Oktober 22nd, 2020 by Silversurger

Die World Series ist wieder komplett offen: Nachdem die Los Angeles Dodgers am Dienstag den ersten Sieg vorgelegt hatten, ging Spiel zwei letzte Nacht an die Tampa Bay Rays. Heute legt die Serie ihren ersten – und vielleicht einzigen – Pausentag ein. Stattdessen steht als Alternative das Matchup Trump vs. Biden an, falls euch die Nachtschicht schon in Fleisch und Blut übergangen ist oder ihr vergessen habt, nach dem letzten Spiel den Wecker auszustellen.

World Series, Spiel eins
Die Auftaktpartie war eine beeindruckende Präsentation, wie sehr die Dodgers mit der Verpflichtung von Mookie Betts ihre Chancen auf den lang ersehnten Titel gesteigert haben. Zwei Hits inklusive Homerun, ein Walk, zwei gestohlene Bases, zwei Runs – so ein Gesamtpaket an Offensivleistungen war vor Betts noch nie einem Spieler in einem World-Series-Spiel gelungen. Die Teamkameraden ließen ihn mit seiner überragenden Leistung nicht allein, insgesamt brachten es die Dodgers auf acht Runs. Sechs davon gingen, aus Sicht der Rays betrachtet, auf das Konto von Starter Tyler Glasnow. Er verlor nach drei gewohnt starken Innnings im vierten und fünften Durchgang den Faden, walkte insgesamt sechs Batter und hinterließ seinem Team kaum eine Chance, das Spiel noch zu drehen. Zumal sein Gegenüber Clayton Kershaw keine Spur von der ihm zugeschriebenen Playoff-Schwäche zeigte. Er ließ in sechs Innings nur zwei Hits und einen Run zu, schickte acht Schlagmänner per Strikeout zurück in den Dugout. Nachdem Kershaw Feierabend hatte, ließen die Rays mit zwei Runs im siebten Inning ein kurzes Lebenszeichen aufflackern, doch letztlich brachten die Dodgers die Partie souverän mit 8:3 nach Hause und konnten sogar ihre Top-Reliever auf der Bank lassen.

World Series, Spiel 2
Die Reliever brauchten die Dodgers umso mehr in Spiel zwei, denn sie verzichteten auf einen echten Starter und ließen den Bullpen die gesamte Partie bestreiten. Die Taktik ging nicht auf. Schon im ersten Inning gab Tampas Second Baseman Brandon Lowe mit dem ersten von zwei Homeruns den Rhythmus für eine gegenüber Spiel eins stark verbesserte Rays-Offensive vor. Zur Mitte des fünften Innings führten die Rays bereits 5:0, während die Dodgers gegen den bis dahin überragenden Blake Snell noch keinen einzigen Hit zustande bekommen hatten. Chris Taylor brach dann zwar den Bann, und außer ihm erzielten auch Will Smith und Corey Seager noch Homeruns für die Dodgers, doch das Aufbäumen reichte nicht aus, um die 4:6-Niederlage zu verhindern.

So geht es weiter
Freitagnacht ab 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Serie mit Spiel drei fortgesetzt. Als Starting Pitcher werden Walker Buehler für Los Angeles und Charlie Morton für Tampa Bay antreten. Samstag und Sonntag folgen zur selben Uhrzeit die Spiele vier und fünf. Falls dann noch keine Entscheidung gefallen ist, gibt es einen weiteren Pausentag, bevor es Dienstagnacht um 1:08 unserer Zeit in Spiel sechs geht.

Zur Freude aller Baseballfans ohne ein Abo von mlb.tv oder DAZN werden die Spiele der World Series zumindest teilweise bei Sport1 als kostenloser Livestream gesendet. Hier ist der Link zum Stream von Spiel drei.

Szene der Woche
Vielleicht habt ihr erwartet, dass ich hier den sensationellen Catch von Mookie Betts aus Spiel 7 der NLCS abfeiere. Der war zweifellos großartig, aber der Catch von Lin Che-Hsuan in Verbindung mit der anschließenden schauspielerischen Glanzleistung in der taiwanesischen CPBL war noch ein Stück großartiger:

Statistik der Woche
22. So viele Hits hat der Rookie-Outfielder Randy Arozarena in der laufenden Postseason schon erzielt. Er hat damit einen Rekord eingestellt, den Derek Jeter 1996 aufgestellt hatte. Jeter wurde damals nach der Saison zum Rookie of the Year gewählt. Diese Ehre wird Arozarena vorerst versagt bleiben, da er erst spät in der Saison in den MLB-Kader der Rays hochgerückt ist. Dadurch gilt er aber auch nächstes Jahr noch als Rookie und hat somit alle Chancen, sich den Award für 2021 zu sichern.

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April 23rd, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison steht nach wie vor in den Sternen, aber dennoch hat sich in den letzten Tagen einiges getan in der Baseball-Welt. Die langwierigen Untersuchungen der Sign-Stealing-Vorwürfe gegen die Boston Red Sox wurden abgeschlossen und das Strafmaß verkündet. In den geplanten Verkauf der New York Mets kommt offenbar Bewegung und auch in den Minor Leagues gibt es interessante Entwicklungen. In Taiwan läuft seit zwei Wochen der Spielbetrieb, Südkorea soll in Kürze folgen.

Milde Strafe für Red Sox
Vor Corona war das große Thema dieser Offseason der Sign-Stealinng-Skandal um die Meisterteams von 2017 und 2018. Die Houston Astros wurden im Januar von der Liga zu heftigen Strafen verurteilt, weil sie in der Saison 2017 ein umfangreiches System eingesetzt hatten, um die Zeichen zwischen gegnerischen Catchern und Pitchern auszuspionieren. Vielen gingen diese Strafen nicht weit genug, weil die beteiligten Spieler ungeschoren davon kamen und weil die Astros den Meistertitel behalten durften.

Da es gegen die Boston Red Sox von 2018 ähnliche Vorwürfe gab, strengte die Liga eine weitere Untersuchung an, deren Ergebnis seit Monaten mit Spannung erwartet wurde. Interessant schien vor allem die Rolle von Alex Cora – er war 2017 Bench Coach der Astros und 2018 Manager der Red Sox.

Die MLB hat nun ihre Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, und wer ein hartes Durchgreifen gegenüber den Red Sox und Cora erwartet hatte, wird enttäuscht sein: Die Strafen fallen vergleichsweise milde aus, denn die Ligaleitung ist überzeugt, dass es sich im Wesentlichen um Verfehlungen eines einzelnen Angestellten handelte: Replay-Koordinator J. T. Watkins hat dem Bericht zufolge „zumindest in einigen Fällen“ den Videoraum missbraucht, um Spielern des eigenen Teams Tipps zukommen zu lassen. Dafür wird Watkins zwei Jahre lang gesperrt, und dem Klub wird ein Zweitrundenpick in der Draft 2020 aberkannt. Alex Cora erhält eine Sperre für ein Jahr – diese bezieht sich aber ausdrücklich auf sein Mitwirken am Sign-Stealing-System der Astros. Für seine Zeit bei den Red Sox wurde ihm kein Fehlverhalten nachgewiesen.

Minor Leagues werden wohl reduziert
Seit letzten November ist bekannt, dass die MLB erwägt, die Minor Leagues neu zu organisieren und dabei 42 Teams und Standorte aufzugeben. Der Widerstand gegen diese Pläne war groß, da die betreffenden Städte und lokalen Fanbasen an ihren Teams hängen, zumal diese zahlreiche Arbeitsplätze für Spieler und sonstiges Personal verantworten. Nun sieht es laut Berichten unter anderem von Baseball America allerdings so aus, dass die Minor Leagues möglicherweise einlenken und den Plan akzeptieren. Nicht zuletzt durch die Coronakrise ist offenbar die Bereitschaft gestiegen, der Reduzierung zuzustimmen, wenn im Gegensatz stärkere wirtschaftliche Unterstützungen und Garantien für die verbleibenden Teams und Ligen gewährt werden.

Commissioner rechnet mit MLB-Baseball in diesem Jahr
MLB-Commissioner Rob Manfred hat am Dienstag ein neues Statement zur aktuellen Situation veröffentlicht. Konkrete Pläne für eine Aufnahme der MLB-Saison 2020 nannte er nicht, er gehe aber „fest davon aus, dass Baseball in diesem Jahr zurückkehren wird“.

Das wahrscheinlichste Szenario ist nach wie vor eine verkürzte Saison an wenigen Standorten. Zusätzlich zu den Spring-Training-Staaten Arizona und Florida wurde inzwischen Texas als ein weiterer möglicher Austragungsort ins Spiel gebracht. In den drei Staaten zusammen gibt es fünf MLB-Stadien, die alle überdacht sind. Dadurch wäre gewährleistet, dass ohne witterungsbedingte Verzögerungen jeweils mehrere Spiele pro Tag durchgeführt werden könnten – ohne Zuschauer, aber natürlich mit TV-Übertragungen. Ob und wann so ein Plan umgesetzt wird, bleibt offen. Die Sprachregelung ist nach wie vor, dass man die weitere Entwicklung in Bezug auf das Virus abwarten und sehen muss, was möglich ist, ohne jemanden zu gefährden oder zu beeinträchtigen.

Kauft A-Rod die Mets?
Die Eigentümer der Mets, Fred und Jeff Wilpon, sind immer noch gewillt, den Klub zu verkaufen. Durch Corona ist möglicherweise der Preis gesunken, was nun wieder Interessenten auf den Plan ruft. Zu ihnen sollen der ehemalige Yankees-Star Alex Rodriguez und seine Frau Jennifer Lopez gehören. Die beiden könnten sich die Franchise allerdings nicht allein, sondern allenfalls im Rahmen eines Konsortiums leisten. Ihr Vermögen wird auf 700 Millionen Dollar beziffert. Zuletzt war im Dezember ein Deal geplatzt, bei dem Milliardär Steve Cohen einen Mehrheitsanteil von 80% für rund 2,6 Milliarden kaufen wollte. Cohen sprang damals ab, weil die Wilpons kurz vor Abschluss auf Nachverhandlungen bestanden. In der neuen Situation könnte auch er wieder auf den Plan treten.

In Südkorea und Taiwan wird gespielt
Wer es nicht ohne Live-Baseball aushält, kann nach wie vor die taiwanesische CPBL verfolgen. Die Liga reagiert auf das gestiegene internationalen Interesse, indem einige Spiele mit englischem Kommentar auf Twitter gestreamt werden. Die nötigen Links und Infos findet ihr hier.

In Südkorea hat die KBO diese Woche mit Preseason-Spielen angefangen. Der reguläre Ligabetrieb soll am 5. Mai aufgenommen werden. Es gelten strenge Auflagen wie zum Beispiel regelmäßige Virustests, keine Fans im Stadion und – kein Witz – ein striktes Spuckverbot für die Spieler. Ich weiß bislang noch nicht, ob es international verfügbare TV-Streams geben wird, aber ich werde es herausfinden und hier rechtzeitig informieren.

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April 9th, 2020 by Silversurger

Live-Baseball in Sicht: Zumindest an einem Ort der Welt, nämlich in Taiwan, soll am kommenden Wochenende die Saison starten. In den USA und Deutschland sind wir so weit noch lange nicht: Für die Bundesliga und die weiteren Ligen des DBV steht zurzeit noch der Termin 9./10. Mai für den Saisonbeginn, allerdings werden beim Verband auch andere Szenarien geprüft und man will die Situation nach Ostern neu bewerten. Ob und wann es eine MLB-Saison geben wird, ist zwar ebenfalls weiterhin offen. Es wurden aber diese Woche Pläne bekannt, nach denen man möglicherweise schneller als gedacht in den Spielbetrieb einsteigen könnte.

MLB-Saison in Arizona?
Bislang sind es nur Planspiele, aber die MLB und die Spielergewerkschaft scheinen zumindest ernsthaft in Betracht zu ziehen, unter ganz besonderen Bedingungen Ende Mai oder Anfang Juni die Saison 2020 zu beginnen. Der Kern des Plans ist, dass sämtliche Spiele ohne Zuschauer in der Gegend um Phoenix, Arizona, ausgetragen werden. Genutzt werden könnten das Stadion der Arizona Diamondbacks sowie diverse Spring-Training-Einrichtungen der Region. Alle 30 Teams und deren Angestellte sollen vor Ort relativ isoliert in Hotels untergebracht werden. Gereist wird nur vom Hotel zum jeweiligen Stadion und zurück, alle Beteiligten werden regelmäßig auf Coronaviren getestet.
Neben der enormen logistischen Herausforderung wären auch diverse Aspekte des Spiels zu regeln. Ein Vorschlag besteht zum Beispiel darin, eine elektronische Strikezone einzuführen, um dem Umpire mehr Abstand zum Batter und zum Catcher zu erlauben. Die Spieler, die gerade nicht auf dem Feld stehen, würden wohl auf die ansonsten leeren Zuschauerränge verteilt, um nicht zu eng im Dugout zu sitzen. Um möglichst nahe an eine volle 162-Spiele-Saison zu kommen, wird zudem erwogen, vermehrt 7-Inning-Doubleheader zu spielen, wie man sie aus den Minor Leagues sowie aus den College- und Amateurbereichen kennt.
Die Reaktionen unter den Betroffenen auf die Pläne sind gespalten: Sie reichen von Angels-Manager Joe Maddon, der sich zu allem bereit erklärt, wenn es nur endlich losgeht („I’ll play on the moon, I don’t care“), bis hin zu Spielern, die zumindest hinter vorgehaltener Hand kritisieren, dass sie nicht monatelang von ihren Familien getrennt werden möchten.

Taiwan beginnt Baseballsaison mit Roboter-Zuschauern
Am morgigen Freitag startet die taiwanesische Chinese Professional Baseball League (CPBL) als erste professionelle Baseball-Liga in die Saison 2020. In Taoyuan City findet das Eröffnungsspiel zwischen den Gastgebern und Titelverteidigern Rakuten Monkeys und den Chinatrust Brothers statt. Zahlende Zuschauer wird es nicht geben. Zu den umfangreichen Schutzvorkehrungen gehört eine Beschränkung auf unter 200 Personen im Stadion, darunter die Spieler, Trainer, Teamangestellte, Stadionpersonal, Ligaverantwortliche und Medien. Für Stimmung sollen (kein Scherz!) 500 Roboterpuppen sorgen, die in Fankleidung die Zuschauerränge bevölkern werden. Erklärtes Ziel der CPBL ist es, die regulären 120 Spieltage zwischen den vier Teams der Liga sowie die zweistufigen Playoffs duchzuführen. Zusätzliche Events wie das All-Star-Game und die Winterliga werden nicht stattfinden.
Wer sich Live-Baseball aus der CPBL gönnen möchte, kann für rund 30 Euro ein Abo von CPBL.TV abschließen. Ein Teil der Spiele wird zudem kostenlos auf Yahoo Sports Taiwan übertragen. Den Spielplan gibt es auf der Homepage der Liga leider nur in Landessprache. Wenn ihr euch reinarbeiten wollt, dürfte diese Anleitung in englischer Sprache helfen.

„Mr. Tiger“ Al Kaline stirbt mit 85
Die Baseball-Welt trauert um einen ihrer Stars aus den 1950er und -60er Jahren. Al Kaline starb am Montag im Alter von 85 Jahren zu Hause in Michigan. Kaline war 22 Jahre lang in der MLB aktiv gewesen und zwar nie für ein anderes Team als die Detroit Tigers. Wegen seiner großen Treue zu dem Klub, mit dem er 1968 die World Series gewann, nannte man ihn auch „Mr. Tiger“. Kaline wurde in seiner Karriere 18-mal ins All-Star-Team gewählt, gewann zehn Gold Gloves und einen Batting-Title. Nach seiner aktiven Zeit fungierte er als TV-Kommentator für die Spiele der Tigers sowie als Assistent des Managements und Mentor für zahlreiche Spieler.

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November 28th, 2017 by Silversurger

In der Serie über Baseball in Ländern rund um den Globus bleiben wir zwar auch diese Woche in Asien, doch nach den Baseball-Nationen Japan und Korea ist heute mit China eher ein Baseball-Entwicklungsland an der Reihe. Ein ganzes Stück weiter als der große Nachbar ist Taiwan, dessen Status als unabhängiger Staat völkerrechtlich umstritten, aber im Prinzip Fakt ist. Das zeigt sich auch im Sport: Taiwan hat eine eigene Baseball-Liga und eine Nationalmannschaft. Im Gegensatz zu Festland-China hat die Insel auch schon MLB-Player hervorgebracht.

Einst verboten, jetzt zunehmend populär
Generell kann man sagen, dass China keine ausgeprägte Sportkultur hat, jedenfalls nicht im Hinblick auf das Ausüben von Mannschaftssportarten und auf Stadionbesuche – besondere Großereignisse wie die Olympischen Spiele mal ausgenommen. Die populärste Zuschauersportart ist Fußball, gefolgt von Basketball. Basketball ist übrigens ein interessantes Beispiel, wie schnell sich das Interesse an einem Sport entwickeln kann: Mit der Karriere von Yao Ming bei den Houston Rockets explodierte die Popularität von Basketball in China, Spielfelder und Teams schossen wie Pilze aus dem Boden und NBA-Übertragungen erzielten traumhafte Einschaltquoten. Man darf gespannt sein, ob der erste erfolgreiche chinesische MLB-Spieler einen ähnlichen Hype auslösen wird.

Das Wukesong Baseball Field während eines Spiels der MLB China Series 2008 zwischen den Padres und den Dodgers1

Aktuell gibt es in dem 1,4 Milliarden Einwohner starken Land jedenfalls nur rund 3.000 Baseball-Spieler, 50 Ballparks und ungefähr 500 Schulen mit Baseball-Mannschaften. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Baseball in China eine Zeitlang verboten war. Zwar wurde schon – angestoßen von amerikanischen Missionaren – im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Baseball in China gespielt, doch im Rahmen der kommunistischen Kulturrevolution verbot die Staatsführung unter Mao Zedong Anfang der 1960er Jahren die Sportart als Ausdruck westlicher Dekadenz. Ab 1975 war es wieder erlaubt, Baseball zu spielen, doch die Basis war erstmal weg. Gut 40 Jahre später scheint Baseball in China auf dem aufsteigenden Ast: Seit 2016 gibt es TV-Verträge über MLB-Übertragungen und es haben in den letzten Jahren einige Spieler den Sprung in die Minor Leagues geschafft.

Ungleich etablierter ist Baseball auf der Insel Taiwan. Ähnlich wie in Korea wurde die Sportart unter der einstigen japanischen Kolonialherrschaft populär und hat heute den Rang eines Nationalsports. Taiwan – oft unter dem Namenskompromiss „Chinese Taipei“ geführt – ist nach Japan und Korea die drittwichtigste Basis für Baseball außerhalb Amerikas.

Auch die taiwanesische Nationalmannschaft ist sehr erfolgreich: In der Weltrangliste der WBSC steht sie auf Platz vier, größte Erfolge waren Silber bei den Olympischen Spielen 1992 und Bronze 1984. Das chinesische Nationalteam steht in der Weltrangliste auf Platz 22. Ihr größter Erfolg war, dass sie beim World Baseball Classic 2009 in der ersten Runde 4:1 gegen Taiwan gewonnen haben.

Die China Baseball League
Chinas höchste Liga ist die China Baseball League, kurz: CBL. Dem eigenen Anspruch nach handelt es sich um eine Profiliga – ob und inwiefern die Spieler tatsächlich vom Baseball leben, konnte ich leider nicht sicher herausfinden. Die Struktur des Spielplans deutet jedenfalls eher auf einen Amateur- oder allenfalls Halbprofibetrieb hin, denn gespielt wird ausschließlich an den Wochenenden. Bislang fanden die Spiele von Ende Mai bis Anfang September statt, dieses Jahr wurde die Saison auf Juli bis Dezember verlegt.

Die Liga wurde 2002 gegründet, stellte 2012 aufgrund finanzieller Probleme den Spielbetrieb ein, nahm ihn aber 2014 wieder auf. Heut umfasst die CBL zehn Teams, davon sechs in Division 1 und vier in Division 2. Die Divisionen sind hierarchisch organisiert mit Auf- und Abstiegsregelung. Rekordmeister der CBL sind die Tianjin Lions mit bislang sechs Titeln. Gerne hätte ich hier eine englischsprachige Seite mit Resultaten und Nachrichten zur CBL verlinkt, doch leider bin ich nicht fündig geworden – aber vielleicht kann ja jemand von meinen Lesern chinesisch?

Chinese Professional Baseball League (Taiwan)
Der Name der Chinese Professional Baseball League (CPBL) birgt Verwechslungsgefahr – es handelt sich um die Liga Taiwans, das sich formal „Republik China“ nennt. Vor immerhin rund 5.500 Zuschauern im Schnitt wird hier seit 1989 professionell Baseball gespielt. Was professionell im dem Fall bedeutet, konnte ich zumindest in Bezug auf die in der CPBL beschäftigten ausländischen Spieler herausfinden: 5.000 bis 12.000 Euro im Monat beträgt das übliche Einkommen der meist aus den japanischen und amerikanischen Minor Leagues stammenden Gastspieler, von denen jedes Team bis zu vier im Kader haben darf.

Die CPBL umfasst derzeit nur vier Klubs, die aber ein recht umfangreiches Programm absolvieren: Die Saison dauert von März bis Oktober und endet in zweiründigen Playoffs. Durch die geringe Größe der Liga qualifizieren sich drei der vier Teams für die Playoffs, was die 120 Spiele je Team umfassende reguläre Saison leider ein bisschen abwertet. Die meisten Meisterschaften haben bislang die Uni-President 7-Eleven Lions mit neun Titeln ergattert, aktueller Champion sind die Lamigo Monkeys – an den Namen sieht man schon, dass ähnlich wie in Korea die Teams in der Regel in Firmenhand sind und dann auch so heißen.

Standorte der CPBL2

Leider wurde der taiwanesische Baseball in den 2000er Jahren mehrfach von Skandalen bezüglich abgesprochener Spielergebnisse erschüttert. Die Folgen davon waren die Schließung von zwei Teams, diverse Gefängsnisstrafen für Spieler und Funktionäre und schwindendes Zuschauerinteresse an der Liga.

Ergänzend zur „normalen“ CPBL-Saison gibt es in Taiwan im November und Dezember noch eine Winterliga mit japanischer, koreanischer und europäisch-amerikanischer Beteiligung.

Berühmte Spieler aus China und Taiwan
Die Geschichte chinesischer MLB-Spieler ist schnell erzählt: Bisher gab es keine. Zwar wurden Harry Kingman (1914 für New York Yankees aktiv) und Austin Brice (Miami Marlins 2016, jetzt Cincinnati Reds) in China geboren, doch beide waren bzw. sind Kinder amerikanischer Eltern und zogen auch schon als Kind in die USA um. Es gibt jedoch inzwischen einige Chinesen in Minor-League-Teams und zumindest einer davon könnte bald den Sprung in die MLB schaffen: Xu Guiyuan, ein 21-jähriger First Baseman und Outfielder in der Organisation der Baltimore Orioles, wurde über eines der drei MLB Development Centers in China entdeckt und als erster Spieler über diesen Weg für die MLB verpflichtet. Das war, als Xu 13 Jahre alt war – nachdem er erst mit elf Jahren zum ersten Mal einen Baseball in der Hand hatte.

Wei-Yin Chen mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-Wen und Marlins-Trikot3

Taiwan hat auch in dieser Hinsicht die Nase vorn: Schon 2002 gab mit Chen Chin-Feng der erste Spieler aus dem Land sein MLB-Debüt. Der Outfielder war dreieinhalb Jahre lang bei den Los Angeles Dodgers aktiv, konnte sich allerdings nie etablieren (Batting Average von .091). Er kehrte schließlich zurück in die Heimat, wo er eine erfolgreiche CPBL-Karriere absolvierte. Inzwischen sind 14 Spieler aus Taiwan in der MLB zum Einsatz gekommen, fünf davon sind aktuell aktiv. Der erfolgreichste und bekannteste von ihnen ist Pitcher Wei-Yin Chen. Chen schaffte zunächst mit 19 Jahren den Sprung in die japanische NPB zu den Chunichi Dragons und wurde 2012 von den Baltimore Orioles verpflichtet. In Baltimore wurde er umgehend zum MLB-Starter und als nach der Saison 2015 sein Vertrag auslief, unterzeichnete er bei den Miami Marlins einen neuen über 80 Millionen Dollar und fünf Jahre. Den größten Teil der Saison 2017 verpasste Chen wegen einer Verletzung, ansonsten hatte er bisher aber eine erfolgreiche MLB-Karriere mit 144 Starts und einem ERA von 3.90.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Micah Sittig (CC BY-SA 2.0)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: NordNordWest (CC BY-SA 3.0)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: 總統府 (CC BY-SA 2.0)

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