Oktober 31st, 2019 by Silversurger

Was für ein Wahnsinnsjahr für die Washington Nationals! Vor der Saison verloren sie in Bryce Harper ihren größten Star und nach zwei Monaten standen sie so mies da, dass ihre Playoff-Hoffnungen allgemein als totgesagt galten. Sie schafften es dann doch noch gerade so in die Postseason, kamen dort zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte eine Runde weiter, dann noch eine und noch eine – und finden sich plötzlich am Ziel aller Träume als Champion der MLB wieder. Den Schlussakkord setzte letzte Nacht ein 6:2-Comebacksieg über die Houston Astros in Spiel 7 einer komplett verrückten World Series, in der sämtliche Partien an das jeweilige Auswärtsteam gingen.

Die World Series
Vor einer Woche sah es bereits sehr gut für die Nationals aus, weil sie damals nach zwei Spielen in Houston 2:0 vorne gelegen hatten. Doch die Astros kämpften sich zurück, holten in Washington mit 4:1, 8:1 und 7:1 drei rundum überzeugende Siege. Das Momentum war zurück auf ihrer Seite und sie schienen drauf und dran, als erster Champion seit den Red Sox 2013 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern zu dürfen.

Dazu allerdings hätte es dann doch mal eines Heimsieges bedurft und der wollte einfach nicht passieren. In Spiel 6 entschied Stephen Strasburg zum zweiten Mal in dieser Serie das Pitcherduell für sich und verhalf seinen Nationals – gemeinsam mit ein paar gewaltigen Homeruns von Adam Eaton, Juan Soto und Anthony Rendon – zu einem 7:2-Erfolg. Strasburg wurde übrigens nach dem Abschluss der World Series zu deren wertvollstem Spieler gewählt und erhielt dafür einen schicken Sportwagen.

Spiel 7 sah ein weiteres beeindruckendes Pitching-Matchup: Zack Greinke, Cy-Young-Gewinner 2009, gegen Max Scherzer, Cy-Young-Gewinner 2013, 2016 und 2017. Dass es dazu kam, ist dem Wundermittel Cortison zu verdanken, denn durch eine entsprechende Behandlung war Scherzer rechtzeitig fit geworden, nachdem er seinen Start in Spiel 5 mit Nackenbeschwerden hatte absagen müssen. Beide Starter lieferten ein starkes Spiel, wobei Greinke zunächst den besseren Auftritt hatte: Er ließ in 6 Innings nur einen Hit und keine Runs zu, während Scherzer sich zweimal überwinden ließ – erst durch einen Homerun von Yuli Gurriel, dann durch einen von Nationals-3B Anthony Rendon ungünstig ablenkten RBI-Single von Carlos Correa.  Eben jener Rendon machte seinen Fehler wieder gut, indem er im siebten Inning einen Solo-Homerun gegen Greinke schlug. Für Greinke war kurz darauf der Arbeitstag beendet. Den Mound übernahm Will Harris, dessen zweiter Pitch von Howie Kendrick zum 2-Run-Homerun geschlagen wurde und somit den Nationals die Führung brachte, die sie nicht mehr hergaben. Durch Hits von Soto im 8. und Eaton im 9. Inning erhöhte Washington auf 6:2, während Patrick Corbin und Daniel Hudson den Astros keine Chance gaben, offensiv noch etwas zu bewegen.

Die sieben Auswärtssiege in einer Best-of-7-Serie sind übrigens eine Kuriosität, deren Einmaligkeit über den Baseball hinausgeht: Nicht nur in der MLB, sondern auch in den anderen großen US-Ligen mit solchen Serien – der Basketballliga NBA und der Eishockeyliga NHL – hat es so etwas bisher noch nie gegeben.

Szene der Woche
Klarer Fall, die Szene der Woche ist der Empfang der World-Series-Trophäe durch die Nationals:

Statistik der Woche
19-31. So lautete die Bilanz der Washington Nationals nach 50 Spielen in diesem Jahr. Das ist der schlechteste Record, mit dem je ein späterer World-Champion in die Saison gestartet ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die World Series gewinnen, lag für die Nationals nach diesen 50 Spielen bei unter 0,1%.

Der Rest der Liga
Zwei Teams haben seit letzter Woche neue Field Manager verpflichtet: Die Philadelphia Phillies haben sich wie erwartet mit Joe Girardi geeinigt. Der ehemalige Meistercoach der New York Yankees ist nach zwei Jahren Pause zurück im Geschäft und strebt an, Bryce Harper & Co. zurück in die Erfolgsspur zu führen. Dorthin wollen auch die San Diego Padres mit Jayce Tingler. Der Nachfolger von Andy Green ist in diesem Job ein Neuling, bringt aber Erfahrungen aus verschiedenen Coaching- und Management-Rollen bei den Texas Rangers mit und hat die Verantwortlichen der Padres überzeugt, dass er das Team aufs nächste Level führen kann.

Mit den Padres, den Phillies, den Angels (Joe Maddon) und den Cubs (David Ross) ist nun die Hälfte der Teams, die einen neuen Manager gesucht haben, fündig geworden. Offen sind noch die Stellen bei den New York Mets, den Pittsburgh Pirates, den San Francisco Giants und den Kansas City Royals.

Ich hoffe, ihr schaut auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier rein; im Grand Slam am Donnnerstag lest ihr auch in der Offseason jede Woche das Neueste rund um die MLB. Und bevor jemand fragt: Ja, es wird auch in diesem Jahr das traditionelle Baseblog-Offseason-Wunschkonzert geben. Der Artikel dazu geht innerhalb der nächsten Tage online.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , ,

Oktober 24th, 2019 by Silversurger

Die World Series macht heute ihre erste – und vielleicht einzige – Reisepause. Die Washington Nationals sind sensationell in die Finalserie gestartet, haben beide Auswärtsspiele gewonnen und zwar ausgerechnet gegen Houstons Top-Starter Gerrit Cole und Justin Verlander. Die Nationals sind somit nur noch zwei Siege vom Gewinn der Meisterschaft entfernt und genießen in den nächsten drei Partien Heimvorteil.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“ und unterscheide auch nicht nach National League und American League. Stattdessen werfe ich neben der Übersicht zur World Series einen Blick darauf, was sich im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen stellen gerade wichtige Weichen für die Zukunft.

Die World Series
Spiel eins war direkt ein Paukenschlag aus Sicht der Nationals. Seit Anfang Juli hatten die Astros kein Spiel mehr verloren, in dem Gerrit Cole der Starting Pitcher war. Die Nationals beendeten diese Serie mit einem 5:4-Sieg, bei dem alle fünf Runs gegen Cole gelangen. Die Astros hatten im ersten Inning eine 2:0-Führung vorgelegt und Washingtons Starter Max Scherzer wirkte ungewohnt wacklig, ließ aber für den Rest seiner fünf Innings keine weiteren Runs zu. Der Held auf Seiten der Nationals war einmal mehr der kommende Superstar Juan Soto. Der 20-Jährige trug drei Hits zum Erfolg seines Teams bei, darunter einen gewaltigen Homerun im zum 2:2 im vierten und einen 2-Run-Double an die Mauer zum 5:2 im fünften Inning. Gegen Washingtons Bullpen brachte George Springer die Astros durch einen Homerun und ein Double noch einmal heran, doch die Wende gelang nicht.

Das Ergebnis von Spiel zwei aus der vergangenen Nacht war mit 12:3 für die Nationals am Ende sehr deutlich, doch über weite Strecken war es eine spannende Partie. Justin Verlander und Stephen Strasburg ließen im ersten Innings je zwei Runs zu, ansonsten war es das erwartete Duell zweier Spitzen-Pitcher – bis im siebten Durchgang die Astros komplett implodierten. Nationals-Catcher Kurt Suzuki eröffnete mit einem Leadoff-Homerun, Victor Robles holte einen Walk heraus und damit war Verlanders Arbeitstag beendet. Star-Reliever Ryan Pressly übernahm, erwischte aber einen rabenschwarzen Tag und ließ weitere fünf Runs zu – drei davon gehen auf sein Konto, einer wegen des Walks noch auf das von Verlander und einer auf das von Third Baseman Alex Bregman, der uncharakteristische Schwächen im Fielding zeigte. Das Spiel war damit faktisch gelaufen, die Nationals legten im achten und neunten Inning noch drei Runs nach, bevor Martin Maldonado mit seinem Homerun zum 3:12 ein letztes bisschen Ergebniskosmetik betrieb.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Washington (drei, sofern die Astros wenigstens einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Minute Maid Park ist, dass die Partien im Nationals Park Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Nationals sein, deren Pitcher das aus dem Alltag in der National League gewohnt sind.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Zack Greinke für die Astros und Anibal Sanchez fur die Nationals antreten. Sanchez erhält den Vorzug gegenüber Patrick Corbin, weil Letzterer in Spiel eins als Reliever eingesetzt wurde. Voraussichtlich wird Corbin in Spiel vier starten, während die Astros entscheiden müssen, ob sie mit dem Rücken zur Wand Cole trotz verkürzter Erholungspause ein zweites Mal auf den Mound schicken.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Der Rest der Liga
Eine Woche, nachdem Joe Maddon einen neuen Arbeitsplatz als Manager der Los Angeles Angels gefunden hat, präsentieren die Chicago Cubs Maddons Nachfolger: David Ross soll ab sofort die Geschicke der Cubs lenken. Der 42-Jährige ist ein Neuling in diesem Job. Bis 2016 war er noch als Spieler für die Cubs im Einsatz und maßgeblich am Gewinn der World Series beteiligt. Im Anschluss daran beendete er seine Karriere und war seitdem als Assistenztrainer sowie als TV-Analyst aktiv.

Weiterhin auf der Suche nach einem neuen sportlich Verantwortlichen sind die Pittsburgh Pirates, die San Diego Padres, die New York Mets, die Philadelphia Phillies, die San Francisco Giants und die Kansas City Royals. Ein besonders heiß umworbener Kandidat für eine der freien Stellen ist Joe Girardi, der einst sehr erfolgreich bei den New York Yankees tätig war. Girardi hat vorgestern angekündigt, seine Entscheidung in 48 Stunden bekannt geben zu wollen – also heute. Als Favorit auf seine Unterschrift gelten die Phillies, Außenseiterchancen werden den Mets zugerechnet.

Falls Girardi zu den Mets geht, darf er dort mit dem amtierenden Rookie of the Year der National League arbeiten. Wie gestern bekannt wurde, ist Pete Alonso mit überwältigender Mehrheit von den amerikanischen Baseballjournalisten zum Träger dieses Titels gewählt worden. Auch in der American League war die Entscheidung deutlich: Dort ist Yordan Alvarez von den Houston Astros der Neuling des Jahres.

Szene der Woche
Man hat schon schönere Abschiede erlebt als den von C. C. Sabathia. Bei geladenen Bases im achten Inning musste er sich mit einer Schulterverletzung auswechseln lassen. Immerhin waren ihm stehende Ovationen und „CC, CC“-Rufe der heimischen Fans vergönnt, denn obwohl er es erst hinterher offiziell bestätigte, war in dem Moment für alle offensichtlich, dass man die letzten Pitches einer großen und bewegten Karriere gesehen hatte. 19 Jahre war er in der MLB aktiv, davon acht für die Cleveland Indians und elf für die New York Yankees mit einem kurzen Zwischenspiel bei den Milwaukee Brewers. 2007 gewann er bei den Indians den Cy-Young-Award, 2009 mit den Yankees die World Series, sechsmal wurde er ins All-Star-Team gewählt. Es gab aber auch einige verschenkte Jahre, in denen er mit verlorener Pitchgeschwindigkeit, häufigen Verletzungen und Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Dass er sich aus all dem zurück gekämpft und im relativ hohen Sportleralter einen zweiten Frühling erlebt hat, machte ihn zu einem Publikumsliebling. Symptomatisch für seine Einstellung ist der Satz, mit dem er seinen Abschied vom aktiven Baseball bekannt gab: „I threw until I couldn’t anymore.“

Statistik der Woche
10 von 13. In so vielen Fällen gewann ein Team, das nach zwei Auswärtsspielen mit 2:0 Siegen vorne lag, am Ende die World Series.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , ,

Oktober 22nd, 2019 by Silversurger

Für die Houston Astros und die Washington Nationals ist der große Tag gekommen: Heute Nacht beginnt die World Series. Die Rollen sind in diesem Jahr klar verteilt: Die Astros waren mit 107 Siegen und einem Run Differential von +280 das stärkste Team der regulären MLB-Saison. Die Nationals haben mit 93 Siegen und +149 Runs zwar ebenfalls ein starkes Jahr gespielt, aber eben bei weitem kein so überragendes wie der Gegner. Nach katastrophalem Start und einer fulminanten Aufholjagd sind sie nur durch die Hintertür, sprich mit einer Wild Card, überhaupt in die Playoffs gekommen. Sie gehen als klarer Außenseiter in die Finalserie, doch das sind sie schon gewohnt: Sowohl in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers als auch in der NLCS gegen die St. Louis Cardinals traten die Nationals bereits als vermeintlicher Underdog an und triumphierten am Ende doch.

Die äußeren Faktoren halten sich ziemlich die Waage: Die Astros haben wegen ihrer besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben). Dafür gehen die Nationals ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Dienstag gebucht haben, während die Astros sich noch bis Samstagnacht mit den Yankees herumschlagen mussten.

Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich Position für Position durch:

Starting Rotation
Beide Teams haben hier ihre herausragende Stärke. Die Trios aus Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke (Astros) sowie aus Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin (Nationals) sind die besten im Baseball. Ich sehe im Vergleich dieser dreiköpfigen Monster die Astros hauchdünn vorn. Anders sieht es aus beim Blick auf die Nummer vier der Rotationen. Die Nationals gehen mit Anibal Sanchez ins Rennen, der eine sehr solide Saison und eine noch bessere bisherige Postseason (nur ein Run in 12.2 Innings) abgeliefert hat. Den Astros fehlt ein verlässlicher vierter Starter, deswegen haben sie bereits Spiel 6 der ALCS als Bullpen-Game absolviert.
Unentschieden

Bullpen
Der Bullpen der Nationals  war in der regulären Saison die Achillesferse des Teams. Mit einem ERA von 5.68 war er der schlechteste der NL und zweitschlechteste der gesamten MLB (nach den Orioles mit 5.79). In den Playoffs konnte dieser Schwachpunkt bisher überspielt werden, allerdings auf Kosten eines sehr intensiven Einsatzes der Starter und der beiden Top-Reliever Daniel Hudson und Sean Doolittle. Sollte der Bullpen in der World Series stärker gefordert werden, kann dieses Gebäude schnell zusammen brechen. Die Astros sind hier deutlich breiter aufgestellt mit Roberto Osuna, Will Harris, Joe Smith und allen voran Ryan Pressly.
Vorteil Astros

Catcher
Robinson Chirinos (Astros) und Kurt Suzuki (Nationals) sind solide offensive Catcher. Chirinos bringt allerdings das deutlich bessere Defensivspiel mit und hat in Martin Maldonado einen soliden Backup. Die Nationals hingegen stehen täglich vor der Entscheidung, ob man Suzukis defensive Schwächen in Kauf nimmt oder stattdessen Yan Gomes aufstellt, der ein besserer Catcher, aber ein schwächerer Schlagmann ist.
Vorteil Astros

First Base
Ryan Zimmerman ist ein Urgestein der Nationals, doch die Leistungen des 35-Jährigen in seiner möglicherweise letzten Saison sind längst nicht mehr das, was sie mal waren. Dass Alter kein verlässliches Kriterium zur Leistungsvorhersage ist, beweist Zimmermans Gegenüber Yuli Gurriel: Er ist ebenfalls 35, spielt aber gerade die beste Saison seines Lebens.
Vorteil Astros

Second Base
Mit Brian Dozier oder Howie Kendrick ist die Position bei den Nationals solide besetzt, aber hier müssen wir uns nicht lange mit Erklärungen und Analysen aufhalten angesichts der Tatsache, dass für die Astros der großartige José Altuve spielt.
Vorteil Astros

Shortstop
Auf den ersten Blick ein interessantes Matchup zwischen Carlos Correa (Astros) und Trea Turner (Nationals), denn beide gehören offensiv zu den besseren Shortstops der Liga. Vergleichbare On-Base-Kompetenzen, etwas mehr Power von Correa, dafür stärkeres Baserunning von Turner könnten auf ein Unentschieden hinauslaufen. Doch wir reden von einer der wichtigsten Feldpositionen in der Defensive und in dieser Hinsicht hat Correa klar die Nase vorn.
Vorteil Astros

Third Base
Abgesehen von den Starting Rotations findet sich an der dritten Base das hochkarätigste Matchup. Anthony Rendon für die Nationals und Alex Bregman für die Astros gehören zu den besten Hittern der Liga, beide haben in der regulären Saison eine OPS von über 1.000 produziert und sind in der engeren Auswahl der MVP-Kandidaten in ihrer jeweiligen Liga. Im Defensivspiel sind beide gleichermaßen solide.
Unentschieden

Leftfield
Michael Brantley war die einzige nennenswerte Neuverpflichtung der Astros vor dieser Saison und er hat sich mit mit starken Leistungen nahtlos in das Team eingefügt. Der Vergleich geht dennoch klar an die Nationals, denn sie bieten mit Juan Soto einen der interessantesten Jungstars der Liga auf. Der 20-Jährige produziert in nahezu allen Offensivstatistiken bessere Werte als sein Counterpart und paart das Ganze mit einer ebenfalls überragenden Defensive.
Vorteil Nationals

Centerfield
Victor Robles ist der zweite der jungen Wilden, dank derer sich die Trauer um den Verlust von Bryce Harper bei den Nationals in Grenzen hält. Robles ist ein hervorragender Feldspieler, reicht allerdings offensiv nicht an seinen Nebenmann Soto heran – und auch nicht an George Springer, den Centerfielder der Astros. Springer ist der wohl beste Lead-Off-Hitter der Liga und gewinnt diesen Vergleich deutlich.
Vorteil Astros

Rightfield
Josh Reddick (Astros) und Adam Eaton (Nationals) sind sowohl defensiv als auch offensiv solide MLB-Spieler, nicht mehr und nicht weniger. Eaton kommt etwas häufiger auf Base und bringt etwas mehr Power mit, daher geht der Punkt hier an ihn.
Vorteil Nationals

Designated Hitter
Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, dieses Mal also in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben. Naturgemäß sind die Astros besser auf das Spiel mit DH eingestellt und Yordan Alvarez hat gerade eine fantastische Rookie-Saison gespielt. Allerdings ist Alvarez in den bisherigen Playoffs, insbesondere in der Serie gegen die Yankees, kaum etwas gelungen. Wenn sich das nur als kleines Zwischentief und nicht als veritabler Slump erweist, geht das Duell klar an die Astros. Für die Nationals dürften in den Auswärtsspielen entweder Ryan Zimmerman oder Howie Kendrick als DH antreten, während der jeweils andere die erste Base bemannnt.
Vorteil Astros

Fazit
Ich komme auf siebenmal Astros, zweimal Nationals und zweimal Unentschieden. Das ist keine große Überraschung und entspricht der klaren Favoritenstellung der Astros. Ich persönlich habe zwar traditionell Sympathien für Underdogs, mochte aber die Nationals nie besonders und drücke deshalb den Astros die Daumen. Vor allem aber wünsche und erwarte ich eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger.

Heute Nacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Max Scherzer gegen Gerrit Cole. Allein wegen dieses Matchups lohnt es sich definitiv, eine Nachtschicht einzulegen. Zu sehen sind die Spiele auf mlb.tv und DAZN. Eine Liveübertragung im deutschen Free-TV gibt es dieses Jahr meines Wissens leider nicht.

Posted in MLB Tagged with: , ,

Oktober 17th, 2019 by Silversurger

Historisches Ereignis in Washington: Zum ersten Mal in der Klubgeschichte haben die Nationals die Meisterschaft der National League gewonnen und damit die World Series erreicht. Das umfasst nicht nur die 14 Jahre seit Ansiedlung der Franchise in Washington, sondern auch die 36 davor, in denen sie unter dem Namen Montreal Expos firmierte.

Außer Feiern heißt es für die Nationals jetzt erstmal warten. Während sie selbst mit den St. Louis Cardinals kurzen Prozess machten, liefern sich in der American League die New York Yankees und die Houston Astros ein spannendes Duell, das erst im Laufe des bevorstehenden Wochenendes entschieden wird.

National League
Als die Nationals nach 50 Spielen der regulären Saison nur 19 Siege auf dem Konto hatten und zehn Spiele von einem Playoff-Platz entfernt standen, gab niemand mehr einen Pfifferling auf sie. Doch das Team fing sich, arbeitete sich Schritt für Schritt hoch bis auf einen Wild-Card-Platz. Ein 4:3-Comebacksieg über die Milwaukee Brewers im Wild-Card-Spiel brachte sie in die NLDS. Dort überraschten sie die Baseball-Welt mit einem Duell auf Augenhöhe gegen die übermächtig erscheinenden Los Angeles Dodgers, welches Howie Kendrick mit einem Grand Slam im elften Inning des fünften Spiels entschied.

In der NLCS, der Finalserie um den Titel in der National League, wurden die St. Louis Cardinals und die Nationals als etwa gleich starke Gegner eingestuft. Doch wieder überraschten die Nationals, dieses Mal durch pure Dominanz. Gerade mal zwei Runs erlaubten die Pitcher der Nationals in den ersten drei Spielen der Serie, die Washington 2:0, 3:1 und 8:1 gewann. Im vierten Spiel kamen die Cardinals immerhin auf vier Runs, doch die interessierten kaum noch jemanden, nachdem die Nationals schon im ersten Inning eine 7:0-Führung vorgelegt hatten.

So findet die Cinderella-Story der Nationals also ihre Fortsetzung in der World Series. Am Dienstag geht es los, entweder in Houston oder in New York.

American League
Fast hätte man befürchten müssen, dass die Championship Series der American League genauso einseitig wird wie die der National League: 7:0 gewannen die New York Yankees das erste Spiel in Houston. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, dass die Yankees nach ihrem Sweep in der ALDS deutlich mehr Zeit hatten, sich auf den Gegner einzustellen. Am nächsten Tag jedenfalls fanden die Astros zurück ins Spiel und gewannen ein hochklassiges Duell durch Carlos Correas Walkoff-Homerun im elften Inning (siehe „Spiel der Woche“). Das dritte Spiel geht auf das Konto von Houstons Star-Pitcher Gerrit Cole. Cole hatte zwar ungewöhnlich viele Walks (5) und ungewöhnlich wenige Strikeouts (7), ließ aber letztlich in sieben Innings keinen Run zu und bereitete den Weg zu einem 4:1-Sieg der Astros in ihrem ersten Auswärtsspiel der Serie.

Spiel vier stand für gestern auf dem Programm, musste aber wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben werden. Daher werden heute und morgen Nacht die beiden restlichen Partien in New York stattfinden, bevor es – falls nötig – noch mal für bis zu zwei Spiele nach Houston geht, um die Best-of-7-Serie zu entscheiden. Der verlorene Tag wird wieder reingeholt, indem die Reisepause am Freitag gestrichen wird. Für die Astros könnte sich die Verschiebung als Vorteil erweisen, denn sie ermöglicht ihnen, in Spiel 5 Justin Verlander und in Spiel 6 gegebenenfalls Gerrit Cole starten zu lassen.

Szene der Woche 
Die unfreiwillige Pause durch den gestrigen Spielausfall ermöglichte, den Blick zwischendurch mal darauf zu richten, was sich außerhalb der Playoffs in der Liga tut. Einen besseren Zeitpunkt hätten die Los Angeles Angels kaum wählen können, um die Verpflichtung ihres neuen Managers zu verkünden. Es handelt sich in mehrerlei Hinsicht um einen alten Bekannten: Joe Maddon war bereits von 1975 bis 2005 in unterschiedlichen Rollen – Spieler, Scout, Trainer, Manager… – für die Angels tätig gewesen. Der Durchbruch als einer der höchstgeachteten Manager der Liga gelang ihm auf den weiteren Stationen in Tampa Bay und bei den Chicago Cubs, mit denen er 2016 die World Series gewann. Ich bin sehr gespannt darauf, ob Maddon es schafft, die in den letzten Jahren trotz Stützpfeilern wie Mike Trout und Shohei Ohtani immer wieder enttäuschenden Angels aus dem Tief zu führen.

Statistik der Woche 
17,8 Millionen Dollar. Das ist die Höhe eines Qualifying Offers für die MLB-Saison 2020. Ich erklär’s noch mal kurz: Ein Qualifying Offer kann ein Klub einem Spieler unterbreiten, dessen Vertrag ausgelaufen ist – vorausgesetzt, er hatte noch nie vorher ein solches erhalten und er stand in der vergangenen Saison durchgängig bei dem Klub unter Vertrag. Das Angebot hat eine vorgegebene Dauer – ein Jahr – sowie eine jedes Jahr neu bestimmte Höhe. Das Besondere an diesem Angebot: Wenn der Spieler es ablehnt und anderswo unterschreibt, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Das Besondere an der Höhe der Summe: Zum ersten Mal seit seiner Einführung im Jahr 2012 ist der Wert des Qualifying Offers leicht gesunken. Was sich darin widerspiegelt, ist die Zurückhaltung der Teambesitzer in der Free Agency der beiden vergangenen Jahre, denn das Qualifying Offer errechnet sich als Durchschnittssumme der Gehälter der 125 bestbezahlten MLB-Spieler.

Spiel der Woche 
Ein einziger Schwung mit dem Schläger kann nicht nur einem Spiel, sondern einer ganzen Serie, vielleicht sogar einer ganzen Saison eine neue Richtung geben. Der Schwung von Carlos Correa zum Walkoff-Homerun in Spiel zwei der ALCS war so einer, denn er brachte die Houston Astros zurück ins Rennen um die World Series.  Mit zwei verlorenen Heimspielen wären die Astros nicht ausgeschieden, doch sie hätten vor der riesigen Herausforderung gestanden, zwei von drei Spielen in New York gewinnen zu müssen. Dank Correa gingen sie mit einem Serien stand von 1:1 auf die Reise und liegen inzwischen sogar 2:1 in Front. Dass Correa überhaupt die Möglichkeit hatte, im elften Inning den siegbringenden Ball zu schlagen, war natürlich das Verdienst des gesamten Team, vor allem aber von Starter Justin Verlander, dem Bullpen der Astros und auch von Correa selbst. Denn im sechsten Inning hatte er mit einer hervorragenden Defensiv-Aktion D. J. LeMahieu an der Homeplate ausgeworfen und damit fünf Innings vor seiner großen Heldentat einen Rückstand verhindert.

Mein Einschalttipp
O. K., jetzt ist es endgültig witzlos geworden, an dieser Stelle einen Tipp zu geben, welches Spiel ihr anschauen sollt. Es läuft dieses Jahr an keinem Tag mehr mehr als ein Spiel und jede Partie ist so interessant und wichtig, dass man sie sich als Baseballfan anschauen sollte, sofern man die Zeit aufbringen und das Schlafdefizit verkraften kann. Alle verbleibenden Spiele der ALCS sowie die World Series könnt ihr auf mlb.tv oder auf DAZN verfolgen. Ob es auch eine Übertragung im Free-TV geben wird, ist mir bislang nicht bekannt. Wenn jemand dazu etwas weiß, freue ich mich auf einen Hinweis.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , ,

November 1st, 2018 by Silversurger

Seit vier Tagen ist die MLB-Saison 2018 Geschichte. Die Boston Red Sox sind noch mitten in den redlich verdienten Feierlichkeiten nach der souverän gewonnenen World Series, alle anderen machen sich mehr oder weniger intensiv Gedanken, wie man den Bostonern im nächsten Jahr das Leben schwerer machen kann als in diesem. Das gilt ganz besonders für die Los Angeles Dodgers, bei denen nach der verlorenen Finalserie zwei wichtige Personalentscheidungen anstehen.

Hier auf dem Baseblog ist die Offseason traditionell die Zeit, in der ich mich neben dem aktuellen Geschehen verstärkt mit Hintergrundthemen wie  Taktiken, Geschichte, Ballparks und so weiter beschäftige. Es wird dazu wieder das beliebte Wunschkonzert geben, das ich mit einem Artikel am kommenden Wochenende starten werde. Also haltet die Augen offen, denn es lohnt sich, beim Wünschen schnell zu sein.

Die World Series
Die World Series ist nun schon ein paar Tage her und ich fange jetzt nicht noch mal damit an, jedes einzelne Spiel durchzugehen. Stattdessen stelle ich die Frage, was von dieser Finalserie in Erinnerung bleiben wird. Mir fällt dazu Folgendes ein:

  • Das längste Spiel der World-Series-Geschichte (siehe „Statistik der Woche“).
  • Nathan Eovaldi, dessen Einsatz als Starting Pitcher dreimal vorgesehen war, aber nie zustande kam, weil er stattdessen im Dienst der Mannschaft immer wieder in kritischen Situationen Relieve-Aufgaben übernahm.
  • Die große Ausgewogenheit des Bostoner Lineups, das sowohl Homeruns als auch Smallball beherrscht und aus dem sich quasi in jedem Spiel ein neuer Held in den Vordergrund schiebt, auch wenn es für die drei, vier Top-Hitter mal nicht rund läuft.
  • David Price, der mit zwei hervorragenden Starts wohl endgültig den Ruf hinter sich gelassen hat, kein guter Playoff-Pitcher zu sein.
  • Clayton Kershaw, der genau das nicht geschafft hat – zwei World-Series-Starts mit einem ERA von 7.36 sind nicht das, was man von einem der – wenn nicht sogar dem – besten Pitcher der Welt erwartet.
  • Kenley Jansen, der als Closer das ist, was Kershaw als Starter ist: Weltspitze, aber in der World Series zum zweiten Mal hintereinander eine herbe Enttäuschung.
  • Ein eiskaltes Batting-Lineup der Dodgers, das es in der World Series auf einen Batting Average von nur .180 brachte. Das ist indiskutabel zu wenig; auch für ein Team, das von seiner Grundanlage her mehr auf Homeruns als auf einen hohen Average ausgerichtet ist.
  • Die Red Sox haben ihren Titelgewinn gestern in Boston mit einer großen Parade gefeiert und können sich nach nunmehr vier gewonnenen World Series innerhalb von 15 Jahren mit Fug und Recht das Team des bisherigen Jahrtausends nennen. 2004, 2007, 2013 und nun 2018 sind die Jahreszahlen der Meisterschaften des erfolgreichsten MLB-Teams seit dem Hattrick der New York Yankees von 1998 bis 2000. Das war damals übrigens auch das bisher letzte Mal, dass ein Team seinen World-Series-Titel verteidigen konnte. Die Red Sox scheinen nach dem überragenden Jahr mit 108 Saisonsiegen und einer durchweg dominanten Postseason ein heißer Kandidat, dieses Kunststück vollbringen zu können. Dafür spricht nicht zuletzt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meistermannschaft größtenteils beisammen gehalten werden kann. Craig Kimbrel, Nathan Eovaldi und Joe Kelly sind die hochkarätigsten Free Agents, alle anderen Leistungsträger haben noch Verträge.

    Für die Dodgers stellt sich unterdessen nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander die Frage, ob und wie man die Kraft für einen dritten Anlauf findet. Vieles wird an der Frage hängen, ob Superstar Clayton Kershaw sich entscheidet, in Los Angeles zu bleiben. Sein Siebenjahresvertrag mit den Dodgers, von dem noch zwei Jahre ausstehen, enthält eine einseitige Ausstiegsklausel, die er innerhalb von drei Tagen nach Saisonende hätte ziehen können. Das hat er bisher nicht getan, aber er hat sich mit dem Verein auf eine Fristverlängerung bis Freitagnachmittag geeinigt. Das scheint dafür zu sprechen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht macht. Viel mehr Geld wird woanders allerdings kaum zu verdienen sein: Mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Dollar ist Kershaw bereits der bestbezahlte Pitcher und der zweitbestbezahlte Baseballspieler der Welt.

    Neben Kershaws Zukunft ist auch die von Manager Dave Roberts ungeklärt. Sein Vertrag läuft aus und bislang haben die Dodgers öffentlich keine klaren Signale gesendet, ob man an einer Verlängerung interessiert ist. Während seiner bislang drei Jahre im Amt hat Roberts 287 Spiele gewonnen und 200 verloren. Er hat sein Team in jedem Jahr an die Spitze der NL West und zweimal hintereinander bis in die World Series geführt. Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber man muss auch erwähnen, dass Roberts während der Playoffs mehrfach Kritik für sein Lineup- und Bullpen-Management einstecken musste. Soweit ich es einschätzen kann, gilt Roberts Verbleib als völlig offen.

    Szene der Woche
    Hätte irgend jemand ein Drehbuch zur World Series geschrieben, er hätte wohl keine bessere Schlussszene erfinden können als die, die sich am Sonntag ereignet hat. Auf dem Mound stand Chris Sale, der Top-Pitcher der Red Sox. Er hätte zur tragischen Figur der Postseason werden können, weil er nach einer hervorragenden regulären Saison von einer Magenerkrankung geplagt war und seine Leistung nicht so abrufen konnnte wie gewohnt. Doch das Ende war für ihn mehr als versöhnlich: Er pitchte das neunte Inning des entscheidenden Spiels und schickte alle drei Batter per Strikeout von der Platte. Beim dritten Aus war ausgerechnet Manny Machado am Schlag. Der kurz vor der Trade-Deadline verpflichtete Shortstop der Dodgers hatte während der Playoffs kräftig an seinem Badboy-Image gearbeitet mit mehreren schlecht verdeckten Fouls und mit höhnischem Grinsen über die Buhrufe, die er für seine Aktionen erhielt. Die letzte Szene der Saison also war ein Strikeout von Sale gegen Machado. Nicht irgendein Strikeout, sondern ein perfekter Slider, der Machado so hart daneben schwingen ließ, dass er dabei auf die Knie ging. Baseball kann so schön sein.

    Statistik der Woche
    7:05. So viele Stunden dauerte – nein, nicht Spiel drei der World Series 2018. Das dauerte 7:20 Stunden und somit eine glatte Viertelstunde länger als die gesamte World Series 1939. Auch damals gab es schon den Modus „Best of 7“, also vier Siege bis zum Gewinn der Championship. Die New York Yankees schlugen damals die Cincinnati Reds in 4:0 Spielen.

    Der Rest der Liga
    Beginnen wir mit der traurigsten Nachricht dieser Baseballwoche: Willie McCovey ist tot. Der legendäre First Baseman der San Franciso Giants starb gestern im Alter von 80 Jahren. McCovey spielte von 1959 bis 1980 in der MLB, den größten und erfolgreichsten Teil davon für die Giants. Sein Name wird unsterblich bleiben, nicht nur weil McCovey 1986 in die Hall of Fame gewählt wurde und weil die Giants seine Nummer 44 retired haben, sondern vor allem weil die Bucht hinter der Rightfield-Tribüne von AT&T-Park – das Ziel der berühmten Splash-Hits – im Gedenken an den linkshändigen Slugger allseits als „McCovey Cove“ bekannt ist.

    In den MLB-Franchises geht es ab sofort und für die nächsten Monate vor allem um die Kaderzusammenstellung zur kommenden Saison 2019. Bei den New York Mets musste dafür erst mal ein neuer Verantwortlicher gesucht werden, nachdem General Manager Sandy Alderson während der Saison zurückgetreten war. Die Entscheidung fiel auf Brodie Van Wagenen, einen bisherigen Spieleragenten. Als solcher war Van Wagenen sehr einflussreich, hatte viele namhafte Klienten. Zu selbigen gehörten zum Beispiel die Mets Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Yoenis Cespedes und Brandon Nimmo sowie von anderen Teams Robinson Cano, Ryan Zimmerman und Ryan Howard. Der 44-jährige Van Wagenen ist ein Verhandlungsprofi und gilt als guter Analytiker. Interessant wird sein, wie sich sein Wechsel von der Seite der Spieler- zur Seite der Klubvertreter auswirkt. Schließlich hat er nun die Macht und die Verantwortung, seinen Ex-Klienten zu erklären, ob sie aus Sicht des Vereins wirklich die Verträge verdienen, die er als Agent vor Kurzem noch für sie gefordert hat.

    Auch die Toronto Blue Jays sind auf der Suche nach einem neuen leitenden Angestellten fündig geworden. Bei ihnen war es der Posten des Managers, der zu besetzen war. Zur Erinnerung: Das ist im Gegensatz zum General Manager das, was man in anderen Sportarten als Headcoach bezeichnet. Diese Stelle wird ab sofort Charlie Montoyo ausfüllen. Montoyo hat als Spieler nur sehr kurz in die MLB hinein schnuppern dürfen, als Manager dürfte er aber nach 18 Jahren im Minor-League-System sowie drei Jahren als Third-Base-Coach und einem Jahr als Bench-Coach der Tampa Bay Rays wissen, was auf ihn zukommt. Die Coaches der Rays sind dieses Jahr heiß begehrt: Letzte Woche wurde schon Rocco Baldelli als neuer Manager der Twins vorgestellt und Matt Quatraro galt ebenfalls als Kandidat für einen höheren Posten. Den erhält er jetzt bei den Rays, indem er nach Montoyos Wechsel vom Third-Base-Coach zum Bench Coach aufsteigt.

    Kein neues Personal gibt es bei den Oakland Athletics, hier setzt man stattdessen auf Kontinuität: Vizepräsident Billy Beane, General Manager David Forst und Manager Bob Melvin erhielten allesamt frühzeitig neue Verträge, bevor die alten in einem Jahr ausgelaufen wären. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Klubführung, den das Trio sich durch die sensationell starke Saison ihres Low-Budget-Teams redlich verdient hat.

    Eine der ersten Entscheidungen, die sämtliche General Manager in der Offseason zu treffen haben, ist die über sogenannte Qualifying Offers an Spieler. Ein Qualifying Offer ist ein Vertragsangebot über einen ligaweit einheitlichen Betrag – derzeit rund 17,9 Millionen Dollar – für einen Einjahresvertrag. Dieses Angebot kann man einem Spieler mit auslaufendem Vertrag machen, wenn er a) noch nie in seiner Karriere ein solches Angebot erhalten hat und b) die gesamte abgelaufende Saison im Kader des Vereins verbracht hat. Wahrscheinliche Kandidaten für ein Qualifying Offer sind dieses Jahr zum Beispiel Bryce Harper, Patrick Corbin, Dallas Keuchel und Craig Kimbrel – und auch Clayton Kershaw, falls er die oben erwähnte Option zieht. Wer so ein Angebot erhält, hat eine Woche Zeit, es anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation.

    Neben dem allgemein geregelten Verfahren der Qualifying Offers stehen dieser Tage zahlreiche Entscheidungen über Optionen an, auf die sich die Klubs und die Spieler in den einzelnen Verträgen geeinigt haben. Um nur ein paar der schon ausgeübten oder abgelehnten Optionen zu nennen: Die Diamondbacks haben die Option für Paul Goldschmidt (14,5 Millionen) gezogen, die Giants die für Madison Bumgarner (12 Millionen) und die für Pablo Sandoval (550.000), die Red Sox die für Chris Sale (16 Millionen) und die Indians die für Carlos Carrasco (9 Millionen); abgelehnt wurden hingegen die Möglichkeiten, James Shields für 16 Millionen bei den White Sox, Ervin Santana für 14 Millionen bei den Twins und Gerardo Parra für 12,5 Millionen bei den Rockies zu halten. Diese Spieler werden nun ebenso Free Agents wie Mike Moustakas (15 Millionen) und Joakim Soria (10 Millionen), die sich selbst dagegen entschieden, ihre Verlängerungsoption bei den Brewers zu ziehen. David Price hingegen hat seine Option genutzt und sich damit vier weitere Jahre bei den Red Sox für insgesamt 127 Millionen Dollar gesichert.

    Keine formell vereinbarten Optionen hat J. T. Realmuto, der Catcher und letzte verbliebene Star der Miami Marlins. Sein Erstvertrag läuft noch für zwei Jahre und die muss er, wenn der Klub darauf besteht, bei den Marlins verbringen. Das Tischtuch zwischen den beiden Seiten scheint allerdings zerschnitten, denn Realmuto und sein Agent Jeff Berry ließen bereits öffentlich verlauten, er werde „zum Start des Spring Trainings definitiv ein anderes Trikot tragen“. Mit anderen Worten: Realmuto will kein Teil von Miamis Rebuilding-Projekt sein und verlangt einen Trade. Das könnte eine der interessanten Geschichten dieser Offseason werden.


    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    Oktober 29th, 2018 by Silversurger

    Die Boston Red Sox haben es geschafft: Mit einem 5:1-Sieg über die Los Angeles Dodgers in der vergangenen Nacht haben sie den Gewinn der World Series perfekt gemacht und ihrer extrem dominanten Saison 2018 die Krone aufgesetzt.

    Wahnsinnnig spannend haben sie es das ganze Jahr über nicht gemacht: 108 Siege in der regulären Saison, 3:1 Siege gegen die Yankees in der ersten Playoffrunde, 4:1 Siege gegen die Astros in der zweiten Runde und nun erneut 4:1 Siege gegen die Dodgers in der World Series. Diese Resultate sprechen dafür, dass gegen die Red Sox in diesem Jahr einfach kein Kraut gewachsen war. Egal, ob man das Batting Lineup, die Starting Rotation, den Bullpen oder das Feldspiel betrachtet – in allen Bereichen hatten die Bostoner erstklassige Einheiten am Start und dann hatten sie in Alex Cora auch noch einen Manager, der gleich in seinem ersten Jahr im Job den Ruf erworben hat, quasi jederzeit die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Das denkwürdigste Spiel der diesjährigen World Series wird sicher Spiel drei bleiben. Es war das einzige, das die Dodgers gewinnen konnten, wobei sie mit 7:20 Stunden und 18 Innings die längste World-Series-Partie aller Zeiten benötigten, um die Red Sox wenigstens einmal niederzuringen. In Spiel vier sah es kurz danach aus, als könnten die Dodgers nachlegen und die Serie auf 2:2 ausgleichen, doch ein Homerun von Steve Pearce gegen Kenley Jansen im achten Inning brachte die Sox zurück ins Spiel, das sie dann im neunten Inning für sich entschieden – nicht zuletzt durch einen bases-clearing Double von Pearce. Auch Spiel fünf wurde in der Offensive vor allem durch Pearce geprägt, dessen zwei Homeruns sowohl den Startschuss als auch den Schlusspunkt des Bostoner Runscorings darstellten. Folgerichtig wurde Pearce anschließend zum wertvollsten Spieler der World Series gewählt.

    Ich bin leider gesundheitlich gerade etwas angeschlagen (keine Sorge, es ist „nur“ ein ordentlicher Männerschnupfen) und habe während dieser letzten drei Spiele entgegen meiner sonstigen World-Series-Gewohnheit darauf verzichtet, mir die Nächte für das Liveerlebnis um die Ohren zu schlagen. Auch dieser Artikel fällt deswegen erst mal knapp aus – im kommenden Grand Slam am Donnerstag werde ich die World Series 2018 noch mal in angemessener Ausführlichkeit würdigen.

    Posted in MLB Tagged with: , ,

    Oktober 25th, 2018 by Silversurger

    Der Grand Slam am Donnerstag meldet sich zur ersten Reisepause der World Series und derzeit sieht es so aus, als könnte die Meisterschaft dieses Jahr recht schnell entschieden sein. Die ersten beiden Spiele gingen an die Boston Red Sox, welche damit schon die halbe Miete eingefahren haben. Die Los Angeles Dodgers müssen ihre Hoffnung darauf setzen, dass es in den anstehenden Heimspielen besser läuft als in den Auftaktpartien in Fenway Park.

    Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“. Stattdessen werfe ich am Ende des Artikels einen Blick darauf, was sich neben der Finalserie im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen haben in den letzten Tagen entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.

    Die World Series
    Spiel eins war die nahtlose Fortsetzung der bisherigen Postseason der Boston Red Sox: Genau wie die Spiele der ALCS – und auch die meisten der ALDS – war es eine spannende, lange offene Partie, in der die Red Sox in den entscheidenden Momenten die besseren Entscheidungen trafen und so den Sieg sicherten. Das erwartete Pitcherduell zwischen Clayton Kershaw und Chris Sale war schnell Makulatur, denn beide hielten nur vier Innings durch. Kershaw kehrte nach einem starken Auftritt gegen die Brewers zurück in seinen alten Postseasontrott, in dem er nicht derselbe Pitcher ist, den man aus der regulären Saison kennt. 4.0 Innings, 7 Hits, 3 Walks, 5 Earned Runs lautete seine Bilanz. Chris Sale ließ in ebenso vielen Innings 5 Hits, 2 Walks, 3 Runs zu und konnte die bestehenden Zweifel an seinem Gesundheitszustand nicht ausräumen. So mussten beide Teams frühzeitig ihren Bullpen strapazieren. Die Red Sox brachten für ein Inning sogar Nathan Eovaldi, obwohl der ursprünglich als Starter in Spiel drei vorgesehen war. Eovaldi rechtfertigte die Entscheidung mit einem perfekten Outing und nährte damit die verbreitete Wahrnehmung, dass Red-Sox-Manager Alex Cora derzeit nicht in der Lage ist, irgendetwas falsch zu machen. Das gilt auch für die Wahl von Eduardo Nunez als Pinch Hitter. Der Infielder, der sonst regelmäßig gegen Linkshänder startet, begann das Spiel wider Erwarten auf der Bank, durfte dann aber im siebten Inning gegen Linkshänder Alex Wood ran. Seinen Frust über den entgangenen Start legte er wohl komplett in den Schwung, mit dem er den Ball zum 3-Run-Homerun über das grüne Monster drosch und damit eine Vorentscheidung herbeiführte.

    Apropos Linkshänder: Auf Seiten der Dodgers war interessant zu beobachten, wie konsequent Manager Dave Roberts das Matchup-Spiel durchzog. Er ließ gegen Linkshänder Sale in Spiel eins und Linkshänder David Price in Spiel zwei keinen einzigen linkshändigen Batter starten, noch nicht mal den NLCS-MVP Cody Bellinger. Im Laufe der Partien reagierte er dann immer wieder auf neue Pitcher, nutzte alle Positionsspieler seines Dugouts für Auswechslungen und Verschiebungen. In jedem der beiden Spiele fanden sich am Ende nur drei Spieler noch auf der Position wieder, auf der sie begonnen hatten.

    Auch Spiel zwei in der vergangenen Nacht folgte dem Muster, nach dem die Red Sox zurzeit ihre Siege einzufahren pflegen: im Duell der Starter hält man das Spiel offen, den Rest besorgen ein fantastisch aufgelegter und organisierter Bullpen sowie täglich ein anderer Held, der den entscheidenden Hit beisteuert. Dieses Mal kam diese Rolle J. D. Martinez zu, der im fünften Inning bei geladenen Bases ins Rightfield singelte und zwei Runs zur Führung über die Platte brachte – natürlich in einer Situation mit zwei Outs, denn auch das ist inzwischen fast schon eine Bostoner Tradition. Der Bullpen der Red Sox hat in den beiden Partien insgesamt acht Innings gepitcht und dabei lediglich drei Hits und nur einen einzigen Run zugelassen. Auch im zweiten Spiel wurde Eovaldi für ein exzellentes Relief-Inning eingesetzt, was seinen eigenen Start auf Spiel vier verschieben dürfte – vorausgesetzt, er wird nicht auch in Spiel drei wieder aus dem Bullpen gebraucht. Für die Red Sox war es übrigens das hundertste gewonnene Postseason-Spiel der Vereinsgeschichte.

    Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Los Angeles (drei, sofern die Dodgers zumindest einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Fenway Park ist, dass die Partien in Dodger Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, die das aus ihrem Alltag in der National League gewohnt sind. Auch sonst gibt es Unterschiede zwischen den Ballparks: Dodger Stadium gilt als ein eher pitcherfreundliches Stadion, während Fenway Park ein angenehmes Pflaster speziell für rechtshändige Batter ist.

    Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Walker Buehler für die Dodgers und Rick Porcello fur die Red Sox antreten. Es wird das erste Rechtshänder-Duell der Serie, sodass in den Lineups beider Teams einige Umstellungen in Reaktion darauf zu erwarten sind.

    Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

    Szene der Woche
    Hier muss ich noch einmal auf die NLCS zurück kommen, denn das entscheidende Spiel sieben zwischen den Dodgers und den Brewers habe ich in meinem Blog noch gar nicht gewürdigt. Die Dodgers gewannen 5:1 und für mich gab es zwei Szenen in dem Spiel, die haften geblieben sind. Die erste war ein Bunt von Manny Machado im zweiten Inning, mit dem er das Infield der Brewers komplett auf dem falschen Fuß erwischte. Das war kein Wunder, denn es war eine Situation, in der niemand ernsthaft mit einem Bunt rechnet: bei einem Full Count und ohne vorhandene Baserunner. Tatsächlich war es der erste Bunt-Hit bei einem 3-2-Count in der MLB seit über vier Jahren. Für die Dodgers war die Aktion Gold wert, denn Machado scorte kurz darauf bei Cody Bellingers Homerun, durch den der frühe 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung gedreht wurde. 2:1 stand es auch noch im fünften Inning, als Chris Taylor die zweite denkwürdige Szene der Partie gelang: Nach einem Double von Lorenzo Cain schien ein Linedrive von Christian Yelich auf dem besten Weg, dem Spiel eine erneute Wende zu geben. Doch Taylors unfassbar athletische Rettungstat auf dem Warning Track machte Milwaukees Comebackhoffnung zunichte und ermöglichte seinem eigenen Team, das Spiel sicher nach Hause zu bringen.

    Statistik der Woche
    6 von 6. Familie Bellinger – Cody und sein Papa Clay – haben insgesamt an sechs MLB-Saisons teilgenommen und in jeder einzelnen davon mit ihrem Team die World Series erreicht. Das dürfte mal wieder eine komplett einzigartige, nicht kopierbare Leistung sein. Clay war von 1999 bis 2001 bei den New York Yankees aktiv und 2002 bei den Los Angeles Angels. Er kam zwar nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus, aber seinen Klubs brachte er offenbar Glück. Sohnemann Cody schaffte letztes Jahr den Sprung in die Major League und eifert seinem Vater nun schon im zweiten Jahr hintereinander nach.

    Der Rest der Liga
    Alle Welt schaut nach Boston und Los Angeles und das ist auch gut so. Ein paar interessante Entwicklungen bei den anderen MLB-Teams möchte ich aber nicht unerwähnt lassen:

    Den bislang größten Coup in Sachen Neuverpflichtungen haben die Miami Marlins gelandet, indem sie die beiden kubanischen Brüder mit den originellen Namen Victor Victor Mesa und Victor Mesa Jr. verpflichteten. Der 22-jährige Outfielder Victor Victor gilt als aktuell größtes internationales Baseballtalent und soll möglichst schnell fit für die MLB gemacht werden. Sein Bruder Victor Jr. ist nicht weniger talentiert, mit seinen 17 Jahren aber vermutlich noch ein paar Jahre von Major-League-Reife entfernt. Der Move war von langer Hand vorbereitet worden, indem die Marlins in den letzten Wochen diverse kleine Trades einfädelten, bei denen sie sich mit Budgetraum für internationale Verpflichtungen bezahlen ließen. Laut dem Mitbesitzer des Klubs, Derek Jeter, ist das Engagement der Mesa-Brüder der Auftakt zu einer langfristigen Schwerpunktsetzung. Die Marlins wollen Anlaufstelle Nummer eins für Talente aus Lateinamerika werden, nicht zuletzt um die Bindung der in Miami besonders großen hispanischen Bevölkerung an den Verein zu intensivieren.

    Von den Teams, die auf der Suche nach einem neuen Manager waren, sind die Cincinnati Reds die ersten, die Vollzug gemeldet haben: David Bell wird der neue sportlich Verantwortliche der Reds sein. Der 46-jährige Bell ist als MLB-Manager ein Neuling, aber ansonsten ist er ein Baseball-Urgestein. Zwölf Jahre lang hat er als Third Baseman in der höchsten Liga gespielt, vier Jahre lang Teams im Minor-League-System der Reds gemanagt, zuletzt war er Vizepräsident für Spielerentwicklung bei den San Francisco Giants. Bell war auch in Texas und Toronto im Gespräch, doch die Reds waren sein Wunscharbeitgeber. Zwar hat er selbst nie für Cincinnati gespielt, aber er wurde dort geboren und sowohl sein Vater Buddy als auch sein Großvater Gus haben das Reds-Trikot getragen.

    Auch die Los Angeles Angels haben sich für einen neuen Manager entschieden: Brad Ausmus folgt auf die langjährige Regentschaft von Mike Scioscia. Ausmus bringt vier Jahre Joberfahrung bei den Detroit Tigers sowie eine 18-jährige Karriere als Spieler mit. Er war letztes Jahr bereits als Assistent des General Managers Billy Eppler für die Angels tätig, daher dürften beide Seiten recht gut wissen, worauf man sich miteinander einlässt. Ausmus gilt als analytisch vorgehender Manager, was ihn von dem eher old-school-orientierten Scioscia deutlich unterscheidet. Seine Zeit in Detroit war nur im ersten Jahr von Erfolg gekrönt, als die Tigers 2014 mit 90 Siegen die AL Central gewannen. Insgesamt brachte Ausmus es dort auf eine Bilanz von 314 Siegen und 332 Niederlagen.

    Quasi in letzter Sekunde vor der Veröffentlichung dieses Artikels erfahre ich noch, dass auch die Minnesota Twins ihren neuen Manger ausgewählt haben: Der Mann heißt Rocco Baldelli, war bisher Field Coordinator der Rays und galt schon seit einer Weile als heißer Kandidat für eine der freien Managerstellen. Es wird für den 37-Jährjgen das erste Engagement in dieser Rolle sein. Vorerfahrungen hat er drei Jahre lang als First Base Coach der Rays gesammelt sowie in seinem bisherigen Job, der eine Art Zwischenfunktion als Assistent des Managers und Talententwickler darstellte.

    Nach wie vor im Auswahlprozess für einen neuen Manager befinden sich die Baltimore Orioles, die Texas Rangers und die Toronto Blue Jays.

    Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wer neuer General Manager der New York Mets wird. Die Kandidatenliste wurde mittlerweile auf drei Personen eingegrenzt und das ist vor allem deshalb interessant, weil es sich um drei Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen handelt. Da ist zum einen der 35-jährige Chaim Bloom, zurzeit Vizepräsident für Baseball Angelegenheiten bei den Rays. Er vertritt einen analytischen, auf Sabermetrics basierenden Ansatz. Der nächste Kandidat ist der frühere GM und derzeitige Berater der Brewers, Doug Melvin (66), der als eher traditioneller Funktionär gilt. Und dann ist da noch Brodie Van Wagenen, ein prominenter Spielervermittler, der zum Beispiel Jacob deGrom, Noah Syndergaard und Yoenis Cespedes vertritt. Der Wechsel des verhandlungserprobten 44-Jährigen auf die „andere Seite“ dürfte sicher für einiges Aufsehen sorgen, im positiven wie im negativen Sinne. Kurz gesagt: Unterschiedlicher könnten die Kandidaten kaum sein. Man kann sagen, die Owner der Mets, Fred und Jeff Wilpon, wählen bei ihrer Suche einen sehr breiten und offenen Ansatz. Man kann aber auch sagen – und das halte ich für die zutreffendere Variante -, sie haben anscheinend kurz vor der anstehenden Entscheidung keine Ahnung, was für eine Art von GM sie überhaupt suchen.

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

    Oktober 23rd, 2018 by Silversurger

    Endlich ist es soweit: Die World Series steht unmittelbar bevor und schon allein vom Klang der Namen her ist das Matchup ein absoluter Knaller: Die Boston Red Sox und die Los Angeles Dodgers treffen aufeinander, zwei der dominierenden Teams sowohl der jüngeren Vergangenheit als auch der gesamten MLB-Historie. Obwohl beide schon seit Urzeiten dabei sind, hat es das Duell Red Sox gegen Dodgers noch nie in einer World Series gegeben, auch nicht in der Zeit vor dem Umzug der Dodgers von Brooklyn nach Los Angeles. 1916 trafen die Red Sox jedoch einmal auf die Brooklyn Robins, den Vorgängerklub der Dodgers. Die von Babe Ruth angeführten Red Sox gewannen damals mit 4:1 Spielen.

    Auch dieses Mal gehen die Red Sox als Favorit ins Rennen, nachdem sie die reguläre Saison mit 108 Siegen und einem Run Differential von +229 das ganze Jahr über dominiert haben. Die Dodgers hingegen mussten lange um den Einzug in die Postseason zittern, da sie ihr ebenfalls herausragendes Run Differential von +194 in „nur“ 92 Siege übersetzten.

    Die Dodgers und die Red Sox sind sich in den letzten Jahren erstaunlich konsequent aus dem Weg gegangen: Unter den aktuellen Spielern der Dodgers ist Manny Machado der einzige, der nennenswerte Erfahrungen mit Spielen in Fenway Park hat. Alte Bekannte sind hingegen die Manager der Teams: Sowohl Bostons Alex Cora als auch Los Angeles‘ Dave Roberts haben in ihrer Karriere als Spieler für beide Teams gespielt, zeitweise auch gemeinsam.

    Von den äußeren Bedingungen her haben die Red Sox eine leicht bessere Ausgangsposition: Zum einen haben sie wegen der besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben). Zum anderen gehen die Red Sox ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Donnerstag gebucht haben, während die Dodgers sich noch bis Samstagnacht mit den Brewers herumschlagen mussten. Das muss aber alles nichts heißen – letztes Jahr waren es die Dodgers, die in der World Series gegen die Houston Astros genau die gleichen beiden Vorteile auf ihrer Seite hatten und am Ende unterlagen.

    Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich Position für Position durch:

    Starting Rotation
    Mit Clayton Kershaw (Dodgers) und Chris Sale (Red Sox) bieten beide Teams je einen der weltbesten Starter der letzten Jahre auf. Die kurzfristigen Vorzeichen für diese beiden sind jedoch recht unterschiedlich: Kershaw überzeugte mit einem starken Start in Spiel fünf der NLCS und obendrein als Closer in Spiel sieben. Sale hingegen hielt bei seinem einzigen Auftritt in der ALCS nur vier Innings von Spiel eins durch, hatte offensichtliche Probleme, seine Pitches zu platzieren und musste einen Tag später wegen Magenproblemen ins Krankenhaus. Hätte es ein Spiel sechs gegeben, hätte Sale wohl starten können, aber wie fit er tatsächlich ist, bleibt ein Fragezeichen. Hyun Jin-Ryu, Walker Buehler und Rich Hill runden eine Dodgers-Rotation ab, die es in der Postseason auf einen ERA von 3.92 gebracht hat. Das ist ein ebenso durchwachsenes Ergebnis wie der ERA von 3.86 der Red-Sox-Starter, die neben Sale aus David Price, Nathan Eovaldi und Rick Porcello bestehen. Insgesamt eine recht ausgeglichene Sache, die in meinen Augen wegen der eingangs erwähnten Vorteile von Kershaw gegenüber Sale knapp zu Gunsten von Los Angeles entschieden wird.
    Vorteil Dodgers

    Bullpen
    Der Bullpen der Dodgers war in der bisherigen Postseason eine regelrechte Offenbarung. In gut 41 Innings ließen die Reliever im Schnitt nur 1.3 Runs pro Spiel zu. Von solchen Traumwerten sind die Reliever der Red Sox weit entfernt und ausgerechnet deren eigentlicher Star Craig Kimbrel brachte in vier seiner fünf Oktober-Einsätze die Bostoner Fans mit wackeligen Auftritten ins Schwitzen. Die Red Sox versuchten, die Löcher im Bullpen durch mehrere Relief-Einsätze ihrer Starter zu stopfen. Letzten Endes haben sie auf diese Art Erfolg gehabt, aber gegen die Dodgers können sie in diesem Mannschaftsteil nicht anstinken.
    Vorteil Dodgers

    Catcher
    Vor den Serien um die Conference Championships hätte ich auch diesen Vergleich zu Gunsten der Dodgers gesehen: Yasmani Grandal ist offensiv ein klares Upgrade gegenüber den Red Sox Sandy Leon und Christian Vazquez und schien den beiden defensiv mindestens gleichwertig. Das hat sich durch die NLCS geändert, in der Grandal plötzlich nicht mehr er selbst war und sich eine Abwehrschwäche nach der anderen leistete. Klar, jeder hat mal einen schlechten Tag, aber mein Eindruck ist, dass Grandals Selbstvertrauen unter den Fehlern gelitten hat und er zurzeit einen Unsicherheitsfaktor darstellt. Das scheint auch Dodgers-Manager Dave Roberts so zu sehen, der mehrfach auf Ersatzmann Austin Barnes zurückgreift, welcher ungefähr auf dem Niveau von Leon und Vazquez einzustufen ist.
    Unentschieden

    First Base
    Bei den Dodgers wechseln sich je nach Händigkeit des Pitcher meistens David Freese und der Senkrechtstarter des Jahres, Max Muncy, ab, nachdem der 1B-Senkrechtstarter des vorherigen Jahres, Cody Bellinger, seine Wirkungsstätte ins Outfield verlegt hat. Die Red Sox setzen dem ebenfalls ein Platoon entgegen, bestehend aus Steve Pearce und Mitch Moreland. Da die Dodgers drei Linkshänder in ihrer Rotation haben, wird es meistens auf Pearce hinauslaufen. Für mich ein:
    Unentschieden

    Second Base
    Hier schien sich für die Red Sox durch den langfristigen Ausfall von Dustin Pedroia ein Problemfeld aufzutun. Doch Utilityman Brock Holt sowie der aus Los Angeles (von den Angels, nicht von den Dodgers) akquirierte Veteran Ian Kinsler haben die Lücke nahtlos geschlossen. Bei den Dodgers sieht es oberflächlich betrachtet ganz ähnlich aus, denn auch hier teilen sich ein Allrounder (Enrique Hernandez) und ein zur Trade-Deadline erworbener Veteran (Brian Dozier) die Position. Beide sind jedoch seit Wochen in schwacher Offensivform, sodass dieser Punkt klar nach Boston geht.
    Vorteil Red Sox

    Shortstop
    Nach Corey Seagers Verletzung zogen die Dodgers kräftig an der Notbremse und tradeten fünf Prospects nach Baltimore für das Recht, die letzten dreieinhalb Monate des auslaufenden Vertrags von Manny Machado nutzen zu dürfen. Machado ist ein polarisierender, unsympathischer Zeitgenosse, anders kann man es nicht sagen. Aber verdammt, er ist gut. Bostons Xander Bogaerts ist auch ein guter Shortstop, sowohl offensiv als auch defensiv, aber gegen Machado zieht er in meinen Augen leider den Kürzeren.
    Vorteil Dodgers

    Third Base
    Kommen wir zum sympathischeren Teil des linken Infields der Dodgers: Justin Turner hat sich von einem bei den Orioles und den Mets mehr oder weniger gescheiterten Spieler in Los Angeles zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt, der sowohl durch sein markantes Äußeres als auch durch seine Neigung zu entscheidenden Hits das Gesicht des Klubs prägt. Bei den Red Sox halte ich Rafael Devers für offensiv stärker als Eduardo Nunez, welcher hingegen der bessere Feldspieler ist. Die beiden werden sich abwechseln, wobei man gegen die Dodgers wohl häufiger auf Rechtshänder Nunez setzen wird. Beide unterliegen im Vergleich mit Turner.
    Vorteil Dodgers

    Left Field
    Chris Taylor ist fast immer im Lineup der Dodgers, allerdings auf häufig wechselnden Feldpositionen. Im linken Außenfeld findet man ihn vor allem gegen linkshändige Pitcher, gegen Rechtshänder macht er Platz für Joc Pederson. Taylor ist der besere Fielder und kommt etwas häufiger auf Base, während Pederson mehr Power mitbringt. Die Red Sox müssen sich keine Gedanken über Matchups und Händigkeiten machen, denn mit Andrew Benintendi haben sie links hinten einen jungen Topspieler, der offensiv und defensiv das komplette Paket mitbringt, das man sich von einem Baseballer wünscht.
    Vorteil Red Sox

    Center Field
    Chris Taylor ist auch hier zu finden, doch meistens dürfte das Centerfield die Domäne von Cody Bellinger sein. Bellinger ist ebenfalls ein sehr vielseitiger Spieler, der zwar keine feste Position hat, aber als einer von nur sieben Spielern der Liga in 162 Spielen der regulären Saison aktiv war. In der NLCS wurde Bellinger zum MVP gewählt, da er trotz eines Batting Averages von nur .200 ein paar entscheidende Hits und einen großartigen Catch hatte. In verblüffendem Gleichschritt wurde auch sein Bostoner Gegenpart Jackie Bradley Jr. zum MVP gewählt, der ebenfalls einige entscheidende Szenen hatte und ebenfalls nur .200 schlug. Die beiden teilen nun den Rekord für den niedrigsten Average, mit dem ein Positionsspieler MVP einer League Championship wurde. Nach meiner Einschätzung teilen sie sich auch diesen Vergleich.
    Unentschieden

    Right Field
    Man weiß nie so recht, was man von Yasiel Puig erwarten darf. Sein Talent an der Platte, seine Geschwindigkeit und sein Wurfarm suchen ihresgleichen, doch seine Emotionalität und seine Neigung zur Selbstüberschätzung stehen ihm auf dem Pfad zum ganz großen Durchbruch oft im Weg. Ganz anders Mookie Betts, der ähnliche Anlagen mitbringt und das beste daraus macht. Betts ist offensiv wie defensiv der wohl stärkste Rightfielder der Liga und der aussichtsreichste Kandidat für den MVP-Titel der American League.
    Vorteil Red Sox

    Designated Hitter
    Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, dieses Mal also in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben. Naturgemäß sind die Red Sox besser auf das Spiel mit DH eingestellt und haben mit J. D. Martinez den besten reinen Hitter der Liga. Martinez ist so gut, dass man in Boston bereits wild spekuliert, wie man ihn auch in den NL-Heimspielen ins Lineup bringen kann. Eine denkbare Variante wäre, ihm das Rightfield zu überlassen und dafür Betts an der zweite Base einzusetzen. Die Dodgers haben so viel Tiefe und Flexibilität im Kader, dass sie kein Problem damit haben werden, einen brauchbaren DH aufzustellen – Turner, Muncy, Pederson und Matt Kemp wären dafür zum Beispiel Kandidaten.
    Vorteil Red Sox

    Fazit
    Ich komme auf viermal Dodgers, viermal Red Sox und dreimal Unentschieden. Das ist erstaunlich ausgeglichen angesichts dessen, dass mein genereller Eindruck und auch die Saisonbilanzen dafür sprechen, dass die Red Sox als Favorit ins Rennen gehen. Für mich persönlich waren die Red Sox schon immer das Team, dem ich in der AL die Daumen drücke, daher schlägt mein Herz auch in dieser Serie für Boston. Vor allem aber wünsche und erwarte ich eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger und wenn dieser am Ende die Dodgers sind, dann sei es ihren Fans – schöne Grüße an Thomas und Arvid – herzlich gegönnt.

    Heute Nacht um 2:09 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Clayton Kershaw gegen Chris Sale. Ich freue mich riesig auf die World Series und werde trotz beruflicher und privater Verpflichtungen die eine oder andere Nachtschicht einlegen, um die Spiele wenigstens teilweise zu sehen. Zum Schlafen ist schließlich von November bis Februar genug Zeit…

    Zu guter Letzt noch eine Einschaltempfehlung: Wenn ihr die Spiele live sehen wollt, dann habt ihr die Möglichkeit dazu im deutschen Free-TV, denn Sport1 überträgt die World Series. Besonders freue ich mich auf das Kommentatoren-Duo Andreas Thies von meinem Lieblings-Podcast Just Baseball und Matthias Ondracek, der früher für die Regensburg Legionäre spielte und nun außer für Sport1 auch für die offizielle Seite der Baseball-Bundesliga arbeitet. Die beiden sind für mich Grund genug, ausnahmsweise mal meinem geliebten mlb.tv den Rücken zu kehren.

    Posted in MLB Tagged with: , ,

    November 2nd, 2017 by Silversurger

    Sports Illustrated wusste es schon vor drei Jahren, seit heute Morgen weiß es auch der Rest der Welt: Die Houston Astros sind der Gewinner der World Series 2017. Zur Feier des Tages dreht sich heute ein letztes Mal in diesem Jahr der Grand Slam am Donnerstag ausschließlich um die World Series. Ab nächster Woche werde ich den regelmäßigen Artikel wieder vermehrt dafür nutzen, die MLB insgesamt im Blick zu behalten und zusammenzufassen, was sich während der Offseason bei den 30 Teams tut. Ich hoffe, ihr schaut auch außerhalb der Saison immer mal wieder hier rein; ich werde mich bemühen, dass uns nicht langweilig wird. Und bevor jemand fragt: Ja, es wird in den nächsten Tagen eine Neuauflage des Offseason-Wunschkonzerts geben.

    Die World Series
    Es war eine großartige World Series und auch wenn es letzte Nacht keine so dramatische Partie wie die Spiele zwei und fünf der Serie war, war Spiel sieben doch ein würdiger Abschluss. Bei beiden Mannschaften überzeugte vor allem das Bullpen-Pitching. Weniger überzeugend waren die Starter – Houstons Lance McCullers ließ in 2.1 Innings drei Hits zu und warf vier Batter ab, kam aber mit etwas Glück davon, ohne Runs zuzulassen. Dodgers-Starter Yu Darvish wurde noch früher vom Mound genommen. Er hielt nur 1.2 Innings durch und bei seinem Abgang war der Schaden bereits angerichtet. Fünf Runs hatten die Astros bis dahin über die Platte gebracht: einen durch George Springer bei einem missglückten Wurf an die erste Base von Cody Bellinger, zwei durch Alex Bregman und Brian McCann während Groundouts von Jose Altuve und Lance McCullers sowie einen Zwei-Run-Homerun von Springer.

    Für den Rest des Spiels übernahm der Bullpen der Dodgers, einschließlich vier Innings von Clayton Kershaw, und ließ keine weiteren Runs zu. Doch die fünf Zähler der Astros waren schon zu viel, einerseits weil auch Houstons Pitcher – vor allem Brad Peacock und Charlie Morton – gut aufgelegt waren und andererseits weil die Dodgers zu harmlos agierten, wenn sie Runner in Scoring Position hatten (1 Hit in 13 solcher Situationen). Sie brachten es letztlich nur auf einen einzigen, mühsam erarbeiteten Run im sechsten Inning und machten auf mich nie den Eindruck, dass ein Comeback in der Luft liegt.

    Nach vier Siegen über die Dodgers – drei davon knapp, der letzte deutlich – sind die Astros ein verdienter Champion. Sie feiern die erste Meisterschaft in 55 Jahren Teamgeschichte. Für ihre Heimatstadt kommt der Erfolg genau zur richtigen Zeit, denn die Stadt Houston leidet immer noch unter den Folgen des verheerenden Hurricanes Harvey und kann die Ablenkung und Aufmunterung durch die Leistungen des Baseballteams sicher gut gebrauchen. Wie groß die Begeisterung für das Team in Houston ist, zeigt auch, dass während der beiden letzten Auswärtsspiele das Public Viewing im heimischen Minute Maid Park jeweils komplett ausverkauft war. Am morgigen Freitag wird das Team mit einer Parade durch die Stadt empfangen werden.

    Szene der Woche
    Natürlich gab es in der World Series eine Menge interessanter Spielszenen. Ich möchte hier aber eine Reihe von Ereignissen erwähnen, die nur am Rande mit dem Sport zu tun haben: Es ging los in Spiel drei, als Yu Darvish (genau wie in Spiel sieben) einen schlechten Tag hatte und unter anderem einen Homerun gegen Houstons Yuli Gurriel abgab. Gurriel wurde später im Dugout gefilmt, als er eine Schlitzaugengrimasse schnitt und das Wort „Chinito“ verwendete – wörtlich „kleiner Chinese“ und offenbar als Verunglimpfung des Japaners Darvish gemeint. Auf diesen rassistischen Ausfall reagierte die Liga prompt mit einer Sperre von fünf Spielen, die allerdings erst zu Beginn der nächsten Saison fällig wird. Gurriel durfte also auch in den weiteren Spielen der Serie mitwirken und musste sich in Los Angeles dem Auswärtspublikum stellen, das ihn verdientermaßen ordentlich ausbuhte. Hierbei kam es zu der zweiten bemerkenswerten Szene, verursacht von Dodgers-Pitcher Rich Hill. Hill wählte eine passive Form der Vergeltung, indem er beim Auftritt von Gurriel einen Schritt zurück trat und den Unmutsbekundungen der Zuschauer damit besonders viel Zeit verschaffte. In Spiel sieben schließlich zeigte Buhmann Yuli Gurriel, dass er seinen Fehler einsieht und weiß, was sich in so einem Fall gehört: Unmittelbar bevor er erstmals seit dem ursprünglichen Vorfall wieder gegen Darvish in die Batter’s Box trat, zog er vor ihm seinen Helm und nickte ihm entschuldigend zu. Schön, dass das damit geklärt ist.

    Statistik der Woche
    8 Extra-Base-Hits, 29 Total Bases, 5 Homeruns. Das ist die Offensivbilanz des Astros-Outfielders George Springer in den sieben Spielen der World Series. Jeder der drei Werte stellt einen Rekord in der Geschichte der World Series dar – die Extra-Base-Hits und die Total Bases sind neue Bestmarken, den Homerun-Rekord teilt Springer sich mit Reggie Jackson (1977) und Chase Utley (2009). Es war nur folgerichtig, dass Springer zum MVP, also zum wertvollsten Spieler der Serie gewählt wurde. Übrigens, falls es bisher noch nicht aufgefallen sein sollte: Schaut mal, welcher Spieler auf dem eingangs erwähnten Cover von Sports Illustrated aus dem Jahr 2014 abgebildet ist. Fast schon unheimlich, oder?

    Spiel der Woche
    Natürlich war Spiel sieben der World Series das wichtigste, aber das sehenswerteste war definitiv Spiel fünf der Serie. Ich habe gestern kurz den Verlauf dieser unglaublichen Partie skizziert, aber am besten macht man sich selbst ein Bild.

    Spiel der kommenden Woche
    Traurig, aber wahr: Die Partie letzte Nacht war das letzte Baseballspiel des Jahres – zumindest das letzte in der MLB und auch die Baseball-Bundesliga ist schon seit einer Weile fertig. Monatelange Abstinenz von diesem großartigen Sport ist dennoch kein Muss. In der Arizona Fall League beispielsweise messen sich noch bis 18. November diverse Prospects und die Australian Baseball League nimmt am 16. November den Spielbetrieb der Saison 2017/18 auf. Ich werde in den nächsten Tagen mal recherchieren und zusammenstellen, wo und wie man in der Offseason in den Genuss von Liveübertragungen aktiver Ligen kommt.

    Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , ,

    November 1st, 2017 by Silversurger

    Jeweils über 220 Spiele – Spring Training, reguläre Saison und Playoffs zusammengenommen – haben die Los Angeles Dodgers und die Houston Astros dieses Jahr schon absolviert, sechs davon gegeneinander in der World Series. Nun steht es 3:3 in der Best-of-Seven-Serie und die Mammut-Saison der MLB gipfelt in einem einzigen Spiel, das unweigerlich die Entscheidung bringen wird.

    Es war bisher eine wirklich großartige World Series mit zwei besonders herausragenden Partien: zum einen Spiel zwei (siehe „Spiel der Woche“ im letzten Grand Slam am Donnerstag), zum anderen Spiel fünf in der Nacht zum Montag. Letzteres wäre bereits ein würdiger Abschluss gewesen, denn es ist kaum vorstellbar, dass dieses Spiel in punkto Spaß und Spannung noch zu toppen ist. Dreimal gingen die Dodgers in Führung, dreimal glichen die Astros aus und lagen schließlich nach acht Innings 12:9 vorne. Nun war es an den Dodgers, ihrerseits ein Comeback hinzulegen und das taten sie mit drei Runs im neunten Inning. Im zehnten Inning holte dann aber doch Houston per Walkoff das Spiel mit 13:12 nach Hause. Ein enttäuschender Tag war es lediglich für die Pitcher – angefangen bei den Top-Startern Clayton Kershaw und Dallas Keuchel bis tief in beide Bullpens und letzten Endes Star-Closer Kenley Jansen, der den entscheidenden Run kassierte.

    Spiel sechs war kein ganz so großer Aufreger, aber auch ein gutes Spiel. Justin Verlander und Rich Hill lieferten sich ein starkes Duell, bei dem Hill nur einen Homerun von George Springer im dritten Inning zuließ und Verlander nach hervorragenden fünf Innings im sechsten durch einen Double von Chris Taylor und ein Sacrifice-Fly von Corey Seager zweimal bezwungen wurde. Im siebten Inning steuerte Joc Pederson für die Dodgers noch einen Homerun zum 3:1-Endstand bei.

    Als Starter in Spiel sieben sind Yu Darvish (3.86 ERA, 3.83 FIP in der regulären Saison; 4.15 ERA, 4.70 FIP in der Postseason) und Lance McCullers (4.25 ERA, 3.10 FIP in der regulären Saison; 2.95 ERA, 3.59 FIP in der Postseason) vorgesehen. Beide haben den wichtigsten Start ihrer Karriere vor sich, beide werden aber auch schnell aus dem Spiel sein, falls sie irgendwelche Schwächen oder Unsicherheiten zeigen. In diesem definitiv letzten Spiel der Saison stehen sämtliche Pitcher zur Verfügung und die Team-Manger werden nicht zögern, sinnvoll erscheinende Wechsel umgehend vorzunehmen. Da beide Bullpens in der bisherigen World Series nicht wirklich überzeugt haben, erscheint es umso wahrscheinlicher, dass wir auch den einen oder anderen etatmäßigen Starter in Relief-Rollen sehen werden – Clayton Kershaw, Rich Hill, Dallas Keuchel, Justin Verlander werden allesamt mehr als bereit sein, für ein paar Innings einzuspringen. „Ich kann 27 Innings spielen, was auch immer sie von mir brauchen,“ hat Kershaw die vor diesem Spiel allseits herrschende Einstellung auf den Punkt gebracht.

    Eine Vorhersage vermag ich nicht abzugeben. Die bisherige World Series hat gezeigt, dass beide Teams leistungsmäßig ganz eng beisammen sind. Weder den Dodgers noch den Astros kann man nachsagen, sie hätten Glück gehabt, sich in Spiel sieben gerettet zu haben. Vielmehr erscheint der große Showdown, zu dem es heute Nacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt, die logische Folge der bisherigen Serie und auch der gesamten Saison zu sein. Ich freue mich jedenfalls riesig auf das Spiel und werde mir keine Minute davon entgehen lassen, auch wenn sich der Schlafentzug wie jedes Jahr Anfang November bereits deutlich bemerkbar macht. Was das angeht, brechen ab morgen auf jeden Fall wieder bessere Zeiten an.

    Posted in MLB Tagged with: , , ,