August 1st, 2019 by Silversurger

Die Trade-Deadline, die gestern Abend in der MLB anstand, bedeutet naturgemäß für viele Spieler den Abschied von ihrem Team und von dessen Fans. Dieses Jahr waren die Tage vor der Deadline besonders aufregend, denn zum ersten Mal handelte es sich nach einer Regeländerung um eine endgültige Frist, das heißt weitere Spielerwechsel sind für die laufende Saison ausgeschlossen. Die drei aufsehenerregendsten Trades dieser Woche waren die folgenden:

  • Die Houston Astros holen Starting Pitcher Zack Greinke von den Diamondbacks. Dafür schicken sie vier Minor-League-Prospects nach Arizona.
  • In einem Dreiecks-Trade gehen Starter Trevor Bauer von den Cleveland Indians zu den Cincinnati Reds und Outfielder Taylor Trammell von den Reds zu den San Diego Padres. Die Indians erhalten für die Trennung von ihrem Asss eine ganze Schar von Spielern: Outfielder Yasiel Puig von den Reds, Outfielder Franmil Reyes von den Padres und drei weitere Prospects.
  • Die New York Mets schicken ihre Pitching-Prospects Anthony Kay und Simeon Woods Richardson nach Toronto, um von den Blue Jays Starter Marcus Stroman zu akquirieren.

Nicht nur von einem Team, sondern von seiner gesamten Karriere als Baseballprofi hat sich einer der herausragenden Shortstops der jüngeren MLB-Geschichte verabschiedet: Troy Tulowitzki hatte nach bereits eineinhalb Jahren Verletzungspause und anschließender Entlassung durch die Blue Jays einen Comeback-Versuch bei den Yankees gestartet. Er brachte es auf nur fünf Einsätze in Pinstripes, bevor sein Körper ihm signalisierte und er selbst einsah, dass es genug ist. Der 34-Jährige will nun verstärkt für seine Familie da sein und nebenbei als ehrenamtlicher Assistenztrainer für die University of Texas arbeiten.

American League
Die New York Yankees (68-39) haben zur Deadline für eine große Überraschung gesorgt, indem sie nahezu komplett untätig geblieben sind. Bis zum Schluss galten sie als offensichtlicher Kandidat, mindestens einen Starter an Land zu ziehen, doch Verhandlungen um Zack Wheeler, Robbie Ray, Madison Bumgarner und andere führten allesamt nicht zu Abschlüssen. Der Führende der American League East behält somit seine offensichtliche Schwäche im Starting Pitching bei. Auch die Boston Red Sox (59-50) waren wenig aktiv, was in ihrem Fall mit der unklaren Ausgangssituation auch so zu erwarten war. Immerhin hatten sie schon vor zwei Wochen Andrew Cashner von den Baltimore Orioles (36-71) erworben. Die zwei restlichen Teams der Division waren hingegen sehr rührig: Die Tampa Bay Rays (62-48) verstärkten sich mit Jesus Aguilar, Trevor Richards, Nick Anderson und Eric Sogard, während die Toronto Blue Jays (43-67) als konsequenter Seller auftraten und neben Sogard und Stroman auch Aaron Sanchez, Joe Biagini, Daniel Hudson und David Phelps abgaben.

In der AL Central war die große Story der eingangs erwähnte Blockbuster-Trade der Cleveland Indians (63-44) um Trevor Bauer. Spitzenreiter Minnesota Twins (66-41) gönnte sich zwar nicht die allseits erwartete Verstärkung der Rotation, zog aber mit Sergio Romo (Marlins) und Sam Dyson (Giants) zwei starke Reliever an Land. Die Chicago White Sox (46-59) blieben erwartungsgemäß untätig. Überraschenderweise hatten auch die Kansas City Royals (40-70) eine relativ ruhige Deadline. Zwar gaben sie vor einigen Tagen Starter Homer Bailey und Reliever Jake Diekman nach Oakland sowie Catcher Martin Maldonado zu den Cubs ab, doch Kandidaten wie Ian Kennedy, Whit Merrifield und Billy Hamilton konnten nicht in Talente umgesetzt werden. Die Detroit Tigers (32-72) waren da konsequenter; sie hatten nicht viel anzubieten, wurden aber ihre größten Trade-Chips, Outfielder Nicholas Castellanos (Cubs) und Shane Greene (Braves) gewinnbringend los.

Wenn es so etwas wie einen Gewinner der Trade-Deadline gibt, dann sind es wohl eindeutig die Houston Astros (69-40). Mit Zack Greinke, Aaron Sanchez und Joe Biagini wurde das ohnehin schon starke Pitching-Staff noch einmal gehörig aufgerüstet. Das zweite Team der AL West mit größeren Trade-Aktivitäten sind die Oakland Athletics (61-48). Genau wie die Astros gönnten sie sich zwei Starter – Tanner Roark (Reds) und Homer Bailey (Royals) – sowie einen Reliever, Jake Diekman (Royals). Die Los Angeles Angels (56-54) blieben weitgehend untätig, ebenso die Texas Rangers (54-54), die lediglich Reliever Chris Martin nach Atlanta schickten. Die Seattle Mariners (47-64) trennten sich von Starter Mike Leake (Diamondbacks) sowie den Relievern Hunter Strickland und Roenis Elias (Nationals).

National League
Die National League East war eine der aktivieren Divisionen auf dem Trademarkt – vier von fünf Teams verstärkten sich zur Deadline. Den Anfang machten zur Überraschung aller die New York Mets (52-55), die in oben erwähntem Trade Marcus Stroman holten. Sie lösten damit Spekulationen aus, ob sie Stroman weitertraden oder einen Abgang Noah Syndergaards vorbereiten wollten, doch nichts davon geschah und auch Zack Wheeler und Todd Frazier blieben an Bord. Lediglich der durch Stroman überflüssig gewordene Veteran Jason Vargas wurde für ein nachrangiges Prospect zu den Philadelphia Phillies (56-51) geschickt. Die Mets scheinen sich als Contender zu sehen und vielleicht sind sie das ja wirklich: Nach 6 Siegen in Folge beträgt der Rückstand auf die Wild Card plötzlich nur noch viereinhalb Spiele. Zwischen der Wild Card und den Mets stehen unter anderem die Washington Nationals (57-51) und die Phillies. Die Nationals haben ihren traditionellen Schwachpunkt, den Bullpen, mit Hunter Strickland, Roenis Elias und Daniel Hudson ergänzt. Die Phillies gönnten sich neben Vargas Outfielder Corey Dickerson (Pirates) und Allrounder Jose Pirela (Padres). Bleibt noch der Spitzenreiter Atlanta Braves (64-45), der sich mit Catcher John Ryan Murphy (Diamondbacks) sowie den Relievern Shane Greene (Tigers), Chris Martin (Rangers) und Mark Melancon (Giants) verstärkte. Die Miami Marlins (41-65) waren wie erwartet Seller, indem sie die Pitcher Nick Anderson, Trevor Richards (beide Rays) und Sergio Romo (Twins) abgaben. Gespannt sein darf man, wie sie den von Tampa Bay erworbenen Ryne Stanek nutzen, der beim alten Klub häufig als Opening Pitcher eingesetzt wurde.

In der NL Central tobt mindestens ein Dreikampf um die Spitze, doch die Herangehensweise der Teams an die Trade-Deadline war sehr unterschiedlich. Die Chicago Cubs (57-50) waren sehr aktiv: Sie rüsteten auf mit den Verpflichtungen von Outfielder Nicholas Castellanos, Utility-Man Tony Kemp sowie den Relievern Derek Holland und David Phelps. Catcher Martin Maldonado holten Sie auch, tradeten ihn aber gleich weiter nach Houston für Kemp. Auch die Milwaukee Brewers (57-52) gingen ihre Schwachstellen an, indem sie mit Drew Pomeranz und Jordan Lyles zwei neue Starter holten. Überbesetzt waren sie an der ersten Base, daher war Jesus Aguilar entbehrlich und ging für RP/SP Jake Faria zu den Rays. Co-Tabellenführer St. Louis Cardinals (57-50) verzichtete komplett auf Verstärkungen. Die Cardinals schickten in ihrem einzigen Trade Infielder Jedd Gyorko zu den Dodgers und erhielten dafür Pitcher Tony Cingrani, der allerdings noch für den Rest des Jahres ausfällt. Schwer zu durchschauen sind für mich die Cincinnati Reds (50-56). Sie haben sich von Yasiel Puig, Tanner Roark, Scooter Gennett und Top-Prospect Taylor Tremmell getrennt, mit Trevor Bauer aber auch einen Spitzenspieler an Land gezogen. Die Pittsburgh Pirates (47-61) haben die Saison offensichtlich abgehakt, die Abgabe von Corey Dickerson und Jordan Lyles steht für einen klaren Seller-Ansatz.

Von den Los Angeles Dodgers (71-39) hätte ich größere Aktivitäten erwartet, aber sie beschränkten sich auf ein paar kleinere Moves und ließen den MLB-Kader weitgehend unangetastet. Die NL West werden sie auch so gewinnen, aber ob es so für die ersehnte World Series reicht? Auch die zum Tabellenende durchgereichten Colorado Rockies (50-59) blieben untätig, während die restlichen drei Teams der Division jeweils aktivere, wenngleich etwas rätselhafte Ansätze wählten. Die Arizona Diamondbacks (54-55) trennten sich von ihrer Nummer eins Zack Greinke, hielten aber an Robbie Ray fest und holten in Mike Leake einen Starter dazu. Die San Francisco Giants (55-53) vertradeten einen guten Teil ihres Bullpens – Sam Dyson, Mark Melancon, Derek Holland – sowie Starter Drew Pomeranz, behielten aber Madison Bumgarner und holten 2B Scooter Gennett dazu. Weder aus den Giants noch aus den Diamondbacks werde ich sonderlich schlau. Logischer erscheint der Ansatz der San Diego Padres (50-57): Mit Outfield-Prospect Taylor Trammell und Reliever Carl Edwards Jr. haben sie zwei Puzzleszücke für die kommenden Jahre geholt, ohne allzu viel dafür aufzugeben.

Szene der Woche 
Die Auswahl an sehenswerten Szenen ist diese Woche wieder mal sehr groß. Ein ernsthafter Kandidat ist sicher Trevor Bauers Wutanfall-Wurf vom Mound bis über den Centerfield-Zaun, als er nach einem schwachen Start ausgewechselt wurde. Es war seine letzte Aktion in der Uniform der Indians, wie sich einige Tage später herausstellte. Auch Yasiel Puig zeigte sich zum Abschied aus Cincinnati nicht von seiner angenehmsten Seite, denn seine letzte Amtshandlung als Red war die Beteiligung an einer Massenkeilerei mit den Pirates. Schöner ist, was Max Kepler ablieferte: Er schlug am Freitag den 200. Homerun der Minnesota Twins in diesem Jahr. Noch nie zuvor hat ein Team so früh in der Saison 200 Homeruns erreicht. Die für mich beeindruckenste Szene der letzten Tage war aber eine, die in die Statistik als simples 6-3-Groundout eingeht. Schaut euch dieses Hammerplay von Mariners-Shortstop J. P. Crawford an:

Statistik der Woche 
28.178. In dieser Saison purzeln bekanntlich reihenweise Homerun-Rekorde. Weniger präsent ist, dass auch die Zahl der Strikeouts ständig neue Höchstwerte erzielt. Seit 2008 wurde bereits elfmal in Folge in jedem einzelnen Jahr ein neuer Rekord für die meisten Strikeouts in einer Saison aufgestellt. Die Bestmarke aus dem Jahr 2018 liegt bei 41.207, in der laufenden Saison war es bis heute die eingangs genannte Zahl. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, bringen die Pitcher der MLB es dieses Jahr auf rund 42.600 Strikeouts. Die meisten „K“s gehen bislang auf das Konto von Houstons Gerrit Cole. 212 Batter hat er seit Saisonbeginn schon von der Platte gefegt.

Spiel der Woche
Die Orioles sind zwar in der Tabelle weit abgeschlagen und ihre Saison war eigentlich schon vor dem ersten Spieltag gelaufen. Aber auch so ein Team ist im Baseball gelegentlich gut für etwas Groß- und Einzigartiges. Donnerstagnacht lieferten die Orioles sich einen 16-Inning-Marathon mit den Los Angeles Angels, den sie letztlich 10:8 für sich entschieden. Das wäre an sich schon eine tolle Sache, aber das wirklich Besondere ist, dass erstmals seit der offiziellen Einführung dieser statistischen Kategorie vor 50 Jahren ein Positionsspieler einen Save verdient hat. Allround-Ersatzmann Stevie Wilkerson übernahm den Mound, nachdem Jonathan Villar das Team per 2-Run-Homerun in Front gebracht hatte. Mit 14 Pitches – keiner davon schneller als 56 Meilen pro Stunde – gelang Wilkerson ein 1-2-3-Inning gegen Brian Goodwin, Kole Calhoun und Albert Pujols.

 

Mein Einschalttipp
Heute gibt es einen Tipp für Kurzentschlossene: Die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals stehen an der Spitze der NL Central exakt gleichauf und auch die derzeitige Serie gegeneinander steht bislang 1:1-Unentschieden. Das ist eine spannende Konstellation vor dem Rubber-Match, das heute Nacht ab 1:15 Uhr ansteht. Als Starting Pitcher sind Jon Lester (3.63 ERA, FIP) für Chicago und Jack Flaherty (4.17 ERA, FIP) für die Cardinals vorgesehen.

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Mai 16th, 2019 by Silversurger

Ein Viertel der MLB-Saison 2019 ist bereits vorbei. Man könnte sagen, da ist noch nichts entschieden. Tatsächlich ist aber schon für ein Drittel aller Teams anzunehmen, dass das Jahr für sie mit ziemlicher Sicherheit gelaufen ist. Die Chancen dieser zehn Mannschaften, in die Playoffs einzuziehen, liegen laut Fangraphs bereits bei unter 10% – die der Marlins und der Orioles sogar bei 0,0%. Nehmen wir noch die fünf weiteren Teams heraus, deren Chancen deutlich unter 20% rangieren, und auf der anderen Seite die fünf mit einer Playoff-Wahrscheinlichkeit von über 80%, dann bleiben scheinbar gar nicht mehr viele übrig, für die es noch richtig spannend bleibt. Aber das Reizvolle am Sport im Allgemeinen und am Baseball im Speziellen ist ja gerade das, was gegen jede Wahrscheinlichkeit passiert. In ein paar Monaten werden wir auf die Playoff-Prognosen von Mitte Mai zurück blicken und an der einen oder anderen Stelle laut auflachen oder fassungslos den Kopf schütteln. Ich freue mich darauf.

National League
Die Philadelphia Phillies (24-18) haben zuletzt zweimal gegen die Brewers verloren, führen die National League East aber nach wie vor relativ souverän an. Die Atlanta Braves (22-21) und die New York Mets (20-21) kämpfen mit der .500-Schwelle, welche für die Washington Nationals (17-25) bereits ein Stück weit entfernt ist. Die Nationals und die Mets treffen heute sowie Anfang der nächsten Woche noch fünfmal aufeinander. Am Wochenende dazwischen hat Washington mit den Cubs den unangenehmeren Gegner, während die Mets auf die Miami Marlins (10-31) treffen. Gegen die haben sie dieses Jahr bisher jedes Spiel gewonnen.

In der NL Central war es letztes Wochenende zum Spitzenduell zwischen den Chicago Cubs (25-15) und den Milwaukee Brewers (26-19) gekommen. Die Brewers starteten mit einem dominanten 7:0, das zweite Spiel ging nach 15 spannenden Innings an die Cubs, welche auch die dritte Partie für sich entschieden. So bleibt es in der Tabelle bei der knappen Führung der Cubs vor den Brewers. Die St. Louis Cardinals (23-20) können mit den beiden Konkurrenten derzeit nicht Schritt halten. Vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen (und 10 aus den letzten 13) haben die Cardinals auf Rang drei zurück geworfen. Selbst der ist am Wackeln, nachdem drei der Niederlagen gegen die Pittsburgh Pirates (21-19) eingefahren wurden. Die Cincinnati Reds (19-24) stehen abgeschlagen auf dem letzten Platz, auch wenn ihr Run-Differential vermuten lässt, dass sie sich bisher unter Wert verkauft haben: Mit +29 ist es das zweitbeste der Division und das viertbeste der gesamten NL.

Die Los Angeles Dodgers (29-16) haben ihre Dominanz in der NL West seit letzter Woche noch weiter ausgebaut, wofür vor allem ein Zwei-Spiele-Sweep gegen die San Diego Padres (22-21) hilfreich war. Die Arizona Diamondbacks (24-20) vergaben die Chance, an den Dodgers dranzubleiben, indem sie drei Heimspiele gegen die Braves verloren. In den nächsten zwei Wochen haben die Diamondbacks aber alle Trümpfe in der Hand, zumindest ihren zweiten Platz zu zementieren: sechsmal gegen die San Francisco Giants (18-24), dreimal gegen die Padres und viermal gegen die Colorado Rockies (20-22) lauten die kommenden Matchups, in denen einige Weichen für das Bild der NL West hinter den Dodgers gestellt werden können.

American League
Die American League East weist nach gut 40 Spielen die klare Zweiteilung auf, die man auch vor der Saison erwartet hätte: Die Baltimore Orioles (14-28) und die Toronto Blue Jays (17-25) zieren chancenlos den unteren Teil der Tabelle, während die Tampa Bay Rays (26-15), die New York Yankees (26-16) und die Boston Red Sox (23-20) den oberen Bereich unter sich ausmachen. Die drei sind gegenüber letzter Woche enger zusammengerückt, indem die Yankees die Serie in Tampa Bay 2:1 für sich entschieden und die Red Sox ihre Auholjagd mit sechs Siegen aus sieben Spielen fortsetzten (Donald Trump glaubt übrigens, dass das an ihm liegt). Von Freitag bis Samstag treffen die Yankees und die Rays schon wieder aufeinander, dieses Mal in der Bronx. Auch Boston erwartet am Wochenende einen hochkarätigen Gegner (siehe Einschalttipp).

In der AL Central schien der Siegeszug der Minnesota Twins (27-15) etwas ins Stocken geraten zu sein, als am Wochenende nur ein 2:2-Split gegen die Detroit Tigers (18-23) gelang und auch gegen die Angels das erste Spiel verloren ging. Aber zwei Siege später sieht die Welt für die Twins schon wieder rosig aus, zumal die Woche für die Cleveland Indians (22-19) nicht besser lief. Nach zwei Splits gegen die Chicago White Sox (19-22) und einer verlorenen Serie gegen die Athletics scheinen die Indians dringend ein aufbauendes Erfolgserlebnis zu brauchen – die anstehende Vier-Spiele-Heimserie gegen die Orioles sollte dazu ausreichend Möglichkeit bieten. Ein Erfolgserlebnis täte übrigens auch Max Kepler gut: Der deutsche Outfielder der Twins ist nach seinem heißen April (.304/.378/.633) deutlich abgekühlt und schlägt im Mai bislang nur .158/.231/.246.

Das aktuell stärkste Team der MLB sind die Houston Astros (29-15). Sie haben nicht nur die meisten Siege, die höchste Siegquote (65,9%) und den größten Vorsprung (7,5 Spiele) innerhalb einer Division, sondern auch das mit Abstand beste Run-Differential der Liga (+87). Die Konkurrenz innerhalb der AL West hat sich bereits mehr oder weniger verabschiedet. Die Seattle Mariners (22-23), die Los Angeles Angels (20-23), die Texas Rangers (18-22) und die Oakland Athletics (19-25) weisen allesamt eine negative Bilanz und ein negatives Run-Differential auf, keiner von ihnen macht auch nur ansatzweise den Eindruck, den Astros gefährlich werden zu können. Umso mehr darf man sich freuen auf die Duelle der Astros gegen den amtierenden Champion, die sowohl an diesem als auch am nächsten Wochenende auf dem Programm stehen (siehe Einschalttipp).

Szene der Woche
Es war ein bisschen still geworden um Vladimir Guerrero Jr. Der mit großem Hype gestartete Nachwuchsspieler der Toronto Blue Jays schlug in seinen ersten zwei Big-League-Wochen nicht so ein wie erhofft. Sein Batting Average pendelte deutlich unter .200 und der erste Homerun ließ ebenfalls auf sich warten. Am Dienstag war es dann endlich soweit: Vlad Jr. schlug den Ball gegen die San Francisco Giants aus dem Feld und offenbar fühlte sich das so gut an, dass er es im sechsten Inning gleich noch einmal tat.

Statistik der Woche 
8019. So viele Spiele haben die San Diego Padres in der MLB bislang gespielt und es war kein einziger No-Hitter dabei. Das ist nicht ganz sauber formuliert, denn tatsächlich gab es No-Hitter in zehn dieser Spiele – aber immer nur gegen die Padres. Seit Matt Strahm gestern im zweiten Inning des Spiels gegen die Dodgers ein Single von Corey Seager zuließ, haben die Padres mit den New York Mets als Rekordhalter für die meisten Spiele ohne No-Hitter gleichgezogen. Die Mets brachen den Bann in ihrem 8020. Spiel am 1. Juni 2012, als Johan Santana die St. Louis Cardinals ohne Hit hielt. Wenn die Padres in der kommenden Nacht gegen die Pirates erneut einen Hit zulassen, ist der Rekord allein der ihre.

Spiel der Woche
Einen Rekord gab es auch am Dienstag zu vermelden und zwar von Chris Sale, dem Ass der Boston Red Sox. Sale gelangen gegen die Colorado Rockies 17 Strikeouts – mehr als je zuvor ein Pitcher in sieben oder weniger Innings geschafft hatte. Der Rekord für ein komplettes Neun-Inning-Spiel liegt bei 20 Strikeouts und war definitiv in Reichweite, doch Manager Alex Cora entschied, dass 108 Pitches von Sale genug waren und nahm ihn mit einer 3:2-Führung aus dem Spiel. Das war vielleicht die richtige Entscheidung, um keine Verletzung zu riskieren, im Hinblick auf das Spiel war es jedoch die falsche: Reliever Brandon Workman ließ prompt zu, dass die Rockies das Spiel drehten. Zwar konnten die Red Sox noch einmal ausgleichen, doch am Ende triumphierten die Rockies nach elf Innings – 5:4 gewannen sie das Spiel, in dem sie insgesamt 24 Strikeouts kassiert hatten.

Mein Einschalttipp
Ein absoluter Leckerbissen für jeden MLB-Fan steht an und zwar gleich sechsmal an den beiden kommenden Wochenenden. Der Titelverteidiger von 2018, die Boston Red Sox, trifft auf den Meister des Jahres 2017, die Houston Astros. Beide Teams sind zurzeit in großartiger Form und wenn man sich bei einem davon fragt, wer die aktuelle Erfolgsserie stoppen könnte, fällt einem zwangsläufig das andere ein. Am Freitag, Samstag und Sonntag steht zunächst die Serie in Boston an, nächstes Wochenende kommt es zu den Rückspielen in Houston. Mein Einschalttipp für diese Woche ist das Spiel am Sonntag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:05 Uhr, live auf DAZN und mlb.tv. Starting Pitcher sind voraussichtlich Chris Sale (4.24 ERA, 3.28 FIP) für die Red Sox und Brad Peacock (4.01 ERA, 3.45 FIP) für die Astros.

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Juni 7th, 2018 by Silversurger

Casey Mize ist der erste Pick der MLB-Draft 2018. Der Rechtshänder galt schon im Vorfeld als Favorit darauf, von den Detroit Tigers gewählt zu werden und da er im College für die Auburn Tigers spielte, muss er sich noch nicht mal an einen neuen Teamnamen gewöhnen. Insgesamt wurden in 40 Runden insgesamt 1214 Spieler gedraftet. Von den meisten werden wir als normale MLB-Fans erst in einigen Jahren wieder der sogar nie etwas hören, weil sie nun erst mal den langen Weg durch die Minor Leagues antreten oder aber dem Ruf des Baseballs nicht folgen und sich für ein Studium oder einen alternativen Karriereweg entscheiden. Letzteres wäre auch für Pick Nummer 9 der ersten Runde denkbar gewesen: Die Oakland Athletics entschieden sich an dieser Stelle für Outfielder Kyler Murray von den Oklahoma Sooners. Das sorgte für Aufsehen, den Murray gilt auch als großes Football-Talent und sollte in diesem Jahr als Quarterback für das Team seiner Uni starten. Inzwischen wurde bekannt, dass es wohl eine Absprache zwischen Murray und den A’s gibt: Murray wird die kommende Saison für die Sooners absolvieren, danach tritt er aber für rund 5 Millionen Dollar den Job bei den Athletics an und konzentriert sich ganz auf Baseball.

Neben der Draft waren diese Woche leider zahlreiche schwere Verletzungen die wichtigsten Neuigkeiten. Eine ganze Reihe von Pitchern wurde langfristig außer Gefecht gesetzt: Jordan Montgomery von den Yankees, Ryan Sherriff von den Cardinals und Rays-Talent Anthony Banda mussten sich allesamt der Tommy-John-Surgery unterziehen und werden wohl erst zur Saison 2020 wieder ins MLB-Geschehen eingreifen. Besonders bitter erging es einem weiteren Cardinal: Top-Prospect Alex Reyes hatte vor 22 Monaten ebenfalls eine Tommy-John-Surgery; vor ein paar Tagen gab er endlich sein Comeback, doch schon nach vier Innnings war die Saison für ihn beendet, weil eine Sehne rechts oben am Rücken riss und Reyes erneut operiert werden musste.

National League
In der National League East tobt ein Zweikampf alt gegen jung oder konkreter gesagt: Washington Nationals (35-25) gegen Atlanta Braves (36-26). Die direkte Serie zwischen den beiden entschieden am vergangenen Wochenende die Braves für sich, die Nationals haben aber seitdem wieder aufgeholt und nun stehen beide quasi gleichauf an der Spitze. Ein Stück zurückgefallen sind hingegen die Philadelphia Phillies (32-27), die von den letzten zehn Spielen nur drei gewinnen konnten. Besonders schmerzhaft dürfte der erlittene Sweep gegen die Giants gewesen sein: In den drei Spielen brachten die Phillies nur einen einzigen Run zustande und das war ein Solo-Homerun ausgerechnet von Pitcher Jake Arrieta. Noch größere Offensivsorgen haben die New York Mets (27-32), mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Manche werden sich erinnern, dass die Mets mit 12-2 einen großartigen Start in die Saison hatten – seit dem 15. April sind sie allerdings das schlechteste Team der NL mit einer Bilanz von 15-30. Sogar die Miami Marlins (22-39) waren mit 18-27 in diesem Zeitraum deutlich besser. MLB-weit ist seit 15. April übrigens ein einziges Team mit 14-30 noch schlechter als die Mets: die Orioles, von denen die Mets sich gerade in zwei Spielen haben sweepen lassen.

Einen Zwei-Spiele-Sweep mussten auch die Milwaukee Brewers (37-25) gegen die Indians gerade einstecken, zudem verloren sie voher eine Serie gegen die White Sox 1:2. Noch halten sich die Brewers an der Spitze der NL Central, doch sie spüren deutlich den Atem der Chicago Cubs (34-24) im Nacken. Die Cubs haben acht der letzten zehn Spiele gewonnen, sie haben die beste Defensive, die zweitbeste Offensive und das mit Abstand beste Run Differential der NL. Die Gelegenheit scheint günstig, jetzt auch in der Division die Verhältnisse gerade zu rücken: Nacheinander werden die Cubs nun Serien gegen die Pittsburgh Pirates (31-30), die Brewers und die St. Louis Cardinals (32-27) spielen, jeweils drei Spiele lang. Über den Stand nach diesen eineinhalb Wochen kann man nur eines sicher voraussagen: Die Cincinnati Reds (21-41) werden dann immer noch auf dem letzten Platz stehen.

Wer in der NL West in eineinhalb Wochen – oder auch nur in einer Woche – auf welchem Platz steht, ist völlig offen. Mit nur 4,5 Spielen Abstand zwischen Rang eins und Rang fünf ist diese Division eindeutig die ausgeglichenste der Liga. Ganz vorne stehen mit identischem Record die Arizona Diamondbacks (32-29) und die Colorado Rockies (32-29), dicht gefolgt von den San Francisco Giants (31-31) und den Los Angeles Dodgers (30-31), die beide auf der Überholspur unterwegs zu sein scheinen. Das gilt übrigens auch für die San Diego Padres (29-35), die gerade drei Serien hintereinander gewonnen haben und jetzt an die Ostküste reisen, wo sie mit den Marlins eine vermutlich lösbare Aufgabe erwartet.

American League
Kommen wir von der ausgeglichensten Division der MLB zur unausgeglichensten: In der American League East sind die Rollen längst klar verteilt. Die Boston Red Sox (43-19) als immer noch bestes Team der Liga sowie Erzrivale New York Yankees (40-18) lassen den Rest der Gruppe weit hinter sich, die Tampa Bay Rays (28-32) und die Toronto Blue Jays (26-35) bilden ein schwaches Mittelfeld, und die Baltimore Orioles (19-41) haben trotz ihrer Siege gegen die Mets immer noch die schlechteste Bilanz der gesamten MLB. Der Blick auf die Spielpläne lässt erwarten, dass die klaren Verhältnisse in der Division insgesamt noch klarer werden, während es im Kampf um die Spitze spannend bleibt: Die Red Sox treffen noch einmal auf die Tigers und dann auf die White Sox, die Yankees besuchen ihren am Boden liegenden Stadtrivalen Mets – jede Niederlage der beiden NL-East-Spitzen in diesen Spielen wäre bereits eine Überraschung.

Eine Überraschung wäre auch, wenn irgendein anderes Team als die Cleveland Indians (32-28) die AL Central gewinnt. Zurzeit ist das die einzige Division, in der ich mich schon jetzt auf einen klaren Favoriten festzulegen traue – nicht weil die Indians so überragend gut wären, sondern weil sie dieses Jahr kaum Konkurrenz haben. Die Detroit Tigers (29-34) sind momentan am nächsten dran, doch fehlt es ihnen ebenso offensichtlich an der Qualität für einen Playoffrun wie den Chicago White Sox (20-39) und den Kansas City Royals (21-41). Die Minnesota Twins (26-31) haben mit einer 3:1-Serie gegen die Indians zumindest ein deutliches Lebenszeichen abgegeben, nun aber auch wieder zwei Spiele gegen die White Sox verloren. Ich würde mir ja wünschen, dass Max Kepler, „unser“ Mann in der MLB, die Twins aus dem Tief führt, doch leider läuft es bei ihm weiterhin überhaupt nicht rund. In den letzten 30 Spielen schlug er magere .192/.309/.365.

Wenn mich jemand nach der größten Überraschung der bisherigen MLB-Saison fragt, so antworte ich ohne zu zögern: Die Seattle Mariners (38-23) führen die AL West an. Es ist kaum zu glauben, was alles nicht dafür sprach, dass die Mariners nach gut 60 Spielen so gut dastehen: eine eher fragwürdige Offseason, diverse Verletzungen während der Saison (Erasmo Ramirez, David Phelps, Robinson Cano, Dee Gordon, Nelson Cruz, Ben Gamel, Ryon Healy), eine empfindliche Dopingsperre (Robinson Cano), die Formschwäche des langjährigen Pitcher-Asses Felix Hernandez, das wahrscheinliche Karriereende von Ichiro Suzuki, die übermächtige Konkurrenz in Form von World Champion Houston Astros (38-25) und nicht zuletzt die Tatsache, dass die Mariners seit 17 Jahren nicht in den Playoffs waren und man es ihnen deshalb schlichtweg nicht zutraut. Das alles haben sie überwunden und stehen nun – zumindest in einer Momentaufnahme – ganz vorne. Dort zu bleiben wird nicht einfach, zumal echte Herausforderungen unmittelbar bevorstehen: Zunächst müssen die Mariners nach Tampa Bay, was auf dem Papier kein schwerer Gegner aber allein schon wegen der extrem weiten Anreise unangenehm ist. Danach kommen die Los Angeles Angels (35-28) und die Red Sox nach Seattle, bevor die Reise wieder an die Ostküste zu den Yankees sowie nach Boston geht. Wenn die Mariners nach diesem Marathon immer noch vorne stehen, werde ich noch deutlich beeindruckter sein als ich es jetzt schon bin.

Szene der Woche
Es gibt Tage, an denen klappt einfach alles. Da kann man sogar wie Maikel Franco locker-lässig an der Homeplate vorbei traben und trotzdem einen Run erzielen, weil weder der Umpire noch die Gegner genau hingeschaut haben. Dann wieder gibt es Tage, an denen klappt überhaupt nichts. An solchen Tagen sieht man Spielzüge wie letzte Nacht zwischen den Cincinnati Reds und den Colorado Rockies: Billy Hamilton fängt einen scheinbar einfachen Flugball nicht, Scott Schebler geht nur halbherzig hinterher, derweil stolpert Carlos Gonzalez über die zweite Base, plumpst hin beim Versuch, zu selbiger zurückzukehren, kommt aber trotzdem unbehelligt an, weil inzwischen auch Scooter Gennett den Ball hat fallen lassen. Leider fehlt dem Video die passende Musik, man sollte es mit dem Benny-Hill-Theme unterlegen. Zu guter Letzt gibt es noch Tage, an denen etwas ganz Übles doch wieder gut wird: Vor fünf Wochen war die Baseball-Welt geschockt, als White-Sox-Reliever Danny Farquhar während des Spiels mit einer Gehirnblutung im Dugout zusammenbrach. Zum Glück wurde er sehr schnell und erfolgreich behandelt und am Freitag war der Jubel groß, als Farquhar das Spiel seines Teams besuchte und den zeremoniellen ersten Pitch warf.

Statistik der Woche 
8. So viele Strikeouts kassierte Yankees-Outfielder Aaron Judge während des Doubleheaders gegen Detroit am Montag dieser Woche. Damit hat Judge mal wieder einen MLB-Rekord aufgestellt, wenn auch einen von der Sorte, über den er nicht allzu glücklich sein wird. Seit der Aufnahme regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1913 gab es noch nie so viele Strikeouts gegen einen Spieler an einem Tag.

Spiel der Woche
Es gibt sicher schönere Spiele als das zwischen den New York Mets und den Chicago Cubs vom letzten Samstag. Ich wähle es hier trotzdem, weil es zum einen eine lange Zeit sehr spannende Parie war und weil es zum anderen so wunderbar treffend den Zustand der New York Mets widerspiegelt: Die Mets erhalten zurzeit nahezu täglich sehr gute Vorstellungen ihrer Starting Pitcher. Acht Spiele hintereinander ist es den Startern gelungen, nicht mehr als zwei Runs zu kassieren, siebenmal war es sogar nur ein Run oder gar keiner. Gewonnen haben die Mets von diesen acht Spielen nur ein einziges, die anderen sieben hat entweder der Bullpen oder – häufiger noch – die fehlende Offense vergeigt. Im angesprochenen Spiel brillierte Jacob deGrom mit 13 Strikeuots und nur einem Run in sieben Innings, insgesamt stellten die Mets-Pitcher sogar einen Franchise-Rekord auf mit 24 Strikeouts in einem Spiel. Doch die Bats der Mets blieben wie so oft stumm. Lediglich ein Solo-Homerun von Michael Conforto rettete sie mit einem 1:1 in die Extra-Innings, bevor es im 14. Innning zum großen Zusammenbruch kam und das Spiel 1:7 an die Cubs abgegeben wurde. Es war übrigens erst das zweite Mal in der MLB-Geschichte, dass ein Team, das es auf 24 oder mehr Strikeouts in einem Spiel brachte, dieses Spiel verlor. Den Rekord halten die Los Angeles Angels, die 2004 ein 17-Inning-Spiel trotz 26 Strikeouts mit 0:1 an die Milwaukee Brewers verloren.

Mein Einschalttipp
Eigentlich muss man immer einschalten, wenn die New York Mets und die New York Yankees in der Subway Series aufeinander treffen und natürlich werde ich das von Freitag bis Sonntag auch regelmäßig tun. Nachdem aber zurzeit leistungsmäßig Welten zwischen den beiden Lokalrivalen liegen und ich den Mets bereits im „Spiel der Woche“ breiten Raum gewidmet habe, geht mein Einschalttipp an ein anderes Duell, nämlich an das zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs. Von Montag bis Mittwoch werden die beiden Teams um die Führung der NL Central ringen und das Finale der Serie läuft für uns Mitteleuropäer zur besten Sendezeit um 20:10 Uhr. Mike Montgomery (3.89 ERA, 3.85 FIP) für die Cubs und Jhoulys Chacin (3.39 ERA, 4.00 FIP) für die Brewers dürften ein ziemlich ausgeglichenes Pitching-Matchup bilden, dem ihr sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN folgen könnt. Auch ohne kostenpflichtiges Abo könnt ihr dabei sein, denn es ist das „Free Game of the Day“ auf mlb.tv.

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Mai 3rd, 2018 by Silversurger

Der Mai ist gekommen. Auch wenn dieser Monat dem Sprichwort nach „alles neu“ macht, möchte ich mir doch kurz die Zeit nehmen, auf ein paar Aprilrekorde zurück blicken: Zum Beispiel erzielten die Teams der MLB zum ersten Mal überhaupt in einem vollständigen Monat mehr Strikeouts (6656) als Hits (6360). Die Tendenz, dass Batter mehr auf alles oder nichts – Homerun oder Strikeout – setzen, ist schon seit ein paar Jahren zunehmend zu beobachten. Darüber hinaus dürfte das kalte Wetter eine Rolle gespielt haben. Dieses war auch verantwortlich für einen weiteren Rekord: 28 Spiele sind im April ausgefallen, so viele wie nie zuvor. Auf deutlich erfreulichere Art hatten die Arizona Diamondbacks einen historischen Monat: Sie begannen als erstes Team seit 1907 eine Saison mit neun gewonnenen Serien hintereinander. Als dieses Kunststück damals den Cubs gelang, gewannen sie übrigens am Ende die World Series.

American League
Die American League East entwickelt sich langsam, aber sicher in die Richtung, die man vor der Saison von ihr erwartet hatte. Das heißt vor allem, dass sich an der Spitze die Erzrivalen Boston Red Sox (22-8) und New York Yankees (20-10) ein Rennen liefern. Die Red Sox haben immer noch die beste Bilanz der Liga, von den letzten zehn Spielen konnten sie jedoch nur die Hälfte gewinnen. Das gab den Yankees die Gelegenheit zum Aufschließen und mit ihrerseits zwölf Siegen aus den letzten vierzehn Partien haben sie diese Chance genutzt. Leidtragender sind die Toronto Blue Jays (17-13), deren Höhenflug vorerst gestoppt scheint – wobei die Welt nach dem heutigen Doubleheader gegen die Indians durchaus schon wieder anders aussehen kann. Das mit dem gestoppten Höhenflug gilt auch für die Tampa Bay Rays (13-16), die einen beeindruckenden Zwischenspurt von acht Siegen hintereinander hingelegt haben, der aber nach einer verlorenen Serie gegen die Tigers wieder verpufft ist.

Für die Cleveland Indians (16-13) stehen die Zeichen auf eine eher langweilige Saison in der AL Central: Während sie selbst relativ regelmäßig zwar nicht überragende, aber zumindest solide positive Ergebnisse einfahren, steht der gesamte Rest der Division bei deutlich mehr Niederlagen als Siegen. Von den Detroit Tigers (13-16), den Chicago White Sox (8-20) und den Kansas City Royals (8-22) hatte kaum jemand etwas anderes erwartet. Die Minnesota Twins (10-16) stehen hingegen höchst unerwartet so schlecht da. Nach ordentlichem Start in die Saison verlor das Team von Max Kepler elf der letzten dreizehn Partien und das nicht nur gegen Spitzenteams, sondern auch mehrfach gegen die Reds und die Rays.

Die Houston Astros (20-12) an der Spitze der AL West sind ein gewohntes Bild und daran wird sich auf absehbare Zeit vermutlich nichts ändern, auch nicht durch die zwei Niederlagen gegen die Yankees. Hinter den Astros geht es eng zu zwischen den Los Angeles Angels (18-10) und den Seattle Mariners (17-12). Letztere sind drauf und dran, für mich zum Unter-dem-Radar-Team der AL zu werden wie es die St. Louis Cardinals in der NL schon sind. Beide Mannschaften haben es irgendwie an sich, dass sie jedes Mal, wenn ich mal zwei, drei Tage nicht auf sie geachtet habe, plötzlich besser dastehen als ich gedacht oder für möglich gehalten hätte. Besser als gedacht sind übrigens auch die Oakland Athletics (15-15) mit ihrer .500-Bilanz.

National League
In der National League East spielen gerade die Atlanta Braves (18-11) und die New York Mets (17-11) die Tabellenführung unter sich aus. Die ersten zwei Spiele der Serie gingen an die Braves, obwohl die Mets ihre Top-Asse Noah Syndergaard und Jacob DeGrom aufgeboten hatten. Letzterer musste zu allem Überfluss mit einem überdehnten Ellenbogen ausgewechselt werden. Den Braves schaut man zurzeit sehr gerne zu, vor allem weil sie viele sehr junge Spieler bereits erfolgreich einsetzen – 2B Ozzie Albies ist mit 21 schon eine feste Größe, der 20-jährige SP Mike Soroka hatte in Spiel 1 gegen die Mets ein glänzendes Debüt mit sechs Innings und nur einem zugelassenen Run, und der 20-jährige OF Ronald Acuna spielt bisher so sensationell, wie man es nach seinem Sturm durch die Minor Leagues erwartet hatte. Die Philadelphia Phillies (17-13) wären eigentlich gern als lachender Dritter aufgetreten, während sich die Konkurrenz gegenseitig die Punkte wegnimmt. Stattdessen sind sie aber in ihre erste größere Schwächephase der Saison geraten und haben nicht nur die Serien gegen die Diamondbacks und die Braves verloren, sondern auch die gegen die Miami Marlins (11-19). Immerhin haben sie nach Siegen trotzdem zu den Mets aufschließen können. Und dann sind da ja noch die Washington Nationals (15-16), die bisher enttäuscht hatten, nun aber mit vier Siegen hintereinander offenbar dabei sind, erstmals richtig in Fahrt zu kommen.

Noch spannender als in der NL East geht es von den Bilanzen der Teams her nur in der NL Central zu. Die Milwaukee Brewers (19-13), die St. Louis Cardinals (17-12), die Chicago Cubs (16-12) und die Pittsburgh Pirates (17-14) stehen zurzeit allesamt nahezu gleichauf. Nur die Cincinnati Reds (7-24) schwimmen nicht mit, sie sind auch zwei Wochen nach dem überraschend frühen Trainerwechsel nach wie vor das schlechteste Team im Baseball. Am Wochenende stehen zwei für die Division richtungsweisende Serien auf dem Programm: Die Cardinals empfangen dreimal die Cubs und gleichzeitig die Brewers dreimal die Pirates. Die Chancen stehen also gut, dass sich das Tabellenbild bis nächste Woche spürbar ausdifferenziert. Am ehesten sind es nach wie vor die Pirates, von denen man erwarten würde, dass sie in dem Rennen nicht auf Dauer mithalten können. Allerdings haben sie erst diese Woche die Cardinals gesweept und dass sie die meisten kassierten Runs (143) der vier Konkurrenten haben, machen sie mehr als wett dadurch, dass sie in der Division auch die meisten erzielten Runs (149) auf dem Konto haben.

Für die Los Angeles Dodgers (13-17) kommt es zurzeit knüppeldick: nicht nur weil sie in der NL West dabei sind, den Anschluss zu verlieren, indem sie vor der letzten Nacht fünf Spiele hintereinander verloren haben, darunter eine Serie gegen die Arizona Diamondbacks (21-9); nicht nur, weil die Colorado Rockies (17-15) und die San Francisco Giants (16-15) keine Anstalten machen, die Verfolgung des Spitzenreiters dem Favoriten aus L. A. zu überlassen. Sondern auch, indem nun zu allem Überfluss mit SS Corey Seager einer der jungen und kaum ersetzbaren Leistungsträger der Dodgers-Offense dauerhaft ausfällt. Seager hat die typische Baseballerverletzung, ein beschädigtes ulnares Seitenband, das nur durch die Tommy-John-Surgery zu reparieren ist und ungefähr ein Jahr Pause bedeutet. Man darf gespannt sein, ob die Dodgers sich für Seagers Vertretung mit einer internen Lösung – Chris Taylor oder Kike Hernandez – zufrieden geben oder ob sie einen Trade anstreben. Die große Lösung wäre ein Handel für Manny Machado von den Orioles, allerdings würde das die Gehälter der Dodgers gefährlich nahe an die Schwelle zur Luxussteuer bringen, die sie dieses Jahr auf keinen Fall überschreiten wollten.

Szene der Woche
Wenn mich jemand zwingen würde, meine Auswahl auf die MLB zu beschränken, dann wäre Odubel Herreras Catch mit Sprung in einen Busch sicher ein ebenso heißer Kandidat wie der Homerun von Yoenis Cespedes, der beim Stand von 0:11 in San Diego nicht nur für die Tonne war, sondern auch genau dort landete. Auch den 8-Strikeouts-Save von Brewers-Closer Josh Hader hätte man hier nennen können. Aber sorry, liebe Profis, diese Woche habt ihr alle keine Chance gegen den knuddeligen Little Leaguer, der die mehrfache Aufforderung seines Coaches, von der dritten Base zur Homeplate zu rennen, auf die coolstmögliche Art umgesetzt und sie dann auch noch mit einem atemberaubenden Slide gekrönt hat. Ganz, ganz großes Kino.

Statistik der Woche 
7. So viele Homeruns hat 1B/DH Matt Davidson dieses Jahr schon im Kauffman Stadium in Kansas City geschlagen. Das Besondere daran ist, dass Davidson nicht für die dort heimischen Royals, sondern für die Chicago White Sox spielt. Die sieben Homers sind bereits jetzt die meisten, die je ein Auswärtsspieler in einer Saison in diesem Stadion geschlagen hat. Dabei ist die Saison gerade erst einen Monat alt und Davidson ist in anderen Ballparks bislang nicht unbedingt als Homerun-Hitter berüchtigt – neben den sieben Stück in sieben Spielen bei den Royals sind es in den 18 anderen Spielen zusammen nur zwei.

Spiel der Woche
Nick Kingham ist kein Wunderkind, das den professionellen Baseball im Sturm erobert hat: Er wurde 2010 erst in der vierten Runde von den Pittsburgh Pirates gedraftet und brauchte acht Jahre, um sich mit durchaus wechselhaften Leistungen in den Minor Leagues bis zu seinem MLB-Debüt hochzuarbeiten. Dieses Debüt des 26-jährigen Rechtshänders war allerdings ein historisch gutes: 6 2/3 Innings lang hielt er am Sonntag gegen die St. Louis Cardinals ein perfektes Spiel aufrecht, das heißt er ließ keinen der ersten 20 MLB-Batter, die ihm gegenüber traten, die erste Base erreichen. Auch wenn Paul DeJong den Bann schließlich mit einem Single bei zwei Outs im siebten Inning brach, ist Kinghams Pitching-Debüt ein Rekord für die MLB in ihrer heutigen Form. Er produzierte anschließend noch ein Out gegen Marcell Ozuna, um die sieben fast-perfekten Innings abzuschließen und nahm die begeisterten Ovationen der Fans in Pittsburgh entgegen. Dafür, dass sein glanzvoller Einstand nicht umsonst war, hatte bereits im unteren sechsten Inning die Offense der Pirates mit vier Runs gesorgt, denen im achten Inning ein weiterer zum 5:0-Endstand folgte. Für Kingham stand zunächst nicht fest, ob er einen weiteren MLB-Start absolvieren darf. Wenig überraschend entschied die Teamführung nach diesem Spiel, dass er vorerst Teil der Rotation bleiben wird.

Mein Einschalttipp
Das aktuell beste Team der National League trifft auf den amtierenden – und auch dieses Jahr sehr starken – Titelverteidiger aus der American League. Im Oktober würde man so ein Aufeinandertreffen World Series nennen, im Mai ist es „nur“ eine reguläre Serie zwischen den Arizona Diamondbacks und den Houston Astros. Von Freitag bis Sonntag finden die drei Spiele statt und ich empfehle jedem Baseballfan, da mal reinzuschauen. DAZN-Kunden stehen in dem Fall leider im Regen, denn keines der Spiele hat es in die Auswahl des Abo-Streams geschafft. Das ist aber nicht so schlimm wie es sich anhört, denn erfreulicherweise ist die Begegnung am Sonntag das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv. Los geht es um 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit dem ersten Pitch von Justin Verlander (1.13 ERA, 2.35 FIP), der bislang eine sensationell gute Saison für die Astros spielt. Für die Diamondbacks wird voraussichtlich Matt Koch (2.37 ERA, 4.32 FIP) antreten; Koch ist im Vergleich mit Verlander ein unbeschriebenes Blatt, aber in seinen drei bisherigen Starts hat er Leistungen gebracht, die als mindestens solide einzustufen sind.

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