November 12th, 2020 by Silversurger

Bevor die Free Agency der MLB richtig in Schwung kommt, werden diese Woche erstmal die wichtigsten Awards für die kürzlich beendete Saison vergeben. Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher wurden in den letzten Tagen schon ausgezeichnet. Heute Nacht werden noch die wertvollsten Spieler des Jahres bekannt gegeben. Hier auf dem Blog könnt übrigens noch bis Montag eure Stimme zum MRI-Award für die dämlichste Verletzung des Jahres abgeben.

Cy-Young-Award für Bieber und Bauer
Die Cy-Young-Awards für die besten Pitcher der Saison ehren dieses Jahr ganz besonders die Werfer-Schmiede der Cleveland Indians: In der National League geht der Award an Trevor Bauer – einst das Ass der Indians, 2020 bei den Cincinnati Reds tätig und derzeit auf Jobsuche. Mit einem ERA von 1.73 über 73 geworfene Innings, darunter zwei Complete-Game-Shutouts, hat Bauer die Reds erstmals seit sieben Jahren in die Playoffs geführt und auch dort – im Gegensatz zum Rest seines Teams – eine Top-Leistung gebracht. Bauer erhielt von den Wahlberechtigten der Baseball Writers Association of America (BBWAA) 27 von 30 Erststimmen. Die anderen drei ersten Plätze gingen an Yu Darvish von den Chicago Cubs.
In der AL bekommt Shane Bieber, sozusagen Bauers Nachfolger in Cleveland, den Cy-Young-Award. Bieber führte die Liga mit 1.63 ERA und 122 Strikeouts in 77.1 Innings an und gewann den Award einstimmig mit 30 von 30 möglichen ersten Plätzen. Zweiter in der Abstimmung wurde Kenta Maeda von den Minnesota Twins.

Williams und Lewis sind Rookies of the Year
Auch bei der Auszeichnung der besten Neulinge gab es in der AL eine einstimmige Entscheidung. Outfielder Kyle Lewis von den Seattle Mariners erhielt alle 30 Erststimmen und verwies damit Luis Robert (Chicago White Sox) und Cristian Javier (Houston Astros) auf die Plätze. Falls sich jemand wundert, warum in dieser Aufzählung die Playoff-Sensation Randy Arozarena von den Tampa Bay Rays fehlt: Die Awards beziehen sich nur auf die reguläre Saison, in der Arozarena zu wenige Einsätze hatte, um ernsthaft auf sich aufmerksam zu machen. Er gilt deswegen auch nächstes Jahr als Rookie und somit schon jetzt als Favorit auf den Award.
In der NL setzte sich Devin Williams von den Milwaukee Brewers, durch; er wurde zuvor auch schon zum Reliever des Jahres gewählt. Mit 0.33 ERA über 27 Innings hatte er eine brillante Saison und schaffte es als erster Pitcher, den Rookie-Award zu gewinnen, ohne einen Start oder einen Save auf dem Konto zu haben. Williams erzielte bei 30 Stimmen 14 erste Plätze. Weitere Erststimmen entfielen auf Alec Bohm (Philadelphia Phillies), Jake Cronenworth (San Diego Padres) und Tony Gonsolin (Los Angeles Dodgers). 

Mattingly und Cash sind die Top-Manager
Die besten Cheftrainer – im Sprachgebrauch der MLB „Manager“ – des Jahres sind beide in Florida tätig. Don Mattingly führte die Miami Marlins zu einer 31-29-Bilanz und damit in ihre erste Playoff-Teilnahme seit 17 Jahren – eine sensationelle Leistung mit einem Team, das als eines der schwächsten der Liga galt und obendrein im Juli einen massiven Corona-Ausbruch wegstecken musste. Eine einstimmige Wahl hätte mich in dem Fall nicht gewundert, doch Mattingly erhielt „nur“ 20 von 30 Erststimmen und tauchte auf zwei Wahlzetteln unter den drei Nennungen überhaupt nicht auf. Auf Platz zwei landete in der NL Jayce Tingler (San Diego Padres).
Kevin Cash führte seine Tampa Bay Rays an die Spitze der AL East und anschließend bis in die World Series. Dass er sich dort den Vorwurf einen Coaching-Fehlers gefallen lassen musste, ändert nichts daran, dass er seit Jahren unfassbar gute Arbeit dabei leistet, mit äußerst bescheidenen finanziellen Mitteln ein jederzeit konkurrenzfähiges Team aufrecht zu erhalten. Nach zwei dritten Plätzen in den beiden letzten Jahren erhielt Cash dieses Mal 22 Erststimmen und verwies Rick Renteria von den White Sox mit deutlichem Abstand auf Platz zwei.

Cora zurück in Boston
Von den erfolgreichsten Managern des Jahres zu einem der erfolglosesten: Die Boston Red Sox hatten bereits unmittelbar nach Saisonende bekannt gegeben, dass sie sich nach nur einem Jahr und einer enttäuschenden Bilanz von 24-36 von Ron Roenicke trennen. Roenicke war kurz vor Saisonbeginn zum Nachfolger von Alex Cora ernannt worden, den man wegen seiner Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros entlassen hatte. Inzwischen hat Cora seine Sperre durch die Liga abgesessen und bei den Red Sox hat man sich offenbar der guten Zeiten erinnert, die man mit Cora am Steuerrad hatte. So kristallisierte sich Cora trotz einer Handvoll anderer Interview-Kandidaten schnell zum Favoriten als sein eigener Nachfolger heraus. Seit Freitag ist es offiziell, Cora erhält seine zweite Chance in Form eines Zweijahresvertrages bei den Red Sox. Man darf gespannt sein, was er daraus macht. Das Team, das er übernimmt, dürfte von den Anlagen her weit entfernt sein von der Meistermannschaft aus 2018. 

Mets entlassen Van Wagenen 
Bei den New York Mets hat die Ära des neuen Teambesitzers Steve Cohen offiziell begonnen. Cohens erste Amtshandlungen waren die erwarteten: Sandy Alderson wurde zum Teampräsidenten ernannt, General Manager Brodie Van Wagenen wurde entlassen. Außer Van Wagenen erhielten auch die Assistenten Omar Minaya, Allard Baird und Adam Guttridge sowie der Direktor für Spielerentwicklung Jared Banner ihre Papiere. Das zeigt, dass Cohen es ernst meint mit dem angekündigten strukturellen Umbau, der ein stärker analysezentriertes Regime hervorbringen soll. Alderson erhält weitgehend freie Hand bei der Zusammenstellung des neuen Front Offices. Field Manager Luis Rojas wird seinen Posten, auf den ihn Van Wagenen  vor einem Jahr befördert hatte, voraussichtlich behalten.
Bei seiner Einführungs-Pressekonferenz kündigte der neue Owner an, die Mets als Big-Market-Team führen zu wollen und enttäuscht zu sein, wenn nicht innerhalb von drei bis fünf Jahren eine Meisterschaft herausspringt. Das sind interessante Vorzeichen für die beginnende Free Agency.

Ein paar frühe Signings
Die erste Neuverpflichtung haben die Mets bereits getätigt: SP Marcus Stroman kehrt zurück nach Queens, indem er das Qualifying Offer von 18,9 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag annimmt. Auf die gleiche Art und zu den gleichen Konditionen bleibt den San Francisco Giants SP Kevin Gausman erhalten.
Die anderen Spieler, die ein Qualifying Offer erhalten hatten – Trevor Bauer (Reds), J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) – haben das Angebot erwartungsgemäß abgelehnt. Sie streben höherwertige und/oder längere Verträge an und werden sie auch bekommen.
Die beiden ersten „echten“ Free Agents, die vom Markt sind, haben beide bei ihren bisherigen Teams verlängert: SP Robbie Ray bleibt für 8 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei den Toronto Blue Jays, SP Josh Tomlin bekommt von den Atlanta Braves 1,25 Millionen für einen Einjahresvertrag plus Option auf ein zusätzliches Jahr.

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Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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September 1st, 2020 by Silversurger

Gestern ist die Frist für Spielerwechsel in der laufenden MLB-Saison abgelaufen. Angesichts der Kürze und der Unsicherheiten dieser Saison hielten sich viele Teams im Vergleich mit „normalen“ Jahren eher zurück mit größeren Investitionen. Eine deutliche Ausnahme davon stellen die San Diego Padres dar. Mit 10 Zu- und 14 Abgängen waren sie extrem aktiv und adressierten sämtliche Schwächen ihres bisherigen Kaders. Der prominenteste Neuzugang ist Starting Pitcher Mike Clevinger, der gemeinsam mit Outfielder Greg Allen und einem noch nicht benannten Spieler von den Cleveland Indians kommt. Zudem bekommen die Padres Catcher Jason Castro von den Angels, DH Mitch Moreland von den Red Sox, Reliever Trevor Rosenthal von den Royals sowie von den Mariners Catcher Austin Nola und die Reliever Taylor Williams, Dan Altavilla und Austin Adams. Abgegeben haben sie dafür einige Ersatzspieler und Prospects – allerdings ohne die Spitze ihres Farmsystems anzutasten. Die Padres sind damit der klare Gewinner der diesjährigen Trade-Deadline. Neben der produktivsten Offense der Liga stellen sie nun mit Clevinger, Chris Paddack und Dilson Lamet ein Top-Trio in der Rotation, das sich hinter niemandem verstecken muss und Unterstützung mit viel frischem Wind aus dem Bullpen bekommt.

Ebenfalls recht aktiv waren die Toronto Blue Jays. In der begründeten Hoffnung, einen Run auf die Playoffs zu starten, haben sie ihr Starting Pitching mit Ross Stripling (Dodgers), Robbie Ray (Diamondbacks) und Taijuan Walker (Mariners) aufgerüstet. Hinzu kommt mit Jonathan Villar (Marlins) eine Ergänzung für das Infield.

Auch die Cincinnati Reds und die New York Mets scheinen dieses Jahr noch etwas vorzuhaben, wenngleich sie zurzeit ein paar Spiele von den Playoffplätzen entfernt sind. Beide haben sich punktuell verstärkt: die Reds mit Outfielder Brian Goodwin (Angels) und Reliever Archie Bradley (Diamondbacks), die Mets mit Catcher Robinson Chirinos und Infielder Todd Frazier (beide von den Rangers) sowie mit Reliever Miguel Castro (Orioles). Castro kann sich beim Kofferpacken Zeit lassen, denn die Mets spielen heute und morgen in Baltimore, sodass er erstmal nur die Uniform und von einem Dugout in den anderen wechseln muss. 

Nicht ganz schlau werde ich (wie schon in der gesamten bisherigen Saison) aus der Rolle, die die Miami Marlins spielen. Das Team belegt reichlich überraschend mit einer ausgeglichenen Bilanz Platz 2 der NL East. Soll man in so einer Situation zur Trade-Deadline als Seller oder Buyer auftreten? Die Marlins haben sich für beides entschieden: Villar für Outfield-Prospect Griffin Conine zu den Blue Jays zu schicken, ist ein typischer Seller-Move; andererseits holen sie Outfielder Starling Marte von den Diamondbacks im Austausch gegen einen erkrankten Pitcher (Caleb Smith) und zwei Prospects. Das spricht dann doch eher dafür, dass sie bei dem Versuch, zum ersten Mal seit 2003 die Playoffs zu erreichen, Ernst machen wollen. Eine weitere Verstärkung erwarten die Marlins davon, dass 2B Isan Diaz entschieden hat, von seinem ursprünglichen Corona-Opt-Out zurückzutreten. Das ist wohl auch der Grund, aus dem Villar verzichtbar geworden ist.

Den seltsamsten Move haben meiner Ansicht nach die Milwaukee Brewers getätigt: Ihre einzige Aktion zur Trade-Deadline bestand darin, Reliever David Phelps für drei Minor-League-Pitcher zu den Philadelphia Phillies zu schicken. Damit schwächen sie nicht nur ihr eigenes Team, das nur einen Sieg vom Wild-Card-Platz entfernt steht, sondern sie schicken ausgerechnet dem Team eine Verstärkung, das eben jenen Wild-Card-Platz zurzeit belegt und damit die direkte Konkurrenz darstellt.

Zu den Verlierern der Deadline würde ich neben den Brewers auch die Astros, die Yankees, die Rays und die White Sox zählen – lauter Teams mit Playoff-Ambitionen und Verletzungsproblemen vor allem im Pitching, die die Frist untätig verstreichen ließen. 

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August 13th, 2020 by Silversurger

Covid-19 und kein Ende in Sicht: Nachdem am letzten Wochenende neue Fälle bei den St. Louis Cardinals auftraten, mussten bis einschließlich heute alle Spiele der Cardinals abgesagt werden. Zudem sahen sich die Cleveland Indians zu internen Sperren gezwungen, weil ihre Pitcher Zach Plesac und Mike Clevinger sich am Samstag ins Nachtleben von Chicago gestürzt und damit die Pandemieregeln der Liga verletzt hatten. Aus Sorge, dass Corona-Ausbrüche nach der regulären Saison auch die Playoffs durcheinander wirbeln könnten, wird inzwischen immer lauter darüber nachgedacht, die Postseason in einer Bubble auszutragen. Das würde bedeuten, dass man zwei bis drei Stadien auswählt, in denen sämtliche Playoffspiele stattfinden, während die Teams in nahe gelegenen Hotels so weit wie möglich von der Außenwelt isoliert werden. Die Entscheidung, ob man einen solchen Weg gehen möchte, wird aber erst für September erwartet.

National League
In der Tabelle der NL East stehen nach wie vor die Miami Marlins (8-4) an der Spitze, wenngleich ihr Höhenflug nach dem verblüffenden 7-1-Start erst mal gestoppt scheint. Am Wochenende müssen die Marlins dreimal gegen die Atlanta Braves (11-9) ran, den eigentlichen Favoriten der Division, der selbst gerade drei Niederlagen hinter sich hat und auf Wiedergutmachung aus sein wird. Die anderen Teams der ursprünglich als besonders stark eingeschätzten Division bleiben bisher allesamt hinter den Erwartungen zurück: Bei den Washington Nationals (6-8) funktioniert die Offensivabteilung nur sporadisch, während die New York Mets (8-11) Probleme haben, regelmäßig verlässliche Starting Pitcher aufzustellen. Noah Syndergaard fällt nach seiner Tommy-John-Surgery vom März das ganze Jahr aus; Marcus Stroman wird dieses Jahr ebenfalls nicht pitchen, nachdem er sich in der Gemengelage um seine Wadenverletzung und die Corona-Pandemie für den Opt-Out entschieden hat; Steven Matz befindet sich zudem in einer tiefen Formkrise. Die Philadelphia Phillies (5-8) haben gerade zweimal gegen die Orioles verloren und brauchen im „Duell der Enttäuschten“ mit den Mets am Wochenende einen Erfolg, wenn sie die Playoff-Hoffnungen nicht früh begraben wollen.

In der NL Central geben nach wie vor die Chicago Cubs (12-3) unangefochten den Ton an. Ihre Bilanz nach dem ersten Viertel der Saison ist die beste der gesamten MLB, während die Cincinnati Reds (8-10) und die Milwaukee Brewers (7-9) den Erwartungen bisher nicht gerecht werden. In den kommenden Tagen treffen die Brewers viermal auf die Cubs, sodass das Wochenende entweder eine frühe Vorentscheidung oder neue Spannung bringen kann. Die St. Louis Cardinals (2-3) sind bisher noch kaum zu beurteilen – man kann ihnen nur wünschen, dass sie ihren Corona-Ausbruch endlich im Griff haben und noch eine halbwegs reguläre Restsaison spielen können. Dass sie es dabei noch auf 60 Spiele bringen, erscheint inzwischen unwahrscheinlich.

Hochspannung in der NL West hätte man angesichts der klaren Favoritenstellung der Los Angeles Dodgers (12-7) eher nicht erwartet, aber die Colorado Rockies (12-6) und die San Diego Padres (11-8) sorgen mit starken Leistungen bislang für ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im direkten Duell mit den Padres mussten die Dodgers in den letzten drei Tagen zwei Niederlagen hinnehmen. In der kommenden Nacht bekommen die Padres die Gelegenheit, durch einen weiteren Sieg mit den Dodgers gleichzuziehen (siehe „Einschalttipp“).

American League
In der AL East werden die New York Yankees (12-6) ihrer Favoritenrolle schon seit Beginn gerecht. Die Tampa Bay Rays (11-8), die vor der Saison als einziger ernsthafter Konkurrent der Yankees galten, hatten hingegen einen eher holprigen Start. Den scheinen sie nun aber hinter sich gelassen zu haben. Die letzten sieben Tage bestanden für sie aus einer 3-1 gewonnenen Serie gegen die Yankees sowie aus drei Siegen gegen die Boston Red Sox (6-12), die sie heute als Vier-Spiele-Sweep abzuschließen hoffen. Überraschenderweise finden sich auch die Baltimore Orioles (9-7) mit einer positiven Bilanz wieder. Vier Siege in Folge, je zwei gegen die Nationals und die Phillies, machen es möglich. Wäre nicht der Regen dazwischen gekommen, wären es möglicherweise fünf geworden: Die dritte Partie gegen die Nationals wurde beim Stand von 5:2 für die Orioles im sechsten Inning abgebrochen. Sie wird morgen in Baltimore zu Ende gespielt, direkt vor Beginn der nächsten Serie gegen Washington.  

Die Minnesota Twins (12-7) führen die AL Central an. Dass sie eine überragende Offense auf den Platz bringen, war vor der Saison klar. Etwas überraschend ist hingegen, wie sehr sie auch im Pitching überzeugen. 65 zugelassene Runs sind die zweitwenigsten der gesamten AL. Im Gegensatz zu den auf beiden Seiten des Balls starken Twins sind die Cleveland Indians (10-9) ein ziemlich extremer Fall: Absolut herausragendes Pitching paart sich bei ihnen mit häufiger Abwesenheit von offensiver Unterstützung. Immerhin bringen sie es auf diese Weise mit nur 62 erzielten Runs und trotz der beiden deutlichen Niederlagen gegen die Cubs noch auf ein Run Differential von +11. Die drei restlichen Teams der Division hingegen weisen trotz jeweils über 20 mehr erzielten Runs allesamt negative Run Differentials auf.

Gefühlt wird deutlich mehr über die Yankees und die Twins gesprochen als über die Oakland Athletics (13-6). Tatsächlich sind aber die A’s das Team mit sowohl der besten Bilanz der AL als auch mit dem deutlichsten Vorsprung innerhalb ihrer Division, der AL West. Alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf, auch die Houston Astros (8-10). Im direkten Aufeinandertreffen der Athletics und der Astros gab es am letzten Wochenende einen Sweep der A’s und im letzten der drei Spiele unschöne Szenen. Oaklands Outfielder Ramon Laureano wurde von den Pitchern der Astros während der Serie mehrmals abgeworfen. Nach dem dritten solchen Vorfall begann Laureano eine hitzige Diskussion, zuerst mit dem Übeltäter Humberto Castellanos, dann mit Houstons Hitting-Coach Alex Cintron. Schließlich warf Cintron seinen Helm auf den Boden und ging auf Laureano los, woraufhin eine größere Rangelei zwischen beiden Teams ausbrach. Mutmaßlicher Hintergrund der Ereignisse ist der Sign-Stealing-Skandal um die Meistersaison 2017 der Astros. Diesen hatte Mike Fiers ans Licht gebracht, der damals bei den Astros gespielt hatte und heute für die Athletics aktiv ist. Die Liga hat dieses Jahr eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Brawls, weswegen die Strafen relativ hart ausfielen: Laureano wurde für sechs Spiele gesperrt, Cintron für 20. Cintrons Sperre läuft bereits, während Laureano Einspruch gegen das Strafmaß eingelegt hat und bis zur Entscheidung noch spielen darf.   

Szene der Woche
Wenn ihr Baseball seit weniger als fünf Jahren verfolgt, habt ihr vermutlich noch nie einen 4-Base-Error gesehen – also einen einzelnen Fehler im Feldspiel, der dem Gegner vier Bases „schenkt“. Zum ersten Mal seit April 2015 gab es am Sonntag ein solches Missgeschick. Der Pechvogel, dem es unterlief, ist Rookie-Outfielder Jo Adell von den Los Angeles Angels. Er bekam einen Flyball von Nick Solak (Texas Rangers) scheinbar sicher in den Handschuh, doch der Ball hüpfte heraus und über den Zaun. Der Scorer wertete die Aktion zunächst als Homerun, korrigierte sich aber später und trug sie als Error ein – zum Ärger von beiden beteiligten Spielern.

Statistik der Woche 
.472. Das ist der aktuelle Batting Average von Charlie Blackmon. Er liegt damit zurzeit an der Spitze der Liga, gefolgt von Donovan Solano (Giants) mit .458 und DJ LeMahieu (Yankees) mit .431. Nachdem schon mehr als ein Viertel der Saison absolviert ist, darf man sich fragen, ob dies das Jahr ist, in dem es zum ersten Mal seit Ted Williams 1941 (.406) wieder einem Batter gelingt, über eine gesamte Saison hinweg über .400 zu schlagen.

Spiel der Woche
Das Besondere an meinem Spiel der Woche ist, dass es das erste Major-League-Spiel in Buffalo seit 1915 war. Die Toronto Blue Jays haben in dem Ballpark im Norden des Bundesstaats New York Quartier bezogen, weil die kanadischen Behörden keine Genehmigung für MLB-Spiele und den damit verbundenen Reiseverkehr in Toronto erteilt haben. Dass der Heimauftakt der „Buffalo Blue Jays“ gegen die Miami Marlins vom Dienstag obendrein ein unterhaltsames Spiel mit mehreren Führungswechseln und einer Verlängerung war, machte mir die Wahl umso leichter:

Mein Einschalttipp
Diese Woche habe ich einen Tipp für die Frühaufsteher unter euch: Morgen um 3:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt Spiel vier der Serie zwischen den Los Angeles Dodgers und den San Diego Padres. Die Dodgers taten sich bislang schwer mit den Padres, vor allem in den beiden ersten Partien (1:2 und 2:6) wollte die sonst so gefürchtete Offense nicht recht in Schwung kommen. Nach einem 6:0-Erfolg im dritten Spiel peilen die Dodgers nun an, zumindest mit einem Split aus der Reihe zu gehen. Leicht wird es sicher nicht gegen Chris Paddack (3.18 ERA, 3.87 FIP), das Ass der Padres. Für die Dodgers wird Julio Urias (2.40 ERA, 2.90 FIP) auf dem Mound stehen. Mit Urias ist man bisher nur teilweise zufrieden: Auf der einen Seite hat er in seinen bisherigen Starts kaum gegnerische Punkte zugelassen, auf der anderen Seite hat er viele Pitches gebraucht und damit in seinen drei Spielen nur 15 Innings abgedeckt.

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Januar 22nd, 2019 by Silversurger

Die wichtigste Aufgabe eines Schlagmanns im Baseball besteht nicht darin, Homeruns oder überhaupt Hits zu erzielen. Sie besteht darin, auf Base zu kommen, im Endeffekt egal wie. Ein Lineup, dessen Spielern das regelmäßig gelingt, wird zwangsläufig Erfolg haben. Bei der Würdigung der Leistungen eines Babe Ruth wird oft übersehen, dass er nicht nur mit seinen zahlreichen Schlägen über den Zaun das Spiel revolutioniert hat, sondern auch sehr viele Walks herausgeholt hat. So brachte er es alles in allem auf eine On-Base Percentage (OBP) von .474. Das heißt, wenn er in die Batter’s Box trat, dann er kam in 47,4% der Fälle auf Base. Nur ein einziger Spieler der MLB-Geschichte war in dieser Fähigkeit langfristig erfolgreicher als Ruth: Ted Williams, Rekordhalter mit einer Karriere-OBP von .482.

Theodore Samuel Williams wurde 1939 von den Boston Red Sox bei dem damaligen Minor-League-Team San Diego Padres entdeckt. Im gleichen Jahr gab er im Alter von 20 Jahren sein MLB-Debüt. Williams produzierte von Anfang an beeindruckende Schlagwerte und zwei Jahre nach seinem Debüt, 1941, gelang ihm eine der besten Saisons, die je ein Hitter hatte: Er kam in dem Jahr auf eine OBP von .553, einen Batting Average von .406, 37 Homeruns und 120 RBI – und wurde bei der MVP-Wahl dieses Jahres nur Zweiter hinter Joe DiMaggio. DiMaggio lag zwar in fast allen statistischen Kategorien hinter Williams, genoss in dem Jahr aber die größere Aufmerksamkeit, zum einen wegen seiner epischen Serie von 56 Spielen hintereinander mit mindestens einem Hit und zum anderen, weil er beim erfolgreicheren Team, den Yankees, spielte.

Ted Williams 1939 (1)

Die große Stärke von “Teddy Ballgame” war seine herausragende Hand-Auge-Koordination, die mit einer übernormalen Sehkraft zusammenhing. Williams konnte laut medizinischen Untersuchungen aus sechs Metern Entfernung so gut sehen wie durchschnittliche Menschen aus drei Metern. Dieses Talent war nicht nur im Baseball nützlich, sondern auch im Militär. Von 1943 bis 1945 diente Williams als Marine-Pilot im Zweiten Weltkrieg und dann noch einmal von 1952 bis 1953 im Korea-Krieg. Eine Karrierepause zum Ableisten von Kriegsdiensten mussten viele Spieler in Williams’ Generation einlegen. Nur wenige traf es allerdings so oft und so lange wie ihn.

Seinen sportlichen Fähigkeiten taten die Pausen keinen Abbruch. 1946, nachdem er erst im Januar aus dem Krieg zurückgekehrt war, holte Williams sich den ersten von zwei MVP-Titeln und erreichte zum einzigen Mal in seiner Karriere mit den Red Sox die World Series. In dieser war Williams allerdings nicht in Bestform: Ihm gelangen in 25 At-Bats lediglich fünf Singles und die Serie ging in sieben Spielen an die St. Louis Cardinals.

Nach seiner Laufbahn als Spieler für die Red Sox war Williams von 1969 bis 1972 als Manager bei den Washington Senators tätig, allerdings mit eher geringem Erfolg. 1966 wurde er zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Hall of Fame gewählt. Er starb 2002 mit 83 Jahren an Herzversagen.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Apex Photo Company (PD-US)

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