Januar 26th, 2017 by Silversurger

Der vergangene Sonntag wird als ein besonders trauriger Tag in die Baseballgeschichte eingehen, denn an ihm verloren gleich zwei MLB-Spieler viel zu früh ihr Leben. Die Trauer um Yordano Ventura und Andy Marte dominierte diese Woche das Geschehen rund um die Major Leagues, aber natürlich halten auch zwei tragische Todesfälle die Welt nicht davon ab, sich weiterzudrehen und so gab es auch einige „normale“ News, die ich in dieser Folge des Grand Slam am Donnerstag nicht unberücksichtigt lassen will.

Ventura und Marte sterben bei Autounfällen
Das Leben schreibt manchmal wirklich komische Geschichten: Yordano Ventura und Andy Marte sind am gleichen Tag im gleichen Land (ihrer Heimat Dominikanische Republik) bei zwei verschiedenen Autounfällen ums Leben gekommen. Ventura stand noch relativ am Anfang einer vielversprechenden Karriere als Pitcher, wenngleich er für seine 25 Jahre schon beachtliche drei Spielzeiten als Starter für die Kansas City Royals absolviert und eine World Series gewonnen hatte. Infielder Marte hingegen war nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinausgekommen und verbrachte die beiden vergangenen Jahre in Korea. Seine MLB-Karriere endete am 6. August 2014 mit einem Spiel für die Arizona Diamondbacks gegen die Kansas City Royals. Starting Pitcher in jener Partie war ein Rookie namens Yordano Ventura…

Karriereende für Matt Imhof
Ein anderer, im Juni letzten Jahres erlittener Unfall, kostete Pitching-Prospect Matt Imhof zwar wenigstens nicht das Leben, aber seine Karriere. Das Talent der Philadelphia Phillies hatte Dehnübungen an einem Trainingsgerät absolviert, als sich ein Metallteil aus der Wand löste und ihm ins Gesicht schlug. Imhof brach sich mehrere Gesichtsknochen und verlor ein Auge. Gestern gab er bekannt, dass er seine aktive Laufbahn beendet und zurück an die Uni geht, um sein finanzwissenschaftliches Studium abzuschließen und gleichzeitig als Assistenz-Pitching-Trainer eine mögliche neue Karriere zu beginnen.

Mark Trumbo bleibt bei den Orioles
Um nach all den traurigen Geschichten endlich mal eine gute Nachricht für einen MLB-Spieler zu verkünden: Mark Trumbo und die Baltimore Orioles haben sich auf einen neuen Vertrag geeinigt. Mit dem Deal über 37,5 Millionen Dollar für drei Jahre können meiner Ansicht nach beide Seiten zufrieden sein: Die Orioles behalten ihren Power-Hitter und dürfen gespannt sein, ob er die ligaweite Spitzenleistung von 47 Homeruns aus der letzten Saison wiederholen kann; Trumbo hat nicht den ganz großen Vertrag bekommen, den er sich wohl erhofft hatte, aber die erzielte Summe ist für einen 31-jährigen eher eindimensionalen Slugger eine Menge Geld. Einen Monat vor Beginn des Spring Trainings stehen nun als letzte große Namen, die bisher noch kein neues Engagement gefunden haben, Catcher Matt Wieters und 1B/DH Mike Napoli auf der Liste der Free Agents.

Die Dodgers traden für Forsythe
Die Los Angeles Dodgers waren lange auf der Suche nach einem als Leadoff-Hitter geeigneten Second-Baseman als Nachfolger des 38-jährigen Chase Utley. In Logan Forsythe haben sie für diesen Posten nun eine adäquate Besetzung gefunden, allerdings für einen recht hohen Preis: Im Austausch für ihn mussten die Dodgers das hoch gerankte Pitching-Prospect Jose De Leon zu den Tampa Bay Rays schicken. Das ist ein klassischer Deal zwischen einem Team, das oben mitspielt, und einem Team, das sich im Neuaufbau befindet. Wenn man mich fragt: Ich finde, die Rays haben das bessere Ende des Handels erwischt. Aber mit Sicherheit sagen kann man das natürlich erst, wenn sich im Laufe der nächsten Jahre zeigt, ob De Leon zurecht als eines der vielversprechendsten Pitching-Talente gesehen wurde.

Neue Arbeitgeber für Felix, Holland und Feldman
Zwei der prominenteren Reliever haben in den letzten Tagen neue Teams gefunden: Neftali Feliz geht für ein Jahr zu den Milwaukee Brewers und dürfte dort eine Chance auf den Closer-Job haben. Den hatte er vor Jahren schon mal erfolgreich für die Texas Rangers ausgefüllt, bevor ihn ab 2012 eine Tommy-John-Surgery und mehrere kleinere Verletzungen aus der Bahn warfen. In Pittsburgh fand er letztes Jahr mit einem ERA von 3.52 in 62 Auftritten erstmal wieder seine Form und verdiente sich so das neue Engagement, das leistungsabhängig zwischen 5,35 und 6,85 Millionen Dollar wert sein soll.
Ebenfalls für ein Jahr (plus ein optionales zweites Jahr) hat bei den Colorado Rockies Reliever Greg Holland unterschrieben. Auch er hat eine Tommy-John-Surgery hinter sich und infolgedessen seit 16 Monaten nicht gepitcht. In der Hoffnung, dass Holland an seine bis zur Verletzung sehr starken Leistungen (Karriere-ERA 2.42 für die Kansas City Royals) anknüpfen kann, bezahlen ihm die Rockies laut noch unbestätigten Berichten ein Gehalt von 7 Millionen Dollar, das leistungsabhängig bis zum Doppelten ansteigen könnte.
Ebenfalls einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat Starting Pitcher Scott Feldman. Der 34-Jährige Veteran ergänzt die Rotation der im Umbruch befindlichen Cincinnati Reds und erhält für ein Jahr 2,3 bis 4,5 Millionen Dollar.

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Juni 9th, 2016 by Silversurger

Die aufsehenerregendste Szene der vergangenen Tage war sicherlich der Fight zwischen Manny Machado und Yordano Ventura beim Spiel der Orioles gegen die Royals. Beide wurden inzwischen gesperrt – Machado für vier, Ventura für neun Spiele – und das ist auch gut so (wobei gegen solche Sperren fast immer Einspruch eingelegt wird und am Ende eine mildere Strafe herauskommt). Zum Glück wurde in den vergangenen Tagen aber auch viel Baseball gespielt und darauf werde ich mich in dieser ersten Folge des für jeden Donnerstag geplanten Rundum-Überblicks über die MLB konzentrieren.

National League

In der National League sind und bleiben die Chicago Cubs (41-17) das Maß aller Dinge. Sie haben sieben ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, was ziemlich genau ihrem bisherigen Durchschnitt in der gesamten Saison entspricht. Wenn sie genau so weitermachen sind sie auf Kurs für 114 Siege in der regulären Saison, das wäre die beste Bilanz seit den Seattle Mariners im Jahr 2001. Besonders beeindruckend ist, dass die Cubs die NL sowohl in der Offensive (5.4 Runs pro Spiel, .351 Team-OBP) als auch in der Defensive (2.8 Runs Allowed pro Spiel, 2.56 Team-ERA) mit deutlichem Abstand anführen. In dieser Mannschaft scheint dieses Jahr so ziemlich alles zu stimmen und noch nicht mal von einem Ass wie Jake Arrieta kann man behaupten, dass er sonderlich herausragt – weil alle anderen um ihn herum fast genauso gut sind. Aber genug der Lobeshymnen. Auch die Cubs werden noch den einen oder anderen Slump durchmachen und selbst wenn die reguläre Saison weiterhin so glatt läuft wie bisher, zeigt das oben erwähnte Beispiel der Mariners, dass in den Playoffs alle wieder bei Null anfangen: Nach der Rekordsaison mit 116 Siegen verloren die Mariners 2001 die ALCS sang- und klanglos mit 1-4 gegen die Yankees, welche in der Saison 21 Spiele weniger gewonnen hatten.

Während es in der NL Central für Teams wie die Pittsburgh Pirates (32-27) und die St. Louis Cardinals (31-28) allenfalls noch um eine Wild Card geht, könnte es in der NL East zwischen den Washington Nationals (36-23) und den New York Mets (32-26) sowie in der NL West zwischen den San Francisco Giants (36-25) und den Los Angeles Dodgers (32-29) noch lange spannend bleiben. Dazu müssten allerdings die Mets langsam mal damit anfangen, ihrem überragenden Pitching halbwegs regelmäßig ein Mindestmaß an Run-Support zu spendieren. Und die Dodgers und die Giants müssen einen Weg finden, in ihrer Rotation mehr als zweieinhalb respektable Starter aufzubieten – oder sie lassen einfach beide alles so wie es ist, dann bleibt es ebenfalls spannend zwischen ihnen und die anderen drei Teams der Division können dieses Jahr ohnehin nicht mithalten.

Die Philadelphia Phillies (29-31) müssen sich unterdessen von der einige Wochen lang aufkeimenden Hoffnung auf eine Sensation wohl so langsam verabschieden. Nach sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen ist die Bilanz inzwischen negativ und das wird sie wohl auch bleiben. So viel Glück wie die Phillies in den ersten zwei Monaten der Saison hatten, als sie trotz deutlich negativer Rundifferenz mehr Spiele gewannen als sie verloren (sie stehen immer noch 15-5 in One-Run-Games) und Tuchfühlung zu den Mets und den Nats hielten, hat niemand auf Dauer.

American League

In der American League geht es bislang deutlich ausgeglichener zu: Kein Team ragt so deutlich heraus wie die Cubs in der NL und mit den Minnesota Twins (18-40) gibt es auch nur einen einzigen Club, der unter 40% seiner Spiele gewonnen hat und damit bereits weit abgeschlagen ist.

Auf den vorderen Plätzen ist in allen drei Divisionen Hochspannung angesagt: In der AL East haben die Baltimore Orioles (35-23) den Boston Red Sox (34-25) frisch die Führung entrissen, dahinter machen sich auch die Toronto Blue Jays (32-29) noch berechtigte Hoffnung, ein Wörtchen mitreden zu dürfen. Für sie wird wegweisend sein, was dabei herauskommt, wenn es in den nächsten elf Spielen siebenmal gegen die Orioles geht.

In der AL Central haben die Cleveland Indians (32-26) momentan die Nase vor den Detroit Tigers und den Kansas City Royals (jeweils 30-29), wobei Letztere gerade sieben Spiele in Folge verloren haben. Plötzlich nur noch Vierter und damit unsanft vom Höhenflug gelandet sind nach zwölf Niederlagen in den letzten vierzehn Spielen die Chicago White Sox (29-30), bei denen vor allem die Defense momentan nur noch ein Schatten vergangener Wochen ist.

Die Texas Rangers (36-23) haben hingegen acht der letzten zehn Spiele gewonnen und sich damit an der Spitze der AL West etwas von den Seattle Mariners (33-26) abgesetzt, vor allem durch einen 3-0-Sweep gegen den direkten Konkurrenten.

Spielzug der Woche

Das sehenswerteste Play der vergangenen Tage war für mich (mal wieder) ein sagenhafter Catch des Mets-Gold-Glovers Juan Lagares. Diese Heldentat im Spiel gegen die Marlins letzten Samstag war nicht nur unnachahmlich und schön anzusehen sondern wahrscheinlich auch spielentscheidend, denn beim Stand von 2:3 aus Sicht der Mets mit zwei Runnern in Scoring Position bewahrte die Aktion sie vor einem hohen Rückstand, von dem sie sich vielleicht nicht mehr erholt hätten. So aber gewannen die Mets am Ende 6:4. Einziger Wermutstropfen: Lagares verletzte sich dabei am Daumen und muss deshalb ein paar Tage pausieren.

Spiel der vergangenen Woche

Diese Wahl fällt einfach, denn der Comeback-Sieg der Seattle Mariners gegen die San Diego Padres am vergangenen Donnerstag war einfach nur unglaublich. Nach fünf Innings führten die Padres mit 12:2. Im sechsten Inning verlor Starter Colin Rea die Kontrolle und ließ fünf Runs zu, aber die Padres führten danach immerhin noch mit 12:7. Im siebten Inning ließen drei Reliever vierzehn Batter an den Schlag kommen und kassierten neun Runs zum 12:16. Das Spiel endete 16:13 für Seattle, es war das höchste Comeback in einem MLB-Spiel seit sieben Jahren.

Spiel der kommenden Woche

Am Samstag lohnt es sich, früh aufzustehen, denn um 4:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen zum Auftakt einer Drei-Spiele-Serie die San Francisco Giants auf die Los Angeles Dodgers, angeführt von Johnny Cueto (ERA 2.16) und Clayton Kershaw (ERA 1.46).

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