August 1st, 2019 by Silversurger

Die Trade-Deadline, die gestern Abend in der MLB anstand, bedeutet naturgemäß für viele Spieler den Abschied von ihrem Team und von dessen Fans. Dieses Jahr waren die Tage vor der Deadline besonders aufregend, denn zum ersten Mal handelte es sich nach einer Regeländerung um eine endgültige Frist, das heißt weitere Spielerwechsel sind für die laufende Saison ausgeschlossen. Die drei aufsehenerregendsten Trades dieser Woche waren die folgenden:

  • Die Houston Astros holen Starting Pitcher Zack Greinke von den Diamondbacks. Dafür schicken sie vier Minor-League-Prospects nach Arizona.
  • In einem Dreiecks-Trade gehen Starter Trevor Bauer von den Cleveland Indians zu den Cincinnati Reds und Outfielder Taylor Trammell von den Reds zu den San Diego Padres. Die Indians erhalten für die Trennung von ihrem Asss eine ganze Schar von Spielern: Outfielder Yasiel Puig von den Reds, Outfielder Franmil Reyes von den Padres und drei weitere Prospects.
  • Die New York Mets schicken ihre Pitching-Prospects Anthony Kay und Simeon Woods Richardson nach Toronto, um von den Blue Jays Starter Marcus Stroman zu akquirieren.

Nicht nur von einem Team, sondern von seiner gesamten Karriere als Baseballprofi hat sich einer der herausragenden Shortstops der jüngeren MLB-Geschichte verabschiedet: Troy Tulowitzki hatte nach bereits eineinhalb Jahren Verletzungspause und anschließender Entlassung durch die Blue Jays einen Comeback-Versuch bei den Yankees gestartet. Er brachte es auf nur fünf Einsätze in Pinstripes, bevor sein Körper ihm signalisierte und er selbst einsah, dass es genug ist. Der 34-Jährige will nun verstärkt für seine Familie da sein und nebenbei als ehrenamtlicher Assistenztrainer für die University of Texas arbeiten.

American League
Die New York Yankees (68-39) haben zur Deadline für eine große Überraschung gesorgt, indem sie nahezu komplett untätig geblieben sind. Bis zum Schluss galten sie als offensichtlicher Kandidat, mindestens einen Starter an Land zu ziehen, doch Verhandlungen um Zack Wheeler, Robbie Ray, Madison Bumgarner und andere führten allesamt nicht zu Abschlüssen. Der Führende der American League East behält somit seine offensichtliche Schwäche im Starting Pitching bei. Auch die Boston Red Sox (59-50) waren wenig aktiv, was in ihrem Fall mit der unklaren Ausgangssituation auch so zu erwarten war. Immerhin hatten sie schon vor zwei Wochen Andrew Cashner von den Baltimore Orioles (36-71) erworben. Die zwei restlichen Teams der Division waren hingegen sehr rührig: Die Tampa Bay Rays (62-48) verstärkten sich mit Jesus Aguilar, Trevor Richards, Nick Anderson und Eric Sogard, während die Toronto Blue Jays (43-67) als konsequenter Seller auftraten und neben Sogard und Stroman auch Aaron Sanchez, Joe Biagini, Daniel Hudson und David Phelps abgaben.

In der AL Central war die große Story der eingangs erwähnte Blockbuster-Trade der Cleveland Indians (63-44) um Trevor Bauer. Spitzenreiter Minnesota Twins (66-41) gönnte sich zwar nicht die allseits erwartete Verstärkung der Rotation, zog aber mit Sergio Romo (Marlins) und Sam Dyson (Giants) zwei starke Reliever an Land. Die Chicago White Sox (46-59) blieben erwartungsgemäß untätig. Überraschenderweise hatten auch die Kansas City Royals (40-70) eine relativ ruhige Deadline. Zwar gaben sie vor einigen Tagen Starter Homer Bailey und Reliever Jake Diekman nach Oakland sowie Catcher Martin Maldonado zu den Cubs ab, doch Kandidaten wie Ian Kennedy, Whit Merrifield und Billy Hamilton konnten nicht in Talente umgesetzt werden. Die Detroit Tigers (32-72) waren da konsequenter; sie hatten nicht viel anzubieten, wurden aber ihre größten Trade-Chips, Outfielder Nicholas Castellanos (Cubs) und Shane Greene (Braves) gewinnbringend los.

Wenn es so etwas wie einen Gewinner der Trade-Deadline gibt, dann sind es wohl eindeutig die Houston Astros (69-40). Mit Zack Greinke, Aaron Sanchez und Joe Biagini wurde das ohnehin schon starke Pitching-Staff noch einmal gehörig aufgerüstet. Das zweite Team der AL West mit größeren Trade-Aktivitäten sind die Oakland Athletics (61-48). Genau wie die Astros gönnten sie sich zwei Starter – Tanner Roark (Reds) und Homer Bailey (Royals) – sowie einen Reliever, Jake Diekman (Royals). Die Los Angeles Angels (56-54) blieben weitgehend untätig, ebenso die Texas Rangers (54-54), die lediglich Reliever Chris Martin nach Atlanta schickten. Die Seattle Mariners (47-64) trennten sich von Starter Mike Leake (Diamondbacks) sowie den Relievern Hunter Strickland und Roenis Elias (Nationals).

National League
Die National League East war eine der aktivieren Divisionen auf dem Trademarkt – vier von fünf Teams verstärkten sich zur Deadline. Den Anfang machten zur Überraschung aller die New York Mets (52-55), die in oben erwähntem Trade Marcus Stroman holten. Sie lösten damit Spekulationen aus, ob sie Stroman weitertraden oder einen Abgang Noah Syndergaards vorbereiten wollten, doch nichts davon geschah und auch Zack Wheeler und Todd Frazier blieben an Bord. Lediglich der durch Stroman überflüssig gewordene Veteran Jason Vargas wurde für ein nachrangiges Prospect zu den Philadelphia Phillies (56-51) geschickt. Die Mets scheinen sich als Contender zu sehen und vielleicht sind sie das ja wirklich: Nach 6 Siegen in Folge beträgt der Rückstand auf die Wild Card plötzlich nur noch viereinhalb Spiele. Zwischen der Wild Card und den Mets stehen unter anderem die Washington Nationals (57-51) und die Phillies. Die Nationals haben ihren traditionellen Schwachpunkt, den Bullpen, mit Hunter Strickland, Roenis Elias und Daniel Hudson ergänzt. Die Phillies gönnten sich neben Vargas Outfielder Corey Dickerson (Pirates) und Allrounder Jose Pirela (Padres). Bleibt noch der Spitzenreiter Atlanta Braves (64-45), der sich mit Catcher John Ryan Murphy (Diamondbacks) sowie den Relievern Shane Greene (Tigers), Chris Martin (Rangers) und Mark Melancon (Giants) verstärkte. Die Miami Marlins (41-65) waren wie erwartet Seller, indem sie die Pitcher Nick Anderson, Trevor Richards (beide Rays) und Sergio Romo (Twins) abgaben. Gespannt sein darf man, wie sie den von Tampa Bay erworbenen Ryne Stanek nutzen, der beim alten Klub häufig als Opening Pitcher eingesetzt wurde.

In der NL Central tobt mindestens ein Dreikampf um die Spitze, doch die Herangehensweise der Teams an die Trade-Deadline war sehr unterschiedlich. Die Chicago Cubs (57-50) waren sehr aktiv: Sie rüsteten auf mit den Verpflichtungen von Outfielder Nicholas Castellanos, Utility-Man Tony Kemp sowie den Relievern Derek Holland und David Phelps. Catcher Martin Maldonado holten Sie auch, tradeten ihn aber gleich weiter nach Houston für Kemp. Auch die Milwaukee Brewers (57-52) gingen ihre Schwachstellen an, indem sie mit Drew Pomeranz und Jordan Lyles zwei neue Starter holten. Überbesetzt waren sie an der ersten Base, daher war Jesus Aguilar entbehrlich und ging für RP/SP Jake Faria zu den Rays. Co-Tabellenführer St. Louis Cardinals (57-50) verzichtete komplett auf Verstärkungen. Die Cardinals schickten in ihrem einzigen Trade Infielder Jedd Gyorko zu den Dodgers und erhielten dafür Pitcher Tony Cingrani, der allerdings noch für den Rest des Jahres ausfällt. Schwer zu durchschauen sind für mich die Cincinnati Reds (50-56). Sie haben sich von Yasiel Puig, Tanner Roark, Scooter Gennett und Top-Prospect Taylor Tremmell getrennt, mit Trevor Bauer aber auch einen Spitzenspieler an Land gezogen. Die Pittsburgh Pirates (47-61) haben die Saison offensichtlich abgehakt, die Abgabe von Corey Dickerson und Jordan Lyles steht für einen klaren Seller-Ansatz.

Von den Los Angeles Dodgers (71-39) hätte ich größere Aktivitäten erwartet, aber sie beschränkten sich auf ein paar kleinere Moves und ließen den MLB-Kader weitgehend unangetastet. Die NL West werden sie auch so gewinnen, aber ob es so für die ersehnte World Series reicht? Auch die zum Tabellenende durchgereichten Colorado Rockies (50-59) blieben untätig, während die restlichen drei Teams der Division jeweils aktivere, wenngleich etwas rätselhafte Ansätze wählten. Die Arizona Diamondbacks (54-55) trennten sich von ihrer Nummer eins Zack Greinke, hielten aber an Robbie Ray fest und holten in Mike Leake einen Starter dazu. Die San Francisco Giants (55-53) vertradeten einen guten Teil ihres Bullpens – Sam Dyson, Mark Melancon, Derek Holland – sowie Starter Drew Pomeranz, behielten aber Madison Bumgarner und holten 2B Scooter Gennett dazu. Weder aus den Giants noch aus den Diamondbacks werde ich sonderlich schlau. Logischer erscheint der Ansatz der San Diego Padres (50-57): Mit Outfield-Prospect Taylor Trammell und Reliever Carl Edwards Jr. haben sie zwei Puzzleszücke für die kommenden Jahre geholt, ohne allzu viel dafür aufzugeben.

Szene der Woche 
Die Auswahl an sehenswerten Szenen ist diese Woche wieder mal sehr groß. Ein ernsthafter Kandidat ist sicher Trevor Bauers Wutanfall-Wurf vom Mound bis über den Centerfield-Zaun, als er nach einem schwachen Start ausgewechselt wurde. Es war seine letzte Aktion in der Uniform der Indians, wie sich einige Tage später herausstellte. Auch Yasiel Puig zeigte sich zum Abschied aus Cincinnati nicht von seiner angenehmsten Seite, denn seine letzte Amtshandlung als Red war die Beteiligung an einer Massenkeilerei mit den Pirates. Schöner ist, was Max Kepler ablieferte: Er schlug am Freitag den 200. Homerun der Minnesota Twins in diesem Jahr. Noch nie zuvor hat ein Team so früh in der Saison 200 Homeruns erreicht. Die für mich beeindruckenste Szene der letzten Tage war aber eine, die in die Statistik als simples 6-3-Groundout eingeht. Schaut euch dieses Hammerplay von Mariners-Shortstop J. P. Crawford an:

Statistik der Woche 
28.178. In dieser Saison purzeln bekanntlich reihenweise Homerun-Rekorde. Weniger präsent ist, dass auch die Zahl der Strikeouts ständig neue Höchstwerte erzielt. Seit 2008 wurde bereits elfmal in Folge in jedem einzelnen Jahr ein neuer Rekord für die meisten Strikeouts in einer Saison aufgestellt. Die Bestmarke aus dem Jahr 2018 liegt bei 41.207, in der laufenden Saison war es bis heute die eingangs genannte Zahl. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, bringen die Pitcher der MLB es dieses Jahr auf rund 42.600 Strikeouts. Die meisten „K“s gehen bislang auf das Konto von Houstons Gerrit Cole. 212 Batter hat er seit Saisonbeginn schon von der Platte gefegt.

Spiel der Woche
Die Orioles sind zwar in der Tabelle weit abgeschlagen und ihre Saison war eigentlich schon vor dem ersten Spieltag gelaufen. Aber auch so ein Team ist im Baseball gelegentlich gut für etwas Groß- und Einzigartiges. Donnerstagnacht lieferten die Orioles sich einen 16-Inning-Marathon mit den Los Angeles Angels, den sie letztlich 10:8 für sich entschieden. Das wäre an sich schon eine tolle Sache, aber das wirklich Besondere ist, dass erstmals seit der offiziellen Einführung dieser statistischen Kategorie vor 50 Jahren ein Positionsspieler einen Save verdient hat. Allround-Ersatzmann Stevie Wilkerson übernahm den Mound, nachdem Jonathan Villar das Team per 2-Run-Homerun in Front gebracht hatte. Mit 14 Pitches – keiner davon schneller als 56 Meilen pro Stunde – gelang Wilkerson ein 1-2-3-Inning gegen Brian Goodwin, Kole Calhoun und Albert Pujols.

 

Mein Einschalttipp
Heute gibt es einen Tipp für Kurzentschlossene: Die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals stehen an der Spitze der NL Central exakt gleichauf und auch die derzeitige Serie gegeneinander steht bislang 1:1-Unentschieden. Das ist eine spannende Konstellation vor dem Rubber-Match, das heute Nacht ab 1:15 Uhr ansteht. Als Starting Pitcher sind Jon Lester (3.63 ERA, FIP) für Chicago und Jack Flaherty (4.17 ERA, FIP) für die Cardinals vorgesehen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Juli 25th, 2019 by Silversurger

Für die MLB-Teams, die mit den Playoffs nichts zu tun haben, wird es diese Woche zum letzten Mal in dieser Saison richtig spannend, wenngleich nur jenseits des Platzes: Die Trade-Deadline steht an und somit die Chance, den einen oder anderen Spieler mit auslaufendem Vertrag an konkurrenzfähige Teams abzugeben und im Gegenzug möglichst vielversprechende Nachwuchstalente zu erhalten. Nach einer Regeländerung gilt die Deadline am 31. Juli dieses Jahr erstmals ohne Wenn und Aber. Während früher anschließend noch einen weiteren Monat lang die Möglichkeit bestand, über formale Umwege Trades einzufädeln, ist nun klar, dass es nach dem 31. Juli keine Wechsel mit Auswirkung auf die laufende MLB-Saison mehr geben wird. In der American League ist für die meisten Teams klar absehbar, ob sie zur Deadline als „Buyer“ oder „Seller“ auf dem Plan stehen, denn die Karten im Hinblick auf die Playoffs sind schon relativ eindeutig verteilt. In der National League ist das Bild weniger klar, da sich 14 von 15 Teams zumindest noch Außenseiterchancen auf die Postseason ausrechnen können.

National League
In der National League East sind mindestens drei Teams als potenzielle Käufer einzustufen. Die Atlanta Braves (60-43) haben keine offensichtlichen Lücken im Kader, scheinen aber auch nicht abgeneigt, noch einen Top-Spieler an Land zu holen. Ein Starting Pitcher dürfte das wahrscheinlichste Ziel sein. Auf dem Pitching-Markt werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die Washington Nationals (55-46) tätig werden, um mit ein, zwei neuen Relievern ihre Schwachstelle anzugehen. Die Philadelphia Phillies (54-48) hatten bereits eine sehr aktive Offseason und werden ihren Trend zum Aufrüsten fortsetzen. Auf ihrer Wunschliste stehen vor allem Spieler, die noch ein, zwei Jahre Vertragsdauer mitbringen und nicht nur die wenigen Monate bis Saisonende. Die New York Mets (46-55) sind zwar noch nicht endgültig aus dem Rennen, aber sie werden wohl realistisch genug sein, dieses Jahr abzuhaken und zu schauen, ob und wie sich die auslaufenden Verträge von Zack Wheeler, Todd Frazier und Jason Vargas versilbern lassen. Auch um Noah Syndergaard, der noch bis 2022 an den Klub gebunden ist, gibt es immer wieder Gerüchte. Der Preis für ihn dürfte allerdings hoch sein – während der für Wheeler durch dessen aktuelle Verletzung vermutlich deutlich gefallen ist. Die Miami Marlins (38-62) sind der eindeutigste Seller der NL. Veteranen wie Curtis Granderson, Neil Walker und Sergio Romo können Gegenwerte bringen, die das Rebuilding der Marlins voranbringen.

Die NL Central ist weit offen, daher wird hier wohl kein Team nennenswert als Seller auftreten. Die Chicago Cubs (55-47), die St. Louis Cardinals (54-47) und die Milwaukee Brewers (54-50) sind allesamt auf der Suche nach Relievern. Die Brewers hätten zudem nach der Verletzung von Brandon Woodruff gern einen weiteren Starter, während die Cubs nach einem guten rechtshändigen Batter Ausschau halten. Die Cincinnati Reds (46-54) und die Pittsburgh Pirates (46-55) befinden sich in uneindeutigen Situationen – nicht direkt im Playoffrennen, aber auch nicht abgeschlagen genug, um aufzugeben. In ihrer Situation ist damit zu rechnen, dass sie zur Trade-Deadline weder in die eine noch in die andere Richtung sonderlich aktiv werden.

Die Los Angeles Dodgers (67-37) gewinnen die NL West locker ohne weitere Verstärkungen, aber wie in den vergangenen Jahren werden sie auch dieses Mal versuchen, das eine oder andere Puzzlestück im Hinblick auf das große Ziel eines World-Series-Gewinns hinzuzufügen. Der Schwerpunkt dürfte klar auf Hilfe für den Bullpen liegen. Die restlichen Teams der Division können allesamt noch auf eine Wild Card spekulieren. Die Arizona Diamondbacks (52-51), die ohnehin bereits ein halbes Rebuilding-Projekt darstellen, könnten sich entscheiden, Leute wie Adam Jones und Zack Greinke auf den Markt zu werfen. Greinke steht noch bis 2021 unter Vertrag, ist mit 80 Millionen Dollar an garantiertem Gehalt aber auch extrem teuer. Die Colorado Rockies (47-55) und die San Francisco Giants (52-51) sehe ich als Kandidaten für eine eher untätige Herangehensweise an die Deadline. Das ist in beiden Fällen eine erstaunliche Entwicklung. Die Rockies sahen vor der Saison nach sicheren Contendern aus, konnten die Erwartungen aber bisher nicht erfüllen. Umgekehrt sind die Giants erst in den letzten paar Wochen quasi aus dem Nichts empor gekommen und plötzlich sieht es so aus, dass einst heiße Trade-Kandidaten wie Madison Bumgarner, Will Smith oder Sam Dyson womöglich gar nicht zum Verkauf stehen. Für die San Diego Padres (48-53) ist ebenfalls unklar, ob sie eher kaufen oder verkaufen wollen. Gebrauchen könnten sie einen Starter, idealerweise mit etwas längerem Vertrag als nur bis Saisonende. Guten Gegenwert würden sie für ihren Closer Kirby Yates erzielen.

American League
Die New York Yankees (66-35) gehören zu den klaren Favoriten, einen der verfügbaren Top-Starter zu akquirieren – jemanden wie Zack Wheeler, Mike Minor oder Marcus Stroman. Genau wie die Yankees haben auch die Tampa Bay Rays (58-47) genug Tradematerial in der Farm, um sich ordentlich zu verstärken. Sie dürften vor allem an einem rechtshändigen Batter interessiert sein, aber auch ein starker Reliever würde ihnen weiterhelfen. Die Boston Red Sox (56-47) befinden sich zurzeit im Niemandsland der American League East und sind auch von der Wild Card ein Stück entfernt. Die Ergebnisse der nächsten Tage werden ihre Herangehensweise an die Deadline beeinflussen. Wenn sie sich zum Aufrüsten entscheiden, dürfte ihr Fokus auf Hilfe für den Bullpen liegen, nachdem sie die Rotation bereits vor knapp zwei Wochen durch Andrew Cashner ergänzt haben. Die Toronto Blue Jays (39-65) sind gut bestückt mit dem, was viele suchen: Ihre Reliever Daniel Hudson und Ken Giles sowie Starter Marcus Stroman dürften zu den begehrtesten Trade-Chips der Liga gehören. Auch die Baltimore Orioles (32-69) sind klar in der Situation eines Sellers. Mindestens Closer Mychal Givens und Infielder Jonathan Villar werden in den nächsten Tagen gegen Talente eingetauscht werden.

Die Minnesota Twins (61-40) könnten einen Top-Starter sowie einen verlässlichen Reliever gebrauchen. Das ist allerdings das gleiche, was sehr viele suchen und man darf bezweifeln, ob die Twins zum Zahlen hoher Preise in Form guter und/oder zahlreicher Talente bereit sind. Ihr einziger Konkurrent in der AL Central, die Cleveland Indians (59-42), wird voraussichtlich wenige bis keine Trade-Aktivitäten entfalten. Die Gerüchteküche in Cleveland drehte sich in den letzten Wochen weniger um Verstärkungen als darum, ob man Starter Trevor Bauer auf den Markt wirft. Nachdem die Indians sich sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen eine stark verbesserte Position erarbeitet haben, dürfte das aber vorerst vom Tisch sein. Die Chicago White Sox (45-54) haben im Zuge ihres Neuaufbaus in den letzten Jahren ein Team mit jungen Spielern und langfristigen Verträgen zusammengestellt und werden ebenfalls wenig Interesse an Trades haben. Ein Wechselkandidat könnte allenfalls noch Veteran José Abreu sein, doch sowohl der Klub als auch der Spieler haben signalisiert, über den auslaufenden Vertrag hinaus miteinander arbeiten zu wollen. Die Kansas City Royals (39-64) werden sicher schon einige Angebote für Infielder Whit Merrifield prüfen. Zudem stehen Outfielder Billy Hamilton sowie die Reliever Jake Diekman, Wily Peralta und Ian Kennedy im Schaufenster. Auch bei den Detroit Tigers (30-67) können verstärkungswillige Teams fündig werden: Outfielder Nicholas Castellanos und Closer Shane Green werden in einer Woche wahrscheinlich einen neuen Arbeitgeber haben.

Die Houston Astros (66-38) schwimmen mit in dem Trend, in erster Linie nach Pitching Ausschau zu halten. Mindestens ein weiterer Starter soll her, vielleicht auch zwei angesichts der Verletzungsmisere in Houstons Rotation, dazu gerne ein Linkshänder für den Bullpen. Die Hauptkonkurrenten in der AL West, die Oakland Athletics (58-45), sind bereits einen Schritt weiter, denn sie haben schon Starting Pitcher Homer Bailey von den Royals an Land gezogen. Auch die A’s sind aber weiterhin an Pitchern interessiert, genauso wie die Los Angeles Angels (54-49), die vor wenigen Wochen noch nach Sellern aussahen, aber nun so gut dastehen, dass sie wohl kaufen werden. Trotz der jüngsten Erfolge sind die Schwächen in der Rotation schon länger unübersehbar, und durch den Tod von Tyler Skaggs und die Entlassung von Matt Harvey sind sie noch akuter geworden. Die Texas Rangers (51-51) befinden sich seit dem All-Star-Break im freien Fall und werden wohl als Seller auftreten. Starting Pitcher Mike Minor, Outfielder Hunter Pence und Reliever Chris Martin könnten interessante Optionen für andere Teams sein. Auf gar keinen Fall wird die Deadline verstreichen, ohne dass der tradefreudigste General Manager der Liga, Jerry Dipoto von den Seattle Mariners (42-63), aktiv geworden ist. Sicher vor einem Trade ist unter Dipoto niemand, als wahrscheinlichste Kandidaten für einen Arbeitsplatzwechsel gelten Starter Mike Leake und – trotz aktueller Verletzung – Second Baseman Dee Gordon.

Szene der Woche 
Auf dem Feld gab es in den letzten Tagen ein Triple-Play der Twins, einen Cycle von Trea Turner und Spiele von Robinson Cano sowie von Paul DeJong mit jeweils 4 Hits und 3 Homeruns. Meine Szene der Woche war aber die Aufnahmezeremonie der Baseball Hall of Fame. Mariano Rivera als erster einstimmig Gewählter aller Zeiten, zudem Roy Halladay, Edgar Martinez, Mike Mussina, Harold Baines und Lee Smith empfingen die ehrenvolle Aufnahme in den Kreis der Besten ihres Sports. Für den 2017 bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Halladay nahm seine Witwe Brandy an der Ehrung teil. Wenn ihr an einer etwas ausführlicheren Vorstellung der Hall-of-Fame-Klasse 2019 interessiert seid, werft doch mal einen Blick auf den Artikel, den ich früher im Jahr dazu geschrieben habe.

Statistik der Woche 
11. Am Jahrestag der Mond-Mission Apollo 11 haben die Astros 11 Runs gegen die Athletics erzielt und 11:1 gewonnen. Der 11. Run wurde mit dem 11. Hit der Astros durch den 11. Batter erzielt, den sie im dritten Inning an den Schlag brachten. Rookie-Phänomen Yordan Alvarez trug seinen Teil bei, unter anderem mit dem 11. Homerun seiner jungen Karriere. Starter Gerrit Cole warf 11 Strikeouts auf dem Weg zu seinem 11. Win des Jahres.

Spiel der Woche
Die New York Yankees und die Minnesota Twins sind zwei Schwergewichte der American League. Der Fight, den sie sich Dienstagnacht lieferten, war diesem Status mehr als würdig. Wie zwei Schwergewichtsboxer hauten sie sich in den späten Innings der Partie die scheinbar entscheidenden Schläge um die Ohren, immer wieder rappelte der Gegner sich hoch und schlug zurück. Aaron Hicks, Didi Gregorius, Miguel Sano und Gleyber Torres ließen sich allesamt zu früh für den vermeintlichen Knockout feiern, bevor es am Ende dann doch wieder Hicks war, der den Schlusspunkt setzte – nicht mit einem Schlag, sondern mit einem spektakulären Catch, der gegen den Flyball von Max Kepler im zehnten Inning bei zwei Outs und geladenen Bases ein neuerliches Comeback der Twins verhinderte und den 14:12-Erfolg der Yankees besiegelte.

Mein Einschalttipp
Da dieser Grand Slam am Donnerstag im Zeichen der Trade-Deadline steht, habe ich auch einen dazu passenden Einschalttipp: Die San Diego Padres treffen am Wochenende dreimal auf die San Francisco Giants. Für beide Klubs können der Verlauf und der Ausgang dieser Serie die Richtung weisen, wie sie an die Deadline herangehen. In der Partie am Sonntag treffen als Starting Pitcher voraussichtlich Chris Paddack (2.84 ERA, 4.02 FIP) für die Padres und Madison Bumgarner (3.66 ERA, 3.62 FIP) für die Giants aufeinander. Für Bumgarner geht es buchstäblich um seinen Job, denn sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und falls die Giants sich zum Verkaufen entschließen, wird er wohl der wahrscheinlichste Trade-Kandidat seines Klubs sein. Das Spiel läuft ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

März 14th, 2019 by Silversurger

Ich finde es kaum zu glauben, aber tatsächlich beginnt die MLB-Saison 2019 schon in weniger als einer Woche. Mit meiner Vorschau-Serie werde ich bis dahin nicht fertig werden, aber das macht nichts, denn die Oakland Athletics und die Seattle Mariners waren ja schon dran. Die beiden Teams werden am Mittwoch, dem 20. März, in Tokio das früheste MLB-Eröffnungsspiel aller Zeiten bestreiten. Als Starting Pitcher haben die Athletics Mike Fiers und die Mariners Marco Gonzales festgelegt. Der erste Pitch von Fiers wird um 10:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgen. Am Tag danach findet zur selben Zeit das zweite Spiel der Serie statt, bevor beide Teams nach Amerika zurückkehren und am 28. März gemeinsam mit allen anderen Klubs den allgemeinen Opening Day bestreiten.

Die zweite Trade-Deadline wird abgeschafft
Kurz vor Saisonbeginn haben sich die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred und die Spielergewerkschaft MLBPA auf zwei Regeländerungen geeinigt. Beide betreffen nicht das Spiel an sich, sondern die äußeren Bedingungen der Kaderzusammenstellung. Zum einen wird ab der Saison 2020 die Änderung der Rostergrößen eingeführt, über die ich letzte Woche schon berichtet hatte: Statt 25 umfasst ein aktives MLB-Roster dann 26 Spieler, ab dem 1. September jedes Jahres erhöht sich die Anzahl auf 28 (statt bisher 40). Die andere Änderung tritt schon zur Saison 2019 in Kraft: Die Unterscheidung zwischen zwei Trade-Deadlines – eine am 31. Juli für direkte Trades, eine zum 31. August für Trades über die Waiverliste – wird abgeschafft. Stattdessen gilt ab sofort eine harte Trade-Deadline am 31. Juli. Eine sinnvolle Änderung, wie ich finde. Sie macht das Verfahren erstens klarer und einfacher und zweitens zwingt sie gemeinsam mit den neuen Rostergrößen die Teams zu etwas weitsichtigerem Denken und Handeln in Bezug auf die Endphase der Saison.

Maldonado zu den Royals
Die Kansas City Royals waren zum Handeln gezwungen, nachdem ihr bisheriger Catcher Salvador Perez für die gesamte Saison ausfällt. Für Martin Maldonado erwies sich das als die Chance, auf die er die gesamte Offseason über gewartet hat. Er erhält von den Royals einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen plus bis zu 1,4 Millionen leistungsbezogene Boni. Maldonado war zuletzt für die Houston Astros aktiv. Er gilt als defensiv sehr starker Catcher mit eher begrenztem Potenzial im Offensivspiel.

Diamondbacks verpflichten Jones
Auch Outfielder Adam Jones hat lange auf ein neues Engagement warten müssen. Nach eigener Aussage hat der 33-Jährige kein Pokerspiel betrieben, sondern er hatte wirklich keine Angebote bekommen. Nun ist er aber doch noch bei den Arizona Diamondbacks untergekommen und wird dort in diesem Jahr 3 Millionen Dollar verdienen. Die Diamondbacks hatten einen klaren Need, nachdem A. J. Pollock zu den Los Angeles Dodgers gewechselt war. Mit Jones sowie dem Umschüler Ketel Marte stehen nun zwei Optionen für Pollocks Nachfolge im Centerfield zur Verfügung.

Nationals holen Sipp
Auch die Washington Nationals haben noch mal nachgebessert: Sie brauchten einen linkshändigen Reliever und haben ihn in Person von Tony Sipp gefunden. Sipp ist schon 35, hatte aber ein starkes Jahr 2018 für die Houston Astros (1.86 ERA über 38.2 Innings), bei denen es für ihn in den beiden Jahren zuvor nicht so gut gelaufen war. Sipp erhält 1,25 Millionen garantiertes Gehalt fur 2019 und eine beidseitige Option für die Saison 2020.

Guerrero Jr. fällt aus
Die Toronto Blue Jays mussten viel Kritik einstecken wegen ihres Vorhabens, Top-Talent Vladimir Guerrero Jr. frühestens 15 Tage nach Saisonstart in die MLB zu berufen, um sich ein zusätzliches Jahr vertraglicher Kontrolle zu sichern. Das Thema hat sich nun von selbst erledigt, denn Vlad Jr. fällt mit einer Bauchmuskelzerrung rund drei Wochen lang aus. Die Verletzung hat ihm sicher niemand gewünscht, aber aus Sicht der Blue Jays konnte kaum etwas besseres passieren, um selbst aus der Schusslinie zu geraten.

Dopingsperre für Martes
Leider gibt es auch diese Woche einen neuen Dopingfall in der MLB: Pitcher Francis Martes von den Houston Astros wurde des Gebrauchs von Clomifen überführt. Clomifen ändert den Testosteronspiegel und wirkt dadurch leistungssteigernd. Die Argumentation, dass Martes das Mittel zu einem anderen Zweck eingenommen hat, dürfte schwer fallen, denn eigentlich dient es der Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Martes erhält die üblichen 80 Spiele Sperre. Wegen einer Tommy-John-Surgery im letzten August hätte Martes die Saison 2019 ohnehin verpasst, doch durch die Sperre muss er für die Hälfte des Jahres auf sein Gehalt verzichten.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

August 30th, 2018 by Silversurger

Die Trade-Saison geht langsam, aber sicher ihrem Ende entgegen: Morgen, am 31. August, ist die Deadline für Waiver-Trades. Vereinswechsel sind danach theoretisch noch möglich, doch die betreffenden Spieler dürften in den Playoffs nicht eingesetzt werden. Die Philadelphia Phillies haben schnell noch mit OF/3B Jose Bautista von den Mets nachgerüstet, die Atlanta Braves mit 1B Lucas Duda von den Royals und C Rene Rivera von den Angels – beide sind übrigens ebenfalls ehemalige Mets. Ein hochkarätiger Spieler, der ebenfalls noch vor der Deadline den Klub wechseln könnte, ist 3B Josh Donaldson. Er wurde auf den Waiver gesetzt und die Blue Jays sind wohl sehr daran interessiert, ihn loszuwerden, um wenigstens das Gehalt aus seinem auslaufenden Vertrag zu sparen. Ein Trade könnte allerdings an der nötigen Gesundheitsprüfung scheitern, denn Donaldson ist noch im Aufbautraining nach einer Verletzung. Ein paar Waiver-Claims für prominente Spieler führten diese Woche nicht zu Trades: So konnten sich die Cincinnati Reds nicht mit den Brewers über Matt Harvey einigen und auch Billy Hamilton zogen sie nach Claim durch ein unbekanntes Team vom Waiver zurück, ebenso wie die Rays ihren Closer Sergio Romo.

Der Tag nach der Deadline, der 1. September, ist ein weiteres wichtiges Datum im MLB-Kalender: Ab diesem Tag dürfen die MLB-Teams in den Spielen statt auf einen ausgewählten 25-Mann-Kader auf ihren vollen 40-Mann-Kader zugreifen. Wir werden dann eine Menge sogenannter September-Call-ups sehen, größtenteils junge Spieler aus den Minor-Leagues, die Spielpraxis in der MLB erhalten und die Stammspieler in der Endphase der langen Saison entlasten sollen. Jetzt schauen wir aber erst mal, welches Bild sich zum Einstieg in diese Endphase in der MLB bietet:

American League
Die Boston Red Sox (92-42) sind immer noch mit großem Vorsprung das Top-Team der MLB und der American League East, doch ein bisschen ist der Zauber ihrer überragenden Saison zuletzt verblasst: Auf einer Strecke von acht Spielen gingen sechs verloren, darunter durch die Tampa Bay Rays (71-62) der erste Sweep gegen die Red Sox in der ganzen Saison. Gegen die Marlins gab es nun zwei Comeback-Siege für Boston, wodurch der Abstand zu den New York Yankees (84-49) wieder auf 7,5 Spiele gewachsen ist. Die Red Sox werden sich nicht mehr einholen lassen und sie werden auch locker die 100-Siege-Marke überspringen. Der Rekord von 116 Siegen, der zwischenzeitlich in Reichweite schien, ist aber erstmal in weite Ferne gerückt. Zudem stehen mit den White Sox, den Braves und den Astros ein paar unangenehme Gegner an.

Auch die Cleveland Indians (75-57) schwächeln gerade ein bisschen, kassierten aus den letzten sieben Spielen fünf Niederlagen. In der AL Central tut ihnen das angesichts der klaren Verhältnisse natürlich nicht sonderlich weh, noch nicht mal wenn die Niederlagen wie gestern gegen den Divisionszweiten Minnesota Twins (62-70) erlitten werden. Die Twins sind so weit hinter den Indians und gleichzeitig so weit vor dem Rest des Feldes, dass sich für sie in dieser dieser Saison nichts mehr tun wird. Immerhin um Platz drei ist inzwischen ein Kampf entbrannt, die Detroit Tigers (53-80) und die Chicago White Sox (53-80) stehen exakt gleichauf. Die beiden scheinen allerdings in unterschiedliche Richtungen unterwegs zu sein: Von ihren letzten 15 Spielen haben die White Sox 11 gewonnen, die Tigers hingegen haben 11 verloren.

In der AL West haben die Houston Astros (82-51) erfolgreich den Angriff der Oakland Athletics (80-54) abgewehrt, indem sie zwei der drei direkten Duelle gewonnen haben. Die A’s müssen damit die Träume vom Divisionssieg zumindest zurückstellen und sich erst mal auf die Sicherung ihres Wild-Card-Platzes konzentrieren. Gegen den direkten Konkurrenten, die Seattle Mariners (74-59), sollte in den ab heute anstehenden vier Spielen zumindest ein Split her, um den Vorsprung von 5,5 Spielen zu wahren. Für die Mariners könnte diese Serie bereits die letzte Chance sein, noch mal nah heranzukommen. Durch Niederlagen in den letzten drei Spielen – zwei in San Diego, eine in Arizona – haben sie die Gelegenheit verpasst, aus der verlorenen Serie der Athletics in Houston Kapital zu schlagen.

National League
In der National League East haben die Atlanta Braves (74-58) sich zwei unnötige Niederlagen gegen Schlusslicht Miami Marlins (53-81) geleistet. Dennoch haben sie ihre Position gegenüber den Philadelphia Phillies (71-62) gefestigt. Den Phillies scheint die Luft ausgegangen zu sein, jedenfalls haben sie seit vier Wochen keine einzige Serie mehr gewinnen können und das, obwohl es in dieser Zeit überwiegend gegen schwache Teams wie die Washington Nationals (67-67), die New York Mets (59-74), die Padres und die Blue Jays ging. Auf diese Weise sind die Phillies inzwischen auch im Wild-Card-Rennen ins Hintertreffen geraten und mit 2,5 Spielen Rückstand auf einen solchen Platz zurzeit das schwächste der fünf Teams mit ernsthaften Ambitionen.

Momentan würden beide Wild Cards an die NL Central gehen. Hier haben sich an der Spitze die Chicago Cubs (78-54) inzwischen etwas abgesetzt, vor allem durch eine Reihe von sieben Siegen in Folge, die erst gestern Abend bei den Mets ihr Ende fand. Dahinter halten sich aber auch die St. Louis Cardinals (74-59) und die Milwaukee Brewers (74-60) mehr als solide und verteidigen dadurch die Wild-Card-Plätze gegen die anderen Divisionen – zum Beispiel beim 2:1-Seriensieg der Cardinals bei den Rockies am letzten Wochenende.

Die NL West bleibt die spannendste Division der Liga. Während in jeder anderen Division inzwischen mindestens dreieinhalb Spiele zwischen dem Ersten und dem Zweiten liegen, liegt hier zwischen dem Ersten und dem Dritten nur ein einziges Spiel. Das sieht nach einem geradezu perfekten Zeitpunkt dafür aus, dass es ab heute vier Tage lang zum direkten Kräftemessen zwischen den Arizona Diamondbacks (73-60) und den Los Angeles Dodgers (72-61) kommt. Die Colorado Rockies (72-60) hoffen vermutlich, dass die beiden sich die Siege teilen, während sie selbst sich der einfacher erscheinenden Aufgabe gegen die San Diego Padres (52-83) widmen. Die San Francisco Giants (67-68) haben die Saison inzwischen abgehakt. Das könnte sich nicht deutlicher zeigen als daran, dass ihr Star-Catcher Buster Posey sich einer Hüftoperation unterzogen hat mit dem Ziel, nächstes Jahr schmerzfrei spielen zu können.

Szene der Woche
Das Spiel zwischen den Phillies und den Nationals am Dienstag war eigentlich ein Duell der beiden Cy-Young-Kandidaten Aaron Nola und Max Scherzer, doch in Erinnerung bleiben wird die spielentscheidende Aktion eines anderen Pitchers – und zwar nicht beim Pitchen. Vince Velasquez war von den Phillies als Pinch-Runner ins Spiel geschickt worden, um beim Stand von 4:5 bei einem Out im unteren neunten Inning den langsamen und erst vor Kurzem von einer Verletzung genesenen Wilson Ramos an der zweiten Base zu ersetzen. Das war wohl keine gute Idee, denn Velasquez ging die Aufgabe mit einer gehörigen Portion Übermut an: Bei einem Flyball ins Centerfield tagte er die Base, um nach dem Catch von Michael Taylor die dritte Base zu erreichen. Das war eine eigenmächtige, riskante und relativ unnötige Entscheidung. Dann ging auch noch der Slide über die Base hinweg, aber da der Wurf nicht gut ankam, war Velasquez safe. Jedenfalls dachte er das, doch sowohl der Gegner als auch die Umpires hatten aufgepasst und gesehen, dass er die zweite Base verlassen hatte, bevor Taylor überhaupt am Ball war. Velasquez war somit das dritte Aus und das Spiel verloren. So kann’s gehen, sogar unter MLB-Profis.

Statistik der Woche 
50. So viele Saves hat Edwin Diaz als Closer der Mariners dieses Jahr bislang erzielt. Das haben in der MLB-Historie erst 16 Pitcher vor ihm geschafft und es ist noch ein ganzes Stück Saison übrig. 29 Spiele haben die Mariners noch vor sich, in denen Diaz sich an den Rekord von Francisco Rodriguez (62 in der Saison 2008) heranarbeiten oder diesen sogar noch übertreffen kann. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Mariners ihm auch weiterhin genug Gelegenheiten dafür schaffen. 54 Chancen auf einen Save haben sie ihm bisher gegeben, das sind 12 mehr als irgendein anderer Closer dieses Jahr hatte. Noch eine nette Geschichte am Rande: Mariners-Manager Scott Servais hatte Diaz im Juli versprochen, dass er sich dessen Frisur zulegen würde, wenn er 50 Saves schafft. Servais hat sein Wort gehalten.

Spiel der Woche
Das Spiel der Reds gegen die Brewers letzte Nacht sparte nicht an Highlights. Zum einen gab es eine Menge Hits, 36 an der Zahl, die zu insgesamt 25 Runs und einem knappen 13:12-Sieg der Gäste aus Milwaukee nach mehreren Führungswechseln führten. Der interessanteste Hit war ein 3-Run-Homer von Reds-Reliever Michael Lorenzen, den dieser erzielte, nachdem er schon einen vermeintlichen Strikeout bei einem verunglückten Bunt erlitten hatte. Die größte Story des Tages war aber Brewers-Outfielder Christian Yelich, der ein absolut überragendes Spiel hatte: Er erzielte bei 6 Versuchen 6 Hits, darunter ein Cycle, und war obendrein mit einem perfekten Wurf aus dem Outfield für ein Aus an der Homeplate verantwortlich. Man sollte meinen, mit so einer Leistung gewinnt man ein Spiel locker im Alleingang, aber dass es für die Brewers nach zehn Innings zum knappen Sieg reichte, war nicht möglich ohne das Wirken von Jesus – genauer gesagt den Homerun von Jesus Aguilar im zehnten Inning.

Mein Einschalttipp
Die Baseballwelt schaut nach Los Angeles, denn dort spielen die Dodgers und die Arizona Diamondbacks an diesem Wochenende die Spitze der NL West unter sich aus (oder sie machen die Colorado Rockies zum lachenden Dritten). Die ersten drei Spiele finden aus mitteleuropäischer Sicht leider allesamt tief in der Nacht statt, daher ist mein Einschalttipp Spiel vier, das ihr am Sonntag ab 22:10 Uhr sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv sehen könnt. Starting Pitcher in dieser Partie werden voraussichtlich Clay Buchholz (2.07 ERA, 3.41 FIP) für Arizona und Walker Buehler (3.02 ERA, 3.21 FIP) für Los Angeles sein. Das ist ein interessantes Matchup zwischen dem starken Rookie Buehler und dem 34-jährigen Buchholz, der relativ überraschend mit seiner besten Saison seit fünf Jahren auftrumpft.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

August 2nd, 2018 by Silversurger

Die Trade Deadline der MLB kam und ging am Dienstag Abend, und auch wenn die ganz großen Würfe ausblieben – Bryce Harper und Jacob deGrom zum Beispiel haben nicht das Team gewechselt –, hat sich doch einiges bewegt. Ich werde hier nicht alle Moves herunterbeten (eine umfassende Übersicht findet sich hier), aber natürlich steht der Grand Slam am Donnnerstag diese Woche unter dem Zeichen der Deadline-Trades. Die größte Überraschung war für mich die Aktivität der Pittsburgh Pirates, die sich mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela verstärkt haben. Das ist eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Pirates aus ihrer unklaren Ausgangslage heraus einen Angriff auf die Playoffs starten wollen oder nicht. Ebenfalls sehr aktiv waren die Milwaukee Brewers und die Seattle Mariners als weitere Buyer sowie auf der Seite der Seller die Minnesota Twins und die Baltimore Orioles, welche offenbar einen konsequenten Rebuild angehen. Zurückhaltender als ich gedacht hätte, waren die Oakland Athletics, die New York Mets und die Washington Nationals. Das einzige Team, das komplett untätig blieb, sind die San Francisco Giants.

Übrigens: Auch nach der Deadline vom 31. Juli sind Trades in der MLB nicht ausgeschlossen. Getradet werden dürfen nun allerdings nur noch Spieler, die entweder nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen oder die vorher auf den Waiver gesetzt wurden. Auf Spieler von dieser Liste kann jedes Team einen Anspruch anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt. Mit diesem Team kann der bisherige Klub des Spielers sich auf einen Trade einigen, andere Teams sind außen vor. Somit können Trades im August relativ leicht blockiert werden, aber manchmal geht doch ein Blockbuster durch. Letztes Jahr wechselte zum Beispiel Justin Verlander auf diese Art zu den Houston Astros, mit denen er schließlich die World Series gewann.

American League
In der American League East haben sich alle Teams zur Trade Deadline so verhalten, wie man es von ihnen erwartet hatte: Die Boston Red Sox (75-34) und die New York Yankees (68-38) haben vor allem ihre Starting Rotation verstärkt, um im Ringen um die Division weiterhin bestehen zu können. Die Tampa Bay Rays (55-53), die Toronto Blue Jays (48-59) und die Baltimore Orioles (33-75) hingegen haben haufenweise erfahrene Spieler abgegeben und sich im Gegenzug mit Prospects für eine erhoffte bessere Zukunft gerüstet. In dieser Division ist schon lange klar, dass es bis zum Ende der Saison ein Zweikampf bleiben wird. Über die nächsten vier Tage hinweg wird dieser mal wieder ganz unmittelbar ausgetragen, denn die Red Sox empfangen die Yankees in Fenway Park (siehe Einschalttipp).

Noch klarer sind die Fronten in der AL Central, die schon seit Monaten nur noch einen Contender kennt, nämlich die Cleveland Indians (59-48). Für die Indians ist wichtig, in keinen allzu gemütlichen Trott zu fallen, denn in den Playoffs werden sie ganz anders gefordert sein als in der regulären Saison. Zur Deadline haben die Indians hauptsächlich ihren Bullpen und die Tiefe des Outfields aufgerüstet. Die Minnesota Twins (49-58) haben ihr Farmsystem mit einer Reihe von Trades deutlich ausgebaut und sich im Zuge dessen von Top-Spielern wie 2B Brian Dozier (Dodgers) und RP Ryan Pressly (Astros) getrennt. Die Detroit Tigers (47-62), Chicago White Sox (37-70) und Kansas City Royals (34-73) waren ebenfalls als Seller unterwegs, hielten sich dabei jedoch eher zurück. Mike Moustakas (Royals zu Brewers) und Joakim Soria (White Sox zu Brewers) sind die beiden nennenswerten Namen, während Leute wie Mike Fiers, Shane Green (beide Tigers) und Jose Abreu (White Sox) überraschenderweise nicht getradet wurden.

Von den Houston Astros (69-41) hatte ich keine großen Aktivitäten erwartet, aber sie waren doch recht rührig, um ihren Bullpen zu verstärken. Ryan Pressly (Twins) wird ihnen sicher weiterhelfen, Roberto Osuna (Blue Jays) bringt wegen des gegen ihn laufenden Verfahrens einige Fragezeichen mit. Hinter Houston tobt in der AL West das Rennen um eine Wild Card. Während die Seattle Mariners (63-45) zweimal gegen die Astros verloren, gelang den Oakland Athletics (64-46) gerade ein Sweep der Blue Jays und nun stehen beide gleichauf. Vielleicht machen die Deadline-Trades am Ende den Unterschied: Die Athletics haben mit Jeurys Familia (Mets) ein Ass für den Bullpen geholt, konnten oder wollten sich ansonsten aber keine Ergänzungen des Kaders leisten. Mariners-GM Jerry Dipoto war so aktiv wie man ihn kennt und investierte eine Reihe von Prospects, um drei Reliever und den Outfielder Cameron Maybin (Marlins) an Land zu ziehen. Die Los Angeles Angels (54-55) und die Texas Rangers (46-63) trennten sich erwartungsgemäß von einigen Veteranen mit auslaufenden Verträgen.

National League
Die Teams der National League East gehörten nicht zu den aktivsten auf dem Markt der Deadline-Trades. Sowohl die Philadelphia Phillies (59-48) als auch die Atlanta Braves (57-47) gönnten sich ein paar unspektakuläre, doch solide Ergänzungen ihrer Kader. Die Washington Nationals (54-53) haben die Saison offenbar noch nicht aufgegeben, denn anders lässt es sich kaum erklären, dass sie an Stars mit auslaufenden Verträgen wie Bryce Harper und Daniel Murphy eisern festhalten. Für beide hätten sich hochwertige Prospect-Pakete einheimsen lassen, aber die Nationals beschränkten sich auf zwei kleine Trades, in denen sie RP Brandon Kintzler (Cubs) und LF Brian Goodwin (Royals) abgaben. Die New York Mets (44-61) ließen ihren Closer Jeurys Familia (Athletics) und 2B Asdrubal Cabrera (Phillies) ziehen, fanden aber offenbar keine Abnehmer für die ebenfalls auslaufenden C Devin Mesoraco und OF/3B Jose Bautista. Ihre hochwertig bestückte Rotation ließen die Mets unangetastet, was wohl ein Zeichen dafür ist, dass man derzeit keinen langfristigen Rebuild anstrebt, sondern schnell wieder wettbewerbsfähig sein will. Auch die Miami Marlins (46-63) beschränkten sich auf kleinere Trades, 1B Justin Bour und C J. T. Realmuto bleiben vorerst in Miami.

Zwischen den beiden Kontrahenten um die NL Central sind in meinen Augen die Milwaukee Brewers (63-48) zumindest auf kurzfristige Sicht der klare Gewinner der Trade-Deadline. Mit 2B Jonathan Schoop (Orioles), 3B Mike Moustakas (Royals) und RP Joakim Soria (White Sox) haben sie sich deutlich verstärkt, mussten dafür aber auch einige gute Prospects abgeben. Die Chicago Cubs (62-45) entschieden sich für den zurückhaltenderen Weg. Auch sie ergänzten ihren Kader, wählten in SP Cole Hamels (Rangers) und RP Brandon Kintzler (Nationals) aber günstigere Optionen, deren Nützlichkeit sich erst noch zeigen muss: Hamels erlebt bislang das schwächste Jahr seiner Karriere und Kintzler stand in Washington im Verdacht, die undichte Stelle zu sein, welche negative Nachrichten über die Stimmung im Clubhouse durchsickern ließ. Die Pittsburgh Pirates (56-53) stehen nur ein halbes Spiel vor den St. Louis Cardinals (55-53), aber beide verfolgen gegensätzliche Strategien für den Rest der Saison: Die Trades der Cardinals sind klar darauf gerichtet, Weichen für die Zukunft zu stellen, die der Pirates hingegen sprechen für einen Angriff auf den zurzeit noch vier Spiele entfernten Wild-Card-Platz. Die Cincinnati Reds (48-60) waren erstaunlich zurückhaltend mit Trades; für SP Matt Harvey fanden sie offenbar keinen Abnehmer.

In der NL West geht es nach wie vor hauteng zu. Dementsprechend waren die Arizona Diamondbacks (60-49), die Los Angeles Dodgers (60-49) und die Colorado Rockies (58-49) bemüht, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verstärken. Der Rahmen der Möglichkeiten ist bei den Dodgers traditionell etwas größer und so gelang es ihnen, mit SS/3B Manny Machado (Orioles) und 2B Brian Dozier (Twins) zwei Top-Leute zu holen. Die Diamondbacks ergänzten mit weniger spektakulären Namen, aber dennoch sinnvoll ihr Infield und ihren Bullpen, während die Rockies sich auf RP Seunghwan Oh (Blue Jays) als Neuzugang beschränkten. Bei den San Francisco Giants (55-54) gab es Gerüchte, dass Madison Bumgarner und Andrew McCutchen zu haben sein könnten, aber letzten Endes entschied man, an den Deadline-Trades dieses Jahr nicht teilzunehmen. Die San Diego Padres (42-68) beließen es bei nur einem Trade, der aber immerhin brachte ihnen für zwei Reliever das Top-Prospect C Francisco Mejia von den Indians ein.

Szene der Woche
Nach all den vielen Trades in den letzten Tagen bleibe ich auch in dieser Kategorie beim Thema: Selten war ein Trade so schön anzusehen wie der des Relievers Jake Diekman von den Rangers zu den Diamondbacks. Der Deal fand statt in der Mitte einer Zwei-Spiele-Serie der Rangers in Arizona. Diekman war somit bereits in der richtigen Stadt und musste nur seine Tasche packen und von der einen Kabine in die andere umziehen. Das tat er so stilvoll wie es nur geht, indem er dafür das Bullpen Cart der Diamondbacks nutzte und sich von deren Maskottchen, dem Rotluchs D. Baxter, kutschieren ließ.

Statistik der Woche 
10. So viele RBIs erzielte Catcher Franciso Arcia in den beiden ersten Spielen seiner MLB-Karriere am Donnerstag und am Samstag für die Los Angeles Angels. Der Venezolaner stellte damit einen neuen Rookie-Rekord auf. Besonders erstaunlich an der Sache ist, dass es sich bei Arcia um kein hochgelobtes und -bezahltes Prospect handelt, sondern um einen 28-Jährigen, der zwölf Jahre lang in den Minor Leagues gespielt und auf seine Chance gewartet hat. Nachdem die Angels Catcher Martin Maldonado zu den Astros getradet haten, hat er diese Chance endlich bekommen – und sie für den Anfang definitiv genutzt.

Spiel der Woche
Man könnnte hier das 25:4 der Nationals über die Mets anführen mit den meisten Runs eines MLB-Teams seit elf Jahren und der höchsten Niederlage in der Franchise-Geschichte der New Yorker. Aber ich will nicht schon wieder mit meinem Gejammer über die Mets nerven. Nein, mein Spiel der Woche war das gestrige 6:4 der Dodgers gegen die Brewers. Gründe dafür gibt es genug: Erstens war es eine sehr spannende Partie, die nach mehrfachen Führungswechseln erst im zehnten Inning per Walkoff-Homerun durch Yasmani Grandal entschieden wurde. Zweitens war es für beide Teams ein wichtiges Spiel, weil jedes von ihnen gewinnen musste, um in seiner jeweiligen Division auf Platz eins vorzurücken. Drittens spielten mehrere Akteure eine Rolle, die erst durch die jüngste Trade-Welle zu einem der Teams gekommen waren. Vor allem hatte 2B Brian Dozier ein starkes Debüt für die Dodgers, unter anderem mit seinem Homerun zum Ausgleich im zweiten Inning. Sehenswert war auch das Wiedersehen von Dodgers-Shortstop Manny Machado und Brewers-2B Jonathan Schoop – beide sind Freunde und waren vor ein paar Tagen noch Teamkameraden in Baltimore, aber natürlich hält das Machado nicht davon ab, solche Plays zu machen.

Mein Einschalttipp
Wenn die Boston Red Sox gegen die New York Yankees spielen, dann gilt in diesem Jahr noch etwas mehr als in jedem anderen: Da kann und sollte man nicht wegschauen. Gleich viermal hintereinander gibt es von heute bis Sonntag das Duell der Erzrivalen und zumindest eines davon findet zu einer europafreundlichen Uhrzeit statt, am Samstag um 22:05 Uhr unserer Zeit. Das Spiel könnt ihr wie üblich auf mlb.tv sehen, außerdem wird es auf DAZN gesendet und obendrein kostenlos gestreamt auf spox.com. Es gibt also keine Ausreden, es sich nicht anzusehen. Und weil in diesem Artikel kein Absatz ohne Bezug auf Trades auskommt, sei erwähnt, dass es am Samstag voraussichtlich zu einem Matchup zweier neu verpflichteter Starter kommen wird: Nathan Eovaldi (3.80 ERA, 4.01 FIP) wird nach dem Wechsel von den Rays seinen zweiten Start für die Red Sox absolvieren und J. A. Happ (4.05 ERA, 3.94 FIP) zum zweiten Mal für die Yankees antreten. Hinter dem ehemaligen Blue Jay steht allerdings noch ein Fragezeichen, da er sich die Hand-Mund-Fuß-Krankheit eingefangen hat und man abwarten muss, ob er am Samstag fit ist.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Juli 26th, 2018 by Silversurger

Die All-Star-Pause ist vorbei und es geht zum einen wieder rund auf den Spielfeldern der MLB, zum anderen ist aber auch die heiße Phase für Trades angebrochen. Noch bis 31. Juli sind direkte Trades ohne Umweg über den Waiver möglich. Traditionell nutzen in dieser Zeit des Jahres Teams in aussichtsreicher Position die Gelegenheit, Lücken zu füllen und Schwächen zu beheben, indem sie erfahrene Spieler von schwächeren Teams erhandeln.Letztere lassen sich mit Nachwuchstalenten bezahlen und sparen sich überdies die oft teuren Gehälter der Veteranen. Die relevantesten Trades der letzten Tage waren die der Reliever Jeurys Familia (Mets zu Athletics), Brad Hand (Padres zu Indians), Zach Britton (Orioles zu Yankees), Seungwhan Oh (Blue Jays zu Rockies) sowie der von Starter Nathan Eovaldi (Rays zu Red Sox). Als nächstes wird wahrscheinlich Blue-Jays-Starter J. A. Happ das Team wechseln; als mögliches Ziel gelten die Yankees, aber auch andere Teams wie die Brewers und die Cubs sind noch im Rennen. Es ist fest damit zu rechnen, dass in den nächsten Tagen und noch bis zur letzten Minute der Tradephase weitere relevante Deals hinzukommen. Bei den Kollegen des Podcasts Just Baseball wird es am Dienstag ab 20 Uhr eine Live-Sondersendung geben, die ich jedem deutschsprachigen Baseballfan allerwärmstens ans Herz lege.

National League
An der Spitze der National League East spielt sich weiterhin ein knappes Rennen zwischen den Philadelphia Phillies (57-44) und den Atlanta Braves (52-44) ab. Beide Teams gelten als Kandidaten, vor der Trade Deadline noch aufzurüsten. Etwas unklar ist hingegen die Situation der Washington Nationals (50-51). Der ursprüngliche Favorit steht knapp negativ und liegt bereits sieben Siege hinter der Spitze zurück. Nun steht eine Vier-Spiele-Serie gegen die Miami Marlins (44-59) an, deren Verlauf wohl die Richtung weisen wird, ob die Nationals eher zu Käufern oder zu Verkäufern werden. Die Marlins werden auf jeden Fall verkaufen, um ihren Rebuild weiter voranzutreiben. Insbesondere All-Star-Catcher J. T. Realmuto steht im Schaufenster. Auch die New York Mets (42-57) gehen in den Ausverkauf: Closer Familia ist schon weg, ihm dürften 2B Asdrubal Cabrera, Starter Zack Wheeler und vielleicht sogar eines der Asse Noah Syndergaard und Jacob deGrom folgen. Kein Abnehmer wird sich für Outfielder Yoenis Cespedes finden, der sich einer OP an beiden Fersen unterziehen muss und für acht bis zehn Monate ausfällt.

Die Situation in der NL Central ist ähnlich wie in der NL East: Auch hier gibt es mit den Chicago Cubs (59-42) und den Milwaukee Brewers (58-46) zwei Teams, die zur Deadline Ausschau nach der entscheidenden Verstärkung halten, um sich von dem Konkurrenten abzusetzen. Insbesondere die Brewers, die Starter Brent Sutter an eine Tommy-John-Surgery verloren und auch sonst ein paar Löcher im Kader haben, werden sicher aktiv werden. Und auch in der NL Central gibt es auf Rang drei ein Team, das nicht so recht weiß, wohin die Reise gehen soll: Die Pittsburgh Pirates (53-50) haben zwölf der letzten vierzehn Spiele gewonnen, darunter zehn hintereinander. Mit nur noch sieben Spielen Rückstand sind sie jetzt eigentlich zu gut zum Verkaufen, aber immer noch zu weit ab vom Schuss, um All-in zu gehen. Die St. Louis Cardinals (51-51) hingegen haben durch den Trainerwechsel letzte Woche bereits deutlich gemacht, dass sie die laufende Saison abgehakt haben und den Blick in die Zukunft richten. Für die Cincinnati Reds (45-57) gilt das ohnehin.

In der NL West sind die San Diego Padres (42-63) die einzigen, die mit dem Playoff-Rennen nichts zu tun haben. Sie haben sich bereits von Brad Hand getrennt und werden wohl weitere Reliever sowie möglicherweise Starter Tyson Ross anbieten, um ihre Farm weiter aufzuwerten. Die Los Angeles Dodgers (56-46) haben inzwischen die Spitze erobert und letzte Woche mit Manny Machado bereits eine prominente Verstärkung an Land gezogen. Ihr Bullpen könnte noch ein, zwei neue Gesichter vertragen, um weiterhin vor den Arizona Diamondbacks (56-47) und den Colorado Rockies (54-47) zu bestehen. Im Vergleich mit diesen beiden sowie den San Francisco Giants (52-51) dürfte das Farmsystem der Dodgers am meisten hergeben, um am Markt aktiv zu bleiben.

American League
Die Boston Red Sox (71-32) sind nach wie vor das beste Team im Baseball. Vom ewigen Konkurrenten New York Yankees (64-36) haben sie sich in der American League East um mittlerweile fünfeinhalb Spiele abgesetzt und auch beim Aufrüsten der Rotation haben sie mit Eovaldi den ersten Treffer gelandet. Die Yankees werden nachziehen und ebenfalls mindestens einen Starter an Bord holen; J. A. Happ und/oder Cole Hamels könnten in Kürze in Nadelstreifen auflaufen. Die Tampa Bay Rays (52-50), die Toronto Blue Jays (46-55) und die Baltimore Orioles (29-73) sind sowohl in der Division als auch im Wildcard-Rennen weit abgeschlagen. Mit Machado, Britton, Oh und Eovaldi haben alle drei bereits Spieler abgegeben, denen in den kommenden Tagen noch einige folgen werden.

Die AL Central ist mangels Konkurrenz für die Cleveland Indians (55-46) schon lange so gut wie entschieden. Aber da die Indians nicht nur den Divisionssieg anstreben, sondern auch einen möglichst tiefen Playoff-Run, sind sie definitiv noch auf der Suche nach Verstärkungen. Die könnten sie zum Beispiel in der eigenen Gruppe finden, denn die Minnesota Twins (47-53), die Detroit Tigers (44-60), die Chicago White Sox (36-65) und die Kansas City Royals (31-70) sind allesamt auf der Suche nach Abnehmern. Fernando Rodney, Brian Dozier, Michael Fulmer, Jose Abreu, James Shields und Mike Moustakas sind Namen, die man schon bald auf anderen Trikots finden könnte.

Die Titelverteidiger Houston Astros (67-37) sind vielleicht das einzige Top-Team, das sich erlauben kann, zur Trade Deadline untätig zu bleiben – der Kader weist schlichtweg keine nennenswerten Schwachstellen auf. Hinter den Astros hat sich innerhalb der AL West ein heißer Kampf zwischen zwei Überraschungsteams um die zweite Wild Card der AL entwickelt. Zurzeit haben die Seattle Mariners (61-41) diese in der Hand, aber die Oakland Athletics (60-43) sind nur noch eineinhalb Spiele zurück. Mit einer Bilanz von 23-7 sie die A’s ligaweit das beste Team der letzten 30 Tage. Sowohl Oakland als auch Seattle schauen nach punktuellen Ergänzungen zur Trade Deadline, sind finanziell und von der Farm her aber nicht in der Position für große Sprünge. Die Los Angeles Angels (51-52) und die Texas Rangers (42-61) sind aus dem Rennen. Bei den Rangers könnte es durchaus einen größeren Ausverkauf geben; die Angels hingegen werden ihren Kader weitgehend beisammen halten, um nächstes Jahr einen neuen Versuch zu unternehmen, die Blütezeit von Mike Trout für einen zählbaren Teamerfolg zu nutzen.

Szene der Woche
Meine Szene dieser Woche ist ein Feueralarm. Ausgelöst wurde er am Dienstag im Great American Ballpark in Cincinnati. Zum Glück war es ein Fehlalarm und es entstand auch keine Massenpanik. Aber der Alarm und die damit verbundene Spielunterbrechung waren möglicherweise Schuld daran, dass Cardinals-Pitcher Austin Gomber aus dem Rhythmus geriet und die Chance verlor, seine MLB-Karriere mit einem No-Hitter zu krönen. Sechs Innings hatte der Rookie die Reds vor dem Alarm ohne Hit gehalten, nach dem Alarm erlaubte er zuerst Joey Votto einen Single und anschließend Eugenio Suarez einen Homerun. Es war der zweite Abend hintereinander, an dem ein Pitcher der Cardinals sein MLB-Debüt gab und knapp einen No-Hitter verpasste: Am Montag hatte Daniel Poncedeleon sieben No-Hit-Innings geworfen, wurde dann aber nach 116 Pitches ausgewechselt und musste mit ansehen, wie der Bullpen zuerst den No-Hitter und dann das ganze Spiel verlor.

Statistik der Woche 
6. In so vielen Spiele hintereinander gelang Matt Carpenter, First Baseman der Cardinals, vom vorletzten bis zum letzten Samstag jeweils mindestens ein Homerun. Eine solche Strecke ist bislang nur 28 Spielern gelungen, dasheißt sie ist sie ein selteneres Ereignis als beispielsweise ein Perfect Game. Der Höhepunkt der Serie war das 18:5 der Cardinals gegen die Cubs am Freitag, bei dem Carpenter aus fünf At-Bats drei Homeruns und zwei Doubles machte. Ein solches Spiel hatte bis dahin in der modernen Ära der MLB nur ein einziger Spieler absolviert und der war am Freitag sogar selbst dabei: Kris Bryant von den Chicago Cubs im Jahr 2016.

Spiel der Woche
Ich warte zwar immer noch darauf, zum ersten Mal in meinem Leben einen Sieg der Mets live im Ballpark zu erleben. Aber am Samstag im Yankee Stadium durfte ich zumindest ein extrem spannendes Lokalderby sehen, das Runs auf fast jede erdenkliche Art zu bieten hatte: per Single, per Double, per Triple, per Homerun, per Walk, per Hit-by-Pitch, per Groundout, per Doubleplay und per Fan-Interferece. Wenn ich nichts vergessen habe, fehlten lediglich ein Sac-Fly und ein Balk. Die Mets gingen im zweiten Inning durch Michael Confortos Solo-Homerun 1:0 in Führung, die bis ins vierte Inning hielt. Dann ließ Starter Steven Matz deutlich nach und geriet – unter negativer Mithilfe des schwachen Ersatz-Centerfielders Matt den Dekker – 1:4 ins Hintertreffen. Später arbeiteten sich die Mets noch zweimal bis auf einen Run heran, doch die Yankees schaukelten die Partie nach Hause. Das war aus meiner Sicht zwar schade, aber letztlich verdient, denn dass es überhaupt so knapp wurde, hatten die Mets bei 5:12 Hits weniger sich selbst als der katastrophalen Vorstellung von Yankees-Closer Aroldis Chapman zu verdanken. Einen Single, drei Walks und ein Hit-by-Pitch ließ er für insgesamt 3 earned Runs und 0 Outs zu, bevor Chasen Shreve ihn ersetzte und die Tür zumachte. Wer interessiert ist an einem Bericht über die Stimmung und das Drumherum bei den von mir besuchten MLB-Spielen, sollte in den nächsten Tagen noch mal hier im Blog vorbei schauen.

Mein Einschalttipp
Eine interessante Vier-Spiele-Serie steht ab heute bis einschließlich Sonntag an, wenn die Atlanta Braves die Los Angeles Dodgers empfangen. Beide Teams befinden sich in engen Duellen um die jeweilige Divisionsführung und könnten leicht zu direkten Konkurrenten werden, falls sie am Ende auf eine Wild Card angewieisein sollten. Am morgigen Freitag schicken beide ihr Ass auf den Mound: Mike Foltynewicz (2.85 ERA, 3.38 FIP) startet für die Braves, Clayton Kershaw (2.64 ERA, 3.22 FIP) für die Dodgers. Leider wird die gesamte Serie von DAZN ignoriert, sodass man hierzulande nur als Abonnent von mlb.tv in den Genuss kommt, das Spiel ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit live verfolgen zu können.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Januar 13th, 2018 by Silversurger

Im Offseason-Wunschkonzert dieses Blogs drehte sich gleich der erste, von Phillies geäußerte Wunsch um die Frage, welche Arten von Transaktionen es in der MLB gibt. Euer Wunsch ist mir Befehl und deswegen gibt es heute mal eine hoffentlich einigermaßen vollständige Übersicht über die verschiedenen Arten, auf die MLB-Teams Spieler verpflichten, entlassen oder transferieren können:

1. Wie man Spieler bekommt

Die Draft
Der klassische Weg in die MLB führt über die First-Year-Player-Draft, der Kürze halber meist nur Draft genannt. Es handelt sich dabei um ein Auswahlsystem, wie es in allen großen US-Sportarten in ähnlicher Form existiert. Der Hauptzweck der Draft besteht darin, den Übergang vom College in den Profisport möglichst gerecht zu gestalten – gerecht in dem Sinne, dass die besten Nachwuchsspieler nicht automatisch alle bei den Teams landen, die das meiste Geld oder den schönsten Strand anzubieten haben.

Die Draft funktioniert so, dass das schwächste Team der Vorsaison – gemessen an Siegen und Niederlagen – das erste Recht hat, einen Spieler auszuwählen. Anschließend ist das zweitschwächste Team dran und so weiter bis hin zu dem Team, das im letzten Jahr die meisten Siege hatte. Danach geht das Ganze von vorne los, insgesamt 40 Runden lang. Die Draftreihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt, denn es gibt diverse Regeln, aufgrund derer die Liga den Teams zusätzliche Picks – sogenannte Compensatory Picks – zuerkennt oder als Strafe bzw. Vorteilsausgleich aberkennt. Diese Möglichkeiten vollständig darzustellen, würde hier zu weit führen, aber ich mache das gern mal in einem eigenständigen Artikel.

Welche Spieler bei einer Draft gewählt werden dürfen, ist klar definiert:

  • Man muss Einwohner oder Absolvent des Bildungssystems der USA, Kanadas oder eines US-Territoriums (z. B. Puerto Rico) sein.
  • Man darf noch nie einen MLB- oder Minor-League-Vertrag unterschrieben haben.
  • Man muss die High School abgeschlossen und entweder kein College besucht haben
  • oder ein Junior- oder Community College besuchen
  • oder drei Jahre eines regulären Colleges absolviert haben
  • oder das 21. Lebensjahr vollendet haben.
  • Wenn man gedraftet wurde, ist man keinesfalls verpflichtet, bei dem jeweiligen Team einen Vertrag zu unterschreiben – man darf aber bei keinem anderen Team unterschreiben. Das draftende Team hat nach der Draft rund sechs Wochen Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen. Gelingt dies nicht, so kann der Spieler ein Jahr später bei der nächsten Draft von einem anderen Team gewählt werden, sofern er nach wie vor die obigen Voraussetzungen erfüllt, also nicht z. B. ein frisches Collegestudium aufgenommen hat.

    Bei der Gestaltung der Verträge mit ihren gedrafteten Spielern müssen die Klubs eine Grenze, den sogenannten Bonuspool, einhalten. Dieser ist für jedes Team unterschiedlich hoch und bemisst sich an der Draftposition, der Anzahl an Draftpicks und der Summe, die im Vorjahr für gedraftete Spieler ausgegeben wurde. Die Bonuspools der Teams lagen 2017 zwischen 2,1 und 14,2 Millionen Dollar. Von diesem Geld erhält man in aller Regel als Erst- oder Zweitrundenpick für seine Unterschrift eine siebenstellige Summe, für spätere Picks werden die Summen logischerweise immer kleiner. Insbesondere für Spieler, die direkt nach der High School in einer späten Runde gedraftet werden, kann es sich durchaus lohnen, auf den Spatz in der Hand zu verzichten, um nach ein paar Jahren sportlicher und menschlicher Weiterentwicklung im College deutlich höher gedraftet zu werden.

    In fast jedem Fall – und anders als in den meisten anderen US-Sportarten – ist der Weg von der Draft bis zum ersten MLB-Spiel sehr lang und selbst ein sehr hoher Pick ist längst keine Garantie für eine Major-League-Karriere. Rund drei Viertel der Erstrundenpicks aus dem College und nur gut die Hälfte der Erstrundenpicks aus der High School schaffen es irgendwann in die MLB. Schon ab der dritten Draftrunde liegt die Wahrscheinlichkeit, den betreffenden Spieler eines Tages in der MLB zu sehen, deutlich unter 50%.

    Die Rule-5-Draft
    Die zweite, weit weniger bekannte und auch weniger wichtige Draft der MLB ist die Rule-5-Draft. Sie findet jährlich während der MLB Winter Meetings Mitte Dezember statt, also mit ziemlich genau einem halben Jahr Abstand zur „normalen“ Draft.

    Der Zweck der Rule-5-Draft besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten, ohne sie einzusetzen. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Kaders ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

    Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft jährlich zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen.

    Die Free Agency
    Die Free Agency ist die einfachste Art, sein Team durch die Verpflichtung eines erfahrenen Spielers zu verstärken – vorausgesetzt, man kann es sich leisten. Free-Agent-Verträge werden frei zwischen Teams und Spielern ausgehandelt. Na gut, fast frei, denn natürlich unterliegen sie den gültigen Regeln und Rahmenvereinbarungen der MLB und der Spielergewerkschaft MLBPA, die zum Beispiel einen Mindestlohn (dieses Jahr 545.000 Dollar) festlegen.

    Zum Free Agent kann man auf unterschiedliche Weise werden. Die übliche und häufigste Situation ist, dass der Vertrag eines Spielers ausläuft, nachdem er sechs Jahre lang in der MLB gespielt hat. Zur Erinnerung: In den ersten drei Jahren muss der Spieler das Gehalt akzeptieren, das das Team ihm gibt, meistens das Mindestgehalt der MLB. In seinem vierten bis sechsten Jahr, der sogenannten Arbitration-Phase, bleibt er an sein Team gebunden, aber das Gehalt wird in einem Schiedsverfahren (der Arbitration) ausgehandelt. Nach dem sechsten Jahr kann der Spieler den Vertrag mit einem beliebigen Team frei verhandeln, er ist also ein Free Agent. Die Teams sind nicht verpflichtet, in der Arbitration-Phase ein Angebot vorzulegen – wenn sie darauf verzichten, wird der Spieler vorzeitig zum Free Agent, das nennt man dann einen Non-Tender-Free-Agent.

    Zum Free Agent wird man auch, wenn man von seinem bisherigen Team aus einem laufenden Vertrag entlassen (auf Englisch: released) wird. Spieler, denen das passiert, werden oft zum Schnäppchen für ein neues Team, weil das bisherige ihnen noch das Gehalt aus dem alten Vertrag zahlen muss – mehr dazu weiter unten in diesem Artikel.

    Außerdem ist man auch dann ein Free Agent, wenn man einmal für die Draft qualifiziert war (und es nach wie vor wäre, also z. B. kein Collegestudium aufgenommen hat) und nicht gedraftet wurde. Angesichts von jährlich 40 Draftrunden kommt es in der MLB selten vor, dass sich ein ungedrafteter Spieler zum Star entwickelt, viel seltener jedenfalls als beispielsweise in der NFL mit nur sieben Draftrunden. Aber es gibt solche Fälle, allen voran Hall-of-Fame-Closer Bruce Sutter und die Outfielder Bobby Bonilla und Larry Walker.

    Der Waiver-Claim
    Wenn ein Spieler auf dem Waiver landet – auch dazu später mehr -, dann kann jedes Team seinen Anspruch auf den Spieler anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt (im ersten Monat der Saison geht es nach der Bilanz des Vorjahres). Nach einem erfolgreichen Claim durch ein anderes Team hat das aktuelle Team des Spielers drei Möglichkeiten, wie es damit umgeht:

  • Es kann sich innerhalb von zwei Werktagen mit dem anfordernden Team auf einen Trade einigen.
  • Es kann den Waiver-Move zurückziehen, das heißt der Spieler bleibt im Kader und alles ist wie vorher.
  • Es kann entscheiden, gar nichts zu tun. In dem Fall darf das andere Team den Spieler in seinen Kader aufnehmen. Das neue Team bezahlt dem bisherigen eine Gebühr von 50.000 Dollar und übernimmt den bestehenden Vertrag des Spielers.
  • Die internationale Free Agency
    Für internationale Spieler – also alle von außerhalb den USA, Kanada oder den US-Territorien – gelten beim Einstieg in die MLB oder die Minor Leagues spezielle Regeln. Diese Spieler werden nicht gedraftet, sondern verhandeln direkt mit den MLB-Klubs. Die Art und das finanzielle Volumen des Vertrages, den man mit einem internationalen Spieler abschließen darf, hängen von dessen Alter und Erfahrung ab. Wenn ein Spieler mindestens 25 Jahre alt ist und mindestens sechs Jahre lang in einer professionellen Liga gespielt hat – als solche gelten beispielsweise die in Kuba, Korea und Japan -, dann gilt er als Free Agent und die Teams unterliegen bei der Vertragsgestaltung keinen besonderen Einschränkungen.

    Das internationale Prospect-Signing
    Für alle Spieler, die nicht die genannten Voraussetzungen erfüllen, gilt das System der internationalen Bonuspools. Ähnlich wie für die Verpflichtung von Draftpicks steht auch für die Verpflichtung von internationalen Rookies jedem Team eine bestimmte Summe zur Verfügung, die es insgesamt für solche Spieler ausgeben darf. Der Bonuspool liegt in der Regel bei 4,75 Millionen Dollar pro Jahr und kann sich aufgrund verschiedener Ausgleichsregelungen nach oben oder unten verändern. Aus diesem Pool können die Teams internationalen Prospects Zahlungen zur Vertragsunterschrift anbieten. Der Vertrag selbst ist zwangsläufig ein Minor-League-Vertrag – also im wesentlichen der gleiche Vertrag, den ein gedrafteter Rookie erhält: Man bekommt drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor man als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann.

    Dieses System für internationale Prospect-Verpflichtungen war in der aktuellen Offseason zweimal ein großes Thema. Der eine Fall war der Wechsel des japanischen Top-Talents Shohei Ohtani zu den Los Angeles Angels. Die Teams lieferten sich vorher ein Wettbieten, bei dem es aber systembedingt nicht um das Gehalt gehen konnte, sondern „nur“ um den zu zahlenden Signing-Bonus. Da mit den Kapazitäten der internationalen Bonuspools gehandelt werden darf, engagierten sich einige Teams – allen voran die Seattle Mariners – sehr stark, um den eigenen Bonuspool aufzurüsten und Ohtani ein besseres Angebot machen zu könnnen. Am Ende unterschrieb er bei den Angels für einen Signing-Bonus von 2,315 Millionen Dollar. Das ist eine Menge Geld, aber nur ein Bruchteil dessen, was Ohtani hätte verlangen können, wenn er bereits die Voraussetzungen eines internationalen Free Agents erfüllt hätte.

    Der zweite Fall war der aufgedeckte Betrug des früheren General Managers der Atlanta Braves, John Coppolella. Die Braves hatten unter seiner Regie systematisch die Bonuspool-Regeln umgangen, indem sie internationalen Prospect-Verpflichtungen versteckte Zahlungen zukommen ließen. Nachdem die Sache aufgeflogen war, mussten die Braves 13 Prospects aus den Verträgen entlassen und Coppolella wurde von der Liga lebenslang gesperrt.

    2. Wie man Spieler los wird

    Der Waiver
    Wenn man einen Spieler loswerden möchte, dann kann man ihn auf den Waiver setzen. Das ist eine Art Angebotsliste, auf der die anderen Klubs sich informieren können, welche Spieler unter bestimmten Bedingungen zu haben sind. Für Außenstehende ist der Inhalt des Waivers geheim, wenngleich die Informationen oft an die Medien durchsickern. Der Waiver existiert das ganze Jahr über, besondere Relevanz hat er aber zwischen dem 31. Juli und dem Ende der MLB-Saison, denn in dieser Phase ist der Waiver der einzige Weg, auf dem ein Spieler das Team wechseln kann.

    Für Spieler auf dem Waiver kann von jedem Team ein Waiver-Claim eingereicht werden wie weiter oben unter der entsprechenden Überschrift erläutert. Dort habe ich auch beschrieben, welche Möglichkeiten das bisherige Team hat, wenn ein Waiver-Claim eingereicht wird. Diese Möglichkeiten hat es pro Spieler und Jahr allerdings nur einmal. Das heißt wenn ein Spieler zum zweiten Mal im Jahr auf den Waiver gesetzt wird, dann kann er von einem berechtigten Team quasi zum Nulltarif aufgenommen werden, für das alte Team gibt es dann kein Zurück mehr.

    Wenn für einen Spieler auf dem Waiver innerhalb von drei Werktagen kein Claim eingeht (auf Englisch heißt das, er „cleared waivers“), dann kann er von seinem aktuellen Team in die Minor-League beordert, frei zu einem beliebigen anderen Team getradet oder schlichtweg entlassen werden.

    Versetzung in die Minor League
    Will man einen Spieler nicht unbedingt komplett loswerden, sondern nur eine Weile parken, damit er sich weiterentwickeln oder zu sich selbst finden kann, empfiehlt sich eine Versetzung in die Farm, also in eines der Minor-League-Teams der Franchise. Das geht sehr einfach, solange der Spieler sich in einem Optionsjahr befindet. Üblicherweise (ja, auch hier gibt es wieder Ausnahmen, die zu weit führen würden) hat ein Spieler, der im 40-Mann-Kader – also dem erweiterten MLB-Kader – seines Teams steht, drei solcher Optionsjahre. Ein Optionsjahr gilt als verbraucht, sobald der Spieler in dem Jahr 20 oder mehr Tage in den Minor Leagues verbracht hat.

    Über einen Spieler, der die Optionsjahre hinter sich hat, sagt man, er sei „out of options“. Diese gängige Formulierung führt häufig zu dem Missverständnis, dass es eine begrenzte Anzahl möglicher Versetzungen zwischen Major- und Minor-Leagues gibt. Das ist aber nicht so, innerhalb der Optionsjahre kann ein Spieler beliebig oft hin und her beordert werden. Nach dem Aufbrauchen der Optionsjahre ist die Sache nicht mehr ganz so einfach: Um einen MLB-Spieler außerhalb der Optionsjahre in die Minor League zu schicken, muss dieser zunächst auf den Waiver gesetzt werden, man riskiert also den Spieler zu verlieren. Erst wenn er den Waiver ungeclaimt „gecleart“ hat, kann man ihn, auch gegen seinen Willen, in die Minor League versetzen; dieses Vorgehen ist nur einmal in der Karriere eines Spielers zulässig.

    Noch schwieriger wird es, wenn ein Spieler bereits fünf Jahre MLB-Erfahrung besitzt und/oder schon einmal gegen seinen Willen versetzt wurde. In diesem Fall ist eine Versetzung in die Minor Leagues nur mit seiner ausdrücklichen Zustimmung (Veteran’s Consent) möglich. Verweigert er die Zustimmung, muss das Team ihn entweder im MLB-Roster behalten oder entlassen – mit allen Konsequenzen, die weiter unten unter „Der Release“ beschrieben sind.

    Designation for Assignment 
    Oft liest man, dass ein Spieler „DFA’d“ wird. Die Abkürzung steht für „Designation for Assignment“ und bedeutet eine Art Zwischenstatus: Der Spieler wird unmittelbar aus dem 40-Mann-Kader gestrichen, das Team hat aber noch zehn Tage Zeit zu entscheiden, was genau es mit ihm anstellen wird. Es gibt dafür folgende Möglichkeiten:

  • Das Team kann den Spieler innerhalb der zehn Tage zurück in den 40-Mann-Kader holen.
  • Es kann ihn auf den Waiver setzen (siehe oben).
  • Es kann ihn traden (siehe unten).
  • Es kann ihn releasen, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (siehe unten).
  • Es kann ihn in die Minor League schicken, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (sofern er nicht unter die oben genannten Einschränkungen fällt).
  • Der Release
    Wenn alle Versuche, einen Spieler auf andere Art loszuwerden, gescheitert sind, kann man ihn auch einfach entlassen. Das Problem dabei ist, dass man dann als Team auf dem vollen Gehalt für die volle Restlaufzeit des Vertrages sitzen bleibt. Wenn ein anderes Team den Spieler aufnimmt, dann wird es ihm in aller Regel nur das Mindestgehalt zahlen und der Spieler wird damit einverstanden sein – denn das alte Team muss in jedem Fall die Differenz zu dem Vertrag zahlen, aus dem es ihn entlassen hat. Wenn sich zum Beispiel der von Atlanta entlassene 1B Adrian Gonzalez in Kürze für ein neues Team entscheidet, dann wird dieses ihm für die Saison 2018 genau 545.000 Dollar zahlen – und die Braves zahlend den Rest der 21,5 Millionen, die ihm aus seinem alten Vertrag noch zustehen.

    3. Wie man Spieler los wird und welche bekommt

    Der Trade
    Die Franchises der MLB sind jederzeit berechtigt, untereinander Spieler gegen andere Spieler zu tauschen. Logischerweise können nur Spieler getradet werden, die aktuell unter Vertrag stehen. Zudem wechseln oft im Zuge eines Trades auch Geldsummen oder Bonuspool-Kapazitäten (siehe „Das internationale Prospect-Signing“) den Besitzer. Draftpicks dürfen – mit Ausnahme bestimmter Ausgleichspicks – nicht getradet werden.

    Eine Einschränkung für Trades besteht in den sogenannten Trade-Deadlines. Die erste Deadline ist der 31. Juli. Vom Ende der vorherigen World Series bis zu diesem Tag genießen die Teams größtmögliche Freiheit bei ihren Trades. Nach der „Non-Waiver-Deadline“ am 31. Juli sind Trades nur möglich, wenn alle betroffenen Spieler vorher den Waiver passiert haben oder ohnehin nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen. Die zweite Deadline ist die „Waiver-Deadline“ am 31. August. Trades sind auch danach noch möglich, doch die in diesem Zeitraum erworbenen Spieler dürfen nicht in den Playoffs eingesetzt werden außer wenn sie einen verletzten Spieler ersetzen.

    In der Regel können Trades ohne Zustimmung der betroffenen Spieler durchgeführt werden. Das ist manchmal bedauerlich, aber andererseits verdienen die Spieler selbst auf dem Niveau des Mindestgehalts genug Geld, um Vergleiche mit einem Sklavenhandel als komplett dämlich dastehen zu lassen. In zwei Fällen ist die Zustimmung der Spieler zu einem Trade aber doch erforderlich: Zum einen, wenn sie seit mindestens zehn Jahren in der MLB spielen und mindestens fünf Jahre davon bei ihrem aktuellen Team verbracht haben; zum anderen, wenn sie beim Abschluss ihres aktuellen Vertrages eine No-Trade-Klausel vereinbart haben. Eine solche Klausel kann sich auf sämtliche denkbaren Trades beziehen, aber auch auf bestimmte Teams beschränkt sein – das ist letztlich reine Verhandlungssache.

    Posted in Grundwissen, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , ,

    August 2nd, 2016 by Silversurger

    Die Trade-Deadline 2016 ist Geschichte und es waren wieder mal ein paar aufregende Stunden für sämtliche Team-Manager, für viele Spieler und natürlich für alle mitfiebernden Fans. Wer einen Überblick über alle durchgeführten Trades sucht, der wird zum Beispiel hier fündig. Mein Senf zu der Angelegenheit besteht in einer Beschreibung von jeweils drei meiner Ansicht nach großen Gewinnern und Verlierern der Trades der letzten Tage und Stunden:

    Gewinner 1: New York Yankees
    Die Yankees hatten sich überraschend frühzeitig damit angefreundet, dieses Jahr hauptsächlich als Seller aufzutreten, und schon eine knappe Woche vor der Deadline gewaltig die Cubs über den Tisch gezogen, indem sie sich die letzten zwei Vertragsmonate von RP Aroldis Chapman vergolden ließen. Auch für RP Andrew Millers Wechsel zu den Indians sowie für OF Carlos Beltran, der nach Texas wechselt, wurden ordentlich Prospects eingesammelt. Für SP Ivan Nova dürfte noch etwas von den Pirates kommen, hier ist die Gegenleistung meines Wissens noch nicht bekannt. Die Yankees haben jedenfalls ordentlich etwas für die Farm getan und bei jedem einzelnen der Trades habe ich das Gefühl, dass sie sehr gut verhandelt haben.

    Gewinner 2: Texas Rangers
    Die Rangers sind den gegenteiligen Weg zu jenem der Yankees gegangen: Sie haben sich von einer Reihe von Prospects getrennt, um kurzfristig Verstärkung an Land zu ziehen und das ist ihnen mit der Verpflichtung von OF Carlos Beltran (Yankees), C Jonathan Lucroy und RP Jeremy Jeffress (beide Brewers) hervorragend gelungen. Mit RP Dario Alvarez und RP Lucas Harrell wurden schon vor einigen Tagen zwei weitere solide Ergänzungen für den Bullpen geholt. Was sie nicht bekommen haben, ist ein Starting Pitcher, aber zweifelsfrei ist das Team mit dem besten Record der American League heute noch ein ganzes Stück stärker geworden.

    Gewinner 3: Los Angeles Dodgers
    Auch die Dodgers haben sich deutlich verstärkt, vor allem durch den Trade mit den Athletics, der ihnen SP Rich Hill und OF Josh Reddick einbrachte. Schwerer einzuschätzen ist der Tausch, bei dem die Dodgers SP/RP Mike Bolsinger nach Toronto schickten und dafür SP/RP Jesse Chavez erhielten. Nach dem, was ich von Bolsinger dieses Jahr bisher gesehen habe, kann es aber nur ein Upgrade und Verhandlungserfolg sein, ihn losgeworden zu sein und sogar noch etwas dafür bekommen zu haben.

    Verlierer 1: New York Mets
    Ich kann kaum beschreiben, wie sehr es mich ärgert: In der Situation der Mets sollte man sich entweder gezielt verstärken, um einen Run auf die gerade noch in Reichweite befindlichen Playoffs zu wagen oder aber man lässt die Saison auf gut Glück laufen und richtet den Fokus auf nächstes Jahr. Die Mets tun nichts von beidem. Stattdessen holen sie mit Jay Bruce einen Karriere-.249-Hitter mit Defensivschwäche und überlassen dafür den Cincinnati Reds ihr bereits MLB-fähiges Top-Infield-Prospect Dilson Herrera – während das eigene Infield nach den Verletzungen von Wright, Duda, Reyes und Cabrera in Scherben liegt! Wer hätte gedacht, dass ich die Rückkehr von SP/RP Jon Niese aus Pittsburgh mal als den halbwegs positiven Lichtblick eines Trade-Deadline-Tages sehen würde? Ich jedenfalls nicht, aber genau so ist es gekommen.

    Verlierer 2:  Houston Astros 
    Vor ein paar Tagen noch schien es nur eine Frage der Zeit, bis die Astros ihren Divisionskonkurrenten, die Rangers, nach einer wochenlangen Aufholjagd entthronen. Doch stattdessen folgten erst ein Seriensweep durch die Detroit Tigers und dann diese Trade-Deadline, zu der die Rangers sich ordentlich verstärkten, während die Astros – bis auf den Verkauf von zwei Ergänzungsspielern gegen zwei Prospects – völlig untätig blieben.

    Verlierer 3: Chicago White Sox
    Untätig blieben auch die White Sox auf Seiten der erwarteten Seller. In Chris Sale und José Quintana hatten sie zwei Starting Pitcher im Schaufenster stehen, die vielen anderen Teams hätten weiterhelfen und den White Sox selbst zukunftsträchtige Gegenwerte hätten bringen können. Aber offenbar haben die White Sox sich verzockt und sind am Ende auf den beiden attraktiven Ködern sitzen geblieben.

    Posted in MLB Tagged with: , , , , , ,

    Juli 20th, 2016 by Silversurger

    Die Trade-Deadline ist für mich immer einer der interessantesten Termine im MLB-Jahr. In ziemlich genau 12 Tagen, genauer gesagt am 1. August um 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit, schließt der Markt für direkte Spielertransfers. Danach sind Entlassungen und Neueinstellungen nur noch über die Waiver-Liste möglich. Das heißt, dass in den kommenden Tagen mit erhöhter Transferaktivität zu rechnen ist, weil fast jedes Team entweder das eine oder andere Loch im Kader zu stopfen hat oder aber sich von Spielern trennen möchte, für die es sich einen zukunftsträchtigen Gegenwert erhofft.

    In dem Zeitraum zwischen All-Star-Break und Trade-Deadline, in dem wir uns gerade befinden, werden sich die Teams üblicherweise darüber klar, ob sie sich in diesem Jahr ernsthafte Chancen auf die Playoffs ausrechnen oder nicht. Davon abhängig treten sie auf dem Markt entweder als Buyer oder als Seller auf. Die typischen Buyer sind Teams, die es in der laufenden Saison möglichst weit bringen wollen und bereit sind, zur kurzfristigen Verstärkung ihres MLB-Kaders den einen oder anderen jungen Spieler aufzugeben, der ihnen erst in ein paar Jahren weiterhelfen würde. Typische Seller sind diejenigen, für die die aktuelle Saison gelaufen ist und für die es aus zwei Gründen attraktiv ist, etablierte Spieler abzugeben: erstens, weil solche Spieler oft eine Menge Geld kosten und dieses Geld im Prinzip verschenkt ist, wenn der Vertrag nur noch ein, zwei Jahre gilt und man sich in dieser Zeit ohnehin keine Chancen ausrechnet; zweitens, weil man als Gegenleistung die eigene Farm, also den Nachschub an Talenten, aufbauen und damit die Weichen stellen kann, innerhalb von ein paar Jahren ein junges, schlagkräftiges MLB-Team auf die Beine zu stellen.

    Ein gutes Beispiel aus dem letzten Jahr ist der Trade zwischen den New York Mets und den Detroit Tigers: Eine Viertelstunde vor der Trade-Deadline einigten die Teams sich darauf, dass die Mets OF Yoenis Céspedes für die letzten Monate seiner Vertragsdauer bekamen, dafür erhielten die Tigers die Pitcher-Prospects Michael Fulmer und Luis Cessa. Für beide war es ein gutes Geschäft, denn Céspedes war sofort der dominierende Batter für die Mets, ohne den sie es wohl kaum bis in die World Series geschafft hätten, und Michael Fulmer ist bei den Tigers inzwischen Starter und heißer Kandidat für den Rookie-of-the-Year-Titel.

    Wie jedes Jahr laufen bis zur Trade-Deadline die Gerüchte heiß, welche spektakulären Spielerwechsel es dieses Mal geben wird. Da sich die meisten davon sowieso als falsch erweisen, verzichte ich darauf, über konkrete Trades zu spekulieren (wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem sei die Seite mlbtraderumors.com empfohlen). Stattdessen liste ich unten auf, welche Teams ich als Buyer oder Seller sehe und welche Positionen (bei den Buyern) oder abzugebenden Spieler (bei den Sellern) dabei im Mittelpunkt stehen dürften. Die Reihenfolge innerhalb der Kategorien richtet sich nach dem derzeitigen Record der Teams.

    Buyer
    San Francisco Giants
    Needs: Starting Pitcher, Relief Pitcher, Outfielder

    Chicago Cubs
    Need: Relief Pitcher

    Washington Nationals
    Need: Outfielder

    Cleveland Indians
    Need: Catcher, Relief Pitcher

    Texas Rangers
    Needs: Starting Pitcher, Relief Pitcher

    Baltimore Orioles
    Need: mehrere Starting Pitchers

    Boston Red Sox
    Needs: Relief Pitcher, Starting Pitcher

    Los Angeles Dodgers
    Needs: Outfielder, Starting Pitcher

    Toronto Blue Jays
    Needs: Relief Pitcher, Starting Pitcher, Outfielder

    Miami Marlins
    Need: Starting Pitcher

    Houston Astros
    Need: Outfielder, 1B

    New York Mets
    Needs: Relief Pitcher, Starting Pitcher, 3B

    Detroit Tigers
    Needs: Starting Pitcher, Relief Pitcher

    St. Louis Cardinals
    Need: Outfielder, Relief Pitcher

    Pittsburgh Pirates
    Need: mehrere Starting Pitchers

    Seller
    Colorado Rockies
    Trandekandidaten: OF Carlos Gonzalez, RP Boone Logan

    Philadelphia Phillies
    Tradekandidaten: SP Jeremy Hellickson, RP Jeanmar Gomez, RP David Hernandez, OF Peter Bourjos

    Oakland Athletics
    Tradekandidaten: SP Rich Hill, RP Mark Rzepczynski, OF Josh Reddick, 3B Danny Valencia

    San Diego Padres
    Tradekandidaten: SP Andrew Cashner, OF Melvin Upton Jr., IF Yangervis Solarte

    Los Angeles Angels
    Tradekandidaten: SS/3B Yunel Escobar, SP Hector Santiago

    Milwaukee Brewers
    Tradekandidaten: C Jonathan Lucroy, RP Will Smith, RP Jeremy Jeffress, 1B Chris Carter, OF Ryan Braun

    Arizona Diamondbacks
    Tradekandidaten: RP Tyler Clippard, RP Daniel Hudson, SS/2B Jean Segura, 2B/OF Rickie Weeks

    Tampa Bay Rays
    Tradekandidaten: IF/OF Steve Pearce, SP Jake Odorizzi, SP Matt Moore, SP Drew Smyly

    Cincinnati Reds
    Tradekandidaten: SS Zack Cosart, OF Jay Bruce

    Minnesota Twins
    Tradekandidaten: IF/OF Eduardo Nuñez, C Kurt Suzuki, RP Fernando Abad, SP Ervin Santana

    Atlanta Braves
    Tradekandidaten: RP Ian Krol, RP Jim Johnson, RP Arody Vizcaino, 2B/3B Gordon Beckham

    Unklare Situation
    Kansas City Royals
    Needs: Starting Pitcher, Outfielder, 3B
    Tradekandidaten: SP Edinson Volquez, DH/1B Kendrys Morales

    Seattle Mariners
    Needs: Starting Pitcher, SS
    Tradekandidaten: SP Isashi Iwakuma, SP Wade Miley, RP Steve Cishek, 1B Dae-Ho Lee, OF Franklin Gutierrez

    New York Yankees
    Needs: Starting Pitcher, Outfield
    Tradekandidaten: RP Aroldis Chapman, RP Andrew Miller, OF Carlos Beltran

    Chicago White Sox
    Need: Catcher, Starting Pitcher
    Tradekandidaten: DH/1B Justin Morneau, OF Austin Jackson, RP David Robertson

    Posted in MLB Tagged with: , ,