Mai 20th, 2021 by Silversurger

Es ist ganz offensichtlich das Jahr der No-Hitter in der MLB: Detroits Spencer Turnbull und Corey Kluber von den Yankees sind schon der fünfte und der sechste Pitcher mit einem Spiel ohne gegnerischen Hit in dieser noch relativ jungen Saison. Neben den No-Hittern häufen sich zurzeit leider auch die Verletzungen bei vielen Teams. Der prominenteste Ausfall dieser Woche ist Angels-Superstar Mike Trout, der mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel sechs bis acht Wochen pausieren muss. Auch Kevin Pillar, Centerfielder der Mets, wird eine Weile nicht spielen können, nachdem er einen Pitch ins Gesicht bekam und sich mehrfach die Nase brach. Ein erster Kandidat für die dämlichste Verletzung des Jahres steht auch schon fest: Huascar Ynoa, Pitcher der Braves, brach sich am Sonntag die Hand, als er aus Frust über die eigene Leistung auf eine Bank im Dugout einschlug.

National League
Jede Woche ein neuer Tabellenführer in der NL East? Das stimmte in letzter Zeit meistens, aber nicht dieses Mal. Die New York Mets (20-17) halten sich knapp vor den Philadelphia Phillies (22-21), auch und vor allem indem sie in den letzten Tagen die Atlanta Braves (20-23) durch eine gewonnene Serie auf Distanz gehalten haben. Dass die Mets sich so wacker schlagen, ist bemerkenswert – einerseits weil sie immer noch mit Abstand die wenigsten Runs der gesamten MLB auf dem Konto haben, andererseits weil sie zurzeit extrem ersatzgeschwächt antreten müssen: Mit Jeff McNeill, Michael Conforto, Kevin Pillar, Brandon Nimmo, J. D. Davis, Albert Almora, Luis Guillorme, Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Carlos Carrasco, Taijuan Walker und Seth Lugo stehen inzwischen mehr als die halbe Startformation plus die beiden wichtigsten Ersatzspieler und eine komplette Starting Rotation auf der Verletztenliste. 

In der NL Central haben die St. Louis Cardinals (25-18) sich zwar letztes Wochenende von den Padres sweepen lassen, doch zwei Siege gegen die Pittsburgh Pirates (17-25) genügten, um sich gegenüber der schwächelnden Konkurrenz in der Division ein Stück weiter abzusetzen. In den kommenden Tagen haben die Cardinals ihren Verfolger Nummer eins, die Chicago Cubs (21-21), in einer möglicherweise richtungsweisenden Serie zu Gast. Ebenso richtungsweisend kann auch die Serie der Milwaukee Brewers (21-22) bei den Cincinnati Reds (19-22) werden. Beide Teams kassierten zuletzt eine Menge Niederlagen und müssen darum kämpfen, nicht langfristig den Anschluss zu verlieren. 

Der Anschluss in der NL West ist für zwei Teams längst abgerissen. Zwischen den Arizona Diamondbacks (18-26) und den Colorado Rockies (15-29) auf der einen und den restlichen drei Teams auf der anderen Seite vollzieht sich eine Kluft, die selbst in noch weit über 100 ausstehenden Spielen unüberbrückbar erscheint. Das kommt nicht ganz überraschend – abgesehen davon, dass ich die San Francisco Giants (27-16) am unteren Rand der Kluft erwartet hätte statt an der Tabellenspitze, die sie zurzeit vor den San Diego Padres (27-17) und den Los Angeles Dodgers (25-18) behaupten. Ich habe hier schon ein paarmal geschrieben, dass die Giants auch etwas Glück mit dem Spielplan hatten, aber das ist jetzt vorbei: Am Wochenende treffen die Giants erstmals in dieser Saison auf die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), am Wochenende danach übrigens schon wieder. Nutznießer des Duells der Erzrivalen könnten die Padres sein, die den Covid-Ausbruch im Team sensationell weggesteckt und neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben.

American League
Mit der Hochspannung in der NL West kann in der American League vor allem die AL East mithalten. Die Boston Red Sox (26-18) stehen zwar seit Wochen an der Spitze, doch es ist inzwischen ein Vierkampf, und die Abstände zwischen Boston, den Tampa Bay Rays (25-19), den Toronto Blue Jays (23-18) und den New York Yankees (24-19) sind hauchdünn. Alle drei Verfolger haben sieben ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, die Rays sogar die letzten sechs am Stück. Die interessanteste Paarung der nächsten Tage steigt in Dunedin, Florida, wo die Blue Jays die Rays für vier Spiele empfangen. Es werden übrigens die letzten „Heimspiele“ sein, die die Blue Jays in dem nur wenige Meilen von Tampa entfernten Spring-Training-Park absolvieren. Ab 1. Juni wird das Übergangs-Zuhause ein Stück näher an die kanadische Grenze verlegt, in den Ballpark des AAA-Affiliates Buffalo Bisons.

Bei den Chicago White Sox (26-17) läuft es im Prinzip super. Zehn der letzten dreizehn Spiele – übrigens allesamt gegen die Kansas City Royals (20-22) und die Minnesota Twins (14-27) – wurden gewonnen, die AL Central führt man mit zwei Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (23-18) an. Dennoch herrscht nicht eitel Sonnenschein in Chicagos Süden, denn zwischen Team und Manager scheint es zu knirschen – mehr dazu später in diesem Artikel. Richtig mies läuft die bisherige Saison für die Twins. Was ist los mit dem Team, das als Co-Favorit mit den White Sox gestartet war, aber nun Letzter ist? Ein einzelner Grund lässt sich nicht festmachen, denn sowohl die Offense als auch die Starter finden ihren Rhythmus nicht, vom Bullpen ganz zu schweigen. Meine Vermutung ist, dass es in erster Linie eine Frage verlorenen Selbstvertrauens durch den schwachen Start ist. Um auch etwas Positives aus der Central zu berichten: Die Detroit Tigers (17-26) sind auf einer richtig guten Welle. Acht der letzten zehn Spiele hat der Außenseiter gewonnen, darunter sogar einen No-Hitter gegen die Mariners – auch dazu später mehr.

Apropos Seattle Mariners (21-23): Ihre Saison ist bisher eine ziemliche Achterbahnfahrt. Vom krassen Außenseiter schwangen sie sich auf zum Überraschungsteam und scheinen nun auf dem Weg zurück in die Niederungen der AL West. Von ihren letzten fünfzehn Spielen haben sie nicht nur zehn verloren, sondern sich dabei zweimal no-hitten lassen. Durch den Absturz der Mariners und die weiterhin wenig ermutigenden Leistungen der Los Angeles Angels (18-24) und Texas Rangers (19-26) entwickelt sich die Division immer mehr zu einem Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (26-18) und den Houston Astros (25-18). Die beiden stehen sich derzeit im direkten Duell gegenüber; nach je einem Sieg für beide Teams steht heute Abend ab 21:37 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Game um die Tabellenführung an.

Szene(n) der Woche
Hier hätte ich gern den Schlag von Huascar Ynoa gegen die Dugout-Bank gezeigt, aber leider ist davon kein Videomaterial zu finden. Stattdessen zeige ich euch zwei Aktionen, über die diese Woche in den sozialen Medien diskutiert wurde. Die erste ist ein Slide von Manny Machado. Im Spiel selbst war es keine große Sache: Machado slidet unter Tommy Edman, um den Tag und ein Doubleplay zu verhindern. Danach schaut er besorgt nach dem getroffenen Gegenspieler und da mit diesem alles in Ordnung ist, klatscht man sich ab und weiter geht’s. Auf Twitter und Co. entwickelte sich allerdings ein regelrechter Shitstorm wegen des angeblich schmutzigen Spiels von Machado. Was meint ihr dazu? Schmutzig oder nicht?

Und dann war da noch der Homerun von Yermin Mercedes. Ein Homerun ist eigentlich immer eine tolle Sache, aber der DH der White Sox schlug ihn in einer Situation, die einigen Verfechtern ungeschriebener Regeln als unanständig gilt: bei einer hohen Führung des eigenen Teams, einem Positionsspieler auf dem Mound und einem 3-0-Count. Dass sich in so einem Fall die gegnerischen Spieler und Fans ärgern, ist nicht außergewöhnlich, wohl aber, dass einem der eigene Manager öffentlich in den Rücken fällt. Mercedes habe einen Fehler gemacht und werde dafür interne Konsequenzen erleiden, ließ White-Sox-Skipper Tony La Russa nach dem Spiel wissen. Nachdem mehrere Spieler der White Sox und anderer Teams Mercedes verteidigten, darunter Pitcher Lance Lynn, legte La Russa nach: „Lance hat einen Spind, ich habe ein Büro.“ Das könnte noch interessant werden in Chicago…

    

Statistik der Woche 
61. So viele Strikeouts warf Yankees-Pitcher Gerrit Cole im Laufe von 41.2 Innings, ohne zwischendurch einen Walk zuzulassen. Das ist ein Rekord, der mindestens bis 1893 zurückreicht, das Jahr, in dem die heutige Entfernung zwischen Mound und Homeplate festgelegt wurde. Lustigerweise war die alte Bestmarke erst ein paar Tage vorher aufgestellt worden, nämlich von Corbin Burnes, der für die Brewers letzten Donnerstag den ersten Walk nach 58 Strikeouts zuließ. 

Spiel(e) der Woche
Für diese Kategorie habe ich keine andere Wahl als die beiden No-Hitter der letzten Tage zu präsentieren. Spencer Turnbull von den Tigers ist sicher der überraschendere der beiden Namen, die sich neu in die MLB-Geschichtsbücher eintragen durften. Beim 5:0 seiner Tigers gegen die Mariners pitchte er zum ersten Mal in seinem Leben über das siebte Inning hinaus und schloss das Spiel nach 117 Pitches ab. Er ließ nur zwei Baserunner zu, beide per Walk. 

Einen Tag später hatte Corey Kluber seinen großen Auftritt – ausgerechnet in Globe Life Field, wo er letztes Jahr den Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere erlebt hatte. Nur ein einziges Inning konnte er im Trikot der Texas Rangers pitchen, den Rest der Saison verpasste er mit Verletzungen. Bei den Yankees bekam er dieses Jahr eine neue Chance und seine gestrige Leistung zeigt eindeutig, dass er wieder da ist. Mit nur 101 Pitches fertigte er sein ehemaliges Team ab. Ein Walk für Charlie Culberson im dritten Inning war alles, was ihn von einem perfekten Spiel trennte.

Mein Einschalttipp
Heute und in den nächsten Tagen stehen reihenweise Spitzenspiele an, aber das bevorstehende Duell der ewigen Erzrivalen Giants und Dodgers ragt für mich noch ein Stück aus dem Rest heraus. Die beiden sehen sich in der Wochenendserie zum ersten Mal in dieser Saison. Je nach Schlafgewohnheiten kann man sich natürlich auch die beiden Nachtspiele von Freitag auf Samstag (3:45 Uhr) und Samstag auf Sonntag (1:15 Uhr) anschauen, aber für den Durchschnittseuropäer bietet sich wohl die Partie am Sonntag um 22:05 Uhr unserer Zeit an. Starting Pitcher sind Anthony DeSclafani (2.03 ERA, 3.28 FIP) für die Giants und Julio Urias (3.04 ERA, 2.92 FIP) für die Dodgers.

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März 5th, 2021 by Silversurger

Das zweite Jahr in Folge landen die Detroit Tigers in meiner Prognose auf Platz 26, mit ihrer tatsächlichen Bilanz der Saison 2020 schlossen sie auf Rang 28 der MLB ab. Das hört sich nach einer Franchise an, die auf der Stelle tritt. Aber damit würde man den Tigers nicht gerecht werden, denn im Schatten der aktuellen Resultate ist der Klub auf einem vielversprechenden Weg. Eine ganze Horde hochtalentierter Newcomer wartet darauf, sich in der Big League zu beweisen. Dazu gehören das Starter-Trio aus Matt Manning, Casey Mize und Tarik Skubal ebenso wie Infielder Isaac Paredes, Outfielder Daz Cameron und vor allem der Nummer-1-Draftpick des letzten Jahres, Spencer Torkelson, der ein spektakulärer Slugger zu werden verspricht. All diese Youngster werden im Laufe dieses oder spätestens des nächsten Jahres ins MLB-Roster aufsteigen und den Tigers ein komplett neues Gesicht geben. Formen soll dieses Gesicht ein neues Trainergespann unter der Führung von A. J. Hinch. Ja, das ist jener Hinch, der Anfang letzten Jahres wegen seiner Rolle im Sign-Stealing-Skandal für ein Jahr gesperrt wurde und den Job bei den Houston Astros verlor. Diese Konsequenzen musste er zurecht tragen, aber ebenso zurecht erhält er nun eine zweite Chance zu beweisen, dass er seinem Ruf als ausgezeichneter Fachmann auch ohne Schummeleien gerecht wird.

Voraussichtliches Lineup
C Wilson Ramos
1B Renato Nunez
2B Jonathan Schoop
SS Willi Castro
3B Jeimer Candelario
LF Robbie Grossman
CF JaCoby Jones
RF Nomar Mazara
DH Miguel Cabrera

Voraussichtliche Rotation
LHP Matthew Boyd
RHP Spencer Turnbull
RHP Michael Fulmer
RHP Jose Urena
RHP Casey Mize
Key Relievers: Bryan Garcia, Buck Farmer

Wichtigster Zugang
C Wilson Ramos (New York Mets)

Wichtigster Abgang
1B C. J. Cron (Colorado Rockies)

Bestes Prospect
1B/3B Spencer Torkelson

Größte Stärke
Die Farm: Die Tigers haben einige Jahre lang Draftpicks und Prospects gesammelt und scheinen kurz davor zu stehen, die Früchte ihrer Geduld und Arbeit zu ernten. Nach der Einstufung von Baseball America haben sie das viertbeste Farmsystem der Liga. MLB Pipeline stuft sie als das am zweitmeisten verbesserte System ein und führt fünf ihrer Prospects in den Top 100.

Größte Schwäche
Plate-Discipline: Im letzten Jahr hatten die Tigers die niedrigste Walk- und die höchste Strikeout-Rate von allen MLB-Teams. Das ist für ein junges Team nicht ungewöhnlich und zeigt dem neuen Hitting Coach Scott Coolbaugh, wo er einen ersten Schwerpunkt setzen muss.

Spannendste Frage
Was kann Miguel Cabrera den Tigers noch geben? Cabrera war einer der besten Hitter in der Baseballgeschichte, doch der bald 38-Jährige rechtfertigt den Platz im Roster seit vier Jahren nur noch eher schlecht als recht. Das Problem ist, dass der Klub ihm vertraglich in den nächsten drei Jahren noch rund 100 Millionen Dollar schuldet. Seine möglicherweise wichtigste Rolle in dieser Zeit wird die des Mentors für seinen designierten Nachfolger Spencer Torkelson sein. Für sich selbst kann Cabrera noch ein paar statistische Schallmauern jagen: Ihm fehlen drei Runs zu 1.500, 13 Homeruns zu 500 und 134 Hits zu 3.000.

Meine Prognose
Platz 5 in der AL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 7th, 2021 by Silversurger

Was für ein Start in das lang herbei gesehnte Jahr 2021: Zum Corona-Desaster kamen gestern Abend die unglaublichen und unwürdigen Szenen im und um das US-Kapitol hinzu. In Sachen Baseball gibt es derweil leider kaum Neues zu vermelden, das von den politischen und medizinischen Krankheiten ablenken könnte. Die wenigen nennenswerten Meldungen habe ich im Folgenden wie gewohnt zusammengefasst.  

MLB soll pünktlich starten, Minor Leagues später
Die MLB-Saison 2021 beginnt am 1. April. Angesichts der Pandemie sind solche Ankündigungen natürlich mit Vorsicht zu genießen, aber aktuell gehen sowohl die Liga als auch die Spielergewerkschaft MLBPA davon aus, dass der Termin gehalten wird. Entsprechende Ankündigungen wurden diese Woche veröffentlicht.
Anders sieht es für die Minor Leagues aus. Nachdem sie letztes Jahr wegen Corona die gesamte Saison absagen mussten, werden 2021 zumindest die Single-A- und Double-A-Ligen erst verspätet in den Spielbetrieb einsteigen. Die Entscheidung geht von der MLB aus, da man verhindern möchte, dass zu viele Spieler auf einmal an den Spring-Training-Standorten präsent sind. Die MLB- und wahrscheinlich auch die AAA-Teams sollen ihr Spring Training regulär durchführen, und erst wenn sie die Einrichtungen verlassen haben, rücken die Mannschaften der niedrigeren Ligen nach. Die Teams wurden bereits informiert, dass sie sich auf eine Saisondauer bis 3. Oktober einrichten sollen, einen vollen Monat länger als üblich.

Drei Free Agents weniger
Der Free-Agent-Markt entwickelt sich nach wie vor quälend langsam. Drei Namen kann man diese Woche von der Liste der Arbeitsuchenden streichen: Relief Pitcher Blake Treinen bleibt bei den Los Angeles Dodgers. Die beiden Seiten haben sich auf einen Zweijahresvertrag über 17,5 Millionen Dollar geeinigt; der Verein hat zudem die Option auf ein drittes Jahr. Outfielder Robbie Grossman heuert für zwei Jahre bei den Detroit Tigers an, die ihm dafür 10 Millionen Dollar zahlen. Die San Francisco Giants ergänzen ihren Kader um Catcher Curt Casali. Er erhält einen Einjahresvertrag über 1,5 Millionen Dollar.

Sugano entscheidet heute 
Einer der am stärksten umworbenen internationalen Free Agents ist der japanische Pitcher Tomoyuki Sugano. Für ihn endet heute Abend um 23 Uhr unserer Zeit das 30-tägige Zeitfenster für die Verpflichtung durch ein MLB-Team. Als Bewerber um seine Dienste wurden in den vergangenen Wochen die Boston Red Sox, die New York Mets, die San Diego Padres, die Texas Rangers, die Toronto Blue Jays und die San Francisco Giants genannt. Die meisten dieser Teams sind wohl aus dem Rennen, als wahrscheinlichste Kandidaten gelten kurz vor der Deadline die Blue Jays und die Giants. Es ist auch möglich, dass Sugano die Frist verstreichen lässt und sich damit für einen Verbleib bei den Yomiuri Giants in der NPB entscheidet. Der Klub hat ihm einen langfristigen Vertrag mit jährlicher Ausstiegsklausel angeboten für den Fall, dass er doch erst später sein Glück in der MLB suchen will.

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Dezember 24th, 2020 by Silversurger

Fröhliche Festtage allerseits! Der Grand Slam macht auch an Weihnachten keine Pause, fällt heute aber ein bisschen mager aus – es tut sich einfach nicht allzu viel im Baseball in dieser Zeit des Jahres. Feiert schön im kleinen Kreis und schaut spätestens am Dienstag wieder hier vorbei, denn dann gibt es die nächste Folge der Serie über die Skandale der MLB.  

Phillies befördern Fuld
Die Philadelphia Phillies treiben den Umbau ihres Front-Offices weiter voran: Nachdem letzte Woche Dave Dombrowski in der neu geschaffenen Rolle des President of Baseball Operations präsentiert wurde, wird ihm nun Sam Fuld als General Manager zur Seite gestellt. Fuld ist seit dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2017 für die Phillies tätig, bislang als Director of integrative Baseball Performance, eine Art Bindeglied zwischen der Analyseabteilung und den Spielern. Ebenfalls befördert wurde innerhalb der Organisation Jorge Vellandia, der künftig als Assistenz-GM tätig ist. 

White Sox sichern sich Yoelki Cespedes 
Eines der talentiertesten Teams der Liga angelt sich ein weiteres Top-Prospect: Die Chicago White Sox sind sich mit Outfielder Yoelki Cespedes einig und werden ihn im Januar gegen ein Handgeld von 2 Millionen Dollar unter Vertrag nehmen. Der 23-jährige Kubaner ist ein Halbbruder von Yoenis Cespedes. Yoelki (auf manchen Seiten auch „Yoelkis“ geschrieben) gilt als eines der größten internationalen Talente der wegen Corona verschobenen Signing-Periode 2020/21.

Neben Cespedes steht mit Oscar Colas ein weiterer Kubaner im Fokus des Interesses. Der Outfielder und Pitcher wurde nach einem längeren Tauziehen mit den japanischen SoftBank Hawks von der MLB zum Free Agent erklärt und kann nun ebenfalls ab 15. Januar verpflichtet werden. Der 22-Jährige wird demnächst einige Probetrainings absolvieren. Die White Sox sind aus dem Rennen um ihn vermutlich raus, nachdem sie einen Großteil ihres verfügbaren Bonuspools für Cespedes verwenden. 

Ein paar Free-Agent-Signings 
Auf dem Free-Agent-Markt haben sich in den letzten Tagen keine großen Namen bewegt, aber ein paar wenige MLB-Signings gibt es doch zu vermelden: Die Detroit Tigers verpflichten SP Jose Urena für ein Jahr zum Preis von 3,25 Millionen Dollar plus 250.000 Euro mögliche Einsatzboni. SP/RP Matt Andriese geht zu den Boston Red Sox. Er erhält dort mindestens 2,1 Millionen für die Saison 2021. Falls der Klub die Option auf ein weiteres Jahr zieht und Andriese sämtliche Einsatzprämien erreicht, kann er in den zwei Jahren bis zu 7,35 Millionen verdienen. Die Los Angeles Dodgers geben RP Tommy Kahnle einen Zweijahresvertrag über rund 5 Millionen. Das ist eine stolze Summe für einen Reliever, der voraussichtlich nur im zweiten Vertragsjahr spielen wird, da er nach einer Tommy-John-Surgery im August wohl 2021 kaum oder gar nicht eingesetzt werden kann. Die Cincinnati Reds schließlich haben RP Edgar Garcia an Land gezogen. Der kürzlich von den Rays entlassene Reliever erhält einen Vertrag über 600.000 Dollar für ein Jahr.

Gehälter fast 2,5 Milliarden niedriger als 2019
Im Jahr 2020 bezahlten die MLB-Klubs rund 1,75 Milliarden Dollar an Spielergehältern. Das ist ein extremer Abfall gegenüber 2019, als diese Zahl noch bei 4,22 Milliarden lag. Der Grund dafür ist natürlich die Corona-Pandemie, welche die Liga zu einer Verkürzung der Saison zwang und dazu, dass die vertraglich vorgesehenen Zahlungen nur anteilig nach Anzahl der Spiele erfolgten. Die Gehälter wurden dadurch gegenüber einer 162-Spiele-Saison um 63% reduziert. Dass die genannte Gesamtsumme nur 59% unter der Marke des letzten Jahres lag, zeigt, dass bei einer normal durchgeführten Saison die Gehälter gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen wären. Die höchste Payroll hatten die Dodgers mit 98,6 Millionen Dollar für ihre Meistermannschaft, gefolgt von den Yankees mit 86,3 Millionen.

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Dezember 15th, 2020 by Silversurger

In der Serie über die größten Skandale der MLB-Geschichte geht es heute um die Vergabe eines Batting-Awards im Jahr 1910. Die Firma Chalmers – ein Vorläufer-Unternehmen von Chrysler – hatte für den Spieler, der die Saison mit dem höchsten Batting-Average abschließt, ein Automobil ausgelobt. In der American League gab es um diese Gelegenheit ein enges Rennen zwischen Ty Cobb von den Detroit Tigers und Nap Lajoie von den Cleveland Naps. Der Verlauf dieses Rennens in den letzten Tagen vor Saisonende sowie sein Ausgang waren gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Eigentlich reden wir hier nicht von einem Skandal, sondern eher von vier kleinen Skandalen, die sich zu einem haarsträubenden Ganzen verbinden.

Skandal 1: Ty Cobb, der extrem ehrgeizige und wenig beliebte Superstar seiner Zeit, entschied sich, zugunsten seiner Statistiken in den letzten beiden Saisonspielen nicht mitzuspielen. Mit einem Average von .385 lag er gegenüber Nap Lajoie (.376) knapp in Führung, und seine beste Aussicht, diese Führung nicht zu gefährden, bestand darin, schlichtweg nicht mehr anzutreten. Egoistisch, unsportlich? Natürlich, aber gegen solche Kritik war Cobb schon lange unempfänglich geworden oder vielleicht auch schon immer gewesen.

Skandal 2: Die St. Louis Browns, die im finalen Doubleheader gegen Lajoies Naps antraten, sahen überhaupt nicht ein, dass Cobb sich durch Nichtstun den Titel und das Auto sichern wollte. Browns-Manager Jack O’Connor gab daher die Order aus, bei jedem At Bat von Lajoie den eigenen Third Baseman Red Corriden bis ins Outfield zurückzuziehen. Lajoie bedankte sich, indem er regelmäßig in Richtung dritte Base buntete und es so auf acht Hits in acht At Bats brachte. Er wäre damit an Cobb vorbei gezogen, doch in Lajoies letztem At Bat der Saison ging der Plan doch noch schief: Lajoie kam zwar auf Base, doch die Scorerin wertete Corridens Wurf an die erste Base als Error. Für die Statistik bedeutete das ein At Bat ohne Hit und in der Gesamtabrechnung einen Average von .384 für Lajoie.

Skandal 3: Obwohl die Browns gar nicht direkt betroffen waren, setzten sie auch nach der Partie weiterhin alles daran, Nap Lajoie den Batting-Titel zuzuschieben. O’Connor und Coach Harry Howell versuchten sogar, die Scorerin zu bestechen. Sie boten an, ihr ein neues Outfit zu kaufen, wenn sie den Error als Hit wertete. O’Connor und Howell wurden für diesen Vorfall später lebenslang gesperrt.

Der damalige MLB-Commissioner Ban Johnson hatte das letzte Wort, indem er die Batting-Averages von .385 (Cobb) und .384 (Lajoie) für gültig und somit Cobb zum Champion erklärte. Das allerletzte Wort hatte allerdings Hugh Chalmers, der kurzerhand ein Auto mehr zur Verfügung stellte, sodass sowohl Cobb als auch Lajoie sich über das edle Gefährt freuen durften. Bevor die Geschichte zuende ist, steht aber noch eine finale Wendung des Statistikdramas aus, quasi das allerallerletzte Wort in Form von

Skandal 4: Im Jahr 1978 stieß der Sportstatistiker Pete Palmer auf eine Ungereimtheit in den Zahlen aus der MLB-Saison 1910. Offenbar wurden bei der Ermittlung der Jahreswerte die Stats eines Spiels der Tigers doppelt gezählt. Cobb hatte in diesem Spiel zwei Hits in drei At Bats, die Doppelzählung hob seinen Batting Average von .383 auf .385 an. 68 Jahre nach dem unwürdigen Theater um den Chalmers-Award stellte sich somit heraus, dass Lajoie diesen in Wirklichkeit gewonnen hatte – wenn auch nur dank der unsportlichen Schützenhilfe der St. Louis Browns.

Die MLB hat den von Palmer aufgedeckten Fehler übrigens bis heute nicht korrigiert. In den offiziellen Statistiken wird Ty Cobb nach wie vor der Batting-Titel 1910 zugerechnet, die beiden doppelt gezählten Hits stecken sowohl in seiner Karriere-Anzahl von 4.191 (statt 4.189) als auch in seinem Karriere-Average von .367 (statt .366).

Die beiden Protagonisten Ty Cobb (Mitte) und Nap Lajoie (rechts) einträchtig nebeneinander. Über den Herrn links im Bild wird im Laufe dieser Serie noch zu reden sein. Wer erkennt ihn?

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November 5th, 2020 by Silversurger

In den letzten Tagen drehte sich in den USA alles um die Präsidentschaftswahl. Erwartungsgemäß waren Neuigkeiten aus der MLB in dieser Zeit dünn gesät. Drei Teams gaben allerdings am Wochenende wichtige Weichenstellungen für die kommenden Jahre bekannt, die ich euch in diesem Grand Slam am Donnerstag vorstellen möchte.

Cohen als neuer Mets-Owner bestätigt
Der Verkauf der New York Mets an den Hedgefonds-Milliardär Steve Cohen ist nun offiziell. Cohen erwirbt für rund 2,475 Milliarden Dollar 95% der Anteile von der bisherigen Owner-Gruppe um Fred und Jeff Wilpon. Auf dieses Geschäft hatte man sich bereits im August geeinigt, doch es fehlten noch Genehmigungen seitens der Stadt New York sowie seitens der restlichen Team-Eigner der MLB. Beide Zustimmungen sind Ende letzter Woche erfolgt. Die Fans der Mets hoffen, dass mit Cohen eine neue Ära für ihre Franchise anbricht. Im Gegensatz zu den als knauserig bekannten Wilpons wird Cohen deutlich stärker zugetraut, sowohl die Mittel als auch den Willen aufzubringen, massiv und dauerhaft in das Team und die Infrastruktur zu investieren. Erster Punkt auf der To-Do-Liste dürfte der Aufbau eines neuen Front Offices sein: Sandy Alderson wurde bereits als neuer Team-Präsident angekündigt. Ihm sollen sowohl ein President of Baseball Operations als auch ein General Manager zur Seite gestellt werden, der vermutlich nicht Brody Van Wagenen heißen wird. Darüber hinaus beabsichtigt Cohen, die Analsyse-Abteilung der Mets deutlich auszubauen.

La Russa zurück in Chicago
Die Chicago White Sox haben einen neuen Manager. Wie erwartet handelt es sich um einen alten Bekannten: Tony LaRussa nimmt zum zweiten Mal in seiner Karriere die sportlichen Geschicke des Klubs in die Hand. Der heute 76-Jährige hatte seine Managerkarriere 1979 bei den White Sox begonnen und war dort bis zu seiner Entlassung 1986 tätig. Anschließend managte er die Oakland Athletics (1986-1995) und die St. Louis Cardinals (1996-2011) und gewann insgesamt drei World Series. La Russa galt zu seiner Zeit als hervorragender Manager und wurde dafür 2014 in die Hall of Fame aufgenommen. Ob er sich und den White Sox  einen Gefallen damit tut, nach fast zehn Jahren aus dem Ruhestand zurückzukehren und als ältester Manager der Liga einen Draht zu einem ihrer jüngsten Teams zu suchen, wird sich zeigen müssen.

Zweite Chance für Hinch
Mit A. J. Hinch wagt ein weiterer Manager die Rückkehr nach einer Pause. In seinem Fall dauerte die Unterbrechung nur ein Jahr und erfolgte zwangsweise für seine Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros. Hinch gilt weder als Drahtzieher noch als Förderer der illegalen Vorgänge bei den Astros, wusste aber nach Einschätzung der MLB Bescheid und unternahm nichts dagegen. Nachdem er seine Strafe dafür abgesessen hat, handelten die Detroit Tigers sehr schnell, um sich seine Dienste als Nachfolger für den in Ruhestand getretenen Ron Gardenhire zu sichern. Das zügige Handeln dürfte klug von den Tigers gewesen sein, denn Hinch hat – von dem Skandal abgesehen – in seiner Zeit in Houston (2015-2019) großartige Arbeit geleistet und galt in dieser Offseason als heißer Kandidat für jedes Team mit offener Managerstelle.

Bauer lehnt Qualifying Offer ab
Von den sechs Spielern, die von ihren bisherigen Vereinen ein sogenanntes Qualifying Offer über 18,9 Millionen Dollar für eine Vertragsverlängerung von einem Jahr erhalten haben, hat Trevor Bauer als erster eine Entscheidung bekannt gegeben: Das Pitching-Ass der Cincinnati Reds lehnt das Angebot ab. Das ist keine Überraschung, denn es ist völlig klar, dass Bauer nach seiner herausragenden Saison einen höher dotierten Vertrag erhalten wird, sei es in Cincinnati oder woanders. Das Qualifying Offer war in seinem Fall nur ein formaler Vorgang, damit die Reds im Falle seines Abgangs eine Kompensation in Form von Draftpicks verlangen können. Für J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) ist die Situation ähnlich, auch sie werden das Offer sicher ablehnen. Die beiden einzigen Kandidaten, die es möglicherweise annehmen werden, sind die Pitcher Marcus Stroman (Mets) und Kevin Gausman (Giants). Die Spieler müssen ihre Entscheidung bis kommenden Mittwoch treffen.

Die Pirates lassen Archer ziehen
Die Pittsburgh Pirates haben entschieden, eine Verlängerungsoption im Vertrag von Chris Archer über 11 Millionen Dollar nicht zu ziehen. Archer ist damit Free Agent und endgültig Teil eines der unrühmlichsten Trades in der Geschichte der Pirates. Für ihn schickten die Pirates 2018 während der Saison Tyler Glasnow, Austin Meadows und das Talent Shane Baz zu den Tampa Bay Rays. Während bei den Rays Glasnow und Meadows umgehend zu Leistungsträgern wurden und Baz sich im Farmsystem auf die Profikarriere vorbereitet, war der vermeintliche Top-Einkauf Archer in Pittsburgh zu jeder Zeit eine herbe Enttäuschung. Der 32-Jährige brachte es 2019 auf 23 Starts mit 119.2 Innings und 5.19 ERA. 2020 musste er aussetzen nach einer Operation zur Behandlung des unter Pitchern gefürchteten Thoracic Outlet Syndromes. Man kann dem einstigen Top-Talent nur wünschen, dass ihm der Erfolg der OP und die Luftveränderung bei einem neuen Team helfen, seine Karriere zurück in eine erfolgreichere Spur zu bringen.

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Juli 2nd, 2020 by Silversurger

Die Vorbereitungen auf die MLB-Saison 2020 laufen auf Hochtouren: Alle Teams haben während der letzten Tage ihre erweiterten Kader mit bis zu 60 Spielern bekannt gegeben und das Training sowie Coronatests in ihren Summer Camps aufgenommen. Der Spielplan für die reguläre Saison steht leider noch nicht fest. Aller Voraussicht nach beginnt die Saison am 23. Juli mit einem Eröffnungsspiel der New York Yankees gegen den amtierenden Champion, die Washington Nationals. Einen Tag später steigen die restlichen Teams in ihr 60-Spiele-Programm ein. Das alles steht natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Pandemielage in den USA den Saisonstart zulässt.

Mindestens vier Spieler verzichten
Die Beteiligung an der Saison in diesem ungewöhnlichen Jahr ist den Spielern freigestellt. Bislang haben vier Akteure bekannt gegeben, dass sie von dem Recht Gebrauch machen werden, auf die Saison 2020 (und damit auch auf ihr Gehalt) zu verzichten. Rockies-Outfielder Ian Desmond, Diamondbacks-Pitcher Mike Leake sowie von den Washington Nationals First Baseman Ryan Zimmerman und Pitcher Joe Ross werden dieses Jahr freiwillig aussetzen. Desmond hat seine Entscheidung in einem lesenswerten Instagram-Post begründet. Im Wesentlichen argumentiert er damit, dass er das Spielen der Saison für ein Risiko hält, welches er als Vater von vier Kindern mit einer schwangeren Frau nicht einzugehen bereit ist – in meinen Augen eine sehr legitime und ehrenwerte Sichtweise.

Blue Jays vorerst in Florida
Für die Toronto Blue Jays als einziges MLB-Team außerhalb der USA ist weiterhin unklar, wo sie ihr Summer Camp und ihre Saisonspiele durchführen werden. Einstweilen hat sich das Team in der Spring-Training-Einrichtung des Klubs in Dunedin, Florida, gesammelt. Dort wartet man nun, ob die kanadischen Behörden grünes Licht für den Flug nach Toronto und für die Nutzung von Rogers Centre geben.

Rekordvertrag für Torkelson
Nach der MLB-Draft vom 10. und 11. Juni haben die meisten Teams inzwischen die Verträge mit den gepickten Spielern abgeschlossen. Der Nummer-1-Pick Spencer Torkelson hat mit den Detroit Tigers einen Rekordvertrag ausgehandelt: Er erhält für seine Unterschrift ein Handgeld von 8.416.300 Dollar. Der 20-jährige First Baseman wurde allseits als das Top-Talent dieser Draft angesehen und soll in Detroit langfristig die alternde Legende Miguel Cabrera ablösen.

Keine Minor Leagues 2020
Für die weit überwiegende Zahl der Baseball-Profis in den USA wird es keine Saison 2020 geben: Wie allseits erwartet worden war, haben die Minor Leagues die Saison wegen des Coronavirus komplett abgesagt. Das ist in Anbetracht der Lage sehr verständlich, aber auch ein herber Schlag für die betroffenen Spieler und sonstigen Angestellten.

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Mai 5th, 2020 by Silversurger

Detroit hat einen schönen, etwas außerhalb gelegenen Zoo. Aber um die prominentesten Raubtiere der Stadt zu sehen, muss man das Zentrum nicht verlassen, denn dort stehen einträchtig nebeneinander die Gehege der Footballer von den Detroit Lions – Ford Field – und der Baseballer von den Detroit Tigers – Comerica Park. Um letzteren geht es in der heutigen Folge meiner Serie über die Ballparks der MLB.

Großartiger Blick auf die Skyline (1)

Geschichte
Als Gründungsmitglied der American League, das zudem nie die Stadt oder den Namen gewechselt hat, sind die Tigers eine der traditionsreichsten Baseball-Franchises überhaupt. Nach einigen kurzlebigen Heimstätten zu Beginn der Teamgeschichte zogen sie 1912 in Navin Field ein. Das Stadion, das später in Briggs Field und schließlich in Tiger Stadium umbenannt wurde, war stolze 88 Jahre lang in Betrieb.

So sehr die Tigers und ihre Fans das alte Stadion liebten, war doch ab Mitte der 1990er Jahre absehbar, dass ein neuer Ballpark her musste. Die Stadt Detroit stellte in einer Initiative zur Belebung der Innenstadt den Standort für die Neubauten der Tigers und der Lions zur Verfügung. Als Architekturbüro wurden die etablierten Ballpark-Spezialisten von HOK Sports (heute Populous) ausgewählt. Diese konstruierten ein Stadion im bewährten retro-klassischen Design, das von Oktober 1997 bis April 2000 erbaut wurde. Die Comerica Bank erwarb für 66 Millionen Dollar die Namensrechte für 30 Jahre.

Das Eröffnungsspiel stieg am 11. April 2000 zwischen den Tigers und den Seattle Mariners und wurde von den Hausherren 5:2 gewonnen. Bei Temperaturen um 2 Grad Celsius und Schneefall wird sich schon an diesem ersten Betriebstag von Comerica Park der eine oder andere der 39.168 Zuschauer gefragt haben, ob es wirklich eine gute Idee war, auf ein Dach zu verzichten. Die Diskussion, ob man eine Überdachung, vielleicht sogar ein bewegliches Dach, nachrüsten soll, kommt bis heute immer wieder hoch.

2005 fand das All-Star-Game der MLB in Comerica Park statt, ein Jahr später erlebte der Ballpark seine ersten Playoff-Spiele und auch gleich seine erste World Series. Die Tigers verloren die World Series 2006 mit 1-4 gegen die St. Louis Cardinals. 2012 erreichten sie erneut die Meisterschaftsserie, in der si sich mit 0-4 den San Francisco Giants geschlagen geben mussten. In Comerica Park gab es bislang nur einen No-Hitter: Das Kunststück gelang Justin Verlander am 12. Juni 2007 beim 4:0-Sieg der Tigers gegen die Milwaukee Brewers.

Der Eingang lässt keine Zweifel, wer hier zu Hause ist (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Von außen sieht Comerica Park mit seiner Ziegelfassade im Grunde aus wie ein durchschnittlicher Ballpark der retro-klassischen Bauart – abgesehen davon, dass er von Dutzenden Tigerstatuen und -köpfen „bevölkert“ wird, die das Bild des Stadions massiv prägen. Ein weiteres extensiv eingesetztes Designelement sind die riesigen Baseballschläger, die zum Beispiel im obigen Bild über dem Eingang zu sehen sind. Diese Schläger sind keine willkürlichen Standardmodelle, sondern jeweils den Bats von legendären Tigers-Spielern nachempfunden.

Im Inneren des Stadions fällt zuerst die tolle Aussicht auf die Skyline von Detroit ins Auge. Aber auch das Spielfeld bietet einen ungewohnten Anblick: Zum einen hat der normalerweise runde Bereich um die Homeplate in Comerica Park selbst die Form einer Homeplate. Zum anderen verläuft zwischen der Homeplate und dem Mound ein Dirt-Streifen. Ein solcher Streifen war in frühen Ballparks üblich, ist heute aber eine Seltenheit. Meines Wissens ist Comerica Park zurzeit der einzige MLB-Ballpark mit diesem Feature, nachdem Chase Field in Arizona seinen Streifen letztes Jahr abgeschafft hat.

Bei jedem Homerun der Tigers wandert Blick automatisch zur Chevrolet Fountain, der großen Springbrunnen-Anlage hinter dem Centerfield, die zu diesen und anderen besonderen Ereignissen in die Höhe schießt.

Wasserspiele bei jedem Tigers-Homerun (3)

Weitere Besonderheiten von Comerica Park finden sich hinter beziehungsweise unter den Tribünen: Jenseits der 3rd-Base-Seite des Stadions steht ein 15 Meter hohes Riesenrad, in dem man für 2 Dollar ein paar Runden in einer baseballförmigen Kabine drehen kann. Der Innenbereich des Ballparks ist durchzogen von einem „Walk of Fame“. Wenn man vor dem Spiel genug Zeit hat, kann man dort auf einem Spaziergang die Geschichte der Tigers anhand von Fotos und Ausstellungsstücken nachvollziehen.

Ein Hit (nicht nur) für Kids: Das Riesenrad „Fly Ball“ in Comerica Park (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Als Comerica Park im Jahr 2000 eröffnete, wurden Detroits Baseballfans mit einem massiven Unterschied zum Vorgänger-Stadion konfrontiert: Während Tigers Park als einer der hitter-freundlichsten Ballparks der MLB galt, war das neue Stadion dank eines vor allem in den Ecken deutlich größer dimensionierten Outfields das genaue Gegenteil davon. Mit der Pitcherfreundlichkeit des Parks war man bei den Tigers nicht glücklich und so gab es schon bald – 2003 und 2005 – Umbauten, bei denen zuerst das Leftfield und dann das Rightfield verkleinert wurde. Das Ziel der Maßnahmen wurde erreicht, denn seitdem ist Comerica Park ein relativ ausgewogener Ballpark mit leichten Vorteilen für die Hitter.

Wo sitzt man am besten?
Das Team der Tigers befindet sich in einer Rebuilding-Phase, und das schlägt sich spürbar im Zuschauerinteresse nieder: Mit im Schnitt 18.767 verkauften Tickets war Comerica Park letztes Jahr nicht mal zur Hälfte ausgelastet. Daran dürfte sich kurzfristig wenig ändern, sodass man – sobald es wieder MLB-Spiele mit Zuschauern gibt, versteht sich – relativ leicht und günstig an Karten für Tigers-Spiele kommt.

Die beste Sicht hat man, wie in fast jedem Ballpark, von den unteren Plätzen um das Infield. Will man direkt hinter der Homeplate sitzen (Bereiche 125-130), muss man in der Regel mehrere hundert Dollar pro Sitz hinblättern. Auf Höhe der ersten oder dritten Base (120 bzw. 135) kann man aber bereits ein Schnäppchen mit hervorragenden Plätzen für 30 oder 40 Dollar machen.

Wenn man einfach nur ins Stadion kommen und dafür nicht viel ausgeben möchte, bieten sich die Blöcke 149-150 im hinteren Leftfield an. Da ist man zwar weit vom Geschehen, aber die Sicht ist unverbaut, man kann einen Blick in den Gäste-Bullpen werfen und zahlt für die Tickets mit etwas Glück nur 10 Dollar oder weniger.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Ed McDonald (CC BY-NC 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Lauren (CC BY-NC-ND 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: GabboT (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Perry (CC BY-NC-ND 2.0)

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April 9th, 2020 by Silversurger

Live-Baseball in Sicht: Zumindest an einem Ort der Welt, nämlich in Taiwan, soll am kommenden Wochenende die Saison starten. In den USA und Deutschland sind wir so weit noch lange nicht: Für die Bundesliga und die weiteren Ligen des DBV steht zurzeit noch der Termin 9./10. Mai für den Saisonbeginn, allerdings werden beim Verband auch andere Szenarien geprüft und man will die Situation nach Ostern neu bewerten. Ob und wann es eine MLB-Saison geben wird, ist zwar ebenfalls weiterhin offen. Es wurden aber diese Woche Pläne bekannt, nach denen man möglicherweise schneller als gedacht in den Spielbetrieb einsteigen könnte.

MLB-Saison in Arizona?
Bislang sind es nur Planspiele, aber die MLB und die Spielergewerkschaft scheinen zumindest ernsthaft in Betracht zu ziehen, unter ganz besonderen Bedingungen Ende Mai oder Anfang Juni die Saison 2020 zu beginnen. Der Kern des Plans ist, dass sämtliche Spiele ohne Zuschauer in der Gegend um Phoenix, Arizona, ausgetragen werden. Genutzt werden könnten das Stadion der Arizona Diamondbacks sowie diverse Spring-Training-Einrichtungen der Region. Alle 30 Teams und deren Angestellte sollen vor Ort relativ isoliert in Hotels untergebracht werden. Gereist wird nur vom Hotel zum jeweiligen Stadion und zurück, alle Beteiligten werden regelmäßig auf Coronaviren getestet.
Neben der enormen logistischen Herausforderung wären auch diverse Aspekte des Spiels zu regeln. Ein Vorschlag besteht zum Beispiel darin, eine elektronische Strikezone einzuführen, um dem Umpire mehr Abstand zum Batter und zum Catcher zu erlauben. Die Spieler, die gerade nicht auf dem Feld stehen, würden wohl auf die ansonsten leeren Zuschauerränge verteilt, um nicht zu eng im Dugout zu sitzen. Um möglichst nahe an eine volle 162-Spiele-Saison zu kommen, wird zudem erwogen, vermehrt 7-Inning-Doubleheader zu spielen, wie man sie aus den Minor Leagues sowie aus den College- und Amateurbereichen kennt.
Die Reaktionen unter den Betroffenen auf die Pläne sind gespalten: Sie reichen von Angels-Manager Joe Maddon, der sich zu allem bereit erklärt, wenn es nur endlich losgeht („I’ll play on the moon, I don’t care“), bis hin zu Spielern, die zumindest hinter vorgehaltener Hand kritisieren, dass sie nicht monatelang von ihren Familien getrennt werden möchten.

Taiwan beginnt Baseballsaison mit Roboter-Zuschauern
Am morgigen Freitag startet die taiwanesische Chinese Professional Baseball League (CPBL) als erste professionelle Baseball-Liga in die Saison 2020. In Taoyuan City findet das Eröffnungsspiel zwischen den Gastgebern und Titelverteidigern Rakuten Monkeys und den Chinatrust Brothers statt. Zahlende Zuschauer wird es nicht geben. Zu den umfangreichen Schutzvorkehrungen gehört eine Beschränkung auf unter 200 Personen im Stadion, darunter die Spieler, Trainer, Teamangestellte, Stadionpersonal, Ligaverantwortliche und Medien. Für Stimmung sollen (kein Scherz!) 500 Roboterpuppen sorgen, die in Fankleidung die Zuschauerränge bevölkern werden. Erklärtes Ziel der CPBL ist es, die regulären 120 Spieltage zwischen den vier Teams der Liga sowie die zweistufigen Playoffs duchzuführen. Zusätzliche Events wie das All-Star-Game und die Winterliga werden nicht stattfinden.
Wer sich Live-Baseball aus der CPBL gönnen möchte, kann für rund 30 Euro ein Abo von CPBL.TV abschließen. Ein Teil der Spiele wird zudem kostenlos auf Yahoo Sports Taiwan übertragen. Den Spielplan gibt es auf der Homepage der Liga leider nur in Landessprache. Wenn ihr euch reinarbeiten wollt, dürfte diese Anleitung in englischer Sprache helfen.

„Mr. Tiger“ Al Kaline stirbt mit 85
Die Baseball-Welt trauert um einen ihrer Stars aus den 1950er und -60er Jahren. Al Kaline starb am Montag im Alter von 85 Jahren zu Hause in Michigan. Kaline war 22 Jahre lang in der MLB aktiv gewesen und zwar nie für ein anderes Team als die Detroit Tigers. Wegen seiner großen Treue zu dem Klub, mit dem er 1968 die World Series gewann, nannte man ihn auch „Mr. Tiger“. Kaline wurde in seiner Karriere 18-mal ins All-Star-Team gewählt, gewann zehn Gold Gloves und einen Batting-Title. Nach seiner aktiven Zeit fungierte er als TV-Kommentator für die Spiele der Tigers sowie als Assistent des Managements und Mentor für zahlreiche Spieler.

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Februar 29th, 2020 by Silversurger

Mit 114 Niederlagen waren die Detroit Tigers das schlechteste Team der MLB-Saison 2019. Die gute Nachricht ist, dass der Tiefpunkt damit wohl erreicht ist und es von dort eigentlich nur noch aufwärts gehen kann; die schlechte ist, dass vor dem Weg nach oben vermutlich noch eine ausgedehnte Talsohle vor den Tigers liegt. Anders formuliert: Es wird eine weitere schmerzhafte Saison, als deren Highlight schon jetzt der Nummer-1-Pick in der Draft im Juni feststehen dürfte. Im Vergleich mit den bisher in der Vorschauserie besprochenen Teams sehe ich die Tigers in einer zumindest graduell interessanteren Position. Denn währen die Orioles, die Pirates, die Marlins und die Mariners meiner Ansicht nach ein Lock für Rang 5 ihrer jeweiligen Division sind, könnte es in der AL Central ein offenes Duell um Platz 4 zwischen Detroit und einem weiteren Team geben. Anlass zur Hoffnung geben Neuverpflichtungen wie Jonathan Schoop, C. J. Cron und Austin Romine – sie sind zwar alle nicht mehr als Platzhalter für die aktuelle Phase des Rebuildings, stellen aber trotzdem ein Upgrade gegenüber den jeweiligen Vorgängern dar. Zudem stehen einige Top-Prospects in den Startlöchern, die im Laufe der Saison ins MLB-Team sickern und den Zuschauern in Detroit einen Grund geben werden, wenigstens ab und zu mal im Ballpark vorbeizschauen.

Voraussichtliches Lineup
C Austin Romine
1B C. J. Cron
2B Jonathan Schoop
SS Niko Goodrum
3B Jeimer Candelario
LF Christin Stewart
CF Jacoby Jones
RF Cameron Maybin
DH Miguel Cabrera

Voraussichtliche Rotation
LHP Matthew Boyd
RHP Ivan Nova
RHP Jordan Zimmermann
RHP Spencer Turnbull
LHP Daniel Norris
Key Relievers: Joe Jimenez, Buck Farmer

Wichtigster Zugang
2B Jonathan Schoop (Minnesota Twins)

Wichtigster Abgang
LHP Matt Moore (SoftBank Hawks, Japan)

Bestes Prospect
RHP Casey Mize

Größte Stärke
Die Zukunft der Rotation: Zurzeit ist das Pitching-Staff der Tigers gelinde ausgedrückt eine Zumutung. Aber eine Rotation um Michael Fulmer, Matt Manning, Casey Mize, Tarik Skubal und Joey Wentz kann demnächst ein echtes Prunkstück werden.

Größte Schwäche
Miguel Cabrera: 2003 gewann er als 20-jähriger Cleanup-Hitter der Marlins die World Series, 2012 holte er als einziger Batter in den letzten 52 Jahren die Triple Crown, mit einem Karriere-Batting-Average von .315 führt er immer noch alle aktiven MLB-Spieler an. Miguel Cabrera ist eine Legende – aber leider nicht mehr viel mehr als das. Das Alter und ein kaputtes Knie fordern ihren Tribut von dem zukünftigen Hall of Famer. Für die Tigers ist er mit seinem Vertrag über noch vier Jahre und 124 Millionen Dollar längst zu einer riesigen Belastung geworden.

Spannendste Frage
Bringt Fulmers Rückkehr einen Schub? Pitcher Michael Fulmer wird nach seiner Tommy-John-Surgery vor einem Jahr zum Saisonstart noch nicht fit sein, aber vermutlich bis Mitte der Saison einsatzbereit werden. Sollte er die Form seiner beiden ersten Jahre erreichen, in denen er einen 3.45 ERA pitchte und Rookie of the Year 2016 wurde, wäre er eine enorme Verstärkung. Doch nach fast zwei Jahren verletzungsbedingter Abwesenheit ist jede Prognose äußerst unsicher.

Meine Prognose
Platz 5 in der AL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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