März 8th, 2018 by Dominik

Noch exakt drei Wochen sind es bis zum Saisonstart der MLB. Mike Moustakas, Jake Arrieta, Lance Lynn, Alex Cobb, Greg Holland und einige andere sind nach wie vor arbeitslos, während es in den vergangenen Tagen nur ein paar Verpflichtungen aus der zweiten oder dritten Reihe der Free Agents gab. Einige davon mussten sich mit einem Minor-League-Vertrag begnügen, nachdem der Markt in dieser Offseason für den Großteil der Spieler nicht viel hergab. Für den erwartungsfrohen Baseballfan gibt es immerhin schon seit zwei Wochen täglich Live-Baseball. Wenn man sich die aktuellen Stände im Spring Training anschaut, dann sieht das schon fast so aus, wie es auch in der regulären Saison laufen könnte: Die New York Yankees (10-2) führen die Grapefruit League an, die Chicago Cubs (9-2) die Cactus League, während sich ganz unten die Pittsburgh Pirates (3-7) und die Texas Rangers (3-8) tummeln.

Was bedeuten Spring-Training-Ergebnisse?
Nur zur Erinnerung, bevor die Fans der Yankees und der Cubs mit dem Feiern anfangen und die der Rangers und der Pirates Tränen vergießen: Die Ergebnisse des Spring Trainings haben nur einen ganz geringen Zusammenhang mit denen der regulären MLB-Saison. Letztes Jahr landeten zum Beispiel die Houston Astros im Spring Training nur bei 15-15, während Teams wie die Pittsburgh Pirates (19-12) oder die Los Angeles Angels (21-14) es auf hervorragende Bilanzen brachten – wir wissen alle, dass es nach der regulären Saison deutlich anders aussah.

Noch ein Tommy-John-Opfer bei den Rays
Schlechte Nachrichten für die Tampa Bay Rays: Nach Top-Prospect Brent Honeywell muss nun ein weiteres Pitching-Talent der Rays die Hoffnung begraben, dieses Jahr in der MLB sein Können unter Beweis zu stellen: José de León hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird sich genau wie Honeywell einer Tommy-John-Surgery unterziehen müssen. Die übliche Ausfallzeit nach dieser Prozedur beträgt 12 bis 14 Monate.

Ichiro zurück in Seattle
Für die Fans der Mariners und für einen der berühmtesten Spieler ihrer Geschichte wird ein Traum wahr: Ichiro Suzuki ist zurück in Seattle. Der 44-jährige Outfielder erhält einen Einjahresvertrag über 750.000 bis 2 Millionen Dollar und die Gelegenheit, seine großartige MLB-Karriere an dem Ort ausklingen zu lassen, an dem er die ersten zwölf Jahre davon verbracht hat. Für die Mariners war ein Move nötig geworden, nachdem in ihrem ohnehin dünn besetzten Outfield Ben Gamel für sechs Wochen ausfällt und auch Mitch Haniger und Guillermo Heredia angeschlagen sind. Ichiro stellt für die Mariners sowohl die benötigte Ergänzung auf dem Feld als auch eine willkommene Promotion- und Merchandising-Möglichkeit dar.

Rangers verpflichten kubanisches Talent
Die Texas Rangers haben 2,8 Millionen Dollar ihres internationalen Bonuspools investiert und sich die Dienste von Julio Pablo Martinez gesichert. Das 21-jährige kubanische Outfield-Talent erhält getreu den Regeln für internationale Verpflichtungen einen Minor-League-Vertrag sowie die genannte Summe als Signing Bonus. Martinez wird auf der Liste der Top-100-Prospects von Baseball America auf Rang 60 aufgenommen und ist damit das dritthöchste Prospect der Rangers.

Weitere Signings
2B/3B Ryan Schimpf konnte sich bei den Tampa Bay Rays, die ihn erst im Dezember von den San Diego Padres ertradet hatten, nicht durchsetzen. Gegen eine finanzielle Entschädigung lassen die Rays ihn nun weiterziehen zu den Atlanta Braves. Die Braves können ihn als Absicherung an der noch nicht endgültig besetzten dritten Base gebrauchen und ihn, da er noch zwei Jahre lang Minor-League-Optionen hat, ihn zwischendurch problemlos in der Farm parken.

Auch die Kansas City Royals haben noch etwas für die Tiefe ihres Kaders getan: Für ein Jahr und drei Millionen Dollar ergänzt Jon Jay das Outfield und Pitcher Ricky Nolasco bekommt einen Minor-League-Vertrag sowie die Chance, sich um einen Platz in der Starting Rotation zu bewerben.

Genau wie Nolasco hat auch Reliever Tyler Clippard keinen Erfolg dabei gehabt, einen neuen MLB-Vertrag zu finden. Auch er hat daher einen Minor-League-Vertrag unterschrieben in der Hoffnung, bei den Toronto Blue Jays so sehr zu überzeugen, dass er es zurück in die Majors schafft.

Allrounder Danny Valencia muss sich bei den Baltimore Orioles ebenfalls vorerst mit einem Minor-League-Vertrag zufrieden geben. Er hat allerdings die Option ausgehandelt, dass er 1,2 Millionen plus leistungsbezogene Bestandteile verdienen wird, sofern die Orioles ihn ins MLB-Team holen. Valencia ist hauptsächlich eine Absicherung für den Fall von Verletzungen, vielleicht aber auch für einen möglichen Trade von Manny Machado.

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Juni 26th, 2017 by Dominik

Ich bin sicher, kein Name eines früheren MLB-Spielers begegnet einem heutzutage häufiger – nicht Babe Ruth, nicht Willie Mays, nicht Ted Williams oder Hank Aaron und auch nicht Barry Bonds. Tommy John stellt sie mit seiner Präsenz alle in den Schatten – und manch einem läuft es immer, wenn sein Name fällt, kalt den Rücken runter. Das ist nicht deshalb so, weil er ein besonders unangenehmer Zeitgenosse wäre und auch nicht, weil er mit seiner Spielweise die Gegner in Angst und Schrecken versetzt hätte. Mit einem Karriere-ERA von 3.34 und vier Berufungen ins All-Star-Team war John ein sehr guter, aber kein alles überragender Pitcher. Doch ihm ist gelungen, was vor ihm noch niemandem gelungen war: Nach der irreparablen Schädigung des wichtigsten Stabilisierungsbandes in seinem Wurfellenbogen – des ligamentum collaterale ulnare (englisch: ulnar collateral ligament) – pitchte er dreizehn weitere Jahre lang in der MLB. Verantwortlich dafür ist eine Operationsmethode, die an Tommy John erstmals durchgeführt wurde und die seither nach ihm benannt ist: die berühmt-berüchtigte Tommy-John-Surgery.

Tommy John begann seine MLB-Karriere 1963 im Alter von 20 Jahren in Cleveland. Elf Jahre lang trat der linkshändige Starter für die Indians, die White Sox und die Dodgers an, dann schien seine aktive Zeit beendet: Der Ellenbogen spielte nicht mehr mit und John konnte nicht an der World Series teilnehmen, die die Dodgers in diesem Jahr erreichten. Johns letzte Hoffnung bestand in einer Methode, deren Erfolgschancen der Orthopäde und Teamarzt Dr. Frank Jobe mit 1:100 bezifferte: Das beschädigte Band wird entfernt und durch ein anderes Band ersetzt. Dieses Ersatzteil wird entweder dem Körper des Patienten selbst (meist aus dem Unterarm oder dem Bein) oder als Organspende einer Leiche entnommen.

Am 25. September 1974 führte Dr. Jobe die OP an Tommy John durch. Sie verlief ohne Komplikationen, zog aber eine langwierige Reha-Phase nach sich: Die komplette Saison 1975 verbrachte John damit, seinen Körper wieder an die Belastung des Pitchens heranzuführen und dabei seine Bewegungsabläufe so zu korrigieren, dass diese Belastung minimiert wird. Eine große Unterstützung war dabei sein Teamkamerad Mike Marshall, erfolgreicher Relief-Pitcher bei den Dodgers und promovierter Kinesiologe, der bereits bei Johns Entscheidung für die OP eine wichtige Rolle gespielt hatte.

1976, mit 33 inzwischen in einem Alter, in dem viele Profisportler in Rente gehen, begann Tommy John seine zweite Karriere, die länger und erfolgreicher war als die erste: Drei der vier All-Star-Berufungen und alle drei World Series, in denen er spielte, erreichte er in der Phase nach der Operation. Bis zu seinem endgültigen Karriereende im stolzen Sportleralter von 46 Jahren verpasste Tommy John kein einziges Spiel mehr aufgrund von Ellenbogenproblemen. Die drei größten Auszeichnungen blieben ihm jedoch versagt: Bei seinen drei Teilnahmen an den World Series zwischen den Dodgers und den Yankees (1977, 1978 und 1981) stand er jeweils auf der Verliererseite, beim Cy-Young-Arward landete er zweimal (1977 und 1979) auf Platz zwei und bei seiner letzten Chance, über das Wahlverfahren in die Hall of Fame zu gelangen, brachte er es 2009 nur auf 31,7% statt der benötigten 75%.

Die Tommy-John-Surgery war eine Revolution für die Sportmedizin, wenngleich eine von der schleichenden Sorte: Nach der ersten OP führte Dr. Jobe den Eingriff zwei Jahre lang nicht mehr durch, um zunächst den Erfolg bei John abzuwarten. Nachdem dieser gesichert war, nahm die Zahl der Tommy-John-OPs beständig zu und ist heute gängige Praxis insbesondere im Baseball, aber auch für andere Sportler wie Football-Quarterbacks und Speerwerfer, bei denen die Beanspruchung des Ellenbogengelenks durch häufige Wurfbewegungen ähnlich hoch ist. Die Erfolgsaussichten, nach der Operation wieder zu voller Einsatzfähigkeit zurückzukehren, werden heutzutage auf 85 bis 90 Prozent beziffert. Was sich seit der ersten Tommy-John-OP bis heute so gut wie gar nicht geändert hat, ist die nötige Erholungszeit: Ein Jahr für Pitcher und ein halbes Jahr für Feldspieler gelten nach wie vor als Mindestmaße für eine vollständige Erholung von dem Eingriff.

Ins Reich der Mythen und Märchen wird von den meisten Experten übrigens die Annahme verwiesen, man könne nach einer Tommy-John-Surgery härter und ausdauernder werfen als vorher – die bei zahlreichen Eltern den Wunsch entstehen ließ, ihre Kinder „vorsorglich“ der Operation zu unterziehen. Dass in einigen Fällen nach der OP tatsächlich bessere Leistungen erzielt werden als vorher sah (nicht nur) ihr Erfinder Dr. Jobe darin begründet, dass die Patienten nach der OP ein größeres Augenmerk auf das Training und die angemessene Beanspruchung des Gelenkes legen als vorher.

 

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