Dezember 5th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency in der MLB nimmt Fahrt auf: Mit Zack Wheeler und Mike Moustakas durften diese Woche zwei der dickeren Fische der diesjährigen FA-Klasse hochdotierte Verträge in Philadelphia beziehungsweise Cincinnati unterschreiben. Um die „Hauptpreise“ Stephen Strasburg und Gerrit Cole war es eine Zeit lang relativ ruhig, doch nun haben sich beide mit den Verantwortlichen der New York Yankees getroffen. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass es mit einem von ihnen innerhalb der nächsten Tage einen Vertragsabschluss gibt.

Hier im Baseblog läuft übrigens noch fünf Tage lang die Abstimmung über den MRI-Award. Momentan hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert, aber noch ist nichts entschieden.

Wheeler zu den Phillies
Hinter Zack Wheeler war eine ganze Reihe von Teams her, da er nach den teuren Stars Cole und Strasburg als die beste bezahlbare Alternative zur Verstärkung einer Starting-Rotation galt. „Bezahlbar“ ist ein relativer Begriff, denn seine Dienste lassen sich die Philadelphia Phillies immerhin stolze 118 Millionen Dollar für fünf Jahre kosten. Sie erhalten dafür einen 29-jährigen Starting Pitcher, der eine Menge messbarer Fähigkeiten mitbringt, bisher aber nie ganz den Sprung vom Talent zum Ass geschafft hat. Gebremst wurde seine Entwicklung durch Verletzungen, die ihn 2015 bis 2017 zweieinhalb MLB-Saisons kostete. Doch nach zwei soliden und weitgehend verletzungsfreien Spielzeiten 2018 und 2019 liegen die Sorgen um Wheelers körperliche Robustheit weitgehend hinter ihm. Da Wheeler ein Qualifying Offer der Mets abgelehnt hatte, kostet seine Aufnahme die Phillies ihren Zweitrundenpick in der kommenden Draft sowie 500.000 Dollar des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

Reds holen Moustakas
Mike Moustakas brauchte drei Anläufe, bis es für ihn mit dem ersehnten Langzeitvertrag klappte: Sowohl 2017 als auch 2018 galt der Infielder als einer der besseren Free Agents, doch beide Male musste er sich schließlich mit kurzzeitigen Engagements bei den Royals beziehungsweise den Brewers zufrieden geben. Bei den Cincinnati Reds gibt es nun den großen Zahltag in Form eines Vierjahresvertrages über 64 Millionen Dollar. Geholfen hat dem gelernten Third Baseman dabei, dass er bei den Brewers letztes Jahr unter Beweis stellen konnte, auch an der zweiten Base eine gute Figur abzugeben. Der 3B-Posten ist in Cincinnati nämlich fest an Eugenio Suarez vergeben, aber als Doubleplay-Partner von Freddy Galvis hat sich ein Platz für Moustakas in dem aufstrebenden Team gefunden.

Vier Minor Leaguer für Dylan Bundy
Die Los Angeles Angels suchen mehrere Upgrades für ihre Starting-Rotation. Das erste haben sie nun nicht unter den Free Agents gefunden, sondern auf dem Trade-Markt. Rechtshänder Dylan Bundy kommt von den Baltimore Orioles im Austausch gegen vier Minor-League-Pitcher. Unter diesen ist Isaac Mattson der aussichtsreichste Kandidat auf eine zukünftige MLB-Karriere; außer ihm wechseln Kyle Bradish, Kyle Brnovich und Zach Peek nach Baltimore.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Die Atlanta Braves ergänzen ihre Rotation für ein Jahr mit Linkshänder Cole Hamels. Der 36-Jährige erhält 18 Millionen Dollar.
In einem kleinen Trade mit den Boston Red Sox haben die Cleveland Indians Sandy Leon als neuen Ersatz-Catcher an Land gezogen. Leon erhält einen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar. Für ihn geben die Indians Minor-League-Pitcher Adenys Bautista an Boston ab.
Die Miami Marlins griffen dankbar zu, als zwei erprobte MLB-Spieler von ihren bisherigen Teams entlassen wurden: 1B Jesus Aguilar wurde über den Waiver von den Tampa Bay Rays geholt, IF Jonathan Villar kommt im Austausch gegen den linkshändigen Nachwuchspitcher Easton Lucas von den Baltimore Orioles nach Miami.
Die Oakland Athletics haben sich mit Lefty-Reliever Jake Diekman auf eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre für insgesamt 7,5 Millionen Dollar geeinigt.

Treinen, Pillar und andere sind nun Free Agents
Während einige Spieler bereits ihr neues Team gefunden haben, haben andere erst vor wenigen Tagen erfahren, dass sie eines brauchen. In 56 Fällen haben die MLB-Teams entschieden, Spielern, die sie über das Arbitration-Verfahren weiterhin an sich hätten binden können, kein Angebot zu unterbreiten. Diese sogenannten Non-Tender sind nun Free Agents und damit auf Job-Suche. Bei den meisten Non-Tenders handelt es sich um wenig bekannte Ergänzungsspieler, aber es sind auch ein paar namhafte Überraschungen dabei. Insbesondere RP Blake Treinen (Athletics), OF Kevin Pillar (Giants), SP Aaron Sanchez (Astros), SP Kevin Gausman (Reds) und SS Addison Russell (Cubs) dürften einige Interessenten auf den Plan rufen.

Wechseln die Mets den Besitzer?
In Fankreisen der New York Mets schlug die Nachricht gestern ein wie eine Konfettibombe: Der Milliardär Steve Cohen steht wohl kurz davor, eine Mehrheit der Eigentumsanteile an dem Klub zu übernehmen. Dies würde das Ende der Ära Wilpon einläuten. Fred Wilpon hatte seit 1980 als Teilhaber und seit 2002 allein das Ruder bei den Mets in der Hand, inzwischen unterstützt von seinem Sohn Jeff. Die Wilpons, die 2008 in den gigantischen Finanzskandal um Bernie Madoff verwickelt waren, sind bei den Anhängern der Mets extrem unbeliebt, weil sie zum einen als sehr knausrig hinsichtlich notwendiger Investitionen gelten und zum anderen als Kontrollfreaks, die sich unverhältnismäßig ins sportliche Tagesgeschäft einmischen. Ob Cohen der erhoffte Heilsbringer ist, wird man abwarten müssen, aber die bisherigen Quellenberichte sprechen dafür, dass er wohl eine deutlich ausgabefreudigere Politik anstrebt als seine Vorgänger. Leisten kann er es sich jedenfalls – sein Vermögen wird auf 13,6 Milliarden Dollar geschätzt, er wäre damit der reichste Owner eines MLB-Teams. Die Mets sollen ihn angeblich rund 2,6 Milliarden kosten – kein schlechter Schnitt für die Wilpons, die ihre Anteile zwischen 1980 und 2002 schrittweise für 470 Millionen erworben haben.

Angels bleiben in Anaheim
Die Los Angeles Angels werden auch in den nächsten 30 Jahren nicht in Los Angeles, sondern in Anaheim zu Hause sein: Mit der Stadt wurde eine Einigung erzielt, die den Verbleib des Teams bis 2050 sichert und für den Betrag von 325 Millionen Dollar das Stadion in das Eigentum des Klubs übergehen lässt. Als ihr eigener Hausherr werden die Angels nun das Thema Modernisierung vorantreiben. Ob es auf eine Renovierung des vorhandenen Ballparks oder auf einen Abriss und Neubau hinausläuft, ist noch zu entscheiden.

Carrasco und Donaldson sind die Comeback Players 2019
Die MLB hat bekannt gegeben, dass Carlos Carrasco und Josh Donaldson die Comeback Players of the Year 2019 sind. Dass Carrasco diese Auszeichnung erhalten würde, stand zu keiner Zeit in Frage. Der 32-jährige Pitcher gab am 6. Juli bekannt, dass er unter Leukämie erkrankt war und auf unbestimmte Zeit ausfallen würde. Knapp zwei Monate später stand er unter großem Jubel wieder auf dem Mound und absolvierte noch elf Saisonspiele. Josh Donaldson hatte 2018 nur in 55 Spielen dabei sein können und galt vor der Saison wegen seiner Verletzungsgeschichte und dem relativ hohen Alter von 33 Jahren als Risikoverpflichtung. Mit 155 Auftritten und 37 Homeruns in der Saison 2019 ließ er alle Zweifler verstummen.

London-Tickets ab heute erhältlich
Die MLB kehrt zurück nach Europa: Nach der diesjährigen Premiere mit zwei Spielen zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox steht 2020 ein weiteres Traditionsduell auf dem Programm. Am 13. und 14. Juni treffen die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals im London Stadium aufeinander. Tickets dafür sind seit heute über die offizielle Seite erhältlich.

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Juni 27th, 2019 by Silversurger

Halbzeit! Die meisten Teams der MLB haben ungefähr die Hälfte ihrer 162 Saisonspiele absolviert. Eine Pause haben sie sich jedoch noch nicht verdient, denn die gibt es in Form des All-Star-Breaks erst in knapp zwei Wochen. Für ein paar Spieler ist die Saison derweil schon gelaufen, unter anderem für zwei bislang herausragende Pitcher: Jordan Hicks, Closer der St. Louis Cardinals und seines Zeichens aktuell schnellster Werfer der Liga, muss seinem überbeanspruchten Ellenbogen Tribut zollen und sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen. Damit wird er leider bis weit ins nächste Jahr hinein ausfallen. Weniger Leid tut es mir um Frankie Montas. Der Starter der Oakland Athletics hatte sich in den ersten Monaten der Saison mit starken Auftritten in den Vordergrund gespielt, doch dann kam heraus, dass er zu leistungssteigernden Substanzen gegriffen hat. Die Konsequenz ist die übliche Sperre für 80 Ligaspiele plus etwaige Playoffs. Recht so.

National League
Die Atlanta Braves (48-33) setzen ihren seit einigen Wochen währenden Siegeszug durch die National League East fort und haben inzwischen fünfeinhalb Spiele Vorsprung auf die Philadelphia Phillies (42-38). Für die Phillies könnte es durchaus noch schlimmer aussehen, hätten sie nicht das Glück gehabt, nach sieben Niederlagen in Folge auf die New York Mets (37-44) zu treffen. Die Mets sind gerade wieder mal an dem Punkt in der Saison angekommen, an dem sie sich komplett selbst auseinander nehmen (siehe „Szene der Woche“). Dankbare Nutznießer der Schwächen der Mets und der Phillies sind die Washington Nationals (39-40). Gewinnen sie heute Nacht auch das dritte Spiel gegen die Miami Marlins (30-48), so stehen sie erstmals seit April wieder bei einer ausgeglichenen Bilanz. Das weitere Restprogramm der Nationals bis zur Pause (dreimal Detroit, dreimal Miami, dreimal Kansas City) liest sich ebenfalls sehr vorteilhaft.

Spannung um die Tabellenspitze herrscht momentan nur in einer einzigen Division der MLB und das ist die NL Central. Es ist allerdings eher ein Schneckenrennen, das sich die Chicago Cubs (43-37) und die Milwaukee Brewers (42-38) zurzeit liefern. Beide haben seit über zwei Wochen keine Serie mehr gewonnen. Dadurch sind die St. Louis Cardinals (40-39) zunächst wieder näher gekommen, doch auch die haben sich zuletzt von den Athletics und den Angels dreimal am Stück schlagen lassen. Will denn keiner die Central gewinnen? Vielleicht wollen es ja die Pittsburgh Pirates (37-41), die als einziges Team der Division in sieben der letzten zehn Partien gesiegt haben. Ihr Programm bis zur Pause besteht aus dem Serienfinale gegen Houston und dann sechsmal Brewers und dreimal Cubs. Falls die Pirates in der Mehrzahl dieser Spiele bestehen, sind sie zurecht wieder im Rennen.

Die Los Angeles Dodgers (55-27) sind ebenfalls im Rennen und zwar in diverser Hinsicht: um die NL West, um 100 Siege, um die beste Bilanz der MLB, um das beste Run Differential – in jedem dieser Rennen liegen sie zurzeit klar vorne. Zwischen den Colorado Rockies (42-38), den San Diego Padres (40-40) und den Arizona Diamondbacks (41-41) geht es nach wie vor eng zu. In der Bewerbung um die Wild-Card-Plätze sind zurzeit die Rockies gleichauf mit den Phillies und den Brewers. Würde es am Ende der Saison genauso stehen, würde es vor Beginn der Playoffs zunächst zwei Entscheidungsspiele und dann das eigentliche Wild-Card-Spiel geben. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wie alle Teams schauen die Rockies, die Diamondbacks und die Padres erstmal auf den Endspurt zum All-Star-Break, in dem übriges jedes von ihnen es noch mehrmals mit den Dodgers zu tun bekommt.

American League
In der American League East hat sich zwischen den ersten drei Teams einiges getan. Die Reihenfolge ist zwar noch die gleiche wie in der letzten Woche, doch die New York Yankees (52-28) haben sich mit einem Lauf von 11 Siegen aus den letzten 12 Spielen inzwischen spürbar abgesetzt. Die Tampa Bay Rays (45-35) hingegen sind seit zwei Wochen völlig von der Rolle, haben in diesem Zeitraum 11 von 14 Spielen verloren. Den Boston Red Sox (44-38) hat das die Chance eröffnet, sich ganz nah heranzuspielen. Zwei Siege in den formellen Heimspielen gegen die Yankees in London (siehe „Einschalttipp“) wären für die Red Sox im Wild-Card-Rennen Gold wert.

Die Minnesota Twins (52-27) sind weiterhin auf Kurs, nicht nur die AL Central zu gewinnen, sondern auch einen neuen Homerun-Rekord aufzustellen: 149 Bälle haben sie schon über den Zaun geschlagen und mit 79 Spielen noch nicht mal ganz die Hälfte der Saison absolviert. Die Bestmarke liegt übrigens bei 267, aufgestellt von den Yankees in der Saison 2018. Die Cleveland Indians (44-36) haben offensichtlich zu alter Stärke zurück gefunden: Vor drei Wochen standen sie noch bei 31-31, inzwischen liegen sie acht Spiele über der ausgeglichenen Bilanz und sind damit einer der Favoriten für eine Wild Card. Die Verletzungssorgen der Indians sind allerdings nicht geringer geworden. Starter Mike Clevinger hielt nach zwei Monaten Verletzungspause lediglich 4.2 Innings durch und musste anschließend mit Knöchelproblemen wieder auf die Injured List. Dort stehen auch Corey Kluber, Danny Salazar, Bradley Zimmer und Dan Otero, die allesamt noch ein Stück entfernt sind vom Comeback.

Für die Houston Astros (50-31) hatte ich letzte Woche eine Mini-Krise attestiert. Die hat sich inzwischen ausgewachsen zu einer richtigen: Gegen die Yankees setzte es drei Niederlagen in vier Spielen, was zusammen mit den vorherigen Ergebnissen in Cincinnati und gegen Toronto eine Serie von sieben Niederlagen ergab. Zwei ermutigenden Auftritten folgte letzte Nacht die höchste Niederlage der Saison beim 2:14 gegen Pittsburgh. Ich erwarte nach wie vor nicht, dass die Astros Probleme haben werden, die AL West zu gewinnen, aber ihren Ruf als ein Über-Team sind sie wohl erst mal los. Im weiteren Feld der Division wird es sehr interessant zu sehen sein, wie die Texas Rangers (44-36), die Oakland Athletics (43-38) und die Los Angeles Angels (41-40) sich bis zur Trade-Deadline positionieren können. Die steht in gut einem Monat an und bis dahin müssen die Teams sich klar werden, ob sie als Buyer oder als Seller auftreten oder schlichtweg untätig bleiben.

Szene der Woche
Zum ersten Mal seit langer Zeit kann ich die Szene der Woche nicht mit einem Video illustrieren: Es war – zum Glück! – keine laufende Kamera dabei, als in der Kabine der New York Mets Manager Mickey Callaway seinen Ausraster gegenüber einem Reporter von Newsday hatte. Vorausgegangen war ein 3:5 gegen die Cubs – zum x-ten Mal in dieser Saison hatte der Bullpen der Mets versagt und eine Führung hergeschenkt. Callaway musste sich die Kritik gefallen lassen, zu lange an dem sichtlich wackligen Reliever Seth Lugo festgehalten zu haben. Seine Nerven lagen daraufhin offensichtlich blank, denn als besagter Journalist ihn nach dem Spiel mit „See you tomorrow, Mickey“ verabschiedete – offenbar in ganz normalem, unironischem Ton –, fühlte er sich davon angegriffen, beschimpfte den Journalisten („Don’t be a smartass, motherfucker!“) und wies ihn an, zu gehen. Als jener nicht sofort reagierte, wurde er auch von Pitcher Jason Vargas mit derben Blicken und Worten und fast sogar tätlich angegangen, was Carlos Gomez und Noah Syndergaard gerade noch verhinderten. Die Peinlichkeit ging am nächsten Tag weiter, indem es bei einer Pressekonferenz zwei Nachfragen brauchte, bis Callaway sich zu einer öffentlichen Entschuldigung durchrang. Das Eis für Callaway in New York ist sichtlich dünn geworden, er scheint sowohl mit dem Management des Teams als auch im Umgang mit den Medien heillos überfordert. Wären Fred und Jeff Wilpon nicht die unberechenbarsten Owner der Liga, so würde ich fest mit einem Trainerwechsel spätestens zum All-Star-Break rechnen.

Statistik der Woche 
1.163. Das ist der aktuelle OPS-Wert von Cody Bellinger. Wenn er diese Leistung bis Ende der Saison beibehält, wäre es der höchste Jahreswert eines qualifzierten Hitters seit Barry Bonds im Jahr 2004 (1.422). Der zweithöchste wäre übrigens der von Christian Yelich, der zurzeit bei 1.149 liegt. So wie es aussieht, dürften Bellinger und Yelich sich ein großartiges Rennen um den diesjährigen MVP-Titel der NL liefern. Im All-Star-Ballot immerhin ist Platz für beide, denn dort werden für jede Liga drei Outfielder gewählt.

Spiel der Woche
Zwei beeindruckende Starts und ein spannendes Ende im Duell zweier Teams, die eine überraschend starke Saison spielen, waren die Zutaten meines Spiels der Woche. Der Auftakt gehörte den Texas Rangers, für die im ersten Inning Nomar Mazara einen wahren Monster-Homerun zur frühen 2:0-Führung schlug. 505 Fuß (154 Meter) weit flog der Ball und war damit gemeinsam mit einem Homerun von Trevor Story aus dem letzten Jahr der weiteste seit Einführung der Statcast-Technologie. Einen guten Start hatte auch Zack Collins für die Chicago White Sox: Der Rookie durfte zum ersten Mal von Beginn an spielen und schlug gleich in seinem ersten At Bat den Ball zu einem 3-Run-Homerun über den Zaun. Später im Spiel glichen die Rangers den Spielstand noch zweimal aus, doch am Ende triumphierten die White Sox nach zehn Innings mit 5:4. Der zweite Held des Spiels für Chicagos junge Truppe war ein weiterer Rookie: Eloy Jimenez brachte sein Team erst durch ein Single im dritten Inning und schließlich endgültig durch einen eigenen Run während eines Bunts im zehnten Inning in Front.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp für diese Woche liegt auf der Hand: Zum ersten Mal überhaupt trägt die MLB reguläre Saisonspiele auf europäischem Boden aus. Samstag und Sonntag ist es soweit mit den Partien in London und die Paarung könnte attraktiver nicht sein: Titelverteidiger Boston Red Sox und Rekordmeister New York Yankees, die beiden größten Erzrivalen im Baseball, fügen ihrer langen gemeinsamen Geschichte ein neues Kapitel hinzu. Ich werde leider nicht vor Ort sein, bin aber sehr gespannnt auf die Spiele und werde auf jeden Fall am Samstag ab 19:10 Uhr und am Sonntag ab 16:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit reinschauen. Die Möglichkeit dazu gibt es sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv. Falls der eine oder die andere von euch in London sein sollte, würde ich mich sehr über ein paar Berichte von dort freuen.

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Oktober 25th, 2018 by Silversurger

Der Grand Slam am Donnerstag meldet sich zur ersten Reisepause der World Series und derzeit sieht es so aus, als könnte die Meisterschaft dieses Jahr recht schnell entschieden sein. Die ersten beiden Spiele gingen an die Boston Red Sox, welche damit schon die halbe Miete eingefahren haben. Die Los Angeles Dodgers müssen ihre Hoffnung darauf setzen, dass es in den anstehenden Heimspielen besser läuft als in den Auftaktpartien in Fenway Park.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“. Stattdessen werfe ich am Ende des Artikels einen Blick darauf, was sich neben der Finalserie im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen haben in den letzten Tagen entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.

Die World Series
Spiel eins war die nahtlose Fortsetzung der bisherigen Postseason der Boston Red Sox: Genau wie die Spiele der ALCS – und auch die meisten der ALDS – war es eine spannende, lange offene Partie, in der die Red Sox in den entscheidenden Momenten die besseren Entscheidungen trafen und so den Sieg sicherten. Das erwartete Pitcherduell zwischen Clayton Kershaw und Chris Sale war schnell Makulatur, denn beide hielten nur vier Innings durch. Kershaw kehrte nach einem starken Auftritt gegen die Brewers zurück in seinen alten Postseasontrott, in dem er nicht derselbe Pitcher ist, den man aus der regulären Saison kennt. 4.0 Innings, 7 Hits, 3 Walks, 5 Earned Runs lautete seine Bilanz. Chris Sale ließ in ebenso vielen Innings 5 Hits, 2 Walks, 3 Runs zu und konnte die bestehenden Zweifel an seinem Gesundheitszustand nicht ausräumen. So mussten beide Teams frühzeitig ihren Bullpen strapazieren. Die Red Sox brachten für ein Inning sogar Nathan Eovaldi, obwohl der ursprünglich als Starter in Spiel drei vorgesehen war. Eovaldi rechtfertigte die Entscheidung mit einem perfekten Outing und nährte damit die verbreitete Wahrnehmung, dass Red-Sox-Manager Alex Cora derzeit nicht in der Lage ist, irgendetwas falsch zu machen. Das gilt auch für die Wahl von Eduardo Nunez als Pinch Hitter. Der Infielder, der sonst regelmäßig gegen Linkshänder startet, begann das Spiel wider Erwarten auf der Bank, durfte dann aber im siebten Inning gegen Linkshänder Alex Wood ran. Seinen Frust über den entgangenen Start legte er wohl komplett in den Schwung, mit dem er den Ball zum 3-Run-Homerun über das grüne Monster drosch und damit eine Vorentscheidung herbeiführte.

Apropos Linkshänder: Auf Seiten der Dodgers war interessant zu beobachten, wie konsequent Manager Dave Roberts das Matchup-Spiel durchzog. Er ließ gegen Linkshänder Sale in Spiel eins und Linkshänder David Price in Spiel zwei keinen einzigen linkshändigen Batter starten, noch nicht mal den NLCS-MVP Cody Bellinger. Im Laufe der Partien reagierte er dann immer wieder auf neue Pitcher, nutzte alle Positionsspieler seines Dugouts für Auswechslungen und Verschiebungen. In jedem der beiden Spiele fanden sich am Ende nur drei Spieler noch auf der Position wieder, auf der sie begonnen hatten.

Auch Spiel zwei in der vergangenen Nacht folgte dem Muster, nach dem die Red Sox zurzeit ihre Siege einzufahren pflegen: im Duell der Starter hält man das Spiel offen, den Rest besorgen ein fantastisch aufgelegter und organisierter Bullpen sowie täglich ein anderer Held, der den entscheidenden Hit beisteuert. Dieses Mal kam diese Rolle J. D. Martinez zu, der im fünften Inning bei geladenen Bases ins Rightfield singelte und zwei Runs zur Führung über die Platte brachte – natürlich in einer Situation mit zwei Outs, denn auch das ist inzwischen fast schon eine Bostoner Tradition. Der Bullpen der Red Sox hat in den beiden Partien insgesamt acht Innings gepitcht und dabei lediglich drei Hits und nur einen einzigen Run zugelassen. Auch im zweiten Spiel wurde Eovaldi für ein exzellentes Relief-Inning eingesetzt, was seinen eigenen Start auf Spiel vier verschieben dürfte – vorausgesetzt, er wird nicht auch in Spiel drei wieder aus dem Bullpen gebraucht. Für die Red Sox war es übrigens das hundertste gewonnene Postseason-Spiel der Vereinsgeschichte.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Los Angeles (drei, sofern die Dodgers zumindest einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Fenway Park ist, dass die Partien in Dodger Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, die das aus ihrem Alltag in der National League gewohnt sind. Auch sonst gibt es Unterschiede zwischen den Ballparks: Dodger Stadium gilt als ein eher pitcherfreundliches Stadion, während Fenway Park ein angenehmes Pflaster speziell für rechtshändige Batter ist.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Walker Buehler für die Dodgers und Rick Porcello fur die Red Sox antreten. Es wird das erste Rechtshänder-Duell der Serie, sodass in den Lineups beider Teams einige Umstellungen in Reaktion darauf zu erwarten sind.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Szene der Woche
Hier muss ich noch einmal auf die NLCS zurück kommen, denn das entscheidende Spiel sieben zwischen den Dodgers und den Brewers habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Dodgers gewannen 5:1 und für mich gab es zwei Szenen in dem Spiel, die haften geblieben sind. Die erste war ein Bunt von Manny Machado im zweiten Inning, mit dem er das Infield der Brewers komplett auf dem falschen Fuß erwischte. Das war kein Wunder, denn es war eine Situation, in der niemand ernsthaft mit einem Bunt rechnet: bei einem Full Count und ohne vorhandene Baserunner. Tatsächlich war es der erste Bunt-Hit bei einem 3-2-Count in der MLB seit über vier Jahren. Für die Dodgers war die Aktion Gold wert, denn Machado scorte kurz darauf bei Cody Bellingers Homerun, durch den der frühe 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung gedreht wurde. 2:1 stand es auch noch im fünften Inning, als Chris Taylor die zweite denkwürdige Szene der Partie gelang: Nach einem Double von Lorenzo Cain schien ein Linedrive von Christian Yelich auf dem besten Weg, dem Spiel eine erneute Wende zu geben. Doch Taylors unfassbar athletische Rettungstat auf dem Warning Track machte Milwaukees Comebackhoffnung zunichte und ermöglichte seinem eigenen Team, das Spiel sicher nach Hause zu bringen.

Statistik der Woche
6 von 6. Familie Bellinger – Cody und sein Papa Clay – haben insgesamt an sechs MLB-Saisons teilgenommen und in jeder einzelnen davon mit ihrem Team die World Series erreicht. Das dürfte mal wieder eine komplett einzigartige, nicht kopierbare Leistung sein. Clay war von 1999 bis 2001 bei den New York Yankees aktiv und 2002 bei den Los Angeles Angels. Er kam zwar nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus, aber seinen Klubs brachte er offenbar Glück. Sohnemann Cody schaffte letztes Jahr den Sprung in die Major League und eifert seinem Vater nun schon im zweiten Jahr hintereinander nach.

Der Rest der Liga
Alle Welt schaut nach Boston und Los Angeles und das ist auch gut so. Ein paar interessante Entwicklungen bei den anderen MLB-Teams möchte ich aber nicht unerwähnt lassen:

Den bislang größten Coup in Sachen Neuverpflichtungen haben die Miami Marlins gelandet, indem sie die beiden kubanischen Brüder mit den originellen Namen Victor Victor Mesa und Victor Mesa Jr. verpflichteten. Der 22-jährige Outfielder Victor Victor gilt als aktuell größtes internationales Baseballtalent und soll möglichst schnell fit für die MLB gemacht werden. Sein Bruder Victor Jr. ist nicht weniger talentiert, mit seinen 17 Jahren aber vermutlich noch ein paar Jahre von Major-League-Reife entfernt. Der Move war von langer Hand vorbereitet worden, indem die Marlins in den letzten Wochen diverse kleine Trades einfädelten, bei denen sie sich mit Budgetraum für internationale Verpflichtungen bezahlen ließen. Laut dem Mitbesitzer des Klubs, Derek Jeter, ist das Engagement der Mesa-Brüder der Auftakt zu einer langfristigen Schwerpunktsetzung. Die Marlins wollen Anlaufstelle Nummer eins für Talente aus Lateinamerika werden, nicht zuletzt um die Bindung der in Miami besonders großen hispanischen Bevölkerung an den Verein zu intensivieren.

Von den Teams, die auf der Suche nach einem neuen Manager waren, sind die Cincinnati Reds die ersten, die Vollzug gemeldet haben: David Bell wird der neue sportlich Verantwortliche der Reds sein. Der 46-jährige Bell ist als MLB-Manager ein Neuling, aber ansonsten ist er ein Baseball-Urgestein. Zwölf Jahre lang hat er als Third Baseman in der höchsten Liga gespielt, vier Jahre lang Teams im Minor-League-System der Reds gemanagt, zuletzt war er Vizepräsident für Spielerentwicklung bei den San Francisco Giants. Bell war auch in Texas und Toronto im Gespräch, doch die Reds waren sein Wunscharbeitgeber. Zwar hat er selbst nie für Cincinnati gespielt, aber er wurde dort geboren und sowohl sein Vater Buddy als auch sein Großvater Gus haben das Reds-Trikot getragen.

Auch die Los Angeles Angels haben sich für einen neuen Manager entschieden: Brad Ausmus folgt auf die langjährige Regentschaft von Mike Scioscia. Ausmus bringt vier Jahre Joberfahrung bei den Detroit Tigers sowie eine 18-jährige Karriere als Spieler mit. Er war letztes Jahr bereits als Assistent des General Managers Billy Eppler für die Angels tätig, daher dürften beide Seiten recht gut wissen, worauf man sich miteinander einlässt. Ausmus gilt als analytisch vorgehender Manager, was ihn von dem eher old-school-orientierten Scioscia deutlich unterscheidet. Seine Zeit in Detroit war nur im ersten Jahr von Erfolg gekrönt, als die Tigers 2014 mit 90 Siegen die AL Central gewannen. Insgesamt brachte Ausmus es dort auf eine Bilanz von 314 Siegen und 332 Niederlagen.

Quasi in letzter Sekunde vor der Veröffentlichung dieses Artikels erfahre ich noch, dass auch die Minnesota Twins ihren neuen Manger ausgewählt haben: Der Mann heißt Rocco Baldelli, war bisher Field Coordinator der Rays und galt schon seit einer Weile als heißer Kandidat für eine der freien Managerstellen. Es wird für den 37-Jährjgen das erste Engagement in dieser Rolle sein. Vorerfahrungen hat er drei Jahre lang als First Base Coach der Rays gesammelt sowie in seinem bisherigen Job, der eine Art Zwischenfunktion als Assistent des Managers und Talententwickler darstellte.

Nach wie vor im Auswahlprozess für einen neuen Manager befinden sich die Baltimore Orioles, die Texas Rangers und die Toronto Blue Jays.

Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wer neuer General Manager der New York Mets wird. Die Kandidatenliste wurde mittlerweile auf drei Personen eingegrenzt und das ist vor allem deshalb interessant, weil es sich um drei Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen handelt. Da ist zum einen der 35-jährige Chaim Bloom, zurzeit Vizepräsident für Baseball Angelegenheiten bei den Rays. Er vertritt einen analytischen, auf Sabermetrics basierenden Ansatz. Der nächste Kandidat ist der frühere GM und derzeitige Berater der Brewers, Doug Melvin (66), der als eher traditioneller Funktionär gilt. Und dann ist da noch Brodie Van Wagenen, ein prominenter Spielervermittler, der zum Beispiel Jacob deGrom, Noah Syndergaard und Yoenis Cespedes vertritt. Der Wechsel des verhandlungserprobten 44-Jährigen auf die „andere Seite“ dürfte sicher für einiges Aufsehen sorgen, im positiven wie im negativen Sinne. Kurz gesagt: Unterschiedlicher könnten die Kandidaten kaum sein. Man kann sagen, die Owner der Mets, Fred und Jeff Wilpon, wählen bei ihrer Suche einen sehr breiten und offenen Ansatz. Man kann aber auch sagen – und das halte ich für die zutreffendere Variante -, sie haben anscheinend kurz vor der anstehenden Entscheidung keine Ahnung, was für eine Art von GM sie überhaupt suchen.

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