwischen die Houston Astros (14-10), die sich nach ihrem durchwachsenen Start mit einer Serie von sieben Siegen zurück ins Rennen gearbeitet haben. Kurioserweise weisen die Athletics und die Astros momentan exakt dieselben Zahlen sowohl erzielter (126) als auch kassierter (99) Runs auf. Am Wochenende wartet auf Houston eine schwere Aufgabe in Form der Padres. Die haben gerade drei Spiele gegen die Texas Rangers (10-13) gewonnen und damit deren Hoffnungen auf eine gute Saison einen herben Dämpfer versetzt. Bei den Los Angeles Angels (8-17) und den Seattle Mariners (8-18) sind derartige Hoffnungen bereits begraben.

National League
Kommen wir zur spannendsten Division der Liga, der NL East. Der Vorsprung der führenden Atlanta Braves (14-11) auf die letztplatzierten Washington Nationals (9-12) beträgt gerade mal drei Spiele. Zum Vergleich: In den anderen Divisionen der NL ist schon der Abstand zwischen Platz eins und zwei größer als in der East jener zwischen eins und fünf. Die Ausgeglichenheit spiegelt sich auch in den jüngsten Ergebnissen wieder: Die Braves und die Nationals sowie die Philadelphia Phillies (9-10) und die New York Mets (12-14) haben von ihren letzten zehn Spielen jeweils fünf gewonnen und fünf verloren. Nur die Miami Marlins (9-9) fallen etwas aus der Reihe. Sie hatten vor und kurz nach ihrer Coronapause einen überraschenden Traumstart, befinden sich nun aber mit fünf Niederlagen hintereinander gegen die Braves und die Mets klar auf dem absteigenden Ast.

Einen Traumstart hatten auch die Chicago Cubs (16-8) in der NL Central. Davon zehren sie nach wie vor, denn auch wenn sie fünf ihrer letzten acht Spiele verloren haben, schickt sich innerhalb der Division niemand an, ihnen ernsthaft das Leben schwer zu machen. Eine ausgeglichene Bilanz reicht den Milwaukee Brewers (10-10) für Platz zwei, dahinter folgen die St. Louis Cardinals (6-7). Die Cardinals haben angesichts ihrer vielen Nachholspiele noch reichlich Gelegenheit, das Feld von hinten aufzurollen – ich würde allerdings eher damit rechnen, dass die zahlreichen vorgesehenen Doubleheader auf Dauer zu viel Kraft kosten. Auch die Cincinnati Reds (10-12) haben noch Spiele nachzuholen und könnten für eine Überraschung gut sein, zumal sie nun 15-mal hintereinander ausschließlich gegen die Cubs, die Brewers und die Cardinals antreten. Die Pittsburgh Pirates (4-16) sind bisher mit Abstand das schwächste Team der gesamten Liga und auf dem Weg zu einer historischen Saison: Ihre bisherige Siegquote von 20% wäre die schlechteste eines Major-League-Teams seit 140 Jahren.

In der NL West hat sich in der vergangenen Woche einiges gerade gerückt in Richtung der Verhältnisse, die man vor der Saison erwartet hatte. Damit meine ich insbesondere, dass die Los Angeles Dodgers (18-8) sich klar vom Rest des Feldes abgesetzt haben und dass die furios gestarteten Colorado Rockies (13-11) gegenüber den San Diego Padres (14-12) und den Arizona Diamondbacks (13-12) auf Normalmaß zurückgeschrumpft sind. Zwischen diesen drei Teams dürfte der Rest der Saison ein richtig spannendes Hauen und Stechen um Platz zwei und vielleicht den einen oder anderen Wild-Card-Platz werden. Schon etwas abgeschlagen sind in dieser Division einzig die San Francisco Giants (10-16).

Szene der Woche
Darf man bei einer 7-Run-Führung und geladenen Bases im achten Inning nach einem 3-0-Pitch schlagen? Die offensichtliche Antwort des Regelbuches lautet „na klar“. Aber im Baseball gibt es bekanntlich auch noch die sogenannten ungeschriebenen Regeln. Das Problem mit diesen Regeln ist, dass niemand genau sagen kann, wie sie lauten, weil sie – nun ja: ungeschrieben sind. Relativ einig ist man sich, dass bei einer hohen Führung keine besonderen Aktionen wie ein überraschender Bunt oder das Stehlen einer Base versucht werden, weil man den Gegner nicht unnötig demütigen soll. So weit, so gut, aber gehört dazu auch, dass man nicht den Schläger schwingen darf, wenn man einen Fastball in der Mitte der Strikezone serviert bekommt? Bei den Texas Rangers scheinen einige das so zu sehen, unter anderem Pitcher Ian Gibaut, der den Grand Slam von Fernando Tatis Jr. damit „bestrafte“, den nächsten Pitch in Richtung des Kopfes von Manny Machado zu werfen. Ganz ehrlich: So etwas hat für mich nichts mit ungeschriebenen Regeln zu tun, sondern einzig und allein mit schlechten Verlierern.

Statistik der Woche 
6. So viele Spiele mit 3 Homeruns in der Karriere eines Spielers sind MLB-Rekord. Gehalten wird dieser von drei Spielern: von Johnny Mize, der seine sechs 3-Homer-Auftritte von 1938 bis 1950 hatte, von Sammy Sosa mit derselben Leistung in den Jahren 1996 bis 2002 und seit letzten Donnerstag auch von Mookie Betts. Zweimal im Jahr 2016, zweimal 2018, einmal 2019 und nun das erste Mal 2020 schlug Betts den Ball dreifach über den Zaun. Da er erst 27 Jahre alt ist und bei den Dodgers erst kürzlich einen Vertrag bis 2033 unterschrieben hat, stehen die Chancen für ihn gut, sich früher oder später den alleinigen Rekord zu sichern.

Spiel der Woche
Hier kann diese Woche nur die Partie zwischen den Minnesota Twins und den Milwaukee Brewers von Dienstagnacht stehen. Acht Innings lang war es die Show von Twins-Starter Kenta Maeda, der den Brewers keinen Hit erlaubte. Im neunten Inning endete der No-Hitter beim Stand von 3:0 für die Twins durch einen Schlag von Eric Sogard, der haarscharf an Jorge Polancos Handschuh vorbei ging. Ein schwacher Auftritt von Minnesotas Closer Taylor Rogers und ein Error von Infielder Ildemado Vargas ermöglichten den Brewers, den Spielstand auszugleichen. Es folgten drei Extra-Innings mit diversen interessanten Szenen: der Ejection von Twins-1B Marwin Gonzalez, die Catcher Mitch Garver zwang, die für ihn ungewohnte Position zu übernehmen; einem Inning, in dem die Twins nur zwei Batter an die Platte schickten (das dritte Out war der automatische Runner nach der neuen Extra-Innings-Regel); einem sehenswerten Diving-Catch von Max Kepler; und schließlich dem Walkoff-Sieg der Twins durch ein Single von Polanco.

Mein Einschalttipp
Von einem Showdown zu sprechen, ist sicher noch verfrüht, doch immerhin steht beim heutigen Besuch der Tampa Bay Rays in Yankee Stadium die Tabellenspitze der AL East auf dem Spiel. Die Rays haben die ersten beiden Partien der Serie mit 6:3 und 4:2 gewonnen – mathematisch würde ich im dritten Spiel ein 2:1 erwarten, aber so vorhersehbar ist Baseball zum Glück nicht. Für die Yankees wäre es das erste Mal seit drei Jahren, dass sie im eigenen Stadion einen 3-Spiele-Sweep erleiden. Verhindern soll dies Starting Pitcher James Paxton (7.04 ERA, 4.97 FIP), der in diesem Jahr allerdings bislang noch nicht seine gewohnte Form gefunden und deutlich an Wurfgeschwindigkeit eingebüßt hat. Die Rays verzichten auf einen klassischen Starter, John Curtiss (2.84 ERA, 2.99 FIP) wird für sie als Opener ins Spiel gehen. Ich werde heute Abend ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf jeden Fall reinschauen. Die Möglichkeit dazu gibt es wie immer auf mlb.tv, und erfreulicherweise hat sich auch DAZN entschieden, die Partie zu übertragen.

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März 5th, 2020 by Silversurger

Fast wäre es diese Woche ein Grand Slam am Donnerstag geworden, in dem es nur um Krankheiten und Verletzungen geht. Doch die Milwaukee Brewers und Christian Yelich haben uns mit einer Blockbuster-Vertragsverlängerung vor der Depressivität eines solchen Artikels gerettet.

Christian Yelich – für immer ein Brewer?
Die Milwaukee Brewers und ihr Superstar Christian Yelich haben sich diversen Berichten zufolge geeinigt, ihre Zusammenarbeit langfristig festzuschreiben. Der Deal soll dem 28-jährigen Outfielder in den nächsten neun Jahren bis zu 215 Millionen Dollar einbringen und noch eine beidseitige Option für ein zehntes Jahr enthalten. Das ist mehr Geld als man normalerweise ausgeben kann und doch im Vergleich mit dem, was andere Stars in den letzten Jahren erhalten haben, ein relativ günstiger Vertrag. Yelich ist nach seinen bisherigen Leistungen für das Team jedenfalls jeden Cent davon wert. Seiner MVP-Saison 2018, in der eine Slashline von .326/.402/.598 produzierte, ließ er eine noch bessere Saison 2019 (.329/.429/.671) folgen. Der zweite MVP-Award blieb ihm wohl nur deshalb verwehrt, weil er den letzten Monat durch eine Knieverletzung verpasste.
Die Brewers sind ein Small-Market-Team und rangieren traditionell im hinteren Drittel der Gehaltsrangliste. Der Vertrag für Yelich ist mit großem Abstand die höchste Investition, die sie je in einen Spieler getätigt haben. Vor dem Hintergrund des jetzt vereinbarten Deals erklärt sich, warum keine größeren Anstrengungen unternommen wurden, Free Agents wie Mike Moustakas und Yasmani Grandal zu halten oder gleichwertig zu ersetzen – es ging wohl schlicht darum zu sparen, damit man sich den Langzeitvertrag mit Yelich leisten kann.

Garrett Whitley übel verletzt durch Foulball
Auf keinen Fall Verletzungen zu riskieren ist die oberste Devise im Spring Training, aber das ist leider oft leichter gesagt als getan. Garrett Whitley, Outfield-Prospect der Tampa Bay Rays, hat es am Montag während des Spiels gegen die Baltimore Orioles auf besonders hinterhältige Weise erwischt: Whitley hielt sich im Dugout seines Teams auf, als ein Foulball von Renato Nunez von den Stufen des Dugouts abprallte und ihm von dort ins Gesicht prallte. Der 22-Jährige erlitt mehrere Frakturen, blieb aber die ganze Zeit über bei Bewusstsein und konnte nach einigen Stunden aus dem Krankenhaus entlassen werden. Das nennt man wohl Glück im Unglück.

Saisonstart ohne Judge und Stanton
Die New York Yankees sind schon wieder das Lazarett der Liga: Dass die Starting-Rotation zu Saisonbeginn auf James Paxton und das ganze Jahr über auf Luis Severino verzichten muss, stand schon länger fest. Inzwischen wurden auch die Befürchtungen bestätigt, dass die beiden Top-Slugger Aaron Judge und Giancarlo Stanton nicht rechtzeitig zum Opening Day fit werden. Stanton laboriert an einer Wadenverletzung, Judge hat Probleme mit der Schulter, die bis in den Brustbereich ausstrahlen. Für beide Spieler gibt es noch keinen Zeitplan für eine mögliche Rückkehr; als grober Anhaltswert ist die Rede von Mitte bis Ende April.

Sorgen um Sale und Canning
Die Boston Red Sox können sich über das Verletzungspech des Erzrivalen nicht mal klammheimlich freuen, denn sie haben ihre eigenen Probleme. Ihr Top-Pitcher Chris Sale wird den Saisonbeginn verpassen und es ist völlig unklar, wie schlecht es um seinen Ellenbogen tatsächlich steht. Anfang der Woche ließ er seine Befunde von Dr. James Andrews untersuchen – eine Nachricht, die unter Baseballfans die Alarmglocken schrillen lässt, denn Dr. Andrews ist ein führender Spezialist für die berüchtigte Tommy-John-Surgery (TJS). Immerhin scheint es bei Sale laut verschiedenen Quellen nicht auf eine TJS hinauszulaufen, aber die Unklarheit über die Verletzung ist immer noch so groß, dass derzeit eine dritte Meinung eingeholt wird.
In einer ähnlichen Lage befindet sich Griffin Canning von den Los Angeles Angels. Der junge Starter musste schon die letzte Saison vorzeitig wegen Ellenbogenproblemen beenden und unterzieht sich derzeit mehreren Untersuchungen. Auch bei ihm besteht das Worst-Case-Szenario darin, dass er sich einer TJS unterziehen muss.

Corona-Auswirkungen nicht absehbar
In Italien, der Schweiz und anderen Staaten wurden bereits zahlreiche Fußballspiele ausgesetzt, in Japan werden die Spring-Training-Spiele der Nippon Baseball League derzeit ohne Zuschauer ausgetragen und gestern gab es im College-Basketball die ersten Spielabsagen im US-Sport. In diesem Licht drängt sich die Frage auf, ob das Coronavirus sich auch auf die bevorstehende MLB-Saison auswirkt. Eine befriedigende Antwort darauf kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand geben. Bislang gibt es keine Pläne, Spiele abzusagen, zu verlegen oder die Öffentlichkeit auszuschließen, aber die Lage kann sich natürlich täglich ändern. MLB-Commissioner Rob Manfred hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die weitere Entwicklung beobachtet und bei Bedarf Maßnahmen vorschlägt. In einem Schreiben an alle Klubs wurde empfohlen, derzeit auf Autogramme und Händeschütteln zu verzichten, keine Reisen in besonders betroffene Länder zu unternehmen, laufend Kontakt mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zu halten und sicherzustellen, dass alle Spieler gegen Grippe geimpft sind. Davon abgesehen bleibt dem professionellen Baseball nur dasselbe übrig wie uns allen: abwarten, was noch kommt.

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Februar 27th, 2020 by Silversurger

Es ist Donnerstag und das heißt unweigerlich, dass es heute den Grand Slam am Donnerstag gibt. Der Artikel rund um das Baseballgeschehen fällt diese Woche allerdings etwas kürzer aus. Ein Grund dafür ist, dass die Vorschauserie derzeit fast die ganze Zeit bindet, die ich für den Blog aufbringen kann. Heute um 17 Uhr lernt ihr übrigens die Nummer 28 meines Rankings kennen. Der zweite Grund ist, dass einfach nicht viel passiert ist in dieser Woche; es war die erste seit Langem ohne nennenswerte Trades und/oder Neuverpflichtungen. Natürlich ist einiges los auf den Trainings- und Spielfeldern in Florida und Arizona – die Spring-Training-Spiele machen Appetit auf mehr, auch wenn sie von den Ergebnissen her völlig irrelevant sind. Das Wichtigste ist, dass sich dabei möglichst niemand verletzt. Leider hat sich das in den ersten Tagen des Spring Trainings bereits für mehrere Spieler als vergebliche Hoffnung erwiesen.

Schon wieder Verletzungspech für die Yankees
Für die New York Yankees muss es sich anfühlen wie verhext: Schon letztes Jahr wurde das Team weit überdurchschnittlich von Verletzungen gebeutelt, und anscheinend setzt sich das 2020 nahtlos fort. Die schlimmste Diagnose hat Luis Severino erhalten. Der 26-jährige Pitcher, der 2019 nur drei Starts absolvieren konnte, benötigt eine Tommy-John-Surgery am Ellenbogen und wird rund eineinhalb Jahre lang ausfallen. Die Yankees müssen somit ohne die Nummern zwei und drei ihrer Rotation in die Saison gehen, denn auch James Paxton fällt nach einer Rücken-OP mindestens bis Mai aus. Auch die beiden Star-Slugger sind angeschlagen: Aaron Judge hat Probleme mit der Schulter und konnte bisher an keinem Spring-Training-Spiel teilnehmen. Für ihn besteht zumindest die Hoffnung, dass er bis Opening Day wieder einsatzbereit ist. Bei Giancarlo Stanton, der sich die Wade gezerrt hat, sieht es hingegen stark danach aus, dass er den Saisonstart verpassen wird.

Noch ein Dopingsünder
Nach Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) in der letzten Woche wurde nun auch Victor Alcantara positiv auf leistungssteigernde Mittel getestet. Der 26-Jährige hatte in jeder der letzten drei Saisons Einsätze als Relief Pitcher für die Detroit Tigers. Nachdem diese ihn Ende 2019 ziehen ließen, hatte er bisher kein neues Team gefunden. Die nächste Chance wird eine Weile auf sich warten lassen, denn Alcantara ist jetzt erst mal für 80 Spiele gesperrt. Ihm wurde die Verwendung von Stanozolol nachgewiesen. Das ist das anabole Steroid, das 1988 durch die Aberkennung der olympischen Goldmedaille des Sprinters Ben Johnson traurige Berühmtheit erlangte.

WBC 2021: Tebow spielt für Philippinen
Nächstes Jahr im März findet wieder der World Baseball Classic, mit anderen Worten die Weltmeisterschaft im Baseball statt. Am Dienstag wurden die Austragungsorte des Turniers bekannt gegeben. Je eine Gruppe spielt in Taichung (Taiwan), Tokio (Japan), Phoenix (Arizona, USA) und Miami (Florida, USA). Die Viertelfinales finden in Tokio und Miami statt, die Finalrunde ebenfalls in Miami.
Teilnehmen werden erstmals 20 Teams, darunter alle 16, die schon beim letzten Turnier 2017 dabei waren: Australien, China, die Dominikanische Republik, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, die Niederlande, Puerto Rico, Südkorea, Taiwan, Venezuela und die Vereinigten Staaten als Titelverteidiger. Die restlichen vier Teams werden im März 2020 in zwei Qualifikationsturnieren in Tucson (Arizona) ermittelt. Deutschland ist im ersten der beiden Turniere dabei. Vom 12. bis 17. März gilt es, sich gegen Brasilien, Frankreich, Nicaragua, Pakistan und Südafrika durchzusetzen, um einen Platz im WBC zu ergattern.
Im zweiten Qualifikationsturnier spielen die Philippinen mit, die einen interessanten Neuzugang vermelden: Tim Tebow, Ex-NFL-Quarterback und derzeit Minor-League-Outfielder der New York Mets, wird für das Land antreten, in dem er während einer Missionsreise seiner Eltern zur Welt kam. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich stellen solche Meldungen eher die Ernsthaftigkeit des internationalen Baseballs infrage als dass sie den Zweck erfüllen, den Wettbewerb interessanter zu machen. Schon die Europameisterschaft im letzten Jahr war ja leider stark davon geprägt, dass einige Länder amerikanische Profis „eingekauft“ hatten.

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Juni 20th, 2019 by Silversurger

Das Maß aller Dinge in der MLB sind momentan die Los Angeles Dodgers: Als erstes Team in diesem Jahr haben sie die Marke von 50 Siegen erreicht – schneller waren, dem Kalenderdatum nach, übrigens allein die Seattle Mariners des Jahres 2001. Eine 100-Siege-Saison der Dodgers scheint damit so gut wie gebucht – was für den Klub sicher ein schöner Erfolg, aber längst nicht zufriedenstellend wäre: Nach zwei verlorenen World Series zählt für die Dodgers dieses Jahr allein der Titel.

American League
Die Tampa Bay Rays (43-31) spielen eine großartige Saison, doch sie haben ein Problem: Sie finden einfach kein Rezept gegen die New York Yankees (46-27). Zum dritten Mal in diesem Jahr trafen die beiden Kontrahenten um die Spitze der American League East in einer Serie aufeinander, zum dritten Mal zogen die Rays den Kürzeren. Mit 3:0, 6:3 und 12:1 fuhren die Yankees einen überzeugenden Sweep ein und stehen nun wieder klar vorne. Dafür, dass das so bleibt, sollen interne und externe Verstärkungen sorgen: Von den Mariners kommt Slugger Edwin Encarnacion im Tausch gegen ein Prospect, zudem ist Giancarlo Stanton aus seiner Verletzungspause zurück und auch Aaron Judge wird wohl heute oder morgen reaktiviert. Nach sieben Siegen in den letzten acht Spielen sind plötzlich auch die Boston Red Sox (41-35) wieder im Rennen. Den Wild-Card-Platz haben sie bereits zurück erobert und mit den Toronto Blue Jays (26-48) steht für sie eine weitere lösbar Aufgabe an.

In der AL Central haben die Minnesota Twins (48-25) durch die verlorene Serie gegen die Red Sox ein bisschen an Boden verloren, doch sie sind immer noch das stärkste Team der AL, und der Abstand auf die Cleveland Indians (39-34) ist nach wie vor komfortabel. Die Indians werden sinnvollerweise weniger auf die Twins schielen als auf die Chance, über eine Wild Card in die Playoffs zu kommen. In dieser Hinsicht könnten die zwei jüngsten Siege gegen die Rangers sich als Big Points erweisen, insbesondere wenn ihnen heute Abend ein dritter folgt (siehe Einschalttipp). Im Anschluss daran warten auf die Indians zwölfmal hintereinander drei der schlechtesten Teams der Liga: sechsmal die Kansas City Royals (25-49) sowie je dreimal die Detroit Tigers (26-44) und die Orioles.

Auch die Houston Astros (48-27) in der AL West haben einen bequemen Vorsprung und dass ihr Star José Altuve seit gestern wieder an Bord ist, wird sie noch stärker machen. Dennoch befinden die Astros sich gerade in einer Mini-Krise: Zum ersten Mal in diesem Jahr haben sie vier Spiele am Stück verloren. Ausgerechnet in dieser Situation wartet alles andere als ein Aufbaugegner, nämlich die schwierige Auswärtsserie bei den New York Yankees. Man darf aber getrost davon ausgehen, dass die Astros nicht lange im Tief verharren werden. Der Rest der Division, mit Ausnahme der tief gefallenen Seattle Mariners (32-46), liefert sich ein enges Rennen um Platz zwei. Die Texas Rangers (39-35) sind nach einer durchwachsenen Woche noch knapp vorne, doch sowohl die Oakland Athletics (39-36) als auch die Los Angeles Angels (38-37) haben sich nah herangearbeitet.

National League
In der National League East ist ordentlich Bewegung: Die Philadelphia Phillies (39-34) haben Serien gegen die Atlanta Braves (44-31) und die Washington Nationals (35-38) und damit auch erstmal den Anschluss an die Spitze verloren. An selbiger stehen die Braves inzwischen recht unangefochten, nachdem sie in den letzten zwei Wochen lediglich zwei Spiele verloren haben. Für sie steht nun eine interessante Serie gegen die Nationals an, die ähnlich gut in Form sind und sich auf Platz drei hochgearbeitet haben. Eine Schrecksekunde für Washington gab es am Dienstag, als ihr Pitching-Ass Max Scherzer sich bei einem missglückten Bunt im Training die Nase brach. Doch der als extrem ehrgeizig und willensstark bekannte Scherzer ließ sich davon nicht beirren und pitchte am Tag danach sieben scorelose Innings mit zehn Strikeouts. Die New York Mets (35-39) sind derweil auf Rang vier abgerutscht. Damit sind sie noch nicht ganz aus dem Rennen, aber angesichts der Matchups bis zum All-Star-Break (@Cubs, @Phillies, Braves, Yankees, Phillies) sind meine Hoffnungen für sie relativ gering.

Die Chicago Cubs (40-33) und die Milwaukee Brewers (40-34) liefern sich weiterhin ein munteres Wechselspiel um die Spitze der NL Central. Seit letzter Nacht sind wieder die Cubs vorne: Ein Split im Stadtduell gegen die White Sox genügte ihnen dafür, weil die Brewers sich in San Diego sweepen ließen. Richtig rund lief es zuletzt weder bei den Cubs noch bei den Brewers, daher konnten die St. Louis Cardinals (38-35) sich mit Erfolgen gegen die Marlins und die Mets zurück in die Spitzengruppe arbeiten. Auch die Cincinnati Reds (34-38) und die Pittsburgh Pirates (33-40) sind noch in Schlagweite innerhalb dieser knappsten aller MLB-Divisionen.

Wie eingangs schon erwähnt, sind die Los Angeles Dodgers (50-25) das stärkste Team der bisherigen Saison. Als solches sind sie auch in der NL West völlig unangefochten. Die Musik spielt hier eher im Ringen um Platz zwei: Die Colorado Rockies (39-34) haben zurzeit die beste Ausgangsposition, müssen aber nach bereits zwei Niederlagen heute noch einmal gegen die Arizona Diamondbacks (38-37) und am Wochenende dreimal in Dodger Stadium antreten. Gleichauf mit den Diamondbacks hoffen die San Diego Padres (38-37), ihre derzeitige Erfolgsserie auch in Pittsburgh und Baltimore fortsetzen zu können.

Szene der Woche
Die erstaunlichste Szene der letzten sieben Tage ist und bleibt für mich der Intentional Balk von Kenley Jansen. Da ich den aber bereits in einem eigenen Artikel beleuchtet habe, gehe ich hier den konservativen Weg und widme mich den in dieser Woche geschlagenen Cycles. Von dieser besonderen Hitting-Leistung – dem Erzielen je eines Singles, Doubles, Triples und eines Homeruns durch einen Spieler in einem Spiel – gibt es selten mehr als eine Handvoll pro Saison. Am Donnerstag und am Freitag gab es zum ersten Mal seit 1912 zwei an direkt aufeinander folgenden Tagen. Den Anfang machte Shohei Ohtani beim 5:3-Sieg seiner Angels in Tampa Bay:

Tags darauf folgte Clevelands Jake Bauers mit einer nicht weniger beeindruckenden Performance beim 13:4-Sieg in Detroit:

Statistik der Woche 
92. So viele Runs scorten die Colorado Rockies und die San Diego Padres während ihrer vier Duelle am letzten Wochenende. Das sind mehr Runs als je zuvor in einer 4-Spiele-Serie erzielt wurden. Es fielen noch ein paar mehr Rekorde in dieser verrückten Serie bei perfektem Wetter im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga: Rockies-Leadoff Charlie Blackmon allein gelangen 15 Hits, ebenfalls die meisten in einer 4-Spiele-Serie. Im wildesten Spiel der Serie schafften es am Freitag die Padres zum ersten Mal in ihrer Geschichte, einen Rückstand von 6 Runs umzudrehen. Am Ende gewannen sie 16:12 in zwölf Innings. Die anderen Partien kamen ohne Extra-Innings aus: Colorado siegte am Donnerstag 9:6 und am Samstag 14:8, bevor am Sonntag noch mal die Padres mit 14:13 die Nase vorn hatten. Hier der Beweis, dass tatsächlich Baseball gespielt wurde, auch wenn die Ergebnisse eher nach Football klingen:

Spiel der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ Major Leaguer zu feiern: Max Kepler hatte Dienstagnacht das vielleicht aufregendste Spiel seiner Karriere. Dabei war er noch nicht mal von Anfang an dabei, sollte eigentlich einen Ruhetag bekommen während der Partie seiner Twins gegen die Red Sox. Doch er kam im sechsten Inning als Pinch Hitter und wurde anschließend im Spiel gelassen – zum Glück für die Twins, denn ohne ihren deutschen Star hätten sie wohl ziemlich sicher verloren und damit erstmals in dieser Saison drei Niederlagen in Folge eingesteckt. Im siebten Inning ging Boston 2:1 in Führung – im achten glich Kepler den Stand durch einen RBI-Single aus und rettete sein Team in die Verlängerung. Im dreizehnten Inning brachte Mookie Betts die Red Sox erneut in Front – Kepler konterte mit einem Homerun und hielt das Spiel offen. Im siebzehnten Inning schließlich entschied Kepler die Partie mit einem Walk-off-Single bei geladenen Bases zum 4:3.

Mein Einschalttipp
Zwei Teams am Scheideweg treffen sich heute zur besten deutschen Sendezeit (ab 20:05 Uhr) zum Finale ihrer 4-Spiele-Serie: Die Texas Rangers empfangen die Cleveland Indians. Die Rangers benötigen einen Sieg, um sich nach 7:2, 3:10 und 4:10 wenigstens den Split zu sichern. Noch ist es etwas zu früh in der Saison, um ernsthaft an die Verteilung der Wild Cards zu denken. Aber zurzeit deutet einiges darauf hin, dass diese beiden Teams bis zum Ende zu den heißen Kandidaten um den Hintereingang in die Playoffs gehören werden. Als Starting Pitcher werden Mike Minor (2.63 ERA, 3.72 FIP) für die Rangers und Shane Bieber (3.92 ERA, 3.89 FIP) für Cleveland antreten. Das Spiel gibt es auf DAZN über MLB Network sowie natürlich auf mlb.tv zu sehen.

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April 5th, 2018 by Silversurger

Sieben Tage MLB liegen hinter uns, jedes Team hat schon mal gewonnen, jedes Team hat schon mal verloren und ganz vorne stehen – von wegen World-Series-Hangover! – die Houston Astros. Die neue Saison hat gut angefangen, nur das Wetter spielte leider vielerorts nicht mit. Eine Menge Spiele mussten wegen Regens, Schnees und eines Sturms verlegt werden, darunter allein drei mit Beteiligung der Detroit Tigers. Man könnte die vielen Spielausfälle als Argument gegen den dieses Mal besonders frühen Saisonstart anführen, aber im Endeffekt ist es wohl einfach Pech, dass der Frühling in den USA genau wie bei uns in diesem Jahr noch nicht so recht in die Gänge kommt. Der Grand Slam am Donnerstag fast das Geschehen der vergangenen sieben Tage zusammen, heute erstmals wieder in der Saison-Variante – los geht’s.

American League
In der American League East stehen die beiden Teams vorne, die man genau dort erwartet hatte: die Boston Red Sox (5-1) und die New York Yankees (4-2). Die Red Sox begannen das Jahr zwar mit einer Niederlage in Tampa Bay, ließen dieser aber fünf Siege folgen und gehen selbstbewusst in die erste Heimserie. In dieser geht es erneut gegen die Rays (1-5), welche nach fünf Niederlagen hintereinander ebenso einen Fehlstart hingelegt haben wie die Baltimore Orioles (1-5). Die Fans der Yankees machten übrigens in ihrem Home Opener sehr deutlich, dass sie dieses Jahr nicht bereit sind, Geduld walten zu lassen: Neuverpflichtung Giancarlo Stanton, der einen schlechten Tag erwischt hatte und fünf Strikeouts kassierte, wurde von einem Teil der Zuschauer gnadenlos ausgebuht – ungeachtet der Tatsachen, dass die Yankees das Spiel deutlich gewannen und dass Stanton bei seinem Debüt für den neuen Klub ein paar Tage vorher zwei Homeruns in Toronto geschlagen hatte. Die Blue Jays (4-3) hatten übrigens ebenfalls einen guten Start, ließen einem Split gegen die Yankees, eine 2:1 gewonnene Serie gegen die White Sox folgen.

Trotz der verlorenen Serie gegen die Blue Jays finden die Chicago White Sox (3-2) sich derzeit an völlig ungewohnter Stelle wieder, nämlich an der Spitze der AL Central. Das liegt vor allem daran, dass sie die Eröffnungsserie gegen die Kansas City Royals (1-3) mit 2:0 gewonnen haben und dass die in der Division favorisierten Cleveland Indians (2-4) etwas holprig in die Saison gestartet sind – sowohl gegen die Seattle Mariners als auch gegen die Los Angeles Angels setzte es verlorene Serien. Die Minnesota Twins (3-2) hingegen hatten einen guten Start mit drei deutlichen Siegen bei zwei knappen Niederlagen. Max Kepler ist ebenfalls gut drauf: Er stand in allen fünf Spielen in der Startformation, kam mindestens einmal pro Spiel auf Base und schlug am Samstag gegen Baltimore seinen ersten Homerun der Saison. Die schlechteste Bilanz in der AL haben bislang die Detroit Tigers (1-4) – das sollte man allerdings noch nicht zu hoch bewerten, denn angesichts von drei Spielverlegungen ist es nicht einfach, in Tritt zu kommen, und ein Run Differential von -2 zeigt, dass die Tigers bei den bisherigen Resultaten wohl auch ein bisschen Pech hatten.

In der AL West cruisen die Houson Astros (6-1) schon wieder überlegen an der Spitze. Nach einer 3:1-Serie gegen die Texas Rangers (2-5) wurden die Baltimore Orioles 3:0 gesweept und die in der Offseason oft gehörte Frage „Wer soll dieses Team aufhalten?“ harrt weiterhin einer Antwort. Aber vielleicht ist diese Antwort gar nicht weit weg, denn die Los Angeles Angels (5-2) machen bislang ebenfalls einen guten Eindruck. Sie haben ihre Serien gegen die Oakland Athletics (3-4) sowie gegen Cleveland gewonnen und Shohei Ohtani scheint tatsächlich das Zeug zu dem Doppel-Star zu haben, als der er angepriesen wurde: Sein erstes Outing als Pitcher (6 IP, 3 H, 3 R, 6 SO) war mindestens solide, als Designated Hitter war er noch besser mit 6 Hits in 14 At Bats, darunter zwei Homeruns. Die Seattle Mariners (3-2) sind eigentlich auch gut in die neue Saison gekommen, machen aber gleichzeitig ihrem Ruf als einer der Pechvogel-Klubs der Liga wieder mal Ehre: Ausgerechnet auf dem Weg von einem Homerun zurück in den Dugout knickte DH Nelson Cruz um und steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

National League
Die Tabelle der National League East möchte ich als Fan der New York Mets (4-1) am liebsten für den Rest des Jahres einfrieren, aber sie ist natürlich nur eine Momentaufnahme und neben den Mets haben auch die Atlanta Braves (4-2) und die Washington Nationals (4-2) bereits vier Siege auf dem Konto. Ensprechend gespannt darf man auf die ab heute anstehende Serie der Nationals gegen die Mets sein. Nach dem Wochenende kann man vermutlich etwas besser einschätzen, wie die Kräfteverhältnisse zwischen diesen beiden in diesem Jahr aussehen. Die Miami Marlins (2-4) stehen nach der ersten Woche wie erwartet bei einer negativen Bilanz; die beiden Siege gegen die Chicago Cubs sind schon mehr als man ihnen zugetraut hätte angesichts des schweren Anfangsprogramms mit den Cubs und den Red Sox. Das Ende der Tabelle zieren die Philadelphia Phillies (1-4), die kurz nach Saisonbeginn schon mit ihrem neuen Manager Gabe Kapler hadern. Kapler leistete sich in den ersten Spielen einige seltsame Entscheidungen, wechselte zum Beispiel am Samstag nach drei Innings Starter Vince Velasquez aus, ohne dass sich jemand im Bullpen aufgewärmt hatte, und schickte später im Spiel ohne erkennbare Not einen Positionsspieler auf den Mound. Nach dem Spiel entschuldigte er sich für seine Fehler und versprach gleichzeitig, die Phillies würden dieses Jahr die Playoffs erreichen. Übrigens treffen auch die Marlins und die Phillies ab heute direkt aufeinander.

Den besten Start in der NL Central hatten überraschenderweise die Pittsburgh Pirates (4-1), sie waren bis gestern sogar noch das einzige ungeschlagene Team der Liga. Auch die Milwaukee Brewers (4-2) sind gut aus den Startlöchern gekommen, wobei die Bilanz ihnen etwas schmeichelt, denn alle vier Siege waren sehr knapp. Drei klare Siege, aber auch drei Niederlagen haben die St. Louis Cardinals (3-3) auf dem Konto. Die Cardinals haben sich übrigens letzten Donnerstag, kurz nach meinem letzten Grand Slam, des letzten wichtigen Free Agents erbarmt und Closer Greg Holland unter Vertrag genommen. Holland erhält 14 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag und wird voraussichtlich Anfang nächster Woche bereit für seine ersten Einsätze sein. Die Chicago Cubs (2-3) müssen ihre Auftaktwoche als Fehlstart verbuchen – ein Split gegen das wohl schwächste Team der Liga, die Marlins, sowie eine Niederlage gegen die bis dahin sieglosen Cincinnati Reds (1-3) sind definitiv zu wenig für ein Team mit höchsten Ansprüchen an sich selbst.

Einen Fehlstart haben auch die Los Angeles Dodgers (2-5) hingelegt, die vor der Saison als übergroßer Favorit auf den Gewinn der NL West galten. Der Favorit sind sie immer noch, aber nach zwei Niederlagen gegen den Erzrivalen San Francisco Giants (3-3) zum Auftakt sowie nach einem Sweep durch die Arizona Diamondbacks (5-1) hat die Euphorie erst mal einen deutlichen Dämpfer bekommen. Anders sieht es bei den Colorado Rockies (3-3) aus: Deren Start war zwar auch nur durchwachsen, aber ihre Schlagzeile der Woche ist die Vertragsverlängerung mit Star-Outfielder Charlie Blackmon. Für 108 Millionen Dollar bindet der 31-Jährige sich für die nächsten sechs Jahre an Colorado und wird somit langfristig das Gesicht der Franchise bleiben.

Szene der Woche
Die Saison ist gerade erst eine Woche alt, hat aber schon so viele tolle Momente zu bieten, dass die Entscheidung an dieser Stelle mal wieder schwer fällt. In die nähere Auswahl gehören ganz sicher die Aktionen von Edwin Encarnacion, der eigentlich viel zu langsam für einen Inside-the-Park-Homerun, und von Ichiro Suzuki, der eigentlich viel zu alt für so einen Catch ist. Die Szene der Woche ist für mich aber dennoch der Homerun von Ian Happ beim allerersten Pitch der MLB-Saison 2018. Besser als mit einem solchen Paukenschlag kann man das Jahr nicht eröffnen.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns hat Joe Panik dieses Jahr schon für die San Francisco Giants geschlagen. Das ist eine ganze Menge für jemanden, der bislang nie mehr als zehn Homeruns in einem ganzen Jahr geschafft hat. Das Interessante an diesen drei Homeruns ist, dass es die drei ersten Runs waren, die die Giants in diesem Jahr zustande gebracht haben. Die drei ersten Runs eines Teams in einer Saison alle per Solo-Homerun durch denselben Spieler, das hatte es bisher noch nie gegeben. Dass ein Team seine ersten beiden Spiele mit 1:0 gewinnt und beide durch einen Homerun desselben Spielers, ist übrigens ebenfalls ein historisches Novum.

Spiel der Woche
Angesichts der Tatsache, dass die Chicago Cubs allgemein als eines der besten Teams dieser Saison eingeschätzt werden und die Miami Marlins als eines der schlechtesten, kam es recht überraschend, dass ausgerechnet diese beiden sich Freitagnacht die erste epische 17-Inning-Schlacht der Saison lieferten: Je ein Run auf jeder Seite im dritten Inning waren die einzigen Scores bis zum Walkoff der Marlins, den nach 5 Stunden und 18 Minuten drei 2-Out-Singles von Brian Anderson, Cameron Maybin und Miguel Rojas besiegelten. Zuvor durften die tapfer ausharrenden Zuschauer 34 Strikeouts, 33 gestrandete Baserunner und eine ganze Menge sehenswerter Szenen, insbesondere in der Defensive, bewundern.

Mein Einschalttipp
Wie schon erwähnt werden sich ab heute drei Spiele lang die Washington Nationals und die New York Mets gegenüber stehen. Diese Partien werden einen Eindruck davon geben, ob dieses Jahr mit mehr Spannung in der NL East zu rechnen ist als im letzten. Besonders sehenswert dürfte das erste Spiel der Serie sein, denn mit Stephen Strasburg gegen Jacob deGrom kündigt sich eines der Premium-Pitcherduelle der Liga an. Obendrein läuft das Spiel am heutigen Donnerstag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:10 Uhr MESZ, live zu sehen auf DAZN und natürlich über mlb.tv. Übrigens: Wusstet ihr schon, dass deGrom mit einem ERA von 1.98 (bei mind. 100 IP) der erfolgreichste Pitcher der MLB-Geschichte in Mittagsspielen ist? Muss wohl ein Morgenmensch sein.

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Februar 11th, 2018 by Silversurger

Mit dem Start in die Saisonvorbereitung der MLB ist auch die Zeit der Vorhersagen  angebrochen. Während der Spring-Training-Spiele werde ich mir selbst wieder jedes Team einzeln vornehmen, heute schaue ich aber erst mal durch die bekannteste Baseball-Glaskugel: die PECOTA-Projektionen von Baseball Prospectus. Diese werden auf Ebene der Einzelspieler ermittelt, sagen in der Gesamtschau aber auch komplette Tabellenstände voraus. (Wenn ihr wissen wollt, wie PECOTA und andere Vorhersagesysteme funktionieren, schaut doch mal in meinen Artikel vom letzten Jahr).

PECOTA sieht für diese Saison eine klare Dominanz von vier Teams voraus: Den Los Angeles Dodgers (99 Siege), den Houston Astros (99), den Cleveland Indians (97) und den New York Yankees (96) werden jeweils fast 100 Wins zugetraut, alle anderen Teams landen in der prognostizierten Endabrechnung bei unter 90 Siegen. Ich schätze allerdings, dass sich das für die Chicago Cubs (89) noch ändern wird, sobald die letzte Nacht getätigte Verpflichtung von Top-Free-Agent Yu Darvish in die Zahlen eingearbeitet ist.

Neben den fünf genannten Teams komplettieren die Washington Nationals (89) die Riege der vorhergesagten Divisionssieger. Die aussichtsreichsten Kandidaten für die Wild Cards sind die Diamondbacks (86), die Cardinals (84) und die Giants (84) in der NL sowie die Red Sox (87) und die Rays (84) in der AL. Düstere Zeiten prognostiziert PECOTA hingegen den Miami Marlins (66), den Kansas City Royals (66), den Detroit Tigers (68) und den Baltimore Orioles (69) mit jeweils unter 70 Siegen.

Im Großen und Ganzen ähnelt das von PECOTA für 2018 gezeichnete Bild den tatsächlichen Verhältnissen aus der letzten Saison. Die größte Veränderung wird den San Francisco Giants zugetraut, denen nach dem enttäuschenden Jahr 2017 eine Steigerung um glatte 20 Siege vorhergesagt wird.  Auf der anderen Seite wird den Kansas City Royals ohne Eric Hosmer, Mike Moustakas, Lorenzo Cain und Jason Vargas ein Absturz um 14 Siege prophezeit. Keine großen Sprünge erwartete die Projektion von den Los Angeles Angels (80) und den Milwaukee Brewers (83). Beide Teams haben zwar während der Offseason deutlich aufgerüstet, konnten PECOTA aber offenbar nicht überzeugen, dass von ihnen mehr zu erwarten ist als im letzten Jahr.

Auf Ebene der Einzelakteure ist es keine spektakuläre Weissagung, Angels-Outfielder Mike Trout mit 7.1 WARP als besten Spieler der MLB einzuschätzen. Auf den weiteren Plätzen der Positionsspieler finden sich aber doch ein paar Überraschungen: Giants-Catcher Buster Posey (5.6 WARP) hätte ich nicht auf Rang zwei erwartet und Nationals-Shortstop Trea Turner (5.3) erst recht nicht auf Platz drei. Ich bin gespannt, ob PECOTA Recht behält und Posey und Turner wirklich mehr produzieren werden als beispielsweise Bryce Harper (4.2), Jose Altuve (3.9) oder Giancarlo Stanton (3.9). Bei den Pitchern fallen die Vorhersagen etwas erwartbarer aus: Chris Sale (6.0 WARP), Clayton Kershaw (4.9), Corey Kluber (4.5) und Max Scherzer (4.1) hätte ich aus dem Bauch heraus auch auf den ersten vier Plätzen gesehen, wenngleich nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Was ist eigentlich mit Shohei Ohtani, dem am stärksten umworbenen Newcomer aller Zeiten? PECOTA traut ihm einen erfolgreichen MLB-Karrierestart zu: Mit 2.8 WARP als Pitcher würde er die Rotation der Angels anführen und ligaweit auf Rang 19 landen. Zudem werden ihm weitere 0.7 WARP als Batter zugerechnet – mehr als doppelt soviel wie Albert Pujols trotz deutlich weniger prognostizierter At Bats.

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Dezember 14th, 2017 by Silversurger

Der Knoten in der MLB-Offseason ist geplatzt: Am Wochenende haben sich Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani, die wichtigsten Wechselkandidaten des Jahres, für neue Teams entschieden. Gerade rechtzeitig vor den Winter Meetings der MLB, die diese Woche in Orlando stattfinden. Diese Meetings oder wohl eher die Lunch- und Kaffeepausen dazwischen sind traditionell eine Gelegenheit, zu der viele Trades und sonstige Transaktionen in die Wege geleitet oder zum Abschluss gebracht werden. In diesem Jahr ist bislang vor allem der Markt für Reliever sehr aktiv gewesen. Ein spannender Teil und zugleich der Abschluss der Winter Meetings ist die heute Nachmittag stattfindende Rule-5-Draft.

Jubel und Sorgen um Ohtani
Die Los Angeles Angels sind der Gewinner des großen Buhlens um den japanischen Star-Pitcher und -Outfielder Shohei Ohtani. Diese Nachricht kam etwas überraschend: Als Ohtani letzte Woche zunächst 23 Teams einschließlich den ehemals als Favoriten geltenden Yankees absagte, wurden ihm diverse Ziele zugeschrieben: Er wolle an die Westküste, hieß es, und zumindest dazu passt seine Wahl der Angels. Zu den anderen Kriterien, von denen man lesen durfte, passt sie allerdings weniger: Er wolle zu einem Team mit mittelgroßem Markt, das sind die Angels sicher nicht. Er wolle zu einer Franchise mit einer guten Farm, das behaupten von den Angels nicht viele – erst recht nicht nachdem sie gerade zwei von ihren ohnehin nicht zahlreichen Prospects nach Detroit geschickt haben als Gegenleistung für 2B Ian Kinsler. Und er wolle zu einem Team, in dem er der Star ist – dazu müsste er in Anaheim erst mal an Mike Trout vorbei kommen. Aber sei es wie es will, die Angels sind es geworden, es sei ihnen herzlich gegönnt und jetzt darf man gespannt sein, ob Ohtani dem Hype gerecht wird.

Die jüngsten Meldungen sind leider nicht allzu ermutigend: Vorgestern wurde bekannt, dass Ohtani unter einem beschädigten ulnaren Seitenband im Wurfellenbogen leidet. Es handelt sich wohl vorerst nur um einen kleinen Riss, der ihn nicht zwingend beeinträchtigt. Aber für den Fall, dass das Band komplett durchreißen sollte, droht Ohtani die berüchtigte Tommy-John-Surgery und damit mindestens ein Jahr Pause.

Ziemlich neueste Freunde 
Auch Giancarlo Stanton hat eine neue Heimat gefunden und vermutlich auch einen neuen Freund: Mit Aaron Judge bildet er bei den New York Yankees zukünftig eine Mitte des Lineups, wie die MLB sie kaum jemals gesehen hat. 111 Homeruns haben die beiden 2017 zusammen geschlagen und es würde mich nicht wundern, wenn es demnächst noch mehr werden: erstens weil Judge dieses Jahr ein Rookie war und daher wohl noch Steigerungspotenzial hat; zweitens weil Stanton nun in einem deutlich hitterfreundlicheren Heimstadion spielt als bisher; drittens weil es für gegnerische Pitcher schwieriger wird, um einen der beiden herum zu pitchen, wenn danach direkt der andere an die Platte tritt.

Die Yankees haben Stanton von den Marlins mehr oder weniger geschenkt bekommen: Sie schicken nach Miami zwei nachrangige Prospects sowie 2B Starlin Castro inklusive dessen als zu teuer geltenden Zweijahresvertrag. Derek Jeter, Yankees-Legende und jetzt Miteigentümer der Marlins, ist seinem alten Klub sogar noch in der Form entgegen gekommen, dass die Marlins 30 von den 295 Millionen Dollar übernehmen, die Stanton aus seinem Vertrag noch zustehen. Somit spielt Stanton gut ein Jahr lang kostenlos für die Yankees.

Der Ausverkauf der Marlins geht weiter 
Jeter und die Marlins meinen es ernst damit, sich von ihren Stars trennen und den Kader billiger machen zu wollen. Das beweist nicht nur der Stanton-Trade zu den Yankees, sondern auch der Trade von 2B/OF Dee Gordon zu den Seattle Mariners und der von OF Marcell Ozuna zu den St. Louis Cardinals. Für beide erhalten die Marlins eine Reihe von Prospects. Als nächstes könnte OF Christian Yelich auf dem Sprung sein, womit die Marlins ihr komplettes bisheriges Outfield und damit ihre größte Stärke los wären. Zudem sind sie wohl nicht abgeneigt, den frisch von den Yankees übernommenen 2B Starlin Castro direkt weiter zu traden.

Cubs rüsten Pitching auf
Die Chicago Cubs zählen zu den aktiveren Franchises der letzten Tage und ihre Aufmerksamkeit galt klar dem Pitching: Tyler Chatwood wurde für drei Jahre und 38 Millionen Dollar verpflichtet, um die Starting Rotation zu ergänzen – nicht zuletzt weil eine Weiterbeschäftigung von Jake Arrieta inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Chatwood hatte bei den Rockies zuletzt eher unspektakuläre Zahlen (4.69 ERA) produziert, die aber stark durch den Einfluss des Ballparks in Colorado bestimmt waren. Eine weitere Investition in die Rotation haben die Cubs mit Drew Smyly getätigt, der einen Zweijahresvertrag erhält. Nützen wird er seinem neuen Team wohl erst 2019, denn Smyly hatte im Juni eine Tommy-John-Surgery und wird somit frühestens gegen Ende der Saison 2018 einsetzbar sein. Eine sofortige Verstärkung für den Bullpen dürfte Brandon Morrow sein. Der Reliever hatte ein starkes Jahr inklusive einer arbeitsreichen Postseason, in der er in allen 15 Spielen des letztendlichen Vizemeisters Los Angeles Dodgers aktiv war.  Die Cubs zahlen Morrow 21 Millionen für zwei Jahre und haben die Option auf ein drittes Jahr.

Pineda zu den Twins
Die Minnesota Twins haben mit dem Zweijahresvertrag für Starter Michael Pineda ein ähnliches Projekt gestartet wie die Cubs mit Drew Smyly. Pineda kommt ebenfalls frisch von einer Tommy-John-Surgery und wird mindestens einen Großteil der kommenden Saison verpassen.

Tigers signen Fiers und Martin
Auch die Detroit Tigers haben ein paar Free Agents an Land gezogen, wobei SP Mike Fiers und OF Leonys Martin nicht wirklich Spieler sind, die einer bestenfalls auf der Stelle tretenden Franchise entscheidend weiterhelfen dürften. Beide Verpflichtungen sind wohl eher Wetten darauf, dass nach einem enttäuschenden Jahr ein gewisser Rebound erfolgt und man sie zur Trade Deadline gewinnbringend – das heißt gegen ordentliche Prospects – eintauschen kann.

Reliever heiß umworben 
Besonders gefragt waren in der bisherigen Offseason Relief-Pitcher. Das bestätigt die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, dass Reliever von den Teams als immer wichtiger eingestuft werden. Die Zeiten, in denen Einjahresverträge der Standard für Reliever waren, scheinen jedenfalls vorbei zu sein: Neben dem bereits erwähnten Brandon Morrow (Cubs) haben auch Luke Gregerson (Cardinals), Pat Neshek (Phillies), Bryan Shaw (Rockies), Tommy Hunter (Phillies), Jake McGee (Rockies), Anthony Swarzak (Mets), Juan Nicasio (Mariners), Joe Smith (Astros), Brandon Kintzler (Nationals) und Chris Martin (Texas Rangers) in den vergangenen paar Tagen allesamt Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen.

Machado ist zu haben
Kaum dass das Thema Giancarlo Stanton abgeschlossen ist, drängt sich die nächste mögliche Trade-Geschichte um einen Star auf: Die Baltimore Orioles sind offenbar interessiert daran, 3B Manny Machado loszuwerden, solange sie noch etwas für ihn bekommen, bevor nach der kommenden Saison ohnehin sein Vertrag ausläuft. Machado wäre mit einem Trade wohl einverstanden, insbesondere weil er gern wieder auf seiner ursprünglichen Position als Shortstop spielen würde. Viel zu melden hat Machado bei einem Deal allerdings nicht, denn sein Vertrag enthält keine No-Trade-Klausel. Angeblich liegen bereits fünf Traadeangebote vor, als Favorit  gelten zurzeit die Cardinals. Auch die Yankees sollen Interesse bekundet haben. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass die Orioles einen Trade innerhalb der eigenen Division anstreben. Zumindest würden sie dann wohl einen höheren Preis verlangen als ihn die Yankees zu zahlen bereit sind.

Rule-5-Draft heute
Heute ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft die Rule-5-Draft der MLB. Der Zweck der Veranstaltung besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Rosters ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen. Als Kandidaten, die dieses Jahr gewählt werden könnten, gelten zum Beispiel P Mark Appel (#1-Pick der Astros 2013, enttäuschte bisher in den Minors), P Kohl Stewart (#4-Pick der Twins 2013, verletzungsanfällig) und (C/1B Max Pentecost #11-Pick der Blue Jays 2014, ebenfalls oft verletzt).

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November 30th, 2017 by Silversurger

Saure-Gurken-Zeit oder die Ruhe vor dem Sturm? Auf jeden Fall hat sich in den letzten Tagen nicht viel getan in der MLB und es spricht schon eine deutliche Sprache, wenn die Verpflichtung eines Relievers durch die Athletics die interessanteste Meldung der Woche darstellt. Ansonsten wird weiterhin munter über den zukünftigen Verbleib von Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani1 spekuliert und die Yankees suchen immer noch einen neuen Manager. Für meinen Geschmack dürfte nun mal die eine oder andere Entscheidung fallen, sonst schlägt die Spannung bald um in Langeweile.

Yusmeiro Petit unterschreibt in Oakland 
Einen einzigen nennenswerten Free-Agent-Move gab es diese Woche: Relief-Pitcher Yusmeiro Petit geht für zwei Jahre und zehn Millionen Dollar zu den Oakland Athletics. Zusätzlich gibt es eine Team-Option auf ein drittes Jahr für 5,5 Millionen. Der 33-jährige Rechtshänder hatte bei den Los Angeles Angels mit 87.1 gepitchten Innings und einem ERA von 2.76 ein gutes Jahr, in dem er sich schrittweise nach oben arbeitete von einem nachrangigen Reliever in die Setup-Rolle.

Ohtani bittet die Klubs zum Bewerbungsverfahren 
Die Absicht des japanische Star-Pitchers und -Outfielders Shohei Ohtani, in die USA zu wechseln, stößt seitens der MLB-Teams auf so großes Interesse, dass Ohtani und sein Agent Nez Balelo das übliche Verfahren einer Bewerbung kurzerhand auf den Kopf gestellt haben: Alle 30 Teams wurden von ihnen gebeten, schriftlich einen ausführlichen Fragenkatalog zu beantworten. In dem Fragebogen geht es in erster Linie darum, wie die Klubs Ohtanis Fähigkeiten einschätzen, wie sie sich die Verteilung seiner Einsätze als Pitcher und/oder Positionsspieler vorstellen und warum sie ihren Verein und ihre Stadt für die beste Wahl halten. Nachdem sich die Konditionen eines möglichen Wechsels von den Nippon Ham Fighters letzte Woche geklärt haben, kann Ohtani ab dem kommenden Wochenende von einem MLB-Team verpflichtet werden. Da er unter 25 ist, wird sein Vertrag in jedem Fall ein Minor-League-Vertrag sein, das heißt er verdient drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor er als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann. Was ihm die Teams jetzt schon anbieten können, ist ein Unterschriftsbonus im Rahmen eines vorgegebenen Budgets. Von diesem Budget haben die Texas Rangers mit 3,53 Millionen Dollar den größten noch verfügbaren Rahmen, dicht gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Ich bleibe bei meinem Tipp, dass Ohtani in der Bronx landen wird, aber denkbar ist alles mögliche – zum Beispiel, dass er gar nicht zu einem der ganz großen Teams will, sondern zu einem, bei dem er der unumstrittene Star sein kann; oder dass er lieber in die National League möchte als in die American League, weil dort die Chance höher ist, auch als Outfielder zum Einsatz zu kommen. Ohtani hat durchblicken lassen, dass er Japan auch deshalb verlässt, weil er dort zuletzt auf die Rollen als Pitcher und DH festgelegt worden war, während er lieber auch regelmäßig im Feld gespielt hätte.

Stantons Wunschliste 
Im Gegensatz zu Shohei Otani hat Giancarlo Stanton bereits unter Beweis gestellt, dass er in der MLB zu Höchstleistungen fähig ist. Wer ihn will, muss aber deutlich tiefer in die Tasche greifen, denn sein Vertrag sichert ihm noch 295 Millionen Dollar bis 2027. Die Miami Marlins werden auch eine Gegenleistung dafür haben wollen, dass sie Stanton ziehen lassen. Allerdings haben sie ihre Verhandlungsposition sicher nicht dadurch gestärkt, dass sie Stanton diese Woche offen gedroht haben, er solle einen Trade akzeptieren, sonst würde er in Miami bald in einem Team ohne sonstige Stars spielen. Spätestens jetzt ist für die anderen Teams klar, dass die Marlins den Outfielder und seinen Vertrag unbedingt loswerden wollen. Stanton hat bereits reagiert und dem Team eine Liste von Teams vorgelegt, zu denen er einen Wechsel akzeptieren würde. Die komplette Liste ist bislang nicht bekannt geworden, aber ganz oben stehen wohl die Los Angeles Dodgers. Stanton ist als Dodgers-Fan in Kalifornien aufgewachsen, daher wären die Dodgers das logische Ziel für ihn, zumal er bei dem World-Series-Teilnehmer auch die Chance hätte, um einen Titel zu spielen. Was einem Wechsel entgegen stehen könnte, ist allerdings die bereits jetzt ungünstige Gehaltsstruktur der Dodgers. Schon ohne Stanton werden sie 2018 über der Schwelle liegen, ab der eine Strafabgabe – die Luxury Tax – an die Liga fällig wird, mit Stanton wird diese Abgabe im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Yankees suchen weiter, Beltran ein Kandidat
Die New York Yankees nehmen sich nun schon über einen Monat Zeit bei der Suche nach einem neuen Manager. Mit fünf Kandidaten wurden bereits im Laufe der letzten Wochen Vorstellungsgespräche geführt:

  • Rob Thomson, Bench-Coach der Yankees
  • Eric Wedge, Berater bei den Blue Jays
  • Hensley Meulens, Bench-Coach der Giants
  • Aaron Boon, ESPN-Analyst
  • Chris Woodward, Third-Base-Coach der Dodgers

Offenbar hat noch keiner der Bewerber nachhaltig überzeugen können, denn es werden dieser Tage weitere Interviews geführt. Von den neuen Kandidaten ist bislang nur einer bekannt geworden: Carlos Beltran hatte sein Gespräch gestern. Der ehemalige Outfielder hatte erst zwei Wochen zuvor sein Karriereende als Spieler verkündet und bereits durchblicken lassen, dass er interessiert ist, zukünftig als Manager tätig zu sein. Über eine Anstellung Beltrans mit seinem bekanntermaßen guten Draht zu jungen Spielern würden sich Fans und Mitspieler sicher freuen, aber die fehlende Erfahrung in der Rolle des sportlich Verantwortlichen macht es in meinen Augen relativ unwahrscheinlich, dass man ihn direkt mit dem renommiertesten Baseball-Traineramt der Welt betraut.

1Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich ab heute nicht mehr „Otani“ schreibe, sondern „Ohtani“ mit „h“. Ich habe mich bezüglich der korrekten Schreibweise eines Besseren belehren lassen.

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November 23rd, 2017 by Silversurger

Diese Woche könnte man eine ganze Folge des Grand Slam am Donnerstag einem einzigen Team widmen: Die Atlanta Braves beherrschten die MLB-News – im Positiven, aber auch und leider vor allem im Negativen. Zum Glück gibt es ein paar verlässliche Dauerbrenner-Themen, dank derer man auch ein bisschen was schreiben kann, was nichts mit den Braves zu tun hat: die Frage, für wen Giancarlo Stanton nächstes Jahr seine Homeruns schlagen wird, die ersehnte Ankunft von Supertalent Shohei Otani und natürlich wieder einige Trades der Seattle Mariners. Außerdem wachsen seit dieser Woche die Spekulationen um eine schon lange diskutierte mögliche Regeländerung. Und bevor ich es vergesse: Happy Thanksgiving an alle, die diesen Tag in irgendeiner Weise feiern!

Braves dominieren die Arizona Fall League
Die wichtigste Herbstliga für MLB-Talente, die Arizona Fall League, hat am Samstag ihre Saison abgeschlossen. Im Finale siegten die Peoria Javelinas 8:2 gegen die Mesa Solar Sox und was von der AFL-Spielzeit 2017 hängen bleibt, sind vor allem die Leistungen der Prospects der Atlanta Braves. Wie jedes Team der AFL werden die Javelinas mit Nachwuchs aus mehreren MLB-Franchises bestückt, doch die der Braves ragten deutlich heraus. Das gilt vor allem für den 19-jährigen Outfielder Ronald Acuna, der zum MVP der AFL-Saison gewählt wurde. Aber auch Infielder Austin Riley, Catcher Alex Jackson und Pitcher Max Fried hatten großen Anteil am Erfolg von Peoria. Das Farmsystem der Braves könnte somit der große Gewinner dieser Offseason sein, wenn da nicht diese unangenehme andere Sache wäre:

Harte Strafen gegen die Braves und ihren Ex-GM 
Wie ich letzte Woche schon berichtet hatte, haben die Braves sich dabei erwischen lassen, dass sie mehrere Regeln verletzt haben, vor allem im Bereich der Verpflichtung von internationalen Talenten. Im Wesentlichen ging es darum, dass sie die dafür von der MLB festgelegten Budgetgrenzen umgingen, indem sie mehreren Spielern zusätzliche verschleierte Zahlungen zukommen ließen. Die MLB hat nun die Strafen für die Verstöße bekannt gegeben und man kann sie durchaus als drastisch beschreiben: Die Braves verlieren 13 ihrer internationalen Talente, darunter den hoch gehandelten venezolanischen Shortstop Kevin Maitan. Die restlichen betroffenen Spieler sind Juan Contreras, Yefri del Rosario, Abrahan Gutierrez, Juan Carlos Negret, Yenci Peña, Yunior Severino, Livan Soto, Guillermo Zuniga, Brandol Mezquita, Angel Rojas, Antonio Sucre und Ji Hwan Bae. Sie alle sind nun wieder Free Agents und können ab einem Zeitpunkt in ca. zwei Wochen von jedem MLB-Team verpflichtet werden. Die Braves dürfen derweil bis 2020 lediglich Talente aus dem Ausland verpflichten, die mit einem Bonus von unter 10.000 Dollar zufrieden sind, und 2021 verfügen sie nur über die Hälfte des Budgets für Auslandsverpflichtungen. Persönlich bestraft wurden der ehemalige General Manager der Braves, John Coppolella, mit einem lebenslänglichen sowie sein Assistent Gordon Blakely mit einem einjährigen Beschäftigungsverbot innerhalb der MLB. Zu unguter Letzt verlieren die Braves ihren Drittrundenpick in der nächsten Draft, nachdem sie auch einem gedrafteten Spieler eine unzulässige Zahlung angeboten hatten.

Rücktritt von John Hart 
Und noch mal die Braves: Der bisherige Teampräsident John Hart war letzte Woche im Zuge der Anstellung des neuen GM Alex Anthopoulos entmachtet worden, auch darüber hatte ich berichtet. Mit der ihm zugedachten neue Rolle als „Senior Advisor“ konnte Hart sich offenbar nicht anfreunden, denn wenige Tage später gab er seinen Rücktritt bekannt. Vermutlich ist das ein Schritt, auf den die Braves gehofft hatten, denn wenn eine Franchise je einen kompletten Neuanfang im Front Office nötig hatte, dann sicher diese. Ob und inwiefern Hart eine Rolle bei den Regelverstößen der Braves gespielt hatte, bleibt derweil unklar. Bei den von der MLB ausgesprochenen Strafen ging er leer aus, da man ihm wohl glaubte – oder zumindest nichts anderes beweisen konnte –, dass er von den Vorgängen nichts mitbekommen hatte.

Verhandlungen um Stanton nehmen Fahrt auf
Für den heißesten Trade-Kandidaten der Offseason liegen die ersten konkreten Angebote vor: Die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals sind in konkrete Verhandlungen mit den Miami Marlins um den MVP der National League eingetreten. Neben diesen beiden Teams gelten die Boston Red Sox und die Los Angeles Dodgers als realistische Kandidaten für eine Aufnahme von Stanton mitsamt seinem teuren Vertrag. Dieser Vertrag sichert Stanton nicht nur 295 Millionen Dollar und eine Anstellung bis 2027, sondern auch das letzte Wort bei einem möglichen Trade. Ohne seine Zustimmung können die Marlins keinen Deal eingehen. Nicht zuletzt deshalb gelten die Giants als Favorit, das Rennen um Stantons Dienste zu machen. Denn der gebürtige Kalifornier wird wohl eher geneigt sein, in seinen Heimatstaat zu wechseln als beispielsweise nach St. Louis.

Der Weg für Otani ist frei
Der Hype um den japanischen Pitcher und Outfielder Shohei Otani strebt seinem Höhepunkt zu: Nach zähen Verhandlungen zwischen der MLB, der Spielergewerkschaft MLBPA und der japanischen Liga NPB hat man sich auf ein Verfahren geeinigt, nach dem Otanis Wechsel in die MLB ablaufen kann. Es ging dabei vor allem um die Modaltitäten, nach denen sein bisheriger Klub, die Nippon Ham Fighters, bei einem Wechsel entschädigt wird. Was Otani selbst aus einem ersten MLB-Vertrag herausholen kann, war vorher klar: Als ausländischer Spieler unter 25 fällt er unter den Budgetdeckel, der ihm unter günstigsten Umständen rund 10 Millionen Dollar ermöglichen würde. Tatsächlich liegt die höchste derzeit bei einem Team verfügbare Summe bei 3,535 Millionen, die die Texas Rangers investieren könnten, gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Nebenverabredungen wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geben, denn so etwas werden sich die Teams nach dem rigorosen Durchgreifen der Liga gegen die Braves mehr als zweimal überlegen.

Die Mariners-Trades der Woche
Was wäre eine Offseason-Woche ohne Trades der Seattle Mariners? Diese Woche schickte der rührige Mariners-GM Jerry Dipoto Reliever Thyago Vieira gegen 500.000 Dollar Budget für internationale Verpflichtungen zu den Chicago White Sox sowie die Pitching-Talente Juan Then und J.P. Sears im Austausch gegen Pitcher Nick Rumbelow zu den New York Yankees. Das sind alles keine bedeutenden Namen, aber hinter dem Trade mit den White Sox könnte sich Größeres verbergen: Die Mariners gelten nämlich als eines der Teams, die sich stark um Shohei Otani bemühen wollen und die aus Chicago erhaltene halbe Million erhöht das Budget, das sie Otani für einen Vertrag anbieten können.

Kommt die Pitch-Clock schon 2018?
Das Ziel der MLB-Führung, die Dauer von Baseballspielen zu reduzieren, ist allgemein bekannt. Ein Mittel, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll, ist die Einführung einer Pitch-Clock. Diese Uhr soll die Zeit messen und begrenzen, die ein Pitcher sich zwischen einem Pitch und dem Beginn der Bewegung zum nächsten Pitch nehmen darf. Nachdem die Pitch Clock seit 2014 auf verschiedenen Levels der Minor Leagues getestet wurde, scheint ihre Einführung in die Major Leagues nun unmittelbar bevorzustehen, wie Buster Olney und andere MLB-Journalisten vermelden. Unter den Spielern – insbesondere natürlich den Pitchern – gelten diese Pläne als nicht gerade beliebt, doch die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred hat die Macht, die entsprechende Regeländerung auf eigene Faust zur kommenden Saison einzuführen. Von daher ist die Verhandlungsposition der Spielergewerkschaft MLBPA schwach und es wäre für sie schon ein Erfolg, wenn sie ein etwas großzügigeres Limit als die vorgesehenen 20 Sekunden herausholen könnte. 20 Sekunden würden von fast allen Pitchern eine Anpassung ihrer Spielweise verlangen, der Durchschnitt für die Zeit zwischen Pitches lag 2017 bei 23,5 Sekunden. Aber auch die Batter müssten einige Gewohnheiten ändern, damit die Zeiten eingehalten werden können – aus der Box herauszutreten, die Handschuhe zurechtzuziehen, einen zusätzlichen Übungsschwung auszuführen sind allesamt Praktiken, die heute zum Alltag des Spiels gehören, in ein paar Monaten aber bereits weitgehend Geschichte sein könnten.

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