Juni 21st, 2016 by Silversurger

Eigentlich hatte ich mir diesen Beitrag so vorgestellt, dass ich aufzeige was für einen großen Einfluss der Spielplan auf die Chancengleichheit in der MLB hat und welche Teams in diesem Jahr besonders bevorteilt oder benachteiligt sind. Doch meine Recherchen dazu brachten ein – jedenfalls für mich – überraschendes Ergebnis.

Es wird ja immer gern damit argumentiert, manche Teams hätten es in einer gegebenen MLB-Saison deutlich leichter als andere, weil sie im Durchschnitt auf schwächere Gegner treffen. Dieses Argument leuchtet ein, denn das System ist so ausgelegt, dass man die meisten Spiele gegen die Teams der eigenen Division absolviert. Wenn man das Glück hat, mehrere schwache Teams in der Division zu haben, sollte das ein erheblicher Vorteil sein. Oder?

Tatsächlich sind die Bevor- oder Benachteiligungen durch die Schedules weit geringer als man denkt. Um das zu veranschaulichen, lohnt sich ein Blick auf eine einfache Auswertung von playoffstatus.com, hier für die NL und hier für die AL. Es wird dort dargestellt, welche kombinierte Bilanz aktuell die Gegner jedes Teams aufweisen, unterteilt in a) alle Gegner, b) die bisherigen Gegner, c) die zukünftigen Gegner. Wie man in den verlinkten Tabellen sieht, streuen die Werte in den betreffenden Spalten allesamt sehr eng um 50% herum. Das spricht für eine große Ausgeglichenheit der Spielpläne und somit dafür, dass schwierigere oder leichtere Spielpläne nur ein sehr geringer Teil der Erklärung für das unterschiedliche Abschneiden der Teams sind.

Eine weitere Illustration der vergleichsweise geringen Auswirkungen der sogenannten Strength of Schedule bietet meine Lieblings-Statistikseite fangraphs.com, in dem Fall basierend auf Projektionen statt wie oben auf tatsächlichen Ergebnissen: John Sullivan betrachtet in diesem Artikel aus der Offseason auf Basis einer leicht reproduzierbaren Gegenüberstellung von zwei Schätzungen – eine davon berücksichtigt die Schwere des Spielplans, die andere nicht – die Auswirkung des Spielplans in Form von Siegen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Einfluss des Spielplans über eine volle Saison hin betrachtet für fast alle Teams deutlich geringer ist als ein Sieg mehr oder weniger. Selbst in den extremsten Fällen – in diesem Jahr die Mets und die Nationals auf der Positiv- und die Orioles auf der Negativseite – geht die Statistik von nur zwei Siegen Unterschied durch den Spielplan aus.

Es wäre übertrieben zu sagen, die Schwere des Spielplans macht keinen Unterschied. Wie Sullivan schreibt, muss man für einen Sieg mehr in der Free Agency rund 8 Millionen Dollar investieren. Oder, um es noch etwas plakativer zu machen: Zwei Spiele mehr oder weniger zu gewinnen entspricht, einen R. A. Dickey oder einen Albert Pujols in der Form von 2015 zu haben oder nicht zu haben (beide brachten in dem Jahr jeweils 2.0 WAR laut Fangraphs). Andererseits, was sind schon zwei Siege? Es sind gerade mal 2,4% der Ausbeute einer durchschnittlichen Teamsaison. Und wenn beispielsweise die New York Mets durch den Spielplan um zwei Siege begünstigt wurden, dann haben sie diesen Vorteil spätestens am letzten Wochenende annuliert, indem sie sich von den Atlanta Braves sweepen ließen.

Alles in allem lautet meine Antwort auf die Frage aus der Überschrift: Die Schwere des Spielplans in der MLB hat einen Einfluss, aber mit in der Regel weniger als einem und allerhöchstens zwei Siegen in einer 162-Spiele-Saison ist dieser viel kleiner als ich gedacht hätte.

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