Mai 21st, 2020 by Silversurger

Ich wünsche allseits einen schönen, sonnigen und vor allem gesunden Feiertag – leider immer noch ohne Baseball. Im Hinblick auf eine mögliche MLB-Saison ohne Zuschauer herrscht weiterhin Uneinigkeit zwischen den Klubs und den Spielern. Es geht dabei weniger um die Pandemie als vor allem ums Geld. Über die 2021 vorgesehene Weltmeisterschaft im Baseball, den World Baseball Classic, wurde derweil eine radikale Entscheidung getroffen.

Wer sich zuerst bewegt, verliert?
Ein zweites Spring-Training ab Mitte Juni, Start einer verkürzten Saison Anfang Juli – so könnte der Plan für Major-League-Baseball in diesem Jahr aussehen. In den meisten Bundesstaaten sieht es danach aus, dass die Gesundheits- und sonstigen Behörden grünes Licht geben würden für Spiele ohne Zuschauer und unter besonderen Hygieneregeln. Doch bislang scheitert die Sache am Streit zwischen den Klubs und den Spielern. Die Spielergewerkschaft MLBPA beruft sich darauf, dass man schon Ende März eine Einigung mit den Vereinen erzielt hat, dass die Spieler anteilig nach Anzahl der Spiele bezahlt werden. Dass die Spiele ganz oder teilweise ohne Zuschauer stattfinden würden, sei damals bereits berücksichtigt worden. Die Position der Teambesitzer hingegen lautet, dass die Vereinbarung vom März keine Geisterspiele berücksichtige und ohne Zuschauereinnahmen nicht aufrecht zu erhalten sei. Nach Rechnung der Owner müssten sie mit 4 Milliarden Dollar Verlust rechnen, wenn die Spiele ohne Zuschauer stattfinden und gleichzeitig die Spieler auf den vereinbarten Gehaltsanteilen beharren. Beide Seiten geben sich zurzeit unversöhnlich und man hat das Gefühl, dass diejenige, die sich als erstes bewegt, als Verlierer dasteht. Das Problem dabei ist: Wenn sich niemand bewegt, verlieren am Ende beide und vor allem auch die Fans, Ballpark-Angestellte und viele mehr.

WBC auf 2023 verschoben
Im März dieses Jahres wirkte sich die Corona-Krise erstmals spürbar auf den Baseball aus, indem das Qualifikationsturnier zum World Baseball Classic kurzfristig abgesagt wurde. Die deutsche Nationalmannschaft war zu dem Zeitpunkt bereits in Arizona und musste heilfroh sein, relativ schnell wieder nach Hause zu kommen, während bereits nach und nach die Flugverbindungen zwischen den USA und Europa eingestellt wurden. Das Hauptturnier des WBC war ursprünglich geplant für März 2021. Es sprach einiges dafür, sich von diesem Termin zu verabschieden: Erstens ist nicht abzusehen, ob das Thema Corona bis dahin erledigt ist; zweitens muss vorher noch die Qualifikation abgeschlossen werden; drittens stehen 2021 auch die von 2020 verschobenen Olympischen Spiele an, bei denen Baseball ebenfalls mit von der Partie ist. Vor diesem Hintergrund ist die nun getroffene Entscheidung des Weltverbands folgerichtig, dass der WBC 2021 nicht stattfinden wird. Das Turnier soll im Jahr 2023 nachgeholt werden.

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März 12th, 2020 by Silversurger

Es hatte sich in den letzten Tagen schon abgezeichnet, jetzt ist es offiziell: Die MLB-Saison 2020 wird nicht wie ursprünglich geplant am 26. März beginnen. Der Saisonstart wurde heute von der Ligaleitung um mindestens zwei Wochen verschoben. Gleichzeitig wurde das Spring Training mit sofortiger Wirkung abgebrochen.

Auch das Qualifikationsturnier zum World Baseball Classic (WBC), an dem die Deutsche Nationalmannschaft ab morgen Nacht in Tucson (Arizona) teilnehmen sollte, wurde auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Die Nationalspieler werden morgen die Rückreise nach Deutschland antreten. Ich drücke fest die Daumen, dass sie gut und vor allem gesund nach Hause kommen.

Wie es hier im Blog, vor allem mit der laufenden Preview-Serie, weitergeht, werde ich morgen entscheiden und bekannt geben.

Update vom 13. März: Ich führe die Serie von Vorschau-Artikeln fort, aber statt täglich werde ich nur noch jeden zweiten Tag ein Team vorstellen, um die Wartezeit etwas gleichmäßiger zu füllen. Bleibt dran und bleibt vor allem gesund!

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März 12th, 2020 by Silversurger

Corona, Corona, Corona. Das uns alle beherrschende Thema in diesen Tagen macht auch vor dem Baseball nicht Halt. Völlig zurecht rückt der Sport in den Hintergrund, wenn es darum geht, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Welche Maßnahmen in den kommenden Tagen und Wochen von den zuständigen Behörden angeordnet und/oder von den Ligen selbst beschlossen werden, ist völlig offen. Es scheint aber immer wahrscheinlicher, dass die MLB-Saison nicht in der üblichen Form stattfinden kann.

NPB und KBO verschoben – MLB und Bundesliga stehen (noch?)
In Japan und Südkorea sind bereits Spring-Training-Spiele der Profi-Ligen NPB und KBO ausgefallen oder ohne Publikum ausgetragen worden. Nun haben die Leitungen beider Ligen beschlossen, den Start der regulären Saison zu verschieben. Statt Ende März sollen die Spiele erst Ende April beginnen. Die Hoffnung ist, das sich die Lage in Bezug auf das Corona-Virus bis dahin so weit entspannt hat, dass noch eine vollständige Saison inklusive Publikum gespielt werden kann.
Der MLB sowie der Baseball-Bundesliga kann Ähnliches blühen; bislang rechnen beide Ligen offiziell damit, wie geplant in die reguläre Saison starten zu können. „Wir behalten die Gesamtsituation im Blick“, versicherte der Spielbetriebsleiter des DBV, Philipp Würfel, gestern auf meine Nachfrage. Die MLB nimmt eine ähnlich abwartende Position ein. Beschlossen wurde bislang nur, vorerst keine Medienvertreter mehr in den Clubhäusern zuzulassen, um persönliche Kontakte der Spieler und Offiziellen zu reduzieren. Es scheint aber absehbar, dass weit drastischere Maßnahmen folgen müssen und werden, zumal gestern schon einige Städte und Regionen – unter anderem San Francisco und Seattle – ein Verbot von Großveranstaltungen angekündigt haben. Die Basketball-Liga NBA hat ihre Saison bereits auf unbestimmte Zeit unterbrochen, nachdem ein Spieler positiv auf das Virus getestet wurde.

WBC: Deutschland – Frankreich morgen Nacht auf Youtube
Die Baseball-Nationalmannschaft befindet sich schon seit einigen Tagen in Tucson (Arizona) und bereit sich auf das Qualifkationsturnier zum World Baseball Classic (WBC) 2021 vor. Der Kader besteht hauptsächlich aus Bundesligaspielern, ergänzt um die Minor Leaguer Marco Cardoso (Boston Red Sox), Brendan Donovan (St. Louis Cardinals), Lucas Jacobsen (Texas Rangers), Niklas Rimmel (Minnesota Twins) und Markus Solbach (Los Angeles Dodgers) sowie die Ex-MLB-Spieler Bruce Maxwell und Donald Lutz und zwei Indenpendent-League-Spieler. Max Kepler hat von den Twins leider keine Freigabe erhalten. Als erste Hürde in dem Doppel-Ausscheidungsmodus wartet Frankreich mit seinem prominenten Trainer Bruce Bochy. Das Spiel wird nach unserer Zeit ab 3:30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag live auf dem Youtube-Kanal der MLB übertragen. Als weitere Gegner je nach Turnierverlauf kommen Pakistan, Südafrika, Nicaragua und Brasilien infrage. Auch hier bleibt natürlich abzuwarten, ob und wie sich Corona auf die Durchführung des Turniers auswirkt. Es ist reine Spekulation von mir, aber ich kann mir vorstellen, dass die europäischen Teams zügig abreisen werden, nachdem die US-Regierung verkündet hat, den Reiseverkehr mit Europa drastisch einzuschränken.

Red Sox verpflichten McHugh
Die Boston Red Sox haben immer noch keine Klarheit über die Aussichten ihres Asses Chris Sale, zum Saisonstart oder möglichst bald danach fit zu werden. Nachdem Sale am 1. März ein simuliertes Inning abbrechen musste, wurde sein Ellenbogen von verschiedenen Spezialisten untersucht. Es kam aber nicht viel mehr dabei heraus als dass man sich das Gelenk in 10 bis 14 Tagen noch einmal ansehen wird. Um einen möglichen längeren Ausfall von Sale abzufedern, ist der Klub noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und hat Collin McHugh verpflichtet. Der ehemalige Astros-Pitcher erhält einen Einjahresvertrag, dessen Finanzen stark leistungsbezogen ausgestaltet wurden: Das Grundgehalt beträgt bescheidene 600.000 Dollar, kann sich aber je nach Zahl der absolvierten Innings um bis zu 3,625 Millionen erhöhen. Mit dieser Vertragsgestaltung sichern sich die Red Sox ab, denn McHugh litt während und nach der letzten Saison ebenfalls unter Ellenbogenprobleme und ist erst vor Kurzem wieder ins Wurftraining eingetreten.
Um für McHugh Platz im Kader zu machen, haben die Red Sox Pitcher Hector Velazquez entlassen. Velazquez wurde inzwischen von den Baltimore Orioles aufgenommen.

Verlängerung für Moncada
Die Chicago White Sox bauen weiter am ersehnten langfristigen Erfolg. Nach Eloy Jimenez, Luis Robert und Aaron Bummer haben sie nun auch Yoan Moncada mit einem Mehrjahresvertrag ausgestattet. Für insgesamt 70 Millionen Dollar wird der Infielder in den kommenden fünf Spielzeiten für die White Sox antreten. Hinzu kommt die Option, ihn für 25 Millionen Dollar noch ein weiteres Jahr, also für die Saison 2025, zu halten.

Calhoun verletzt durch Hit-by-Pitch
Die hässlichste Verletzung der Woche hat Willie Calhoun von den Texas Rangers erlitten. Im Spring-Training-Spiel gegen die Los Angeles Dodgers bekam der Outfielder im ersten Inning einen 95-Meilen-Pitch von Luis Urias direkt ins Gesicht. Er erlitt dabei einen Kieferbruch, der operiert werden musste und zu einer noch unbestimmten, aber in jedem Fall längeren Ausfallzeit führen wird. Es gibt Videos von dem Unfall, aber auf das Anschauen kann man gut verzichten, daher gibt es von mir hier keinen Link.

Doping-Sperre für Diamondbacks-Prospect
Leider gibt es erneut einen Doping-Fall: Infielder Domingo Leyba von den Arizona Diamondbacks wurde positiv auf Boldenon getestet. Das ist das üblicherweise für Rennpferde verwendete Steroid, welches vor Kurzem bereits Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) zum Verhängnis wurde. Der 24-jährige Switch-Hitter Leyba erhält die für Ersttäter übliche Strafe von 80 Spielen Sperre.

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Februar 27th, 2020 by Silversurger

Es ist Donnerstag und das heißt unweigerlich, dass es heute den Grand Slam am Donnerstag gibt. Der Artikel rund um das Baseballgeschehen fällt diese Woche allerdings etwas kürzer aus. Ein Grund dafür ist, dass die Vorschauserie derzeit fast die ganze Zeit bindet, die ich für den Blog aufbringen kann. Heute um 17 Uhr lernt ihr übrigens die Nummer 28 meines Rankings kennen. Der zweite Grund ist, dass einfach nicht viel passiert ist in dieser Woche; es war die erste seit Langem ohne nennenswerte Trades und/oder Neuverpflichtungen. Natürlich ist einiges los auf den Trainings- und Spielfeldern in Florida und Arizona – die Spring-Training-Spiele machen Appetit auf mehr, auch wenn sie von den Ergebnissen her völlig irrelevant sind. Das Wichtigste ist, dass sich dabei möglichst niemand verletzt. Leider hat sich das in den ersten Tagen des Spring Trainings bereits für mehrere Spieler als vergebliche Hoffnung erwiesen.

Schon wieder Verletzungspech für die Yankees
Für die New York Yankees muss es sich anfühlen wie verhext: Schon letztes Jahr wurde das Team weit überdurchschnittlich von Verletzungen gebeutelt, und anscheinend setzt sich das 2020 nahtlos fort. Die schlimmste Diagnose hat Luis Severino erhalten. Der 26-jährige Pitcher, der 2019 nur drei Starts absolvieren konnte, benötigt eine Tommy-John-Surgery am Ellenbogen und wird rund eineinhalb Jahre lang ausfallen. Die Yankees müssen somit ohne die Nummern zwei und drei ihrer Rotation in die Saison gehen, denn auch James Paxton fällt nach einer Rücken-OP mindestens bis Mai aus. Auch die beiden Star-Slugger sind angeschlagen: Aaron Judge hat Probleme mit der Schulter und konnte bisher an keinem Spring-Training-Spiel teilnehmen. Für ihn besteht zumindest die Hoffnung, dass er bis Opening Day wieder einsatzbereit ist. Bei Giancarlo Stanton, der sich die Wade gezerrt hat, sieht es hingegen stark danach aus, dass er den Saisonstart verpassen wird.

Noch ein Dopingsünder
Nach Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) in der letzten Woche wurde nun auch Victor Alcantara positiv auf leistungssteigernde Mittel getestet. Der 26-Jährige hatte in jeder der letzten drei Saisons Einsätze als Relief Pitcher für die Detroit Tigers. Nachdem diese ihn Ende 2019 ziehen ließen, hatte er bisher kein neues Team gefunden. Die nächste Chance wird eine Weile auf sich warten lassen, denn Alcantara ist jetzt erst mal für 80 Spiele gesperrt. Ihm wurde die Verwendung von Stanozolol nachgewiesen. Das ist das anabole Steroid, das 1988 durch die Aberkennung der olympischen Goldmedaille des Sprinters Ben Johnson traurige Berühmtheit erlangte.

WBC 2021: Tebow spielt für Philippinen
Nächstes Jahr im März findet wieder der World Baseball Classic, mit anderen Worten die Weltmeisterschaft im Baseball statt. Am Dienstag wurden die Austragungsorte des Turniers bekannt gegeben. Je eine Gruppe spielt in Taichung (Taiwan), Tokio (Japan), Phoenix (Arizona, USA) und Miami (Florida, USA). Die Viertelfinales finden in Tokio und Miami statt, die Finalrunde ebenfalls in Miami.
Teilnehmen werden erstmals 20 Teams, darunter alle 16, die schon beim letzten Turnier 2017 dabei waren: Australien, China, die Dominikanische Republik, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, die Niederlande, Puerto Rico, Südkorea, Taiwan, Venezuela und die Vereinigten Staaten als Titelverteidiger. Die restlichen vier Teams werden im März 2020 in zwei Qualifikationsturnieren in Tucson (Arizona) ermittelt. Deutschland ist im ersten der beiden Turniere dabei. Vom 12. bis 17. März gilt es, sich gegen Brasilien, Frankreich, Nicaragua, Pakistan und Südafrika durchzusetzen, um einen Platz im WBC zu ergattern.
Im zweiten Qualifikationsturnier spielen die Philippinen mit, die einen interessanten Neuzugang vermelden: Tim Tebow, Ex-NFL-Quarterback und derzeit Minor-League-Outfielder der New York Mets, wird für das Land antreten, in dem er während einer Missionsreise seiner Eltern zur Welt kam. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich stellen solche Meldungen eher die Ernsthaftigkeit des internationalen Baseballs infrage als dass sie den Zweck erfüllen, den Wettbewerb interessanter zu machen. Schon die Europameisterschaft im letzten Jahr war ja leider stark davon geprägt, dass einige Länder amerikanische Profis „eingekauft“ hatten.

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März 23rd, 2017 by Silversurger

Das Spring Training neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und in nur zehn Tagen beginnt endlich die neue MLB-Saison – schon zwei Tage vorher startet übrigens die deutsche Baseball-Bundesliga, auf die ich mich genauso sehr freue. Heute steht aber erst einmal das Ergebnis eines anderen Wettbewerbs im Vordergrund: Die USA haben den World Baseball Classic gewonnen und sind somit zum ersten Mal das geworden, was man in den meisten anderen Sportarten als Weltmeister bezeichnen würde. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Klarer Sieg der USA im Finale des WBC 
Das Finale zwischen den Gastgebern und Puerto Rico verlief einseitiger als erwartet: 8:0 siegten die USA, die in der Zwischenrunde den Puerto Ricanern noch mit 5:6 unterlegen gewesen waren. Ganz großen Anteil an dem Erfolg hatte der Starting Pitcher der USA, Marcus Stroman, der erst im siebten Inning den ersten Hit zuließ und hinterher zum MVP des Spiels gewählt wurde. In der Offensive leisteten 2B Ian Kinsler und OF Andrew McCutchen mit je zwei Hits, darunter ein 2-Run-Homerun von Kinsler, und je einem Walk den größten Beitrag.

Gute und schlechte Nachrichten für die Yankees
Die meisten Schlagzeilen aus dem Spring-Training gebührten diese Woche den New York Yankees. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass sie mit 19 Siegen und nur 7 Niederlagen bislang das erfolgreichste Team der Vorbereitungsrunde sind. Für besonderes Aufsehen sorgte die Leistung vom vergangenen Freitag, als Masahiro Tanaka, Chasen Shreve und Jordan Montgomery einen No-Hitter gegen die Detroit Tigers pitchten – übrigens den ersten Spring-Trainig-No-Hitter seit zwei Jahren. Natürlich sind solche Freundschaftsspiel-Erfolge im Endeffekt nichts wert und so wird die Freude über die guten Leistungen wohl deutlich von der schlechten Nachricht dieser Woche überschattet: Shortstop Didi Gregorius kehrte mit einem gezerrten Schultermuskel von seiner WBC-Teilnahme für das niederländische Nationalteam zurück und wird mindestens bis in den Mai hinein ausfallen. Naturgemäß gab es sofort Spekulationen über einen Trade, beispielsweise für Freddy Galvis von den Phillies oder für Zack Cozart von den Reds, aber wahrscheinlicher erscheint eine interne Vertretungslösung. Diese wird aller Voraussicht nach nicht Top-Prospect Gleyber Torres sein, dem man mehr Zeit zur Entwicklung in den Minor Leagues geben will. Starlin Castro, Tyler Wade und Ruben Tajada sind wohl die aussichtsreichsten Kandidaten für den Job.

Neue Tommy-John-Opfer
Noch schlimmer als Gregorius hat es die beiden Starting Pitcher Cody Anderson von den Cleveland Indians und Trevor May von den Minnesota Twins erwischt: Beide mussten sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery zur Reparatur von Bändern im Ellbogen unterziehen. Das bedeutet, dass die Saison 2017 ohne die beiden stattfinden wird. Sowohl Anderson als auch May waren zuletzt keine festen Größen in ihren Teams und konnten vor der Verletzung allenfalls auf den fünften Platz in der jeweiligen Rotation hoffen.

Vertragsverlängerung für Kevin Kiermaier und Tim Anderson
Grund zur Freude gibt es für OF Kevin Kiermaier von den Tampa Bay Rays und Shortstop Tim Anderson von den Chicago White Sox, denn beide haben diese Woche neue millionenschwere Verträge unterzeichnet. Kiermaier – defensiv unbestreitbar einer der besten Outfielder der Liga, als Batter bislang nicht mehr als solide – erhält von den Rays 53,5 Millionen Dollar für sechs Jahre, ein weiteres Jahr ist optional für 13 Millionen.

Anderson hat ebenfalls für sechs Jahre unterschrieben und bekommt dafür 25 Millionen Dollar. Seine Vertragsverlängerung kam überraschend, denn er spielt seit nicht mal einem Jahr in der MLB. Er wäre daher nach den zwischen der Spielergewerkschaft MLBPA und der Liga ausgehandelten Regeln ohnehin noch sechs Jahre an die White Sox gebunden gewesen und hätte sich auch mit weit weniger Geld zufrieden geben müssen. Kernstück des Vertrages sind daher die beiden optionalen Jahre, in denen die White Sox ihren Shortstop für 12,5 und 14 Millionen Dollar nach der festen Laufzeit weiterbeschäftigen können.

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März 22nd, 2017 by Silversurger

Heute Nacht ab 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt in Los Angeles das Finale des World Baseball Classic, der Weltmeisterschaft der Baseball-Nationalmannschaften. Im vierten Anlauf haben die USA erstmals das Finale erreicht, indem sie im Halbfinale knapp mit 2:1 die Oberhand gegen den Weltranglistenersten Japan behielten. Ihr Gegner im Endspiel ist Puerto Rico, das beim letzten WBC 2013 Vizemeister wurde und bisher im gesamten Turnier unbesiegt blieb. Im Halbfinale hatten die Puerto Ricaner sich per Walkoff im elften Inning 4:3 gegen die Niederlande durchgesetzt.

Als Starting Pitcher wird für die USA heute Nacht Marcus Stroman (Toronto Blue Jays) zum Einsatz kommen, für Puerto Rico startet Seth Lugo (New York Mets). Wenn man sich die Gegenüberstellung der vorgesehenen Spieler ansieht, so sieht das sehr stark nach einem Duell auf Augenhöhe aus – wofür auch spricht, dass sich die beiden Teams beim ersten Aufeinandertreffen in diesem Turnier mit einem knappen 6:5 für Puerto Rico trennten, übrigens mit den gleichen Starting Pitchern. Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein großartiges Lineup das kleine Puerto Rico (die Einwohnerzahl entspricht in etwa der Berlins) auf den Platz bringt: Yadier Molina, Francisco Lindor, Javier Baez, Carlos Correa, Carlos Beltran, Edwin Diaz – wenn die alle im gleichen MLB-Team antreten würden, würde es sicher ganz oben mitspielen.

Die Aufmerksamkeit innerhalb der USA für den WBC erscheint mir dieses Mal deutlich größer als bei den früheren Turnieren: Mehr als sonst folgten zahlreiche (wenn auch längst nicht alle) Superstars dem Ruf ins Nationalteam, schon vor den Halbfinalspielen war ein neuer Zuschauerrekord erreicht und Cubs-Manager Joe Maddon dachte bereits laut darüber nach, ob man nicht zukünftig den WBC-Sieger und den aktuellen World-Series-Gewinner gegeneinander antreten lässt.

Zum Gesicht des Turniers scheint übrigens Outfielder Adam Jones zu avancieren: nicht so sehr, weil ihm im Halbfinale der entscheidende RBI gegen Japan gelang, sondern vor allem durch den sehenswerten geraubten Homerun im Spiel zwischen den USA und der Dominikanischen Republik, ausgerechnet gegen seinen Orioles-Teamkameraden Manny Machado.

Ob das Finale in Deutschland zu empfangen ist, ist leider fraglich. Rechteinhaber DAZN hat sporadisch einige Spiele des Turniers gezeigt, aber ich konnte noch nichts darüber herausfinden, ob eine Übertragung des Endspiels geplant ist.

Aktualisierung: DAZN hat bekannt gegeben, dass das Spiel übertragen wird.

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März 16th, 2017 by Silversurger

Zum Glück bin ich nicht abergläubisch, sonst müsste ich mich jetzt schlecht fühlen: Letzte Woche habe ich mich an dieser Stelle gefreut, dass es im Spring Training bis dato keine ernsthaften Verletzungen gegeben hatte. In den Tagen darauf schienen die MLB-Spieler plötzlich zu fallen wie die Fliegen. Außerdem freute ich mich mit Israel, dem Überraschungstam der ersten Runde beim World Baseball Classic. Nach zwei Niederlagen in der Zwischenrunde sind die Israelis nun leider ausgeschieden. Hier die wichtigsten Neuigkeiten der letzte sieben Tage aus der MLB sowie vom WBC:

Japan und Niederlande im WBC-Halbfinale 
Die erste der beiden Zwischenrundengruppen des WBC hat ihre Spiele bereits abgeschlossen. Israel ist zwar auch in diese Runde mit einem Sieg über einen Favoriten gestartet (4:1 gegen Kuba), doch dann setzte es klare Niederlagen gegen den Weltranglistenersten Japan und Europameister Niederlande, die nun als erste für das Halbfinale qualifiziert sind. So weit waren beide auch 2013 beim letzten WBC gekommen, dann war allerdings Endstation gegen die Dominikanische Republik bzw. gegen Puerto Rico. Tatsächlich könnte es dazu kommen, dass dieses Jahr alle vier Halbfinalisten die gleichen sind wie 2013. Allerdings sind in der zweiten Gruppe der Zwischenrunde noch mindestens vier Spiele zu absolvieren und neben den beiden Genannten dürften auch die USA in Bezug auf den Halbfinaleinzug noch ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Übrigens hat sich DAZN als Inhaber der Übertragungsrechte in Deutschland inzwischen erbarmt und zeigt einige Spiele des WBC als Livestream. Der Dienst kostet 9,99 Euro im Monat. Wenn man nur den WBC sehen will, reicht dafür der kostenlose Probemonat.

Chad Bettis benötigt Chemotherapie
Für Chad Bettis, Starting Pitcher der Colorado Rockies, ist die Saison wahrscheinlich gelaufen, bevor sie überhaupt begonnen hatte: Der 27-Jährige musste erfahren, dass seine Erkrankung an Hodenkrebs sich nicht wie zunächst erhofft durch eine Ende letzten Jahres vorgenommene OP erledigt hat. Stattdessen hat der Krebs sich ausgebreitet und macht eine ausführlichere Behandlung inklusive Chemotherapie nötig. Immerhin liegen die Heilungschancen wohl bei über 90%. Ob Bettis dieses Jahr noch auf den Mound zurückkehren kann, steht in den Sternen; die Prioritäten in dieser Situation sind natürlich auch ganz klar andere.

Viele, viele Verletzungen
In der dritten Woche des Spring Trainings kam es leider zu einer ganzen Reihe von Verletzungen. Hier eine Auswahl:

IF/OF Ian Desmond, der bei den Rockies als First Baseman zum Einsatz kommen sollte, hat sich die linke Hand gebrochen, als er von einem Pitch getroffen wurde. Er musste operiert werden und dürfte frühestens Ende April wieder einsatzbereit sein.

SP Trevor May von den Minnesota Twins hat ein Band im Ellbogen des Wurfarmes gerissen. Das bedeutet, dass er sich voraussichtlich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss und somit mindestens für den Rest des Jahres ausfällt.

Auch bei den SPs Anthony DeSclafani von den Cincinnati Reds und Cody Anderson von den Cleveland Indians bereiten die Ellbogenbänder Probleme, allerdings sind sie bei beiden wohl nicht abgerissen und es besteht derzeit noch Hoffnung, dass beide ihre Arme nach einer mehrwöchigen Erholungspause wieder belasten können.

Ähnlich ergeht es Jason Kipnis, 2B der Indians. Bei ihm sitzt die Verletzung in der Schulter und auch in seinem Fall ist die Hoffnung derzeit, dass es mit ein paar Wochen Pause getan ist. Den Opening Day wird Kipnis in jedem Fall verpassen.

Eine wahre Schrecksekunde gab es am Freitag im Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Detroit Tigers, als RP T. J. House von einem Comebacker hart am Hinterkopf getroffen wurde. House blieb zunächst reglos liegen, wurde lange behandelt und anschließend ins Krankenhaus gebracht, das er aber glücklicherweise schon am nächsten Tag wieder verlassen durfte, nachdem eine ernste Verletzung ausgeschlossen wurde.

Derek Norris released
Die Washington Nationals haben sich von Catcher Derek Norris getrennt. Das ist insofern bemerkenswert, als die Nationals ihn erst im Dezember via Trade geholt und im Gegenzug Pitching-Prospect Pedro Avila an die San Diego Padres abgegeben hatten. Überraschend kam der Move aber nicht, nachdem die Nationals sich auf der Catcherposition mit Free Agent Matt Wieters verstärkt haben. Norris wurde offiziell released und kann somit frei nach einem neuen Arbeitgeber suchen. Vermutlich wird er einen solchen relativ schnell finden. Die Tampa Bay Rays haben bereits ihr Interesse bekundet.

Und natürlich ein Trade der Mariners
Was wäre die MLB-Woche ohne einen Trade der Seattle Mariners? Als Partner haben sich dieses Mal die Philadelphia Phillies gefunden, die den beidhändigen Pitcher Pat Venditte bekommen und dafür OF-Prospect Joey Curletta nach Seattle schicken. Für Jerry Dipoto, den offensichtlich shoppingsüchtigen General Manager der Mariners, war es der fünfzehnte Trade in dieser Offseason.

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März 9th, 2017 by Silversurger

Das Spring Training läuft seit zwei Wochen auf Hochtouren und ich freue mich, mal eine vorbehaltlos positive Nachricht weitergeben zu können: Sofern ich nichts übersehen habe hat sich seit Beginn der Frühlingsspiele kein einziger MLB-Spieler so ernsthaft verletzt, dass er für mehr als ein paar Wochen ausfällt. Auch die letzte Woche erwähnten Sorgen um David Price erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet, statt einer Tommy-John-Surgery wird es wohl mit ein paar Taugen Pause getan sein. Im Endeffekt ist das alles, was beim Spring Training zählt: sich warmspielen für die Saison und gesund bleiben. Dass die Yankees mit 10-3 die bisher beste Bilanz aufweisen, dass die Hitter der Mets mit .301 den höchsten Average erzielt haben und die Pitcher der Pittsburgh Pirates mit 2.89 den niedrigsten ERA – das wird am 2. April niemanden mehr interessieren, deswegen gehe ich hier auch gar nicht weiter darauf ein.

Israel und Niederlande überraschen beim WBC 
Parallel zum Spring Training läuft der World Baseball Classic, bei dem ganz im Gegensatz zu Ersterem jedes Ergebnis zählt. Gruppe A ist schon durch mit der Vorrunde und es gibt eine faustdicke Überraschung: Gruppensieger mit drei Siegen in drei Spielen wurde Israel – ausgerechnet das Team, das ich in meinem Vorschauartikel als den einzigen krassen Außenseiter des Turniers bezeichnet hatte. Dafür entschuldige ich mich hiermit in aller Form und wünsche Israel viel Erfolg für den Rest des WBC. Den wünsche ich im Übrigen auch den Niederlanden, die mit ihrem Einzug in Runde 2 ebenfalls die Erwartungen übertrafen und den Favoriten Südkorea und Taiwan ein frühzeitiges Turnierende bescherten. Weniger unerwartet geht es bisher in Gruppe B zu: Mit Siegen gegen Australien und Kuba hat der Weltranglistenerste Japan sich das Weiterkommen bereits gesichert; spannend wird es morgen Früh, wenn Kuba und Australien untereinander Platz zwei der Gruppe ausspielen. Auch die Gruppen C und D greifen in der kommenden Nacht mit den Begegnungen Kanada gegen Dominikanische Republik und Mexiko gegen Italien endlich ins Geschehen ein.

Leider fühle ich mich als deutscher Baseballfan etwas abgehängt von der WBC-Begeisterung – nicht weil das deutsche Team die Qualifikation nicht geschafft hat, sondern weil wir hierzulande keine bewegten Bilder zu sehen bekommen. Dass der WBC auf mlb.tv nur in den USA live zu empfangen sein wird, war frühzeitig bekannt. Leider erwies sich dann auch die zunächst von mlb.tv selbst verbreitete Info, man könne als internationaler Nutzer wenigstens auf die Aufzeichnungen zugreifen, als falsch. Am ersten Tag des Turniers gab es wohl auf der Facebookseite des WBC einen Livestream zu sehen, aber das war offenbar nur eine einmalige Werbeaktion.

Brett Lawrie will abwarten 
Brett Lawrie wurde Ende letzter Woche von den Chicago White Sox entlassen, die den verletzungsanfälligen Infielder offenbar nicht als Baustein ihres Rebuilding-Projektes sahen und auch keinen Tradepartner für ihn fanden. Unmittelbar nach der Ankündigung gab es sofort Gerüchte um vier bis fünf potenzielle Interessenten an einer Verpflichtung. Lawrie hat aber inzwischen von seinem Agenten verkünden lassen, dass er eine Auszeit nehmen und sich gründlich auskurieren möchte, bevor er einen neuen Vertrag unterzeichnet.

Angel Pagan noch nicht am Ende
Der ehemalige Giants-Outfielder Angel Pagan ist für 2017 noch ohne Vertrag, aber an ein Ende der Karriere denkt der 35-Jährige nicht. Bei den Blue Jays, Nationals, Braves und Orioles ist er wohl im Gespräch, aber etwas Konkretes hat sich noch nicht ergeben, auch weil Pagan offenbar nicht bereit ist, einen Minor-League-Vertrag zu unterschreiben. Als Mitglied der Nationalmannschaft von Puerto Rico möchte er sich beim WBC für ein neues MLB-Engagement empfehlen.

Was für ein Catch!
Ich weiß nicht, ob Infield-Prospect Luis Guillorme es jemals in die MLB schafft, aber seinen Namen hat nun wohl jeder Baseballfan schon mal gehört und verbindet ihn mit einer Szene, die ich mir stundenlang in Endlosschleife ansehen könnte: Marlins-Shortstop Adeinys Hechavarria schwingt nach dem Ball und lässt dabei versehentlich den Schläger los. Dieser fliegt bedrohlich auf den Dugout der Mets zu, in dem mehrere Spieler hastig in Deckung gehen – nur Guillorme bleibt seelenruhig auf die Reling gelehnt stehen, fängt den Bat mit einer Hand und wirft ihn zurück zu Hechavarria. Wenn ihr das Video noch nicht gesehen habt, schaut es euch hier an.

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März 5th, 2017 by Silversurger

Am morgigen Montag beginnt die Weltmeisterschaft im Baseball, der World Baseball Classic. Das Turnier findet in den kommenden zweieinhalb Wochen in vier verschiedenen Ländern statt. Deutschland hat sich nicht für den WBC qualifizieren können und die Möglichkeiten, das Turnier zu verfolgen, sind hierzulande leider sehr eingeschränkt.

Die Teilnehmer
Von den 16 teilnehmenden Mannschaften waren 12 gesetzt aufgrund ihres Abschneidens beim letzten WBC 2013: USA, Japan, Kuba, Kanada, China, Taiwan, Italien, Niederlande, Südkorea, Puerto Rico, Venezuela und der Titelverteidiger Dominikanische Republik. Die restlichen vier Plätze wurden über Qualifikationsturniere im Laufe des letzten Jahres vergeben. Deutschland bekam es dabei vor ziemlich genau einem Jahr mit Nicaragua, Tschechien und Mexiko zu tun und schied leider sang- und klanglos aus. Die Qualifikation schafften letztlich die favorisierten Mexikaner, hinzu kommen aus den anderen Qualifikationsgruppen Australien sowie die beiden erstmaligen Teilnehmer Israel und Kolumbien.

Spielorte und Turniermodus
Die Verteilung des Turniers auf vier Länder lässt Einiges an Reisestress befürchten, jedenfalls für die Teams, die zur Endrunde von Asien nach Amerika wechseln müssen. In der Vorrunde spielt zunächst jede Gruppe an einem festen Ort: Gruppe A in Seoul, Gruppe B in Tokio, Gruppe C in Guadalajara und Gruppe D in Miami. Innerhalb der Gruppe spielt jeder gegen jeden, die jeweils besten zwei Teams kommen weiter.

Die Zwischenrunde findet für die Teams aus den Gruppen A und B in Tokio und für die anderen in San Diego statt. Der Modus bleibt der gleiche wie in der Vorrunde: jeder gegen jeden, je zwei kommen weiter und zwei scheiden aus.

Die Endrunde schließlich steigt in Los Angeles. Hier spielen die Erst- und Zweitplatzierten der Zwischenrunde über Kreuz ein Halbfinale aus und die Sieger am 22. März das Finale.

Außenseiter und Favoriten
Dass die USA als Heimat des Baseballsports und der bedeutendsten Profiliga regelmäßig zu den Favoriten des WBC gehören, dürfte auf der Hand liegen. Tatsächlich sind die Amerikaner bei den drei bisherigen Turnieren aber nie über Platz vier hinausgekommen. Die erfolgreichste Baseballnation ist Japan mit zwei Weltmeistertiteln und einem dritten Platz beim letzten WBC 2013.

Japan führt auch die Weltrangliste an, gefolgt von den USA, Südkorea, Taiwan und Kuba. Dementsprechend dürfen diese fünf, hinter denen in der Liste punktemäßig eine gewisse Lücke klafft, als Favoriten des Turniers gelten.

Dass es im Baseball nicht zwangsläufig nach Rangliste läuft, zeigte sich 2013 beim letzten WBC: Gleich zwei Überraschungsteams schafften es ins Finale, in dem die Dominikanische Republik mit 3:0 die Oberhand gegen Puerto Rico behielt.

Ein nicht allzu geheimer Geheimtipp für dieses Jahr ist Venezuela, das beim letzten WBC enttäuschte und sich dieses Mal beweisen will – das Personal dafür ist mit Leuten wie Miguel Cabrera, Jose Altuve, Carlos Gonzalez, Ender Inciarte und Odubel Herrera zweifellos vorhanden. Generell dürfte die Leistungsdichte unter den 16 Teams so hoch sein, dass fast jeder jeden schlagen kann. Das gilt selbst für Kolumbien, das zum ersten Mal dabei ist, aber mit den Assen José Quintana und Julio Teheran als Startern aufwartet. Als krasser Außenseiter gilt lediglich Israel, für das bereits die Qualifikation zum Turnier eine Sensation darstellte.

Die Spieler
Ein Grund, dass die USA bei bisherigen Turnieren nicht die erwartete Rolle spielten, dürfte sein, dass für viele der amerikanischen Spieler eine von Nationalmannschaften ausgetragene Weltmeisterschaft keinen überragenden Stellenwert hat und man sich lieber auf die anstehenden 162 MLB-Spiele konzentriert. Die ganz Großen wie Clayton Kershaw, Madison Bumgarner, Mike Trout und Bryce Harper sucht man vergeblich im Kader. Trotzdem bieten die USA unter allen beteiligten Teams wohl die größte Ansammlung gestandener MLB-Profis auf: Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Daniel Murphy, Nolan Arenado, Giancarlo Stanton und einige mehr werden dabei sein.

Die süd- und mittelamerikanischen Mannschaften haben zwar schon rein von der Größe der Länder her nicht ganz so viele Topspieler zur Auswahl, die Ausschöpfung des Potenzials ist dafür aber meistens recht gut. Die Beispiele Venezuela und Kolumbien habe ich schon genannt, ein anderes ist Titelverteidiger Dominikanische Republik mit Akteuren wie Johnny Cueto, Jeurys Familia, Adrian Beltre, Manny Machado, Jose Bautista und Starling Marte. Etwas aus der Reihe fällt in dieser Hinsicht Kuba: Die kubanischen MLB-Profis haben ihre US-Karriere in aller Regel durch eine Flucht aus ihrer Heimat begonnen und werden in der Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt.

Bei den europäischen Vertretern Italien und Niederlande rechnet man eigentlich nicht unbedingt mit vielen MLB-Spielern, aber dank der großzügigen Handhabung der Spielberechtigung durch den internationalen Verband WBSC können beispielsweise die beiden Mets Gavin Cecchini und Brandon Nimmo für Italien spielen. Beide sind weder in Italien geboren noch haben sie die italienische Staatsbürgerschaft, aber italienische Vorfahren reichen aus, um für die Squadra Azzurra antreten zu dürfen. Europameister Niederlande kommt zugute, dass die Karibikinseln Curaçao und Aruba zum niederländischen Königreich gehören. Dem Nationalteam beschert das die Verfügbarkeit beispielsweise von Xander Bogaerts, Jurickson Profar und Kenley Jansen.

Der zweifache Weltmeister Japan setzt überwiegend auf Spieler aus der eigenen Profiliga. Namen wie Koji Uehara, Yu Darvish, Masahiro Tanaka und Kenta Maeda sucht man vergeblich und auch Supertalent Shohei Otani wird wegen einer Verletzung auf die WBC-Teilnahme verzichten. Man darf gespannt sein, wer sich dieses Mal in die Notizbücher der Scouts spielen wird.

Wie kann man den WBC sehen?
Es könnte so ein schönes und interessantes Turnier werden, wenn man nur irgendeine Möglichkeit hätte, die Spiele in bewegten Bildern zu verfolgen. Leider scheint es so zu sein, dass es diese Möglichkeit in Deutschland nicht gibt, jedenfalls nicht hundertprozentig legal und ohne technischen Aufwand. Die Spiele werden zwar auf mlb.tv übertragen, sind aber nur innerhalb der USA verfügbar. Durch Einsatz eines Proxy-Anbieters kann man diese Einschränkung vermutlich umgehen, allerdings riskiert man dadurch möglicherweise eine Kündigung seitens mlb.tv – ein Risiko, das ich für meinen Teil auf keinen Fall eingehen werde. Viel mehr als die Ergebnisse, Spielberichte und vielleicht Zusammenfassungen auf worlbaseballclassic.com zu verfolgen ist daher wohl leider nicht drin.

Kleiner Nachtrag hierzu: Immerhin kann man auf mlb.tv als Nutzer aus Deutschland ab ca. 90 Minuten nach dem Ende jedes Spiels auf die Aufzeichnung zugreifen.

Und noch ein Nachtrag: Der angekündigte Zugriff 90 Minuten nach dem Spiel scheint bislang nicht zu funktionieren. Aber es gibt Livestreams über die Facebookseite des Turniers.

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