Februar 17th, 2019 by Silversurger

Zum Abschluss meiner kleinen Taktik-Serie geht es heute um die Defense. Als außenstehender Beobachter neigt man leicht dazu, das Feldspiel im Baseball zu unterschätzen – vielleicht nicht ganz zu Unrecht: In aller Regel hat bei der Entscheidung für oder gegen einen Spieler die Offensivleistung Vorrang. Für einen guten Batter, der sich im Abwehrspiel schwer tut, findet sich immer ein Platz im Team; ein überragender Feldspieler, der keine nennenswerte Schlagleistungen bringt, wird hingegen kaum eine große Profikarriere erleben. Am ehesten sind es noch die Positionen des Catchers und des Shortstops, auf denen für ein echtes Defensiv-Ass mal ein Auge zugedrückt wird, wenn der Batting Average zu wünschen übrig lässt. Allerdings sind das auch die Positionen, auf denen – von Relief Pitchern abgesehen – die niedrigsten Durchschnittsgehälter verdient werden.

Das Positionsspiel
Auf wenig zentralen Posten, etwa im rechten oder linken Outfield, kommt es ja nach Spielverlauf und Gegner vor, dass man einen ganzen Abend lang scheinbar kaum etwas zu tun hat, weil der Ball im ganzen Spiel vielleicht nur ein- oder zweimal in die entsprechende Richtung fliegt. Tatsächlich kann man sich aber auf keiner Feldposition einen faulen Lenz machen, denn die Aufmerksamkeit jedes Feldspielers ist zu jeder Zeit gefordert. Er muss wissen, wie viele Outs im jeweiligen Inning bisher erzielt wurden; er muss wissen, wie und wohin der aktuelle Batter am häufigsten schlägt; und er muss vor allem in jeder möglichen Spielsituation und bei jedem möglichen Vorkommnis wissen, welche Aufgabe er hat. Eine Aufgabe hat er nämlich keineswegs nur dann, wenn der Ball in seine Nähe kommt. Vielmehr hat jeder Spieler in jeder Situation etwas zu tun – wenn es nicht das Fangen oder Aufnehmen des Balls ist, dann ist es zum Beispiel das Abdecken einer Base oder das Absichern (Backup) hinter einem anderen Spieler für den Fall, dass der Ball an diesem vorbei geht.

Im Kinder- und Jugendbereich werden die Feldpositionen häufig gewechselt und durchprobiert. Das fördert zum einen das Verständnis für die verschiedenen Aufgaben und Anforderungen der Positionen und trägt zum anderen dazu bei, die Talente der jeweiligen Spieler zu entdecken. Im Zuge ihrer Entwicklung spezialisieren sich die Spieler immer mehr auf eine bestimmte Position oder auf eine Gruppe von Positionen wie Outfield, mittleres Infield usw.

Die Einstufung, wer für welche Position am geeignetsten ist, richtet sich zwar vor allem nach der individuellen Athletik und Spielintelligenz des jeweiligen Spielers. Eingeschränkt wird die Auswahl aber durch seine Händigkeit, denn nicht jede Position ist für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen geeignet. Als Catcher wird man so gut wie nie einen Linkshänder sehen. Der Hauptgrund dafür besteht darin, dass der Wurf zur zweiten Base für den Catcher deutlich schwieriger ist, wenn auf der Seite seines Wurfarmes ein Batter steht. Da es deutlich mehr rechtshändige Batter gibt, hätte ein linkshändiger Catcher dieses Problem sehr viel häufiger. Außerdem haben linkshändige Catcher einen echten Nachteil, wenn sie nach dem Wurf eines Feldspielers an die Homeplate einen Runner taggen sollen: Sie verlieren wertvolle Zeit, da sie ihren Körper weiter drehen müssen, um den Tag am Baserunner anzubringen. Man wird auch in aller Regel keinen linkshändigen Second Baseman, Shortstop oder Third Baseman sehen, da dieser beim Aufnehmen eines Groundballs zwangsläufig die falsche Richtung – von der ersten Base abgewandt – einschlägt und somit mehr Zeit für den Standardwurf benötigt.

Als First Baseman hingegen sieht man häufig einen Linkshänder, denn dieser hat mehrere Vorteile: Nach dem Fang eines Pick-off-Wurfes hat sein Handschuh einen kürzeren Weg in die Bahn des zurück hechtenden Baserunners; die meisten geschlagenen Bälle kommen rechts von ihm an, also auf seiner Handschuhseite, und sind dadurch leichter fangbar; nach der Aufnahme des Balles steht der linkshändige First Baseman automatisch in einer günstigen Position, um zur zweiten oder dritten Base zu werfen.

Das Formationsspiel
Aus anderen Mannschaftssportarten kennt man es, dass unterschiedliche Taktiken und Philosophien der Mannschaften beziehungsweise ihrer Trainer mit unterschiedlichen Formationen einhergehen. Footballteams treten zum Beispiel entweder mit drei Linebackern und vier Defensive Linemen an oder umgekehrt; beim Fußball setzen die einen auf eine Viererkette in der Abwehr, andere auf eine Formation mit zentralem Abwehrspieler. Solche dauerhaften Variationen gibt es im Baseball nicht. Die neun Feldpositionen sind immer die gleichen. Zwar dürfen sich die Feldspieler – außer dem Pitcher und dem Catcher – auf dem Feld frei positionieren und das nutzen sie auch, indem sie im Umkreis einiger Meter je nach Spielsituation und den bekannten Tendenzen des aktuellen Schlagmanns ständig ihr Stellungsspiel variieren. Große Abweichungen von den Standardpositionen gibt es jedoch nur in bestimmten Spielsituationen. Ein paar Beispiele für solche Situationen:

– Der Infield Shift: Normalerweise stehen je zwei Infielder links (3B,SS) und rechts (2B, 1B) von der zweiten Base. Von einem Infield Shift spricht man, wenn sich drei oder mehr Infielder auf einer Seite der zweiten Base positionieren. Es handelt sich dabei um ein Mittel, die Räume insbesondere für linkshändige Pull-Hitter eng zu machen, das heißt für Schlagmänner, die den Ball so gut wie immer auf die Feldseite ihrer dominierenden Hand schlagen. Die klassische Form des Shifts besteht darin, dass der Third Baseman sich dort positioniert, wo sonst der Shortstop steht; der Shortstop rückt auf die andere Seite der zweiten Base; der Second Baseman rückt ein Stück in Richtung Outfield, etwa gleich weit von der ersten und zweiten Base entfernt; der First Baseman spielt eng an der Foullinie; die Outfielder behalten ihre Positionen, postieren sich aber ebenfalls alle etwas weiter rechts als sonst. Einige Teams lassen beim Shift den Shortstop da, wo er immer ist, und lassen stattdessen den Third Baseman rechts der zweiten. Base spielen. Es gibt diverse weitere Varianten des Shifts, darunter auch solche gegen rechtshändige Batter. Obwohl der Shift leicht zu überlisten scheint, indem man den Ball “einfach” mal zur anderen Seite schlägt oder buntet, gelingt dies den betreffenden Battern erstaunlich selten. Aufgrund dieser Erkenntnis ist der Shift in den letzten Jahren zunehmend populär geworden. In der Saison 2018 begegneten die MLB-Teams linkshändigen Battern in rund 30% der Fälle mit einem Infield Shift, rechtshändigen Battern immerhin noch zu rund 9%. Extreme Formen des Shifts, bei dem sich nicht nur das gesamte Infield sondern auch das Outfield auf eine Seite des Spielfelds konzentriert, kommen nach wie vor eher selten vor. Ein berühmter Hitter, gegen den diese Taktik – mit wechselndem Erfolg – eingesetzt wurde, war Ted Williams. Man nennt die extreme Variante des Shifts deshalb auch Ted-Williams-Shift.

– Shallow Outfield / Outfield in:  “Shallow” oder “in” bedeutet, dass die betreffenden Spieler sich deutlich näher zur Homeplate positionieren als sonst. Nach innen rückende Outfielder sind in zwei sehr unterschiedlichen Situationen zu beobachten. Eine davon ist, dass ein schwacher Batter am Schlag ist, von dem mit relativ hoher Sicherheit kein harter und weiter Ball zu erwarten ist. Die zweite besteht darin, dass man sich bei unentschiedenem Spielstand in der unteren Hälfte des neunten Innings (oder eines Extra-Innings) befindet, ein Runner an der dritten Base steht und weniger als zwei Outs erzielt wurden. In diesem Fall ist das Spiel bei einem weiten Schlag ins Outfield verloren, denn selbst wenn der Ball gefangen wird, wird der Runner nach seinem Tag-up an der dritten Base den siegbringenden Run für den Gegner scoren. Daher gibt man das Outfield ganz auf und nutzt die Outfielder dafür, alle Lücken im Infield zu stopfen, um wenigstens einen Groundball erfolgreich verteidigen zu können.

– Corners in: Diese Formation dient vor allem der Vermeidung eines Sacrifice Bunts. Die beiden Corner Infielder, also der First Baseman und der Third Baseman, rücken näher an die Homeplate heran, um einem Bunt zügig entgegen zu gehen und zu verhindern, dass ein Baserunner von der dritten Base scoren kann.

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Februar 10th, 2019 by Silversurger

Die Offseason neigt sich dem Ende entgegen und das tut auch die kleine Serie über grundlegende Taktiken im Baseball. Nach zwei Artikeln über das Batting geht es in der heutigen vorletzten Folge um eine andere wichtige Komponente des Offensivspiels: das Baserunning.

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Laufwege der Runner. Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist bekanntlich eine Gerade. Wenn man beobachtet, wie die Runner von Base zu Base laufen, scheinen sie dieses Wissen jedoch nur manchmal umzusetzen. Einen geraden Weg wählen sie üblicherweise dann, wenn die nächste Base das eindeutige und einzige Ziel der aktuellen Bemühung ist. Sobald eine Chance besteht, dass aus dem Spielzug mehr herausspringt – zum Beispiel bei einem Hit ins Outfield -, gleicht die Bahn des Runners eher einer Banane. Dadurch gelingt ihm leichter die Kurve, um nach dem Berühren der Base einige Schritte in Richtung der nächsten Base anzuschließen und dann zu sehen, ob sich das Weiterlaufen lohnt oder er besser zur bereits erreichten Base zurückkehrt und dort erstmal bleibt.

Wenn es hingegen auf dem Weg zu einer Base knapp wird, so bietet sich für den Runner oft ein Slide an, also eine eingesprungene Rutschbewegung auf dem letzten Abschnitt der Strecke. Ein Slide kann entweder “head first” mit den Händen und dem Oberkörper voran ausgeführt werden oder “feet first” mit den Füßen zuerst. Feet first ist die häufigere Variante; sie ist weniger verletzungsintensiv und bietet eine bessere Chance, schnell aufzustehen und weiterzurennen, falls sich die Gelegenheit dazu ergibt. Head first zu sliden hingegen bietet den Vorteil, dass man mehr Kontrolle darüber hat, durch zusätzliche Bewegungen einem Tag auszuweichen. Das Vermeiden eines Tag Plays, indem man einem bereits wartenden Feldspieler ein möglichst kleines und bewegliches Ziel bietet, ist der häufigste Anlass für einen Slide. Andere Gründe zum Sliden bestehen darin, spät aber effektiv abzubremsen, um ein Überrennen der Base zu verhindern, und darin, einen Feldspieler davon abzuhalten, per Wurf zu einer anderen Base ein (weiteres) Out zu erzielen.

So gut wie nie wird man einen Slide auf dem Weg des Batters zur ersten Base sehen, denn dort trifft keiner der genannten Gründe zu: Ein Tag Play ist an dieser Stelle irrelevant, da an der ersten Base immer ein Force Play möglich ist; Double Plays werden immer von der höheren zur niedrigeren Base ausgeführt, daher spielt auch die legale Behinderung eines Feldspielers hier keine Rolle; obendrein ist es nicht nötig, an der ersten Base zu bremsen, denn im Gegensatz zu den anderen Bases darf diese gefahrlos überrannt werden – und ungebremstes Überrennen ist immer schneller als Sliden. Der Runner darf nicht ausgetaggt werden, sofern er nach dem Überrennen auf direktem Weg zur Base zurückkehrt.

Erfolgreiches Baserunning erfordert hohe Konzentration und gutes Spielverständnis. Es ist nämlich nicht damit getan, an der Base auf das Geräusch des nächsten Schlags zu warten und dann einfach loszurennen. Je nach Spielsituation hat der Baserunner ganz unterschiedliche Dinge zu beachten und in seine Entscheidung einzubeziehen, ob, wann und auf welche Weise er läuft. Ein paar Beispiele für unterschiedliche Konstellationen und ihre jeweiligen Konsequenzen:
– Groundball im Infield, während die erste Base besetzt ist: Der Runner von der ersten Base wird auf jeden Fall loslaufen, denn er muss die Base freimachen und kann an der zweiten Base per Force Play ausgemacht werden. Sein Ziel besteht darin, so schnell unterwegs zu sein, dass die Defense höchstens ein Out schafft und kein Double Play.
– Groundball,während die zweite Base besetzt, die erste aber frei ist: Der Runner an der zweiten Base kann laufen, muss es aber nicht. Seine Entscheidung hängt davon ab, wie die Defense sich verhält. Meistens wird der Runner an der Base bleiben, wenn der Ball vor ihn geschlagen wird (zur dritten Base oder zum Shortstop), und losrennen, wenn er hinter ihn (zwischen erster und zweiter Base) geschlagen wird.
– Fly Ball und weniger als zwei Outs: Wenn der Ball aus der Luft gefangen wird, muss jeder Runner zurück an seine ursprüngliche Base. Sobald diese Base nach dem ersten Kontakt eines Feldspielers mit dem Ball berührt wurde (Tag-up), kann der Runner entscheiden, auf eigenes Risiko loszulaufen. Wenn er das vorhat, wird er schon während der Ball in der Luft ist an der Base warten, um dann sofort loszurennen. Andernfalls geht er ein paar Schritte in Richtung der nächsten Base, um je nach Ergebnis des Fangversuchs entweder den Rest des Weges zurückzulegen oder zurück zur vorherigen Base zu gehen.
– Fly Ball und bereits zwei Outs im Inning: Der Runner wird auf jeden Fall loslaufen und nicht bremsen. Wird der Fly Ball gefangen, so ist das Inning ohnehin beendet. Wenn er nicht gefangen wird, hat der Runner gute Chancen, gleich mehrere Bases zu erlaufen.
– Zwei Outs im Inning, Full Count für den aktuellen Batter, keine freien Bases zwischen den Runnern: Alle Baserunner werden loslaufen, sobald der Pitcher seine Wurfbewegung beginnt, denn sie haben nichts zu verlieren: Bei einem Strike ist das Inning zuende, bei einem Ball dürfen sie ungehindert vorrücken, bei einem Foulball kehren sie ebenso ungehindert zur Base zurück und bei einem Schlag ins Fair Territory müssen sie sowieso laufen.

Als Runner ist man weitgehend auf die Aktionen von Mitspielern oder auf Fehler des gegnerischen Teams angewiesen, um auf dem Weg von Base zu Base voran zu kommen. Die eine Möglichkeit, aus eigener Leistung die nächste Base zu erreichen, besteht im Stealing. Stehlen ist im Baseball erlaubt, solange man sich nicht erwischen lässt. In aller Regel funktioniert es wie folgt: Man bringt sich ein paar Schritte von der bisherigen Base in Stellung, rennt los sobald der Pitcher seine Wurfbewegung begonnen hat und slidet zur neuen Base, bevor der Catcher es schafft, den Ball zum jeweiligen Infielder zu werfen, der ein Tag Play anbringen könnte. Die meisten Steals finden zwischen der ersten und zweiten Base statt, nicht zuletzt weil die zweite Base weiter vom Catcher entfernt ist als die anderen Bases. Steals von der zweiten zur dritten Base sind entsprechend seltener und Steals von Drei nach Home sind ein extrem rares und spektakuläres Ereignis, das nur gelingt, wenn die Defense sich komplett überrumpelt lässt.

Das Stehlen von Bases ist ein aufregender Spielzug, der leider in der MLB in den letzten Jahren immer seltener ausgeübt wird. Das liegt nicht etwa daran, dass es den Verteidigungen häufiger gelingen würde, versuchte Steals zu verhindern. Im Gegenteil, das Verhältnis von gelungenen zu vereitelten Steals (“caught stealing”) hat sich in den letzten 30 bis 40 Jahren eher zu Gunsten der Baserunner entwickelt: In den 1980er und frühen 1990er Jahren, während der Hochphase des Base-Stealings, gelangen ligaweit mit Ausnahme eines Jahres (1987) nie mehr als 70% der Stealversuche; von 2004 bis 2018 lag die Quote in jedem Jahr deutlich über dieser Marke. Im gleichen Zeitraum hat sich aber mehr und mehr die auf statistischen Analysen beruhende Erkenntnis durchgesetzt, dass sich das Stehlen von Bases oft nicht lohnt beziehungsweise das Risiko nicht wert ist. Eine erfolgreich gestohlene Base bringt dem Team im Durchschnitt rund 0,3 Runs ein. Das bedeutet, es müssen mehr als zwei Drittel aller Steal-Versuche erfolgreich sein, um nicht mehr zu schaden als zu nutzen – und deutlich mehr, damit man behaupten kann, dass sie wirklich etwas bringen. Folgte in jedem der 1980er Jahre dem Erreichen der ersten Base in 11 bis 12 Prozent der Fälle ein Steal-Versuch, war dies 2017 und 2018 nur noch zu je 7,8 Prozent der Fall.

Eine Taktik, die kein Base-Stealing darstellt, aber eng mit diesem verwandt ist, ist das “Hit and Run”. Genau wie beim Stealing laufen der oder die Baserunner in dem Moment los, in dem der Pitcher seine Bewegung begonnen hat und sie nicht mehr abbrechen darf. Sie sind bei ihrem Versuch, die nächste Base zu erreichen, auf den Batter angewiesen. Dieser hat den Auftrag, um jeden Preis Kontakt zwischen Schläger und Ball herzustellen. Gelingt ihm das und der Ball landet im Fair Territory, so dürften die Runner schon weit genug gekommen sein, dass es zumindest kein Double Play wird. Wenn es ein Foulball wird, kann jeder ungefährdet zurück zur vorherigen Base gehen. Problematisch wird es allerdings, wenn der Ball nicht getroffen wird und beim Catcher landet oder noch schlimmer: wenn es ein Fly Ball wird und die Runner plötzlich ungeschützt weit weg von ihrer ursprünglichen Base stehen.

Während ein Baserunner auf den nächsten Pitch wartet, bleibt er im Normalfall nicht direkt an der Base stehen (außer in den jüngsten Altersklassen, wo dies oft vorgeschrieben ist). Er nimmt einen Lead, das heißt er entfernt sich ein paar Schritte in Richtung der nächsten Base. Dadurch wird sein Weg beim nächsten Schlag oder auch beim Stealing kürzer und die Erfolgswahrscheinlichkeit, die nächste Base zu erreichen, entsprechend höher. Während eines Leads setzt man sich dem Risiko eines Tag Plays aus. Deshalb sollte man es mit der Entfernung von der Base nicht übertreiben, denn der gegnerische Pitcher wird von Zeit zu Zeit einen Pick-off versuchen. Er wirft dazu den Ball zur Base, wo ihn der jeweilige Feldspieler fängt und versucht, den Runner auszutaggen, bevor dieser zurück an die Base gehechtet ist. Selten gelingt das tatsächlich, aber in jedem Fall sendet es ein Signal an den Runner, dass man ihn im Blick hat und er es sich zweimal überlegen sollte, ob er einen weiten Lead nimmt oder gar einen Steal versucht. Die Sache kann allerdings auch ins Auge gehen, denn wenn der Pick-off-Wurf nicht gefangen wird und am Feldspieler vorbei geht, ist das meistens eine geschenkte Base für den Runner.

An der dritten Base nehmen die Runner ihren Lead übrigens immer im Foul Territory. Das liegt daran, dass ein Runner automatisch aus ist, wenn er im Fair Territory einen geschlagenen Ball berührt. Im Foul Territory ist man vor diesem Risiko sicher.

Mitunter kommt es vor, dass ein Runner zwischen zwei Bases festsitzt, wenn er sich bei einer Aktion verschätzt hat und weder vor noch zurück kann, weil die Feldspieler den Ball und die beiden Bases kontrollieren. Man nennt diese Situation einen Run-Down. Die Feldspieler werfen sich dabei den Ball hin und her und gehen von beiden Seiten auf den Runner zu, um ihn auszutaggen. Für den Runner ist es äußerst unwahrscheinlich, aus dieser Lage zu entkommen. Er kann die Sache aber durch Richtungswechsel und Ausweichmanöver in die Länge ziehen und dadurch anderen Runnern die Zeit verschaffen, sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Wie vieles im Spiel, wird auch das Verhalten zwischen den Bases ganz wesentlich durch Zeichen des Managers aus dem Dugout gesteuert. Ein Stealversuch, ein Hit and Run oder auch die Länge des Leads werden den Spielern in aller Regel vorgegeben. Eine wichtige Rolle spielen zudem die beiden Basecoaches, die im Foul Territory neben der ersten und der dritten Base stehen. Sie beraten die Runner, ob und wann sich ein Steal lohnt, warnen sie bei Pick-off-Versuchen und signalisieren, während der Ball im Spiel ist, ob man weiterlaufen, an der erreichten Base stehen bleiben oder zum Tag-up zurücklaufen soll und wann ein Slide sinnvoll ist.

Auch beim Baserunning gibt es Auswechslungen. Analog zum Pinch Hitter, einem eingewechselten Batter, spricht man von einem Pinch Runner, wenn ein Spieler für einen bereits vorhandenen Baserunner ins Spiel kommt. So etwas geschieht meistens in der Endphase des Spiels, wenn es darauf ankommt, einen einzigen Run unbedingt zu erzielen. Der Pinch Runner ist naturgemäß ein besonders schneller Spieler, der eine Gefahr darstellt, Bases zu stehlen und/oder bei einem Hit eine Base mehr zu holen als der langsamere Kollege, der für ihn rausgegangen ist.

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Februar 2nd, 2019 by Silversurger

Neben der Wahl des Lineups durch den Field Manager besteht die zweite taktische Einflussmöglichkeit beim Batting in der Herangehensweise des jeweiligen Batters, dem sogenannten Batting Approach. In diesen fließen sowohl generelle Vorlieben und Fähigkeiten des Spielers ein als auch auf die konkrete Situation zugeschnittene Anweisungen.

Man muss dazu sagen, dass die Variationsmöglichkeiten beim Hitting deutlich geringer sind als beim Pitching. Anders formuliert: Es gibt mehr Arten, einen Pitch zu werfen, als Arten, einen Schläger zu schwingen. Deshalb ist es in der Regel ein Vorteil für den Pitcher, wenn er sich mit einem bestimmten Batter zum ersten Mal duelliert. Je häufiger der Batter und der Pitcher sich in einem Spiel, einem Jahr oder einer ganzen Karriere begegnen, umso mehr stellen diese Erfahrungen einen Vorteil für den Batter da.

Viele Faktoren, die beim Hitting zu beachten sind, gelten universal für jeden Spieler und in (fast) jeder Situation. Sie müssen jedem Baseballer in Fleisch und Blut übergehen, denn wenn der Ball im Anflug ist, gibt es keine Zeit zum Überlegen und die erworbenen Instinkte müssen übernehmen.

– Die Augen sollen immer und jederzeit auf den Ball gerichtet sein.

– Die Standposition innerhalb der Batter’s Box ist so zu wählen, dass die Reichweite des Schlägers die Strikezone bis zum äußeren Rand umfasst, man aber auch an ihrem inneren Rand noch genug Platz für einen sauberen Schwung hat. Um ein wenig mehr Reaktionszeit zu haben, positionieren sich die meisten Batter am hinteren Rand der Batter’s Box.

– Der Schläger soll fest, aber nicht verkrampft in den Händen liegen, die mittleren Fingerknöchel beider Hände bilden eine Linie.

– Beim Schwung kommt der größte Teil der Kraft nicht aus den Armen, sondern aus der Gewichtsverlagerung. Der Batter lehnt sich auf sein hinteres Bein, während er auf den Pitch wartet. Wenn er schwingt, dreht er sich dem Ball entgegen und macht einen kleinen Schritt mit dem vorderen Bein.

– Erst ganz am Schluss der Bewegung kommen die Hände mit dem Schläger nach vorne. Gedanklich ist das Ziel nicht, den Ball zu treffen, sondern durch ihn hindurch zu schlagen. Dies verhindert ein unbeabsichtigtes Abbremsen des Schwungs kurz vor dem Auftreffen.

– Die Bahn des Schlägers soll möglichst parallel zum Boden verlaufen (“level Swing”). Auf diese Art befindet sich der Schläger länger in dem Bereich, in dem er den Ball treffen kann, als wenn er die Zone in einer Aufwärts- oder Abwärtsbewegung durchquert. Gleichzeitig erhöht ein flacher Schwung die Chance, Line Drives zu schlagen.

Individuell unterschiedlich ist die Herangehensweise, nach welchen Bällen man schlägt und nach welchen nicht. Dies hängt unter anderem davon ab, ob man eher darauf abzielt, einen hohen Schlagdurchschnitt zu erzielen und häufig auf Base zu kommen, oder darauf, öfter mal einen Homerun zu erzielen und zwischendurch das eine oder andere Strikeout in Kauf zu nehmen. Manche Batter versuchen, bei jedem Pitch, der in der Strikezone oder zumindest in der Nähe ankommt, Kontakt herzustellen. Andere warten konsequent auf einen bestimmten Pitch – wenn sie zum Beispiel einen Fastball outside wollen, dann lassen sie – zumindest solange weniger als zwei Strikes im Count sind – jeden anderen Pitch durch. Mit zwei Strikes passt fast jeder Batter seinen Approach an, zum Beispiel indem er den Schläger ein Stück weiter oben fasst und in der Batter’s Box einen Schritt auf den Pitcher zumacht. Auf diese Weise gibt man ein wenig Schlagkraft auf für eine höhere Kontaktwahrscheinlichkeit.

Die individuellste Komponente ist der Batting Stance, also die Art, wie man beim Warten auf den Pitch in der Batter’s Box steht. Manche Batter stehen zum Beispiel fast aufrecht und sorgen so dafür, dass der Pitcher keine niedrigen Strikes werfen kann, andere kauern sich eng zusammen und machen die Strikezone besonders klein. Bei der Platzierung der Füße bietet ein offener Stand – das heißt, der hintere Fuß steht näher an der Homeplate als der vordere – den Vorteil, dass man eine bessere Sicht auf den Pitcher und den Ball hat. Ein geschlossener Stand hingegen erhöht die Chance in die gegenüberliegende Richtung zu schlagen, was zum Beispiel gegen einen Infield-Shift extrem hilfreich ist. Der Kompromiss zwischen dem offenen und dem geschlossenen ist ein neutraler Stand, bei dem beide Füße auf gleicher Höhe stehen.

Eine häufig diskutierte Frage ist, inwieweit Batter die Richtung und Art ihrer Hits kontrollieren können. Angesichts der Schwierigkeit, einen in Geschwindigkeit, Flugbahn, Platzierung und Rotation variierenden Ball überhaupt zu treffen, erscheint es utopisch, dabei auch noch auf eine Lücke zwischen zwei Verteidigern zu zielen. Ob ein hart geschlagener Ball direkt im Handschuh des Shortstop landet oder aber über die zweite Base hinweg ins Outfield fliegt, ist tatsächlich zu einem guten Teil Glückssache. Das heißt aber nicht, dass der Batter machtlos in Bezug auf das Ergebnis seines Schlages ist. Wenn zum Beispiel ein rechtshändiger Batter den Ball zur rechten Seite “pullen” möchte, so kann er darauf hinwirken, indem er erstens einen eher offenen Batting Stance wählt, zweitens auf einen Pitch in der inneren Hälfte der Strikezone wartet und drittens einen Tick später schwingt als wenn seine Absicht eine andere wäre. Eine andere Einflussmöglichkeit ist die Bahn des Schlägerschwungs. Ein flacher “level Swing” ist zwar in den meisten Situationen von Vorteil, aber in manchen Fällen kann es sinnvoll sein, bewusst etwas nach unten oder oben zu schwingen, um einen Groundball oder einen Flyball zu erzeugen.

Ein langer und hoher Flyball, auch wenn er im Outfield fangbar ist, kann zum Beispiel dann wünschenswert sein, wenn sich ein Runner auf der dritten Base befindet und noch keine zwei Outs erzielt wurden. In dem Fall wird der Runner mit dem Fuß Kontakt zur Base halten (“Tag-up”) und losrennen, sobald der Outfielder den Ball berührt. Wenn auf diese Weise ein Run gelingt, während der Batter ein Flyout erleidet, wird diesem ein Sacrifice-Fly gutgeschrieben.

Eine andere Art des Schlags, bei der sich der Batter oft “opfert”, ist der Bunt. Bei einem Bunt wird der Schläger nicht geschwungen, sondern waagerecht in die Strikezone gehalten, um den Ball daran abtropfen zu lassen. Die häufigste taktische Anwendung dieser Technik ist der Sacrifice Bunt. In dem Fall besteht das Ziel darin, einen oder mehrere Baserunner voran zu bringen und dafür ein Out des Batters in Kauf zu nehmen. Ein anderes Anwendungsfeld des Bunts besteht darin, die Defense auf dem falschen Fuß zu erwischen, wenn die Verteidiger besonders tief stehen oder im Rahmen eines Shifts eine Seite des Infields vernachlässigen.

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Januar 20th, 2019 by Silversurger

Nach den beiden Artikeln über Pitching-Taktiken geht es in meiner kleinen Taktik-Serie heute ums Schlagen – genauer gesagt darum, wie das Batting Lineup, also die Aufstellung der Schlagmänner, festgelegt wird.

Ein Batting Lineup besteht immer aus neun Plätzen. Die darin festgelegte Reihenfolge – die Batting Order – wird das ganze Spiel über beibehalten. Grob gesagt stehen die besseren Batter üblicherweise in der oberen Hälfte des Lineups. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie einmal mehr an den Schlag kommen. Ein Batter, der regelmäßig weit vorne in der Reihenfolge zum Einsatz kommt, bringt es im Laufe einer MLB-Saison auf rund einhundert Plate Appearances mehr als ein auf den hinteren Rängen einsortierter Spieler.

Das heißt allerdings nicht, dass zwangsläufig der beste Batter des Teams als Erster antritt, der zweitbeste als Zweiter usw. Vielmehr ist jede Stelle im Lineup mit einer bestimmten Rolle verbunden, der der jeweils passendste Spieler zugeordnet wird. Hier eine idealtypische Übersicht, verbunden mit dem Hinweis, dass keine der Rollen in Stein gemeißelt ist und dass jeder Manager seine eigene Theorie zur perfekten Batting Order hat:

– Nummer eins, der Leadoff-Spot: Die Spieleröffnung überlässt man in der Regel einem Spieler, der nicht unbedingt mit viel Power schlägt, aber häufig auf Base kommt und ein schneller Läufer ist. Mit ihm als erstem Baserunner bestehen gute Chancen, im Rest des Innings wenigstens einen Run nach Hause zu bringen.

– Nummer zwei: Der nächste Hitter sollte gute Kontakt- und Kontrollfähigkeiten haben, das heißt er muss gut darin sein, den Schläger an den Ball zu bekommen und diesen in eine bestimmte Richtung zu befördern. Auf diese Weise kann er gezielt dafür sorgen, den zum Baserunner gewordenen Leadoff-Hitter zumindest eine Base weiter zu bringen – wenn nötig per Bunt oder Sacrifice-Hit.

– Nummer drei: An dieser Stelle wird oft der beste Allround-Batter des Teams eingesetzt. Er hat die Power, um vorhandene Runner nach Hause zu schlagen, und kommt selbst so häufig auf Base, dass er den folgenden Homerun-Spezialisten die Chance gibt, mehrere Runs auf einen Schlag zu erzielen.

– Nummer vier, der Cleanup-Hitter: Er ist in aller Regel der Spieler des Teams, der die meisten Homeruns erzielt. Im Idealfall sind vor ihm schon mehrere Batter auf Base gekommen, die bei einem Extra-Basehit allesamt scoren.

– Nummer fünf: An dieser Stelle hat man am besten jemanden, der eine möglichst originalgetreue Kopie zum Cleanup-Hitter darstellt. Dahinter stehen zwei Gedanken: Erstens stellt er eine zweite Chance auf den erhofften Homerun dar, falls der Cleanup-Hitter ein Strikeout oder Flyout erlitten hat. Zweitens hält eine gute Nummer fünf den Pitcher davon ab, es sich mit dem Cleanup-Hitter einfach zu machen, indem er ihn absichtlich walken lässt.

– Nummer sechs: Der sechste Batter sollte stark genug sein, durch Hits und gegebenenfalls Sacrifice Flys weitere Runs nach Hause zu bringen, auch wenn bei den Akteuren an dieser Stelle des Lineups zwangsläufig die eine oder andere Schwäche im Vergleich mit den höher eingestuften Battern vorhanden ist.

– Nummer sieben: Die unteren Spots der Batting Order gehören in der Regel den Spielern, die mehr wegen ihrer defensiven Stärken als wegen ihrer Schlagleistungen im Team stehen. Typische Positionen, auf denen man dies in Kauf nimmt, sind Catcher und Shorstop. Als Nummer sieben stellt man oft den langsamsten Runner auf.

– Nummer acht: Es gilt das gleiche wie für Nummer sieben, wobei man an dieser Stelle den etwas besseren Kontakt-Hitter und etwas schnelleren Baserunner wählt. Er hat eine spezielle Rolle auszufüllen, wenn er an den Schlag kommt und in dem Inning schon zwei Outs erzielt wurden: Er muss in dem Fall alles daran setzen, das dritte Out zu vermeiden, um Batter Nummer neun noch an den Schlag zu bringen. Dieser ist nämlich fast immer der schlechteste Hitter des Teams und wenn er in diesem Inning noch dran kommt, kann man den nächsten Durchgang wieder mit dem Leadoff-Hitter starten.

– Nummer neun: Wie gesagt in aller Regel der schwächste Batter des Lineups. In der NL und anderen Ligen ohne Designated Hitter (DH) ist die Nummer neun fast immer der Pitcher. Nur sehr wenige Pitcher können als Schlagmann mithalten, weil ihre Spezialisierung schlichtweg eine andere ist und sie im Training entsprechende Schwerpunkte setzen.

In Ligen mit DH-Regel sind die Pitcher von Batting-Aufgaben befreit. An ihrer Stelle steht der DH im Lineup, der seinerseits nur in der Offensive spielt und keine Defensivrolle übernimmt. Als DH wird oft ein älterer oder nicht ganz fitter Spieler eingesetzt, der zwar zu guten Schlagleistungen fähig, aber nicht der schnellste und athletischste ist. In der Batting Order bringt ihn das meistens in die Gegend der Plätze fünf bis sieben.

Wenn für einen Batter ein Ersatzspieler eingewechselt wird, bezeichnet man diesen als Pinch-Hitter. Er übernimmt im Lineup zwangsläufig die Stelle des ausgewechselten Spielers. Es gibt diverse Gründe, an einer bestimmten Stelle des Spiels einen Batterwechsel vorzunehmen; zum Beispiel eine Verletzung des Ausgewechselten oder ein vermeintlich besseres Matchup des Eingewechselten gegen den aktuellen Pitcher. Der häufigste Grund ist allerdings – beim Spiel ohne DH – ein Einsatz zur Überbrückung eines Pitcherwechsels. Das heißt, wenn der Pitcher-Spot im Lineup dran ist und man sowieso zum nächsten Halbinning einen neuen Pitcher bringen will, dann wechselt man einen Ersatz-Batter ein und diesen anschließend für den neuen Pitcher wieder aus. Eine besondere Form dieses Manövers ist der Double Switch: In dem Fall werden gleich zwei Spieler ausgewechselt. Eingewechselt werden ein Batter, der die Position des bisherigen Pitchers im Lineup übernimmt, sowie der neue Pitcher, der an der Stelle des anderen Ausgewechselten ins Lineup rutscht – idealerweise an eine Position, die gerade erst am Schlag war und deshalb so schnell nicht wieder dran kommt.

Ein wichtiger zusätzlicher Aspekt bei der Zusammenstellung des Lineups ist der Unterschied zwischen links- und rechtshändigen Battern. Wie ich schon in den Pitching-Artikeln erwähnt habe, fällt es den Battern meistens schwerer, gegen Pitcher anzutreten, die die gleiche Händigkeit aufweisen wie sie selbst. Wenn der Kader es hergibt, richten sich die Manager oft nach dem gegnerischen Starting Pitcher und stellen gegen einen Rechtshänder vermehrt Linkshänder auf und umgekehrt. Außerdem empfiehlt es sich, Rechts- und Linkshänder im Lineup gut zu mischen. Dadurch hat der Gegner einen geringen Nutzen beim Einsatz von spezialisierten Relief Pitchern. Auf Letztere kann man auch gut reagieren, indem man kurzerhand den Batter austauscht: Wenn ein linkshändiger Spezialist auf den Mound geschickt wird, um gegen einen linkshändigen Batter zu pitchen, dann wechselt man an dessen Stelle einen rechtshändigen Batter ein. Der Pitcher kann dann nicht mehr zurückgezogen werden, denn die Regel schreibt vor, dass jeder Pitcher gegen mindestens einen Batter antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf.

Besonders flexibel ist man, wenn man den einen oder anderen Switch-Hitter zur Verfügung hat, also Batter, die von beiden Seiten der Platte schlagen können. In der Regel treten Switch-Hitter rechtshändig gegen linkshändige Pitcher an und umgekehrt. Der Batter darf zwischen zwei Pitches die Seite wechseln, allerdings nicht, wenn bereits zwei Strikes im Count sind. Übrigens gibt es auch Switch-Pitcher, wenngleich sie eine sehr seltene Erscheinung sind. Sie dürfen die Seite, mit der sie werfen, nur zwischen zwei Battern wechseln, nicht während eines At Bats. Wenn sich ein Switch-Hitter und ein Switch-Pitcher gegenüber stehen, muss der Pitcher als erster entscheiden und anzeigen, mit welcher Hand er werfen wird. Anschließend entscheidet der Batter, von welcher Seite er schlägt.

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Januar 12th, 2019 by Silversurger

Letzte Woche ging es an dieser Stelle um die Auswahl der Pitches. Sie ist eine der beiden großen taktischen Herausforderungen beim Pitching. Die andere besteht in der Entscheidung des Managers, wann und wie lange die vorhandenen Pitcher eingesetzt werden.

In den frühen Jahrzehnten der Baseballgeschichte stellte sich diese Frage kaum. Es gab wie heute eine Rotation aus mehreren Starting Pitchern, die sich von Spiel zu Spiel abwechselten – wobei es damals meistens drei bis vier Starter waren, während heute fünf üblich sind. Vom jeweiligen Starting Pitcher wurde erwartet, dass er das komplette Spiel absolvierte. Gewechselt wurde nur, wenn der Starter sich verletzte oder wenn seine Leistung nicht stimmte. Das änderte sich mit der Zeit mehr und mehr. Complete Games wurden immer seltener und sind inzwischen geradezu eine Rarität.

JahrComplete GamesAnteil
1898160987,4%
1918128063,0%
1938109044,6%
195874330,1%
1978103424,6%
19983026,2%
2018420,9%

Üblicherweise wird der Starter heute spätestens nach 100 bis 120 Pitches gegen einen Relief Pitcher ausgewechselt. Das ist meistens nach fünf bis sieben Innings der Fall. Für die Entwicklung hin zu kürzeren Starts sprechen zwei wichtige Argumente: Erstens ist man zunehmend zu der Einsicht gelangt, dass bei einem hohen Pitch Count die Belastung der Muskeln und Gelenke so hoch wird, dass die Effektivität der Pitches ab- und das Verletzungsrisiko für den Pitcher zunimmt. Zweitens zeigt die Erfahrung, dass die Batter umso leichteres Spiel haben, je öfter sie einem bestimmten Pitcher gegenüberstehen, weil sie sich auf diesen einstellen und in einen Rhythmus finden. Aus Sicht des verteidigenden Teams ist es daher sinnvoll, einen Wechsel vorzunehmen, nachdem der Starter zwei- bis höchstens dreimal durch das Batting Lineup gepitcht hat.

Einhergehend mit der Tendenz zu kürzeren Starts hat sich auch die Rolle der Relief Pitcher verändert. Waren sie früher schlichtweg Ersatzleute, die wenn nötig für den Starter einsprangen und das Spiel zu Ende pitchten, handelt es sich heute um Spezialisten für besondere Aufgaben und Situationen. Hier einige typische Rollen, die Relief Pitcher ausfüllen:

– Long Reliever. Er übernimmt für mehrere Innings, falls der Starter mal besonders früh ausgewechselt werden muss. In der Regel füllt diese Rolle ein Pitcher aus, der selbst Erfahrung als Starter hat und auch von Anfang an einspringen kann, wenn zum Beispiel durch Verletzungen mal eine Lücke in der Starting Rotation entsteht.

– Middle Reliever. Pitcht in der Regel ein oder zwei Innings, bevor das Spiel in die Endphase geht. Übernimmt gegebenenfalls auch mal ein spätes Inning, wenn das Spiel ohnehin weitgehend entschieden ist und man die Top-Reliever schonen will.

– LOOGY. Der Lefty-One-Out-GuY ist Spezialist für linkshändige Batter. Da im gegnerischen Lineup selten mehr als einer oder zwei davon hintereinander an der Reihe sind, ist der Auftritt des LOOGY meistens von kurzer Dauer.

– Setup-Man. In der Regel der zweitbeste Reliever der Mannschaft. Sein Job ist es, spät im Spiel – meistens im achten Inning – einen engen Spielstand zu verteidigen.

– Closer. Der zuverlässigste Reliever im Team hat die Aufgabe, das Spiel zu Ende zu bringen, vor allem wenn es sich um eine Save-Situation handelt, es also eine knappe Führung zu retten gilt.

Eine neue Entwicklung ist die Rolle des Openers. Gemeint ist damit, dass ein Pitcher das Spiel beginnt, dessen Start von vornherein nicht für einen längeren Auftritt ausgelegt ist. Die damit verbundene Taktik nennt sich Bullpenning. Anstelle des üblichen Starter-Reliever-Modells wird beim Bullpenning von Anfang an alle ein, zwei Innings der Pitcher gewechselt. Bislang handelt es sich bei dieser Art des Pitcher-Einsatzes um eine Ausnahme, aber der Trend scheint das Potenzial zu haben, sich auszuweiten. Begonnen wurde er in der vergangenen Saison von den Tampa Bay Rays und er fand direkt einige Nachahmer. Von den Oakland Athletics und den Milwaukee Brewers wurde er bereits bis in die Playoffs getragen.

Bei der Entscheidung, welcher konkrete Pitcher zum jeweiligen Zeitpunkt eingewechselt wird, kommt es neben der beschriebenen Rollenverteilung stark auf den Spielstand an. Je deutlicher die Partie bereits in die eine oder in die andere Richtung entschieden ist, desto mehr tendieren die Manager dazu, ihr schwächeres Personal einzusetzen und dieses verhältnismäßig lange im Spiel zu lassen. In engeren Spielen hingegen schaut man sehr genau auf jedes einzelne Matchup und setzt immer den Reliever ein, der gerade die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit für die nächsten ein bis drei Outs gewährt. Eine typische Matchup-Entscheidung ist, dass bevorzugt linkshändige Pitcher gegen linkshändige Batter eingesetzt werden. Bei gleichhändigen Matchups haben Pitcher den Vorteil, dass Breaking Balls sich vom Batter weg bewegen und somit schwerer zu schlagen sind als wenn die Bewegung in die andere Richtung geht. Die Händigkeit ist aber bei weitem nicht das einzige relevante Kriterium, um ein vorteilhaftes Matchup zu finden. Die Teams nutzen den riesigen Datenfundus, den es über jeden Spieler gibt, um Stärken und Schwächen aller Art aufzudecken und zu nutzen. Das kann zum Beispiel sein, dass Batter X Probleme mit Curveballs hat, dass Pitcher Y gut darin ist, Power Hitter auf Groundballs zu beschränken oder dass Runner Z regelmäßig Bases stiehlt, wenn ein Pitcher mit etwas langwierigerer Wurfbewegung auf dem Mound steht.

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Januar 5th, 2019 by Silversurger

Gleich die erste Anregung im diesjährigen Offseason-Wunschkonzert bestand in der Bitte, dass ich etwas über Taktiken im Baseballspiel schreiben soll. Das Thema gefällt mir gut und nachdem ich mich nun eine Weile damit auseinander gesetzt habe, beginne ich heute eine Reihe von voraussichtlich fünf oder sechs Artikeln dazu. Den Anfang machen Taktiken beim Pitching. Zunächst gehe ich der Frage nach, von wem und nach welchen Kriterien entschieden wird, welcher Pitch in welcher Situation geworfen wird. Im nächsten Artikel – voraussichtlich in einer Woche – beschäftige ich mich mit dem Einsatz der Pitcher vom Starter bis zum Closer.

Als Einstiegslektüre empfehle ich die Erläuterung der verschiedenen Pitcharten, die vor zwei Jahren ebenfalls als Artikelserie in diesem Blog veröffentlicht wurde. Ich habe damals acht häufig verwendete Pitches vorgestellt. In der Regel hat ein professioneller Pitcher ein Arsenal von drei bis vier davon im Repertoire. Neben der Art des Pitches ist dessen Platzierung die zweite Variationsmöglichkeit, über die man als Pitcher verfügt. Jeder Pitch zielt auf eine bestimmte Stelle innerhalb oder außerhalb der Strikezone. Der Verlauf eines Basesballspiels hängt ganz wesentlich davon ab, ob es dem Pitcher gelingt, seine Würfe so auszuwählen, dass er die Batter überraschen und verwirren kann, oder ob er für den Gegner durchschaubar ist.

Die Entscheidung, welcher Pitch geworfen und wohin er gezielt wird, wird vom Pitcher gemeinsam mit dem Catcher getroffen. Die beiden verständigen sich über verdeckte Zeichen: Der Catcher macht per Fingerzeig einen Vorschlag, den der Pitcher entweder akzeptiert oder durch ein Kopfschütteln ablehnt, um einen neuen Vorschlag zu erhalten. Üblicherweise steht ein Finger für einen Fastball, zwei Finger signalisieren einen Curveball, drei einen anderen Breaking Ball (zum Beispiel einen Slider), vier einen Changeup. Hinzu kommt ein Zeichen, auf welche Seite und welche Höhe der Pitch zielen soll. Häufig gibt es hierzu auch Vorgaben des Managers oder des Pitching Coaches. Diese werden dem Catcher vom Dugout aus per Zeichen übermittelt und von ihm an den Pitcher weitergegeben. Dafür ist ein etwas ausgefeilteres System von Signalen nötig, damit diese von den gegnerischen Battern, Runnern und Basecoaches nicht verstanden werden. Das könnte zum Beispiel so aussehen: Ein Streichen des Managers über seinen rechten Arm bedeutet, dass er einen hohen Fastball sehen will. Er verpackt diese Vorgabe, indem er vorher und nachher ein paar andere Bewegungen macht, aber der Catcher weiß, dass nur die Anweisung zählt, die der Manager direkt nach einem Griff an die Nase gibt. Wenn er sich anschließend an den Schirm seiner Kappe greift, sind alle vorherigen Anweisungen aufgehoben und es folgt ein neues Signal. Berührt er irgendwann während der Sequenz sein linkes Ohr, so ist unabhängig von allen anderen Zeichen noch einmal der gleiche Pitch zu werfen wie der letzte.

Welcher Pitch letztlich gewählt wird, hängt von diversen Faktoren ab. Einer davon sind die Stärken und Vorlieben des jeweiligen Pitchers. Jeder Pitcher möchte Outs erzielen, aber manchen gelingt das bevorzugt über Groundballs, während andere stärker auf Strikeouts und wieder andere mehr darauf zu setzen, leicht zu fangende Pop-Ups zu verursachen.

Neben den persönlichen Voraussetzungen des Pitchers spielt bei der Entscheidung für einen Pitch primär die  Spielsituation eine Rolle – der aktuelle Count, die Anzahl der Outs und der Baserunner, die bekannten Tendenzen des Batter usw. Um ein paar konkrete Beispiele zu nennen:

– Mit einem Runner auf der ersten Base und weniger als zwei Outs wünscht man sich einen Groundball, aus dem sich ein Doubleplay produzieren lässt. Dazu braucht es einen niedrigen Pitch, bei dem der Schläger die obere Hälfte des Balls trifft. Es bietet sich ein Curveball oder ein Sinker an.

– Schlägt der Batter gegen den Wind und hat daher kaum Chancen auf einen Homerun, so könnte der Pitcher darauf abzielen, dass der Ball tief getroffen wird, um hoch in die Luft zu fliegen. Dafür eignet sich ein hoher Fastball.

– Wenn ein schneller Runner vorhanden ist, der eine Base stehlen könnte, will der Catcher den Ball möglichst schnell und sicher empfangen. Es bietet sich ein Fastball an, nicht zu tief und nicht zu nah am Batter.

– Mit einem Count von 3-0 (3 Balls, 0 Strikes) oder 3-1 möchte man das Risiko vermeiden, einen weiteren Ball und damit einen Walk zuzulassen. Daher wählt man einen Pitch, den man gut kontrollieren kann, und zielt damit klar in die Strikezone.

– Steht der Count hingegen bei 0-2, so kann man sich ohne weiteres einen Ball erlauben, während der Batter keinen weiteren Strike riskieren darf. Es bietet sich ein Pitch an, der bewusst die Strikezone verfehlt, ihr aber nahe genug kommt, um den Batter zu einem Schwung zu verführen.

In den aufgeführten Beispielen scheint relativ klar zu sein, welcher Pitch jeweils sinnvoll ist. Nun kommt aber erschwerend hinzu, dass jede der angestellten Überlegungen auch dem Batter und seinen Kollegen bewusst ist. Der Pitcher muss daher nicht nur die Spielsituation berücksichtigen, sondern auch die bestehenden Erwartungen und Erwartungserwartungen. Er muss häufig genug einen anderen als den auf der Hand liegenden Pitch wählen, damit der Batter sich nie zu sicher sein kann.

Einen Sonderfall stellt eine Spielkonstellation dar, in der ein Walk aus Sicht des Pitchers das geringste Übel darstellt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein besonders starker Batter am Schlag ist und nach ihm eine vermeintlich leichtere Aufgabe wartet. Oder wenn die zweite Base besetzt, die erste aber frei ist. In dem Fall erhöht man die Chancen, im Infield ein leichtes Out oder auch zwei zu erzielen, indem man den Batter auf die erste Base lässt. Das kann man ganz offen tun, indem man einen Intentional Walk signalisiert: Der Manager hält vier Finger in die Höhe, woraufhin der Umpire den Batter direkt zur Base schickt. Oder man wählt die Variante “half-intentional” – das heißt, man wirft bewusst Pitches außerhalb der Strikezone und überlässt es dem Batter, ob er das Geschenk annimmt oder sich an einem wenig aussichtsreichen Schwung versucht.

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