November 5th, 2020 by Silversurger

In den letzten Tagen drehte sich in den USA alles um die Präsidentschaftswahl. Erwartungsgemäß waren Neuigkeiten aus der MLB in dieser Zeit dünn gesät. Drei Teams gaben allerdings am Wochenende wichtige Weichenstellungen für die kommenden Jahre bekannt, die ich euch in diesem Grand Slam am Donnerstag vorstellen möchte.

Cohen als neuer Mets-Owner bestätigt
Der Verkauf der New York Mets an den Hedgefonds-Milliardär Steve Cohen ist nun offiziell. Cohen erwirbt für rund 2,475 Milliarden Dollar 95% der Anteile von der bisherigen Owner-Gruppe um Fred und Jeff Wilpon. Auf dieses Geschäft hatte man sich bereits im August geeinigt, doch es fehlten noch Genehmigungen seitens der Stadt New York sowie seitens der restlichen Team-Eigner der MLB. Beide Zustimmungen sind Ende letzter Woche erfolgt. Die Fans der Mets hoffen, dass mit Cohen eine neue Ära für ihre Franchise anbricht. Im Gegensatz zu den als knauserig bekannten Wilpons wird Cohen deutlich stärker zugetraut, sowohl die Mittel als auch den Willen aufzubringen, massiv und dauerhaft in das Team und die Infrastruktur zu investieren. Erster Punkt auf der To-Do-Liste dürfte der Aufbau eines neuen Front Offices sein: Sandy Alderson wurde bereits als neuer Team-Präsident angekündigt. Ihm sollen sowohl ein President of Baseball Operations als auch ein General Manager zur Seite gestellt werden, der vermutlich nicht Brody Van Wagenen heißen wird. Darüber hinaus beabsichtigt Cohen, die Analsyse-Abteilung der Mets deutlich auszubauen.

La Russa zurück in Chicago
Die Chicago White Sox haben einen neuen Manager. Wie erwartet handelt es sich um einen alten Bekannten: Tony LaRussa nimmt zum zweiten Mal in seiner Karriere die sportlichen Geschicke des Klubs in die Hand. Der heute 76-Jährige hatte seine Managerkarriere 1979 bei den White Sox begonnen und war dort bis zu seiner Entlassung 1986 tätig. Anschließend managte er die Oakland Athletics (1986-1995) und die St. Louis Cardinals (1996-2011) und gewann insgesamt drei World Series. La Russa galt zu seiner Zeit als hervorragender Manager und wurde dafür 2014 in die Hall of Fame aufgenommen. Ob er sich und den White Sox  einen Gefallen damit tut, nach fast zehn Jahren aus dem Ruhestand zurückzukehren und als ältester Manager der Liga einen Draht zu einem ihrer jüngsten Teams zu suchen, wird sich zeigen müssen.

Zweite Chance für Hinch
Mit A. J. Hinch wagt ein weiterer Manager die Rückkehr nach einer Pause. In seinem Fall dauerte die Unterbrechung nur ein Jahr und erfolgte zwangsweise für seine Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros. Hinch gilt weder als Drahtzieher noch als Förderer der illegalen Vorgänge bei den Astros, wusste aber nach Einschätzung der MLB Bescheid und unternahm nichts dagegen. Nachdem er seine Strafe dafür abgesessen hat, handelten die Detroit Tigers sehr schnell, um sich seine Dienste als Nachfolger für den in Ruhestand getretenen Ron Gardenhire zu sichern. Das zügige Handeln dürfte klug von den Tigers gewesen sein, denn Hinch hat – von dem Skandal abgesehen – in seiner Zeit in Houston (2015-2019) großartige Arbeit geleistet und galt in dieser Offseason als heißer Kandidat für jedes Team mit offener Managerstelle.

Bauer lehnt Qualifying Offer ab
Von den sechs Spielern, die von ihren bisherigen Vereinen ein sogenanntes Qualifying Offer über 18,9 Millionen Dollar für eine Vertragsverlängerung von einem Jahr erhalten haben, hat Trevor Bauer als erster eine Entscheidung bekannt gegeben: Das Pitching-Ass der Cincinnati Reds lehnt das Angebot ab. Das ist keine Überraschung, denn es ist völlig klar, dass Bauer nach seiner herausragenden Saison einen höher dotierten Vertrag erhalten wird, sei es in Cincinnati oder woanders. Das Qualifying Offer war in seinem Fall nur ein formaler Vorgang, damit die Reds im Falle seines Abgangs eine Kompensation in Form von Draftpicks verlangen können. Für J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) ist die Situation ähnlich, auch sie werden das Offer sicher ablehnen. Die beiden einzigen Kandidaten, die es möglicherweise annehmen werden, sind die Pitcher Marcus Stroman (Mets) und Kevin Gausman (Giants). Die Spieler müssen ihre Entscheidung bis kommenden Mittwoch treffen.

Die Pirates lassen Archer ziehen
Die Pittsburgh Pirates haben entschieden, eine Verlängerungsoption im Vertrag von Chris Archer über 11 Millionen Dollar nicht zu ziehen. Archer ist damit Free Agent und endgültig Teil eines der unrühmlichsten Trades in der Geschichte der Pirates. Für ihn schickten die Pirates 2018 während der Saison Tyler Glasnow, Austin Meadows und das Talent Shane Baz zu den Tampa Bay Rays. Während bei den Rays Glasnow und Meadows umgehend zu Leistungsträgern wurden und Baz sich im Farmsystem auf die Profikarriere vorbereitet, war der vermeintliche Top-Einkauf Archer in Pittsburgh zu jeder Zeit eine herbe Enttäuschung. Der 32-Jährige brachte es 2019 auf 23 Starts mit 119.2 Innings und 5.19 ERA. 2020 musste er aussetzen nach einer Operation zur Behandlung des unter Pitchern gefürchteten Thoracic Outlet Syndromes. Man kann dem einstigen Top-Talent nur wünschen, dass ihm der Erfolg der OP und die Luftveränderung bei einem neuen Team helfen, seine Karriere zurück in eine erfolgreichere Spur zu bringen.

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Oktober 15th, 2020 by Silversurger

2020 ist kein schönes Jahr. Dafür bedarf es schon lange keiner weiteren Beweise, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der zahlreichen in diesem Jahr verstorbenen MLB-Legenden. Unter anderem von Tom Seaver, Lou Brock, Al Kaline und Bob Gibson mussten wir schon Abschied nehmen, in dieser Woche kamen zwei weitere Hall of Famer hinzu: Der legendäre Pitcher Whitey Ford starb letzten Donnerstag im Alter von 91 Jahren, während er ein Playoff-Spiel seiner Yankees sah. Joe Morgan, einer der besten Second Basemen aller Zeiten unter anderem für die Astros und die Reds, erlag am Sonntag mit 77 einem Nervenleiden. 

Abschied nehmen heißt es, zum Glück nur in beruflicher Hinsicht, auch für Rick Renteria als Manager der Chicago White Sox. Die Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen. Als Favorit für die Nachfolge gilt Tony La Russa, der den Job schon von 1979 bis 1986 hatte. 

Einen erschreckenden Vorfall gab es Sonntagnacht in San Diego: Tommy Pham, Outfielder der Padres, wurde vor einem Stripclub Opfer eines Messerangriffs durch bislang unbekannte Täter. Die Verletzung, die Pham am unteren Rücken erlitt, ist zum Glück nicht lebensbedrohlich. Er kann wohl schon bald wieder ins normale Offseason-Training einsteigen. 

American League Championship Series
Jetzt aber endlich zum Sport. Die ALCS wäre um ein Haar schon nach der Mindestzahl von vier Spielen vorbei gewesen. Drei Spiele hintereinander sicherten sich die Tampa Bay Rays, bevor in der vierten Partie knapp mit 4:3 erstmals die Houston Astros die Oberhand behielten. In der Best-of-7-Serie steht es somit 3-1, was für die Rays noch zwei alleinige Matchbälle bedeutet, während die Astros nur mit drei weitere Siegen hintereinander in die World Series einziehen würden. 

National League ChampionshipSeries
Auch in der NLCS brachte sich ein Team in eine starke Ausgangsposition, indem die ersten beiden Spiele gewonnen wurden. Überraschenderweise waren das die Atlanta Braves und nicht die hoch favorisierten Los Angeles Dodgers. Die Braves behielten bis gestern Nacht eine saubere Weste in den Playoffs mit einer Bilanz von sieben Siegen und null Niederlagen. Dann allerdings brachen im dritten Spiel alle Dämme (siehe „Spiel der Woche“). Ob das ein einmaliger Ausrutscher für die Braves war oder der entscheidende Umschwung zu Gunsten der Dodgers, werden die nächsten Tage oder eher die nächsten Nächte zeigen. 

Szene der Woche
Auf kaum ein Team traf je der Spruch „der Star ist die Mannschaft“ mehr zu als auf die Tampa Bay Rays. Nahezu jedes Spiel, das sie gewinnen, hat einen neuen Helden. Am Montag war es Manuel Margot, der mit gleich zwei aufsehenerregenden Szenen den Sieg über die Astros auf den Weg brachte: zuerst mit einem 3-Run-Homerun im ersten Inning, dann mit einem spektakulären Catch im zweiten Durchgang. 

Statistik der Woche 
3. So viele Starts hat Atlantas Rookie-Pitcher Ian Anderson in den Playoffs bisher absolviert und noch keinen einzigen gegnerischen Run zugelassen. Der 22-Jährige ist der erste Pitcher, dem dies in den ersten drei Postseason-Spielen seiner Karriere von je mindestens vier Innings gelang seit Christy Mathewson im Jahr 1905. 

Spiel der Woche
Nach zwei Niederlagen gegen die Braves waren die Dodgers gestern wild entschlossen, sich nicht sang- und klanglos aus den Playoffs zu verabschieden. Das machten sie sehr früher sehr eindrucksvoll klar. Noch bevor Atlanta auch nur einen Batter an die Platte schicken konnte, führten die Dodgers bereits 11:0. Elf Runs sind ein neuer Rekord für die meisten Runs, die jemals ein Team in einem einzelnen Inning eines Playoff-Spiels erzielt hat. Danach ließen sie es ruhiger angehen, legten in den beiden folgenden Innings noch vier Runs nach und brachten die Partie am Ende 15:3 nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Bald ist es vorbei mit Live-Baseball für dieses Jahr und jedes verbleibende Spiel hat eine große Bedeutung auf dem Weg zur World Championship. Lasst euch also möglichst wenige Partien entgehen. Je nachdem, wie die Conference Championships weiter verlaufen, dauern diese noch bis Freitag, Samstag oder gar Sonntag. Am Dienstag beginnt dann die World Series 2020. Die genaue Startzeit wurde noch nicht bekannt gegeben, sie lag in den vergangenen Jahren immer bei ungefähr 2 Uhr nachts nach mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 28th, 2020 by Silversurger

Es lief längst nicht alles glatt in der wegen Corona verkürzten MLB-Saison 2020, aber der erste große Meilenstein ist erreicht: Die reguläre Saison wurde wettbewerbsgerecht durchgeführt und abgeschlossen, sodass jetzt die Playoffs folgen können. Um die Teilnehmerplätze wurde vor allem in der National League bis zum letzten Tag gerungen. Auf der Zielgeraden war es eher ein Schneckenrennen, denn die Brewers verloren zwar ihr letztes Spiel, profitierten aber davon, dass sowohl die Giants als auch die Phillies es ihnen gleichtaten. Anscheinend war niemand besonders wild darauf, bei den Dodgers antreten zu müssen…

Die Best-of-3-Serien der Wild-Card-Runde finden komplett im Stadion des höher gesetzten Teams statt und werden ohne Pausentag durchgezogen. Den Anfang machen die Teams der American League, die am Dienstag, Mittwoch und (sofern das dritte Spiel nötig ist) am Donnerstag spielen. Die Serien der National League laufen von Mittwoch bis Freitag. Die nächste Runde der Playoffs, die Divisional-Series, beginnt nächste Woche am Montag (AL) bzw. Dienstag (NL).

American League
Tampa Bay Rays vs. Toronto Blue Jays
Das Duell der Nr. 1 gegen die Nr. 8 der AL ist das einzige zwischen zwei Teams, die sich schon während der regulären Saison gesehen haben. In diesen Spielen behielten die Rays mit 6:4 Siegen die Oberhand, und natürlich gehen sie auch in die Playoffs als Favorit. Für die Blue Jays ist es bereits ein Riesenerfolg, so weit gekommen zu sein in einem Jahr, in dem sie wegen Coronaauflagen kein einziges Spiel in ihrem eigenen Stadion absolvieren durften.

Oakland Athletics vs. Chicago White Sox
Das junge Team der White Sox schien auf dem besten Weg, die AL Central zu gewinnen, doch auf der Zielgeraden geriet es spürbar ins Stolpern mit nur noch zwei Siegen aus den letzten acht Spielen. Damit haben sie sich eingehandelt, bei den Athletics antreten zu müssen, die die AL West in diesem Jahr massiv dominiert haben.

Minnesota Twins vs. Houston Astros
Die Twins haben in den letzten Spielen alles dafür gegeben, nicht wieder gegen die Yankees antreten zu müssen, gegen die ihre letzten vier Playoffteilnahmen allesamt in der ersten Runde endeten. Das ist gelungen, indem das Kepler-Team sich den Divisionssieg und damit Rang 3 auf der Setzliste sicherte. Nun dürfen sie zu Hause antreten gegen die Houston Astros, das ehemalige Spitzenteam, welches nach dem Sign-Stealing-Skandal und einer negativen Saisonbilanz seinen Schrecken weitgehend verloren hat.

Cleveland Indians vs. New York Yankees
Auch eine interessante Paarung: Das Team mit der stärksten Offense der AL – die Yankees mit 315 erzielten Runs – trifft auf das Team mit der besten Defense der MLB – die Indians mit nur 209 zugelassenen Runs. Sowohl die Indians als auch die Yankees hatten in der ersten Septemberhälfte einen Durchhänger und gerieten in Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Beide haben sich dann wieder gefangen und spielen nun die Teilnahme an der Divisional-Runde untereinander aus.

National League
Los Angeles Dodgers vs. Milwaukee Brewers
Die Dodgers waren vor der Saison der große Favorit, und bisher sind sie allen Erwartungen gerecht geworden: Zum achten Mal in Folge haben sie die NL West gewonnen und das mit einer Winning Percentage von 71,7%  und somit der besten MLB-Saison eines Teams seit 1954. Die Brewers sind trotz einer negativen Bilanz gerade noch ins Playoff-Feld gerutscht und somit krasser Außenseiter gegen das Über-Team aus Los Angeles.

Atlanta Braves vs. Cincinnati Reds
Während die drei Mit-Favoriten in der vermeintlich starken NL East enttäuschten, sicherten die Braves sich souverän den dritten Divisionssieg in Folge. Nun wollen sie endlich mal über die erste Playoff-Runde hinauskommen, was ihnen die letzten neun Male verwehrt blieb. Die Reds haben es zum ersten Mal seit sieben Jahren in die Postseason geschafft. Nicht zuletzt wegen der überragenden Form von Cy-Young-Kandidat Trevor Bauer könnten sie für eine weitere Überraschung gut sein.

Chicago Cubs vs. Miami Marlins
Die Cubs hatten unter ihrem neuen Manager David Ross einen sehr starken Start in die Saison und cruisten den Rest des Weges mit wechselhaften Leistungen zum Divisionssieg. Vor dem Überraschungsteam aus Miami sollten sie gewarnt sein: Die Marlins haben bisher noch nie eine Playoff-Serie verloren. Bei ihren beiden bislang einzigen Teilnahmen, 1997 und 2003, holten sie immer gleich die World Series.

San Diego Padres vs. St. Louis Cardinals
Als Divisionszweiter ist „Slam Diego“ zwar nur an Nummer 4 gesetzt, aber nach Siegen und Run Differential sind die Padres das zweitstärkste Team der NL. In der Heimserie gegen St. Louis sehe ich sie als deutlichen Favoriten. Andererseits haben die Cardinals dieses Jahr schon unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, widrigsten Umständen zu trotzen – man denke nur an ihre 16-tägige Pause wegen Coronafällen und an die vielen, vielen Doubleheader, die sie deswegen den Rest der Saison über spielen mussten.

 

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Mai 26th, 2020 by Silversurger

Zum zweiten Mal macht meine Serie über die Ballparks der MLB Halt in Chicago. Die alles entscheidende Frage in der Metropole in Illinois lautet „Norden oder Süden?“. Die North Side, den reicheren, hipperen Stadtbezirk, regieren die Cubs von Wrigley Field aus; die South Side ist die bodenständigere, von ethnischer Vielfalt und Arbeiterklassenmentalität geprägte Heimat der White Sox und ihrem Guaranteed Rate Field, um das es in diesem Artikel geht.

Guaranteed Rate Field, Chicago (1)

Geschichte
Chicago ist dafür bekannt, seinen Sportstätten sehr lange die Treue zu halten. 81 Jahre lang, von 1910 bis 1990, spielten die White Sox in ihrem klassischen Stadion Comiskey Park. Als dieses schließlich ersetzt wurde, handelte es sich um den ersten Neubau eines großen Sportgebäudes in der Stadt seit 1929. Bevor es dazu kam, hatten die White Sox intensiven Druck ausüben müssen, bis hin zu der Drohung mit einem Umzug nach Florida.

Für den Standort des neuen Ballparks waren diverse Optionen im Spiel, gebaut wurde letztlich direkt gegenüber vom alten Stadion. Dieses wurde nach der Neueröffnung abgerissen und durch Parkplätze ersetzt. Markierungen auf den Parkplätzen erinnern bis heute daran, wo früher die Homeplate und die Foulpoles von Comiskey Park platziert waren.

Für 137 Millionen Dollar entstand ein moderner Ballpark, der zunächst ebenfalls „Comiskey Park“ hieß. Erst 2003 wurden die Namensrechte verkauft und das Stadion zunächst in „U. S. Cellular Field“ und 2016 in „Guaranteed Rate Field“ umbenannt.

Das Eröffnungsspiel fand am 18. April 1991 statt. Die White Sox werden sich nicht gern daran erinnern: 0:16 unterlagen sie den Detroit Tigers, die 19 Hits inklusive 5 Homeruns erzielten und von ihrem Pitcher Frank Tanana einen Complete-Game-Shutout bekamen.

Auf große Erfolge seiner Hausherren musste der Ballpark lange warten. 1993 und im Jahr 2000 schafften es die White Sox in die Playoffs, verloren aber alle Heimspiele und schieden jeweils in der ersten Runde aus. 2005 war dann endlich ihr Jahr: Mit 99 Siegen wurde die Division gewonnen, es folgten Playoff-Erfolge gegen die Red Sox und die Angels und schließlich eine überlegen geführte World Series gegen die Astros.

Weitere sportliche Highlights der Stadion-Geschichte waren das All-Star-Spiel 2003, der erste No-Hitter am 18. April 2007 sowie das erste Perfect Game am 23. Juli 2009 – beide übrigens von Mark Buehrle für die White Sox.

Architektonische Auffälligkeiten
Guaranteed Rate Field war 1991 der letzte Ballpark, der erbaut wurde, bevor der vielgerühmte Oriole Park at Camden Yards den Siegeszug des retro-klassischen Stils begründete. Ein Vorbild bei den ursprünglichen Felddimensionen und der Anordnung der Sitze war unübersehbar das 1973 eröffnete Kauffman Stadium in Kansas City. Mit seiner modernistischen Betonfassade, dem symmetrischen Outfield und den weit nach außen gezogenen Oberdeck-Tribünen wirkte Chicagos neuer Ballpark schon bald ein wenig aus der Zeit gefallen. Dem versuchte man entgegen zu wirken, indem zwischen 2001 und 2007 zahlreiche Umbauten durchgeführt wurden.

Von außen relativ unspektakulär (2)

Schon im alten Comiskey Park war das „explodierende“ Scoreboard ein Markenzeichen. Bei jedem Homerun der White Sox gab es Licht-, Sound- und Feuerwerkseffekte von sich. Dieses Feature wurde sowohl beim Neubau 1991 als auch beim Ersetzen der Videoleinwände im Jahr 2016 beibehalten.

Die aktuelle Version des „explodierenden“ Scoreboards (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Guaranteed Rate Field hat ein 400 Fuß (122m) tiefes Centerfield und ist fast symmetrisch mit einer Leftfieldline von 330 Fuß (101m), einer Rightfieldline von 335 Fuß (102m) und jeweils 375 Fuß (114m) Ausdehnung im Left- und Rightfield. Es ist damit im Hinblick auf Batter- oder Pitcherfreundlichkeit ein durchschnittliches Stadion. Statistische Parkfaktoren weisen für Guaranteed Rate Field meistens einerseits eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für Homeruns aus und andererseits eine leicht geringere Wahrscheinlichkeit für andere Arten von Hits. Vor allem Triples kommen vergleichsweise selten vor, vermutlich weil die Felddimensionen im Vergleich mit anderen MLB-Plätzen kaum unerwartete Ecken und Kanten aufweisen.

Panorama aus dem rechten Centerfield (4)

Wo sitzt man am besten?
Eines sollte man vor einem Besuch in Guaranteed Rate Field wissen: Anders als in den meisten anderen MLB-Stadien hat man nicht die Freiheit, sich zwischen den verschiedenen Ebenen frei zu bewegen. Das heißt, wenn man ein Ticket für eines der höheren Decks hat, kann man nicht zum Beispiel vor dem Spiel mal bei den tiefer gelegenen Plätzen vorbei schauen, um ein Foto zu machen – geschweige denn, sich im halbvollen Stadion trotz günstigem Ticket einen besseren Platz suchen.

Ebenfalls zu beachten ist, dass Guaranteed Rate Field wie erwähnt relativ weit gezogene Tribünen aufweist. Das hat zur Folge, dass man auf den oberen Decks zwar durchweg eine ungehinderte Sicht auf das Spielfeld hat, dabei aber auch besonders weit von selbigem entfernt ist. Obwohl man im Zuge der Umbauten in den 2000er-Jahren versucht hat, diesen Effekt abzumildern, indem man über 6.000 Sitze von den oberen Decks entfernte, ist er immer noch existent.

Aus den beiden genannten Gründen ist von Tickets im oberen Level (500) abzuraten. Die sehr guten Plätze auf Level 100 rund um das Infield (121-143) gibt es je nach Zeit und Gegner für 50 bis 120 Dollar. Wenn man weniger ausgeben möchte, empfiehlt es sich, auf Level 100 zu bleiben, aber weiter in Richtung Outfield auszuweichen, wo es Tickets bereits ab 15 Dollar gibt. An heißen Tagen sollte man Plätze an der First-Base-Line wählen, denn die Third-Base-Seite bis ins Leftfield bekommt deutlich mehr Sonne ab. Außerdem empfiehlt sich an solchen Tagen, sofern man Tickets für das untere Level hat, ein Besuch der kalten Dusche hinter Abschnitt 161.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: John Martinez Pavliga (CC BY 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Oak Park Cycle Club (CC BY-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: David Wilson (CC BY 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Jordano53 (CC BY-SA 4.0)

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März 16th, 2020 by Silversurger

Die White Sox sehen ihre Zeit gekommen: 2020 soll das Jahr werden, in dem sie aus der jahrelangen Bedeutungslosigkeit heraus- und in den Kampf um Siege und Titel eintreten. Daran ließen General Manager Rick Hahn und sein Team in einer sehr aktiven Offseason keine Zweifel aufkommen. Gleich fünf hochrangige Neuverpflichtungen sollen das junge, ambitionierte Team verstärken. Der wichtigste Einkauf ist Yasmani Grandal, einer der Top-Catcher der Liga. Dallas Keuchel und Gio Gonzalez verstärken die Rotation, Nomar Mazara ist ein Upgrade im Rightfield und mit Edwin Encarnacion werden die White Sox nicht mehr die schwächste DH-Produktion der AL haben. Hinzu kommen die ersehnten Debüts von Centerfielder Luis Robert und Nick Madrigal, die beide als Kandidaten für eine Rookie-of-the-Year-Saison gehandelt werden. Das sind mehr als genug Gründe dafür, die White Sox als den Aufsteiger des Jahres zu erwarten. Ob es bereits für die Playoffs reicht, bleibt abzuwarten, aber eine deutlich positive Bilanz sollte auf jeden Fall drin sein. Nach sieben aufeinanderfolgenden Losing-Seasons wäre das schon ein schöner Erfolg und wahrscheinlich der Beginn einer neuen, kompetititven Ära in Chicagos Süden.

Voraussichtliches Lineup
C Yasmani Grandal
1B Jose Abreu
2B Nick Madrigal
SS Tim Anderson
3B Yoan Moncada
LF Eloy Jimenez
CF Luis Robert
RF Nomar Mazara
DH Edwin Encarnacion

Voraussichtliche Rotation
RHP Lucas Giolito
LHP Dallas Keuchel
RHP Reynaldo Lopez
RHP Dylan Cease
LHP Gio Gonzalez
Key Relievers: Alex Colome, Aaron Bummer

Wichtigster Zugang
C Yasmani Grandal (Milwaukee Brewers)

Wichtigster Abgang
RHP Ivan Nova (Detroit Tigers)

Bestes Prospect
OF Luis Robert

Größte Stärke
Langfristiges Denken: Die White Sox haben es sich wie kein zweites Team zur Aufgabe gemacht, ihre selbst entwickelten Talente dauerhaft an sich zu binden. Die Outfielder Eloy Jimenez im letzten und Luis Robert in diesem Jahr durften sogar schon vor ihrem ersten MLB-Spiel gut bezahlte Kontrakte unterschreiben. Third Baseman Yoan Moncada und Reliever Aaron Bummer haben sich kürzlich ebenfalls über die weitere Zusammenarbeit mit dem Klub geeinigt. Alle Genannten haben sich bis mindestens 2025 zu den White Sox bekannt.

Größte Schwäche
Die Rotation: Lucas Giolito und Dallas Keuchel sind ein einwandfreier 1-2-Punch, doch dann wird es dünn mit einer Reihe von Kandidaten, die diverse Fragezeichen aufwerfen. Reynaldo Lopez (5.38 ERA) und Dylan Cease (5.79 ERA) müssten sich gegenüber 2019 deutlich steigern, um ihrem Team wenigstens durchschnittliche Leistungen zu geben. Neuzugang Gio Gonzalez ist üblicherweise eine verlässliche Größe, aber er ist schon 34 Jahre alt und wurde letztes Jahr wiederholt von Verletzungen geplagt. Große Hoffnungen ruhen auf Michael Kopech, der nach seiner Tommy-John-Surgery im April oder Mai wieder einsatzfähig sein wird – also je nach den weiteren Entwicklungen vielleicht schon zum Saisonbeginn.

Spannendste Frage
Ist das hier der Himmel? Zugegeben, die meisten Baseballfans werden die Antwort auf diese Frage kennen. Falls jemand sie nicht kennt: Schaut euch den Film „Feld der Träume“ (original „Field of Dreams“) an! Am 13. August werden die White Sox den filmischen Traum wahr machen und eine Partie gegen die New York Yankees in einem improvisierten 8000-Zuschauer-Stadion inmitten von Maisfeldern spielen. Es wird das erste MLB-Spiel im Staat Iowa sein.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

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März 12th, 2020 by Silversurger

Corona, Corona, Corona. Das uns alle beherrschende Thema in diesen Tagen macht auch vor dem Baseball nicht Halt. Völlig zurecht rückt der Sport in den Hintergrund, wenn es darum geht, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Welche Maßnahmen in den kommenden Tagen und Wochen von den zuständigen Behörden angeordnet und/oder von den Ligen selbst beschlossen werden, ist völlig offen. Es scheint aber immer wahrscheinlicher, dass die MLB-Saison nicht in der üblichen Form stattfinden kann.

NPB und KBO verschoben – MLB und Bundesliga stehen (noch?)
In Japan und Südkorea sind bereits Spring-Training-Spiele der Profi-Ligen NPB und KBO ausgefallen oder ohne Publikum ausgetragen worden. Nun haben die Leitungen beider Ligen beschlossen, den Start der regulären Saison zu verschieben. Statt Ende März sollen die Spiele erst Ende April beginnen. Die Hoffnung ist, das sich die Lage in Bezug auf das Corona-Virus bis dahin so weit entspannt hat, dass noch eine vollständige Saison inklusive Publikum gespielt werden kann.
Der MLB sowie der Baseball-Bundesliga kann Ähnliches blühen; bislang rechnen beide Ligen offiziell damit, wie geplant in die reguläre Saison starten zu können. „Wir behalten die Gesamtsituation im Blick“, versicherte der Spielbetriebsleiter des DBV, Philipp Würfel, gestern auf meine Nachfrage. Die MLB nimmt eine ähnlich abwartende Position ein. Beschlossen wurde bislang nur, vorerst keine Medienvertreter mehr in den Clubhäusern zuzulassen, um persönliche Kontakte der Spieler und Offiziellen zu reduzieren. Es scheint aber absehbar, dass weit drastischere Maßnahmen folgen müssen und werden, zumal gestern schon einige Städte und Regionen – unter anderem San Francisco und Seattle – ein Verbot von Großveranstaltungen angekündigt haben. Die Basketball-Liga NBA hat ihre Saison bereits auf unbestimmte Zeit unterbrochen, nachdem ein Spieler positiv auf das Virus getestet wurde.

WBC: Deutschland – Frankreich morgen Nacht auf Youtube
Die Baseball-Nationalmannschaft befindet sich schon seit einigen Tagen in Tucson (Arizona) und bereit sich auf das Qualifkationsturnier zum World Baseball Classic (WBC) 2021 vor. Der Kader besteht hauptsächlich aus Bundesligaspielern, ergänzt um die Minor Leaguer Marco Cardoso (Boston Red Sox), Brendan Donovan (St. Louis Cardinals), Lucas Jacobsen (Texas Rangers), Niklas Rimmel (Minnesota Twins) und Markus Solbach (Los Angeles Dodgers) sowie die Ex-MLB-Spieler Bruce Maxwell und Donald Lutz und zwei Indenpendent-League-Spieler. Max Kepler hat von den Twins leider keine Freigabe erhalten. Als erste Hürde in dem Doppel-Ausscheidungsmodus wartet Frankreich mit seinem prominenten Trainer Bruce Bochy. Das Spiel wird nach unserer Zeit ab 3:30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag live auf dem Youtube-Kanal der MLB übertragen. Als weitere Gegner je nach Turnierverlauf kommen Pakistan, Südafrika, Nicaragua und Brasilien infrage. Auch hier bleibt natürlich abzuwarten, ob und wie sich Corona auf die Durchführung des Turniers auswirkt. Es ist reine Spekulation von mir, aber ich kann mir vorstellen, dass die europäischen Teams zügig abreisen werden, nachdem die US-Regierung verkündet hat, den Reiseverkehr mit Europa drastisch einzuschränken.

Red Sox verpflichten McHugh
Die Boston Red Sox haben immer noch keine Klarheit über die Aussichten ihres Asses Chris Sale, zum Saisonstart oder möglichst bald danach fit zu werden. Nachdem Sale am 1. März ein simuliertes Inning abbrechen musste, wurde sein Ellenbogen von verschiedenen Spezialisten untersucht. Es kam aber nicht viel mehr dabei heraus als dass man sich das Gelenk in 10 bis 14 Tagen noch einmal ansehen wird. Um einen möglichen längeren Ausfall von Sale abzufedern, ist der Klub noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und hat Collin McHugh verpflichtet. Der ehemalige Astros-Pitcher erhält einen Einjahresvertrag, dessen Finanzen stark leistungsbezogen ausgestaltet wurden: Das Grundgehalt beträgt bescheidene 600.000 Dollar, kann sich aber je nach Zahl der absolvierten Innings um bis zu 3,625 Millionen erhöhen. Mit dieser Vertragsgestaltung sichern sich die Red Sox ab, denn McHugh litt während und nach der letzten Saison ebenfalls unter Ellenbogenprobleme und ist erst vor Kurzem wieder ins Wurftraining eingetreten.
Um für McHugh Platz im Kader zu machen, haben die Red Sox Pitcher Hector Velazquez entlassen. Velazquez wurde inzwischen von den Baltimore Orioles aufgenommen.

Verlängerung für Moncada
Die Chicago White Sox bauen weiter am ersehnten langfristigen Erfolg. Nach Eloy Jimenez, Luis Robert und Aaron Bummer haben sie nun auch Yoan Moncada mit einem Mehrjahresvertrag ausgestattet. Für insgesamt 70 Millionen Dollar wird der Infielder in den kommenden fünf Spielzeiten für die White Sox antreten. Hinzu kommt die Option, ihn für 25 Millionen Dollar noch ein weiteres Jahr, also für die Saison 2025, zu halten.

Calhoun verletzt durch Hit-by-Pitch
Die hässlichste Verletzung der Woche hat Willie Calhoun von den Texas Rangers erlitten. Im Spring-Training-Spiel gegen die Los Angeles Dodgers bekam der Outfielder im ersten Inning einen 95-Meilen-Pitch von Luis Urias direkt ins Gesicht. Er erlitt dabei einen Kieferbruch, der operiert werden musste und zu einer noch unbestimmten, aber in jedem Fall längeren Ausfallzeit führen wird. Es gibt Videos von dem Unfall, aber auf das Anschauen kann man gut verzichten, daher gibt es von mir hier keinen Link.

Doping-Sperre für Diamondbacks-Prospect
Leider gibt es erneut einen Doping-Fall: Infielder Domingo Leyba von den Arizona Diamondbacks wurde positiv auf Boldenon getestet. Das ist das üblicherweise für Rennpferde verwendete Steroid, welches vor Kurzem bereits Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) zum Verhängnis wurde. Der 24-jährige Switch-Hitter Leyba erhält die für Ersttäter übliche Strafe von 80 Spielen Sperre.

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Januar 9th, 2020 by Silversurger

Die besinnliche Zeit des Jahreswechsels ist offensichtlich vorbei, denn in den letzten sieben Tagen gab es wieder haufenweise Neuigkeiten aus der MLB, insbesondere in Form von Spielerverpflichtungen. Vor allem die Nationals waren sehr aktiv dabei, ihren Kader für das Projekt Titelverteidigung zu ergänzen.

Der Champion kauft ein
Die Washington Nationals scheinen sich angewöhnt zu haben, Verträge immer gleich in Bündeln auszugeben. Im Dezember waren es Stephen Strasburg, Yan Gomes und Howie Kendrick, die innerhalb von zwei Tagen neue Kontrakte mit ihrem Klub unterschrieben. Nach vier Wochen Funkstille gaben die Nationals nun gleich fünf weitere Verpflichtungen bekannt. Der Bullpen wird durch Rückkehrer Daniel Hudson (2 Jahre, 11 Millionen Dollar) sowie durch Will Harris (3 Jahre, 24 Millionen) gefestigt. Für das Middle Infield kommen Starlin Castro (2 Jahre, 12 Millionen) und Asdrubal Cabrera (1 Jahr, 2,5 Millionen) und als First Baseman wird Eric Thames (1 Jahr, 4 Millionen plus beidseitige Option für ein zweites Jahr) sich voraussichtlich die Rolle mit einem weiteren Spieler – evtl. Nats-Urgestein Ryan Zimmerman – teilen.

White Sox verlängern mit Robert, holen Cishek
Die Chicago White Sox sind nicht nur in dieser Woche, sondern schon in der gesamten Offseason sehr aktiv. Sie scheinen sich fest vorgenommen zu haben, in diesem Jahr den Schritt aus dem Rebuilding in die Konkurrenzfähigkeit zu vollziehen. Der neueste Helfer auf diesem Weg ist Reliever Steve Cishek. Der 33-Jährige Sidearm-Pitcher kommt vom Stadtrivalen Cubs und verstärkt den Bullpen der White Sox für die späten Innings. Sein Vertrag läuft zunächst ein Jahr und bringt ihm 6 Millionen Dollar ein, für die gleiche Summe kann der Klub die Option für ein weiteres Jahr ziehen.
Eine langfristige Investition tätigen die White Sox in ihr Centerfield-Prospect Luis Robert. Der 22-Jährige bindet sich für sechs Jahre an den Verein und bekommt dafür 50 Millionen; weitere 38 Millionen können hinzukommen, wenn die White Sox die Option für zwei zusätzliche Jahre in Anspruch nehmen. Es handelt sich um den höchstdotierten Vertrag, den je ein Spieler bekommen hat, bevor er in einem MLB-Spiel aufgetaucht ist. Ermutigt hat die White Sox vermutlich die Erfahrung mit Eloy Jimenez, der letztes Jahr ebenfalls außergewöhnlich früh einen langfristigen Vertrag bekommen und anschließend eine starke Rookie-Saison hingelegt hatte.

Weitere Spielerverpflichtungen
Neue MLB-Verträge haben außer den oben Genannten auch folgende Spieler bekommen: Relief Pitcher Craig Stammen (San Diego Padres, 2 Jahre, 9 Millionen Dollar plus 1 Jahr Klub-Option), Catcher Jason Castro (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 6,8 Millionen), Catcher Robinson Chirinos (Texas Rangers, 1 Jahr, 6,75 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Relief Pitcher Hector Rondon (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 4-5 Millionen einsatzabhängig plus 1 Jahr Klub-Option), Shortstop Jose Iglesias (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 3 Millionen plus 1 Jahr Klub-Option), Starter/ Reliever Jimmy Nelson (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 1,25-4,75 Millionen leistungsabhängig plus 1 Jahr beidseitige Option), Catcher Kevin Plawecki (Boston Red Sox, 1 Jahr, 900.000).

81 Spiele Sperre für Domingo German
Die New York Yankees werden noch lange auf Domingo German verzichten müssen. Der Starter wurde für 81 Spiele gesperrt, rückwirkend ab September 2019. Davon bleiben noch 63 Spiele Sperre zu Beginn der Saison 2020. Der 27-Jährige wird damit von der Liga für einen Fall von häuslicher Gewalt gegenüber seiner Lebensgefährtin bestraft. German hat die Sperre bereits akzeptiert, gerichtlich wird gegen ihn allerdings keine Anklage erhoben.

Neues zum Thema Sign Stealing
Im Hinblick auf die Vorwürfe gegen die Houston Astros, während der Meisterschaftssaison mit unerlaubten Mitteln Zeichen der gegnerischen Spieler ausspioniert zu haben, soll es bald zu einer Entscheidung der Liga kommen. Nach allem, was man hört, wird es wohl keine persönlichen Strafen geben, aber möglicherweise eine hohe Geldstrafe gegen den Klub und vielleicht noch weitere Konsequenzen wie den Verlust von Draftpicks.
Unterdessen wurden neue Vorwürfe laut, dieses Mal gegen die Boston Red Sox. Sie sollen 2018, also ebenfalls in ihrer Meisterschaftssaison, den Video-Analyseraum ihres Stadions genutzt haben, um den Gegnern unerlaubterweise auf die Finger zu schauen. Wenn sich die Anschuldigungen als stichhaltig erweisen, dürfte ein weiteres Verfahren durch die Ligaleitung ins Haus stehen. Dass die Champions von zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit unsauberen Mitteln gearbeitet haben sollen, wirft ein betrübliches Licht auf den professionellen Baseball. Auffällig ist auch, dass in beiden Teams Alex Cora eine zentrale Rolle einnahm – 2017 als Bench Coach der Astros, 2018 als Manager der Red Sox.

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Dezember 26th, 2019 by Silversurger

Der Grand Slam am Donnerstag schläft auch an Weihnachten nicht, weil es die MLB genauso wenig tut. Zum Beispiel wünschten sich viele Fans der New York Mets für ihren Klub nichts sehnlicher als eine Verstärkung des Bullpens – und bekamen prompt am Heiligabend Dellin Betances unter den Baum gelegt. Auch die Toronto Blue Jays und die Chicago White Sox rüsteten um die Feiertage herum ordentlich nach, um 2020 eine erfreulichere Rolle spielen zu können als in den letzten Jahren. Von Seiten der Liga wird derweil eine Regeländerung kolportiert, die – wenn sie tatsächlich irgendwann kommt – nicht nur für fröhliche Gesichter sorgen wird.
Hier auf dem Baseblog ist das der letzte Grand Slam am Donnerstag und wahrscheinlich auch der letzte Artikel im Jahr 2019. Ich wünsche euch allen ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr, in dem wir uns hoffentlich in alter (oder neuer) Frische wieder hier lesen!

Digitale Strikezone in drei Jahren?
MLB-Commissioner Rob Manfred ist bekanntlich schon lange ein Fan der Idee, eine automatisierte, per Videokamera und Computer festgelegte Strikezone einzuführen. Ein solches System wurde dieses Jahr bereits in der Arizona Fall League getestet. Unter den Spielern gewann die digitale Strikezone dabei wohl nicht viele Befürworter, doch die Ligaleitung verfolgt das Ziel einer Einführung in die MLB weiter und hat inzwischen eine Einigung mit der Schiedsrichtervereinigung erzielt. Diese könnte zur Umsetzung der Pläne in drei Jahren führen, wie Jacob Bogage in der Washington Post berichtet.

White Sox signen Keuchel, Gonzalez und Encarnacion
Die Chicago White Sox sind eines der aktivsten Teams der diesjährigen Offseason. Nachdem sie bereits Catcher Yasmani Grandal und Outfielder Nomar Mazara an Land gezogen sowie mit First Baseman Jose Abreu verlängert hatten, verstärken sie nun ihre Starting Rotation mit zwei erfahrenen linkshändigen Pitchern. Dallas Keuchel, der am 1. Januar 32 wird, kommt für zunächst drei Jahre und 55,5 Millionen Dollar. Wenn er es 2021 und 2022 auf genügend Einsatzzeit bringt, verlängert der Kontrakt sich automatisch für ein weiteres Jahr und 18,5 Millionen. Der 34-jährige Gio Gonzalez ist eine deutlich günstigere, aber durchaus solide Ergänzung. Er erhält einen Einjahresvertrag über eine Garantiesumme von 5 Millionen Dollar, für weitere 6,5 Millionen können die White Sox den Kontrakt bei Bedarf bis 2021 ausdehnen. Ganz frisch kam heute Nacht die Meldung, dass auch Edwin Encarnacion bei den White Sox anheuert. Der in Kürze 37-jährige Slugger bringt eine Menge Erfahrung in das junge Lineup und wird sich mit Abreu als DH und First Baseman abwechseln. Er erhält 12 Millionen für ein Jahr, der Klub hat die Option auf ein weiteres Jahr zum gleichen Preis.

Ryu und Shaw zu den Blue Jays
Jede AL-Division hat nächstes Jahr ein Team, das mit bedeutenden Investitionen den Sprung in die Konkurrenzfähigkeit versucht. Was in der AL Central die White Sox und in der AL West die Los Angeles Angels sind, sind in der AL East die Toronto Blue Jays. Die Blue Jays haben einen starken jungen Kern um Vladimir Guerrero Jr., Lourdes Gurriel Jr., Bo Bichette, Cavan Biggio und Danny Jansen. Gefehlt hat es bislang am Pitching, welches mit Tanner Roark, Chase Anderson, Shun Yamaguchi und nun der Star-Verpflichtung Hyun-Jin Ryu neu aufgestellt wurde. Für Ryu lässt der Klub 80 Millionen Dollar über vier Jahre springen und sticht damit namhafte Mitbewerber wie die Dodgers, die Angels, die Braves oder die Twins aus. Ryu ist zweifellos einer der Top-Pitcher der Liga, bringt aber auch einige Fragezeichen in Form einer Verletzungsgeschichte und seines Alters von 33 Jahren mit sich. Als weitere Ergänzung des Kaders holen die Blue Jays Infielder Travis Shaw. Der 29-jährige hatte 2017 und 2018 starke Jahre bei den Milwaukee Brewers, bevor er 2019 plötzlich das Baseballspielen verlernt zu haben schien und nach der Saison von den Brewers entlassen wurde. Die Blue Jays hoffen, dass er zu alter Stärke zurück findet, und bezahlen ihm 4 Millionen Dollar für ein Jahr.

Mets holen Betances, sparen bei Cespedes
Das Weihnachtsgeschenk der Mets an sich selbst hatte ich schon am Anfang dieses Artikels erwähnt: Relief Pitcher Dellin Betances unterschreibt für ein Jahr und ein garantiertes Gehalt von 10,5 Millionen Dollar. Darüber hinaus hat Betances die Option auf ein bis zwei weitere Jahre und zusätzliche Zahlungen, die in Abhängigkeit von seinen Leistungen und Einsatzzeiten aktiv werden. Betances gehörte mehrere Jahre zu den besten Relievern der Liga, bis er die Saison 2019 verletzungsbedingt bis auf ein einziges Spiel komplett verpasste. Eine Umzugspauschale ist vermutlich nicht Teil des Vertrages: Der in Manhatten geborene Betances spielte zuletzt in der Bronx für die Yankees und hat es somit nicht weit zum neuen Arbeitgeber in Queens. Das Geld für seine Verpflichtung haben die Mets auch deshalb zur Verfügung, weil sie sich mit ihrem Outfielder Yoenis Cespedes auf eine Vertragsänderung geeinigt haben: Statt 29,5 Millionen Dollar erhält Cespedes 2020 nur noch 6 Millionen als Grundgehalt, die in Abhängigkeit von der Zahl seiner Einsätze auf bis zu 20 Millionen anwachsen können. Grund für die Neuverhandlungen war die obskure Knöchelverletzung, die Cespedes sich im Mai 2019 auf seiner Ranch zugezogen hatte – offenbar beim Reiten oder einer ähnlichen Aktivität, die er nicht hätte ausführen dürfen, während er sich gerade von einer anderen Verletzung erholen sollte.

Weitere Neuverpflichtungen
Die oben noch nicht erwähnten Spielerverpflichtungen dieser Woche gibt es wie gewohnt im Telegrammstil: OF Kole Calhoun (Arizona Diamondbacks, 2 Jahre, 16 Millionen Dollar + 1 Jahr Klub-Option), SP Julio Teheran (Los Angeles Angels, 1 Jahr, 9 Millionen), C Martin Maldonado (Houston Astros, 2 Jahre, 7 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr, 6,25 Millionen), 1B C. J. Cron (Detroit Tigers, 1 Jahr, 6,1 Millionen), SS Jonathan Schoop (Tigers, 1 Jahr, 6,1 Millionen), RP Sergio Romo (Minnesota Twins, 1 Jahr, 5 Millionen + 1 Jahr Klub-Option), 3B Maikel Franco (Kansas City Royals, 1 Jahr, 3-4 Millionen leistungsabhängig), RP Tyler Clippard (Twins, 1 Jahr, 2,75 Millionen).

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November 28th, 2019 by Silversurger

Happy Thanksgiving allerseits! Für die USA im Allgemeinen und für NFL-Football im Speziellen ist heute ein bedeutender Feiertag. In der MLB wird sich heute eher nichts tun, die Spieler und sonstigen Akteure verbringen den Tag entweder mit der Familie oder mit sozialem Engagement. Für mich ist das eine gute Gelegenheit, in Ruhe darauf zurück zu blicken, was sich rund um die Liga in den vergangenen sieben Tagen getan hat – angefangen mit der Verpflichtung von Yasmani Grandal, die die White Sox frecherweise wenige Minuten nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag öffentlich machten.

Die White Sox investieren in Grandal und Abreu
Das Rebuiling-Projekt der Chicago White Sox ist wohl offiziell abgeschlossen: Zwei Deals innerhalb weniger Tage über zusammen mehr als 120 Millionen Dollar signalisieren klar, dass der Klub ab sofort wieder eine Rolle spielen möchte in der AL Central und darüber hinaus. Das Geld bekommen zwei Spieler, die als erfahrene Eckpfeiler dabei helfen sollen, das junge, talentierte Team zu führen, welches die White Sox sich im Laufe der letzten Jahre aufgebaut haben.
Yasmani Grandal kommt für für vier Jahre und 73 Millionen Dollar nach Chicago. Der 31-Jährige war in der zweiten Offseason hintereinander der beste Catcher unter den Free Agents. Er hatte letztes Jahr damit überrascht, dass er sich mit einem Einjahresvertrag über 18,25 Millionen bei den Milwaukee Brewers zufrieden gab und ein Angebot der Mets über vier Jahre und 60 Millionen ausschlug. Der Vertrag, den er jetzt erzielt hat, spricht dafür, dass Grandals Taktik der Wette auf sich selbst aufgegangen ist. Gelungen ist ihm das durch die stärkste Saison seiner Karriere, in der er es auf 5.2 fWAR brachte mit einer Slashline von .246/.380/.468, 28 Homeruns in 632 Plate Appearances und einer soliden Defense.
Weitere 50 Millionen lassen die White Sox sich die Dienste von First Baseman Jose Abreu in den kommenden drei Jahren kosten. Der 32-jährige Slugger hatte letzte Woche einem Qualifying Offer der White Sox zugestimmt, nun konnten sich beide Seiten doch noch auf eine längerfristige Zusammenarbeit einigen. Abreus Saison 2019 (1.9 fWAR, .284/.330/.503, 33 Homerun) war gut, aber doch weit entfernt von den Leistungen, die er von 2014 bis 2017 gezeigt hat. Der Vertrag, den die White Sox ihm nun geben, wirkt in diesem Lichte recht großzügig, aber Abreus Wert als Führungsspieler dürfte für das Team deutlich über die zahlenmäßige Produktion hinaus gehen.

Trade zwischen den Brewers und den Padres
Keinen Blockbuster, aber einen interessanten Tausch einiger junger Spieler haben die Milwaukee Brewers und die San Diego Padres vereinbart: OF Trent Grisham und RHP Zach Davies gehen nach San Diego, dafür wechseln IF Luis Urias und LHP Eric Lauer zu den Brewers. Die Brewers erhalten darüber hinaus noch einen „Player to be named later“. Grisham und Urias sind beide frühere Top-Prospects, die die in sie gesetzten Erwartungen 2019 (noch?) nicht voll erfüllen konnten. Ein Tapetenwechsel hin zu einem Team, in dem die Konkurrenz auf den jeweiligen Positionen geringer ist als im bisherigen Klub, klingt in beiden Fällen nach einer guten Idee. Die in den Trade involvierten Pitcher sind Material für Mitte bis Ende einer Starting Rotation, wobei der 26-jährige Davies die etabliertere Größe ist, während der 24-jährige Lauer etwas mehr Entwicklungspotenzial bietet.

Mariners verlängern mit Rookie
Auch die Seattle Mariners haben ihren Posten an der ersten Base langfristig vergeben: Sie haben sich mit Evan White auf einen Sechsjahresvertrag über 24 Millionen Dollar geeinigt. Der Vertrag enthält zudem drei Verlängerungsoptionen für den Klub, durch die er sich letztlich auf neun Jahre und 55,5 Millionen belaufen kann. Der 23-Jährige White hat bisher noch kein MLB-Spiel absolviert. Die Saison 2019 verbrachte er bei den Arkansas Travelers, dem AA-Minor-League-Team der Mariners. Die frühzeitige und langfristige Verpflichtung erinnert stark an den Vertrag zwischen den Philadelphia Phillies und Scott Kingery, der damals – kurz vor der Saison 2018 – ebenfalls vor seinem ersten MLB-At-Bat für 24 Millionen und sechs Jahre unterschrieb. Interessanter Fakt am Rande: White ist derzeit der einzige Spieler im Roster der Mariners mit einem garantierten Vertrag, der über 2021 hinaus reicht.

Ein paar weitere Signings
Auf dem Free-Agent-Karussell der MLB standen diese Woche vor allem Catcher hoch im Kurs. Neben Grandal fanden auch Travis d’Arnaud (Atlanta Braves für 2 Jahre, 16 Millionen), Yan Gomes (Washington Nationals, 2 Jahre, 10 Millionen), Stephen Vogt (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3 Millionen), Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Klub-Option) und Dustin Garneau (Houston Astros, 1 Jahr, 650.000) neue Engagements für ihre Tätigkeit hinter der Homeplate.
RHP Kyle Gibson einigte sich mit den Texas Rangers auf einen Dreijahresvertrag über 30 Millionen Dollar. Auch LHP Drew Pomeranz (San Diego Padres, 4 Jahre, 34 Millionen), RHP Kendall Graveman (Seattle Mariners, 1 Jahr, 2 Millionen plus Klub-Option) und RHP Carl Edwards Jr. (Seattle Mariners, 1 Jahr, 950.000) haben neue Jobs gefunden.

Koreanischer Pitcher auf dem Sprung
Letzte Woche habe ich einige interessante Spieler aus der japanischen NPB aufgelistet, die sich in dieser Offseason um einen Wechsel in die MLB bewerben. Mindestens ebenso großes Interesse zieht derzeit der Koreaner Kwang-hyung Kim auf sich. Der linkshändige Pitcher von den SK Wyverns soll bereits Anfragen von den Mets, den Royals, den Dodgers, den Diamondbacks und den Cubs erhalten haben. In der KBO wurde der 30-Jährige in der Regel als Starter eingesetzt. Ob er in der MLB ebenfalls starten oder zum Reliever umfunktioniert werden soll, ist noch unklar – möglicherweise wird das auch ein Punkt in den anstehenden Verhandlungen mit den interessierten Vereinen sien.

Yankees streiten mit Ellsbury
Die New York Yankees waren in den letzten Jahren von außergwöhnlich zahlreichen Verletzungen geplagt. Von zwei besonders häufig verletzten Spielern, First Baseman Greg Bird und Outfielder Jacoby Ellsbury, hat man sich nun getrennt. Ein Schlussstrich ist damit, zumindest was Ellsbury betrifft, noch nicht gezogen. Ihm schulden die Yankees nämlich noch rund 26 Millionen Dollar aus einem 2014 geschlossenen Siebenjahresvertrag – 21 Millionen für die Saison 2020 sowie 5 weitere Millionen als Buyout, damit sich der Vertrag nicht automatisch bis 2021 verlängert. Die Yankees weigern sich bislang, dieses Geld zu bezahlen. Ihr Vorwurf lautet, Ellsbury habe sich ohne Absprache von einem Arzt außerhalb der Organisation behandeln lassen und damit seine Genesung beeinträchtigt. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat bereits erklärt, Ellsbury zu unterstützen in dieser Auseinandersetzung, die zu einem interessanten Präzedenzfall werden kann.

Neuer Eigentümer für die Royals
Die Kansas City Royals haben einen neuen Owner: Der Unternehmer John Sherman hat den Klub für rund eine Milliarde Dollar gekauft. Er und der bisherige Eigentümer, David Glass, hatten sich vor drei Monaten auf den Handel geeinigt. Letzte Woche erfolgten die notwendigen Zustimmungen der anderen MLB-Teambesitzer, sodass der Verkauf vorgestern offiziell bekannt gegeben werden konnte. Sherman ist schon länger im Baseball-Geschäft aktiv. Bevor er nun das Team seiner Heimatstadt erwarb, hielt er bereits einige Jahre lang Minderheitenanteile an den Cleveland Indians. Für Glass waren die Royals ein glänzendes Geschäft: Er hatte den Klub im Jahr 2000 für 96 Millionen Dollar erworben.

Wahl zum ersten All-MLB-Team läuft
Seit 1933 gibt es in der MLB das All-Star-Spiel. Das Verfahren, nach dem die Spieler für die All-Star-Roster ausgewählt werden, hat sich seitdem mehrfach geändert, doch zwei Dinge sind immer gleich geblieben: erstens dass es je ein Team für die American League und die National League gibt, zweitens dass das Spiel ungefähr zur Mitte der Saison stattfindet und somit bei der Spielerauswahl nur die Leistungen aus der ersten Saisonhälfte berücksichtigt werden. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern, aber es brachte die MLB auf die Idee, ab diesem Jahr zusätzlich die Wahl eines All-MLB-Teams einzuführen. Dieses Team wird nicht nach Ligen getrennt sein und es wird erst nach Abschluss der Saison gewählt. Die Auswahl erfolgt mit einem Gewicht von je 50 Prozent durch die Fans und durch ein Expertengremium. Die Fanwahl läuft seit Dienstag dieser Woche bis Dienstag nächster Woche (3. Dezember). In diesem Zeitraum könnt ihr hier eure Stimmen abgeben, bei Bedarf auch mehrmals im Abstand von 24 Stunden. Das Ergebnis wird am 10. Dezember während der Winter Meetings der MLB bekannt gegeben.

Dämliche Verletzungen gesucht!
Auch hier im Blog gibt es in Kürze wieder eine Wahl – zum zweiten Mal werde ich den MRI-Award für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres vergeben. Ich habe bereits ein paar sehr aussichtsreiche Kandidaten auf dem Zettel, aber bevor ich die Abstimmung starte, möchte ich hier erstmal zu weiteren Nominierungen aufrufen. Teilt mir eure Kandidaten einfach als Kommentar unter diesem Artikel mit – bitte mit der dazugehörigen Geschichte, egal ob als Link oder in euren eigenen Worten.
Für alle, die den Award nicht schon vom letzten Jahr kennen: Es handelt sich um eine nicht bierernst gemeinte Auszeichnung für einen Spieler, der sich bei einer möglichst lächerlichen Aktion verletzt hat. Hier könnt ihr die Nominierungen und das Abstimmungsergebnis aus dem letzten Jahr nachlesen, hier die Laudatio auf den ersten Preisträger Chris Martin.

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