Dezember 10th, 2019 by Silversurger

Er tauchte dieses Jahr in nur einem einzigen MLB-Spiel auf, aber dieser eine Auftritt hinterließ bleibenden Eindruck: Dellin Betances erhält den MRI-Award 2019. Die Wahl zu diesem aus unerfindlichen Gründen wenig geliebten Titel fand hier im Baseblog statt und ging mit überwältigender Mehrheit an den Yankees-Reliever. Von 52 abgegebenen Stimmen für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres entfielen 27 und somit satte 52% auf Betances. Mit gehörigem Abstand folgt Hunter Strickland (11 Stimmen, 21%), für den es zum zweiten Mal im Folge nur zum Vize-MRI-Award reichte – was, nebenbei bemerkt, ein MLB-Rekord für die Ewigkeit sein dürfte.

So hat es sich im Nachhinein für Betances also doch noch gelohnt, wenigstens dieses eine Spiel zu absolvieren. Der 31-Jährige war ein Jahr lang mit Schulterproblemen ausgefallen, bevor er am 15. September gegen die Los Angeles Angels seine Rückkehr auf den Mound feierte. Das Comeback mit zwei Strikeouts war für den Reliever so erfolgreich und elektrisierend, dass es ihn zu einem Jubelsprung veranlasste, bei dem er sich die linke Achillessehne anriss.

Dellin Betances ist inzwischen auf dem Weg der Besserung und auf der Suche nach einem neuen Job, da der Vertrag bei den Yankees ausgelaufen ist. Gut möglich, dass der gebürtige New Yorker in seiner Heimatstadt bleibt, denn sowohl die Yankees als auch die Mets gelten als ernsthafte Interessenten an seinen Diensten für die Saison 2020. Ich wünsche ihm, dass es ein verletzungsfreies Jahr wird.


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Dezember 3rd, 2019 by Silversurger

Wir wissen inzwischen, wer die MVPs, die Rookies und die Manager des Jahres 2019 sind, die All-Stars kennen wir schon lange und das erstmals gewählte All-MLB-Team wird in ein paar Tagen von der Liga bekannt gegeben. Was in dieser Reihe schöner Auszeichnungen noch fehlt, ist der Award, den es nur hier im Baseblog gibt: der für die dämlichste Verletzung, die „most ridiculous injury“, kurz der MRI-Award.

Letztes Jahr gab es ein lange spannendes Rennen zwischen Chris Martin, der sich auf dem Weg zu einer Schlägerei den Oberschenkel gezerrt hatte, und Hunter Strickland, der sich beim wutentbrannten Schlag gegen eine Tür die Hand gebrochen hatte. Chris Martin trug schließlich den Titel davon, doch verteidigen wird er ihn nicht, denn dafür waren seine Verletzungen im Jahr 2019 viel zu unspektakulär. Kollege Strickland hingegen steht erneut auf der Nominierungsliste – toll, was der Mann sich immer wieder einfallen lässt, um es in meine Blogartikel zu schaffen.

Genug der Vorrede, Ladies and Gentlemen, hier sind die Nominierten für den MRI-Award 2019:

  • Blake Snell: Schon kurz nach Saisonstart im April sicherte sich Blake Snell, Starter der Tampa Bay Rays, die Teilnahme an dieser Wahl. passiert ist es im heimischen Badezimmer: Snell kam – logischerweise nackt – aus der Dusche, sein Blick fiel auf ein nicht näher bezeichnetes Deko-Objekt aus Granit und brachte ihn spontan auf die Idee, dieses woanders hinzustellen. Dabei übersah er, dass das Objekt aus drei Teilen bestand, die nicht fest miteinander verbunden waren. Prompt fiel ihm eine Granitstange auf den vierten Zeh (sagt man dazu eigentlich „Ringzeh“?) des rechten Fußes und brach diesen. Snell fiel für zehn Tage aus.
  • Hunter Strickland: Der Reliever der Washington Nationals wird trotz erheblicher Rückschläge nicht müde, sich mit störenden Einrichtungsgegenständen im Clubhouse anzulegen. Letztes Jahr bezahlte er seine Attacke auf eine Tür mit zwei Monaten auf der Verletztenliste. Diesen August gelang es ihm, beim Training im Fitnessraum eine Schnur so an einer Hantel zu befestigen, dass diese ihm, als er im Sitzen an der Schnur zog, ins Gesicht klatschte und ihm die Nase brach. Zum Glück war es ein glatter, unkomplizierter Bruch, sodass Strickland schon zwei Tage später wieder spielen konnte.
  • Kyle Crick: Sich als Sportler nicht im Spiel oder im Training, sondern bei einer Schlägerei zu verletzen, ist eigentlich schon dämlich genug. Noch dämlicher ist es, wenn das beim Fight mit dem eigenen Teamkameraden passiert. Felipe Vazquez und Kyle Crick, beides Reliever der Pittsburgh Pirates, gerieten am 9. September aus unbekannten Gründen in der Kabine aneinander. Ein Wort gab das andere und schließlich wurde die Auseinandersetzung handfest. Crick legte hinterher Wert auf die Feststellung, Vazquez habe angefangen. Er selbst allerdings schlug so fest und ungeschickt zu, dass er sich ein Band im Zeigefinger riss und operiert werden musste. (Dass der inzwischen wegen Kindesmissbrauchs verhaftete Vazquez die Schläge wohl verdient hatte, ist eine andere, für diesen Artikel zu ernste und traurige Geschichte…)
  • Dellin Betances: Der Yankees-Reliever trat 2019 in genau einem einzigen Spiel auf. Fast ein Jahr lang war er mit Schulterproblemen ausgefallen, bevor er am 15. September gegen die Los Angeles Angels endlich sein Comeback feiern durfte. Er fertigte seine ersten beiden Batter mit Strikeouts ab und freute sich darüber so sehr, dass er jubelnd vom Mound sprang – wobei er sich die linke Achillessehne anriss und damit die Saison für sich beendete.

Welches war die dämlichste Verletzung der MLB-Saison 2019?

  • Dellin Betances – Achillessehnenriss beim Jubeln (52%, 27 Votes)
  • Hunter Strickland – Nasenbruch im Fitnessraum (21%, 11 Votes)
  • Kyle Crick – Handverletzung beim Fight mit Teamkamerad (13%, 7 Votes)
  • Blake Snell – Zehenfraktur im Badezimmer (13%, 7 Votes)

Total Voters: 52

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Die Abstimmung ist ab sofort und für genau eine Woche freigeschaltet. Selbstverständlich ist die Wahl anonym, aber ihr dürft gerne in den Kommentaren Wahlkampf für euren Favoriten machen.

Damit mich niemand falsch versteht: Es liegt mir nichts ferner als ernsthafte Verletzungen zu feiern oder mich darüber lustig zu machen. Jeder verletzte Spieler kann sich meines Mitgefühls und meiner aufrichtigen Genesungswünsche sicher sein. Trotzdem erlaube ich mir, über Missgeschicke wie die hier geschilderten in einem gewissen Rahmen zu lachen und zu scherzen – nicht mehr und nicht weniger als man innerhalb eines Sportteams nach solchen Aktionen auch den Spott der Mitspieler ertragen muss.

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November 28th, 2019 by Silversurger

Happy Thanksgiving allerseits! Für die USA im Allgemeinen und für NFL-Football im Speziellen ist heute ein bedeutender Feiertag. In der MLB wird sich heute eher nichts tun, die Spieler und sonstigen Akteure verbringen den Tag entweder mit der Familie oder mit sozialem Engagement. Für mich ist das eine gute Gelegenheit, in Ruhe darauf zurück zu blicken, was sich rund um die Liga in den vergangenen sieben Tagen getan hat – angefangen mit der Verpflichtung von Yasmani Grandal, die die White Sox frecherweise wenige Minuten nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag öffentlich machten.

Die White Sox investieren in Grandal und Abreu
Das Rebuiling-Projekt der Chicago White Sox ist wohl offiziell abgeschlossen: Zwei Deals innerhalb weniger Tage über zusammen mehr als 120 Millionen Dollar signalisieren klar, dass der Klub ab sofort wieder eine Rolle spielen möchte in der AL Central und darüber hinaus. Das Geld bekommen zwei Spieler, die als erfahrene Eckpfeiler dabei helfen sollen, das junge, talentierte Team zu führen, welches die White Sox sich im Laufe der letzten Jahre aufgebaut haben.
Yasmani Grandal kommt für für vier Jahre und 73 Millionen Dollar nach Chicago. Der 31-Jährige war in der zweiten Offseason hintereinander der beste Catcher unter den Free Agents. Er hatte letztes Jahr damit überrascht, dass er sich mit einem Einjahresvertrag über 18,25 Millionen bei den Milwaukee Brewers zufrieden gab und ein Angebot der Mets über vier Jahre und 60 Millionen ausschlug. Der Vertrag, den er jetzt erzielt hat, spricht dafür, dass Grandals Taktik der Wette auf sich selbst aufgegangen ist. Gelungen ist ihm das durch die stärkste Saison seiner Karriere, in der er es auf 5.2 fWAR brachte mit einer Slashline von .246/.380/.468, 28 Homeruns in 632 Plate Appearances und einer soliden Defense.
Weitere 50 Millionen lassen die White Sox sich die Dienste von First Baseman Jose Abreu in den kommenden drei Jahren kosten. Der 32-jährige Slugger hatte letzte Woche einem Qualifying Offer der White Sox zugestimmt, nun konnten sich beide Seiten doch noch auf eine längerfristige Zusammenarbeit einigen. Abreus Saison 2019 (1.9 fWAR, .284/.330/.503, 33 Homerun) war gut, aber doch weit entfernt von den Leistungen, die er von 2014 bis 2017 gezeigt hat. Der Vertrag, den die White Sox ihm nun geben, wirkt in diesem Lichte recht großzügig, aber Abreus Wert als Führungsspieler dürfte für das Team deutlich über die zahlenmäßige Produktion hinaus gehen.

Trade zwischen den Brewers und den Padres
Keinen Blockbuster, aber einen interessanten Tausch einiger junger Spieler haben die Milwaukee Brewers und die San Diego Padres vereinbart: OF Trent Grisham und RHP Zach Davies gehen nach San Diego, dafür wechseln IF Luis Urias und LHP Eric Lauer zu den Brewers. Die Brewers erhalten darüber hinaus noch einen „Player to be named later“. Grisham und Urias sind beide frühere Top-Prospects, die die in sie gesetzten Erwartungen 2019 (noch?) nicht voll erfüllen konnten. Ein Tapetenwechsel hin zu einem Team, in dem die Konkurrenz auf den jeweiligen Positionen geringer ist als im bisherigen Klub, klingt in beiden Fällen nach einer guten Idee. Die in den Trade involvierten Pitcher sind Material für Mitte bis Ende einer Starting Rotation, wobei der 26-jährige Davies die etabliertere Größe ist, während der 24-jährige Lauer etwas mehr Entwicklungspotenzial bietet.

Mariners verlängern mit Rookie
Auch die Seattle Mariners haben ihren Posten an der ersten Base langfristig vergeben: Sie haben sich mit Evan White auf einen Sechsjahresvertrag über 24 Millionen Dollar geeinigt. Der Vertrag enthält zudem drei Verlängerungsoptionen für den Klub, durch die er sich letztlich auf neun Jahre und 55,5 Millionen belaufen kann. Der 23-Jährige White hat bisher noch kein MLB-Spiel absolviert. Die Saison 2019 verbrachte er bei den Arkansas Travelers, dem AA-Minor-League-Team der Mariners. Die frühzeitige und langfristige Verpflichtung erinnert stark an den Vertrag zwischen den Philadelphia Phillies und Scott Kingery, der damals – kurz vor der Saison 2018 – ebenfalls vor seinem ersten MLB-At-Bat für 24 Millionen und sechs Jahre unterschrieb. Interessanter Fakt am Rande: White ist derzeit der einzige Spieler im Roster der Mariners mit einem garantierten Vertrag, der über 2021 hinaus reicht.

Ein paar weitere Signings
Auf dem Free-Agent-Karussell der MLB standen diese Woche vor allem Catcher hoch im Kurs. Neben Grandal fanden auch Travis d’Arnaud (Atlanta Braves für 2 Jahre, 16 Millionen), Yan Gomes (Washington Nationals, 2 Jahre, 10 Millionen), Stephen Vogt (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3 Millionen), Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Klub-Option) und Dustin Garneau (Houston Astros, 1 Jahr, 650.000) neue Engagements für ihre Tätigkeit hinter der Homeplate.
RHP Kyle Gibson einigte sich mit den Texas Rangers auf einen Dreijahresvertrag über 30 Millionen Dollar. Auch LHP Drew Pomeranz (San Diego Padres, 4 Jahre, 34 Millionen), RHP Kendall Graveman (Seattle Mariners, 1 Jahr, 2 Millionen plus Klub-Option) und RHP Carl Edwards Jr. (Seattle Mariners, 1 Jahr, 950.000) haben neue Jobs gefunden.

Koreanischer Pitcher auf dem Sprung
Letzte Woche habe ich einige interessante Spieler aus der japanischen NPB aufgelistet, die sich in dieser Offseason um einen Wechsel in die MLB bewerben. Mindestens ebenso großes Interesse zieht derzeit der Koreaner Kwang-hyung Kim auf sich. Der linkshändige Pitcher von den SK Wyverns soll bereits Anfragen von den Mets, den Royals, den Dodgers, den Diamondbacks und den Cubs erhalten haben. In der KBO wurde der 30-Jährige in der Regel als Starter eingesetzt. Ob er in der MLB ebenfalls starten oder zum Reliever umfunktioniert werden soll, ist noch unklar – möglicherweise wird das auch ein Punkt in den anstehenden Verhandlungen mit den interessierten Vereinen sien.

Yankees streiten mit Ellsbury
Die New York Yankees waren in den letzten Jahren von außergwöhnlich zahlreichen Verletzungen geplagt. Von zwei besonders häufig verletzten Spielern, First Baseman Greg Bird und Outfielder Jacoby Ellsbury, hat man sich nun getrennt. Ein Schlussstrich ist damit, zumindest was Ellsbury betrifft, noch nicht gezogen. Ihm schulden die Yankees nämlich noch rund 26 Millionen Dollar aus einem 2014 geschlossenen Siebenjahresvertrag – 21 Millionen für die Saison 2020 sowie 5 weitere Millionen als Buyout, damit sich der Vertrag nicht automatisch bis 2021 verlängert. Die Yankees weigern sich bislang, dieses Geld zu bezahlen. Ihr Vorwurf lautet, Ellsbury habe sich ohne Absprache von einem Arzt außerhalb der Organisation behandeln lassen und damit seine Genesung beeinträchtigt. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat bereits erklärt, Ellsbury zu unterstützen in dieser Auseinandersetzung, die zu einem interessanten Präzedenzfall werden kann.

Neuer Eigentümer für die Royals
Die Kansas City Royals haben einen neuen Owner: Der Unternehmer John Sherman hat den Klub für rund eine Milliarde Dollar gekauft. Er und der bisherige Eigentümer, David Glass, hatten sich vor drei Monaten auf den Handel geeinigt. Letzte Woche erfolgten die notwendigen Zustimmungen der anderen MLB-Teambesitzer, sodass der Verkauf vorgestern offiziell bekannt gegeben werden konnte. Sherman ist schon länger im Baseball-Geschäft aktiv. Bevor er nun das Team seiner Heimatstadt erwarb, hielt er bereits einige Jahre lang Minderheitenanteile an den Cleveland Indians. Für Glass waren die Royals ein glänzendes Geschäft: Er hatte den Klub im Jahr 2000 für 96 Millionen Dollar erworben.

Wahl zum ersten All-MLB-Team läuft
Seit 1933 gibt es in der MLB das All-Star-Spiel. Das Verfahren, nach dem die Spieler für die All-Star-Roster ausgewählt werden, hat sich seitdem mehrfach geändert, doch zwei Dinge sind immer gleich geblieben: erstens dass es je ein Team für die American League und die National League gibt, zweitens dass das Spiel ungefähr zur Mitte der Saison stattfindet und somit bei der Spielerauswahl nur die Leistungen aus der ersten Saisonhälfte berücksichtigt werden. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern, aber es brachte die MLB auf die Idee, ab diesem Jahr zusätzlich die Wahl eines All-MLB-Teams einzuführen. Dieses Team wird nicht nach Ligen getrennt sein und es wird erst nach Abschluss der Saison gewählt. Die Auswahl erfolgt mit einem Gewicht von je 50 Prozent durch die Fans und durch ein Expertengremium. Die Fanwahl läuft seit Dienstag dieser Woche bis Dienstag nächster Woche (3. Dezember). In diesem Zeitraum könnt ihr hier eure Stimmen abgeben, bei Bedarf auch mehrmals im Abstand von 24 Stunden. Das Ergebnis wird am 10. Dezember während der Winter Meetings der MLB bekannt gegeben.

Dämliche Verletzungen gesucht!
Auch hier im Blog gibt es in Kürze wieder eine Wahl – zum zweiten Mal werde ich den MRI-Award für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres vergeben. Ich habe bereits ein paar sehr aussichtsreiche Kandidaten auf dem Zettel, aber bevor ich die Abstimmung starte, möchte ich hier erstmal zu weiteren Nominierungen aufrufen. Teilt mir eure Kandidaten einfach als Kommentar unter diesem Artikel mit – bitte mit der dazugehörigen Geschichte, egal ob als Link oder in euren eigenen Worten.
Für alle, die den Award nicht schon vom letzten Jahr kennen: Es handelt sich um eine nicht bierernst gemeinte Auszeichnung für einen Spieler, der sich bei einer möglichst lächerlichen Aktion verletzt hat. Hier könnt ihr die Nominierungen und das Abstimmungsergebnis aus dem letzten Jahr nachlesen, hier die Laudatio auf den ersten Preisträger Chris Martin.

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November 25th, 2018 by Silversurger

Er wollte für sein Team gerade stehen und wurde zum Gespött der Liga: Am 13. Juni dieses Jahres machte sich Relief Pitcher Chris Martin auf den weiten Weg vom Bullpen ins Infield, um seine Texas Rangers in einer Keilerei mit den Los Angeles Dodgers zu unterstützen. Ein Bullpen Cart stand gerade nicht bereit, also legte der 32-Jährige einen beherzten Sprint hin, um den Fight nicht zu verpassen. Doch wie wir alle inzwischen wissen, ging die Sache schief. Auf nicht mal halbem Wege musste Martin den Ansturm abbrechen, weil es plötzlich furchtbar im Oberschenkel zwickte.

Es war sicher nicht einfach, all die bissigen Kommentare durch Journalisten, Gegenspieler und sogar die eigenen Teamkameraden zu ertragen. Doch nun kann Chris Martin sich über ein spätes Trostpflaster für seinen aufopferungsvollen Einsatz freuen: Die Leserinnen und Leser von Baseblog.de haben mehrheitlich entschieden, dass Martin die erstmals ausgelobte Auszeichnung für die dämlichste Verletzung des Jahres erhält. „Das ist der erste Award meiner Karriere. Ich bin unheimlich stolz und möchte mich ganz herzlich bei den 20 Leuten bedanken, die mir ihre Stimme geschenkt haben“, könnte Martin rein theoretisch gesagt haben, falls er jemals von der Auszeichnung erfahren hätte.

Gänzlich undemokratisch wurde übrigens der Name des Awards festgelegt: Die Idee von Leser Mat, ihn MRI-Award zu nennen, fand die sofortige Begeisterung des Blogbetreibers. Die Abkürzung steht hier für „Most Ridiculous Injury“ und spielt zugleich mit dem englischen Begriff für eine Magnetresonanztomographie (auf deutsch MRT).


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November 18th, 2018 by Silversurger

Bei all den offiziellen und hochverdienten MLB-Awards diese Woche hätte ich fast vergessen, dass ich ebenfalls einen Award ins Leben rufen wollte. Gewählt wird bei mir nicht durch die Baseball Writers Association of America, sondern durch euch – die Baseblog-Leserinnen und -Leser. Falls jemand von euch Mitglied der BBWA ist, darf er natürlich gerne mitwählen.

Auszeichnen möchte ich – wie während der Saison mehrfach angekündigt – die dämlichste Verletzung der gerade beendeten MLB-Saison. Nominierungen dafür habe ich das ganze Jahr über eifrig gesammelt und die folgenden sechs Spieler haben es in die Abstimmung geschafft.

  • Carson Smith: Der Red-Sox-Reliever ärgerte sich so sehr über einen erlaubten Homerun und seine anschließende Auswechslung, dass er im Dugout wütend seinen Handschuh wegschleuderte – und sich dabei den Arm auskugelte.
  • Hunter Strickland: Der Closer der Giants versuchte sich ebenfalls in Frustbewältigung nach einem misslungenen Auftritt. Eine Tür wurde zum Opfer seiner Prügelattacke und gewann – Strickland brach sich die Hand und fiel zwei Monate lang aus.
  • Chris Martin: Der Reliever der Rangers wollte sein Team bei einer Rangelei auf dem Feld in keinem Fall im Stich lassen. Er verzichtete daher auf das beabsichtigte Aufwärmen im Bullpen und rannte stattdessen los zu dem Brawl – dort kam er aber nie an, da er sich unterwegs eine Zerrung im Oberschenkel zuzog.
  • Brandon Morrow: Der Cubs-Reliever musste im Juni mehrere Tage mit einem verknacksten Rücken pausieren – passiert war es beim Versuch, sich eine Hose anzuziehen.
  • Shawn Kelley: Der Reliever der Athletics wollte sich im Haushalt nützlich machen und ein scharfes Messer spülen – das klappte nicht, stattdessen zog er sich einen tiefen Schnitt im Daumen seiner Wurfhand zu.
  • Salvador Perez: Der Catcher der Royals verletzte sich zum Ende des Spring Trainings am Innenband im linken Knie – nicht auf dem Feld, sondern als er beim Transport seines Gepäcks auf eine Treppe fiel.

Nicht in die Wahl aufgenommen habe ich Chris Sale. Das Ass der Red Sox hatte während der Playoffs einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt, angeblich wegen einer Entzündung um ein Bauchnabelpiercing. Dies erwies sich allerdings als von ihm selbst lancierte Fake News, in Wirklichkeit steckte offenbar eine profane Magen-Darm-Geschichte hinter der Sache.

Ich freue mich auf rege Beteiligung an der Wahl und hoffe, dass diese problemlos funktioniert – es ist mein erster Versuch mit einem frisch installierten Abstimmungstool.

Welches war die dämlichste Verletzung der MLB-Saison 2018?

  • Chris Martin - Oberschenkelzerrung auf dem Weg zu einer Rangelei (32%, 20 Votes)
  • Hunter Strickland - Handfraktur beim Schlag gegen eine Tür (26%, 16 Votes)
  • Carson Smith - Ausgekugelter Arm beim Wegschleudern des Handschuhs (23%, 14 Votes)
  • Brandon Morrow - Verknackster Rücken beim Anziehen einer Hose (18%, 11 Votes)
  • Shawn Kelley - Schnitt im Daumen beim Geschirrspülen (2%, 1 Votes)
  • Salvador Perez - Innenbandriss beim Transport seines Spring-Training-Gepäcks (0%, 0 Votes)

Total Voters: 62

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Übrigens suche ich auch noch nach einem passenden Namen für den Award. Für Vorschläge wäre ich sehr dankbar. Nutzt einfach die Kommentarfunktion unter diesem Artikel.

Und nur damit mich niemand falsch versteht: Es liegt mir nichts ferner als ernsthafte Verletzungen zu feiern. Jeder verletzte Spieler kann sich meines Mitgefühls und meiner aufrichtigen Genesungswünsche sicher sein. Trotzdem erlaube ich mir, über Missgeschicke wie die hier geschilderten in einem gewissen Rahmen zu lachen und zu scherzen. Soweit ich es beurteilen kann, tun das alle betreffenden Spieler auch selbst.

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Juni 21st, 2018 by Silversurger

Rund 75 Spiele hat jedes Team in der aktuellen MLB-Saison absolviert und in der American League gibt es schon ein ziemlich stabil erscheinendes Playoff Picture. In der insgesamt ausgeglicheneren National League hingegen ist noch das meiste offen und wird es wohl auch bis weit nach dem All-Star-Break bleiben. Apropos Allstars: Ihr habt noch bis 5. Juli die Möglichkeit, bis zu 5-mal am Tag und bis zu 35-mal insgesamt auf mlb.com abzustimmen, wer im aufsehenerregendsten unbedeutenden Spiel des Jahres dabei sein soll. Ich kündige übrigens schon mal an, dass es auch hier eine Abstimmung geben wird – allerdings nicht über All-stars und nicht jetzt, sondern erst gegen Ende der Saison. Ich werde abstimmen lassen über die dämlichste Verletzung des Jahres. Als erster Kandidat hatte sich vor ein paar Wochen Bostons Carson Smith die Nominierung verdient, diese Woche kamen San Franciscos Hunter Strickland und Chris Martin aus Texas hinzu. Mehr dazu in den Abschnitten über die jeweilige Division.

National League
Wer gedacht hatte, in der National League East spiele sich durch das Wiedererstarken der Washington Nationals (39-33) und ein paar schwache Spiele der Atlanta Braves (43-30) nach und nach wieder die alte Hackordnung ein, der sieht sich getäuscht: Die Braves haben ihr kleines Tief schnell überwunden und von den letzten zehn Spielen sieben gewonnen, während die Nationals sieben verloren haben. Auch das zweite Überraschungsteam der Division, die Philadelphia Phillies (39-33), hatten mit gewonnenen Serien gegen die Brewers und die Cardinals eine erfolgreiche Woche und haben von der Bilanz her wieder zu den Nationals aufgeschlossen. Entsprechend interessant wird die am Wochenende anstehende Serie zwischen den Nationals und den Phillies werden. Lachender Dritter ist wahrscheinlich wieder mal Atlanta, das in der Zeit gegen die Orioles und im Anschluss gegen die Reds antreten darf, also gegen zwei der schwächsten Teams der Liga. Die Nationals haben in einem Trade mit den Royals diese Woche ihren Bullpen um Kelvin Herrera aufgerüstet. Herrera wird vermutlich in einer Setup-Rolle primär das achte Inning vor Closer Sean Doolittle übernehmen. Für ihn gingen die Prospects OF Blake Perkins, 3B Kelvin Gutierrez und Pitcher Yohanse Morel nach Kansas City.

In der NL Central geht es weiterhin hauteng zu zwischen den Chicago Cubs (42-29) und den Milwaukee Brewers (43-30). Beide stehen quasi gleichauf, mit ein paar leichten Vorteilen für die Cubs: Sie haben erstens noch zwei Spiele weniger, können sich also noch aus eigener Kraft von dem Konkurrenten absetzen; sie haben zweitens das bessere Run Differential (+99 zu +49); und auf sie wartet drittens mit den Cincinnati Reds (28-45) der angenehmere Gegner in der nächsten Serie. Die Brewers bekommen es derweil mit den St. Louis Cardinals (38-34) zu tun, die dringend ein paar Siege brauchen, um den Anschluss an das Führungsduo nicht zu verlieren, wie es den Pittsburgh Pirates (36-37) bereits passiert ist.

Auch in der NL West hat jemand den Anschluss verloren, nämlich die San Diego Padres (34-42). Nach vier Niederlagen in Folge sind ihre Hoffnungen, in dieser ausgeglichenen Division als Außenseiter für Furore zu sorgen, deutlich kleiner geworden. Die Arizona Diamondbacks (40-33), die Los Angeles Dodgers (38-35), die San Francisco Giants (37-38) und die Colorado Rockies (36-38) sind hingegen nach wie vor so nah beieinander, dass die Reihenfolge dieser vier von Woche zu Woche komplett anders aussehen kann. Der Favorit in der Runde sind nach wie vor die Dodgers, die recht optimistisch in die nahe Zukunft blicken dürfen: Sie spielen am Wochenende dreimal gegen die als Aufbaugegner geeigneten Mets und Anfang nächster Woche wird aller Voraussicht nach ihr Pitcher-Ass Clayton Kershaw von der Verletztenliste zurückkehren. Etwas länger wird auf selbiger der Closer der Giants, Hunter Strickland, stehen. Er hat am Montag einen Save gegen die Marlins vergeben und daraufhin vor Frust gegen eine Tür gehauen. Resultat: Hand gebrochen, Operation, sechs bis acht Wochen Pause. Damit ist er einer der eingangs erwähnten Kandidaten für die dämlichste Verletzung des Jahres.

American League
Die New York Yankees (49-22) haben sich in der American League East gegenüber ihrem Erzrivalen Boston Red Sox (49-26) in den letzten Tagen etwas Luft verschafft. Während die Red Sox zweimal den Twins unterlagen, gewannen die Yankees zweimal gegen die Mariners und vorher noch ein Nachholspiel gegen die Nationals. Die Yankees und die Red Sox sind nun nach Siegen gleichauf und haben auch fast identische Werte, was erzielte und kassierte Runs angeht. Doch die Yankees haben noch vier Spiele weniger absolviert und damit alle Trümpfe in der Hand, um in gut einer Woche mit einem Vorsprung ins nächste direkte Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten zu gehen. Die Toronto Blue Jays (34-39) und die Tampa Bay Rays (34-40) verkörpern derweil ein recht solides Mittelmaß, das aber sowohl von der Divisionsspitze als auch von den Wild-Card-Plätzen schon so weit entfernt ist, dass die restliche Saison für sie relativ langweilig zu werden droht. Und dann gibt es noch die Baltimore Orioles (21-51). Sie sind schlecht.

Über die AL Central schreibe ich hier jede Woche das gleiche. Das tut mir leid, aber die Realität lässt mir kaum eine andere Möglichkeit. Also dieses Mal in Kurzform: halbwegs gute Cleveland Indians (40-33), dann lange nichts, positiv überraschend mittelmäßige Detroit Tigers (36-39), negativ überraschend mittelmäßige Minnesota Twins (33-37), dann wieder lange nichts und schließlich die furchtbar schwachen Chicago White Sox (24-49) und Kansas City Royals (22-52). Halt, eins muss ich dann doch noch erwähnen: Max Kepler hat gestern einen Homerun geschlagen und obendrein einen fantastischen Catch im Outfield dazu beigetragen, dass die Twins die Red Sox mit 4:1 zum zweiten Mal in Folge schlugen. Vielleicht machen Kepler & Co. die Division ja doch noch mal spannend?

12 Spiele hintereinander hatten die Houston Astros (50-26) gewonnnen, bevor sie sich am Dienstag einmal knapp mit 1:2 den Rays geschlagen geben mussten. Das ist beeindruckend und es sieht nicht so aus, als sollten die Astros in absehbarer Zeit zu stoppen sein: Sie haben nach wie vor die beste Offense und die beste Defense der gesamten Liga und der Spielplan meint es auch noch gut mit ihnen. Bis zum All-Star-Break, also noch rund vier Wochen lang, treffen sie auf keinen einzigen Gegner, der noch realistische Chancen auf die Postseason hat. Der zweite der AL West, die Seattle Mariners (46-28), spielt nach wie vor eine beeindruckende Saison, hat aber nicht ganz so viel Glück mit den Gegnern: Zuletzt setzte es drei Niederlagen gegen die Red Sox und die Yankees, und nach einem weiteren Spiel gegen die Yankees geht es gleich noch dreimal gegen die Red Sox. Im Wild-Card-Rennen haben die Mariners aber ein beruhigendes Polster von sieben Spielen auf die Los Angeles Angels (39-35), die sieben der letzten neun Spiele verloren haben, und das obwohl Mike Trout (.335/.469/.689, 23 HR) in der Form seines Lebens ist. Die Angels richten ihren Blick zurzeit eher nach unten als nach oben, denn die Oakland Athletics (38-36) stehen kurz davor, ihnen Platz drei streitig zu machen. Die Texas Rangers (32-44) sind trotz einer Serie von fünf Siegen noch zu weit weg, um irgendjemandem etwas streitig zu machen – außer vielleicht den Titel für die dämlichste Verletzung. Reliever Chris Martin hat hierfür eine durchaus aussichtsreiche Bewerbung abgegeben, indem er sich letzte Woche beim Versuch, vom Dugout aufs Feld zu rennen, um an einem Brawl teilzunehmen, den Oberschenkel zerrte.

Szene der Woche
Max Kepler grandiosen Catch habe ich ja oben schon erwähnt, aber es gab in dieser Woche einen, der mich noch mehr beeindruckt hat: Billy Hamiltons Fang eines Flyballs von Pittsburghs Francisco Cervelli hatte laut Statcast eine Wahrscheinlichkeit von nur 2%, aber er machte ihn trotzdem. Das kann durchaus der Catch des Jahres gewesen sein und ich möchte ihm hier noch den möglichen Wurf des Jahres zur Seite stellen: Cubs-Outfielder Jason Heyward wendete damit einen scheinbaren Routine-Sacrifice-Fly am Mittwoch zum Doubleplay gegen Justin Turner und Chris Taylor von den Dodgers.

Statistik der Woche 
-5. So viele Tage benötigte der 19-jährige Juan Soto, um seinen ersten Homerun zu erzielen, nachdem er von den Washington Nationals in die MLB befördert wurde. Ihr habt richtig gelesen: minus fünf. Soto spielt seit 20. Mai 2018 in der Major League, schlug aber in einem Spiel vom 15. Mai 2018 bereits einen Homerun gegen die Yankees – und hatte am gleichen Tag drei Hits für die Harrisburg Senators bei den Bowie Baysox. Kann Soto durch die Zeit reisen und an mehreren Orten gleichzeitig sein? Die Erklärung ist leider nicht ganz so spektakulär: Am 15. Mai war Soto tatsächlich in Bowie, Maryland, aktiv. Das MLB-Spiel vom gleichen Tag wurde wegen schlechten Wetters abgebrochen und am 18. Juni zu Ende gespielt – mit Soto und seinem spielentscheidenden Homerun zum 5:3.

Spiel der Woche
Eigentlich sind dieses Jahr die Seattle Mariners die Meister der knappen Spiele, doch gestern hatten sie in einem solchen mal das Nachsehen. Zunächst hatte es noch nicht mal knapp ausgesehen, denn die Mariners gingen gegen die Yankees im fünften Inning bereits mit 5:0 in Führung. Doch die New Yorker arbeiteten sich schrittweise heran und wendeten das Blatt in den letzten beiden Innings durch zwei beeindruckende Homeruns. Zuerst war es im achten Durchang Gary Sanchez, der mit einem Mammutschlag für den Ausgleich sorgte. Im neunten Inning gelang dann Giancarlo Stanton mit einem Hit, der ebenfalls keinen Raum für Zweifel ließ, der Walkoff-Sieg. Für die Yankees war es übrigens bereits der 23. Sieg in diesem Jahr, bei dem sie einen Rückstand gedreht haben.

Mein Einschalttipp
Ich hoffe, ihr lest diesen Artikel schon bald, denn mein Einschalttipp der Woche findet bereits heute ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Die New York Yankees und die Seattle Mariners absolvieren das dritte Spiel ihrer Serie und nachdem es gestern schon ein wahnsinnig spannendes Spiel war, steht heute als Pitching-Matchup ein absoluter Leckerbissen an: Seattles James Paxton (3.44 ERA, 2.88 FIP) trifft auf New Yorks Luis Severino (2.09 ERA, 2.18 FIP). Ihr könnt das Spiel sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv sehen. Ich weiß, Argentinien gegen Kroatien bei der WM ist eine harte Konkurrenz, aber meine Priorität ist eindeutig und wenn eure es nicht ist, dann könnt ihr ja wenigstens vor und nach dem Fußballspiel mal reinschauen. Gut, dass Baseball in der Regel etwas länger dauert.

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Juli 11th, 2017 by Silversurger

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist es wieder soweit: Im Marlins-Park in Miami steigt das jährliche All-Star-Game. Bei diesem Schaulaufen der Stars dabei sein zu dürfen ist für jeden Spieler ein Highlight und eine Ehre. Das Spiel selbst ist allerdings völlig irrelevant, seit diesem Jahr entscheidet es nicht mal mehr wie bisher über den Heimvorteil in der World Series. Mir persönlich ist das All-Star-Game daher nicht so wichtig, dass ich deswegen nachts aufbleibe und ich sehe auch wenig Sinn darin, über dieses Freundschaftsspiel eine Vorschau zu schreiben.

Stattdessen führe ich die im letzten Jahr begonnene Tradition fort, am Tag vor dem All-Star-Game die Disabled List (DL) der MLB zu durchforsten. Ich stelle den All-Star-Rostern der NL und der AL ein Roster aus DL-Spielern entgegen, um die Erinnerung an all jene wachzuhalten, die heute Nacht vielleicht dabei wären, wenn das Verletzungspech sie nicht ereilt hätte. Hier sind sie, meine Disabled-List-All-Stars – fünf Starter, fünf Reliever und für jede Position ein Starter und eine Reserve:

SP Noah Syndergaard NYM
SP Madison Bumgarner SFG
SP Dallas Keuchel HOU
SP Collin McHugh HOU
SP Chase Anderson MIL
RP Mark Melancon SFG
RP Jeurys Familia NYM
RP Tyler Thornburg BOS
RP Will Smith SFG
RP Zach Duke STL
C Devin Mesoraco CIN
C Geovany Soto CWS
1B Greg Bird NYY
1B Chris Davis BAL
2B Starlin Castro NYY
2B Neil Walker NYM
SS Trea Turner WSH
SS Eduardo Nunez SFG
3B  Yangervis Solarte SDP
3B  David Wright NYM
LF  Gerrardo Parra COL
LF  Jayson Werth WSH
CF  Mike Trout LAA
CF  Kevin Kiermaier TBR
RF  Adam Eaton WSH
RF  Carlos Gonzalez COL

Was meint ihr – hätte dieses Team, wenn alle fit und gesund wären, eine Chance gegen die „echten“ All-Star-Roster? Ich finde, die hätte es in fast jeder Hinsicht. Lediglich die Catcher-Position ist auf der DL derzeit erfreulich schwach vertreten.

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Juni 26th, 2017 by Silversurger

Ich bin sicher, kein Name eines früheren MLB-Spielers begegnet einem heutzutage häufiger – nicht Babe Ruth, nicht Willie Mays, nicht Ted Williams oder Hank Aaron und auch nicht Barry Bonds. Tommy John stellt sie mit seiner Präsenz alle in den Schatten – und manch einem läuft es immer, wenn sein Name fällt, kalt den Rücken runter. Das ist nicht deshalb so, weil er ein besonders unangenehmer Zeitgenosse wäre und auch nicht, weil er mit seiner Spielweise die Gegner in Angst und Schrecken versetzt hätte. Mit einem Karriere-ERA von 3.34 und vier Berufungen ins All-Star-Team war John ein sehr guter, aber kein alles überragender Pitcher. Doch ihm ist gelungen, was vor ihm noch niemandem gelungen war: Nach der irreparablen Schädigung des wichtigsten Stabilisierungsbandes in seinem Wurfellenbogen – des ligamentum collaterale ulnare (englisch: ulnar collateral ligament) – pitchte er dreizehn weitere Jahre lang in der MLB. Verantwortlich dafür ist eine Operationsmethode, die an Tommy John erstmals durchgeführt wurde und die seither nach ihm benannt ist: die berühmt-berüchtigte Tommy-John-Surgery.

Tommy John begann seine MLB-Karriere 1963 im Alter von 20 Jahren in Cleveland. Elf Jahre lang trat der linkshändige Starter für die Indians, die White Sox und die Dodgers an, dann schien seine aktive Zeit beendet: Der Ellenbogen spielte nicht mehr mit und John konnte nicht an der World Series teilnehmen, die die Dodgers in diesem Jahr erreichten. Johns letzte Hoffnung bestand in einer Methode, deren Erfolgschancen der Orthopäde und Teamarzt Dr. Frank Jobe mit 1:100 bezifferte: Das beschädigte Band wird entfernt und durch ein anderes Band ersetzt. Dieses Ersatzteil wird entweder dem Körper des Patienten selbst (meist aus dem Unterarm oder dem Bein) oder als Organspende einer Leiche entnommen.

Am 25. September 1974 führte Dr. Jobe die OP an Tommy John durch. Sie verlief ohne Komplikationen, zog aber eine langwierige Reha-Phase nach sich: Die komplette Saison 1975 verbrachte John damit, seinen Körper wieder an die Belastung des Pitchens heranzuführen und dabei seine Bewegungsabläufe so zu korrigieren, dass diese Belastung minimiert wird. Eine große Unterstützung war dabei sein Teamkamerad Mike Marshall, erfolgreicher Relief-Pitcher bei den Dodgers und promovierter Kinesiologe, der bereits bei Johns Entscheidung für die OP eine wichtige Rolle gespielt hatte.

1976, mit 33 inzwischen in einem Alter, in dem viele Profisportler in Rente gehen, begann Tommy John seine zweite Karriere, die länger und erfolgreicher war als die erste: Drei der vier All-Star-Berufungen und alle drei World Series, in denen er spielte, erreichte er in der Phase nach der Operation. Bis zu seinem endgültigen Karriereende im stolzen Sportleralter von 46 Jahren verpasste Tommy John kein einziges Spiel mehr aufgrund von Ellenbogenproblemen. Die drei größten Auszeichnungen blieben ihm jedoch versagt: Bei seinen drei Teilnahmen an den World Series zwischen den Dodgers und den Yankees (1977, 1978 und 1981) stand er jeweils auf der Verliererseite, beim Cy-Young-Arward landete er zweimal (1977 und 1979) auf Platz zwei und bei seiner letzten Chance, über das Wahlverfahren in die Hall of Fame zu gelangen, brachte er es 2009 nur auf 31,7% statt der benötigten 75%.

Die Tommy-John-Surgery war eine Revolution für die Sportmedizin, wenngleich eine von der schleichenden Sorte: Nach der ersten OP führte Dr. Jobe den Eingriff zwei Jahre lang nicht mehr durch, um zunächst den Erfolg bei John abzuwarten. Nachdem dieser gesichert war, nahm die Zahl der Tommy-John-OPs beständig zu und ist heute gängige Praxis insbesondere im Baseball, aber auch für andere Sportler wie Football-Quarterbacks und Speerwerfer, bei denen die Beanspruchung des Ellenbogengelenks durch häufige Wurfbewegungen ähnlich hoch ist. Die Erfolgsaussichten, nach der Operation wieder zu voller Einsatzfähigkeit zurückzukehren, werden heutzutage auf 85 bis 90 Prozent beziffert. Was sich seit der ersten Tommy-John-OP bis heute so gut wie gar nicht geändert hat, ist die nötige Erholungszeit: Ein Jahr für Pitcher und ein halbes Jahr für Feldspieler gelten nach wie vor als Mindestmaße für eine vollständige Erholung von dem Eingriff.

Ins Reich der Mythen und Märchen wird von den meisten Experten übrigens die Annahme verwiesen, man könne nach einer Tommy-John-Surgery härter und ausdauernder werfen als vorher – die bei zahlreichen Eltern den Wunsch entstehen ließ, ihre Kinder „vorsorglich“ der Operation zu unterziehen. Dass in einigen Fällen nach der OP tatsächlich bessere Leistungen erzielt werden als vorher sah (nicht nur) ihr Erfinder Dr. Jobe darin begründet, dass die Patienten nach der OP ein größeres Augenmerk auf das Training und die angemessene Beanspruchung des Gelenkes legen als vorher.

 

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Juli 12th, 2016 by Silversurger

Man sollte meinen, bei einer kontaktarmen Sportart wie Baseball müsste es deutlich seltener zu ernsthaften Verletzungen kommen als beispielsweise beim Fußball oder beim Football. Tatsächlich aber ist die Disabled List (DL) der MLB regelmäßig prall gefüllt. Am häufigsten trifft es die Pitcher, deren Schultern, Ellenbogen und sonstigen Teile des Armes die ständig wiederholte, extrem anstrengende Bewegung nicht lustig finden und deshalb irgendwann den Dienst verweigern. Aber auch unter den Positionsspielern kommen immer wieder alle Arten von Verletzungen – Zerrungen, Risse, Frakturen und was man sich sonst noch vorstellen kann.

Da heute Nacht das All-Star-Game stattfindet, dachte ich mir, dass ich die Masse und die Qualität von derzeit verletzten MLB-Stars ganz nett illustrieren kann, indem ich ein alternatives All-Star-Roster zusammenstelle, das ausschließlich aus Spielern besteht, die auf der DL stehen. Vergleicht es mit den echten All-Star-Rostern der NL und AL. Findet ihr nicht auch, dass das DL-Roster gegen beide gute Chancen hätte, sofern die Spieler alle gesund wären?

Hier sind sie, meine Disabled-List-All-Stars – fünf Starter, fünf Reliever und für jede Position ein Starter und eine Reserve:

SP Clayton Kershaw LAD
SP Zack Greinke LAA
SP Felix Hernandez SEA
SP Matt Harvey NYM
SP Marco Estrada TOR
RP Craig Kimbrel LAD
RP Wade Davis BOS
RP Sean Doolittle OAK
RP Brad Boxberger TBR
RP Zach Putnam CWS
C Alex Avila CWS
C David Ross CHC
1B Brandon Moss STL
1B Lucas Duda NYM
2B Matt Carpenter STL
2B Joe Panik SFG
SS Chris Owings ARI
SS Cliff Pennington LAA
3B Mike Moustakas KCR
3B David Wright NYM
LF Kyle Schwarber CHC
LF Chris Young BOS
CF Dexter Fowler CHC
CF Joc Pederson LAD
RF Jose Bautista TOR
RF Hunter Pence SFG

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