April 23rd, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison steht nach wie vor in den Sternen, aber dennoch hat sich in den letzten Tagen einiges getan in der Baseball-Welt. Die langwierigen Untersuchungen der Sign-Stealing-Vorwürfe gegen die Boston Red Sox wurden abgeschlossen und das Strafmaß verkündet. In den geplanten Verkauf der New York Mets kommt offenbar Bewegung und auch in den Minor Leagues gibt es interessante Entwicklungen. In Taiwan läuft seit zwei Wochen der Spielbetrieb, Südkorea soll in Kürze folgen.

Milde Strafe für Red Sox
Vor Corona war das große Thema dieser Offseason der Sign-Stealinng-Skandal um die Meisterteams von 2017 und 2018. Die Houston Astros wurden im Januar von der Liga zu heftigen Strafen verurteilt, weil sie in der Saison 2017 ein umfangreiches System eingesetzt hatten, um die Zeichen zwischen gegnerischen Catchern und Pitchern auszuspionieren. Vielen gingen diese Strafen nicht weit genug, weil die beteiligten Spieler ungeschoren davon kamen und weil die Astros den Meistertitel behalten durften.

Da es gegen die Boston Red Sox von 2018 ähnliche Vorwürfe gab, strengte die Liga eine weitere Untersuchung an, deren Ergebnis seit Monaten mit Spannung erwartet wurde. Interessant schien vor allem die Rolle von Alex Cora – er war 2017 Bench Coach der Astros und 2018 Manager der Red Sox.

Die MLB hat nun ihre Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, und wer ein hartes Durchgreifen gegenüber den Red Sox und Cora erwartet hatte, wird enttäuscht sein: Die Strafen fallen vergleichsweise milde aus, denn die Ligaleitung ist überzeugt, dass es sich im Wesentlichen um Verfehlungen eines einzelnen Angestellten handelte: Replay-Koordinator J. T. Watkins hat dem Bericht zufolge „zumindest in einigen Fällen“ den Videoraum missbraucht, um Spielern des eigenen Teams Tipps zukommen zu lassen. Dafür wird Watkins zwei Jahre lang gesperrt, und dem Klub wird ein Zweitrundenpick in der Draft 2020 aberkannt. Alex Cora erhält eine Sperre für ein Jahr – diese bezieht sich aber ausdrücklich auf sein Mitwirken am Sign-Stealing-System der Astros. Für seine Zeit bei den Red Sox wurde ihm kein Fehlverhalten nachgewiesen.

Minor Leagues werden wohl reduziert
Seit letzten November ist bekannt, dass die MLB erwägt, die Minor Leagues neu zu organisieren und dabei 42 Teams und Standorte aufzugeben. Der Widerstand gegen diese Pläne war groß, da die betreffenden Städte und lokalen Fanbasen an ihren Teams hängen, zumal diese zahlreiche Arbeitsplätze für Spieler und sonstiges Personal verantworten. Nun sieht es laut Berichten unter anderem von Baseball America allerdings so aus, dass die Minor Leagues möglicherweise einlenken und den Plan akzeptieren. Nicht zuletzt durch die Coronakrise ist offenbar die Bereitschaft gestiegen, der Reduzierung zuzustimmen, wenn im Gegensatz stärkere wirtschaftliche Unterstützungen und Garantien für die verbleibenden Teams und Ligen gewährt werden.

Commissioner rechnet mit MLB-Baseball in diesem Jahr
MLB-Commissioner Rob Manfred hat am Dienstag ein neues Statement zur aktuellen Situation veröffentlicht. Konkrete Pläne für eine Aufnahme der MLB-Saison 2020 nannte er nicht, er gehe aber „fest davon aus, dass Baseball in diesem Jahr zurückkehren wird“.

Das wahrscheinlichste Szenario ist nach wie vor eine verkürzte Saison an wenigen Standorten. Zusätzlich zu den Spring-Training-Staaten Arizona und Florida wurde inzwischen Texas als ein weiterer möglicher Austragungsort ins Spiel gebracht. In den drei Staaten zusammen gibt es fünf MLB-Stadien, die alle überdacht sind. Dadurch wäre gewährleistet, dass ohne witterungsbedingte Verzögerungen jeweils mehrere Spiele pro Tag durchgeführt werden könnten – ohne Zuschauer, aber natürlich mit TV-Übertragungen. Ob und wann so ein Plan umgesetzt wird, bleibt offen. Die Sprachregelung ist nach wie vor, dass man die weitere Entwicklung in Bezug auf das Virus abwarten und sehen muss, was möglich ist, ohne jemanden zu gefährden oder zu beeinträchtigen.

Kauft A-Rod die Mets?
Die Eigentümer der Mets, Fred und Jeff Wilpon, sind immer noch gewillt, den Klub zu verkaufen. Durch Corona ist möglicherweise der Preis gesunken, was nun wieder Interessenten auf den Plan ruft. Zu ihnen sollen der ehemalige Yankees-Star Alex Rodriguez und seine Frau Jennifer Lopez gehören. Die beiden könnten sich die Franchise allerdings nicht allein, sondern allenfalls im Rahmen eines Konsortiums leisten. Ihr Vermögen wird auf 700 Millionen Dollar beziffert. Zuletzt war im Dezember ein Deal geplatzt, bei dem Milliardär Steve Cohen einen Mehrheitsanteil von 80% für rund 2,6 Milliarden kaufen wollte. Cohen sprang damals ab, weil die Wilpons kurz vor Abschluss auf Nachverhandlungen bestanden. In der neuen Situation könnte auch er wieder auf den Plan treten.

In Südkorea und Taiwan wird gespielt
Wer es nicht ohne Live-Baseball aushält, kann nach wie vor die taiwanesische CPBL verfolgen. Die Liga reagiert auf das gestiegene internationalen Interesse, indem einige Spiele mit englischem Kommentar auf Twitter gestreamt werden. Die nötigen Links und Infos findet ihr hier.

In Südkorea hat die KBO diese Woche mit Preseason-Spielen angefangen. Der reguläre Ligabetrieb soll am 5. Mai aufgenommen werden. Es gelten strenge Auflagen wie zum Beispiel regelmäßige Virustests, keine Fans im Stadion und – kein Witz – ein striktes Spuckverbot für die Spieler. Ich weiß bislang noch nicht, ob es international verfügbare TV-Streams geben wird, aber ich werde es herausfinden und hier rechtzeitig informieren.

Posted in Baseball international, Grand Slam, Minor Leagues, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , ,

März 12th, 2020 by Silversurger

Corona, Corona, Corona. Das uns alle beherrschende Thema in diesen Tagen macht auch vor dem Baseball nicht Halt. Völlig zurecht rückt der Sport in den Hintergrund, wenn es darum geht, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Welche Maßnahmen in den kommenden Tagen und Wochen von den zuständigen Behörden angeordnet und/oder von den Ligen selbst beschlossen werden, ist völlig offen. Es scheint aber immer wahrscheinlicher, dass die MLB-Saison nicht in der üblichen Form stattfinden kann.

NPB und KBO verschoben – MLB und Bundesliga stehen (noch?)
In Japan und Südkorea sind bereits Spring-Training-Spiele der Profi-Ligen NPB und KBO ausgefallen oder ohne Publikum ausgetragen worden. Nun haben die Leitungen beider Ligen beschlossen, den Start der regulären Saison zu verschieben. Statt Ende März sollen die Spiele erst Ende April beginnen. Die Hoffnung ist, das sich die Lage in Bezug auf das Corona-Virus bis dahin so weit entspannt hat, dass noch eine vollständige Saison inklusive Publikum gespielt werden kann.
Der MLB sowie der Baseball-Bundesliga kann Ähnliches blühen; bislang rechnen beide Ligen offiziell damit, wie geplant in die reguläre Saison starten zu können. „Wir behalten die Gesamtsituation im Blick“, versicherte der Spielbetriebsleiter des DBV, Philipp Würfel, gestern auf meine Nachfrage. Die MLB nimmt eine ähnlich abwartende Position ein. Beschlossen wurde bislang nur, vorerst keine Medienvertreter mehr in den Clubhäusern zuzulassen, um persönliche Kontakte der Spieler und Offiziellen zu reduzieren. Es scheint aber absehbar, dass weit drastischere Maßnahmen folgen müssen und werden, zumal gestern schon einige Städte und Regionen – unter anderem San Francisco und Seattle – ein Verbot von Großveranstaltungen angekündigt haben. Die Basketball-Liga NBA hat ihre Saison bereits auf unbestimmte Zeit unterbrochen, nachdem ein Spieler positiv auf das Virus getestet wurde.

WBC: Deutschland – Frankreich morgen Nacht auf Youtube
Die Baseball-Nationalmannschaft befindet sich schon seit einigen Tagen in Tucson (Arizona) und bereit sich auf das Qualifkationsturnier zum World Baseball Classic (WBC) 2021 vor. Der Kader besteht hauptsächlich aus Bundesligaspielern, ergänzt um die Minor Leaguer Marco Cardoso (Boston Red Sox), Brendan Donovan (St. Louis Cardinals), Lucas Jacobsen (Texas Rangers), Niklas Rimmel (Minnesota Twins) und Markus Solbach (Los Angeles Dodgers) sowie die Ex-MLB-Spieler Bruce Maxwell und Donald Lutz und zwei Indenpendent-League-Spieler. Max Kepler hat von den Twins leider keine Freigabe erhalten. Als erste Hürde in dem Doppel-Ausscheidungsmodus wartet Frankreich mit seinem prominenten Trainer Bruce Bochy. Das Spiel wird nach unserer Zeit ab 3:30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag live auf dem Youtube-Kanal der MLB übertragen. Als weitere Gegner je nach Turnierverlauf kommen Pakistan, Südafrika, Nicaragua und Brasilien infrage. Auch hier bleibt natürlich abzuwarten, ob und wie sich Corona auf die Durchführung des Turniers auswirkt. Es ist reine Spekulation von mir, aber ich kann mir vorstellen, dass die europäischen Teams zügig abreisen werden, nachdem die US-Regierung verkündet hat, den Reiseverkehr mit Europa drastisch einzuschränken.

Red Sox verpflichten McHugh
Die Boston Red Sox haben immer noch keine Klarheit über die Aussichten ihres Asses Chris Sale, zum Saisonstart oder möglichst bald danach fit zu werden. Nachdem Sale am 1. März ein simuliertes Inning abbrechen musste, wurde sein Ellenbogen von verschiedenen Spezialisten untersucht. Es kam aber nicht viel mehr dabei heraus als dass man sich das Gelenk in 10 bis 14 Tagen noch einmal ansehen wird. Um einen möglichen längeren Ausfall von Sale abzufedern, ist der Klub noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und hat Collin McHugh verpflichtet. Der ehemalige Astros-Pitcher erhält einen Einjahresvertrag, dessen Finanzen stark leistungsbezogen ausgestaltet wurden: Das Grundgehalt beträgt bescheidene 600.000 Dollar, kann sich aber je nach Zahl der absolvierten Innings um bis zu 3,625 Millionen erhöhen. Mit dieser Vertragsgestaltung sichern sich die Red Sox ab, denn McHugh litt während und nach der letzten Saison ebenfalls unter Ellenbogenprobleme und ist erst vor Kurzem wieder ins Wurftraining eingetreten.
Um für McHugh Platz im Kader zu machen, haben die Red Sox Pitcher Hector Velazquez entlassen. Velazquez wurde inzwischen von den Baltimore Orioles aufgenommen.

Verlängerung für Moncada
Die Chicago White Sox bauen weiter am ersehnten langfristigen Erfolg. Nach Eloy Jimenez, Luis Robert und Aaron Bummer haben sie nun auch Yoan Moncada mit einem Mehrjahresvertrag ausgestattet. Für insgesamt 70 Millionen Dollar wird der Infielder in den kommenden fünf Spielzeiten für die White Sox antreten. Hinzu kommt die Option, ihn für 25 Millionen Dollar noch ein weiteres Jahr, also für die Saison 2025, zu halten.

Calhoun verletzt durch Hit-by-Pitch
Die hässlichste Verletzung der Woche hat Willie Calhoun von den Texas Rangers erlitten. Im Spring-Training-Spiel gegen die Los Angeles Dodgers bekam der Outfielder im ersten Inning einen 95-Meilen-Pitch von Luis Urias direkt ins Gesicht. Er erlitt dabei einen Kieferbruch, der operiert werden musste und zu einer noch unbestimmten, aber in jedem Fall längeren Ausfallzeit führen wird. Es gibt Videos von dem Unfall, aber auf das Anschauen kann man gut verzichten, daher gibt es von mir hier keinen Link.

Doping-Sperre für Diamondbacks-Prospect
Leider gibt es erneut einen Doping-Fall: Infielder Domingo Leyba von den Arizona Diamondbacks wurde positiv auf Boldenon getestet. Das ist das üblicherweise für Rennpferde verwendete Steroid, welches vor Kurzem bereits Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) zum Verhängnis wurde. Der 24-jährige Switch-Hitter Leyba erhält die für Ersttäter übliche Strafe von 80 Spielen Sperre.

Posted in Baseball international, Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , ,

November 21st, 2017 by Silversurger

Nach dem Serienauftakt mit Japan bleibe ich bei meiner virtuellen Weltreise in der unmittelbaren Nachbarschaft und beschäftige mich mit der Rolle von Baseball in Korea. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Südkorea, wo eine professionelle Liga existiert, die vom Niveau her nicht weit von der japanischen NPB entfernt ist.

Sportart Nummer 1
Baseball ist in Südkorea die beliebteste Sportart, jedenfalls wenn man nach den Zuschauerzahlen geht: Mit 8,4 Millionen Besuchen insgesamt und einem Zuschauerschnitt von 11.667 pro Spiel stellt die KBO-League die höchste Fußball-Liga K-League Classic mit 1,8 Millionen und einem Schnitt von 7.873 klar in den Schatten.

Es waren wahrscheinlich amerikanische Missionare, die ab 1905 nicht nur das Christentum sondern auch den Baseball in Korea verbreiteten. Durch die ab 1910 bestehende Kolonialherrschaft Japans wurde die Popularität des Sports noch gesteigert und als 1927 das jährliche japanische „Intercity Baseball Tournament“ startete, waren von Anfang an bis 1942 regelmäßig auch koreanische Städte dabei. 1940 und 1942 gewann Seoul sogar das Turnier. Professionelle Strukturen entstanden im südkoreanischen Baseball erst deutlich später als im japanischen oder amerikansichen: 1982 wurde die „Korea Baseball Championship“ gegründet, die erste und unter neuem Namen bis heute bestehende Profi-Liga des Landes.

Das südkoreanische Nationalteam ist eine etablierte Größe im internationalen Baseball. In der Weltrangliste der WBSC hält sich Südkorea sehr stabil auf dem dritten Platz hinter Japan und USA. Bei der Baseball-Weltmeisterschaft World Baseball Classic brachte das Team es 2006 auf den dritten und 2009 auf den zweiten Platz. Der größte Erfolg für den südkoreanischen Baseball war die Goldmedaille beim bislang letzten olympischen Baseball-Turnier 2008 in Peking.

Die KBO-League
Die Liga der Korean Baseball Organization – kurz: KBO-League – nahm 1982 mit sechs Teams den Spielbetrieb auf, nach mehreren Erweiterungen umfasst sie heute zehn Mannschaften. Die Namen der Klubs sind (außer für euch, liebe Fans der Buchbinder Legionäre) etwas gewöhnungsbedürftig, denn aus keinem davon geht hervor, in welcher Stadt das jeweilige Team beheimatet ist. Stattdessen benennen sich die Mannschaften nach den Konzernen, denen sie gehören oder denen sie die Namensrechte verkauft haben. Aktueller Champion sowie Rekordmeister mit bislang 11 Titeln sind die Kia Tigers aus Gwangju, jüngstes Team die 2015 eingestiegenen KT Wiz aus Suwon.

Standorte der KBO-League1

Angesichts der Größe der Liga kann die Struktur recht einfach gehalten werden: Es gibt keine Teilligen oder Divisionen, jede Mannschaft spielt 16 Spiele gegen jedes andere Team. So ergeben sich 144 Spiele pro Klub innerhalb der regulären Saison, welche genau wie in Japan und den USA von Ende März oder Anfang April bis Anfang Oktober dauert. Im Anschluss daran werden die Playoffs in einer Art Leitersystem ausgetragen: In der ersten Runde tritt der Tabellenfünfte gegen den Tabellenvierten an (Best of 3 mit einem Spiel Vorsprung für den Vierten); der Sieger trifft in der zweiten Runde auf den Tabellendritten (Best of 5); der Sieger dieser Serie spielt gegen den Tabellenzweiten (Best of 5); und schließlich spielt der Sieger dieser Runde im Modus Best of 7 die Korea Series gegen den Erstplatzierten der regulären Saison. Ich finde das System ganz interessant, nur dass der Tabellenerste drei Wochen lang spielfrei auf den Finalgegner warten muss, gefällt mir nicht.

Die Regeln der KBO-League entsprechen weitgehend denen der japanischen NPB. Der Hauptunterschied zur MLB besteht darin, dass in Südkorea wie in Japan ein Spiel unentschieden endet, wenn nach dem zwölften Inning (reguläre Saison) oder nach dem fünfzehnten Inning (Playoffs) kein Sieger ermittelt ist. Unentschiedene Playoffspiele werden wiederholt. Alle Spiele der KBO-League werden mit Designated Hitter durchgeführt. Die Teamroster bestehen aus 26 Spielern, darunter höchstens drei Ausländer, von denen wiederum nur zwei Pitcher sein dürfen. Kein Regelunterschied, aber ein fundamentaler Kulturunterschied zeigt sich bei der Art, wie ein Baseballspiel in Südkorea von den Zuschauern begleitet wird. Während wir aus USA und Deutschland eine eher entspannte Atmosphäre gewohnt sind, ist die Stimmung unter den koreanischen Baseballfans geprägt von durch Cheerleader angeleiteten Gesängen und Choreografien – und leider manchmal auch durch gewalttätige Auseinandersetzungen.

Baseball in Südkorea ist ein Zuschauer- und Stimmungsmagnet (hier: Stadion der Lotte Giants in Busan)2

Auffällig beim Blick auf die Statistiken ist, dass der südkoreanische Baseball etwas hitter-freundlicher zu sein scheint als der amerikanische. So lag zum Beispiel der durchschnittliche Batting Average der Liga 2017 bei .286, während er in der MLB nur .255 betrug. Auf der anderen Seite wiesen die Pitcher in der KBO-League einen durchschnittlichen ERA von 4.98 auf, die der MLB hingegen einen von 4.36.

Das Farmsystem der KBO-League besteht aus einer einzelnen Minor League, der KBO Futures League mit zwölf Teams.

Baseball außerhalb der Profiliga
Baseball ist auch in den Colleges und High Schools in Südkorea sehr populär. Die High Schools spielen diverse Turniere mit teilweise großem Zuschauerzuspruch aus. Das wichtigste dieser Turniere ist das Cheongryonggi, bei dem jährlich im Frühsommer in der Hauptstadt Seoul 27 Vertreter aus allen Regionen des Landes einen Champion ausspielen. Im Collegebereich zieht neben den regulären Meisterschaften vor allem die Rivalität der beiden Universitäten Yonsei und Korea hohe Aufmerksamkeit auf sich. Im sogenannten Ko-Yon-Turnier messen sich die beiden Hochschulen seit 1965 jährlich in fünf Disziplinen: Fußball, Eishockey, Basketball, Rugby und Baseball. Der enorm prestigeträchtige Sieg in dem Duell geht an die Universität, die die Mehrzahl der Wettkämpfe für sich entscheidet.

Berühmte Spieler aus Südkorea
Der erste Spieler, der 1994 den Sprung aus Korea in die MLB schaffte, ist bis heute der bekannteste: Der Pitcher Chan Ho Park überzeugte die Scouts der Los Angeles Dodgers so sehr, dass sie ihn im Alter von 20 Jahren direkt aus dem College in Seoul verpflichteten. Park hatte eine 17 Jahre dauernde, überwiegend erfolgreiche MLB-Karriere, deren sportliches Highlight eine Berufung ins All-Star-Team des Jahres 2001 war. Ihr finanzielles Highlight war ein für damalige Verhältnisse äußerst lukrativer Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar, den Park 2002 bei den Rangers unterschrieb – und den er mit seinen Leistungen in Texas leider nie rechtfertigen konnte.

Insgesamt haben es inzwischen 21 Südkoreaner in die MLB geschafft, sieben davon sind noch aktiv. Am längsten dabei ist Outfielder Shin-Soo Choo, der 2005 sein Debüt für die Mariners gab. Nach einem langen Aufenthalt in Cleveland und einem kurzen in Cincinnati spielt Choo seit 2014 bei den Texas Rangers. Für sie schlug er als erster Asiate überhaupt am 21. Juli 2015 gegen die Rockies einen Cycle. Choo hat mit Park gemeinsam, dass auch er den Vertragsabschluss seines Lebens – 130 Millionen Dollar für 7 Jahre – bei den Rangers erzielte.

Rob Refsnyder wurde bei den 21 südkoreanischen MLB-Spielern nicht mitgerechnet – ob er als Koreaner zu zählen ist, muss jeder für sich selbst definieren: Er wurde als Kind koreanischer Eltern in Seoul geboren, aber im Alter von fünf Jahren von einem Paar aus Kalifornien adoptiert. Refsnyder wuchs im amerikanischen Schul- und Collegesystem auf und wurde 2012 in der fünften Runde von den Yankees gedraftet. Der Second Baseman hatte sein MLB-Debüt 2015, wartet aber – zwischenzeitlich bei den Blue Jays und seit Neuestem bei den Indians – noch auf seinen Durchbruch.

Rob Refsnyder in Yankees-Uniform3

Definitiv kein Koreaner ist Eric Thames, den ich hier dennoch erwähnen möchte, weil es sich bei ihm um den wohl bekanntesten Re-Import aus Korea handelt. Der First Baseman konnte beim ersten Anlauf mit den Blue Jays und den Mariners 2011/2012 nicht in der MLB Fuß fassen und suchte schließlich 2014 sein Glück im fernen Osten. In Korea wurde er zum Starspieler, schlug in den drei Jahren dort 124 Homeruns sowie einen Average von .349 und erhielt 2015 sowohl den MVP-Award der KBO-League als auch einen Gold Glove. Zur Saison 2017 holten ihn die Milwaukee Brewers zurück in die MLB, wo er ein starkes Jahr (.247/.359/.518) als unumstrittener Starter auf 1B hatte und mit elf Homeruns im April gleich einen Teamrekord aufstellte.

Baseball in Nordkorea
Der Vollständigkeit halber möchte ich auch einen kurzen Blick in das „andere“ Korea werfen. Das kommunistische Nordkorea schottet sich auch in Sachen Sport recht konsequent von weiten Teilen der restlichen Welt ab und so ist über die Relevanz und die Organisation des Baseballs in diesem Land nicht viel herauszufinden. Sicher ist zumindest, dass Baseball in Nordkorea gespielt wird: Sporadisch hat schon mal ein nordkoreanisches Nationalteam an asiatischen Meisterschaften teilgenommen und Peter C. Bjarkman listet in seinem Buch „Diamonds Around the Globe“ von 2005 die nordkoreanischen Baseball-Meister der Jahre 1985 bis 2001 auf – es war übrigens in jedem dieser Jahre der Kigwancha Sports Club. Als Basketballstar Dennis Rodman 2013 zu Besuch bei Kim Jong Un war, haben sie gemeinsam ein Baseball-Spiel gesehen. Generell spielt Baseball aber wohl eine untergeordnete Rolle in dem Land. Das größte Stadion in Pyöngyang, das Kim-Il-Sung-Stadion, wurde einst als Baseballstadion angelegt. Das war aber 1926 unter japanischer Herrschaft und inzwischen wird das Bauwerk vor allem für Fußball und für den Einlauf des Pyöngyang-Marathons benutzt.

1Quelle: Wikipedia, Urheber: NordNordWest (CC BY-SA 3.0)

2Quelle: Wikimedia, Urheber: 히히히 (CC BY-SA 3.0)

3Quelle: Wikimedia, Urheber: Editosaurus (Public Domain)

Posted in Baseball international Tagged with: , ,