Juni 17th, 2021 by Silversurger

Klebrige Substanzen und ihr Gebrauch durch Pitcher sind nach wie vor Diskussionsthema Nummer eins in der MLB. Nachdem schon zu Beginn der Saison sowie noch einmal am 3. Juni verstärkte Kontrollen und eine konsequentere Umsetzung der bestehenden Regeln angekündigt wurden, macht die Liga nun offenbar Ernst: In einem Memo an alle Teams und einer Pressemitteilung gab Commissioner Rob Manfred bekannt, dass ab kommenden Montag Starting Pitcher mindestens zweimal pro Spiel und Reliever nach jedem Einsatz auf unerlaubte Hilfsmittel wie Baumharz oder Spider Tack untersucht werden. Wer mit einer solchen Substanz erwischt wird, muss mit sofortigem Platzverweis und zehn Spielen Sperre rechnen. Die Teams werden mit in die Verantwortung genommen, indem sie die gesperrten Spieler weiterhin bezahlen müssen und den Platz im Kader während der Sperre nicht an jemand anderen vergeben dürfen.
Interessanterweise sind erste Auswirkungen der Ankündigung vom 3. Juni offenbar bereits zu beobachten: Bei zahlreichen Pitchern sind die zunächst auffällig hohen Rotationsraten ihrer Pitches seitdem deutlich zurückgegangen.

Ein selbsterklärtes „Opfer“ der neuen Regelauslegung ist Rays-Pitcher Tyler Glasnow: Er musste mit einem Anriss des ulnaren Seitenbandes im Ellenbogen seines Wurfarmes auf die Verletztenliste. Er macht ausdrücklich für die Verletzung verantwortlich, dass er von der Liga gezwungen wurde, mitten in der Saison etwas an seinen eingeübten Abläufen zu ändern, indem er auf seine Mischung aus Harz und Sonnencreme verzichten musste. Mit Clevelands Shane Bieber und Washingtons Max Scherzer verletzten sich diese Woche übrigens zwei weitere prominente Pitcher; von einem Zusammenhang mit dem Klebethema ist in ihren Fällen bislang nicht die Rede.

National League
Auch bei den New York Mets (35-25) macht man sich große Sorgen um einen Pitcher. Zwar läuft es sportlich super für das Team aus Queens: Von den letzten zehn Spielen wurden acht gewonnen und das gegen Hochkaräter wie die Padres und die Cubs, der Vorsprung in der NL East auf die Philadelphia Phillies (33-30) beträgt mittlerweile fünf Spiele. Jacob deGrom pitcht eine Saison für die Ewigkeit, er hat in seinen elf Starts insgesamt nur vier Runs zugelassen und steht auf einem ERA von unglaublichen 0.54. Doch er ist auch der Grund für die Sorgen, denn er musste zuletzt zweimal vorzeitig ausgewechselt werden. Letzten Freitag war eine entzündete Sehne im Ellenbogen der Grund, dass deGrom nach sechs Innings raus musste. Eine MRT  zeigte keine Schäden und Jake konnte gestern wieder spielen, doch nach drei perfekten Innings mit acht Strikeouts war wieder Schluss, dieses Mal wegen Problemen mit der Schulter. Er wird sich nun weiteren Untersuchungen unterziehen und man kann nur hoffen, dass er nicht länger ausfällt.
Die dreifachen Divisions-Titelverteidiger Atlanta Braves (30-35) spielen derweil weiterhin eine enttäuschende Saison. Sechs der letzten sieben Spiele haben sie verloren, darunter zwei gegen die Phillies und zwei gegen die abgeschlagenen Miami Marlins (29-39). Nun stehen auch noch zwei besonders schwierige Serien für die Braves an: erst viermal gegen die Cardinals, dann viermal gegen die Mets. 

Die St. Louis Cardinals (35-33) sind ihrerseits in Zugzwang, denn der einstige Tabellenführer der NL Central ist inzwischen auf Platz vier abgerutscht. Das klingt aber hoffnungsloser als es ist, denn abgesehen vom Schlusslicht Pittsburgh Pirates (23-44) sind in dieser Division alle Teams in den letzten Tagen sehr eng zusammengerückt. Vorne stehen gleichauf die Milwaukee Brewers und die Chicago Cubs (je 38-30), doch beide haben ihre letzten drei Spiele verloren. Die Cincinnati Reds (35-31) haben derweil sechs Spiele am Stück gewonnen – drei davon gegen die Brewers – und sind jetzt wieder voll im Rennen, ebenso wie die Cardinals nach ihrem Sweep über die Marlins. 

Der nächste Gegner der Reds sind die San Diego Padres (38-32), die sich seit zweieinhalb Wochen in der NL West im freien Fall befinden. Seit dem 30. Mai weisen sie eine Bilanz von 4-13 auf – zwar größtenteils gegen Top-Teams, doch zuletzt ließen sie sich auch von den Colorado Rockies (28-41) sweepen. Da die San Francisco Giants (43-25) und die Los Angeles Dodgers (41-27) weiterhin die Mehrzahl ihrer Spiele gewinnen, setzen die beiden sich zunehmend ab und bilden statt des einstigen Führungstrios nur noch ein Führungsduo. Da die Dodgers nächste Woche dreimal in San Diego gastieren, haben die Padres die Chance, den Anschluss schnell wiederherzustellen – aber auch, ihn endgültig zu verlieren. Apropos endgültig verlorener Anschluss: Den Arizona Diamondbacks (20-49) zuzuschauen, tut momentan selbst als neutraler Beobachter weh. Von ihren letzten 30 Spielen haben sie 27 verloren, darunter zweimal 13 am Stück. Die zweite dieser Serien dauert zurzeit noch an. Seit gestern sind die Diamondbacks zudem Mit-Inhaber des MLB-Rekords von 22 Auswärtsniederlagen am Stück; wenn sie heute auch das vierte Spiel in San Francisco verlieren, gehört der unrühmliche Rekord ihnen allein. 

American League
In der American League gibt es eine recht ausgeglichene Spitze in der Form, dass jede Division von einem Team mit 43 Siegen angeführt wird. In der AL East sind das die Tampa Bay Rays (43-26), für die die Luft allerdings gerade etwas dünn wird: Die Boston Red Sox (42-27) haben in den letzten Tagen zwei Spiele auf die Rays gut gemacht, sodass die beiden nun nur noch ein einziges Spiel trennt. Das ist eine spannende Ausgangslage vor dem direkten Aufeinandertreffen in der kommenden Woche, auch wenn die Rays vorher noch nach Seattle und die Red Sox nach Kansas City müssen. Im Mittelfeld der Division duellieren sich derzeit die New York Yankees (35-33) und die Toronto Blue Jays (33-33). Bislang hatten zweimal die Yankees knapp das bessere Ende für sich, Spiel drei steigt heute Nacht ab 1:07 mitteleuropäischer Zeit.

In keiner Division herrschen derart klare Verhältnisse wie in der AL Central. Ganz vorne haben wir die Chicago White Sox (43-25), die – gemeinsam mit den Giants – die beste Bilanz der gesamten MLB aufweisen. Der einzige verbliebene Konkurrent in der Division sind die Cleveland Indians (37-28), allerdings schon mit gehörigem Abstand auf die White Sox. Hinter den Rest der AL Central können wir getrost einen Haken setzen. Die Kansas City Royals (30-39) hatten eine Weile vorne mitgehalten, doch nach elf Niederlagen in den letzten zwölf Spielen gehören sie inzwischen klar in eine Kategorie mit den Detroit Tigers (29-39) und den Minnesota Twins (27-41). Alle drei müssen sich um die laufende Saison keine großen Gedanken mehr machen, außer jenen, welche Spieler man zur Trade-Deadline möglichst gewinnbringend auf den Markt bringen kann. 

Auch die AL West hat ihr 43-Siege-Team, nämlich die Oakand Athletics (43-27). Die A’s haben gerade durch einen Sweep den Zwischenspurt der Los Angeles Angels (33-35) gestoppt und damit die Tabellenführung vor den Houston Astros (39-28) behauptet. Die Astros schafften derweil in den beiden letzten Spielen gegen die Texas Rangers (25-43) etwas, das es in der MLB-Geschichte noch nie gab: José Altuve beendete vorgestern das Spiel mit einem Walkoff-Homerun und begann gestern das nächste Spiel mit einem Leadoff-Homerun. Ist es nicht faszinierend, dass es nach 150 Jahren professionellem Baseball immer noch fast jede Woche etwas völlig Neues gibt? Beide Spitzenteams der Division haben nun schwere Aufgaben vor sich: Die Athletics reisen zu den Yankees, während die Astros die White Sox empfangen (siehe „Einschalttipp“).

Szene der Woche 
Anthony Rizzo hat uns am Freitag mit einem der großartigsten At Bats des Jahres beschert. Der First Baseman der Cubs fiel gegen Cardinals-Pitcher Daniel Ponce de Leon schnell mit 0-2 zurück. Der nächste Pitch war ein hoher Ball, den Rizzo durchließ, bevor er einen Pitch nach dem anderen wegfoulte. Den vierzehnten Pitch des At Bats, einen 96-Meilen-Fastball, schlug er schließlich zum Homerun. Der Count war zu dem Zeitpunkt übrigens noch nicht mal voll, es stand 2-2 mit neun Foulballs. Rizzos Homerun im fünften Inning war der Ausgleich zum 5:5, die Cubs gewannen am Ende 8:5.

Statistik der Woche 
8. So viele Homeruns schlugen die Toronto Blue Jays am Sonntag beim 18:4-Sieg gegen die Boston Red Sox. Die Blue Jays sind damit das einzige Auswärtsteam, das jemals in der 109-jährigen Geschichte von Fenway Park so viele Homeruns in einem Spiel erzielte.

Spiel der Woche
Wir bleiben in Fenway Park, denn dort gab es zwei Tage vor dem Homerun-Festival der Blue Jays eine sehr viel spannendere Partie zu bestaunen. Obwohl es nur über achteinhalb Innings ging, dauerte das Spiel 3 Stunden und 47 Minuten. In dieser Zeit bekam man als Zuschauer einiges geboten: unter anderem sechs Führungswechsel – die meisten in einem MLB-Spiel seit fast zwei Jahren –, drei Bases-Loaded-Walks, den zweitkürzesten Out-Of-The-Park-Homerun (315 Yards) sowie den längsten nicht gefangenen Infield Fly (211 Yards) der Saison und einen Platzverweis gegen Astros-Manager Dusty Baker. Einen halbnackten Flitzer gab es übrigens auch, der taucht allerdings nicht im Video auf.

Mein Einschalttipp
Von Dienstag bis Donnerstag nächster Woche stehen die immer sehenswerten Duelle zwischen den Red Sox und den Rays sowie zwischen den Dodgers und den Padres an. Nachdem ich hier aber schon so oft NL-West- und AL-East-Matchups empfohlen habe, geht der Einschalttipp heute mal an eine andere hochinteressante Paarung: Die Astros treffen ab heute viermal auf die White Sox. Es sind die beiden Teams mit den besten Run Differentials der American League, im Fall der Astros vor allem auf offensive Feuerkraft gegründet, bei den White Sox hingegen auf hervorragendes Pitching. Die ersten drei Spiele laufen nach europäischer Zeit mitten in der Nacht, das vierte aber zur besten Sendezeit am Sonntagabend um 20:10 Uhr – sogar ganz ohne Konkurrenz durch die Fußball-EM. Übrigens: In den USA ist am Sonntag Vatertag. Aus diesem Anlass gibt es diese Woche das Jahresabo von mlb.tv zum halben Preis.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , ,

Juni 10th, 2021 by Silversurger

Kleber ist ja eigentlich dafür da, Dinge zusammenzufügen, aber in der MLB haben klebrige Substanzen gerade den gegenteiligen Effekt: Sie verursachen einen tiefen Riss zwischen jenen, die den Gebrauch solcher Hilfsmittel durch Pitcher als ein Problem ansehen und jenen, die das in Ordnung finden. Die reine Tatsache, dass Mittel wie Pinienteer, Tyrus Sticky Grip oder Spider Tack unter Pitchern verbreitet sind, um einen besseren Griff an den Ball zu bekommen und dessen Rotation zu erhöhen, bestreitet so gut wie niemand. Es gibt nur auf der einen Seite Spieler wie Josh Donaldson, die sich darüber öffentlich beschweren, und auf der anderen Seite solche wie Aaron Judge oder Pete Alonso, die das Thema als eine Art Kavaliersdelikt darstellen, bei dem Chancengleichheit dadurch entsteht, dass es quasi jeder macht. Interessanterweise sind es fast ausschließlich Batter, die sich zu der Situation äußern. Pitcher wie Cy-Young-Kandidat Gerrit Cole neigen dazu, ausweichend auf klebrige Fragen zu antworten – wohl auch vor dem Hintergrund, dass die MLB angekündigt hat, die bestehenden Regeln von jetzt an konsequenter umzusetzen. Ein erster Warnschuss wurde diese Woche abgegeben, indem mindestens vier Minor-League-Pitcher für jeweils zehn Spiele gesperrt wurden. Das Thema wird die laufende Saison wohl noch für eine Weile begleiten. Jetzt aber erst mal zum aktuellen sportlichen Geschehen:

American League
Die Tampa Bay Rays (39-24) zeigen nach wie vor keine Spur von World-Series-Hangover. Mit ihrer Bilanz sind sie bislang das stärkste Team sowohl der AL East als auch der gesamten MLB. Der Erfolg der Rays basiert, wie man es von ihnen gewohnt ist, nicht auf großen Namen, sondern auf einem ausgewogenen Kader, bei dem alle kleinen Rädchen ineinander greifen und jedes davon bei Bedarf ausgetauscht werden kann. Mit diesem Erfolgsrezept bringen sie es in der bisherigen Saison auf die zweitmeisten erzielten und die zweitwenigsten kassierten Runs der AL. Ihre Rolle als Verfolger Nummer eins der Rays haben die Boston Red Sox (37-25) gefestigt, indem sie am vergangenen Wochenende mit einem 3-Spiele-Sweep die New York Yankees (33-29) in deren eigenem Ballpark abfertigten – übrigens zum ersten Mal seit zehn Jahren. Mitte nächster Woche kommt es in Buffalo zu einem interessanten Duell zwischen den Toronto Blue Jays (31-28) und den Yankees. Ein klarer Ausgang dieser Serie könnte für das unterlegene Team bedeuten, dass man das Rennen um die Playoff-Plätze vorerst abhaken kann. 

Die AL Central bietet zurzeit von allen Divisionen das eindeutigste Bild. Die Chicago White Sox (37-24) führen klar mit vier Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (32-27). Dass dieser Abstand kein Zufall, sondern eher noch schmeichelhaft für die Indians ist, zeigt der Blick auf die Run Differentials: Die White Sox haben mit +86 das beste Runverhältnis der gesamten Liga, während die Indians (-12) genau wie alle anderen Teams der Division im negativen Bereich rangieren. Die Detroit Tigers (25-36) und die Minnesota Twins (24-37) sind in der Division längst abgeschlagen; nur was ich von den Kansas City Royals (29-31) halten soll, weiß ich nicht so recht. Einem bärenstarken Saisonbeginn im April folgte der freie Fall in der ersten Maihälfte. Dann arbeiteten sich die Royals langsam wieder hoch, bevor sie zuletzt fünf Spiele in Folge verloren. Angesichts einer anstehenden Vier-Spiele-Serie in Oakland könnte es schwer werden, diesen Negativtrend zeitnah zu stoppen.

Im Gegensatz zu den Royals zeigen die Oakland Athletics (37-26) nämlich eine beeindruckende Konstanz. Ignoriert man ihren mit sechs Niederlagen verschlafenen Start in die Saison, weisen sie seitdem die beste Bilanz der gesamten MLB auf. So reicht es immerhin zur Führung in der AL West, wenn auch nur knapp vor den Houston Astros (35-26). Die Astros haben acht ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, allesamt gegen starke Gegner wie die Padres, die Red Sox und die Blue Jays. Das Rennen zwischen ihnen und den A’s dürfte auf absehbare Zeit interessant bleiben, während die Seattle Mariners (31-32) langsam aber sicher den Anschluss an das Spitzenduo verlieren. Einen klaren Aufwärtstrend zeigten zuletzt die Los Angeles Angels (30-32) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Auch ihnen traue ich eher nicht zu, noch ernsthaft ins Rennen einzugreifen. Sie können mich gerne eines Besseren belehren, indem sie Mitte nächster Woche ein paar Spiele gegen die Athletics gewinnen.

National League
In der NL East halten sich die New York Mets (30-24) trotz widriger Umstände wie Verletzungen, Offensiv-Slumps und Spielausfällen nach wie vor wacker auf Platz eins. Das liegt nicht zuletzt an der schwachen Konkurrenz, denn die Atlanta Braves (29-30), Philadelphia Phillies (29-31), Washington Nationals (25-33) und Miami Marlins (26-35) stehen durch die Bank bei negativen Bilanzen und negativen Run Differentials – mit Ausnahme der Braves, deren Run Differential bei null steht. Ob die Mets sich auf Dauer da oben einrichten können, werden die anstehenden vier Wochen der Wahrheit weisen, vor die sie der Spielplan stellt: 3-mal gegen die Padres, 4-mal gegen die Cubs, 5-mal gegen die Nationals, 7-mal gegen die Braves, 4-mal gegen die Phillies, 3-mal gegen die Yankees und 3-mal gegen die Brewers lautet das bockelharte Programm. Falls die Mets dann, nach gut der Hälfte der Saison, noch vorne stehen sollten, darf man sich wirklich fragen, wer sie noch stoppen soll. 

Eine Woche der Wahrheit steht auch in der NL Central an. Das betrifft zum einen das bevorstehende Duell der Chicago Cubs (35-27) und der St. Louis Cardinals (32-30). Die Cubs befinden sich seit Wochen im Aufwärtstrend, in dessen Zuge sie die Cardinals als Tabellenführer entthront haben. Diese hingegen scheinen völlig von der Rolle, haben zuletzt acht von zehn Spielen verloren, darunter alle vier Partien einer Heimserie gegen die Cincinnati Reds (29-30). Wenn die drei Spiele in Chicago von Freitag bis Samstag nicht die Wende bringen, rückt die Divisionsspitze für St. Louis in weite Ferne. Hinzu kommt, dass mit den Milwaukee Brewers (34-27) ein weiteres Team in der Division einen starken Lauf und sich mittlerweile schon zwischen die Cubs und die Cardinals geschoben hat. Zehn der letzten zwölf Spiele haben die Brewers für sich entschieden. In den kommenden Tagen geht es für sie viermal gegen die Reds und dreimal gegen die Pittsburgh Pirates (23-37) – Gelegenheit genug, um sich von diesen Teams aus der unteren Tabellenhälfte weiter abzusetzen und Kapital daraus zu ziehen, dass die Cubs und die Cardinals sich gegenseitig Punkte abnehmen.

In der NL West finden wir das beste Team der NL und obwohl das schon seit Wochen so ist, bin ich bei jedem Blick auf die Tabelle wieder überrascht, dass es sich weder um die Los Angeles Dodgers (36-25) noch um die San Diego Padres (37-27) handelt, sondern um die San Francisco Giants (38-23). Natürlich sind noch hundert Spiele zu spielen, aber die Saison ist schon weit genug vorangeschritten, um sagen zu können, dass die Giants offensichtlich „for real“ sind. Nach den Dodgers am vorletzten Wochenende haben sie auch die Cubs am letzten Wochenende 3-1 geschlagen und damit gezeigt, dass sie gegen die Spitzenteams bestehen können. Nun warten erstmal vermeintlich leichtere Aufgaben in Form der Nationals und der Arizona Diamondbacks (20-43). Letztere zeigen sich seit Wochen in einem desolaten Zustand. Seit Mitte Mai haben sie unglaubliche 21 von 23 Spielen verloren, weisen mittlerweile die schlechteste Bilanz der gesamten Liga auf. Falls hier Fans der Diamondbacks mitlesen – schaut euch lieber nicht den Restspielplan bis zum All-Star-Break an…

Szene der Woche 
Eines der vielen schönen Dinge am Baseball ist, dass man auch in Misserfolgen und Niederlagen immer wieder besondere Teil- und Einzelleistungen findet, an denen man sich erfreuen kann. Die Yankees hatten so einen Moment am Freitag, als ihr Starter Michael King im vierten Durchgang gegen die Red Sox ein immaculate Inning warf. Von einem solchen „makellosen“ Inning spricht man, wenn es aus drei Strikeouts besteht und der Pitcher dafür nur die Mindestanzahl von neun Pitches benötigt. In der MLB-Historie gab es bislang 103 immaculate Innings. Zum Vergleich: No-Hitter kamen mehr als dreimal so oft vor, nämlich 311-mal. Richtig freuen konnte King sich über seinen Eintrag in die Geschichtsbücher aber nicht: „Ich würde lieber ein Spiel gewinnen statt ein immaculate Inning zu werfen,“ war sein Fazit nach der 2:5-Niederlage seines Teams.

Statistik der Woche 
2765. So viele Spiele hat Tony La Russa als MLB-Manager gewonnen. Mit Sieg Nummer 2764 überholte der Cheftrainer der Chicago White Sox am Sonntag John McGraw in der ewigen Rangliste. An Platz eins wird der 76-Jährige wohl nicht mehr herankommen, denn dort steht Connie Mack mit unglaublichen 3731 Wins. Dabei möchte ich nicht verschweigen, dass Mack die Niederlagentabelle noch deutlicher anführt als die mit den Siegen. Hinter seinen 3948 verlorenen Spielen belegt auch hier La Russa den zweiten Platz mit 2389.

Spiel der Woche
Pleiten, Pech und Pannen lautete das Motto in der Partie der Phillies gegen die Nationals am Sonntag. Im ersten Inning gab es eine Unterbrechung, weil Brian O’Nora einen Foulball an die Gesichtsmaske bekam und das Spiel verlassen musste. Im dritten Inning wurde das Spiel unterbrochen, weil Nationals-Pitcher Austin Voth einen Fastball von Vince Velasquez ins Gesicht bekam und sich die Nase brach. Die nächste und längste Unterbrechung kam im achten Inning, als das Schutznetz entlang des Infields herunterfiel und vom engagierten Stadionpersonal wieder aufgehängt werden musste. Baseball wurde zwischendurch auch noch gespielt. Die Phillies gewannen 12:6, unter anderem mit dem 100. Homerun in der Karriere von Catcher J. T. Realmuto.

Mein Einschalttipp
Die Padres und die Mets lieferten sich schon am letzten Wochenende in New York eine sehenswerte Serie, in der sie sich letztlich die Siege 2-2 teilten. Zwei der Spiele waren geprägt durch überragendes Pitching: das 2:0 der Padres vom Freitag mit sieben Innings (1 H, 0 ER, 10 K) von Blake Snell sowie das 4:0 der Mets vom Samstag mit sieben Innings (3 H, 0 ER, 11 K) von Jacob deGrom. Dieses Wochenende treffen die beiden Teams wieder aufeinander, und voraussichtlich wird es gleich am Freitag zum potenziell epischen Duell zwischen Snell und deGrom kommen. Sofern ihr euch an Baseball auch dann erfreuen könnt, wenn Hits und Runs Seltenheitswert haben, dann schaltet morgen Nacht um 1:10 Uhr unserer Zeit mlb.tv ein – auch ohne Abo, denn die Partie ist das „Free Game of the Day“.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , ,

Juni 5th, 2021 by Silversurger

Wenn im Baseball die Rede von einem 2-Way-Player ist, denkt man vermutlich erst mal an Shohei Ohtani und an Babe Ruth. Bei mir geht es heute um einen 2-Way-Player der ganz anderen Art. Scott Radinsky war von 1990 bis 2001 als Relief Pitcher für die Chicago White Sox, die Los Angeles Dodgers, die St. Louis Cardinals und die Cleveland Indians aktiv und füllte danach diverse Coaching-Jobs in den Major und Minor Leagues aus. Das würde nach einer ziemlich normalen Profi-Baseballkarriere klingen, hätte Radinsky nicht die ganze Zeit über ein zweites Standbein als Punkrocker gepflegt, was seine Lebensgeschichte zu einer doch eher ungewöhnlichen macht. Zunächst mit Ten Foot Pole und dann mit der 1994 von ihm gegründeten Band Pulley nutzte Radinsky regelmäßig die Saisonpausen, um Alben aufzunehmen und durch die Welt zu touren, unter anderem als Support von Green Day und NOFX. Vor wenigen Tagen hat Pulley eine neue EP veröffentlicht. Ich hatte das Vergnügen, mit Scott Radinsky ein Interview führen zu dürfen, das ihr im Folgenden nachlesen könnt.

Scott Radinsky 2012 als Pitching Coach der Indians1

Dominik: Zunächst mal herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für mich und meine Leserinnen und Leser nimmst. Würdest du dich bitte kurz vorstellen und erzählen, was du getan hast und zurzeit tust?

Scott: Danke, gern. Ich bin Scott Radinsky, ein ehemaliger MLB-Pitcher und Profi-Baseball-Coach, der auch in einer Punk-Band namens Pulley singt. In den letzten paar Jahren habe ich bei einem lokalen High-School-Team ausgeholfen und mich für USA Baseball engagiert. [Anm.: USA Baseball ist quasi das US-Pendant zum DBV und unter anderem für die Olympia- und Nationalmannschaften verantwortlich.]

Dominik: Baseball und Punkrock, das klingt für mich nach einer großartigen Kombination, weil ich persönlich beides sehr mag, aber es scheinen mir auch zwei sehr unterschiedliche Welten zu sein – auf der einen Seite ein Sport, der als eher konservativ gilt und viel Disziplin und Einordnung in hierarchische Strukturen verlangt, auf der anderen Seite eine Musikszene, deren Mottos darin bestehen, seinen eigenen Weg zu gehen, Autoritäten und Hierarchien in Frage zu stellen usw. Wie passt das für dich zusammen?

Scott: Nun, tatsächlich hat beides für mich nie richtig zusammengepasst, abgesehen davon, dass es die einzigen Dinge sind, die ich je gemacht habe. Wenn ich nach Gemeinsamkeiten suche, dann ist es am ehesten, dass man in beiden Fällen vor Publikum spielt, aber das ist auch schon so ziemlich alles. Baseball ist der große Apparat mit festen Strukturen und Leuten, die sich gegenseitig ausbooten, um selbst nach oben zu kommen. Es ist eine ziemliche Ellenbogengesellschaft. Das Spiel ist großartig, aber das Business? Äh, nicht so großartig. 
Punkrock hingegen kam immer ohne echte Grenzen aus, innerhalb derer man sich bewegen müsste, man hat die Freiheit, sich künstlerisch und musikalisch auszudrücken und einfach man selbst zu sein. Gerade wenn man mit Labels arbeitet, die selbst von Punks betrieben werden, gibt einem das die Freiheit, sich auszudrücken und die Ermutigung, den eigenen Weg zu gehen, egal wohin dieser einen führt. 

Dominik: Würdest du sagen, Baseball sollte in der Hinsicht etwas vom Punkrock lernen?

Scott: Sie könnten auf jeden Fall lernen, mehr sie selbst zu sein und den Spielern mehr zu erlauben, sich auszudrücken. Tatsächlich gab es in den letzten paar Jahren deutlich weniger Kontroversen um die Aufrechterhaltung bestimmer Images, und einige Spieler mit offener Persönlichkeit werden ermutigt, diese auszuleben und sich nicht anzupassen. Das ist ein großer Schritt für ein Spiel, das es seit über 100 Jahren gibt, mit ungeschriebenen Regeln, Traditionen usw. Vielleicht ist der Baseball also bereits dabei, eine Seite aus dem Punkrock-Handbuch zu übernehmen.

Dominik: Alice Cooper hat mal gesagt: „Wenn mich jemand vor die Wahl gestellt hätte, ein Rockstar zu sein oder im Leftfield für die Tigers zu spiele, dann wäre das gar keine Frage gewesen. Ich hätte einfach gesagt: Wo ist mein Spind?“ Was wäre deine Wahl gewesen, wenn du zwischen Bühne und Mound hättest entscheiden müssen?

Scott: Ich denke, in dem Fall hätte ich gewählt, von Februar bis Oktober ein Baseballspieler zu sein und ein Punk in den restlichen vier Monaten des Jahres. Moment mal – das ist ja genau das, was ich bin!

Dominik: Wie war das mit deinen Teamkameraden während der aktiven Karriere, haben sie sich für dein Zweitleben als Musiker interessiert?

Scott: Einige waren beeindruckt, anderen war es egal oder es war ihnen gar nicht bewusst. Ich habe es meistens ziemlich gut hinbekommen, beides voneinander zu trennen, außer wenn ich wusste, dass sich jemand aufrichtig interessierte. Einige der Jungs waren auf Konzerten oder während der Aufnahmen im Studio und da wurde ihnen erst richtig klar, scheiße, das ist echt. Sie hatten definitiv eine andere Perspektive, nachdem sie es persönlich aus der Nähe gesehen haben.

Dominik: Und wie war es andersherum für deine Bandkollegen? Es heißt, dass du wegen dem Baseball aus deiner früheren Band Ten Foot Pole rausgeflogen bist.

Scott: Ja, Baseball war die Begründung, dass man mich bat, die Band zu verlassen, obwohl ich zu der Zeit schon seit acht Jahren professionell gespielt hatte. Es war die Zeit der Punk-Explosion in den frühen bis mittleren 1990ern und Ten Foot Pole hatte die Hoffnung, den Durchbruch zu schaffen. Je nachdem, wie man es betrachtet, kann man wohl auch sagen, dass vielleicht Geld der Grund war.  

Dominik: Du hast in 557 MLB-Spielen gepitcht. Welches war das eine Spiel oder der eine Moment, den du am meisten genossen hast?

Scott: Das war wahrscheinlich der Zeitpunkt, als ich zum ersten Mal in der Major League pitchen durfte. Das ist der Moment, auf den wir alle hinarbeiten. Als es endlich passierte und ich mir bewusst machte, dass ich in einem MLB-Spiel pitchte, da wusste ich: Ich hab’s geschafft! Danach kam der anstrengende Teil, der Kampf ums Überleben und darum, so lange dabei zu bleiben wie ich konnte.

Dominik: Hattest du als Reliever einen Walkup-Song, vielleicht sogar von deiner Band? 

Scott: Ich hatte leider keinen Song, der regelmäßig gespielt wurde, wenn ich ins Spiel kam. Ich hätte wohl einen von den Ramones gewählt.

Dominik: Inwiefern fließen deine Baseballerfahrungen in deine eigenen Songtexte ein?

Scott: Mein tägliches Leben ist definitiv ein Einfluss auf meine Lyrics und manchmal ist Baseball ein Teil davon. Ich bin nicht sicher, ob ich einen ganzen Song nennen könnte, der sich auf Baseball zurückführen lässt. Der Einfluss kommt wohl eher in Form von einzelnen Gedanken, Zeilen und Abschnitten zum Tragen als in kompletten Liedern. 

Dominik: Wäre es denn vorstellbar für dich, mal ein ganzes Album zu veröffentlichen, auf dem sich alles um Baseball dreht, so wie man es von den Isotopes kennt?

Scott: Ich weiß nicht recht, ob ich das könnte. Gott sei Dank gibt es die Isotopes.

Dominik: Apropos Veröffentlichen, ihr habt mit Pulley gerade die EP „Different Strings“ herausgebracht. Sie enthält vier Songs, die man von euch schon kannte, in neuen Akustik-Versionen. Wie ist es dazu gekommen?

Scott: Das ging zum Beginn der Coronazeit los, während wir dabei waren, neue Songs zu schreiben. Wenn wir davon eine Pause brauchten, klimperten wir zwischendurch ältere Songs auf Akustikgitarren und stellten fest, dass einige der Lieder auf diese Art gar nicht schlecht klangen. Also haben wir eine Auswahl getroffen und sie aufgenommen.

Dominik: Dass ihr dabei wart, neue Songs zu schreiben, heißt also, dass demnächst auch mit einem vollen Album zu rechnen ist? 

Scott: Ja, wir sind nach wie vor dran und werden demnächst weitere Veröffentlichungen am Start haben.

Dominik: Gibt es Hoffnung, euch auch bald mal wieder in Deutschland zu sehen, wenn die Coronasache durchgestanden ist?

Scott: Ich hoffe ganz stark, dass wir alle bald wieder Shows besuchen und spielen und uns an Live-Musik erfreuen können.

Dominik: Leider sind Musik und Sport zwei der am härtesten von Corona getroffenen Bereiche. Wie gut bist du mit der Pandemiesituation zurecht gekommen?

Scott: Ja, die Pandemie hat uns alle hart getroffen. Aber für mich persönlich kann ich sagen, dass ich viel Zeit mit meiner Familie verbracht habe und das langsame Leben genossen habe. Insofern war es in Ordnung für mich und hat mich nicht verrückt gemacht. Sicher war bei mir der Druck auch dadurch geringer, dass ich vorher schon keinen festen Job hatte und mir trotzdem keine Sorgen machen musste. Ich weiß nicht, wie lange das Sportgeschäft brauchen wird, bis es die finanziellen Einbußen verkraftet hat, aber zurzeit können die Stadien ihre Kapazitäten wieder stärker ausschöpfen, was für die Eigentümer hilfreich und ermutigend sein dürfte. 

Dominik: Wie sehen deine Zukunftspläne im Baseball aus? Hast du die Hoffnung, es als Trainer oder Manager noch mal zurück in die Big Leagues zu schaffen?

Scott: Momentan setze ich erstmal meine Arbeit mit USA Baseball und auf dem High-School-Level fort. Zudem gibt es ein College-Summer-League-Team in meiner Nähe, bei dem ich ebenfalls als Coach mithelfen werde. Was eine Rückkehr in den professionellen Baseball angeht, würde ich die Tür nicht ganz schließen wollen, aber ich bin definitiv nicht auf der Suche. Falls jemand anruft, werde ich sicher zuhören. Angesichts der Richtung, die das Profi-Level zurzeit eingeschlagen hat, muss ich sagen, dass ich sicher besser in einen Bereich passe, in dem ich eher lehren kann als nur Informationen zu transferieren. 

Dominik: Wie stehst du zu den Regeländerungen, die in letzter Zeit umgesetzt wurden oder noch diskutiert werden, zum Beispiel das 3-Batter-Minimum, automatische Baserunner in Extra-Innings oder den universellen DH?

Scott: Ich habe schon eine Meinung zu all diesen Themen, aber im Endeffekt werde ich weder in die eine noch in die andere Richtung etwas ändern können. Daher schwimme ich in dem Fall mit dem Strom und nehme es so wie es kommt. Generell habe ich den Eindruck, dass sich die Dinge ein bisschen in Richtung Little League entwickeln. 

Dominik: Du hast jahrelang für die Cleveland Indians gespielt und gearbeitet. Was hältst du von den Diskussionen um den Namen und das Logo?

Scott: Ja, ich war fast ein Jahrzehnt lang in verschiedenen Rollen für die Indians tätig. Ich muss zugeben, dass ich in der Zeit nie wirklich über den Namen nachgedacht habe. Es hat mich nie beschäftigt, weil ich sie nur unter diesem Namen kannte.

Dominik: Wenn du bei der anstehenden Auswahl des neuen Namens mitbestimmen könntest, wie würdest du das Team nennen?

Scott: Ich würde es definitiv gern „The Cleveland Baseball Team“ nennen. Ich finde, das hat einen guten Klang, lang aber gut. Aber es wird mir auch schwer fallen, sie irgendwie anders zu nennen als die Indians.

Dominik: Gibt es noch etwas, das du mit mir und meinen Leserinnen und Lesern teilen möchtest, auch wenn ich versäumt haben sollte, die richtige Frage zu stellen?

Scott: Ich möchte einfach allen danken, die das Interview gelesen haben und bis zum Ende dabei geblieben sind. Passt auf euch auf und seid nett zueinander!

Dominik: Da schließe ich mich doch glatt an. Vielen Dank, Scott!

Scott Radinsky bei einem Konzert mit Pulley 20132

Ein weiteres Dankeschön geht an Nick Josten von JO!PR und SBÄM Records für die Vermittlung des Interviews. Hier könnt ihr euch den ersten Song der EP „Different Strings“ von Scotts Band Pulley anhören. Ihr findet sie bei den bekannten Streaminganbietern, zudem sind unter dem Video (wenn ihr es in Youtube öffnet) Bezugsquellen für die Vinyl-Version genannt.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Achim Raschka (CC BY-SA 3.0)

Posted in Interviews, MLB Tagged with: , , , , , , ,

April 15th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison 2021 hat es in sich: Gleich zwei No-Hitter gab es in den letzten Tagen zu bestaunen. Zudem sorgte ein ausgefahrener Ellenbogen für Schlagzeilen und Diskussionen. Leider spielt allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz auch Corona immer noch eine Rolle in Form kleiner und großer Ausbrüche innerhalb mehrerer Teams. 

American League
Wer sich vor einer Woche verwundert die Augen rieb, weil die Baltimore Orioles (5-6) die AL East anführten, hat nun erneut Grund zum Staunen – nicht, weil die Orioles zurück auf Normalmaß geschrumpft sind, sondern weil sie an der Spitze der Division von einer weiteren Überraschungsmannschafg abgelöst wurden. Mit 0-3 (gegen die Orioles) waren die Boston Red Sox scheinbar desolat in die Saison gestartet, doch seitdem gewannen sie jedes einzelne Spiel und stehen nun mit 9-3 ganz vorne. Dahinter stehen die Toronto Blue Jays (6-6) zwar bisher nur bei einer ausgeglichenen Bilanz, haben aber bereits zwei gewonnene Serien gegen die New York Yankees (5-7) auf dem Konto, welche sich den letzten Platz mit den Tampa Bay Rays (5-7) teilen. 

Auch in der AL Central ist mit den Kansas City Royals (6-4) ein Team vorne, von dem man das nicht erwartet hätte. Zwei Siege gegen die Angels haben den Royals einen kleinen Vorsprung vor dem Rest des Feldes eingebracht, in dem die Cleveland Indians (6-5), Chicago White Sox (6-6) und Detroit Tigers (6-6) fast gleichauf stehen. Auch die Minnesota Twins (5-7) sind nicht weit weg, aber fünf Niederlagen am Stück gegen die Mariners und die Red Sox haben Max Kepler & Co. einen empfindlichen Dämpfer verpasst. 

In der AL West ging die Schere in der ersten Saisonwoche bereits recht weit auseinander, doch dann steckten die Houston Astros (6-6) nach ihrem 6-1-Start fünf Niederlagen in Folge ein, während die Oakland Athletics (5-7) viermal hintereinander gewannen, und schon ist die Division wieder eng beisammen. Ganz vorne stehen zurzeit die Los Angeles Angels (7-5), gefolgt von den Seattle Mariners (6-5). Beide Teams haben aber auch schlechte Nachrichten zu verdauen: Bei den Angels fällt Outfielder Dexter Fowler nach einer Knieoperation für die gesamte Saison aus; genauso geht es Mariners-Pitcher James Paxton, der eine Tommy-John-Surgery benötigt. Die Astros haben möglicherweise einen Corona-Ausbruch im Team. Jose Altuve, Martin Maldonado, Yordan Alvarez, Alex Bregman und Robel Garcia wurden gestern auf die Covid-19-Verletztenliste gesetzt, nähere Informationen hat der Klub bisher nicht herausgegeben. 

National League
In der NL East hatten zunächst die Philadelphia Phillies (6-6) den besten Start, doch durch drei Siege innerhalb von zwei Tagen haben die New York Mets (5-3) den Phillies inzwischen den Rang abgelaufen. Dasselbe kann man über die Miami Marlins (5-6) und die Atlanta Braves (4-8) sagen – auch hier haben drei Spiele das Bild gedreht. In beiden Serien ist es übrigens (noch) kein Sweep, denn sowohl zwischen den Mets und den Phillies als auch den Marlins und den Braves steht heute noch eine vierte Partie an. Die Washington Nationals (3-6) sind schwach in die Saison gestartet, konnten nun aber gegen die Cardinals immerhin zwei von drei Spielen gewinnen. Die noch bessere Nachricht ist, dass von den zahlreichen Covid-19-Betroffenen der Nationals aus der ersten Saisonwoche inzwischen wieder fast alle an Bord sind. Einzig Pitcher Jon Lester wurde noch ein Aufbautraining am alternativen Trainingsstandort verordnet. 

Auch in der NL Central verursacht Corona Sorgen: Bei den Chicago Cubs (5-7) wurden zwei Coaches positiv auf das Virus getestet. Infektionen bei Spielern wurden bisher nicht festgestellt, doch drei Reliever sind vorsorglich in Quarantäne. Sportlich läuft es auch nicht toll für die Cubs: Drei Serien hintereinander gingen verloren, zwei davon gegen die Milwaukee Brewers (7-5), welche sich dadurch an die Spitze der Division gesetzt haben. Die teilen sie sich bislang noch mit den Cincinnati Reds (7-5), obwohl diese nach ihrem starken Auftakt zuletzt Serien gegen die Diamondbacks und die Giants verloren. 

Die Los Angeles Dodgers (10-2) machen genau da weiter, wo sie letztes Jahr aufgehört haben. Mit fünf Siegen am Stück und neun aus den letzten zehn sind sie in der NL West schon wieder eine Klasse für sich. Auch das Run Differential der Dodgers von +32 ist einsame Spitze in der MLB. Noch bricht aber zum Glück keine Langeweile in der Division aus, denn mit den San Francisco Giants (8-4) und den San Diego Padres (8-5) spielen zwei Teams so weit oben mit, dass sie derzeit beide Wild Cards der NL abbekämen. Am Wochenende können die Padres erstmals zeigen, ob sie in der Lage sind, den Dodgers im Kampf um die Division gefährlich zu werden (siehe „Einschalttipp“). 

Szene der Woche
Ich muss zugeben, dass ich mich über den 3:2-Sieg im Home Opener der Mets gegen die Marlins am letzten Donnerstag gefreut habe. „A win is a win“, so fasste es Mets-Outfielder Michael Conforto später zusammen. Eben jener Conforto war allerdings verantwortlich dafür, dass die Freude über den Sieg nicht ganz ungetrübt war, denn so gewinnt man eigentlich nicht gern. Die Mets hatten im neunten Inning einen Rückstand ausgeglichen und anschließend die Bases geladen, unter anderem durch einen Intentional Walk für Francisco Lindor. Conforto kam mit einem Out an die Platte und gab schnell zwei Strikes an Marlins-Reliever Anthony Bass ab. Bei einem 1-2-Count schien der dritte Strike die Zone zu durchqueren, doch der Ball streifte Confortos Arm und der Umpire entschied auf Hit-by-Pitch. Wegen der geladenen Bases brachte das den siegbringenden Run für die Mets nach Hause. Was die Szene streitbar machte, war die Bewegung von Conforto während des Pitches. Er wich dem Ball nicht nur nicht aus, sondern lehnte sich ihm regelrecht entgegen. In dem Fall hätte der Umpire, wie er später selbst feststellte, eigentlich auf Strike entscheiden müssen. Doch die Tatsachenentscheidung blieb bestehen, obwohl es noch ein Video-Review gab. Bei diesem durfte den Regeln nach nur überprüft werden, ob der Pitch wirklich den Arm berührt hatte, aber nicht das Ermessen des Umpires, inwiefern der Batter den Hit-by-Pitch billigend in Kauf nahm oder gar absichtlich herbeiführte. 

Statistik der Woche 
8. So viele Spiele hintereinander hat Red-Sox-Slugger J. D. Martinez zum Saisonstart absolviert, in denen er jeweils mindestens einen Extra-Base-Hit erzielte. Er stellte damit einen MLB-Rekord ein, welchen er nun gemeinsam mit Sandy Alomar Jr. (1997) und Alex Rodriguez (2007) hält. Der alleinige Rekord blieb Martinez versagt: In der Partie gegen die Twins am Dienstag gelang ihm zum ersten Mal in diesem Jahr kein einziger Hit. 

Spiel(e) der Woche
Die San Diego Padres waren das letzte MLB-Team, das noch nie einen No-Hitter erzielt hatte. Das änderte sich letzten Freitag, als Joe Musgrove das Kunststück beim 3:0-Sieg gegen die Texas Rangers gelang. Dass ausgerechnet Musgrove diesen Meilenstein der Teamgeschichte erzielte, scheint einem fast schon zu kitschigen Drehbuch entnommen. Der 28-Jährige spielt zwar erst seit diesem Jahr für San Diego, aber er wuchs unweit des Ballparks als Fan der Padres auf. Um ein Haar hätte es gegen die Rangers sogar zum Perfect Game gereicht: Ein Hit-by-Pitch gegen Joey Gallo im vierten Inning erlaubte den einzigen Baserunner für Texas, ansonsten stand sowohl in der Spalte für Hits als auch in der für Walks eine fette Null. 

Auch der zweite No-Hitter in dieser noch jungen Saison ging nur knapp am Perfect Game vorbei. Acht Innings lang ließ White-Sox-Lefty Carlos Rodon letzte Nacht keinen Baserunner der Cleveland Indians zu. Zu Beginn des neunten wurde es gleich zweimal brenzlig: Zuerst gelang First Baseman Jose Abreu um Haaresbreite ein Groundout gegen Josh Naylor, um das perfekte Spiel seines Pitchers intakt zu halten. Im folgenden At-Bat traf dieser mit einem Slider den Fuß von Roberto Perez. Das Perfect Game war damit passé, aber Rodon behielt die Nerven und brachte mit den letzten beiden Outs den No-Hitter und den 8:0-Sieg nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Zurück zu den Padres: Am Wochenende steht zum ersten Mal in diesem Jahr das mit Spannung erwartete Duell der beiden Favoriten in der NL West an. Dreimal hintereinander sind die Los Angeles Dodgers zu Gast in Petco Park. Frühaufsteher haben vielleicht Lust, am Samstagmorgen ab 4:10 Uhr beim ersten Spiel der Serie reinzuschauen. Meine Empfehlung ist die dritte Partie am Sonntagabend ab 22:10 Uhr – nicht nur wegen der günstigen Startzeit, sondern auch wegen des Pitcherduells zwischen Blake Snell und Trevor Bauer. 

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , ,

April 1st, 2021 by Silversurger

Update: Wenige Minuten nach Veröffentlichung dieses Artikels gaben die Nationals bekannt, dass sie wegen ihres Covid-Falls und wegen der noch andauernden Kontaktnachverfolgung das heutige Spiel gegen die Mets abgesagt haben.

Endlich! Endlich! Endlich! Der Opening Day der MLB ist da, dank Feiertag steht einem Nachtschicht-Bingewatching nichts im Wege, und als wäre das noch nicht genug Grund zur Freude, hat mein Lieblingsteam letzte Nacht die lang ersehnte Vertragsverlängerung mit Francisco Lindor unter Dach und Fach gebracht. Was für ein wunderbarer Tag für den garantiert letzten Grand Slam am Donnerstag vor Beginn der Saison 2021.

Das Programm am Opening Day
Wer sich zur Saisoneröffnung die volle Baseball-Breitseite geben möchte – und das nötige Abo von mlb.tv hat – kann heute Abend und Nacht 12 Stunden am Stück MLB-Baseball sehen. Um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit den Yankees gegen die Blue Jays, fünf Minuten später starten die Tigers gegen die Indians. Bis 22:10 Uhr kommen stündlich Spiele dazu. Ab 1:09 Uhr kann man sich ganz auf Lindors erstes Spiel mit den Mets gegen die Nationals und das aufregende Pitching-Matchup deGrom vs. Scherzer konzentrieren, bevor ab kurz nach 4 Uhr noch drei Spiele an der Westküste laufen. Für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: DAZN wird wohl täglich ein Spiel übertragen, am Opening Day ist es Yankees vs. Blue Jays. Auf mlb.tv gibt es normalerweise auch wieder jeden Tag ein „Free Game of the Day“, für heute wurde allerdings bisher keines bekannt gegeben. 
Die Fans der Red Sox und der Orioles müssen sich leider noch einen Tag länger gedulden: Die Partie in Boston wurde um einen Tag verschoben, weil in der Region starke Regenfälle erwartet werden.

Zuschauer in allen Stadien
Bei allen Spielen der MLB werden von Saisonbeginn an Zuschauer erlaubt sein. Die dafür freigegebene Kapazität gestaltet sich sehr unterschiedlich. Für die meisten Ballparks ist eine Auslastung von 20 bis 25% vorgesehen. In Fenway Park und Nationals Park ist man deutlich vorsichtiger, dort werden nur 12% der Plätze belegt. Coors Field und Chase Field hingegen sind zu über 40% freigegeben. Die Texas Rangers sind die einzigen, die ihr neues Stadion Globe Life Field am Opening Day komplett nutzen wollen und dürfen: 40.518 Fans werden die Ränge füllen. Entgegen dem Rat der örtlichen Gesundheitsbehörden hat der texanische Gouverneur Greg Abbott sogar die Maskenpflicht aufgehoben. Die Rangers schreiben allerdings auf eigene Faust das Tragen einer Maske im Stadion vor.

Quarantänefälle bei den Nationals
Dass die Pandemie auch in dieser Saison ein Faktor ist, sieht man nicht nur an den fast überall geltenden Zuschauerbeschränkungen. Schon am Opening Day gibt es die ersten coronabedingten Spielerausfälle:  Ein Mitglied der Washington Nationals wurde positiv getestet, vier weitere Spieler und ein Angestellter gelten als enge Kontaktpersonen und sind deshalb ebenfalls in Quarantäne. Um welche Spieler es sich handelt, wurde bislang nicht bekannt.

341 Millionen für Lindor 
Seit dem spektakulären Trade mit den Cleveland Indians war eigentlich klar, dass sich dieser für die New York Mets nur dann richtig lohnt, wenn man Francisco Lindor über die Saison 2021 hinaus an sich binden kann. Lindor zeigte sich offen dafür, machte aber zur Bedingung, dass er nicht bis in die Saison hinein verhandeln möchte. Entsprechend hektisch wurde es im Umfeld, als bis in die späten Abendstunden am Vortag der Saisoneröffnung immer noch kein Deal in Sicht war. Doch gegen 23 Uhr Ortszeit zog endlich weißer Rauch durch die sozialen Netzwerke: Lindor und die Mets haben sich geeinigt, der Star-Shortstop unterschreibt für zehn Jahre von 2022 bis 2031. Er erhält dafür insgesamt 341 Millionen Dollar, verteilt auf ein Handgeld von 21 Millionen und auf zehn Gehälter á 32 Millionen. Der Vertrag enthält keine Ausstiegsoptionen und eine No-Trade-Klausel in Bezug auf 15 Teams. Der große Gewinner der Einigung neben Lindor ist Steve Cohen. Der neue Teameigner hatte angekündigt, die Mets als Big-Market-Franchise zu führen, und mit diesem Vertrag lässt er Worten Taten folgen. Es ist der langfristigste Spielervertrag der Vereinsgeschichte und mit großem Abstand der teuerste. Zudem ist es der höchste Vertrag, den je ein Shortstop bekommen hat. Er übertrifft den 14-Jahresvertrag von Fernando Tatis Jr. mit den Padres vermutlich nicht zufällig um genau eine Million.  

Twins verlängern mit Dobnak
Randy Dobnak hat sich mit den Minnesota Twins auf einen neuen Vertrag geeinigt. Der Pitcher bleibt dem Team für mindestens fünf Jahre erhalten und bekommt dafür 9,25 Millionen Dollar. Das ist für MLB-Verhältnisse keine spektakuläre Summe, doch die Geschichte dahinter ist ziemlich originell: Dobnak verließ 2017 mit 22 Jahren das College, ohne von einem MLB-Team gedraftet zu werden, und schloss sich dem Independent-Team Utica Unicorns an. Die Scouts der Twins entdeckten ihn über Youtube-Videos und verpflichteten ihn für ein Handgeld von 500 Dollar in ihr Minor-League-System, ohne ihn je persönlich gesehen zu haben. Während er seinen Lebensunterhalt als Uber-Fahrer verdiente, arbeitete Dobnak sich innerhalb von zwei Jahren durch die Minor Leagues und debütierte 2019 erfolgreich in der MLB. Die Twins setzen ihn sowohl als Starter als auch im Bullpen ein. Der Klub hat sich für 2026 bis 2028 Verlängerungsoptionen gesichert, mit denen der Vertrag auf insgesamt acht Jahre und bis zu 29,75 Millionen Dollar ausgedehnt werden kann.

Ein paar Verletzungs-News
Keine Woche ohne Tommy-John-Surgery: Jose Leclerc, bislang Closer der Texas Rangers, ist der nächste Kandidat, der sich der ungebliebten Prozedur unterziehen muss und bis ins nächste Jahr hinein ausfällt. In seiner Abwesenheit werden voraussichtlich Ian Kennedy und/oder Matt Bush die Save-Aufgaben bei den Rangers übernehmen.
Rockies-Reliever Scott Oberg benötigt schon zum vierten Mal in seiner Karriere eine Operation, weil sich bei ihm immer wieder Blutgerinnsel im Ellenbogen seines Wurfarms bilden. Ob er nach dem neuerlichen Eingriff noch einmal Profisport betreiben darf oder seine Karriere beenden muss, ist noch unklar.
Das prominenteste Verletzungsopfer der Woche ist Eloy Jimenez von den Chicago White Sox. Ein gerissener Brustmuskel beim Versuch, einen Homerun zu verhindern, setzt den Leftfielder für vier bis fünf Monate, also für einen Großteil der Saison außer Gefecht. Einen offensichtlichen Ersatzmann für seinen Posten haben die White Sox bisher nicht, aber es gibt ein paar Ideen für Notlösungen (siehe weiter unten).
Nick Anderson, ein wichtiger Teil des Bullpens der Tampa Bay Rays, hat sich ein Band im Ellenbogen teilweise gerissen und fällt voraussichtlich bis nach dem All-Star-Break aus.
Auch den New York Yankees bleibt das Verletzungspech treu: First Baseman Luke Voit muss wegen eines Meniskusrisses operiert werden. Er wird den Yankees für ein bis zwei Monate fehlen.

Lamb zu den White Sox
Jake Lamb wurde vor einigen Tagen von den Atlanta Braves entlassen, nachdem diese sich entschieden, an seiner Stelle Pablo Sandoval einen Platz im Roster zu geben. Lamb war nicht lange arbeitslos, denn den Chicago White Sox kam er nach der Verletzung von Leftfielder Eloy Jimenez wie gerufen. Lamb hat zwar keine Erfahrung im Leftfield und wird dort wohl auch nicht zum Einsatz kommen. Aber er gibt den White Sox neue Flexibilität. Yoan Monacada, der Inhaber des Stammplatzes auf Lambs Position an der dritten Base, hatte in der Vergangenheit schon signalisiert, falls nötig auch im Outfield zu spielen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der frisch ins MLB-Team berufene Rookie Andrew Vaughn sich im Leftfield versucht, während Lamb als Designated Hitter einsteigt.

Rockies verpflichten Chacin
Quasi in allerletzter Sekunde sind die Colorado Rockies doch noch tätig geworden. Als einziges MLB-Team hatten sie in der bisherigen Offseason auf jegliche Neuverpflichtung eines Free Agents verpflichtet. Das hat sich nun geändert, indem sie Pitcher Jhoulys Chacin unter Vertrag genommen haben. Der Rechtshänder hatte den größten Teil des Spring-Trainings unter einem Minor-League-Vertrag bei den Yankees verbracht. Nachdem diese ihn Anfang der Woche ziehen ließen, wurde er sich mit den Rockies einig, bei denen seine Karriere einst begonnen hatte.

Ein Catcher für die Cubs
Auch die Chicago Cubs haben noch eine Ergänzung an Land gezogen. Catcher Tony Wolters unterschreibt einen Einjahresvertrag, nachdem er die Ausstiegsoption aus einem Minor-League-Kontrakt mit den Pirates gezogen hatte. Die Cubs hatten im Dezember ihren Ersatzcatcher Victor Caratini zusammen mit Yu Darvish zu den Padres getradet und waren seitdem auf der Suche nach einem neuen Backup für Willson Contreras.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

März 26th, 2021 by Silversurger

Wachablösung in Chicago: Freundlich winkend grüßen die White Sox auf der Rolltreppe nach oben die auf der anderen Seite vorüberfahrenden Cubs. Schon letztes Jahr wirkte das junge Team aus der South Side über weite Strecken der Saison reif für den letzten Schritt zum Spitzenteam. In den letzten Spielen ging dann aber doch die Puste aus und es wurde nur Platz drei statt eins in der AL Central, gefolgt vom Aus in der Wild-Card-Runde gegen die Athletics. Beim neuen Anlauf setzen die White Sox auf die Weiterentwicklung der vorhandenen Spieler und auf gezielte Neuverpflichtungen unter dem Motto Qualität statt Quantität. Mit Lance Lynn und Liam Hendriks wurden zwei Top-Pitcher geholt, die unzweifelhafte Verstärkungen für die Rotation respektive den Bullpen darstellen. Hinzu kommen noch Rückkehrer Adam Eaton als Ergänzung des Outfields sowie Flamethrower Michael Kopech. Letzterer hatte zwar den Verein nie verlassen, aber nach fast drei Jahren Verletzungs- und Coronapause ist das einstige Top-Prospect auch eine Art Neuzugang. Der wichtigste und zugleich überraschendste Neuling nimmt im Dugout Platz: Tony La Russa, von 1979 bis 1986 schon einmal Manager der White Sox, kehrt zurück an seine alte Wirkungsstätte. Der 76-jährige hat mittlerweile drei Meisterschaften mit den Cardinals und den Athletics auf dem Kerbholz und befand sich eigentlich schon seit zehn Jahren im Ruhestand. Die Vereinsführung um Owner Jerry Reinsdorf ist überzeugt, dass er der Richtige für den Job ist, das talentierte Team zum Erfolg zu führen.

Voraussichtliches Lineup
C Yasmani Grandal
1B Jose Abreu
2B Nick Madrigal
SS Tim Anderson
3B Yoan Moncada
LF Leury Garcia
CF Luis Robert
RF Adam Eaton
DH Andrew Vaughn

Voraussichtliche Rotation
RHP Lucas Giolito
LHP Dallas Keuchel
RHP Lance Lynn
RHP Dylan Cease
RHP Michael Kopech
Key Relievers: Liam Hendriks, Aaron Bummer

Wichtigster Zugang
RHP Lancy Lynn (Texas Rangers)

Wichtigster Abgang
C James McCann (New York Mets)

Bestes Prospect
1B Andrew Vaughn

Größte Stärke
Ausgewogenheit: Ich sehe bei den White Sox nicht die eine herausragende Stärke, sondern vielmehr ein sehr ausbalanciertes Team. Die Mischung aus vielen jungen Spielern und ein paar erfahrenen Leitfiguren, aus kontakt- und schlagstarker Offense und solider Defense, aus einem tiefen und verlässlichen Bullpen und einer deutlich verbesserten Rotation wirkt auf mich sehr nachhaltig und überzeugend.

Größte Schwäche
Leftfield: Vorgestern war die White-Sox-Welt in dieser Ecke des Feldes noch in bester Ordnung. Der 24-jährige Eloy Jimenez schien auf dem besten Weg zum Star nach einer starken Rookie-Saison 2019 und einer unübersehbaren Steigerung im Jahr 2020. Doch dann musste er im Vorbereitungsspiel gegen die Athletics am Mittwochabend nach einem missglückten Catchversuch am Zaun ausgewechselt werden. Inzwischen ist traurige Gewissheit, dass er sich bei der Aktion einen Brustmuskel gerissen hat und fünf bis sechs Monate ausfällt, also vermutlich für die gesamte Saison. Offensichtliche Alternativen haben die White Sox nicht im Kader. Möglicherweise erhält Top-Prospect Andrew Vaughn eine Chance, der allerdings gelernter First Baseman ist und bisher auf keinem höheren Level als High-A gespielt hat. Am wahrscheinlichsten erscheint, dass der Allrounder Leury Garcia die Position warmhält bis eine Lösung in Form eines Trades oder einer Free-Agent-Verpflichtung gefunden wird.

Spannendste Frage
War die Entscheidung für La Russa richtig? Die White Sox mussten in dieser Offseason viel Kritik einstecken – zum einen, weil sie sich von Rick Renteria trennten, gerade nachdem dieser das Team aus der Bedeutungslosigkeit bis in die Playoffs geführt hatte und dafür auf den zweiten Platz des Managers des Jahres gewählt worden war; zum anderen, weil sie als seinen Nachfolger einen Ruheständler aktivierten, der seit zehn Jahren aus dem Geschäft war, älter ist als so mancher Großvater seiner Spieler und zu allem Überfluss kurz vor der Einstellung Schlagzeilen wegen einer betrunkenen Autofahrt produziert hatte. Der Druck auf La Russa und den Klub, die umstrittene Personalentscheidung durch schnelle und klare Ergebnisse zu rechtfertigen, ist immens.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

Februar 4th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison soll wie geplant ab 1. April stattfinden. Das klingt nicht nach einer Neuigkeit, ist aber eine. Denn eine Verschiebung wurde in den letzten Tagen von mehreren Seiten gefordert, allein die Spielergewerkschaft stellt sich quer. Der Knaller der Woche auf dem Transfermarkt war der Wechsel von Nolan Arenado zu den St. Louis Cardinals.

Spieler wollen keinen späteren Saisonbeginn
Die Fronten scheinen verhärtet: Nachdem die Spielergewerkschaft MLBPA Anfang der Woche einen Vorschlag der Liga ablehnte, der eine auf 154 Spiele verkürzte Saison ab 28. April vorsah, schalteten sich gestern die US-Gesundheitsbehörden ein. Sie empfehlen ebenfalls, einen Monat später in den Spielbetrieb zu starten, und stellen in Aussicht, dass bis dahin alle Spieler und sonstigen Beteiligten geimpft werden könnten. Doch die MLBPA will davon nichts wissen, die Beteiligung an einem Gespräch mit Regierungsvertretern und der Ligaleitung lehnte sie rundheraus ab. Solange es keine Einigung zwischen Liga und MLBPA gibt, gelten weiterhin die ursprünglichen Starttermine. Demnach stehen am 27. Februar die ersten Spring-Training-Spiele und am 1. April die Saisoneröffnung an.

Ich muss gestehen, dass mir nicht klar ist, worauf die Gewerkschaft mit ihrer Blockadehaltung hinaus will – das Angebot der Liga enthielt die Zusage, die vollen Gehälter zu zahlen und die Designated-Hitter-Regel in der gesamten Liga anzuwenden. Damit wären die zwei vermeintlichen Kernforderungen der Spieler erfüllt. Ein besseres, der Pandemielage angepasstes Angebot können sie kaum erwarten. Eine Erklärung könnte sein, dass es der MLBPA um eine Machtdemonstration geht, bevor nächstes Jahr zwischen der Liga und ihr die Verhandlungen um einen neuen Rahmenvertrag (CBA) anstehen. Wenn das tatsächlich der Hintergrund ist, lässt es nichts Gutes für die CBA-Verhandlungen erwarten – 2022, die hoffentlich erste Saison nach der Pandemie, könnte mit einem Streik beginnen. 

Rockies traden Arenado nach St. Louis
Nolan Arenado, zweifellos einer der besten Third Basemen der Liga, wechselt den Verein: Die Colorado Rockies schicken den 29-Jährigen zu den St. Louis Cardinals. Die Cardinals geben im Gegenzug den linkshändigen Pitcher Austin Gomber, die beiden rechtshändigen Pitcher Tony Locey und Jake Sommers, 3B Mateo Gil sowie IF Elehuris Montero an Colorado ab. Das sind eine Menge talentierter Spieler, aber allesamt weder etablierte Major Leaguer noch Top-Prospects. Ganz offensichtlich waren die Rockies bereit, sich mit relativ wenig zufrieden zu geben, nur um den teuren Vertrag von Arenado loszuwerden, der ihm bei voller Erfüllung bis 2027 noch 214 Millionen Dollar einbringen wird. Mehr noch, die Rockies zahlen sogar drauf: 51 Millionen von Arenados Vertrag nehmen sie auf ihre Kappe, darunter das volle Gehalt von 35 Millionen für die anstehende Saison 2021. Aus Sicht der Cardinals ist das ein großartiges Geschäft, und auch Arenado selbst ist mit dem Wechsel glücklich: Er spielt ab sofort für ein Team mit deutlich besseren Playoffchancen und erhält obendrein die Möglichkeit, nach jedem der beiden kommenden Jahre einseitig aus dem Vertrag auszusteigen. Die Rockies hingegen werden einige Überzeugungsarbeit gegenüber den eigenen Fans leisten müssen, um den Sinn dieses Moves zu rechtfertigen.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Auf dem Free-Agent-Markt hat sich auch in dieser Woche einiges getan, wenngleich mit zum Beispiel Trevor Bauer, Marcell Ozuna und Justin Turner noch einige große Namen ausstehen. Besonders aktiv waren die Cubs, die anscheinend aus ihrem langen Winterschlaf aufgewacht und nun dabei sind, ihr fadenscheinig gewordenes Roster aufzufüllen. Hier die Vertragsabschlüsse der vergangenen sieben Tage im Überblick: SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 2 Jahre, 28 Millionen Dollar), 2B Kolten Wong (Milwaukee Brewers, 2 Jahre plus Kluboption, 18 Millionen), DH Nelson Cruz (Minnesota Twins, 1 Jahr, 13 Millionen), SP Adam Wainwright (St. Louis Cardinals, 1 Jahr, 8 Millionen plus Boni), OF Eddie Rosario (Cleveland Indians, 1 Jahr, 8 Millionen), OF Joc Pederson (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 7 Millionen), SP Chris Archer (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 6,5 Millionen),  RP Alex Colome (Twins, 1 Jahr plus Kluboption, 6,25 Millionen), RP Joakim Soria (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3,5 Millionen plus Boni), SP Carlos Rodon (Chicago White Sox, 1 Jahr, 3,5 Millionen), RP Andrew Chafin (Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 2,75 Millionen), SP Trevor Williams (Cubs, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sean Doolittle (Cincinnati Reds, 1 Jahr, 1,5 Millionen plus Boni), C Alex Avila (Washington Nationals, 1 Jahr, 1,5 Millionen),  SP/RP Kohl Stewart (Cubs,1 Jahr, 750.000)

Zwischen den Baltimore Orioles und den Los Angeles Angels gibt es einen Trade, dessen Kernstück Starting Pitcher Alex Cobb ist. Der 33-jährige Rechtshänder wechselt zu den Angels, die im Gegenzug Infield-Prospect Jahmai Jones nach Baltimore schicken. Die Orioles übernehmen zudem zwei Drittel des Gehalts von 15 Millionen Dollar, das Cobb dieses Jahr zusteht. 

Schwere Vorwürfe gegen Callaway
Dem Pitching-Coach der Los Angeles Angels, Mickey Callaway, werden mehrere Fälle sexueller Belästigung vorgeworfen. Nach einem Bericht von The Athletic haben fünf Frauen aus dem Bereich der Sportmedien Callaway beschuldigt, sie mit unerwünschten Textnachrichten und Fotos bedrängt zu haben. Die Vorwürfe ziehen sich über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, in denen Callaway für drei verschiedene Teams gearbeitet hat. Der 45-Jährige war von 2013 bis 2017 Pitching Coach der Cleveland Indians und von 2018 bis 2019 Manager der New York Mets. Die Angels haben Callaway, der die Anschuldigungen abstreitet, unmittelbar nach deren Bekanntwerden von seinem Posten freigestellt und eine vollständige Untersuchung gemeinsam mit der Liga angekündigt.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Februar 2nd, 2021 by Silversurger

Die Sache ist über 100 Jahre her, aber wenn man von MLB-Skandalen spricht, kommt einem das Schlagwort „Black Sox“ immer noch sofort in den Sinn. Der Begriff ist eine Verballhornung des Teamnamens der Chicago White Sox. Deren Gründer und damaliger Owner, Charles A. Comiskey, galt als dermaßen geizig, dass er seine Spieler nicht nur unter Wert bezahlte, sondern auch an der Wäsche der Uniformen sparte. Deswegen wurde die Farbe der Socken dem Namen des Teams selten gerecht und es kam zu dem Kosenamen. 

Natürlich bestand der Skandal, von dem wir heute reden, nicht in ungewaschenen Strümpfen. Aber er hat ebenfalls viel zu tun mit dem legendären Geiz und der Unbeliebtheit von Herrn Comiskey. Die White Sox waren zwar eines der Top-Teams der Liga und hatten bereits die World Series 1917 gewonnen. Doch viele der Spieler waren unzufrieden mit dem Klub und hätten diesen gern verlassen – was aber unter den Regeln der „Reserve Clause“ damals nicht möglich war, sofern man nicht bereit war, ganz mit dem Baseballspielen aufzuhören. So wuchs bei den betreffenden Spielern der Frust und es stieg die Anfälligkeit, sich auf unmoralische Angebote einzulassen. 

Ein solches Angebot bekamen einige Spieler der White Sox wenige Tage vor der World Series 1919 aus Kreisen der Wettmafia um Arnold Rothstein. Der Drahtzieher auf Seiten der Spieler war First Baseman Arnold „Chick“ Gandil. In seinem Zimmer im Ansonia Hotel in New York City fand am 21. September 1919 das Treffen statt, auf dem verabredet wurde, die World Series absichtlich zu verlieren. Außer Gandil waren Centerfielder Oscar „Happy“ Felsch, Shortstop Charles „Swede“ Risberg sowie die Pitcher Eddie Cicotte und Claude „Lefty“ Williams an Bord. Hinzu kam Infielder Fred McMullin, der zwar nicht bei dem Treffen war, aber von den Plänen hörte und sie zu verraten drohte, wenn er nicht beteiligt würde. Umstritten ist, inwieweit auch Third Baseman George „Buck“ Weaver und „Shoeless“ Joe Jackson als Teil der Verschwörung zu betrachten sind. Weaver war bei dem Treffen dabei, nahm aber kein Geld an und spielte eine starke World Series. Jackson war bei keinem Treffen anwesend und spielte ebenfalls gut und fehlerlos. Dennoch gab er bei der anschließenden Gerichtsverhandlung zu, 5.000 Dollar von den Wettpaten angenommen zu haben. Das Geständnis widerrief er später, da es unter Alkoholeinfluss zustande gekommen sei und er als Analphabet einen Text unterschrieben habe, den er gar nicht lesen konnte. 

Die World Series ging mit 5:3 Spielen an den Gegner der White Sox, die Cincinnati Reds. Lefty Williams verlor alle drei seiner Starts, darunter das entscheidende Spiel 8. Swede Risberg schlug während der Serie 2-25 und beging vier Errors. Diese und andere fragwürdige Leistungen brachten bereits während der Serie den Verdacht auf, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Nachdem dieser Verdacht sich in den folgenden Monaten erhärtete, wurde im September 1920 eine Grand Jury eingesetzt, also ein Gremium zur Voruntersuchung für ein Strafverfahren. Vor der Jury gab Cicotte als erster zu, dass die Korruptionsvorwürfe zutrafen und dass er dabei gewesen war. Die Jury entschied nach rund einem Monat, dass Anklage gegen alle acht oben genannten Spieler sowie gegen fünf Mitglieder der Wettmafia erhoben werden sollte. 

Im folgenden Strafprozess sagte zwar „Sleepy Bill“ Burns, ein ehemaliger White-Sox-Spieler, gegen seine Ex-Kollegen aus, und es sprachen auch weitere Zeugen und Indizien für die Anklage. Doch insgesamt war die Beweislage dünn, zumal einige Unterlagen aus der Jury-Untersuchung, unter anderem die Geständnisse von Cicotte und Jackson, „verschwunden“ waren. Das Verfahren endete daher mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen für alle beteiligten Spieler. 

Dass sie vor Gericht davonkamen, rettete keineswegs den Ruf und die Karriere der Acht, denn es stand noch ein Urteil von Seiten der Liga aus. Die Eigentümer der MLB-Teams hatten vor der Saison 1921 als direkte Konsequenz der Black-Sox-Geschichte zum ersten Mal einen Commissioner benannt, also eine Art Geschäftsführer mit sehr weitreichenden Kompetenzen. Das Amt wurde an den für seine Strenge bekannten Richter Kennesaw Mountain Landis vergeben. Der statuierte prompt ein Exempel an den Spielern der White Sox: Alle acht wurden auf Lebenszeit gesperrt. Das Urteil von Landis wurde und wird bis heute vielfach als sehr hart empfunden, vor allem im Hinblick auf Buck Weaver und Shoeless Joe Jackson. Beide waren nach allem, was man weiß, nur Mitwisser, aber nicht Mittäter. Sowohl sie selbst als auch ihre Nachkommen bemühten sich mehrfach um eine Begnadigung, die aber bis heute nicht erfolgt ist. Ein berühmt gewordener Ausspruch von Weaver lautet:

There are murderers who serve a sentence and then get out. I got life. 

(Es gibt Mörder, die ihre Strafe absitzen und dann frei kommen. Ich bekam Lebenslänglich.)

Der Black-Sox-Skandal ist journalistisch und kulturell auf vielfache Weise aufgearbeitet worden. Besonders bekannt wurden das Buch „Eight Men Out“ von Eliot Asinof und dessen gleichnamige Verfilmung von 1988 (deutschsprachige Version: „Acht Mann und ein Skandal“). Auch das filmische Baseball-Märchen „Feld der Träume“ weist einen starken Bezug zu den Vorkommnissen von 1919 und ihren Folgen auf. 

Das Team der Chicago White Sox in der Saison 1919. In der hinteren Reihe stehen ganz links Shoeless Joe Jackson, daneben Chick Gandil und dann Fred McMullin. In der mittleren Reihe ist Happy Felsch der Dritte von links, Buck Weaver sitzt ganz rechts. Vorne ist der Zweite von links Swede Risberg, der Zweite von rechts ist Lefty Williams, ganz rechts sitzt Eddie Cicotte. (Quelle: Wikimedia; Urheberrecht: Public Domain).

Posted in MLB, Skandale Tagged with: , , , , , , , , , , ,

Januar 14th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison 2021 naht mit großen Schritten. Wenn alles wie geplant läuft, beginnen in gut einem Monat die Trainingslager mit dem Reporting der Pitcher und Catcher. Zwei Wochen später, Ende Februar, geht es dann auch schon los mit den Vorbereitungsspielen und am 1. April ist Opening Day. Bis dahin muss in Sachen Free Agency noch viel passieren, denn von den 20 Top-Free-Agents dieses Jahres sind sage und schreibe 17 noch ohne Vertrag. Das dürfte zu einem großen Teil der Unsicherheit im Angesicht der Coronalage geschuldet sein, aber da die MLB nach wie vor von einem pünktlichen Start ausgeht, müsste sich jetzt doch so langsam mal etwas tun auf dem Markt um Trevor Bauer, J. T. Realmuto, George Springer, D. J. LeMahieu usw.
Vielleicht zeigt mein Jammern ja wieder Wirkung. Letzte Woche hat es jedenfalls funktioniert: Gerade mal eine Stunde nach Veröffentlichung des Grand Slams am Donnerstag, dessen Hauptmeldung daraus bestand, dass es wenig zu vermelden gibt, kam es zu einem Blockbuster-Trade zwischen den Indians und den Mets.

Die Mets rüsten auf
Die neue Ära in der Teamgeschichte der New York Mets, eingeleitet mit dem den Kauf der Franchise durch Multimilliardär Steve Cohen, hat ihren ersten großen Deal: Shortstop Francisco Lindor und Starting Pitcher Carlos Carrasco wechseln von den Cleveland Indians nach Queens. Für die Mets sind das zwei deutliche Upgrades, die gemeinsam mit dem neuen Catcher James McCann und einem noch gesuchten neuen Centerfielder (Wunschkandidat: George Springer) den Anspruch untermauern, in diesem und den kommenden Jahren um einen Titel mitzuspielen. Der Preis für die beiden Verstärkungen ist aus Sicht der Mets recht überschaubar. Sie geben an Cleveland Amed Rosario und Andres Gimenez ab – zwei talentierte, aber weit unterhalb der All-Star-Klasse eines Lindor angesiedelte Shortstops – sowie die beiden noch weit von MLB-Reife entfernten Prospects Josh Wolf und Isaiah Greene. Das einzige, was mir als Metsfan an dem Trade nicht gefällt, ist, dass Lindor nur für ein Jahr unter Vertrag steht. Aber es laufen wohl schon Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung.
Auf Seiten der Indians passt der Trade in das Bild des Re-Toolings, das sie seit ein, zwei Jahren betreiben: Auch Mike Clevinger, Trevor Bauer und Corey Kluber wurden gegen eine Kombination junger MLB-Spieler und noch jüngerer Prospects abgegeben. Damit schwächen die Indians auf kurze Sicht ihr Team, sparen aber Geld ein und verhindern gleichzeitig, dass man in absehbarer Zeit in ein vollständiges Rebuilding-Projekt einsteigen müsste. 

Closer Hendriks zu den White Sox 
Die vom finanziellen Volumen her bislang größte Free-Agent-Verpflichtung dieser Offseason haben sich die Chicago White Sox geleistet: 54 Millionen Dollar lassen sie sich die Dienste von Closer Liam Hendriks bis 2024 kosten. Die gewählte Vertragskonstruktion ist interessant und meines Wissens in der MLB bisher noch nicht dagewesen. Es handelt sich formal um einen Dreijahresvertrag über 39 Millionen plus eine Klub-Option für 2024 über 15 Millionen. Wenn der Klub die Option nicht zieht, bekommt Hendriks die 15 Millionen aber trotzdem, mit dem Unterschied, dass die Zahlung über zehn Jahre gestreckt wird. Das nenne ich mal eine nette Altersvorsorge.

Nationals signen Schwarber
Kyle Schwarber galt vor wenigen Jahren noch als kommender Superstar, inzwischen ist er aufgrund stark schwankender Leistungen eher als ewiges Talent verschrien. Nachdem die Chicago Cubs die Geduld mit dem Outfielder und Catcher verloren und ihm gekündigt haben, haben nun die Washington Nationals zugegriffen. Sie bezahlen dem 27-Jährigen 10 Millionen Dollar für ein Jahr plus beidseitige Option auf ein weiteres Jahr, die ihm weitere 8 Millionen einbringen würde.

Late-Inning-Hilfe für die Astros 
Die Houston Astros bessern ihren Bullpen mit zwei neuen Relievern auf. Das prominentere der neuen Gesichter ist Pedro Baez. Der 32-Jährige verbrachte seine gesamte bisherige Karriere bei den Los Angeles Dodgers und kam dort in sieben Jahren auf starke 3.03 ERA. Bei den Astros erhält Baez einen Zweijahresvertrag plus Kluboption, der ihm 12 Millionen Dollar garantiert und dazu noch ein paar Leistungsboni vorsieht. Zudem kommt der Rechtshänder Ryne Stanek nach Houston. Er bekommt 1,1 Millionen für einen Einjahresvertrag.

Neuer Infielder bei den Brewers  
Die Milwaukee Brewers sind bekannt dafür, im Infield auf Flexibilität zu setzen mit zahlreichen Utility-Spielern, die je nach Matchup und Spielsituation zwischen den einzelnen Posten rotieren. Dieser Strategie bleiben sie offenbar treu, jedenfalls passt Neuverpflichtung Daniel Robertson genau ins Bild. Auf seinen bisherigen Stationen in Tampa Bay und San Francisco ist der 26-Jährige meistens als Second Baseman, Third Baseman oder Shortstop aufgelaufen und hat auch schon auf jeder anderen Position außer Catcher gespielt. Robertson erhält einen Einjahresvertrag über 900.000 Dollar, der ihm leistungsabhängig noch bis zu 400.000 Dollar mehr einbringen kann.

Tommy Lasorda ist tot 
Zum Abschluss eine traurige Nachricht: Tommy Lasorda ist tot. Der langjährige Manager der Los Angeles Dodgers starb Donnerstagnacht im Alter von 93 Jahren. Lasorda leitete das Team von 1976 bis 1996, gewann mit ihm viermal die National League und zweimal die World Series. Unmittelbar nachdem er seine Karriere beendet hatte, wurde er 1997 in die Hall of Fame aufgenommen und die Dodgers retireten sein Trikot mit der Nummer 2. Im Jahr 2000 unterbrach er seinen Ruhestand, um die US-Nationalmannschaft zur Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney zu führen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Dezember 10th, 2020 by Silversurger

Obwohl die Ligaleitung, Vereinsvertreter, Spieleragenten und andere Interessengruppen rund um die MLB derzeit ihre – dieses Jahr virtuellen – Winter Meetings abhalten, gab es in den letzten Tagen nur wenige Trades und Neuverpflichtungen zu vermelden. Am aktivsten waren die Chicago White Sox, die ihren Kader an zwei Stellen ergänzten. Die Rangers überraschten mit einem Wechsel im Front Office, während die Angels offenbar Gefallen an einem bestimmten Namen gefunden haben.

NL-Teams planen 2021 ohne DH
Von allen besonderen Regeln der Coronasaison 2020 – 7-Inning-Doubleheader, beschleunigte Extrainnings, größere Kader, erweiterte Playoffs – schien die Anwendung des Designated Hitters in der gesamten MLB die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu sein, auf Dauer zu bleiben. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber es sieht inzwischen danach aus, dass man für 2021 zum alten Zustand zurückkehrt, der da lautet: Die American League spielt mit DH, die National League ohne. Darauf deutet jedenfalls ein Schreiben hin, das die Ligaleitung den Klubs letzte Woche zugestellt hat. Den NL-Teams wird darin empfohlen, bei ihrer Kaderplanung davon auszugehen, dass es keinen DH geben wird.
Generell gilt die Einführung der ligaweiten DH-Regel schon seit Jahren eher als eine Frage des „wann“ als des „ob“. Vermutlich wird dieses Thema aber nun in die Verhandlungen des neuen Rahmenvertrages (CBA) zwischen der Liga und den Spielern verschoben, die Ende 2021 anstehen.

Neuer GM bei den Rangers
Die Texas Rangers haben die Verpflichtung von Chris Young als neuen General Manager bekannt gegeben. Das kam sehr überraschend, denn es hatte vorher keine Hinweise darauf gegeben, dass sie überhaupt auf der Suche waren. Jon Daniels hatte den Job seit 15 Jahren inne und wird als „President of Baseball Operations“ weiterhin an Bord bleiben. Sein Nachfolger Young übernimmt zum ersten Mal Verantwortung in einem Front Office. Der 41-jährige war von 2004 bis 2017 als Starting Pitcher für die Rangers und vier andere MLB-Klubs aktiv gewesen; seit 2018 beaufsichtigte er als Vizepräsident der Liga den Spielbetrieb. Unter Daniels haben die Rangers fünfmal die Playoffs erreicht und zweimal die American League gewonnen. Seit 2016 hatten sie aber keine Saison mit mehr Siegen als Niederlagen, und für 2021 planen sie, die Ausgaben für Spielergehälter zu reduzieren. Das wird kein leichter Job für Young, der auch bei den Mets im Gespräch war, sich aber seiner in Dallas lebenden Familie wegen für die Rangers entschied. 

White Sox holen Lynn und Eaton
Gleich die erste spürbare Amtshandlung des neuen Rangers-GM trägt zum Ziel bei, Kosten zu sparen: Pitcher Lance Lynn, in den letzten beiden Jahren die verlässlichste Größe in der Rotation der Rangers, wurde zu den Chicago White Sox getradet.  Der 33-Jährige nimmt seinen Vertrag mit nach Chicago, der noch ein Jahr lang läuft und ihm 8 Millionen Dollar einbringt. Als Gegenleistung schicken die White Sox zwei Nachwuchspitcher nach Texas: den 25-jährigen Rechtshänder Dane Dunning und den 23-jährigen Lefty Avery Weems.
Außer der Rotation verstärken die White Sox auch ihr Outfield und zwar mit einem alten Bekannten: Adam Eaton kehrt nach vier Jahren in Washington als Free Agent zurück nach Süd-Chicago. Der 32-Jährige unterschreibt für ein Jahr und 7 Millionen Dollar mit einer Kluboption für ein weiteres Jahr zum Preis von 8,5 Millionen. Eaton hatte 2020 eine schwache Saison. Bei den White Sox setzt man darauf, dass er zu alter Stärke findet und den Mangel an linkshändigen Hittern im Lineup behebt.

Angels traden (schon wieder) für Iglesias
Letzte Woche berichtete ich an dieser Stelle, dass die Los Angeles Angels Shortstop José Iglesias von den Baltimore Orioles ertradet haben. Diese Woche kommt Relief Pitcher Raisel Iglesias hinzu, den die Angels im Austausch gegen Reliever Noe Ramirez und einen noch nicht benannten Spieler von den Cincinnati Reds holen. Dass die beiden Neuzugänge denselben Nachnamen tragen, aus Kuba stammen und obendrein an aufeinander folgenden Tagen geboren wurden, ist ein origineller Zufall, miteinander verwandt sind sie aber nicht. „Dafür sehe ich zu gut aus“, antwortete José, als er letztes Jahr in einem Interview danach gefragt wurde.

Weitere Neuverpflichtungen
Zwei weitere Spieler haben in den letzten Tagen einen neuen MLB-Vertrag unterschrieben: First Baseman Carlos Santana erhält von den Kansas City Royals 17,5 Millionen Dollar für zwei Jahre plus leistungsbezogene Boni von bis zu einer weiteren Million.
Die Seattle Mariners sichern sich die Dienste von Pitcher Chris Flexen für zwei Jahre und 4,75 Millionen Dollar plus mehrere leistungsbezogene Erhöhungs- und Verlängerungsoptionen. Flexen war einst ein Wackelkandidat bei den New York Mets, der deren Fans viele Nerven kostete. Im letzten Winter wechselte er zu den Doosan Bears nach Südkorea, wo er sich mit einer starken Saison für das MLB-Comeback empfahl.
Die Mets gelten übrigens nach wie vor als Favoriten für eine baldige Verpflichtung von Outfielder George Springer und Catcher James McCann, mit beiden wurde allerdings noch kein Vollzug gemeldet.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , ,