November 1st, 2018 by Dominik

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


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    Oktober 29th, 2018 by Dominik

    Die Boston Red Sox haben es geschafft: Mit einem 5:1-Sieg über die Los Angeles Dodgers in der vergangenen Nacht haben sie den Gewinn der World Series perfekt gemacht und ihrer extrem dominanten Saison 2018 die Krone aufgesetzt.

    Wahnsinnnig spannend haben sie es das ganze Jahr über nicht gemacht: 108 Siege in der regulären Saison, 3:1 Siege gegen die Yankees in der ersten Playoffrunde, 4:1 Siege gegen die Astros in der zweiten Runde und nun erneut 4:1 Siege gegen die Dodgers in der World Series. Diese Resultate sprechen dafür, dass gegen die Red Sox in diesem Jahr einfach kein Kraut gewachsen war. Egal, ob man das Batting Lineup, die Starting Rotation, den Bullpen oder das Feldspiel betrachtet – in allen Bereichen hatten die Bostoner erstklassige Einheiten am Start und dann hatten sie in Alex Cora auch noch einen Manager, der gleich in seinem ersten Jahr im Job den Ruf erworben hat, quasi jederzeit die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Das denkwürdigste Spiel der diesjährigen World Series wird sicher Spiel drei bleiben. Es war das einzige, das die Dodgers gewinnen konnten, wobei sie mit 7:20 Stunden und 18 Innings die längste World-Series-Partie aller Zeiten benötigten, um die Red Sox wenigstens einmal niederzuringen. In Spiel vier sah es kurz danach aus, als könnten die Dodgers nachlegen und die Serie auf 2:2 ausgleichen, doch ein Homerun von Steve Pearce gegen Kenley Jansen im achten Inning brachte die Sox zurück ins Spiel, das sie dann im neunten Inning für sich entschieden – nicht zuletzt durch einen bases-clearing Double von Pearce. Auch Spiel fünf wurde in der Offensive vor allem durch Pearce geprägt, dessen zwei Homeruns sowohl den Startschuss als auch den Schlusspunkt des Bostoner Runscorings darstellten. Folgerichtig wurde Pearce anschließend zum wertvollsten Spieler der World Series gewählt.

    Ich bin leider gesundheitlich gerade etwas angeschlagen (keine Sorge, es ist „nur“ ein ordentlicher Männerschnupfen) und habe während dieser letzten drei Spiele entgegen meiner sonstigen World-Series-Gewohnheit darauf verzichtet, mir die Nächte für das Liveerlebnis um die Ohren zu schlagen. Auch dieser Artikel fällt deswegen erst mal knapp aus – im kommenden Grand Slam am Donnerstag werde ich die World Series 2018 noch mal in angemessener Ausführlichkeit würdigen.

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    Oktober 25th, 2018 by Dominik

    Der Grand Slam am Donnerstag meldet sich zur ersten Reisepause der World Series und derzeit sieht es so aus, als könnte die Meisterschaft dieses Jahr recht schnell entschieden sein. Die ersten beiden Spiele gingen an die Boston Red Sox, welche damit schon die halbe Miete eingefahren haben. Die Los Angeles Dodgers müssen ihre Hoffnung darauf setzen, dass es in den anstehenden Heimspielen besser läuft als in den Auftaktpartien in Fenway Park.

    Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“. Stattdessen werfe ich am Ende des Artikels einen Blick darauf, was sich neben der Finalserie im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen haben in den letzten Tagen entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.

    Die World Series
    Spiel eins war die nahtlose Fortsetzung der bisherigen Postseason der Boston Red Sox: Genau wie die Spiele der ALCS – und auch die meisten der ALDS – war es eine spannende, lange offene Partie, in der die Red Sox in den entscheidenden Momenten die besseren Entscheidungen trafen und so den Sieg sicherten. Das erwartete Pitcherduell zwischen Clayton Kershaw und Chris Sale war schnell Makulatur, denn beide hielten nur vier Innings durch. Kershaw kehrte nach einem starken Auftritt gegen die Brewers zurück in seinen alten Postseasontrott, in dem er nicht derselbe Pitcher ist, den man aus der regulären Saison kennt. 4.0 Innings, 7 Hits, 3 Walks, 5 Earned Runs lautete seine Bilanz. Chris Sale ließ in ebenso vielen Innings 5 Hits, 2 Walks, 3 Runs zu und konnte die bestehenden Zweifel an seinem Gesundheitszustand nicht ausräumen. So mussten beide Teams frühzeitig ihren Bullpen strapazieren. Die Red Sox brachten für ein Inning sogar Nathan Eovaldi, obwohl der ursprünglich als Starter in Spiel drei vorgesehen war. Eovaldi rechtfertigte die Entscheidung mit einem perfekten Outing und nährte damit die verbreitete Wahrnehmung, dass Red-Sox-Manager Alex Cora derzeit nicht in der Lage ist, irgendetwas falsch zu machen. Das gilt auch für die Wahl von Eduardo Nunez als Pinch Hitter. Der Infielder, der sonst regelmäßig gegen Linkshänder startet, begann das Spiel wider Erwarten auf der Bank, durfte dann aber im siebten Inning gegen Linkshänder Alex Wood ran. Seinen Frust über den entgangenen Start legte er wohl komplett in den Schwung, mit dem er den Ball zum 3-Run-Homerun über das grüne Monster drosch und damit eine Vorentscheidung herbeiführte.

    Apropos Linkshänder: Auf Seiten der Dodgers war interessant zu beobachten, wie konsequent Manager Dave Roberts das Matchup-Spiel durchzog. Er ließ gegen Linkshänder Sale in Spiel eins und Linkshänder David Price in Spiel zwei keinen einzigen linkshändigen Batter starten, noch nicht mal den NLCS-MVP Cody Bellinger. Im Laufe der Partien reagierte er dann immer wieder auf neue Pitcher, nutzte alle Positionsspieler seines Dugouts für Auswechslungen und Verschiebungen. In jedem der beiden Spiele fanden sich am Ende nur drei Spieler noch auf der Position wieder, auf der sie begonnen hatten.

    Auch Spiel zwei in der vergangenen Nacht folgte dem Muster, nach dem die Red Sox zurzeit ihre Siege einzufahren pflegen: im Duell der Starter hält man das Spiel offen, den Rest besorgen ein fantastisch aufgelegter und organisierter Bullpen sowie täglich ein anderer Held, der den entscheidenden Hit beisteuert. Dieses Mal kam diese Rolle J. D. Martinez zu, der im fünften Inning bei geladenen Bases ins Rightfield singelte und zwei Runs zur Führung über die Platte brachte – natürlich in einer Situation mit zwei Outs, denn auch das ist inzwischen fast schon eine Bostoner Tradition. Der Bullpen der Red Sox hat in den beiden Partien insgesamt acht Innings gepitcht und dabei lediglich drei Hits und nur einen einzigen Run zugelassen. Auch im zweiten Spiel wurde Eovaldi für ein exzellentes Relief-Inning eingesetzt, was seinen eigenen Start auf Spiel vier verschieben dürfte – vorausgesetzt, er wird nicht auch in Spiel drei wieder aus dem Bullpen gebraucht. Für die Red Sox war es übrigens das hundertste gewonnene Postseason-Spiel der Vereinsgeschichte.

    Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Los Angeles (drei, sofern die Dodgers zumindest einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Fenway Park ist, dass die Partien in Dodger Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, die das aus ihrem Alltag in der National League gewohnt sind. Auch sonst gibt es Unterschiede zwischen den Ballparks: Dodger Stadium gilt als ein eher pitcherfreundliches Stadion, während Fenway Park ein angenehmes Pflaster speziell für rechtshändige Batter ist.

    Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Walker Buehler für die Dodgers und Rick Porcello fur die Red Sox antreten. Es wird das erste Rechtshänder-Duell der Serie, sodass in den Lineups beider Teams einige Umstellungen in Reaktion darauf zu erwarten sind.

    Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

    Szene der Woche
    Hier muss ich noch einmal auf die NLCS zurück kommen, denn das entscheidende Spiel sieben zwischen den Dodgers und den Brewers habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Dodgers gewannen 5:1 und für mich gab es zwei Szenen in dem Spiel, die haften geblieben sind. Die erste war ein Bunt von Manny Machado im zweiten Inning, mit dem er das Infield der Brewers komplett auf dem falschen Fuß erwischte. Das war kein Wunder, denn es war eine Situation, in der niemand ernsthaft mit einem Bunt rechnet: bei einem Full Count und ohne vorhandene Baserunner. Tatsächlich war es der erste Bunt-Hit bei einem 3-2-Count in der MLB seit über vier Jahren. Für die Dodgers war die Aktion Gold wert, denn Machado scorte kurz darauf bei Cody Bellingers Homerun, durch den der frühe 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung gedreht wurde. 2:1 stand es auch noch im fünften Inning, als Chris Taylor die zweite denkwürdige Szene der Partie gelang: Nach einem Double von Lorenzo Cain schien ein Linedrive von Christian Yelich auf dem besten Weg, dem Spiel eine erneute Wende zu geben. Doch Taylors unfassbar athletische Rettungstat auf dem Warning Track machte Milwaukees Comebackhoffnung zunichte und ermöglichte seinem eigenen Team, das Spiel sicher nach Hause zu bringen.

    Statistik der Woche
    6 von 6. Familie Bellinger – Cody und sein Papa Clay – haben insgesamt an sechs MLB-Saisons teilgenommen und in jeder einzelnen davon mit ihrem Team die World Series erreicht. Das dürfte mal wieder eine komplett einzigartige, nicht kopierbare Leistung sein. Clay war von 1999 bis 2001 bei den New York Yankees aktiv und 2002 bei den Los Angeles Angels. Er kam zwar nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus, aber seinen Klubs brachte er offenbar Glück. Sohnemann Cody schaffte letztes Jahr den Sprung in die Major League und eifert seinem Vater nun schon im zweiten Jahr hintereinander nach.

    Der Rest der Liga
    Alle Welt schaut nach Boston und Los Angeles und das ist auch gut so. Ein paar interessante Entwicklungen bei den anderen MLB-Teams möchte ich aber nicht unerwähnt lassen:

    Den bislang größten Coup in Sachen Neuverpflichtungen haben die Miami Marlins gelandet, indem sie die beiden kubanischen Brüder mit den originellen Namen Victor Victor Mesa und Victor Mesa Jr. verpflichteten. Der 22-jährige Outfielder Victor Victor gilt als aktuell größtes internationales Baseballtalent und soll möglichst schnell fit für die MLB gemacht werden. Sein Bruder Victor Jr. ist nicht weniger talentiert, mit seinen 17 Jahren aber vermutlich noch ein paar Jahre von Major-League-Reife entfernt. Der Move war von langer Hand vorbereitet worden, indem die Marlins in den letzten Wochen diverse kleine Trades einfädelten, bei denen sie sich mit Budgetraum für internationale Verpflichtungen bezahlen ließen. Laut dem Mitbesitzer des Klubs, Derek Jeter, ist das Engagement der Mesa-Brüder der Auftakt zu einer langfristigen Schwerpunktsetzung. Die Marlins wollen Anlaufstelle Nummer eins für Talente aus Lateinamerika werden, nicht zuletzt um die Bindung der in Miami besonders großen hispanischen Bevölkerung an den Verein zu intensivieren.

    Von den Teams, die auf der Suche nach einem neuen Manager waren, sind die Cincinnati Reds die ersten, die Vollzug gemeldet haben: David Bell wird der neue sportlich Verantwortliche der Reds sein. Der 46-jährige Bell ist als MLB-Manager ein Neuling, aber ansonsten ist er ein Baseball-Urgestein. Zwölf Jahre lang hat er als Third Baseman in der höchsten Liga gespielt, vier Jahre lang Teams im Minor-League-System der Reds gemanagt, zuletzt war er Vizepräsident für Spielerentwicklung bei den San Francisco Giants. Bell war auch in Texas und Toronto im Gespräch, doch die Reds waren sein Wunscharbeitgeber. Zwar hat er selbst nie für Cincinnati gespielt, aber er wurde dort geboren und sowohl sein Vater Buddy als auch sein Großvater Gus haben das Reds-Trikot getragen.

    Auch die Los Angeles Angels haben sich für einen neuen Manager entschieden: Brad Ausmus folgt auf die langjährige Regentschaft von Mike Scioscia. Ausmus bringt vier Jahre Joberfahrung bei den Detroit Tigers sowie eine 18-jährige Karriere als Spieler mit. Er war letztes Jahr bereits als Assistent des General Managers Billy Eppler für die Angels tätig, daher dürften beide Seiten recht gut wissen, worauf man sich miteinander einlässt. Ausmus gilt als analytisch vorgehender Manager, was ihn von dem eher old-school-orientierten Scioscia deutlich unterscheidet. Seine Zeit in Detroit war nur im ersten Jahr von Erfolg gekrönt, als die Tigers 2014 mit 90 Siegen die AL Central gewannen. Insgesamt brachte Ausmus es dort auf eine Bilanz von 314 Siegen und 332 Niederlagen.

    Quasi in letzter Sekunde vor der Veröffentlichung dieses Artikels erfahre ich noch, dass auch die Minnesota Twins ihren neuen Manger ausgewählt haben: Der Mann heißt Rocco Baldelli, war bisher Field Coordinator der Rays und galt schon seit einer Weile als heißer Kandidat für eine der freien Managerstellen. Es wird für den 37-Jährjgen das erste Engagement in dieser Rolle sein. Vorerfahrungen hat er drei Jahre lang als First Base Coach der Rays gesammelt sowie in seinem bisherigen Job, der eine Art Zwischenfunktion als Assistent des Managers und Talententwickler darstellte.

    Nach wie vor im Auswahlprozess für einen neuen Manager befinden sich die Baltimore Orioles, die Texas Rangers und die Toronto Blue Jays.

    Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wer neuer General Manager der New York Mets wird. Die Kandidatenliste wurde mittlerweile auf drei Personen eingegrenzt und das ist vor allem deshalb interessant, weil es sich um drei Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen handelt. Da ist zum einen der 35-jährige Chaim Bloom, zurzeit Vizepräsident für Baseball Angelegenheiten bei den Rays. Er vertritt einen analytischen, auf Sabermetrics basierenden Ansatz. Der nächste Kandidat ist der frühere GM und derzeitige Berater der Brewers, Doug Melvin (66), der als eher traditioneller Funktionär gilt. Und dann ist da noch Brodie Van Wagenen, ein prominenter Spielervermittler, der zum Beispiel Jacob deGrom, Noah Syndergaard und Yoenis Cespedes vertritt. Der Wechsel des verhandlungserprobten 44-Jährigen auf die „andere Seite“ dürfte sicher für einiges Aufsehen sorgen, im positiven wie im negativen Sinne. Kurz gesagt: Unterschiedlicher könnten die Kandidaten kaum sein. Man kann sagen, die Owner der Mets, Fred und Jeff Wilpon, wählen bei ihrer Suche einen sehr breiten und offenen Ansatz. Man kann aber auch sagen – und das halte ich für die zutreffendere Variante -, sie haben anscheinend kurz vor der anstehenden Entscheidung keine Ahnung, was für eine Art von GM sie überhaupt suchen.

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    Oktober 23rd, 2018 by Dominik

    Endlich ist es soweit: Die World Series steht unmittelbar bevor und schon allein vom Klang der Namen her ist das Matchup ein absoluter Knaller: Die Boston Red Sox und die Los Angeles Dodgers treffen aufeinander, zwei der dominierenden Teams sowohl der jüngeren Vergangenheit als auch der gesamten MLB-Historie. Obwohl beide schon seit Urzeiten dabei sind, hat es das Duell Red Sox gegen Dodgers noch nie in einer World Series gegeben, auch nicht in der Zeit vor dem Umzug der Dodgers von Brooklyn nach Los Angeles. 1916 trafen die Red Sox jedoch einmal auf die Brooklyn Robins, den Vorgängerklub der Dodgers. Die von Babe Ruth angeführten Red Sox gewannen damals mit 4:1 Spielen.

    Auch dieses Mal gehen die Red Sox als Favorit ins Rennen, nachdem sie die reguläre Saison mit 108 Siegen und einem Run Differential von +229 das ganze Jahr über dominiert haben. Die Dodgers hingegen mussten lange um den Einzug in die Postseason zittern, da sie ihr ebenfalls herausragendes Run Differential von +194 in „nur“ 92 Siege übersetzten.

    Die Dodgers und die Red Sox sind sich in den letzten Jahren erstaunlich konsequent aus dem Weg gegangen: Unter den aktuellen Spielern der Dodgers ist Manny Machado der einzige, der nennenswerte Erfahrungen mit Spielen in Fenway Park hat. Alte Bekannte sind hingegen die Manager der Teams: Sowohl Bostons Alex Cora als auch Los Angeles‘ Dave Roberts haben in ihrer Karriere als Spieler für beide Teams gespielt, zeitweise auch gemeinsam.

    Von den äußeren Bedingungen her haben die Red Sox eine leicht bessere Ausgangsposition: Zum einen haben sie wegen der besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben). Zum anderen gehen die Red Sox ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Donnerstag gebucht haben, während die Dodgers sich noch bis Samstagnacht mit den Brewers herumschlagen mussten. Das muss aber alles nichts heißen – letztes Jahr waren es die Dodgers, die in der World Series gegen die Houston Astros genau die gleichen beiden Vorteile auf ihrer Seite hatten und am Ende unterlagen.

    Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich Position für Position durch:

    Starting Rotation
    Mit Clayton Kershaw (Dodgers) und Chris Sale (Red Sox) bieten beide Teams je einen der weltbesten Starter der letzten Jahre auf. Die kurzfristigen Vorzeichen für diese beiden sind jedoch recht unterschiedlich: Kershaw überzeugte mit einem starken Start in Spiel fünf der NLCS und obendrein als Closer in Spiel sieben. Sale hingegen hielt bei seinem einzigen Auftritt in der ALCS nur vier Innings von Spiel eins durch, hatte offensichtliche Probleme, seine Pitches zu platzieren und musste einen Tag später wegen Magenproblemen ins Krankenhaus. Hätte es ein Spiel sechs gegeben, hätte Sale wohl starten können, aber wie fit er tatsächlich ist, bleibt ein Fragezeichen. Hyun Jin-Ryu, Walker Buehler und Rich Hill runden eine Dodgers-Rotation ab, die es in der Postseason auf einen ERA von 3.92 gebracht hat. Das ist ein ebenso durchwachsenes Ergebnis wie der ERA von 3.86 der Red-Sox-Starter, die neben Sale aus David Price, Nathan Eovaldi und Rick Porcello bestehen. Insgesamt eine recht ausgeglichene Sache, die in meinen Augen wegen der eingangs erwähnten Vorteile von Kershaw gegenüber Sale knapp zu Gunsten von Los Angeles entschieden wird.
    Vorteil Dodgers

    Bullpen
    Der Bullpen der Dodgers war in der bisherigen Postseason eine regelrechte Offenbarung. In gut 41 Innings ließen die Reliever im Schnitt nur 1.3 Runs pro Spiel zu. Von solchen Traumwerten sind die Reliever der Red Sox weit entfernt und ausgerechnet deren eigentlicher Star Craig Kimbrel brachte in vier seiner fünf Oktober-Einsätze die Bostoner Fans mit wackeligen Auftritten ins Schwitzen. Die Red Sox versuchten, die Löcher im Bullpen durch mehrere Relief-Einsätze ihrer Starter zu stopfen. Letzten Endes haben sie auf diese Art Erfolg gehabt, aber gegen die Dodgers können sie in diesem Mannschaftsteil nicht anstinken.
    Vorteil Dodgers

    Catcher
    Vor den Serien um die Conference Championships hätte ich auch diesen Vergleich zu Gunsten der Dodgers gesehen: Yasmani Grandal ist offensiv ein klares Upgrade gegenüber den Red Sox Sandy Leon und Christian Vazquez und schien den beiden defensiv mindestens gleichwertig. Das hat sich durch die NLCS geändert, in der Grandal plötzlich nicht mehr er selbst war und sich eine Abwehrschwäche nach der anderen leistete. Klar, jeder hat mal einen schlechten Tag, aber mein Eindruck ist, dass Grandals Selbstvertrauen unter den Fehlern gelitten hat und er zurzeit einen Unsicherheitsfaktor darstellt. Das scheint auch Dodgers-Manager Dave Roberts so zu sehen, der mehrfach auf Ersatzmann Austin Barnes zurückgreift, welcher ungefähr auf dem Niveau von Leon und Vazquez einzustufen ist.
    Unentschieden

    First Base
    Bei den Dodgers wechseln sich je nach Händigkeit des Pitcher meistens David Freese und der Senkrechtstarter des Jahres, Max Muncy, ab, nachdem der 1B-Senkrechtstarter des vorherigen Jahres, Cody Bellinger, seine Wirkungsstätte ins Outfield verlegt hat. Die Red Sox setzen dem ebenfalls ein Platoon entgegen, bestehend aus Steve Pearce und Mitch Moreland. Da die Dodgers drei Linkshänder in ihrer Rotation haben, wird es meistens auf Pearce hinauslaufen. Für mich ein:
    Unentschieden

    Second Base
    Hier schien sich für die Red Sox durch den langfristigen Ausfall von Dustin Pedroia ein Problemfeld aufzutun. Doch Utilityman Brock Holt sowie der aus Los Angeles (von den Angels, nicht von den Dodgers) akquirierte Veteran Ian Kinsler haben die Lücke nahtlos geschlossen. Bei den Dodgers sieht es oberflächlich betrachtet ganz ähnlich aus, denn auch hier teilen sich ein Allrounder (Enrique Hernandez) und ein zur Trade-Deadline erworbener Veteran (Brian Dozier) die Position. Beide sind jedoch seit Wochen in schwacher Offensivform, sodass dieser Punkt klar nach Boston geht.
    Vorteil Red Sox

    Shortstop
    Nach Corey Seagers Verletzung zogen die Dodgers kräftig an der Notbremse und tradeten fünf Prospects nach Baltimore für das Recht, die letzten dreieinhalb Monate des auslaufenden Vertrags von Manny Machado nutzen zu dürfen. Machado ist ein polarisierender, unsympathischer Zeitgenosse, anders kann man es nicht sagen. Aber verdammt, er ist gut. Bostons Xander Bogaerts ist auch ein guter Shortstop, sowohl offensiv als auch defensiv, aber gegen Machado zieht er in meinen Augen leider den Kürzeren.
    Vorteil Dodgers

    Third Base
    Kommen wir zum sympathischeren Teil des linken Infields der Dodgers: Justin Turner hat sich von einem bei den Orioles und den Mets mehr oder weniger gescheiterten Spieler in Los Angeles zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt, der sowohl durch sein markantes Äußeres als auch durch seine Neigung zu entscheidenden Hits das Gesicht des Klubs prägt. Bei den Red Sox halte ich Rafael Devers für offensiv stärker als Eduardo Nunez, welcher hingegen der bessere Feldspieler ist. Die beiden werden sich abwechseln, wobei man gegen die Dodgers wohl häufiger auf Rechtshänder Nunez setzen wird. Beide unterliegen im Vergleich mit Turner.
    Vorteil Dodgers

    Left Field
    Chris Taylor ist fast immer im Lineup der Dodgers, allerdings auf häufig wechselnden Feldpositionen. Im linken Außenfeld findet man ihn vor allem gegen linkshändige Pitcher, gegen Rechtshänder macht er Platz für Joc Pederson. Taylor ist der besere Fielder und kommt etwas häufiger auf Base, während Pederson mehr Power mitbringt. Die Red Sox müssen sich keine Gedanken über Matchups und Händigkeiten machen, denn mit Andrew Benintendi haben sie links hinten einen jungen Topspieler, der offensiv und defensiv das komplette Paket mitbringt, das man sich von einem Baseballer wünscht.
    Vorteil Red Sox

    Center Field
    Chris Taylor ist auch hier zu finden, doch meistens dürfte das Centerfield die Domäne von Cody Bellinger sein. Bellinger ist ebenfalls ein sehr vielseitiger Spieler, der zwar keine feste Position hat, aber als einer von nur sieben Spielern der Liga in 162 Spielen der regulären Saison aktiv war. In der NLCS wurde Bellinger zum MVP gewählt, da er trotz eines Batting Averages von nur .200 ein paar entscheidende Hits und einen großartigen Catch hatte. In verblüffendem Gleichschritt wurde auch sein Bostoner Gegenpart Jackie Bradley Jr. zum MVP gewählt, der ebenfalls einige entscheidende Szenen hatte und ebenfalls nur .200 schlug. Die beiden teilen nun den Rekord für den niedrigsten Average, mit dem ein Positionsspieler MVP einer League Championship wurde. Nach meiner Einschätzung teilen sie sich auch diesen Vergleich.
    Unentschieden

    Right Field
    Man weiß nie so recht, was man von Yasiel Puig erwarten darf. Sein Talent an der Platte, seine Geschwindigkeit und sein Wurfarm suchen ihresgleichen, doch seine Emotionalität und seine Neigung zur Selbstüberschätzung stehen ihm auf dem Pfad zum ganz großen Durchbruch oft im Weg. Ganz anders Mookie Betts, der ähnliche Anlagen mitbringt und das beste daraus macht. Betts ist offensiv wie defensiv der wohl stärkste Rightfielder der Liga und der aussichtsreichste Kandidat für den MVP-Titel der American League.
    Vorteil Red Sox

    Designated Hitter
    Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, dieses Mal also in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben. Naturgemäß sind die Red Sox besser auf das Spiel mit DH eingestellt und haben mit J. D. Martinez den besten reinen Hitter der Liga. Martinez ist so gut, dass man in Boston bereits wild spekuliert, wie man ihn auch in den NL-Heimspielen ins Lineup bringen kann. Eine denkbare Variante wäre, ihm das Rightfield zu überlassen und dafür Betts an der zweite Base einzusetzen. Die Dodgers haben so viel Tiefe und Flexibilität im Kader, dass sie kein Problem damit haben werden, einen brauchbaren DH aufzustellen – Turner, Muncy, Pederson und Matt Kemp wären dafür zum Beispiel Kandidaten.
    Vorteil Red Sox

    Fazit
    Ich komme auf viermal Dodgers, viermal Red Sox und dreimal Unentschieden. Das ist erstaunlich ausgeglichen angesichts dessen, dass mein genereller Eindruck und auch die Saisonbilanzen dafür sprechen, dass die Red Sox als Favorit ins Rennen gehen. Für mich persönlich waren die Red Sox schon immer das Team, dem ich in der AL die Daumen drücke, daher schlägt mein Herz auch in dieser Serie für Boston. Vor allem aber wünsche und erwarte ich eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger und wenn dieser am Ende die Dodgers sind, dann sei es ihren Fans – schöne Grüße an Thomas und Arvid – herzlich gegönnt.

    Heute Nacht um 2:09 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Clayton Kershaw gegen Chris Sale. Ich freue mich riesig auf die World Series und werde trotz beruflicher und privater Verpflichtungen die eine oder andere Nachtschicht einlegen, um die Spiele wenigstens teilweise zu sehen. Zum Schlafen ist schließlich von November bis Februar genug Zeit…

    Zu guter Letzt noch eine Einschaltempfehlung: Wenn ihr die Spiele live sehen wollt, dann habt ihr die Möglichkeit dazu im deutschen Free-TV, denn Sport1 überträgt die World Series. Besonders freue ich mich auf das Kommentatoren-Duo Andreas Thies von meinem Lieblings-Podcast Just Baseball und Matthias Ondracek, der früher für die Regensburg Legionäre spielte und nun außer für Sport1 auch für die offizielle Seite der Baseball-Bundesliga arbeitet. Die beiden sind für mich Grund genug, ausnahmsweise mal meinem geliebten mlb.tv den Rücken zu kehren.

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    November 2nd, 2017 by Dominik

    Sports Illustrated wusste es schon vor drei Jahren, seit heute Morgen weiß es auch der Rest der Welt: Die Houston Astros sind der Gewinner der World Series 2017. Zur Feier des Tages dreht sich heute ein letztes Mal in diesem Jahr der Grand Slam am Donnerstag ausschließlich um die World Series. Ab nächster Woche werde ich den regelmäßigen Artikel wieder vermehrt dafür nutzen, die MLB insgesamt im Blick zu behalten und zusammenzufassen, was sich während der Offseason bei den 30 Teams tut. Ich hoffe, ihr schaut auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier rein; ich werde mich bemühen, dass uns nicht langweilig wird. Und bevor jemand fragt: Ja, es wird in den nächsten Tagen eine Neuauflage des Offseason-Wunschkonzerts geben.

    Die World Series
    Es war eine großartige World Series und auch wenn es letzte Nacht keine so dramatische Partie wie die Spiele zwei und fünf der Serie war, war Spiel sieben doch ein würdiger Abschluss. Bei beiden Mannschaften überzeugte vor allem das Bullpen-Pitching. Weniger überzeugend waren die Starter – Houstons Lance McCullers ließ in 2.1 Innings drei Hits zu und warf vier Batter ab, kam aber mit etwas Glück davon, ohne Runs zuzulassen. Dodgers-Starter Yu Darvish wurde noch früher vom Mound genommen. Er hielt nur 1.2 Innings durch und bei seinem Abgang war der Schaden bereits angerichtet. Fünf Runs hatten die Astros bis dahin über die Platte gebracht: einen durch George Springer bei einem missglückten Wurf an die erste Base von Cody Bellinger, zwei durch Alex Bregman und Brian McCann während Groundouts von Jose Altuve und Lance McCullers sowie einen Zwei-Run-Homerun von Springer.

    Für den Rest des Spiels übernahm der Bullpen der Dodgers, einschließlich vier Innings von Clayton Kershaw, und ließ keine weiteren Runs zu. Doch die fünf Zähler der Astros waren schon zu viel, einerseits weil auch Houstons Pitcher – vor allem Brad Peacock und Charlie Morton – gut aufgelegt waren und andererseits weil die Dodgers zu harmlos agierten, wenn sie Runner in Scoring Position hatten (1 Hit in 13 solcher Situationen). Sie brachten es letztlich nur auf einen einzigen, mühsam erarbeiteten Run im sechsten Inning und machten auf mich nie den Eindruck, dass ein Comeback in der Luft liegt.

    Nach vier Siegen über die Dodgers – drei davon knapp, der letzte deutlich – sind die Astros ein verdienter Champion. Sie feiern die erste Meisterschaft in 55 Jahren Teamgeschichte. Für ihre Heimatstadt kommt der Erfolg genau zur richtigen Zeit, denn die Stadt Houston leidet immer noch unter den Folgen des verheerenden Hurricanes Harvey und kann die Ablenkung und Aufmunterung durch die Leistungen des Baseballteams sicher gut gebrauchen. Wie groß die Begeisterung für das Team in Houston ist, zeigt auch, dass während der beiden letzten Auswärtsspiele das Public Viewing im heimischen Minute Maid Park jeweils komplett ausverkauft war. Am morgigen Freitag wird das Team mit einer Parade durch die Stadt empfangen werden.

    Szene der Woche
    Natürlich gab es in der World Series eine Menge interessanter Spielszenen. Ich möchte hier aber eine Reihe von Ereignissen erwähnen, die nur am Rande mit dem Sport zu tun haben: Es ging los in Spiel drei, als Yu Darvish (genau wie in Spiel sieben) einen schlechten Tag hatte und unter anderem einen Homerun gegen Houstons Yuli Gurriel abgab. Gurriel wurde später im Dugout gefilmt, als er eine Schlitzaugengrimasse schnitt und das Wort „Chinito“ verwendete – wörtlich „kleiner Chinese“ und offenbar als Verunglimpfung des Japaners Darvish gemeint. Auf diesen rassistischen Ausfall reagierte die Liga prompt mit einer Sperre von fünf Spielen, die allerdings erst zu Beginn der nächsten Saison fällig wird. Gurriel durfte also auch in den weiteren Spielen der Serie mitwirken und musste sich in Los Angeles dem Auswärtspublikum stellen, das ihn verdientermaßen ordentlich ausbuhte. Hierbei kam es zu der zweiten bemerkenswerten Szene, verursacht von Dodgers-Pitcher Rich Hill. Hill wählte eine passive Form der Vergeltung, indem er beim Auftritt von Gurriel einen Schritt zurück trat und den Unmutsbekundungen der Zuschauer damit besonders viel Zeit verschaffte. In Spiel sieben schließlich zeigte Buhmann Yuli Gurriel, dass er seinen Fehler einsieht und weiß, was sich in so einem Fall gehört: Unmittelbar bevor er erstmals seit dem ursprünglichen Vorfall wieder gegen Darvish in die Batter’s Box trat, zog er vor ihm seinen Helm und nickte ihm entschuldigend zu. Schön, dass das damit geklärt ist.

    Statistik der Woche
    8 Extra-Base-Hits, 29 Total Bases, 5 Homeruns. Das ist die Offensivbilanz des Astros-Outfielders George Springer in den sieben Spielen der World Series. Jeder der drei Werte stellt einen Rekord in der Geschichte der World Series dar – die Extra-Base-Hits und die Total Bases sind neue Bestmarken, den Homerun-Rekord teilt Springer sich mit Reggie Jackson (1977) und Chase Utley (2009). Es war nur folgerichtig, dass Springer zum MVP, also zum wertvollsten Spieler der Serie gewählt wurde. Übrigens, falls es bisher noch nicht aufgefallen sein sollte: Schaut mal, welcher Spieler auf dem eingangs erwähnten Cover von Sports Illustrated aus dem Jahr 2014 abgebildet ist. Fast schon unheimlich, oder?

    Spiel der Woche
    Natürlich war Spiel sieben der World Series das wichtigste, aber das sehenswerteste war definitiv Spiel fünf der Serie. Ich habe gestern kurz den Verlauf dieser unglaublichen Partie skizziert, aber am besten macht man sich selbst ein Bild.

    Spiel der kommenden Woche
    Traurig, aber wahr: Die Partie letzte Nacht war das letzte Baseballspiel des Jahres – zumindest das letzte in der MLB und auch die Baseball-Bundesliga ist schon seit einer Weile fertig. Monatelange Abstinenz von diesem großartigen Sport ist dennoch kein Muss. In der Arizona Fall League beispielsweise messen sich noch bis 18. November diverse Prospects und die Australian Baseball League nimmt am 16. November den Spielbetrieb der Saison 2017/18 auf. Ich werde in den nächsten Tagen mal recherchieren und zusammenstellen, wo und wie man in der Offseason in den Genuss von Liveübertragungen aktiver Ligen kommt.

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    November 1st, 2017 by Dominik

    Jeweils über 220 Spiele – Spring Training, reguläre Saison und Playoffs zusammengenommen – haben die Los Angeles Dodgers und die Houston Astros dieses Jahr schon absolviert, sechs davon gegeneinander in der World Series. Nun steht es 3:3 in der Best-of-Seven-Serie und die Mammut-Saison der MLB gipfelt in einem einzigen Spiel, das unweigerlich die Entscheidung bringen wird.

    Es war bisher eine wirklich großartige World Series mit zwei besonders herausragenden Partien: zum einen Spiel zwei (siehe „Spiel der Woche“ im letzten Grand Slam am Donnerstag), zum anderen Spiel fünf in der Nacht zum Montag. Letzteres wäre bereits ein würdiger Abschluss gewesen, denn es ist kaum vorstellbar, dass dieses Spiel in punkto Spaß und Spannung noch zu toppen ist. Dreimal gingen die Dodgers in Führung, dreimal glichen die Astros aus und lagen schließlich nach acht Innings 12:9 vorne. Nun war es an den Dodgers, ihrerseits ein Comeback hinzulegen und das taten sie mit drei Runs im neunten Inning. Im zehnten Inning holte dann aber doch Houston per Walkoff das Spiel mit 13:12 nach Hause. Ein enttäuschender Tag war es lediglich für die Pitcher – angefangen bei den Top-Startern Clayton Kershaw und Dallas Keuchel bis tief in beide Bullpens und letzten Endes Star-Closer Kenley Jansen, der den entscheidenden Run kassierte.

    Spiel sechs war kein ganz so großer Aufreger, aber auch ein gutes Spiel. Justin Verlander und Rich Hill lieferten sich ein starkes Duell, bei dem Hill nur einen Homerun von George Springer im dritten Inning zuließ und Verlander nach hervorragenden fünf Innings im sechsten durch einen Double von Chris Taylor und ein Sacrifice-Fly von Corey Seager zweimal bezwungen wurde. Im siebten Inning steuerte Joc Pederson für die Dodgers noch einen Homerun zum 3:1-Endstand bei.

    Als Starter in Spiel sieben sind Yu Darvish (3.86 ERA, 3.83 FIP in der regulären Saison; 4.15 ERA, 4.70 FIP in der Postseason) und Lance McCullers (4.25 ERA, 3.10 FIP in der regulären Saison; 2.95 ERA, 3.59 FIP in der Postseason) vorgesehen. Beide haben den wichtigsten Start ihrer Karriere vor sich, beide werden aber auch schnell aus dem Spiel sein, falls sie irgendwelche Schwächen oder Unsicherheiten zeigen. In diesem definitiv letzten Spiel der Saison stehen sämtliche Pitcher zur Verfügung und die Team-Manger werden nicht zögern, sinnvoll erscheinende Wechsel umgehend vorzunehmen. Da beide Bullpens in der bisherigen World Series nicht wirklich überzeugt haben, erscheint es umso wahrscheinlicher, dass wir auch den einen oder anderen etatmäßigen Starter in Relief-Rollen sehen werden – Clayton Kershaw, Rich Hill, Dallas Keuchel, Justin Verlander werden allesamt mehr als bereit sein, für ein paar Innings einzuspringen. „Ich kann 27 Innings spielen, was auch immer sie von mir brauchen,“ hat Kershaw die vor diesem Spiel allseits herrschende Einstellung auf den Punkt gebracht.

    Eine Vorhersage vermag ich nicht abzugeben. Die bisherige World Series hat gezeigt, dass beide Teams leistungsmäßig ganz eng beisammen sind. Weder den Dodgers noch den Astros kann man nachsagen, sie hätten Glück gehabt, sich in Spiel sieben gerettet zu haben. Vielmehr erscheint der große Showdown, zu dem es heute Nacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt, die logische Folge der bisherigen Serie und auch der gesamten Saison zu sein. Ich freue mich jedenfalls riesig auf das Spiel und werde mir keine Minute davon entgehen lassen, auch wenn sich der Schlafentzug wie jedes Jahr Anfang November bereits deutlich bemerkbar macht. Was das angeht, brechen ab morgen auf jeden Fall wieder bessere Zeiten an.

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    Oktober 26th, 2017 by Dominik

    Pünktlich zur ersten Reisepause der World Series meldet sich der Grand Slam am Donnerstag mit einer kleinen Zwischenbetrachtung. Ich stehe noch ganz im Bann des extrem mitreißenden zweiten Spiels und bin froh, dass es jetzt einen Tag zum Durchatmen (und vor allem eine Nacht zum Durchschlafen) gibt, bevor es in Houston hoffentlich genauso spektakulär weiter geht wie es in Los Angeles begonnen hat.

    Die World Series
    Das erste Spiel der Serie war schön anzusehen, brachte aber letzten Endes „nur“ das Ergebnis, das die meisten erwartet hatten: einen Low-Scoring-Sieg für Los Angeles, der ganz wesentlich auf der Pitching-Leistung von Clayton Kershaw sowie dem erneut sattelfesten Bullpen der Dodgers beruhte. Offensiv genügten den Dodgers zwei Highlights: ein Homerun von Chris Taylor beim allerersten Pitch von Astros-Starter Dallas Keuchel sowie ein Zwei-Run-Homer von Justin Turner, dem prägendsten Akteur der bisherigen Postseason. Der einzige Punkt der Astros wurde ebenfalls per Homerun erzielt, Alex Bregman nutzte dafür im vierten Inning einen seltenen Fehler von Kershaw zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Nach Kershaws sieben Innings mit drei Hits, einem Run und elf Strikeouts brachten Brandon Morrow und Kenley Jansen das 3:1 sicher nach Hause.

    Deutlich nervenaufreibender als Spiel eins war die zweite Partie in Los Angeles. Mehr dazu lest ihr weiter unten in den Rubriken „Statistik der Woche“ und „Spiel der Woche“.

    Wir werden nun noch mindestens drei Spiele sehen, allesamt Heimspiele der Houston Astros. Spiel drei findet morgen (Freitag) Nacht statt und verspricht mit Yu Darvish (3.86 ERA, 3.83 FIP) gegen Lance McCullers (4.25 ERA, 3.10 FIP) ein weiteres interessantes Pitcherduell. Beide spielen bisher eine exzellente Postseason. Für Charlie Morton (3.62 ERA, 3.46 FIP), Houstons Pitcher für Spiel vier, war es bislange eher ein Auf und Ab: Einem mittelmäßigen Auftritt gegen Boston (4.1 Innnings, 7 Hits, 2 Runs) folgten gegen die Yankees ein schlechter (3.2 Innings, 6 Hits, 7 Runs) und ein richtig guter (5.0 Innnings, 2 Hits, 0 Runs). Ich bin gespannt, welchen Charlie Morton wir Samstagnacht erleben und wen die Dodgers ihm entgegen setzen werden. Voraussichtlich wird es Alex Wood (2.72 ERA, 3.32 FIP) sein, aber es steht auch die Überlegung im Raum, Clayton Kershaw mit verkürzter Erholungspause erneut auf den Mound zu schicken. Beide Astros-Starter der kommenden Spiele, McCullers und Morton, haben übrigens in ihrer gesamten Karriere deutlich bessere Werte in Heimspielen erzielt als in Auswärtsspielen.

    Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils um 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

    Szene der Woche
    Ein letzter Rückbezug zur ALCS sei mir hier erlaubt, denn das alles entscheidende Spiel sieben habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Astros setzten sich mit 4:0 gegen die Yankees durch, was nach einer klaren Angelegenheit klingt, aber mindestens einmal auf Messers Schneider stand: Die Astros hatten im unteren vierten Inning gerade durch einen Homerun von Evan Gattis das 1:0 erzielt, als im oberen fünften die Yankees durch einen Double von Greg Bird erstmals in Scoring Position kamen. Durch einen Wild Pitch rückte Bird weiter auf die dritte Base und als Todd Frazier einen Groundball schlug, sah es so aus, als würde Bird zum 1:1-Ausgleich nach Hause kommen. Doch Astros-3B Alex Bregman gelang ein auf den Zentimeter perfekt platzierter Wurf zu Catcher Brian McCann und damit das Out an der Homeplate. Es war die Schlüsselszene des Spiels, näher kamen die Yankees nicht mehr heran an die World-Series-Teilnahme. Im folgenden Halbinning zogen die Astros auf 4:0 davon.

    Statistik der Woche 
    5. So viele Homeruns in Extra-Innings gab es noch nie, weder in einem regulären Saisonspiel noch in den Playoffs. Ausgerechnet in der World Series stellten die Houston Astros und die Los Angeles Dodgers letzte Nacht diesen Rekord auf. Auch die 8 Homeruns im Spiel insgesamt sind ein Rekord, wenn auch „nur“ für World-Series-Spiele. Die World Series setzt damit einen Trend fort, der ligaweit bereits dazu geführt hatte, dass in der regulären Saison 2017 mit 6105 Homeruns so viele erzielt wurden wie noch nie zuvor.

    Spiel der Woche
    An dieser Stelle kann dieses Mal ganz eindeutig nur Spiel zwei der World Series aus der vergangenen Nacht genannt werden. Aufregender geht es kaum: Es gab mehrere Führungswechsel, zwei extrem ereignisreiche Extra-Innings inklusive der oben erwähnten Homerun-Rekorde und am Ende einen „Schuldigen“ an der Niederlage, den nach dem bisherigen Verlauf der Playoffs wohl niemand erwartet hatte: den Bullpen der Dodgers. Zumindest einen Teil des Vorwurfs muss aber auch Manager Dave Roberts auf sich nehmen – er hatte seinen Starter Rich Hill ohne erkennbare Not nach vier Innings (3 Hits, 1 Run, 7 Strikeouts) vom Mound genommen, wodurch ihm nach hinten heraus die Reliever knapp wurden. Closer Kenley Jansen war für untypische sechs Outs gefordert und leistete sich prompt den noch untypischeren blown Save durch einen von Brandon Morrow geerbten Run im achten und einen selbst verdienten Homerun von Marwin Gonzalez im neunten Inning. Josh Fields machte seine Sache im zehnten Inning noch schlechter, ließ Homeruns von Jose Altuve und Carlos Correa zu und schaffte kein einziges Out. Das Spiel schien gelaufen, doch auch Astros-Closer Ken Giles hatte – nicht zum ersten Mal in dieser Postseason – keinen guten Tag und ließ LA zum Ausgleich kommen. Der wurde aber gleich wieder verschenkt, als der mittlerweile neunte eingesetzte Pitcher der Dodgers, Brandon McCarthy, einen Single von Cameron Maybin und anschließend den Homerun von George Springer zuließ. Noch war das Spiel nicht zuende, denn auch Astros-Reliever Chris Devenski ließ noch einen Homerun zu. Über den freute sich Charlie Culberson als hätte er gerade die World Series gewonnen, bevor ihm jemand verriet, dass es nur das 6:7 und nicht der Ausgleich war. Einen Strikeout gegen Yasiel Puig später war dann auch Schluss und die Astros hatten die World Series auf 1:1 ausgeglichen.

    Spiel der kommenden Woche
    Es ist natürlich irgendwie witzlos, mitten in der World Series ein einzelnes Spiel als Einschalttipp herauszugreifen. Aber wenn man nicht alle Partien sehen kann oder will, empfehlen sich vor allem jene, in denen die Entscheidung fallen kann. Da es zurzeit 1:1 steht, ist das in der Best-of-Seven-Serie frühestens Sonntagnacht in Spiel fünf in Houston möglich. Ich erinnere noch mal daran, dass dieses wegen der Uhrumstellung bereits um 1 Uhr unserer Zeit beginnt – nicht dass ihr eine Stunde verpasst, nachdem ihr euch extra den Brückentag am Montag frei genommen habt, um die Nacht davor ohne schlechtes Gewissen mit Baseball verbringen zu können…

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    Oktober 24th, 2017 by Dominik

    Schon zum All-Star-Break Mitte Juli sprach alles für eine World Series zwischen den Los Angeles Dodgers (damals 61-29) und den Houston Astros (60-29). Beide hatten in der zweiten Saisonhälfte die eine oder Durststrecke zu überwinden, beendeten den regulären Spielplan aber mit 104 bzw. 101 Siegen und setzten sich in den Playoffs ihrer jeweiligen Liga durch – die Dodgers sehr deutlich gegen die Arizona Diamondbacks und die Chicago Cubs, die Astros zuerst klar gegen die Boston Red Sox und dann knapp gegen die New York Yankees. Zum ersten Mal seit den Reds und den Orioles 1970 treffen in der Finalserie zwei Teams mit jeweils über 100 gewonnenen Saisonspielen aufeinander. Passenderweise prognostiziert die Wettervorhersage für Los Angeles auch über 100 Grad – Fahrenheit, versteht sich, aber nach unserer Temperaturskala sind das immer noch schweißtreibende 39 Grad Celsius.

    Mit den Astros fordert das offensivstärkste (896 gescorte Runs) Team der gesamten MLB die Dodgers als defensivstärkstes Team (580 zugelassene Runs) der NL. Um es in fortgeschritteneren und besser vergleichbaren Statistiken auszudrücken: Der Angriff der Astros bringt es auf 121 wRC+, das heißt er war in der regulären Saison 21% besser als der MLB-Durchschnitt (Zweiter waren die Yankees mit 108 wRC+, die Dodgers brachten es auf 104 wRC+). Die Dodgers bieten dagegen ein Pitching-Personal auf, das mit 118 ERA+ um 18% besser war als der Durchschnitt (Astros: 103 ERA+).

    Noch ein interessanter Fakt am Rande: Die Astros, die vor fünf Jahren die Liga gewechselt haben, sind das erste Team im modernen Baseball, das die World Series sowohl für die National League (2005) als auch für die American League (2017) erreicht hat.

    Von den äußeren Bedingungen her haben die Dodgers eine leicht bessere Ausgangsposition: Zum einen haben sie wegen der besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben) – falls die World Series so läuft wie die ALCS, in der jedes Team alle Heimspiele gewann, geht der Titel also an LA. Zum anderen gehen die Dodgers ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Donnerstag gebucht haben, während die Astros sich noch bis Samstagnacht mit den Yankees herumschlagen mussten.

    Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich mal Position für Position durch:

    Starting Rotation
    Mit Dallas Keuchel und Clayton Kershaw haben beide Teams einen linkshändigen Star und beide haben während der Saison noch eine rechtshändige Verstärkung als Nummer zwei der Rotation an Land gezogen: die Dodgers Yu Darvish, die Astros Justin Verlander. Rich Hill und Alex Wood bzw. Charlie Morton und Lance McCullers vervollständigen zwei sehr starke Pitcherriegen. Der Punkt geht knapp an die Dodgers, einfach weil sie den besten Pitcher der Welt haben.
    Vorteil Dodgers

    Bullpen
    Houstons Bullpen hat in der bisherigen Postseason nicht allzu viel Anteil daran, dass die Astros so weit gekommen sind. Es spricht Bände, dass A.J. Hinch keinem seiner Reliever zutraute, Spiel sieben gegen die Yankees nach Hause zu bringen, sondern nach Starter Charlie Morton Starter Lance McCullers aufs Feld schickte. In 34 Relief-Innings erreichte der Pen der Astros in den Playoffs einen ERA von nur 5.03 und da ist der Auftritt von McCullers schon beschönigend mit eingerechnet. Die Dodgers hingegen bieten mit Leuten wie Kenley Jansen, Brandon Morrow oder dem umfunktionierten Starter Kenta Maeda eine Top-Einheit auf, die es in 28.2 Innings auf einen ERA von 0.94 brachte.
    Vorteil Dodgers

    Catcher
    Die beiden Astros Brian McCann und Evan Gattis sind solide Catcher, sowohl am Schlag als auch in der Defensive. Solide ist allerdings nicht genug, um den Vergleich gegen Austin Barnes und Yasmani Grandal zu gewinnen. Die Dodgers-Catcher bringen mehr offensive Produktion (116 wRC+ gegenüber 104 wRC+), werfen mehr Runner aus (29% zu 12%) und weisen die deutlich besseren Werte im Pitch-Framing auf (+34 Runs zu -6 Runs).
    Vorteil Dodgers

    First Base
    Hier sind beide Teams mit starken Neulingen besetzt: die Dodgers mit Cody Bellinger (.267/.352/.581), der wohl relativ sicher davon ausgehen darf, zum Rookie of the Year der National League ausgezeichnet zu werden; die Astros mit Yuli Gurriel (.299/.332/.486), einem mit 33 Jahren eher untypischen Rookie, der letztes Jahr nach seiner Flucht aus Kuba unter Vertrag genommen wurde und bisher eine fantastische Postseason (.366/.409/.512) spielt. Ein Duell auf hohem Niveau, bei dem Bellinger vor allem defensiv leicht die Nase vorn hat.
    Vorteil Dodgers

    Second Base
    Bisher gingen alle meine Vergleiche an die Dodgers, aber das eindeutigste aller Matchups holen sich die Astros: Darüber, wie gut Jose Altuve (.346/.410/.547) ist, könnte man ganze Bücher schreiben und es würde mich sehr wundern, wenn er nicht zum MVP der American League gewählt wird. Seine bereits sensationellen Zahlen aus der regulären Saison hat er in der Postseason noch einmal übertroffen (.400/.500/.775). Die Dodgers haben hier mit Logan Forsythe (.224/.351/.327) und dem abgehalfterten Chase Utley (.236/.324/.405), der in fünf Postseason-Einsätzen dieses Jahr noch keinen Ball getroffen hat, kaum etwas entgegen zu setzen.
    Vorteil Astros

    Shortstop
    Wir dürfen uns auf zwei der besten jungen Shortstops der Liga freuen: auf Houstons Carlos Correa (.315/.391/.550) und auf LAs Cory Seager (.295/.375/.479). Ich schätze Correa als etwas besser in der Offensive und Seager als etwas besser in der Defensive ein, sodass sich hier im Prinzip ein Unentschieden ergibt. Doch Seager hat die gesamte NLCS wegen einer Rückenverletzung verpasst und obwohl er nun wieder zum Roster gehört, ist es unklar, wie fit er in die World Series geht. Deshalb sehe ich Correa hier vorne.
    Vorteil Astros

    Third Base
    Justin Turner (.322/.415/.530) ist mehr und mehr zum Star und Führungsspieler der Dodgers herangereift. Mit seinem Walkoff-Homerun gegen die Cubs hatte er einen der großen Momente der Championship Series. Dem gegenüber haben die Astros in Alex Bregman (.284/.352/.475) einen tollen jungen Spieler, der mit einem sensationellen Wurf an die Homeplate seinerseits der ALCS seinen Stempel aufdrückte. Offensiv lief es für Bregman in den Playoffs (.190/.244/.381) bisher nicht so gut.
    Vorteil Dodgers

    Left Field
    Im linken Außenfeld liegt für beide Teams eher ein Problembereich. Bei den Astros hat Marwin Gonzalez (.303/.377/.530) sich mit einer starken regulären Saison einen Platz im Lineup erkämpft, in der Postseason (.162/.244/.216) ist sein Bat bisher aber kalt. Die Dodgers betreiben ein munteres Bäumchen-wechsel-dich mit den allesamt nicht überzeugenden Curtis Granderson (.212/.323/.452), Andre Ethier (.235/.316/.441) und Joc Pederson (.212/.331/.407) gegen Rechtshänder sowie Enrique Hernandez (.215/.308/.421), der in Spiel fünf gegen die Cubs mit drei Homeruns der Held war, aber in der Regel nur gegen Linkshänder trifft.
    Vorteil Astros

    Center Field
    Die Lage bei den Dodgers ist hier nicht ganz klar, denn falls Shortstop Cory Seager nicht fit sein sollte, wird Allrounder Chris Taylor (.288/.354/.496) wohl dort gebraucht und einer der oben beim Left Field genannten Kandidaten wird im Center Field aushelfen müssen. So oder so geht dieses Duell an die Astros und George Springer (.283/.367/.522), der sowohl gegenüber Taylor als auch gegenüber den Alternativen in jeder Hinsicht zu bevorzugen ist.
    Vorteil Astros

    Right Field
    Josh Reddick (.314/.363/.484) hat von den Statistiken der regulären Saison her ein noch besseres Jahr als Yasiel Puig (.263/.346/.487). Dennoch geht der Punkt für mich an den Dodger, zum einen weil Puig das deutlich bessere Fielding betreibt, zum anderen weil er sich in ganz hervorragender Postseasonform zeigt (.414/.514/.655), während Reddick (.171/.227/.171) zur ungünstigsten Zeit im Slump steckt und in der gesamten ALCS nur einen einzigen Hit hatte.
    Vorteil Dodgers

    Designated Hitter / Bench
    Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, also in den Spielen drei, vier und fünf. Naturgemäß sind die Astros besser auf das Spiel mit DH eingestellt, aber Carlos Beltran (.231/.283/.383) scheint seine beste Zeit hinter sich zu haben und hat vor allem mit linkshändigen Pitchern (.185/.228/.277) Probleme, was gegen die Dodgers nicht gerade hilfreich ist. Wahrscheinlich sehen wir an seiner Stelle häufiger den gerade nicht im Einsatz befindlichen Catcher. Die Bank und damit die DH-Auswahl der Dodgers scheint zumindest quantitativ etwas breiter aufgestellt, zum einen mit jenen aus der Gruppe Pederson, Granderson, Ethier, Utley, die gerade nicht im Feld aufgestellt sind, zum anderen möglicherweise mit Seager, falls er nach seiner Verletzung noch nicht wieder Shortstop spielen kann, jedoch als Hitter zur Verfügung steht.
    Unentschieden

    Fazit
    Ich komme auf sechsmal Dodgers, viermal Astros und einmal Unentschieden. Das deckt sich mit meinem Gefühl, dass die Dodgers als Favorit ins Rennen gehen. Da ich generell im Zweifel für den Außenseiter bin und den Astros gönne, nach 55 Jahren Teamgeschichte ihren ersten Titel zu holen, drücke ich Houston ein bisschen die Daumen. In erster Linie aber erhoffe und erwarte ich mir eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger. Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP) gegen Dallas Keuchel (2.90 ERA, 3.79 FIP). Es wird auf jeden Fall heiß.

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    Oktober 19th, 2017 by Dominik

    Nächsten Dienstag beginnt die World Series. Noch wissen wir nicht, welche Teams dann um den höchsten Titel im Baseball gegeneinander antreten werden, doch schon heute Nacht kann die erste Entscheidung darüber fallen und morgen die zweite. Im Grand Slam am Donnerstag konzentriere ich mich heute ganz auf das aktuelle sportliche Geschehen. Gleichzeitig vollziehen sich auch jenseits der Spielfelder hochinteressante Entwicklungen. Diese könnten zu einer massiven Umstruktierung der MLB führen. Aber dieses Thema hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf, der innerhalb der nächsten Tage folgen wird.

    National League
    Die Los Angeles Dodgers waren nah dran, nach der NLDS auch die NLCS zu sweepen: Mit 3:0 Siegen lagen sie bereits in Führung, bevor sie letzte Nacht zum ersten Mal in dieser Postseason ein Spiel abgeben mussten. Die Offense der Chicago Cubs, die sich seit einigen Spielen im Tiefschlaf befand, ist nicht gerade explodiert, bekam aber gerade genug Runs beisammen, um aus dem starken Start von Jake Arrieta einen 3:2-Erfolg herauszuholen. Zwei davon waren Solo-Homeruns von Javier Baez, der zuvor mit 0 Hits aus seinen letzten 20 At-Bats gegangen war.

    Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steht Spiel fünf an und wenn die Cubs danach noch im Rennen sein wollen, müssen sie sich wohl eine Menge einfallen lassen. Denn mit einer abgekühlten Offense gegen einen der (wahrscheinlich sogar den) besten Pitcher der Welt, Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP), antreten zu müssen, klingt nicht allzu vielversprechend. Mit José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) schicken auch die Cubs einen Top-Pitcher auf den Mound, der beim letzten Aufeinandertreffen in Spiel eins genau wie Kershaw fünf Innings durchhielt und zwei Runs zuließ. Der Bullpen verlor schließlich die Partie mit 2:5. Mein Tipp ist, dass es heute ähnlich laufen wird, denn ich wüsste beim besten Willen nicht, auf welcher Basis ich der Kombination aus Kershaw und dem Bullpen der Dodgers etwas anderes prophezeien sollte als den vierten Sieg und den Einzug in die World Series.

    American League
    Während in der NL die Rollen des Favoriten und des Außenseiters klar verteilt sind, scheint der Ausgang der ALCS noch weit offen. Die Houston Astros gewannen ihre beiden Heimspiele, getragen von Dallas Keuchel und Justin Verlander, anschließend siegten aber dreimal hintereinander die New York Yankees in ihren eigenen Heimspielen. Wenn es nach diesem Muster weitergeht, haben die Astros beste Chancen, da sie das Heimrecht für die Spiele fünf und sechs besitzen. Doch der Druck, der nach der vergebenen 2:0-Führung auf ihnen lastet, dürfte enorm sein. Die Yankees hingegen können sich von der Euphorie tragen lassen, gestern Abend sogar gegen ihren Angstgegner Keuchel einen astreinen 5:0-Sieg eingefahren zu haben und nur noch einen Sieg von der World Series entfernt zu sein.

    Den ersten von zwei Matchbällen haben die Yankees morgen Nacht ab 2 Uhr mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) gegen Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). In Spiel zwei gab es dieses Duell schon einmal und es ging deutlich an Verlander, der neun dominante Innings pitchte (siehe Statistik der Woche), während Severino schon nach vier Innings vorsichtshalber ausgewechselt wurde, nachdem er einen Ball ans linke Handgelenk bekommen hatte. Nach einer Bullpen-Session am Mittwoch gab es aber grünes Licht für seinen Einsatz. Es wird sicher spannend, aber ich tippe auf einen Sieg der Astros und somit auf ein alles entscheidendes Spiel sieben am Samstag.

    Szene der Woche
    Einen der wohl seltsamsten Spielzüge des Jahres gab es am Dienstag in Spiel vier der ALCS: Es ging los mit einem Walk für Aaron Judge, gefolgt von einem Lineout durch Didi Gregorius – soweit alles normal. Als nächstes war Gary Sanchez an der Reihe, der einen Flyball ins halbrechte Outfield schlug. Für Judge sah der Ball wohl nach einem wahrscheinlichen Basehit aus, deshalb war er schon über die zweite Base hinaus gerannt, bevor er seinen Fehler bemerkte und sich schnell auf den Weg zurück zur ersten Base begab. Der Wurf dorthin von Astros-Outfielder Josh Reddick war schwach, er sprang ein paarmal auf und kam nach Ansicht des Umpires gerade noch rechtzeitig für das Out an. Yankees-Manager Joe Girardi ließ die Entscheidung überprüfen und sie wurde zurückgenommen: Judge war safe an der ersten Base. Nun protestierte wiederum Astros-Manager A. J. Hinch, der gesehen haben wollte, dass Judge auf dem Weg zurück die zweite Base nicht noch mal berührt hatte. Um darüber eine Entscheidung herbeizuführen, war ein Appeal-Play nötig – in dem Fall ein Wurf zur zweiten Base, an der dann der Umpire zu entscheiden hatte, ob dadurch an der Stelle ein Out stattfand. Astros-Pitcher Lance McCullers war dabei aber etwas voreilig, denn der nächste Batter stand noch nicht in der Box und der Ball war somit nicht freigegeben. Also musste er den Wurf wiederholen, doch nun rannte Judge plötzlich – und wurde problemlos ausgetagt. Was auf den ersten Blick aussah wie einer der dämlichsten Steal-Versuche aller Zeiten, war übrigens völlig rational: Judge und den Yankees war klar, dass er die zweite Base nicht berührt hatte und das Appeal-Play der Astros erfolgreich sein würde; daher war es den Versuch wert, die zweite Base vor dem Ball zu erreichen und auf diese Weise den Appeal abzuwehren.

    Statistik der Woche 
    93. So viele Strikes warf Justin Verlander bei seinem complete Game in Spiel zwei der ALCS, das er mit den Astros 2:1 gegen die Yankees gewann. Es waren die meisten Strikes durch einen einzelnen Pitcher in einem Playoffspiel seit 2011. Kurioserweise war es auch damals Verlander und zwar ebenfalls in der ALCS, in Spiel fünf der Detroit Tigers gegen die Texas Rangers. Insgesamt warf Verlander am Samstag 124 Pitches und schickte 13 Batter per Strikeout aus der Box.

    Spiel der Woche
    Das für mich beste Spiel der bisherigen Championship Series war Spiel zwei der NLCS. Es war ein hochkarätiges, defenselastiges Duell zwischen zunächst Jon Lester und Rich Hill und anschließend zwischen zwei sehr starken Bullpens. Im fünften Inning wurden die vorerst einzigen Runs ausgetauscht durch einen Homerun von Addison Russell und einen RBI-Single von Justin Turner. Auf Turners Konto gingen im Endeffekt alle vier RBIs der Dodgers, denn ihm gelang gelang im neunten Inning gegen den zum Reliever umfunktionierten John Lackey der  Walkoff-Homerun. Das Ganze ereignete sich übrigens auf den Tag genau 29 Jahre nach einem anderen legendären Walk-Off-Homerun der Dodgers – über den Justin Turner anschließend erzählte, dass er ihn als Dreijähriger im Haus seiner Oma live im Fernsehen gesehen hat.

    Spiel der kommenden Woche
    Wir sind auf der Zielgeraden der Saison und ich versuche, trotz der oft ungünstigen Zeiten jedes Spiel zumindest teilweise live zu sehen. Für Spiel sechs der Yankees gegen die Astros werde ich mir auf jeden Fall für Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Wecker stellen.

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    April 11th, 2017 by Dominik

    …aber man kann sie durchaus im April verlieren.“ Diese alte Baseball-Weisheit hört und liest man zurzeit wieder sehr oft. Sie ist das Mantra aller Panikmacher und Überreagierer, denen der Angstschweiß auf der Stirn steht, wenn ihr Team eine oder zwei Wochen nach Saisonstart eine negative Bilanz aufweist. Ich habe mich gefragt, was an dem Sprichwort dran ist.

    Gewinnen kann man die World Series nur, indem man in die Playoffs kommt und sich dort in jeder Runde gegen den jeweiligen Gegner durchsetzt. Die früheste Möglichkeit, die World Series zu „verlieren“, besteht darin, sich nicht für die Playoffs zu qualifizieren. Die Behauptung, man könne eine World Series im April verlieren, unterstellt letzten Endes, dass eine schlechte Bilanz im April eine Playoff-Qualifikation unmöglich macht. Auf Basis dieser Überlegung habe ich mir mal für die Jahre 2012 bis 2016 angeschaut, ob und wie oft Teams mit einer schlechten April-Bilanz in die Playoffs gekommen sind – und anders herum, wie die Playoff-Teilnehmer im April abgeschnitten hatten. Das Startjahr 2012 habe ich deswegen gewählt, weil seitdem die bis heute gültige Regel mit zwei Wild Cards je Liga in Kraft ist.

    In den fünf Jahren 2012 bis 2016 haben 29 Teams den April mit weniger als 40% Siegen abgeschlossen. Nur zwei von ihnen erreichten am Ende der regulären Saison die Playoffs. Das waren zum einen die Pittsburgh Pirates im Jahr 2014 nach 10 Siegen und 16 Niederlagen (38,5% Winning-Percentage) und zum anderen die Texas Rangers 2015, die nach einem echten Fehlstart mit 7 Siegen und 14 Niederlagen (33,3%) sogar noch ihre Division gewannen. Es gibt solche Fälle also, aber sie sind eindeutig die Ausnahme. Zehn Teams brachten es in den fünf Jahren übrigens zu einer Winning-Percentage von unter 30%. Keines von ihnen schaffte es in die Playoffs.

    Um es auch von der anderen Seite her zu betrachten: Den Regeln entsprechend erreichten in jedem der Jahre 2012 bis 2016 zehn Teams die Playoffs. Von diesen 50 Teams wiesen zehn eine negative Aprilbilanz auf (darunter die zwei oben genannten mit weniger als 40% Siegen). Die kombinierte Bilanz der Playoff-Teams 2012 bis 2016 im jeweiligen April beträgt 686-518 (57,0%). Die fünf World-Series-Gewinner der betrachteten Jahre hatten übrigens im Durchschnitt eine April-Bilanz von 65,8%, schwächster World-Series-Sieger im April waren die San Francisco Giants des Jahres 2012 mit 54,6%.

    Wenig überraschend zeigt die Betrachtung, dass die meisten Playoff-Teams schon im April des jeweiligen Jahres gut waren und dass die meisten im April schwachen Teams es am Ende nicht in die Playoffs schafften. Dass das Abschneiden im April – wie in jedem anderen Monat der Saison – einen Einfluss auf die Gesamtbilanz der Saison hat, ist logisch. Dennoch bin ich überrascht, wie deutlich das Bild ist: Nimmt man die fünf betrachteten Jahre, eine zugegebenermaßen kleine Stichprobe, zum Maßstab, so kann man sagen, dass an dem eingangs zitierten Sprichwort eine Menge dran ist. Nach einem schlechten April (unter 40% Winning-Percentage) hat man nur noch eine sehr geringe Chance auf den Einzug in die Playoffs und nach einem sehr schlechten April (unter 30%) praktisch gar keine. Man kann davon ausgehen, dass diese Regelmäßigkeiten früher noch eindeutiger galten als heute, da deutlich weniger Teams in die Playoffs kamen – je Liga bis 1969 nur eines, ab 1969 zwei und vier ab 1994. Unvergessen bleiben aber die Oakland Athletics von 2001: Sie beendeten die Saison nach einem 8-17-April noch mit einer Bilanz von sage und schreibe 102-60. Im Baseball ist eben alles möglich, auch wenn manches davon nur äußerst selten passiert.

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