November 21st, 2019 by Silversurger

Die ganz großen Free-Agent-Signings blieben diese Woche noch aus, aber die Atlanta Braves haben bereits einen Anfang gemacht. Die Pittsburgh Pirates sortieren derweil erstmal ihr Front Office, haben mit Ben Cherington endlich einen neuen General Manager gefunden. Die Ligaführung beschäftigt sich nach wie vor mit dem Sign-Stealing-Skandal um die Houston Astros und schmiedet gleichzeitig offenbar Pläne, die Minor Leagues beträchtlich zu verkleinern. Soweit die wichtigsten Neuigkeiten aus der MLB. Außerdem darf ich noch die MVPs der vergangenen Saison nachliefern, die ein paar Stunden nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag bekannt gegeben wurden.

Die wertvollsten Spieler 2019 kommen aus Los Angeles
Als letzter und wichtigster der großen Einzelspielerawards für die Saison 2019 stand noch die Ehrung der MVPs, also der wertvollsten Spieler der MLB aus. Durchgesetzt haben sich die beiden Favoriten Mike Trout (Los Angeles Angels) in der American League und Cody Bellinger (Los Angeles Dodgers) in der National League. Für Trout war es nach 2014 und 2016 schon der dritte MVP-Award. Von den 30 wahlberechtigten Baseballjournalisten hatten 17 Trout auf Rang eins ihres Stimmzettels, die anderen 13 hatten ihn auf Rang zwei. Alle anderen Erst- und Zweitstimmen in der AL gingen an Alex Bregman von den Houston Astros. In der NL brachte Bellinger es auf 19 Erststimmen und ließ damit Vorjahres-MVP Christian Yelich (10) und World-Series-Gewinner Anthony Rendon (1) klar hinter sich.

Neuer General Manager für die Pirates
Die Pittsburgh Pirates haben ihren neuen General Manager gefunden: Ben Cherington soll die Geschicke des Klubs in den kommenden Jahren leiten. Der 45-Jährige war zuletzt als Vizepräsident der Toronto Blue Jays tätig, besser bekannt ist er als ehemaliger GM der Boston Red Sox. Die Bilanz seiner Zeit in Boston von 2012 bis 2015 ist zwiespältig: 2013 führte er die Red Sox zum Gewinn der World Series, in den drei anderen Jahren hingegen belegten sie jeweils den letzten Platz ihrer Division. Zugute halten muss man Cheringten wiederum, dass er einen jungen Kern mit zum Beispiel Mookie Betts, Andrew Benintendi, Xander Bogaerts, Jackie Bradley Jr., Rafael Devers und Eduardo Rodriguez hinterließ, der 2018 eine weitere World Championship nach Boston holte. Die erste wichtige Aufgabe, die beim neuen Arbeitgeber in Pittsburgh auf Cherington wartet, ist die Verpflichtung eines neuen Field Managers.

Braves sichern sich zwei Reliever
Die Atlanta Braves haben sich als erste aus der Deckung gewagt und eine nennenswerte Neuverpflichtung bekannt gegeben: Will Smith, der wohl beste Reliever der diesjährigen Free-Agent-Klasse, hat für 39 Millionen Dollar einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Hinzu kommt eine Kluboption für das Jahr 2023, die Smith weitere 13 Millionen einbringen würde. Da der Linkshänder ein Qualifying Offer der San Francisco Giants vorliegen hatte, erhält sein Ex-Klub von den Braves einen Pick in der Draft 2020 als Kompensation. Neben Smith verstärkt auch Chris Martin den Bullpen der Braves. Der Rechtshänder war schon während der Saison zur Trade-Deadline von den Texas Rangers nach Atlanta gekommen. Jetzt sicherten sich die Braves seine Dienste für die nächsten zwei Jahre gegen 14 Millionen Dollar Entlohnung.

Zwei Spieler akzeptieren Qualifying Offer
Will Smith war einer von zehn Spielern, die dieses Jahr ein Qualifying Offer von ihrem Klub erhalten hatten. Erwartungsgemäß lehnten wie er die meisten von ihnen den Einjahresdeal über 17,8 Millionen Dollar ab. Angenommen haben ihn 1B Jose Abreu von den Chicago White Sox und SP Jake Odorizzi von den Minnesota Twins. Für Abreu war schon länger klar, dass er und die White Sox weiterhin zusammenarbeiten möchten. Die Frage war nur, ob man sich auf einen längerfristigen Vertrag einigt oder eben das QO als Sicherheitsnetz genutzt wird. Letzteres ist nun erst mal der Fall, Ersteres durchaus noch möglich. Dass auch Odorizzi das QO angenommen hat, kam für mich überraschend. Er selbst bezeichnete die Entscheidung als „betting on myself“. Er hofft also, durch ein weiteres gutes Jahr zu überzeugen und dann nächstes Jahr – ohne den Balast der Draftpick-Kosten nach einem QO – einen noch besseren Vertrag zu bekommen, als es momentan möglich wäre.

Werden 42 Minor-League-Teams dicht gemacht?
Die Zusammenarbeit zwischen der Major League Baseball (MLB) und den Minor Leagues (MiLB) ist vertraglich im Professional Baseball Agreement (PBA) geregelt. Dieser Vertrag läuft Ende 2020 aus und muss erneurt werden. Das sind Vorgänge, die normalerweise wenig beachtet hinter den Kulissen ablaufen. Durch einen öffentlich bekannt gewordenen Vorstoß hat die MLB nun allerdings einigen Aufruhr entfacht: Der Vorschlag sieht eine Reorganisation der MiLB vor, durch die die Zahl der Minor-League-Teams von 160 auf 118 reduziert würde. Dass es gegen solche Pläne massiven Widerstand gibt, war zu erwarten – schließlich hängen an den möglichen Streichungen traditionsreiche Baseballstandorte mit lokalen Fanbasen und vor allem zahlreichen Arbeitsplätzen für Spieler und sonstiges Personal. Die MLB auf der anderen Seite argumentiert, dass die Schrumpfung notwendig ist, um die Rahmenbedingungen in den Minor Leagues insgesamt aufwerten zu können. Dies ist erst der Anfang einer Diskussion, die die Baseballwelt innerhalb der nächsten Monate massiv beschäftigen könnte.

Houston hat ein Problem
Das andere große Thema dieser Offseason sind die Sign-Stealing-Vorwürfe gegen die Houston Astros. Neue Entwicklungen seit letzter Woche gibt es kaum. Die Untersuchung der Liga gegen die Astros läuft und wird noch eine ganze Weile andauern. Andere Teams stehen bisher nicht im Fokus der Ermittlungen, sind aber insofern betroffen, als zum Beispiel Alex Cora – heute Manager der Red Sox, damals Bench Coach der Astros – oder Carlos Beltran – damals Astros-Spieler, jetzt Mets-Manager – zu ihren Kenntnissen und Rollen bezüglich der Vorgänge des Jahres 2017 befragt werden. MLB-Commissioner Rob Manfred ließ diese Woche verlauten, dass es keinen Zeitplan für die Untersuchung gibt, sie aber möglichst bis zum Start der neuen Saison abgeschlossen sein soll.

Verstärkungen aus Japan
In den beiden vergangenen Offseasons stand mit Shohei Ohtani und Yusei Kikuchi je ein japanischer Starspieler im Fokus, hinter dem eine ganze Reihe von MLB-Teams her war. Ohtani unterschrieb schließlich vor der Saison 2018 bei den Los Angeles Angels, Kikuchi Anfang 2019 bei den Seattle Mariners. Auch dieses Jahr bewerben sich wieder einige gestandene Profis aus der zweitwichtigsten Baseballnation der Welt für ein Engagement in der MLB. Einen Hype in der Größenordnung der beiden Vorgänger löst keiner von ihnen aus. Trotzdem darf man gespannt sein, wo die folgenden Spieler landen und wie sie einschlagen werden:

  • OF Yoshimoto Tsutsugo, 28-jähriger Powerhitter von den Yokohama BayStars;
  • IF Ryosuke Kikuchi, 29-jähriger Defensivspezialist von Hiroshima Carp (nicht verwandt mit Yusei Kikuchi);
  • P Shun Yamaguchi, 32-jähriger Starter der Yomiuri Giants;
  • CF Shogo Akiyama, 31-jähriger ausgewogener Hitter der Seibu Lions.

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