September 19th, 2019 by Silversurger

Entscheidung vertagt: Die Houston Astros, die Atlanta Braves und die New York Yankees haben in den letzten Tagen allesamt die Chance verpasst, den Gewinn ihrer jeweiligen Division in trockene Tücher zu bringen. Dass für sie noch etwas schief geht, dürfte allerdings nur eine theoretische Möglichkeit sein. Ernsthaft umkämpft sind zehn Tage vor Saisonende noch die beiden Central-Divisionen und vor allem die Wild Cards beider Ligen.

Unabhängig vom Endspurt um die Playoffs gab es diese Woche zwei unschöne Nachrichten: Mike Trout musste am Montag am Fuß operiert werden und fällt für den Rest des Jahres aus. Mit ihm und Christian Yelich, den es eine Woche zuvor erwischt hatte, verpassen die wahrscheinlichsten MVP-Kandidaten beider Ligen die Endphase der Saison. Die andere schlechte Nachricht ist, dass Pirates-Closer Felipe Vazquez verhaftet wurde. Wobei die Verhaftung an sich eine gute Nachricht ist, falls die Vorwürfe gegen Vazquez sich als zutreffend erweisen. Der 28-Jährige wird wegen Kindesmissbrauch angeklagt, er soll sexuelle Kontakte zu einer 13-Jährigen gehabt haben.

National League
Die Magic Number der Atlanta Braves (93-60) für den Gewinn der National League East beträgt 2. Das heißt entweder zwei Siege für sie oder zwei Niederlagen für die Washington Nationals (83-68) oder je eines von beidem und die Braves sind durch. In den letzten Tagen haben sie es noch mal unnötig spannend gemacht, indem sie zwei Spiele gegen die Philadelphia Phillies (78-72) verloren. Die Phillies stehen ebenso wie die New York Mets (79-73) nur drei Spiele hinter dem zweiten Wild-Card-Platz der NL. Allzu optimistisch bin ich für sie angesichts der anstehenden Spiele – noch eines gegen Atlanta, dann drei gegen Cleveland und fünf gegen Washington – allerdings nicht. Die Mets haben mit Cincinnati und den Miami Marlins (53-99) lösbarere Aufgaben vor sich, aber für einen ernsthaften Angriff auf die Playoffs dürfen sie sich keinerlei Ausrutscher mehr erlauben.

Sowohl die Phillies als auch die Mets stecken im Wild-Card-Rennen bislang hinter den Teams der NL Central fest. Die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers (82-70) stehen gleichauf und müssten sich, wäre die Saison jetzt zuende, ein Entscheidungsspiel liefern, bevor der Sieger das Wild-Card-Spiel gegen die Nationals absolvieren dürfte. Aber soweit sind wir noch lange nicht, denn noch haben beide Teams ein Auge auf den Divisionssieg geworfen. Die St. Louis Cardinals (85-67) stehen vorne, müssen in den verbleibenden zehn Spielen aber siebenmal gegen die Cubs spielen (siehe „Einschalttipp“). Die Cubs können die Angelegenheit somit noch aus eigener Kraft für sich entscheiden. Die Brewers haben einen deutlich leichteren Spielplan, müssen aber hoffen, dass die Cubs und die Cardinals sich gegenseitig so günstig die Punkte abnehmen, dass für sie selbst am Ende eine Wild Card oder gar der Divisionssieg herausspringt.

Über die NL West kann man nur sagen: Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen. Die Los Angeles Dodgers (98-55) stehen seit über einer Woche als Divisionssieger fest, für alle anderen Teams ist nichts mehr zu holen – auch nicht für die Arizona Diamondbacks (78-75) mit 4,5 Spielen Rückstand auf den Wild-Card-Platz und vier Teams, die man überholen müsste.

American League
Die New York Yankees (99-54) haben noch nicht die Schwelle von 100 Siegen erreicht und sie haben auch noch nicht die American League East gewonnen. Beides ist aber nur noch Formsache – wenn es nicht heute Abend gegen die Angels soweit ist, dann spätestens am Wochenende gegen die Toronto Blue Jays (61-91). Für die Tampa Bay Rays (90-63) wird die Saison spannend bis zum Ende bleiben. Zurzeit belegen sie den zweiten Wild-Card-Platz der AL, zwei Spiele hinter den Athletics und ein halbes Spiel vor den Indians. Als nächstes steht eine 4-Spiele-Serie gegen die von ihrer enttäuschenden Saison frustrierten Boston Red Sox (79-72) an.

Die AL Central ist immer noch eine der spannenden Divisionen, doch mit vier Spielen Vorsprung und ausschließlich Kellerteams auf dem restlichen Spielplan können die Minnesota Twins (93-59) sich nur noch selbst schlagen. Die Serie gegen die Cleveland Indians (89-63) am letzten Wochenende haben die Twins 2:1 gewonnen und damit die Zweifel am Divisionssieg so gut wie beseitigt. Der Blick der Indians ist nun klar auf eine Wild Card gerichtet. In der Hinsicht wären sie zurzeit der knapp ausgebootete Dritte, aber ein Sieg heute Abend gegen die Detroit Tigers (45-106) würde schon ausreichen, um wieder gleichzuziehen mit den Rays. Am Wochenende folgt eine 3-Spiele-Serie gegen die Phillies. Das ist eine interessante Konstellation für ein Interleague-Duell so spät in der Saison zwischen zwei Teams, die in die jeweiligen Wild-Card-Rennen eingebunden sind. 

Die erste Wild Card der AL würde derzeit in die AL West gehen. Dort stehen die Houston Astros (100-53) unmittelbar vor dem Gewinn der Division, während die Oakland Athletics sich nach acht Siegen aus den letzten zehn Spielen ein kleines Polster für die Wild Card zugelegt haben. Das Restprogramm der A’s klingt zudem äußerst vorteilhaft; es besteht aus den Texas Rangers (74-79), den Los Angeles Angels (69-83) und den Seattle Mariners (64-88). 

Szene der Woche 
Es ist nicht gerade das Jahr der Toronto Blue Jays, aber immerhin haben sie eine ganze Reihe interessanter junger Spieler, die Hoffnung für die nahe Zukunft machen. Einer von ihnen ist Cavan Biggio, Sohn des Hall-of-Fame-Mitglieds Craig Biggio. Cavan schlug am Dienstag zum ersten Mal in seiner jungen Karriere einen Cycle, also ein Single, ein Double, ein Triple und einen Homerun in einem Spiel. Sein Vater hat das genau einmal geschafft, am 2. April 2002. Die Biggios sind damit das zweite Vater-Sohn-Paar der MLB-Geschichte, in dem beide einen Cycle geschlagen haben. Das andere waren Daryle und Gary Ward.

Statistik der Woche 
1. So viele Baserunner hatten die Arizona Diamondbacks am Samstag in der Partie gegen die Cincinnati Reds. Sie gewannen das Spiel 1:0. Es war das erste Mal im modernen Baseball, das heißt seit mindestens dem Jahr 1900, dass ein Team ein Spiel gewonnen hat, in dem es nur einen einzigen Baserunner hatte. Der Baserunner war Nick Ahmed. Sein Triple im dritten Inning sowie der Sacrifice Fly von Jarrod Dyson gleich beim nächsten Pitch waren genug, um den Reds den fast perfekten Tag zu verderben.

Spiel der Woche
„It ain’t over till it’s over“ lautet eines der berühmtesten Baseball-Sprichwörter. Dass es wahr ist, bewiesen am Dienstag mal wieder die Minnesota Twins. Gegen die Chicago White Sox hatte man zunächst eine scheinbar beruhigende 5:0-Führung hergeschenkt und musste in die Verlängerung. Dort gingen die White Sox im elften Inning durch einen Homerun von Tim Anderson in Führung. Die Twins glichen aus, ein Sacrifice Fly von Mitch Garver scorte LaMonte Wade zum 6:6. Im zwölften Inning gingen die White Sox erneut in Front, dieses Mal sicherheitshalber mit zwei Runs durch den Homerun von Ryan Cordell. Aber auch davon ließen die Twins sich nicht zum Aufgeben bewegen. Ein 2-RBI-Single von Marwin Gonzalez brachte den erneuten Ausgleich und bereitete den Weg für eine  sehr ungewöhnliche Art, ein Spiel zu beenden: Ein Walkoff-Hit-by-Pitch von José Ruiz gegen Ronaldo Torreyes bei geladenen Bases entschied die Partie für die Twins.

Mein Einschalttipp
Die St. Louis Cardinals und die Chicago Cubs liefern sich ein ausgedehntes Finale um die NL Central. Sieben der letzten zehn Spiele absolvieren sie im direkten Duell, die ersten vier davon am kommenden Wochenende in Chicago. Jede dieser Partien wird heiß umgekämpft sein, also schaut sie euch an, wenn ihr könnt. Erfreulicherweise ist auch die Baseballabteilung von DAZN wieder ein bisschen aufgewacht und überträgt zwei der Spiele: das erste heute Nacht ab 1:15 Uhr, das zweite morgen Abend ab 20:20 Uhr. Eventuell kommt über MLB Network noch die Partie am Samstag, ebenfalls ab 20:20 Uhr unserer Zeit, dazu. Auf der sicheren Seite seid ihr mit mlb.tv, wo ihr zusätzlich zu den drei genannten Spielen auch das am Sonntag (erneut 20:20 Uhr) sehen könnt.

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November 29th, 2018 by Silversurger

Wenn es so etwas wie eine Saure-Gurken-Zeit in der MLB gibt, dann dürfte sie jetzt angebrochen sein. Es ist die Zeit, in der es immer mal wieder eine interessante Neuverpflichtung oder gar einen Trade gibt, bei dem man die Namen der Spieler schon mal gehört hat. Das meiste, was man hört, sind aber Spekulationen und Gerüchte. Traden die Giants Madison Bumgarner? Holen die Phillies sich Harper und Machado? Bauen die Athletics endlich ihr neues Stadion? Ich kann keine dieser Fragen beantworten, aber ich kann zumindest einen kleinen Überblick geben, was sich in den letzten Tagen in der MLB getan hat.

Tony Clark bleibt Kopf der Gewerkschaft
Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass die Teambesitzer der MLB den Vertrag mit Rob Manfred als Commissioner der Liga um fünf Jahre verlängert haben. Sein wichtigster Gegenpart, Tony Clark, wurde nun in seinem Amt als Vorsitzender der Spielergewerkschaft MLBPA ebenfalls bestätigt. Der Vertrag des früheren First Basemans wird bis 2022 verlängert. Damit ist nun klar, dass Clark und Manfred erneut die jeweiligen Verhandlungsführer sein werden, wenn das Collective Bargaining Agreement (CBA), quasi der Rahmentarifvertrag zwischen der Liga und den Spielern, neu diskutiert wird. Das aktuelle Vertragswerk läuft bis 2021.

Braves rüsten auf mit Donaldson und McCann
Die größten Free-Agent-Verpflichtungen dieser Woche gehen eindeutig auf das Konto der Atlanta Braves. Third Baseman Josh Donaldson, in meiner Liste der wichtigsten Free Agents immerhin auf Platz acht, erhält einen Einjahresvertrag über 23 Millionen Dollar. Ebenfalls für ein Jahr, wenngleich für „nur“ 2 Millionen Dollar unterschreibt Catcher Brian McCann. Die Braves haben dieses Jahr etwas überraschend die NL East gewonnen. Auf diesem Erfolg will man offensichtlich aufbauen, indem man das sehr junge, sehr talentierte Team um zwei erfahrene Veteranen ergänzt. Donaldson hat das Zeug zum Leistungsträger, sofern es ihm gelingt, gesund zu bleiben. Der 35-jährige McCann ist eher als Ergänzungsspieler zu sehen, aber er dürfte hochmotiviert ans Werk gehen, denn ihm wurde mit dem Wechsel nach Atlanta ein persönlicher Traum erfüllt. McCann wurde in einem Vorort von Atlanta geboren und spielte bereits von 2005 bis 2013 sehr erfolgreich für die Braves.

Ein paar weitere Neuverpflichtungen
Neben den Braves sicherten sich diese Woche ein paar weitere Teams Neuzugänge, die alle eher die zweite Reihe der MLB-Profis betrafen. Die aus meiner Sicht erwähnenswertesten möchte ich zumindest kurz aufgezählt haben: 1B C. J. Cron geht zu den Twins, 1B Jordan Patterson zu den Mets, OF Lonnie Chisenhall zu den Pirates, RP Adam McCreery zu den Dodgers, SP Ricardo Sanchez zu den Mariners, SP Matt Moore zu den Tigers, IF Ronald Torreyes zu den Cubs, RP Jesse Chavez zu den Rangers und SP Henderson Alvarez zu den Nationals.

Das nächste große Talent aus Japan
Die große Geschichte der letzten Offseason war das japanische Supertalent Shohei Ohtani. Ohtani landete letzten Endes bei den Los Angeles Angels und schaffte quasi aus dem Stand den Durchbruch in der MLB – aufsehenerregenderweise sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Trotz einer Verletzung, die ihn seit Juni weitgehend am Pitchen hinderte, wurde er zum Rookie des Jahres in der AL gewählt. Nun scheint das nächste Talent aus Japan vor dem Sprung nach Amerika zu stehen: Yusei Kikuchi von den Seibu Lions wird wohl Anfang nächster Woche offiziell zur Verpflichtung durch einen MLB-Klub freigegeben. Der linkshändige Pitcher ist 27 Jahre alt und spielt bereits seit sieben Jahren in der japanischen Profiliga NPB. Er bringt es dort auf einen Karriere-ERA von 2.77. Bereits als Schüler war 2009 eine ganze Reihe von MLB-Teams an einer Verpflichtung Kikuchis interessiert, doch er entschied sich damals, in Japan zu bleiben. Jetzt ist er offenbar bereit, den Schritt über den großen Teich zu wagen, und er könnte ohne Weiteres zu einem der begehrtesten Free Agents  dieser Offseason werden. Bei seinem letzten Spiel in der NPB waren Scouts der Yankees, Giants, Red Sox, Dodgers, Phillies, Brewers und Rangers anwesend und wahrscheinlich haben auch alle anderen Teams Kikuchi im Laufe des Jahres beobachten lassen. Sobald die Freigabe seitens der Seibu Lions erfolgt ist, haben die MLB-Teams 30 Tage Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen.

Ein neuer Ballpark für die Athletics?
Dass die Athletics gern einen neuen Ballpark hätten – idealerweise in Oakland, zur Not irgendwo anders – ist seit Jahren geradezu ein Running Gag in der MLB. Vielleicht tut sich nun aber wirklich etwas. Jedenfalls wurden am Mittwoch konkrete Pläne für einen Neubau offiziell veröffentlicht und ich muss sagen: Das rundherum begrünte, direkt am Wasser gelegene Stadion sieht auf den Zeichnungen sensationell schön aus. 2023 soll es eröffnet werden und obwohl Team-Präsident Dave Kaval keine Details zur Finanzierung verriet, soll auch diese weitgehend gesichert und mit der Stadt Oakland abgestimmt sein. Dass der Ballpark tatsächlich gebaut wird, glaube ich allerdings frühestens, wenn der erste Spatenstich erfolgt ist.

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April 26th, 2018 by Silversurger

Die MLB-Saison ist noch jung und doch ist sie für fast ein Drittel der Teams bereits gelaufen. Klingt hart, ist aber so – jedenfalls, wenn man den in der Regel recht guten Prognosen von Fangraphs Glauben schenkt. Laut selbigen ist nach vier Wochen MLB bereits für neun der 30 Teams die Wahrscheinlichkeit für eine Playoff-Teilnahme auf ein Prozent oder weniger gesunken. Das ist schade für die Rays, Orioles, Tigers, Royals, White Sox, Rangers, Marlins, Reds und Padres. Es erleichtert ihnen aber andererseits, ihre Mühen und Planungen klar auf die längerfristige Entwicklung ihrer Teams auszurichten, was die meisten von ihnen ohnehin schon tun. Zum Vergleich: 2017 waren zum gleichen Zeitpunkt nur zwei Teams so früh schon so deutlich abgeschrieben, die Padres und die Reds. 2018 geht die Schere also bislang deutlich schneller auseinander als im letzten Jahr und übrigens auch in den Vorjahren. Zum Glück sehen wir auf der anderen Seite der Tabellen aber auch einige sicher noch lange und enge Rennen um die Divisionen, sodass trotz der ungwohnt zahlreichen „Non-Contender“ für Spannung gesorgt ist. Insbesondere in der National League haben wir die interessante Situation, dass die Favoriten aller drei Divisionen mehr oder weniger einen Fehlstart hingelegt haben und nun schauen müssen, wie sie sich langsam wieder nach oben arbeiten.

National League
Auf die National League East trifft die Sache mit dem spannenden Rennen jedenfalls voll und ganz zu. Abgesehen von den Miami Marlins (7-17) machen sich hier alle Teams zurzeit berechtigte Hoffnungen, es in die Postseason zuschaffen. Da haben wir zunächst die New York Mets (15-7), die nach dem sehr starken Beginn zuletzt etwas nachgelassen haben. Insbesondere Matt Harvey und Steven Matz erlaubten sich schwache Starts, Harvey wurde sogar in den Bullpen herabgesetzt und ist damit alles andere als glücklich. Der von einer Verletzung zurückkehrende Justin Vargas soll das Loch in der Rotation stopfen. Sollten die Mets weiter schwächeln, stehen die Philadelphia Phillies (15-8) und die Atlanta Braves (13-10) schon bereit, um in die entstehende Lücke vorzustoßen. Beide spielen eine überraschend gute Saison und weisen mit +31 bzw. +27 bereits deutlich bessere Run Differentials auf als die Mets (+9). Die Braves erhoffen sich einen weiteren Schub durch ihr frisch im MLB-Kader angekommenes Top-Talent, den Outfielder Robert Acuna. Und dann gibt es da noch die Washington Nationals (11-14), die immer noch nicht richtig in Schwung gekommen sind und gerade eine Serie gegen die San Francisco Giants verloren haben, auf lange Sicht aber nach wie vor als Favorit auf den Divisionssieg gelten.

Die Parallele zur NL East ist unübersehbar, denn auch in der NL Central versteckt sich der Favorit, die Chicao Cubs (11-10) bislang auf dem vierten Platz. Und auch hier steht dahinter nur ein komplett hoffnungsloses Team, die Cincinnati Reds (5-19). Die Mannschaft der Stunde sind eindeutig die Milwaukee Brewers (16-9) mit derzeit acht Siegen am Stück. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass diese acht Siege gegen die Reds, die Marlins und die Royals eingefahren wurden, also gegen die wohl schlechtesten drei Teams der Liga. Umso mehr freue ich mich, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Cubs und den Brewers ansteht, die sicher dabei hilft, die Stärkenverhältnisse in der Division besser zu beurteilen. Mittlerweile nur noch Dritter sind die Pittsburgh Pirates (13-11), die einen furiosen Start hatten, dann aber von den letzten neun Spielen sieben verloren. Auch ihnen steht ein echter Härtetest bevor, denn am Wochenende müssen sie dreimal gegen die St. Louis Cardinals (14-9) ran, die ihrem Run Differential von +34 nach das aktuell stärkste Team der NL stellen.

In der NL West finden wir den Favoriten einen Platz höher als in den beiden anderen Divisionen, aber zufrieden werden die Los Angeles Dodgers (11-12) damit sicher nicht sein. Zuletzt verloren sie zweimal hintereinander gegen die Marlins, unter anderem einen Start von Clayton Kershaw. Wobei Kershaw und die anderen Starter – außer vielleicht Rich Hill – kaum Schuld tragen an den enttäuschenden Ergebnissen der ersten vier Saisonwochen. Es sind vielmehr der Bullpen und die Offensive, die bislang nicht mehr als mittelmäßige Leistungen bringen und somit weit weniger als es den Ansprüchen in Los Angeles entspricht. Nutznießer davon sind bislang vor allem die Arizona Diamondbacks (16-7), deren Siegquote von 69,6% NL-Spitze ist. Beeindruckend ist vor allem das Pitching der Diamondbacks, das so wenige Runs (73) zugelassen hat wie kein anderes NL-Team. Sehr viele Runs mehr, nämlich 130, haben die Colorado Rockies (14-12) zugelassen. Das ist in Colorado ein Stück weit normal, doch mit 111 erzielten Runs und somit einem Run Differential von -19 trotzdem bei einer positiven Bilanz zu stehen, hat auch mit Glück zu tun, das man bekanntlich selten auf Dauer hat. Die San Francisco Giants (11-13) stehen beispielsweise mit genau dem gleichen Run Differential zwei Plätze weiter hinten. Anders als bei den Rockies ist es bei den Giants vor allem die Offense, die ihrem Job nicht gerecht wird; 76 Runs sind mit Abstand die wenigsten in der NL und auch MLB-weit haben nur die Royals (72 Runs) weniger gescort, allerdings mit zwei Spielen weniger.

American League
Die Boston Red Sox (18-5) sind immer noch das stärkste Team der MLB – sie haben die meisten Siege, die höchste Siegquote (78,3%), die zweitmeisten erzielten (131) sowie die zweitwenigsten erlaubten (67) Runs und das mit Abstand beste Run Differential (+64) der Liga. Und doch hat die Dominanz der Red Sox in den letzten Tagen einige deutliche Risse bekommen. Der Knackpunkt war der No-Hitter durch die Athletics (siehe „Spiel der Woche“), nach dem auch das nächste Spiel gegen die A’s und anschließend ein weiteres gegen die Toronto Blue Jays (14-9) verloren wurde. Letzte Nacht sah es in Toronto erneut nicht gut aus für die Red Sox, die aber dank der Einzelleistung von Mookie Betts mit zwei Homeruns knapp als Sieger vom Platz gingen. Nachdem die Red Sox nach ihrem Wahnsinns-Start also wieder etwas geerdet sind, wird es in der American League East richtig interessant. Außer den Blue Jays haben nun auch die New York Yankees (14-9) mit zuletzt fünf Siegen am Stück die Verfolgung voll aufgenommen. Fünf Siege hintereinander haben übrigens auch die Tampa Bay Rays (9-13) geschafft und nebenbei letzte Nacht eine der interessanten Storys der Woche geschrieben: Sechs Jahre und drei Tommy-John-Surgerys nach seinem letzten MLB-Einsatz feierte Pitcher Jonny Venters mit einem Relief-Einsatz gegen die Baltimore Orioles (6-18) sein Comeback. Es war ein kurzer, aber erfolgreicher Auftritt, in dem Venters sein Gegenüber Chris Davis in vier Pitches zu einem Groundout brachte.

Die Cleveland Indians (13-9) tun das, was sie schon die ganze Saison über tun: in der Offense nur das Allernötigste, aber gerade genug, um auf der Basis hervorragenden Pitchings die Mehrzahl der Spiele zu gewinnen. Das tun sie in der AL Central derzeit relativ konkurrenzlos, denn mit den Detroit Tigers (10-12), den Chicago White Sox (5-16) und den Kansas City Royals (5-17) ist dieses Jahr generell kaum zu rechnen und nun sind auch noch die Minnesota Twins (8-11) mit sechs Niederlagen am Stück massiv abgestürzt. Nach je drei Niederlagen bei den Rays und den Yankees müssen sie heute noch einmal in New York antreten und sind dann sicher froh, diesen Auswärtstrip hinter sich zu haben. Zu Hause geht es am Wochenende gegen die Reds, die sich als Aufbaugegner für das schwächelnde Batting der Twins eignen könnten. Eine erschütternde Geschichte gibt es aus Chicago zu vermelden: Danny Farquhar, Reliever der White Sox, ist am Freitag während des Spiels gegen die Astros plötzlich bewusstlos zusammen gebrochen. Glücklicherweise wurde er schnell medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht, wo eine Gehirnblutung nach einem geplatzten Aneurysma festgestellt und operiert wurde. Die OP ist den Umständen entsprechend gut verlaufen, Farquhar ist nach Auskunft der Ärzte ansprechbar und kann Arme und Beine bewegen.

Puh, wie leitet man nach so einer Nachricht am besten zurück zum sportlichen Geschehen in der AL West? Ich schätze, das geht nur mit einem harten Cut. Die Houston Astros (17-9) sehen in jeder Hinsicht aus wie das Championship-Team, das sie sind. Vom berüchtigten World Series Hangover gibt es keine Spur, die Offense schnurrt ebenso reibungslos wie das Pitching. Wenn der viertbeste Starter eines Teams Dallas Keuchel heißt und einen ERA von 3.10 aufweist und der sechstbeste Reliever Brad Peacock mit einem ERA von 2.84, dann läuft in Houston offenbar eine ganze Menge richtig. Eines ist allerdings anders als letztes Jahr: Während der Divisionssieg der Astros 2017 quasi von Anfang an ein Selbstläufer war, gibt es in dieser Saison unübersehbar Konkurrenz. Insgesamt vier Teams der AL West haben eine positive Bilanz, nach den Astros allen voran die Los Angeles Angels (16-9), die auch gerade eine Serie in Houston mit 2:1 entführen konnten. Ebenfalls positiv stehen die Seattle Mariners (13-10) und völlig unerwartet die Oakland Athletics (13-12), die acht ihrer letzten zehn Spiele für sich entschieden. Ich rechne zwar sowohl bei den Mariners als auch bei den Athletics damit, dass sie sich mittelfristig unter .500 einpendeln werden, aber ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, mich von ihnen weiterhin überraschen zu lassen. Eine Überraschung wäre auch, wenn die Texas Rangers (9-17) in diesem Jahr noch mal ein Bein auf den Boden bekämen. Nach einem ohnehin schwachen Saisonbeginn musste nun nach SS Elvis Andrus und 2B Rougned Odor auch noch ihr Star-3B Adrian Beltre mit einer Oberschenkelverletzung auf die Verletztenliste.

Szene der Woche
Diese Kategorie zu füllen, fällt mir regelmäßig am schwersten, weil bei über 90 Spielen pro Woche immer eine Riesenauswahl an tollen Szenen besteht. Unbedingt eine Erwähnung verdient hat diese Woche auf jeden Fall das Triple Play der Mariners gegen die Astros mit freundlicher Unterstützung von Evan Gattis. Bartolo Colon ist sowieso immer für ein Highlight gut, dieses Mal indem er ein Wettrennnen gegen Dee Gordon, einen der schnellsten Spieler der MLB, gewinnt. Die sehenswerteste Szene war für mich jedoch der Single von Ronald Torreyes im Spiel seiner Yankees gegen Toronto vom Freitag. Statistisch sollte man den Hit eigentlich nicht Torreyes gut schreiben, sondern seinem Bat, denn dieser hat den Job ganz allein erledigt, nachdem er seinem Träger aus der Hand gerutscht war

Statistik der Woche 
21. So viele Pitches sah Giants-1B Brandon Belt am Sonntag in einem At-Bat gegen Angels-Pitcher Jaime Barria. Das war das längste At-Bat seit mindestens 30 Jahren, vielleicht das längste aller Zeiten – vor 1988 gab es keine so exakten Aufzeichnungen. Belt lag im Count relativ schnell mit 1-2 zurück, foulte den Ball dann 16-mal weg, zwischendurch ließ er noch zwei Balls passieren. Erst den 21. Pitch, einen mittelhohen Inside-Fastball, schlug Belt ins Spiel und schied aus, indem Kole Calhoun den Ball im Rightfield aus der Luft fing.

Spiel der Woche
Die Saison 2018 hat ihren ersten No-Hitter und es ist einer für die Geschichtsbücher: Denn die Red Sox waren von ihrer Siege-Niederlagen-Bilanz her das beste Team, das im modernen Baseball je einen No-Hitter gegen sich hinnehmen musste. Obendrein waren die Red Sox das Team mit der zweitlängsten Serie ohne No-Hitter gegen sich. Vor 25 Jahren waren sie das letzte Mal ohne Hit geblieben. Länger ist es mit fast 27 Jahren nur bei den Oakland Athletics her – ausgerechnet bei den Athletics, die am Sonntag auf der anderen, der guten Seite des No-Hitters stehen durften. Einen interessanten Fakt habe ich noch: Sonnntag war das erste Mal seit 1990, dass ein Team ge-nohittet wurde, während es die MLB in erzielten Runs anführte. Der Pitcher, der damals gegen die Blue Jays den No-Hitter einfuhr: Dave Stewart von den Oakland Athletics. Dieses Mal war es Sean Manaea, der sich die für jeden Pitcher ganz besondere Auszeichnung ans Revers heften darf, in einem kompletten Spiel keinen einzigen Hit zugelassen zu haben. Zweimal hatte er dabei Glück mit – völlig vertretbaren – Entscheidungen der Scorer und der Umpires: zuerst im fünften Inning, als Sandy Leon die erste Base nach einem Drop von Marcus Semien erreichte und dieser als Error gewertet wurde; dann im sechsten, als Andrew Benintendi zunächst ein Single zugerechnet wurde, die Review aber doch ein Out ergab, weil er den Basepfad verlassen hatte, um einem Tag zu entgehen.

Mein Einschalttipp
In Washington läuft über das Wochenende eine interessante Serie, wenn die Nationals auf die Arizona Diamondbacks treffen. Die beiden Teams haben bislang auf unterschiedliche Weise überrascht: die Diamondbacks im positiven, die Nationals im negativen Sinne. Gelingt es den Nationals, in den drei Heimspielen den Knoten in ihrer Offense zum Platzen zu bringen, ausgerechnet gegen den pitchingstarken Gegner? Es geht in der Nacht von Freitag auf Samstag um 1:05 Uhr unserer Zeit gleich mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Zack Godley und Stephen Strasburg los, das ihr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv verfolgen könnt. Falls ihr in der Nacht lieber schlaft (oder noch gar nicht zu Hause seid?): Die beiden anderen Spiele der Serie kommen zu deutlich europafreundlicheren Zeiten am Samstag (22:05 Uhr) und – erneut auch auf DAZN – am Sonntag (19:35 Uhr).

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