März 31st, 2019 by Silversurger

Eine neue MLB-Saison bedeutet immer auch eine neue Version von „MLB The Show“, der bekanntesten und verbreitetsten Videospielumsetzung des schönen Baseballsports. Das diese Woche erschienene „MLB The Show 19“ ist schon die vierzehnte Fassung des Spiels, das exklusiv für die Playstation 4 angeboten wird. Erwerben kann man es als Download im Playstation-Store zum Preis von 59,99 Euro oder als DVD bei diversen Online-Händlern. Neben der normalen gibt es auch eine teurere „MVP Edition“. Diese enthält ein höheres Startguthaben und weitere Extras für den Sammelmodus „Diamond Dynasty“; das eigentliche Spiel ist in beiden Editionen identisch.

Die grundlegenden Abläufe und Mechaniken des Spiels sind nach wie vor dieselben wie in der Vorgängerversion. Wenn The Show für euch komplettes Neuland ist, lest am besten in meinem Artikel zu The Show 18 den Abschnitt unter der Überschrift „Das Spielprinzip“. Dann kann ich mich hier auf die Neuerungen der 19er-Version beschränken.

Was das Gameplay angeht, so sind Fortschritte größtenteils in kosmetischen Details zu suchen – zum Beispiel in Form verbesserter Animationen im Feldspiel und in den Aktionen der Umpires sowie eines realistischeren Aussehens der Spieler. Oder sagen wir einiger Spieler, den manche haben immer noch erstaunlich wenig Ähnlichkeit mit sich selbst (Josh Donaldson ist mir in dieser Hinsicht als ein Negativbeispiel aufgefallen). Dass das Gameplay ansonsten weitgehend unverändert blieb, ist für mich keine schlechte Nachricht. Im Gegenteil, denn The Show ist in dieser Hinsicht schon seit Jahren die beste und ausgereifteste Sport-Simulation, die ich kenne. Insofern bin ich froh, dass man nicht auf die Idee gekommen ist, man müsste dringend etwas ändern, nur um etwas geändert zu haben.

Die spürbarsten Neuerungen von The Show 19 sind zwei neue Spielmodi. Der erste nennt sich „March to October“. Es handelt sich um eine Art Storymode, bei dem man in jedes der 30 Teams schlüpfen und mit ihm versuchen kann, die World Series 2019 zu gewinnen. Gespielt werden bestimmte Highlights der Saison. Meistens steuert man das ganze Team in den Schlussphasen für die Story ausgewählter Spiele, manchmal aber auch nur einen einzelnen Spieler für ein ganzes Spiel. Die Ergebnisse, die man dabei erzielt, wirken sich auf den weiteren Saisonverlauf aus, zum Beispiel indem das Team durch einen Comeback-Win Selbstvertrauen tankt oder durch eine bittere Niederlage frustriert wird.

Der Bildschirm für die Teamauswahl im Modus „March to October“.

Mir gefällt die Grundidee dieses Modus sehr gut und er hat mich in den paar Tagen, seit ich The Show 19 spiele, bisher am meisten gefesselt. Leider stört eines ganz gewaltig und das sind die unrealistischen Roster. Nehmen wir zum Beispiel die New York Mets: Aus unerfindlichen Gründen sind Brandon Nimmo und Amed Rosario – beide waren schon letztes Jahr etablierte Stammspieler und sind es nach wie vor – nicht dabei. Einziger Shortstop im Kader ist Adeiny Hechavarria, der bei den echten Mets nur Füllmaterial in der Minor League ist. In den Spielen stellt die KI meistens Jed Lowrie positionsfremd als Shortstop auf. Im Outfield spielt Yoenis Cespedes vom Opening Day an, weil Verletzungen in dem Modus nicht berücksichtigt werden. Und offenbar werden die Roster für diesen Modus, im Gegensatz zu jenen für Einzelspiele oder Franchises, während der Saison nicht aktualisiert. Das heißt auch, dass junge Spieler wie Pete Alonso, Eloy Jimenz, Fernando Tatis Jr. oder Vlad Guerrero Jr. in dem Modus keine Berücksichtigung finden werden. Denn The Show hat nach wie vor keine Lizenz, die echten Namen von Minor-League-Spielern zu verwenden; deshalb können die Genannten erst nach ihrem ersten MLB-Einsatz über Roster-Updates eingepflegt werden, welche es wie gesagt für „March to October“ nicht gibt.

Der andere neue Modus heißt „Moments“. Hier geht es darum, historische Momente in der Geschichte der Liga nachzuspielen. Auch das ist von der Idee her eine schöne Sache, die Umsetzung leidet jedoch noch stärker als die von „March to October“ unter nicht stimmigen Details. Die Stadien passen nicht zum historischen Setting, die Uniformen stimmen ebenso wenig wie die Roster. So vermag sich das nostalgische Feeling, das dieser Modus vermitteln soll, nie so richtig einzustellen.

Alles in allem kann ich nichts anderes behaupten als dass The Show 19 mich ein bisschen enttäuscht. Es ist – das hört sich jetzt vielleicht widersprüchlich zur eben getätigten Aussage an – ein hervorragendes Spiel. Ich werde es genau wie seine Vorgängerversionen häufig spielen, ich werde Spaß daran haben und ich werde jedem, der nach meinem Rat fragt, den Kauf empfehlen. Trotzdem bleibt das ärgerliche Gefühl zurück, das man bei den Neu- und Weiterentwicklungen gegenüber The Show 18 zu oft ein kleines, aber entscheidendes Stück zu kurz gesprungen ist.

Dass Bryce Harper dieses Jahr das Cover zieren würde, stand seit Monaten fest – unklar war aber lange, welches Trikot er tragen würde.

Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller Sony zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

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März 23rd, 2018 by Silversurger

Wie üblich kommen kurz vor Beginn der MLB-Saison die etablierten Baseball-Videospiele mit neuen Versionen auf den Markt. Die Nummer eins unter ihnen ist seit Jahren „MLB The Show“, das seit 2006 existiert und am kommenden Dienstag, dem 27. März, in seiner dreizehnten Auflage namens „MLB The Show 18“ erscheint. Zum Leidwesen der Besitzer anderer Systeme ist The Show schon immer ein Titel, der exklusiv für die Playstation angeboten wird – früher für die Playstation 3, seit letztem Jahr nur noch für die Playstation 4. Bekommen kann man das Spiel in Deutschland über den gut sortierten Onlinehandel oder natürlich über den Playstation-Store – als Vorbesteller kann man The Show dort übrigens schon ab heute herunterladen.

Das Spielprinzip
Da ich auf diesem Blog zum ersten Mal eine Version von The Show vorstelle, beginne ich mit einer grundlegenden Beschreibung des Spiels. Wer schon frühere Versionen gespielt hat, kann getrost zur nächsten Überschrift springen.

The Show ist in erster Linie eine Simulation des Baseballspiels auf dem Feld, obwohl es auch Manager- und Storyelemente enthält. Das grundlegende Spielprinzip ist einfach: Wenn man am Schlag ist, kann man per Knopf oder Analogstick die Zielrichtung und die Härte des Schwungs beeinflussen, wobei vor allem das Timing entscheidend dafür ist, ob man erfolgreiche Hits landet oder nicht. Sobald man Baserunner hat, kann man zum Beispiel versuchen, Bases zu stehlen, man kann bei einem Flyball entscheiden, ob man direkt rennt, erst mal an der Base tagt und dann losläuft oder ganz dort bleibt usw. Kurz gesagt, man kann so ziemlich alles tun, was auch im echten Spiel möglich ist. Die Steuerung ist recht eingängig und bietet diverse Optionen, sie an den eigenen Geschmack anzupassen. Das gilt in gleicher Weise auch für die defensive Seite des Spiels: Man wählt aus dem Repertoire des jeweiligen Pitchers einen Pitch aus, lokalisiert den gewünschten Punkt innerhalb oder außerhalb der Strikezone und bestimmt dann je nach Steuerungsoption durch zeitgerechtes Knöpfchen- oder Hebeldrücken die Geschwindigkeit und Genauigkeit des Pitches. Sobald der Ball im Spiel ist, steuert man den jeweils nächsten Fielder, um den Ball entweder zu fangen oder ihn aufzunehmen und an die richtige Base zu werfen.

Im simpelsten Fall spielt man auf diese Weise eine einzelne Partie, wahlweise online oder offline, alleine oder mit zwei bis vier Spielern, von denen bis zu zwei ein Team gemeinsam steuern können. Natürlich kann man auch eine ganze Saison oder nur die Playoffs spielen. Einen Schritt weiter geht der Franchise Mode, bei dem man ein Team langfristig als General Manager führt. Man kann diesen Modus als reine Management-Simulation spielen, wobei man meiner Ansicht nach merkt, dass dies nicht der Schwerpunkt der Entwickler ist – mit einem puren Managerspiel wie „Out of the Park Baseball“ kann The Show in diesem Feld nicht mithalten (übrigens gibt es auch von OOTP eine neue Version, die ich im Laufe der nächsten Tage ebenfalls vorstellen werde). Was der Franchise Mode von The Show einem reinen Manager voraus hat, ist die Möglichkeit, in die Spiele aktiv einzugreifen und zwar entweder indem man sie komplett selbst steuert oder aber sich auf ausgewählte entscheidende Spielszenen beschränkt.

Ein weiterer Modus nennt sich „Road to the Show“ (RTTS). Hier schlüpft man in die Rolle eines einzelnen Spielers, dessen Geschicke man über seine gesamte Karriere hinweg steuert, von der Draft über die Minor Leagues bis in die MLB. Für mich persönlich ist das der Modus mit der größten Langzeitmotivation. Erfreulicherweise kann man einen Spieler, mit dem man RTTS in The Show 17 gespielt hat, in The Show 18 importieren und mit ihm weiterspielen. Dieses Fortsetzen von alten Spielständen ist übrigens auch im Franchise Mode möglich.

In „Diamond Dynasty“ baut man sich ein Team über virtuelle Sammelkarten und Items auf, ähnlich wie FIFA-Spieler es von „Ultimate Team“ kennen. Das ist für mich ein Modus, zu dem ich nie einen nennenswerten Zugang gefunden habe, aber das ist sicher Geschmackssache.

Für alle, die einfach mal ein paar Bälle über den Zaun hauen möchten, lohnt sich das Homerun Derby. Abgerundet wird das Portfolio des Spiels durch wöchentliche Online-Challenges sowie die Möglichkeit, verschiedene Trainings und Tutorials zu absolvieren.

Besonders gut finde ich, dass der Schwierigkeitsgrad von The Show sehr variabel ist und sowohl manuell als auch automatisch angepasst werden kann. Das funktioniert sehr gut, sodass das Spiel sowohl für langjährige Spieler wie mich als auch für absolute Neulinge wie meinen 6-jährigen Sohn gleichermaßen angemessen herausfordernd und nie frustrierend ist.

Die Neuerungen von MLB The Show 18
Kommen wir zu dem, was an The Show 18 anders ist als an den Vorgängern. Das ist zunächst mal nicht viel, jedenfalls was das prinzipielle Gameplay betrifft. Alles, was ich oben über das Spiel geschrieben habe, traf schon auf die vorherige Version zu und auch auf die davor. Das muss nichts Schlechtes sein, denn The Show ist einfach ein sehr gutes und sehr ausgereiftes Spiel, das man nicht jedes Jahr neu erfinden muss. Die meisten Änderungen sind dementsprchend eher kosmetischer Natur: Es gibt jetzt einen Batting Stance Generator und ein erweitertes Replay-System, die Reaktionen der Spieler und Zuschauer auf Ereignisse im Spiel sind vielfältiger und realistischer geworden, die Wettereffekte wurden verbessert, die Spieler sehen noch etwas lebensechter aus als zuvor und natürlich wurden alle Roster auf den aktuellen Stand gebracht. Was mir besonders gut gefällt ist, dass es jetzt auch Rain Delays gibt. Aber keine Sorge, das heißt nicht, dass man zwei Stunden untätig vor dem Bildschirm sitzen und warten muss, ob das Spiel fortgesetzt wird – man sieht aber, wie die Groundcrew aktiv wird, und darf zum Beispiel die taktische Entscheidung treffen, ob man den aktuellen Pitcher nach der Pause wieder aufs Feld schickt oder nicht.

Mehr als nur kosmetische Veränderungen gab es am Modus RTTS. Hier gibt es jetzt deutlich größere Storyanteile als früher. Man erstellt nun am Anfang nicht nur wie bisher einen Spieler, den man entweder frei oder in Anlehnung an einen realen Akteur gestaltet, sondern man wählt auch eine Grundausrichtung, das heißt ob man sich z. B. eher als Power Hitter sieht oder ob die eigene Spielweise mehr auf Kontakt und Speed beruht. Abhängig davon erhält man bestimmte Start- und Maximalwerte für die Spielerentwicklung. Zudem findet man sich gelegentlich in Dialogsituationen mit Scouts, Coaches und Managern wieder, in denen man unter verschiedenen Antworten wählen kann, welche wiederum Auswirkungen auf das Spiel haben.

Eine weitere Neuerung sind drei zusätzliche Teams, die in The Show aufgenommen wurden. Neben den 30 MLB-Teams plus Minor-Affiliates und den zwei aktuellen All-Star-Teams gibt es nun drei Teams mit Legenden aus je unterschiedlichen Ären des Baseballs. Auf diese Art sind nun auch beispielsweise Babe Ruth und Jackie Robinson mit von der Partie. Die Spieler aus den Legenden-Teams können auch im Homerun Derby gewählt werden und sind in die Diamond Dynasty integriert.

Was man noch besser machen könnte
Alles in allem liefert The Show 18 so ab, wie man es gewohnt ist: stark wie eh und je mit wohldosierten punktuellen Verbesserungen. Ich schicke daher erst mal eine klare Empfehlung voraus, bevor ich auf ein paar Punkte eingehe, an denen bei mir noch Wünsche offen bleiben.

Ich habe ja schon erwähnt, dass mir die neuen Rain Delays gut gefallen. Schön wäre, wenn man auch den nächsten Schritt ginge, indem für die längerfristig angelegten Modi auch Rainouts und die Ansetzung von Doubleheadern zu den möglichen Ereignissen gehören würden. Soweit ich es bisher erforschen konnte, gibt es so etwas in The Show 18 nach wie vor nicht.

Sehr schade finde ich, dass im Spiel die Tiefe der Minor Leagues nicht abgebildet wird. Berücksichtigt sind nur AA und AAA und selbst auf diesen Ebenen bietet The Show leider nicht die echten Ballparks. Enthalten sind nur die 30 MLB-Ballparks sowie 18 historische Ballparks, während für die Minor Leagues und das Spring Training nur je eine Handvoll Standardstadien zur Verfügung stehen.

Wo wir schon bei der Tiefe des Spiels sind: Eine Ausweitung würde ich mir nicht nur in Richtung Minor Leagues, sondern auch in Richtung Internationales wünschen. Ein guter Anfang wären ein paar Ballparks und Nationalmannschaften, um beispielsweise den World Baseball Classic nachspielen zu können. Reizvoll wären auch Nicht-US-Ligen wie die NPB oder die karibischen  Ligen – darauf zu hoffen, wäre wohl unrealistisch, obwohl die Manager-Simulation Out of the Park Baseball vormacht, wie es geht.

Die Darstellung des Spiels wird zwar von Jahr zu Jahr besser, aber mir fallen immer noch einige relativ alltägliche Szenen ein, die ich in The Show bislang noch nicht gesehen habe – zum Beispiel Kollisionen von Fieldern, die beide auf dem Weg zum Ball sind, oder Spieler, die beim Fangen eines Foulballs die Barriere zum Zuschauerraum überspringen. Hier könnte man also durchaus noch etwas tun.

Was ich mir außerdem sehr wünsche, sind mehr Statistiken. Die Sabermetrics-Revolution ist bislang relativ spurlos an MLB The Show vorüber gegangen, man sucht leider vergeblich nach fortgeschrittenen Indikatoren wie wRC oder DRS und nach Splits wie z. B. Ergebnissen gegen Rechts- und Linkshänder oder in Heim- und Auswärtsspielen.

 

 

Zum Schluss der übliche Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir zum Vorabtest als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest hier immer meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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