Juli 25th, 2016 by Silversurger

Noch ist die Trade-Deadline eine Woche entfernt, aber der Trade, über den im Nachhinein vielleicht am meisten diskutiert werden wird, wurde laut mlb.com heute festgezurrt: Reliever Aroldis Chapman wechselt von den New York Yankees zu den Chicago Cubs, die dafür ein ganzes Paket von Spielern nach New York schicken: Infield-Prospect Gleyber Torres, die Outfield-Prospects Billy McKinney und Rashad Crawford sowie Relief-Pitcher Adam Warren.

Lassen wir für den Moment mal außer Acht, dass wir von jenem Aroldis Chapman reden, dessen geplantes Engagement bei den Los Angeles Dodgers in der Offseason platzte, weil er – nach allem, was man weiß – seine Frau gewürgt, sie gegen eine Wand geschleudert und acht Pistolenschüsse in seiner Garage abgefeuert hatte und der deswegen zu Beginn der Saison eine 30-Tage-Sperre absitzen musste. Eigentlich sollte man das nicht außer Acht lassen; eigentlich sollte man jemanden wie ihn nicht im Team haben wollen und der moralische Schatten, über den ein Team bei seiner Verpflichtung springt, müsste mindestens den Preis drücken. Aber lassen wir es mal außer Acht und betrachten nur den Spieler Aroldis Chapman.

Chapman ist 28 Jahre alt und einer besten Reliever der MLB, vielleicht sogar der beste. Seine Statistiken (2.01 ERA, 1.93 FIP, 20/21 Saves) können sich mehr als sehen lassen. Für ein Team wie die Chicago Cubs, die schon jetzt Favorit auf die World Series sind, ein ausgeglichen starkes und tiefes Lineup sowie eine hervorragende Rotation besitzen und nur im Relief Pitching hinter Hector Rondon und Pedro Strop etwas dünn besetzt sind, kann ein Aroldis Chapman durchaus das letzte fehlende Puzzlestück sein. Man kann also durchaus verstehen, dass sie ihn haben wollen. Die Frage ist, welchen Preis sind sie bereit dafür zu zahlen?

Der Preis ist in meinen Augen, es steht ja schon in der Überschrift dieses Artikels, schlichtweg Irrsinn. Gleyber Torres ist das höchstgerankte Prospect der Cubs. Er allein wäre in meinen Augen bereits eine Überkompensation für die zwei bis drei Monate von Aroldis Chapmans Diensten, die die Cubs sich mit diesem Trade sichern. Chapman wird in dieser Zeit nicht mehr als die 31.1 Innings pitchen, die er für die Yankees im bisherigen Saisonverlauf absolviert hat. Danach ist er Free Agent und kann unterschreiben, wo er will.

In seinen 31.1 Innings hat Chapman den Yankees 1.3 bis 1.4 Wins Above Replacement beschert, je nachdem ob man die Berechnungsweise von Fangraphs oder von Baseball-Reference heranzieht. Man kann also fundiert behaupten, die Cubs geben ihren vielversprechendsten Nachwuchsspieler her für den Wert von einem einzigen Sieg in der laufenden Saison. Und damit nicht genug, sie legen noch zwei weitere Talente und obendrein Adam Warren drauf, der erst vor dieser Saison für Starlin Castro von den Yankees gekommen war.

Es gibt Trades, da kratzt man sich leicht an der Schläfe und fragt sich, was der eine oder andere der Verantwortlichen dabei wohl gedacht hat. Und es gibt Trades wie diesen, bei denen man sich geräuschvoll die Hand an die Stirn schlägt und fassungslos flüstert: „Die spinnen, die Cubs.“

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