April 4th, 2019 by Silversurger

Die MLB-Saison ist eine Woche alt und geizt bisher nicht an Highlights und Überraschungen. Vor allem in der American League könnte man auf die Idee kommen, jemand hätte als Aprilscherz sämtliche Tabellen umgedreht. Aber nein, die Mariners stehen tatsächlich bei 7-1 und die großen Vier – Red Sox, Yankees, Indians, Astros – haben quasi im Gleichschritt klassische Fehlstarts hingelegt. Obwohl es nun wieder täglich Action auf dem Platz gibt, finden die Front Offices offenbar immer noch die Zeit, einen Trend aus der Offseason fortzusetzen: Xander Bogaerts (Red Sox), Ronald Acuna (Braves), German Marquez (Rockies), Randal Grichuk (Blue Jays), David Bote (Cubs) sowie Indians-Manager Terry Francona erhielten allesamt mehrjährige Vertragsverlängerungen. Alles, was diese Woche sonst passiert ist, gibt es heute erstmals in diesem Jahr wieder in der In-Season-Version des Grand Slam am Donnerstag:

National League
In der National League East kam es gleich zum Start zu mehreren direkten Duellen der vier Teams, zwischen denen dieses Jahr ein spannnendes Rennen erwartet wird. Dabei kamen die New York Mets (5-1) und die Philadelphia Phillies (4-1) am besten aus den Startlöchern. Die Mets begannen mit zwei Siegen in einer 2-1-Serie gegen die Washington Nationals (2-3), der sie einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Miami Marlins (2-5) folgen ließen. Die Phillies schlugen zum Auftakt dreimal hintereinander die Atlanta Braves (2-3) und teilten sich dann eine Zwei-Spiele-Serie mit den Nationals. Auch wenn die Nationals sowohl gegen die Phillies als auch gegen die Mets je ein Spiel gewinnen konnten, bricht in Washington schon leichte Panik aus. Aus fünf Heimspielen hatte man mehr erwartet, zumal beide Starts von Top-Ass Max Scherzer verloren wurden. Obendrein hat Shortstop Trea Turner, der am Sonntag die Mets quasi im Alleingang schlug, sich den Finger gebrochen und wird eine Weile ausfallen. Die folgenden sechs Spiele – wieder gegen die Mets und die Phillies, dieses Mal aber auswärts – könnten für die Nationals schon richtungsweisend sein.

Die NL Central gilt gemeinsam mit der East als die am schwersten vorhersagbare Division. Das Tabellenbild nach der ersten Woche ist jedoch recht eindeutig: Die Milwaukee Brewers (6-1) stürmen voran, nachem sie gegen die St. Louis Cardinals (3-3) drei von vier und gegen die Cincinnati Reds (1-4) drei von drei Spielen gewonnen haben. Die Cardinals rehabilitierten sich anschließend mit zwei Siegen gegen die Pittsburgh Pirates (1-3). Außer den Pirates und den Reds haben auch die Chicago Cubs (1-4) bisher nur ein einziges Spiel gewonnen. Beim 12:4-Auftaktsieg bei den Rangers sahen die Cubs noch souverän aus, nach vier Niederlagen hintereinander stehen sie nun aber schon ein bisschen mit dem Rücken zur Wand. Am Wochenende geht es für sie dreimal gegen die Brewers; da wird man sehen, ob der Start noch zu retten ist.

Wenn es eine Division gibt, in der Überraschungen bislang weitgehend ausgeblieben sind, dann ist das die NL West. Die Los Angeles Dodgers (5-2) sind der klare Favorit und mit gewonnenen Serien gegen die Arizona Diamondbacks (3-4) und die San Francisco Giants (2-5) haben sie sich auch prompt an die Spitze gesetzt. Beeindruckt haben sie vor allem in der Offense und dort in erster Linie mit Homeruns. In jedem der sieben Spiele haben sie mindestens einen erzielt und stolze acht allein im Eröffnungsspiel – MLB-Rekord. Auch die San Diego Padres (4-3) hatten einen guten Start, insbesondere durch drei Siege aus der Auftaktserie gegen die Giants. Die Colorado Rockies (3-4) durften als einziges Team der Division noch nicht gegen die direkte Konkurrenz antreten. Sie starteten mit einem 2-2-Split gegen die Marlins, verloren dann zwei Spiele gegen die Rays, bevor ihnen ihr bislang überragender Starter German Marquez gestern einen 1:0-Sieg zum Abschluss der Serie ermöglichte. Am Wochenende erwarten die Rockies die Dodgers zum Heimauftakt in Coors Field.

American League
Die New York Yankees (2-4) hauchdünn vor den Boston Red Sox (2-5) – entweder so oder genau umgekehrt hatte man das in der American League East erwartet. Allerdings war die Erwartung eher nicht, dass es dabei um die Plätze vier und fünf der Division geht. Die Red Sox hatten bei ihren Niederlagen in Seattle und Oakland ungewohnt große Probleme, gegnerische Punkte zu verhindern. 45 zugelassene Runs sind die meisten in der AL und die zweitmeisten in der MLB. Die Yankees hingegen waren bei ihrem eigenen Scoring überraschend zurückhaltend – 20 Runs aus sechs Spielen sind zu wenig, vor allem gegen vermeintliche Nicht-Contender wie die Baltimore Orioles (4-2) und die Detroit Tigers. Man muss dazu sagen, dass die Yankees bislang mehr als jedes andere Team vom Verletzungspech verfolgt werden. Luis Severino, C. C. Sabathia, Dellin Betances, Aaron Hicks, Didi Gregorius und Jordan Montgomery standen von Anfang an nicht zur Verfügung, inzwischen kamen noch Giancarlo Stanton, Miguel Andujar und Troy Tulowitzki hinzu. Die positive Überraschung der Division sind außer den Orioles – denen ich eher vier Siege in einem Monat als vier Siege in einer Woche zugetraut hätte – die Tampa Bay Rays (5-2). Nur elf zugelassene Runs sind mit großem Abstand Spitze in der gesamten Liga und der erfolgreiche Start wurde nicht gegen Fallobst eingefahren, sondern gegen die Astros und die Rockies.

Die AL Central war zuletzt wegen der klaren Dominanz der Cleveland Indians (2-3) die langeweiligste Division der Liga. Meine Befürchtung war (und ist immer noch), dass das dieses Jahr so weitergeht, aber der Saisonstart macht Hoffnung auf mehr Spannung: Die Minnesota Twins (5-1) sind richtig gut in die Saison gekommen, unter anderem mit zwei Siegen gegen die Indians. Beim gestrigen 7:6-Comebacksieg gegen die Kansas City Royals (2-3) hatte Max Kepler einen großen Auftritt, indem ein Single von ihm im achten Innning zwei Runs zum Ausgleich über die Platte brachte. Auch die Detroit Tigers (4-3) gehören zu den positiven Überraschungen der ersten Woche, insbesondere aufgrund ihrer zwei Siege gegen die Yankees. Ein Run-Verhältnis von 12:17 weist allerdings darauf hin, dass auch ein bisschen Glück dabei mitgespielt hat, dass sie aktuell so gut dastehen.

Den Kavalierstart der Seattle Mariners (7-1) in die AL West kann man nicht mit Glück erklären. Nach der anstrengenden Tokio-Reise zur Saisoneröffnung gegen die Oakland Athleics (5-3) warteten mit den Red Sox und den Los Angeles Angels (1-5) ernstzunehmende Gegner auf die Mariners, aber die bescherten jedem ihrer Kontrahenten einen Fehlstart. Mit 56 Runs aus acht Spielen klickt vor allem die Offensive der Mariners. Die Pitcher machen ebenfalls einen soliden Job, allerdings gab es hier mit der Verletzung des Closers Hunter Strickland einen ersten Rückschlag. Ich glaube zwar nicht, dass der Höhenflug der Mariners von Dauer sein wird, aber mit den White Sox und den Royals als nächsten Gegnern könnte er schon noch eine Weile andauern. Außer den Mariners stehen auch die Texas Rangers (4-2) sowie die Athletics bei positiven Bilanzen und verweisen den Favoriten, die Houston Astros (2-5), bislang auf den vorletzten Platz. Die Astros treffen nun zum Heimauftakt auf die Athletics, anschließend gibt es von Montag bis Mittwoch das Duell der Enttäuschten gegen die Yankees.

Szene der Woche
Die Rückkehr des neuen Phillies-Stars Bryce Harper an seine alte Wirkungsstätte war mit großer Spannung erwartet worden. Würden die Fans in Washington ihren langjährigen Star mit freundlichem Applaus bedenken oder mit Ablehnung? Ich hätte mit Ersterem gerechnet, aber ich lag daneben: Er erhielt ein gewaltiges Konzert aus Buhrufen und Pfiffen. Harper „bedankte“ sich für den Empfang mit drei Hits, darunter ein monströser Homerun, sowie mit einem Batflip in Richtung des Dugouts der Nationals. Manchmal rostet alte Liebe verblüffend schnell.

Statistik der Woche 
102. So viele Spieler aus der Dominikanischen Republik finden sich auf den Opening-Day-Rostern der MLB-Teams (einschließlich Verletztenliste). Es ist das erste Mal, das zu einem Zeitpunkt mehr als 100 MLB-Spieler aus irgend einem anderen Land als den USA in der Liga aktiv sind. Die zweitgrößte Gruppe bilden übrigens Spieler aus Venezuela (68), alle anderen Länder sind mit weniger als 20 Spielern vertreten. Aus Europa sind es genau drei: der Litauer Dovydas Neverauskas, der Niederländer Didi Gregorius und natürlich Max Kepler.

Spiel der Woche
Es war schon wieder alles dabei in dieser ersten Woche der Saison: Comeback-Siege, Walkoffs, Extra-Inning-Geduldsspiele und vieles mehr. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch die Partie, der ich schon Wochen vorher entgegen gefiebert hatte: das Auftaktspiel zwischen den Washington Nationals und den New York Mets. Es war das erhoffte Duell zweier überragender Pitcher zwischen Jacob deGrom und Max Scherzer. Der Cy-Young-Gewinner und der Zweiplatzierte der Wahl aus 2018 lieferten ab – deGrom mit 6.0 IP, 5 Hits, 10 Strikeouts, 0 erlaubten Runs; Scherzer mit 7.2 IP, 2 Hits und 12 Strikeouts, aber auch mit den entscheidenden 2 erlaubten Runs. Dass diese beiden einzigen Runs des Spiels ausgerechnet auf das Konto der umstrittenen Neuverpflichtung der Mets, Robinson Cano, gingen, machte die Sache noch ein Stück interessanter. Übrigens hat sich deGrom nicht nur durch dieses Spiel schon früh für einen weiteren Cy-Young-Award in Stellung gebracht: Gestern Nacht ließ er in Miami 7 Innings mit weiteren 14 Strikeouts und erneut 0 zugelassenen Runs folgen – einen Homerun schlug er übrigens auch.

Mein Einschalttipp
Es stehen einige interessante Serien an, aber am spannendsten finde ich die zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers. Können die Brewers in der NL Central der Konkurrenz frühzeitig enteilen oder bügeln die Cubs ihren schwachen Start schnell wieder aus? Das Duell läuft von Freitag bis Sonntag, mein Einschalttipp ist aufgrund der günstigen Zeit das Sonntagsspiel um 20:10 Uhr unserer Zeit. Starting Pitcher werden Kyle Hendricks für Chicago und Zach Davies für Milwaukee sein.

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April 28th, 2018 by Silversurger

Die internationale Signing-Periode der MLB beginnt erst in gut zwei Monaten, genauer gesagt am 2. Juli. Sie wirft aber längst ihre Schatten voraus, spätestens seit zu Saisonbeginn die internationalen Bonuspools bekannt gegeben wurden. Das ist das Geld, dass die einzelnen Klubs für internationale Talente verwenden dürfen, und längst stehen die Vereine in Verhandlungen um die begehrtesten Kandidaten, denen sie es gerne geben möchten.

Aber der Reihe nach: Als internationale Talente können sich bei der MLB alle Spieler von außerhalb USA, Kanada und Puerto Rico anmelden, sofern sie mindestens 16 Jahre alt sind oder es bis 1. September werden. Im Gegensatz zur Auswahl der amerikanischen Talente gibt es für internationale Spieler keine Draft. Um trotzdem eine faire Verteilung zu gewährleisten, ist die Summe, die jeder Club für internationale Signings ausgeben darf, begrenzt. Das sind die sogenannten internationalen Bonuspools. Der Bonuspool liegt in der Regel bei 4,98 Millionen Dollar pro Jahr und kann sich aufgrund verschiedener Ausgleichsregelungen nach oben oder unten verändern.

Für die anstehende Signing-Periode 2018 haben die Marlins, Twins, Brewers und Rays die höchsten Bonuspools von je 6,03 Millionen Dollar zugesprochen bekommen. Die geringsten Pools haben die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres, Reds und White Sox. Sie dürfen dieses Jahr nicht mehr als 300.000 Dollar für internationale Prospects ausgeben, weil sie in früheren Jahren ihren Bonuspool überzogen hatten.

Den Bonuspool nutzen die Teams, indem sie internationalen Prospects Zahlungen zur Vertragsunterschrift anbieten. Der Vertrag selbst ist zwangsläufig ein Minor-League-Vertrag – also im wesentlichen der gleiche Vertrag, den ein gedrafteter Rookie erhält: Man bekommt drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor man als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann.

Mit den Bonuspools kann zwischen den Teams auch Handel getrieben werden. So gab es zum Beispiel letzte Woche einen Trade, bei dem die Mariners Minor-League-Pitcher Edwin Quezada von den Diamondbacks erhielten und dafür einen Teil ihres Bonuspools der noch laufenden Signing-Periode 2017 an Arizona abgaben. Die Mariners hatten Ende letzten Jahres in diversen Trades ihren Bonuspool in die Höhe getrieben beim Versuch, Shohei Ohtani zu verpflichten. Nachdem das nicht funktionierte, blieben sie auf einer Menge ungenutzten finanziellen Spielraums sitzen und sind jetzt froh, dafür noch etwas zu bekommen, bevor der ungenutzte Teil des Budgets am 15. Juni verfällt.

Zwei Ausnahmen sind noch zu erwähnen: Verpflichtungen für einen Bonus von höchstens 10.000 Dollar fallen nicht unter die Regel des Bonuspools. Und Spieler ab 25, die sechs oder mehr Jahre in einer professionellen Liga (z. B. in Kuba, Japan oder Südkorea) gespielt haben, sind von dem ganzen System ausgenommen; ihnen kann man als Klub einen frei ausgehandelten MLB-Vertrag anbieten.

Um von einer MLB-Franchise verpflichtet werden zu können, muss ein Spieler zunächst beantragen, von der Liga als internationaler Free Agent anerkannt zu werden. Das tun immer mehr Spieler und es werden auch immer mehr internationale Prospects verpflichtet. In der aktuellen Periode, die vom 2. Juli 2017 bis 15. Juli 2018 läuft, sind es bereits mehr als 950 – die meisten davon wird man, genau wie die meisten Draftpicks, nie in der MLB sehen, viele weitere erst in ein paar Jahren und nur ganz wenige spielen schon jetzt in der höchsten Liga mit. Der prominenteste von ihnen ist Shohei Ohtani, das Pitcher- und Batter-Phänomen der Los Angeles Angels.

Ein weiterer Ohtani ist für die kommende Signing-Periode bislang nicht in Sicht, aber natürlich gibt es auch dieses Jahr einige Talente, für die Teams bereit sein werden, sich mit viel Geld gegenseitig zu überbieten. MLB Pipeline hat ganz frisch eine Liste der Top-30-Talente des internationalen Marktes veröffentlicht. Die regionalen Schwerpunkte der Liste sind unübersehbar: Sie enthält 16 Spieler aus der Dominikanischen Republik, 10 aus Venezuela, 3 Kubaner und einen Kolumbianer. Spieler aus Europa fallen zwar auch unter die Regeln für internationale Talentverpflichtungen, werden aber wegen des niedrigeren Wettbewerbsniveaus in aller Regel nicht so hoch gestuft wie die lateinamerikanische Konkurrenz.

Die Nummer eins der Prospects-Liste ist der venezolanische Catcher Diego Cartaya. Er wird derzeit vor allem mit den Los Angeles Dodgers in Verbindung gebracht. Für die Verpflichtung des Outfielders Marco Luciano aus der Dominikanischen Republik gelten die San Francisco Giants als Favoriten und Outfielder Misael Urbina aus Venezuela steht wohl in Verbindung mit den Minnesota Twins. Unterschrieben wird vor dem 2. Juli natürlich noch nichts, doch es gilt als offenes Geheimnis in der MLB, dass die Klubs sich oft Monate, mitunter sogar Jahre vor dem offiziellen Termin mit den Talenten auf Verträge einigen.

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Dezember 12th, 2017 by Silversurger

Die Baseball-Weltreise geht weiter: Nach Australien, wo Baseball eher ein randständiges Dasein führt, kommen wir heute in eine Region, in der die Sportart einen ähnlich hohen Stellenwert genießt wie in den USA, Japan und Südkorea. Man könnte problemlos über jedes heute thematisierte Land einen eigenen Artikel zur Baseball-Kultur schreiben, aber das würde leider den zeitlichen Rahmen sprengen, den ich für diese Serie aufbringen kann. Daher konzentriere ich mich heute auf das Wesentliche aus den fünf wichtigsten Baseball-Ländern im karibischen Raum.

Lange Baseball-Tradition
Die Popularität des Baseballs ist ein deutliches Zeugnis für den US-amerikanischen kulturellen Einfluss auf die Region rund um das karibische Meer. Das gilt nicht nur für das US-Außengebiet Puerto Rico und die eng mit den USA befreundete Dominikanische Republik, sondern auch für Staaten wie Kuba und Venezuela, die den USA seit einigen Jahrzehnten politisch reserviert bis feindselig gegenüber stehen. In allen genannten Staaten wurde Baseball schon um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert herum eingeführt und ist heute die Sportart Nummer eins. Auch in Mexiko ist Baseball sehr beliebt, wenngleich dort der Fußball noch erfolgreicher ist.

Finale des WBC 2013 zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico1

In der Weltrangliste der WBSC werden die Nationalmannschaften der erwähnten Länder zwischen Platz fünf (Kuba) und sechzehn (Dominikanische Republik) geführt. Dass die Dominikanische Republik so weit unten steht, wundert mich etwas, denn die Mannschaft hat 2013 die Weltmeisterschaft World Baseball Classic gewonnen und kam auch 2017 in die Runde der besten acht. Die großen Erfolge von Kuba liegen schon etwas länger zurück, unter anderem gewann man dreimal die Olympischen Spiele (zuletzt 2004) und 25-mal den heute nicht mehr existierenden Baseball World Cup (zuletzt 2005). In den beiden jüngsten WBC-Turnieren enttäuschte Kuba, verlor jeweils gegen die Niederlande und 2017 auch gegen Israel. Puerto Rico – in der Weltrangliste auf Platz acht – wurde sowohl 2013 als auch 2017 Vizeweltmeister.

Baseball in Mexiko
In Mexiko gibt es schon seit 1925 Profi-Ligen und heute existieren sogar zwei ungefähr gleich bedeutende Ligen nebeneinander. Das warme Klima macht es möglich, dass Baseball in Mexiko quasi ganzjährig gespielt wird. Der Sommer gehört der Liga Mexicana de Béisbol (LMB) mit aktuell 16 Teams, die sich in eine Nord- und eine Süddivison aufteilen. Die LMB ist von der MLB offiziell als Minor-League auf AAA-Niveau anerkannt, die Teams sind aber im Gegensatz zu den anderen AAA-Ligen unabhängig von MLB-Franchises. Die reguläre Saison von Ende März bis August umfasst üblicherweise 111 Spiele je Team. Anschließend wird in drei Playoffrunden von Mitte August bis Mitte September, jeweils im Modus Best of Seven, die Meisterschaft ausgespielt. Rekordmeister der LMB sind die Diablos Rojos del México aus Mexiko-Stadt, aktueller Meister sind zum ersten Mal die Toros de Tijuana.

In den Wintermonaten von Oktober bis Januar verlagert sich die Aufmerksamkeit auf die Liga Mexicana del Pacífico (LMP oder MexPac), in der acht Teams – fast alle aus Städten der mexikanischen Westküste – um die Meisterschaft wetteifern.  Die reguläre Saison der LMP umfasst 68 Spiele je Team, bevor sich auch hier drei Best-of-Seven-Playoff-Runden anschließen. Die Naranjeros de Hermosillo sind 13-maliger Titelträger, 2017 holten sich die Águilas de Mexicali ihre vierte Meisterschaft. Der Champion der LMP vertritt Mexiko in der Serie del Caribe (siehe unten).

Baseball in Venzuela
Bis 2015 gab es auch in Venezuela eine Sommer- und eine Winterliga, doch dann stellte die Venezuelan Summer League (VSL) den Spielbetrieb ein – vor allem, weil die MLB ihr wegen der politischen und wirtschaftlichen Instabilität im Land die Unterstützung entzogen hatte. Somit beschränkt sich das Angebot an professionellem Baseball nurmehr auf die Liga Venezolana de Béisbol Profesional (LVBP), welche in diesem Jahr ebenfalls auf der Kippe stand und nur durch eine staatliche Finanzspritze am Leben erhalten werden konnte. Acht Teams spielen von Oktober bis Dezember in je 63 Spielen die sechs Teilnehmer und die Setzliste für die Playoffs aus. Die Postseason besteht aus drei Runden, die jeweils als Best of Seven ausgetragen werden. Der Champion nimmt an der Serie del Caribe teil. Das historisch dominierende Team sind die Leones del Caracas mit 20 nationalen Titeln, deren bislang letzter von 2010 datiert. Die Meisterschaft 2017 holten die Águilas del Zulia aus Maracaibo.

Baseball in der Dominikanischen Republik
Die Profiliga der Dominikanischen Republik, die Liga de Béisbol Profesional de la República Dominicana (LIDOM), ist ebenfalls eine Winterliga. Sechs Teams spielen von Mitte Oktober bis Ende Dezember die reguläre Saison mit 50 Spielen, anschließend findet unter den besten vier Teams eine weitere Gruppenrunde mit jeweils 18 Spielen statt. Die beiden besten Mannschaften spielen dann schließlich eine Finalserie im Modus Best of Nine aus. Die drei großen Teams, die fast alle Titel unter sich aufteilen, sind der amtierende und Rekordmeister Tigres del Licey (22 Meisterschaften) aus Santo Domingo, die Águilas Cibaeñas (20) aus Santiago sowie die Leones del Escogido (16), ebenfalls aus Santo Domingo.

Baseball in Puerto Rico
Auch in Puerto Rico ist die wichtigste Spielklasse eine professionelle Winterliga, die nach dem puerto-ricanischen Hall of Famer benannte Liga de Béisbol Profesional Roberto Clemente (LBPRC). Den Namen trägt die Liga erst seit 2012, sie besteht aber schon seit 1938. Aktuell umfasst die LBPRC fünf Teams, die normalerweise je 40 Spiele in der regulären Saison und anschließend zwei Playoffrunden absolvieren – eine Halbfinalrunde mit Best-of-Seven-Serien und ein Finale nach dem Modus Best of Nine. Ich schreibe „normalerweise“, denn normal ist in Puerto Rico dieses Jahr nach dem verheerenden Werk des Hurrikans Maria im September leider gar nichts. Es stand im Raum, die Baseballsaison für dieses Jahr ganz abzusagen, doch schließlich entschied man sich für eine verkürzte Saison im Januar 2018. Der Sieger wird wie üblich an der Serie del Caribe teilnehmen und dort versuchen, den Titel zu verteidigen, den Anfang 2017 die Criollos de Caguas nach Puerto Rico geholt hatten.

Baseball in Kuba
Im sozialistischen Kuba gibt es seit 1962 grundsätzlich keinen Profisport. So ist jedenfalls die offizielle Sprachregelung, wobei die Spitzensportler als sogenannte Staatsamateure durchaus gewisse Privilegien genießen und keiner zusätzlichen geregelten Beschäftigung nachgehen müssen. Das Einkommensgefälle zwischen Top-Spielern in Kuba und solchen im Ausland ist dennoch enorm und daher ist es seit Langem an der Tagesordnung, dass viele Sportler ihr Glück außer Landes suchen – selten mit, meistens ohne Zustimmung ihrer Heimatstaates.

Von den USA hielten sie nicht viel, aber Baseball liebten auch die kubanischen Revolutionäre Camilo Cienfuegos und Fidel Castro2

Kuba unterhält ein recht umfangreiches Ligasystem, an dessen Spitze die Serie Nacional de Béisbol (SNB) steht. In der SNB sind 16 Teams aktiv, eines aus jeder Provinz Kubas. Die Spieler treten üblicherweise für das Team der Provinz an, in der sie geboren wurden bzw. in der sie wohnen; es gibt keine ausländischen Spieler und kein Transfersystem, wie wir es aus den Ligen anderer Länder kennen. Gespielt wird von November bis März oder April eine 90 Spiele umfassende reguläre Saison, an die sich drei Playoff-Runden anschließen.

In den Monaten Mai bis Juli findet in Kuba die Súper Liga statt, eine Art All-Star-Turnier, in dem die besten Spieler der 16 SNB-Teams in fünf Regionalteams zusammengefasst werden uvd eine Runde von je 28 Spielen je Team absolvieren. Die beiden besten Mannschaften spielen am Ende ein Best-of-Three-Finale. Die Súper Liga dient gleichzeitig der Bewerbung für das Nationalteam, in das nur Spieler gewählt werden, die an der Liga teilgenommen haben.

Die Serie del Caribe
In den fünf Ländern, die ich heute vorgestellt habe, wird Baseball auf ungefähr gleich hohem Niveau gespielt. Entsprechend spannend ist die jährlich im Februar stattfindende Veranstaltung, bei der die fünf Landesmeister ihre Kräfte messen: die Serie del Caribe oder auf englisch die Caribbean Series. Das Turnier gibt es – mit Unterbrechungen und wechselndem Teilnehmerkreis – seit 1949. In der Regel wird es in jährlichem Wechsel in den teilnehmenden Staaten ausgetragen, wobei Kuba seit seiner Wiederaufnahme ins Turnier 2014 bislang als Gastgeber außen vor bleibt und wegen der schwierigen Lage in Venezuela 2018 stattdessen die Serie zum zweiten Mal hintereinander in Mexiko gastieren wird. Bei der Serie del Caribe spielt zunächst jeder gegen jeden, anschließend finden in jeweils einzelnen Spielen die Halbfinals und das Finale statt. Die Teams aus der Dominikanischen Republik haben, obwohl sie erst seit 1970 bei der Serie del Caribe dabei sind, mit 19 Titeln bislang am häufigsten gewonnen. In den letzten sieben Turnieren war viermal das Team aus Mexiko siegreich.

Berühmte Spieler aus der Karibik
Für die bisher in dieser Serie vorgestellten Länder ist die Lage recht überschaubar: Es gab jeweils nur ein paar Spieler, die es zu Erfolgen in der MLB gebracht haben. Für die fünf Staaten, um die es heute geht, sieht es komplett anders aus: Jedes von ihnen hat bereits eine deutlich dreistellige Zahl von MLB-Spielern hervor gebracht, darunter eine Menge absoluter Top-Stars. Durch die geographische Nähe und die enge Kooperation zwischen der MLB und den nationalen Baseballorganisationen ist der Weg aus den karibischen Ligen in die US-Majors – entsprechendes Talent vorausgesetzt – weit offen. Roberto Clemente, Carlos Beltrán und Iván Rodríguez aus Puerto Rico, Luis Aparicio, Miguel Cabrera und José Altuve aus Venezuela, Fernando Valenzuela, Bobby Avila und Vinny Castilla aus Mexiko, Vladimir Guerrero, Pedro Martinez und David Ortíz aus der Dominikanischen Republik, Tony Perez, Aroldis Chapman und Yoenis Céspedes aus Kuba – das sind nur drei große Namen aus jedem der Länder und es fällt mir nicht einfach, es dabei zu belassen.

Teamkameraden beim World-Series-Champion Houston Astros: José Altuve (Venezuela) und Yulieski Gurriel (Kuba)3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: LiAnna Davis (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Unbekannt (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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November 6th, 2017 by Silversurger

Vier oder fünf Monate Verzicht auf Baseball? Kann man machen, muss man aber nicht. Auch nachdem die Bundesliga, die MLB, die japanische und die koreanische Liga ihre Pforten für dieses Jahr geschlossen haben, gibt es noch Ecken auf der Welt, in denen Baseball gespielt wird.

Am interessantesten aus Sicht eines MLB-Fans ist sicher die noch knapp zwei Wochen laufende Arizona Fall League (AFL). Seit 10. Oktober und noch bis zum Finale am 18. November spielen sechs Teams montags bis samstags um die Meisterschaft. Wichtiger als der Titel ist jedoch den meisten teilnehmenden Spielern, mit starken Individualleistungen auf sich aufmerksam zu machen, um sich für den Aufstieg in die MLB zu empfehlen. Denn die AFL gilt traditionell als Sprungbrett für Talente, die schon ganz nah an der Reife für die Big Leagues sind. Jedes AFL-Team ist fünf MLB-Franchises zugeordnet und wird mit Minor-League-Prospects aus diesen bestückt. Bewegte Livebilder gibt es leider nur selten: Ganz vereinzelt werden Spiele auf mlb.com gestreamt, in den Paketen von mlb-tv und mlb-tv ist die AFL nicht enthalten.

Bei der Suche nach weiteren Orten, an denen im Herbst und Winter Baseball gespielt wird, richtet sich der Blick naheliegenderweise nach Süden. In Kuba, Mexiko, Puerto Rico, Venezuela und in der Dominikanischen Republik ist der Spielbetrieb in vollem Gange. Liveübertragung im Internet gibt es für die meisten dieser Ligen auch, allerdings in aller Regel kostenpflichtig und nur auf spanisch. Die Meister der fünf genannten Ligen treffen sich vom 2. bis zum 8. Februar im mexikanischen Guadalajara zum Highlight der karibischen Baseballsaison, zur Serie del Caribe, um in Turnierform die Nummer eins unter den lateinamerikanischen Vereinsmannschaften zu küren.

In Australien naht der Sommer und damit auch der Beginn der Saison in der Australian Baseball League (ABL). Am 16. November, also Donnerstag nächster Woche, geht es los mit dem Eröffnungsspiel des amtierenden Meisters Brisbane Bandits gegen die Canberra Cavalry. Weil der Spielplan komplementär zu jenen der meisten Ligen auf der Nordhalbkugel liegt, zieht die ABL regelmäßig Spieler aus Nordamerika und Europa – nicht zuletzt aus der Baseball-Bundesliga – an, die sich so den Winter über fit halten und ein bisschen Geld hinzuverdienen können. Erfreulicherweise werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

 

Nachtrag: In Taiwan gibt es vom 25. November bis zum 17. Dezember die CPBL Winter League mit japanischer, koreanischer und europäisch-amerikanischer Beteiligung. Danke an Ralf für den Tipp.

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