Januar 22nd, 2019 by Silversurger

Die wichtigste Aufgabe eines Schlagmanns im Baseball besteht nicht darin, Homeruns oder überhaupt Hits zu erzielen. Sie besteht darin, auf Base zu kommen, im Endeffekt egal wie. Ein Lineup, dessen Spielern das regelmäßig gelingt, wird zwangsläufig Erfolg haben. Bei der Würdigung der Leistungen eines Babe Ruth wird oft übersehen, dass er nicht nur mit seinen zahlreichen Schlägen über den Zaun das Spiel revolutioniert hat, sondern auch sehr viele Walks herausgeholt hat. So brachte er es alles in allem auf eine On-Base Percentage (OBP) von .474. Das heißt, wenn er in die Batter’s Box trat, dann er kam in 47,4% der Fälle auf Base. Nur ein einziger Spieler der MLB-Geschichte war in dieser Fähigkeit langfristig erfolgreicher als Ruth: Ted Williams, Rekordhalter mit einer Karriere-OBP von .482.

Theodore Samuel Williams wurde 1939 von den Boston Red Sox bei dem damaligen Minor-League-Team San Diego Padres entdeckt. Im gleichen Jahr gab er im Alter von 20 Jahren sein MLB-Debüt. Williams produzierte von Anfang an beeindruckende Schlagwerte und zwei Jahre nach seinem Debüt, 1941, gelang ihm eine der besten Saisons, die je ein Hitter hatte: Er kam in dem Jahr auf eine OBP von .553, einen Batting Average von .406, 37 Homeruns und 120 RBI – und wurde bei der MVP-Wahl dieses Jahres nur Zweiter hinter Joe DiMaggio. DiMaggio lag zwar in fast allen statistischen Kategorien hinter Williams, genoss in dem Jahr aber die größere Aufmerksamkeit, zum einen wegen seiner epischen Serie von 56 Spielen hintereinander mit mindestens einem Hit und zum anderen, weil er beim erfolgreicheren Team, den Yankees, spielte.

Ted Williams 1939 (1)

Die große Stärke von “Teddy Ballgame” war seine herausragende Hand-Auge-Koordination, die mit einer übernormalen Sehkraft zusammenhing. Williams konnte laut medizinischen Untersuchungen aus sechs Metern Entfernung so gut sehen wie durchschnittliche Menschen aus drei Metern. Dieses Talent war nicht nur im Baseball nützlich, sondern auch im Militär. Von 1943 bis 1945 diente Williams als Marine-Pilot im Zweiten Weltkrieg und dann noch einmal von 1952 bis 1953 im Korea-Krieg. Eine Karrierepause zum Ableisten von Kriegsdiensten mussten viele Spieler in Williams’ Generation einlegen. Nur wenige traf es allerdings so oft und so lange wie ihn.

Seinen sportlichen Fähigkeiten taten die Pausen keinen Abbruch. 1946, nachdem er erst im Januar aus dem Krieg zurückgekehrt war, holte Williams sich den ersten von zwei MVP-Titeln und erreichte zum einzigen Mal in seiner Karriere mit den Red Sox die World Series. In dieser war Williams allerdings nicht in Bestform: Ihm gelangen in 25 At-Bats lediglich fünf Singles und die Serie ging in sieben Spielen an die St. Louis Cardinals.

Nach seiner Laufbahn als Spieler für die Red Sox war Williams von 1969 bis 1972 als Manager bei den Washington Senators tätig, allerdings mit eher geringem Erfolg. 1966 wurde er zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Hall of Fame gewählt. Er starb 2002 mit 83 Jahren an Herzversagen.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Apex Photo Company (PD-US)

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