Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

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November 27th, 2018 by Silversurger

An der 161st Street im New Yorker Stadtteil Bronx steht der Ballpark, der dieses Jahr in der MLB die (nach Dodger Stadium) zweitmeisten Besucher begrüßen durfte. Er beherbergt die erfolgreichste Franchise der Baseball-Geschichte: die New York Yankees.

Geschichte
Yankee Stadium ist einer der neuesten Ballparks der Liga, allerdings wird das vom nur halb interessierten Beobachter schnell übersehen. Es besteht nämlich akute Verwechslungsgefahr mit dem alten Stadion der Yankees, das den gleichen Namen trug, an fast der gleichen Stelle stand und dem neuen architektonisch sehr ähnelte.

Das 1923 eröffnete alte Yankee Stadium war das erste eigene Stadion der Yankees, die sich bis dahin die Polo Grounds mit den New York Giants geteilt hatten. Leisten konnten sich die Yankees den Bau nicht zuletzt deshalb, weil sie in den Jahren zuvor zu New Yorks erfolgreichstem Klub aufgestiegen waren und den Giants auch bei den Zuschauerzahlen den Rang abgelaufen hatten. Für beide Entwicklungen spielte Superstar Babe Ruth eine große Rolle. Man nannte das Stadion deshalb auch gerne „the house that Ruth built“.

Das alte Yankee Stadium (1923-2008) (1)

Eine umfangreiche Renovierung 1974/75 verlängerte die Lebensdauer des Ballparks, doch schon ab Beginn der 1980er Jahre warb Teambesitzer George Steinenbrenner immer wieder für einen Neubau. Das tat er lange ohne Erfolg, weil er weder in New York noch am Alternativstandort in New Jersey die Zustimmung zu der nötigen öffentlichen Finanzierung fand. Doch steter Tropfen höhlt den Stein: 20 Jahre später hatte Steinenbrenner die Verhandlungen mit dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani kurz vor dem Ende von dessen Amtszeit so weit getrieben, dass sein Nachfolger Michael Bloomberg aus den Zusagen nicht mehr heraus kam, obwohl er es versuchte. Mit Gesamtkosten von 2,3 Milliarden Dollar, davon 1,2 Millarden öffentliche Gelder, ist das von 2006 bis 2008 erbaute Yankee Stadium bis heute das teuerste Stadion der Welt.

Sportlich war der Neueinzug ins Stadion für die Yankees immer ein Garant für schnelle Erfolge: 1923 gewannen sie im frisch erbauten Yankee Stadium ihre erste World Series, 2009 im neuen Yankee Stadium ihre 27. und bisher letzte. 1976, als sie nach zwei Jahren Umbau zurück in ihr Stadion durften, erreichten sie zumindest die Finalserie und in den beiden Folgejahren holten sie jeweils den Titel. Es mag überraschen, dass das zehn Jahre alte Stadion bisher noch nie Gastgeber des All-Star-Games sein durfte. Das liegt vor allem daran, dass der alte Ballpark diese Ehre 2008 zum Abschied hatte, sodass die Yankees nun eben wieder eine Weile warten müssen, bevor sie das nächste Mal an die Reihe kommen.

Außer Baseball finden im Yankee Stadium auch regelmäßig die Fußballspiele des New York City FC sowie gelegentlich College Football und Konzerte statt.

Das neue Yankee Stadium (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Das neue Yankee Stadium ist im Kern selbstverständlich ein hochmoderner Ballpark mit diversen Annehmlichkeiten. Doch bei der äußeren Gestaltung wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Vorbilder aus dem alten Stadion aufzugreifen. Die Fassade soll der des Urzustands des ersten Yankee Stadium von 1923 möglichst ähnlich sehen und auch die bordürenartige Verzierung am Dach wurde aus dieser Zeit kopiert.

Im Centerfield steht eine moderne Videowand, doch im linken und rechten Outfield wurden zusätzlich manuell betriebene Anzeigetafeln angebracht, an den selben Stellen wie im alten Stadion. Auch die zwei Einschnitte im Stadionrund, durch die man die vorbeifahrenden Subway-Züge sehen kann, wurden beim Neubau übernommen.

Panorama-Ansicht von Yankee Stadium aus dem Outfield (3)

Das Innenleben des neuen Yankee Stadium ist Geschmackssache, um nicht zu sagen: Mir gefällt es nicht. Die große Halle im südlichen Teil ist schon nicht besonders schön, aber zumindest geräumig. Beim Versuch, das Stadion zu umrunden, gerät man hinter dem Outfield zwangsläufig in sehr düstere Betonkanäle. Zu den höher gelegenen Tribünen führen statt offener Treppen, wie sie in den meisten anderen neueren Stadien üblich sind, endlose rundum geschlossene Betonrampen.

Die große Halle im südlichen Innenbereich des Stadions (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Feldmaße des neuen Yankee Stadium sind nahezu identisch mit denen des alten: Mit Foul-Linien von 318 Fuß (97 Meter) im Leftfield und 314 Fuß (96 Meter) im Rightfield sowie einem 408 Fuß (124 Meter) tiefen Centerfield gehört der Ballpark zu den kleineren in der MLB und ermöglicht entsprechend viele Homeruns.

Das spiegelt sich auch in den Ballpark-Faktoren wieder, denen zufolge Yankee Stadium mehr Hits, mehr Runs und mehr Homeruns zulässt als die meisten anderen Stadien. Doubles und Triples kommen hingegen seltener vor als im MLB-Durchschnitt – auch das ist eine typische Beobachtung in eher kleinen Ballparks.

Wo sitzt man am besten?
New York ist generell ein teures Pflaster und das merkt man auch beim Kauf von Baseballtickets. Aufgrund der ungebrochenen Popularität der Yankees ist das Stadion häufig ausverkauft, sodass man Tickets oft nur mit großem zeitlichem Vorlauf oder aber über die gängigen Weiterverkaufs-Plattformen erhält.

Man kann das Spiel in Yankee Stadium von fast jedem Sitz gut verfolgen, am besten natürlich von den Plätzen auf der unteren Ebene rund um die Homeplate. Für solche Sitze muss man in aller Regel mit Preisen von mehreren hundert Dollar rechnen. Eine Ebene höher ist die Sicht fast genauso gut und der Preis pro Ticket deutlich geringer, aber immer noch dreistellig.

Blick von der Homeplate-Seite aus (5)

Ein Schnäppchen kann man in Yankee Stadium machen, indem man mit einem Platz auf den Bleachers, also den unüberdachten Outfield-Tribünen vorlieb nimmt. Ab 15 Dollar kann man hier ein Ticket bekommen, wenn es nicht gerade gegen die Red Sox oder die Mets geht. In den Blöcken 201 und 239 fangen die Preise sogar bei 5 Dollar an – allerdings nur, weil das die Blöcke sind, aus denen die Sicht auf einen Teil des Feldes beschränkt ist.

Meine Empfehlung sind Plätze entlang der First-Base- und Third-Base-Linie auf der dritten oder vierten Ebene. Hier findet sich ein meiner Ansicht nach sehr annehmbarer Kompromiss aus einem guten Überblick aus der Vogelperspektive und auch mit Familie noch erschwinglichen Preisen von ungefähr 30 bis 70 Dollar pro Karte.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Severin St. Martin (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
(3), (4), (5) Eigene Aufnahmen

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Oktober 18th, 2018 by Silversurger

Im Gegensatz zu den enttäuschend einseitigen Divisional-Serien halten die beiden Serien um die League Championships bislang alles, was sie versprochen haben. Jedes einzelne Spiel zwischen den Los Angeles Dodgers und den Milwaukee Brewers sowie zwischen den Boston Red Sox und den Houston Astros war spannend und in beiden Duellen ist nach vier bzw. fünf absolvierten Partien noch nichts entschieden. Schon im jeweils nächsten Spiel kann sich das aber ändern, denn sowohl die Dodgers als auch die Red Sox sind nur noch einen Sieg von der World Series entfernt.

Vom Rest der Liga gibt es derweil nicht allzu viel Neues zu vermelden. Von den Teams, die nach neuen Coaches und Managern suchen, scheint noch keines unmittelbar vor einem Vertragsschluss zu stehen. Eine Hiobsbotschaft gab es für die New York Yankees: Kurz nach ihrem Playoff-Aus stellte sich heraus, dass Shortstop Didi Gregorius eine Tommy-John-Surgery benötigt, die inzwischen bereits stattgefunden hat. Gregorius wird somit einen Großteil der kommenden Saison verpassen. Entsprechend stark haben die Spekulationen zugenommen, dass die Yankees sich in der Offseason um Manny Machado, den wohl begehrtesten kommenden Free Agent auf dieser Position, bemühen könnten.

National League
In der NLCS haben die Los Angeles Dodgers letzte Nacht erstmals die Führung übernommen. Der Garant dafür war Clayton Kershaw, der beim 5:2-Erfolg gegen die Milwaukee Brewers endlich in einem Playoffspiel seine Klasse zeigen konnte. Mit einem ERA von 4.11, erworben in 27 Partien (22 Starts) mit insgesamt 140 gepitchten Innings, entsprachen seine Postseason-Auftritte bislang nur selten seinen Leistungen in der regulären Saison. Zum Vergleich: In 318 Saisonspielen (316 Starts, 2096.1 Innings) liegt sein Karriere-ERA bei sagenhaften 2.39. Oktober dürfte nicht gerade sein Lieblingsmonat sein, aber gestern ließ er sich – anders als im ersten Spiel der Serie – davon nichts anmerken und dominierte die Hitter der Brewers sieben Innings lang fast nach Belieben.

Die Brewers huldigen unterdessen auffällig dem neuen Trend im Baseball: dem sogenannten Bullpenning, also sehr frühen und häufigen Pitcherwechseln. In Spiel eins wurde Starter Gio Gonzalez schon nach zwei Innings ersetzt, in Spiel vier sogar schon nach einem Inning, wobei er sich da aber auch eine Verletzung zugezogen hatte. Spiel fünf schließlich war ein neues Extrem, denn Starter Wade Miley musste schon nach einem einzigen Batter den Mound räumen. Laut Manager Craig Counsell war das eine geplante Aktion, um den Gegner zu verwirren und zum verstärkten Einsatz von Rechtshändern gegen den linkshändigen vermeintlichen Starter zu bringen. Das hat zwar funktioniert, wurde aber letzten Endes nicht von Erfolg gekrönt. Es ist interessant, die Entwicklung weg vom klassischen Starter, die einige Teams – allen voran Tampa Bay – in der regulären Saison vorangetrieben haben, nun auch in der Postseason angewendet zu sehen. Erfolg hatten die Brewers mit dieser Taktik bislang allerdings nur in Spiel eins der Serie. Ihren zweiten Sieg holten sie in Spiel drei bei einem ganz normalen Start von Jhoulys Chacin, der 5.1 Shutout-Innings pitchte.

Die Entscheidung der Serie kann Freitagnacht ab 2:39 Uhr unserer Zeit fallen, wenn Spiel sechs von den Dodgers gewonnen wird. Wenn die Brewers noch in die World Series wollen, müssen sie sowohl dieses Spiel als auch die dann entscheidende Partie am Samstag gewinnen.

American League
Die ALCS verläuft bislang gefühlt alles andere als einseitig, trotzdem haben die Boston Red Sox inzwischen eine komfortable Führung von 3:1 Spielen und stehen somit kurz vor der World Series.

Gelungen ist ihnen das, indem sie in knappen Spielen zum richtigen Zeitpunkt die entscheidenden Hits gelandet haben. Dafür steht niemand mehr als Outfielder Jackie Bradley Jr.: Zuerst beeinflusste er den Ausgang von Spiel zwei durch einen 3-Run-Double, bei dem der Ball ziemlich lustig durch die Gegend hüpfte. In Spiel drei besiegelte er den Sieg seines Teams durch einen Grand Slam im achten Inning. In Spiel vier schließlich schlug er den Go-ahead-Homerun im sechsten Inning. Das waren 9 entscheidende RBIs in den drei Siegen der Red Sox und jeden davon erzielte er bei zwei Outs.

Die Red Sox haben nun drei Matchbälle zum Gewinn der Best-of-3-Serie. Die erste Chance, einen davon zu verwandeln, besteht heute Nacht ab 2:09 Uhr unserer Zeit beim Duell von David Price und Justin Verlander.

Szene der Woche
An dieser Stelle muss ich mal die vielen großartigen Catches erwähnen, die die Serie der Astros gegen die Red Sox hervorgebracht hat. Der sehenswerteste davon war für mich der Catch von Astros-Outfielder Tony Kemp in Spiel drei gegen die Red Sox. Er beraubte dadurch Steve Pearce eines Extra-Base-Hits gegen die Outfield-Mauer und verhinderte zu dem Zeitpunkt eine höhere Führung Bostons. Genützt hat es im Endeffekt wenig, denn am Ende gewannen die Red Sox mit 8:2. Seinem Kollegen Josh Reddick erging es ähnlich: Auch er hatte eine tolle Aktion, die in Spiel vier Schlimmeres verhinderte, auch dieses Spiel brachten die Red Sox nach Hause – passenderweise durch einen spektakulären Catch von Andrew Benintendi. Genauso entscheidend für den Ausgang dieser Partie war der Catch, den Mookie Betts nicht machen konnte: Ein Fan griff unzulässigerweise ins Spiel ein und verhinderte, dass Betts den potenziellen Homerun von Jose Altuve stehlen konnte. Die Umpires entschieden dennoch auf Out, denn bei Fan Interference ist die Szene so zu beurteilen wie sie vermutlich ohne den Eingriff passiert wäre.

Statistik der Woche
1930. Das ist eigentlich keine richtige Statistik, sondern eine Jahreszahl. Im genannten Jahr ist es zum letzten Mal vorgekommen, dass ein Pitcher zwei Spiele einer Playoffserie hintereinander gestartet hat. George Earnshaw war es damals, der für die Philadelphia Athletics die Spiele fünf und sechs der World Series gegen die St. Louis Cardinals begann. Earnshaw gewann beide Spiele und entschied damit die Serie zu Gunsten von Philadelphia. Earnshaw pitchte damals im ersten Spiel sieben Innings und im zweiten neun. Morgen wird voraussichtlich Wade Miley von den Brewers erstmals seit 88 Jahren wieder das zweite Playoffspiel in Folge beginnen. Er brachte es bei seinem vorherigen Start allerdings auf 0 Innings, da er schon vor dem ersten Out ausgewechselt wurde.

Spiel der Woche
Die bislang aufregendste Partie der League Championships war für mich Spiel vier zwischen den Dodgers und den Brewers. Viele Runs gab es in dem 13-Inning-Thriller zwar nicht zu sehen, dafür aber überragendes Pitching insbesondere von beiden Bullpens, einen fantastischen Catch sowie den entscheidenden Walkoff-Hit von Cody Bellinger und natürlich die vielen Gesichter des Manny Machado: Für seinen Freund und Gegenspieler Jonathan Schoop hatte er sowohl einen Geburtstagskuchen als auch einen starken Wurf zum Groundout übrig, für Jesús Aguilar leider nur einen ziemlich fiesen Tritt und für die lange zitternden Dodgersfans schließlich den erlösenden Lauf um die Bases, mit dem er Christian Yelichs Wurf aus dem Rightfield zuvor kam und seinem Team den Sieg brachte.

Mein Einschalttipp
Ich bleibe natürlich bei meiner Empfehlung, möglichst jedes der letzten paar Spiele auf dem Weg zur World Series 2018 zu schauen. Innerhalb unserer Zeitzone bietet sich speziell die sechste Partie zwischen den Red Sox und den Astros an. Mit einer Startzeit von 23:09 Uhr unserer Zeit ist es das einzige verbleibende Spiel der League Championships, das nicht mitten in der Nacht beginnt. Ob es überhaupt stattfindet oder ob die Serie schon vorher durch einen Sieg von Boston in Spiel 5 entschieden wird, bleibt noch abzuwarten. Dementsprechend stehen auch die Starting Pitcher noch nicht fest. Nach derzeitigem Stand würde es vermutlich auf Dallas Keuchel und auf Chris Sale hinauslaufen, sofern Letzterer bis dahin nach seinen Magenproblemen wieder ganz auf den Beinen ist.

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Oktober 11th, 2018 by Silversurger

Ganz ehrlich: So richtig mitreißend war die Divisional-Runde – außer für glühende Anhänger eines der beteiligten Teams – dieses Jahr nicht. Es gab keinen einzigen Krimi über fünf Spiele, vielmehr machten alle vier Serien über weite Strecken einen unspektakulären und vorhersehbaren Eindruck.

Aber sehen wir es mal positiv: Den League-Championships, also quasi den Halbfinals um die Krone des Baseballs, kann der Verlauf der vorherigen Runde nur guttun. Zum einen dürfen wir wohl ziemlich sicher davon ausgehen, dass die vier verbliebenen Teams tatsächlich die besten sind, die die MLB derzeit zu bieten hat. Zum anderen ist durch die schnellen Divisionals gewährleistet, dass jedes von ihnen mindestens drei Tage Pause genießen kann. Alle vier werden somit gut vorbereitet, ausgeruht und vor allem mit voller Flexibilität hinsichtlich der Pitchereinsätze ins Rennen gehen.

American League
Am ehesten kam noch in der Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees etwas Spannung auf – die Yankees konnten die erste Niederlage postwendend ausgleichen und in Spiel 4 (siehe „Spiel der Woche“) war für sie bis zum letzten Zentimeter des letzten Outs noch alles möglich. Aber dazwischen lag Spiel 3, das wohl als eine der einseitigen Playoff-Partien aller Zeiten gelten darf. 16:1 schlugen die Red Sox die Yankees in deren eigenem Stadion. Die Überlegenheit der Roten war so drückend, dass die New Yorker sich irgendwann nicht mal mehr zu schade waren, zum erst zweiten Mal in der MLB-Geschichte einen Positionsspieler pitchen zu lassen. Das allerdings machte die Sache noch schlimmer: Gleich den ersten Pitch von Catcher Austin Romine nutze Bostons Brock Holt zu einem Homerun, mit dem er den ersten Cycle in einem Playoff-Spiel überhaupt komplettierte.

Noch einseitiger als das Duell der Red Sox und der Yankees war die andere ALDS zwischen den überzeugenden Houston Astros und den sang- und klanglos enttäuschenden Cleveland Indians. Letztere wurden der Befürchtung gerecht, dass es sich bei ihnen um ein überschätztes Team handelte, dessen Saisonbilanz durch die vielen Spiele gegen schwache Divisionskonkurrenten aufgebläht war. 7:2, 3:1 und 11:3 wurden die Indianer abgefertigt von den Astros, die in jeder Hinsicht reif erscheinen, ihren Titel zu verteidigen.

Auf dem Weg dorthin müssen sie erstmal in der American League Championship Series (ALCS) an den Red Sox vorbei. Ich habe schon Äußerungen in der Richtung gelesen, dies sei dieses Jahr die eigentliche World Series. Das würde ich so nicht unterschreiben. Klar, die beiden Teams waren diese Saison weitaus dominierender als irgendeine Mannschaft aus der National League. Aber müssen die Top-Teams der NL schlechter sein, nur weil sie in einer ausgeglicheneren Liga gespielt haben? Ich denke nein, zumal die NL in den Interleague-Spielen dieses Jahr mit 158-142 zum ersten Mal seit Langem die Oberhand behalten hat.

National League
Die Divisionals der NL verliefen fast identisch mit denen der AL: Auch hier gab es einen 3:0-Sweep, in dem Fall zwischen den Milwaukee Brewers und den Colorado Rockies, deren „Rocktober“ nach 2:3, 0:4 und 0:6 ein jähes Ende fand.

Und auch hier endete die andere Serie 3:1 und machte selten den Eindruck, ein anderes Ende finden zu können als den Sieg der Los Angeles Dodgers. Es war im Endeffekt ein klarer Triumph der Erfahrung gegen den jugendlichen Eifer, mit dem die Atlanta Braves es dieses Jahr erstaunlich weit gebracht hatten. In der NLDS konnten sie nur ein Spiel knapp gestalten und letzten Endes auch 6:5 gewinnen, ansonsten waren sie den Dodgers mit 0:3, 0:6 und 2:6 nicht gewachsen.

In die NLCS gehen die Dodgers als Favorit – sie haben die schon erwähnte breite Postseason-Erfahrung und sie bieten auch die größeren Namen auf. Auf der anderen Seite stehen die Brewers mit ihrem sehr ausgewogenen Roster, mit dem sie derzeit eine Siegesserie von elf Spielen reiten – Spiel 163 und NLDS-Sweep inklusive.

Szene der Woche
Das erste Gastspiel der Atlanta Braves in den Playoffs seit fünf Jahren war zwar von relativ kurzer Dauer, aber für einen Glanzpunkt reichte es: Rookie Ronald Acuna Jr. brachte die Braves in Spiel 3 gegen die Dodgers auf den Weg zu ihrem einzigen Sieg durch einen Grand Slam im zweiten Inning. Der 20-Jährige wurde dadurch zum jüngsten Spieler, der je einen Grad Slam in der Postseason geschlagen hat. Die Erinnerung an diese Aktion wird nicht so schnell verblassen, jedenfalls nicht auf dem Unterarm einer gewissen Caitlin: Dorthin würde sie sich das Gesicht von Acuna tätowieren lassen, wenn er einen Grand Slam schlägt, hatte die Braves-Anhängern getwittert. Aus dem Versprechen kommt sie wohl nicht mehr heraus.

Statistik der Woche
211. Dies ist die zweithöchste Anzahl von Saisonsiegen, die je die Teams einer Postseason-Paarung gemeinsam erzielt haben. Mehr als die Red Sox (108 Siege) und die Astros (103) konnten nur die Teilnehmer der World Series 1998, die New York Yankees und die San Diego Padres, mit insgesamt 212 vorweisen.

Spiel der Woche
Spiel 4 zwischen den Red Sox und den Yankees sah zunächst aus wie die nahtlose Fortsetzung der Klatsche vom Vortag: Nach zwei scorelosen Innings ging Boston per Sacrifice Fly von J. D. Martinez in Führung und baute diese durch einen Double von Ian Kinsler, einen Single von Eduardo Nunez und einen Homerun von Christian Vazquez auf 4:0 aus. Die Yankees kamen erst im fünften Inning auf einen einzelnen Run, der zu wenig schien, um die Red Sox in Bedrängnis zu bringen. Zu sattelfest war das Pitching von Starter Rick Porcello und dem Bostoner Bullpen. In Letzterem hatte Ass Chris Sale einen Gastauftritt mit einem perfekten achten Inning. Zum Ende wurde es dann aber doch noch spannend. Closer Craig Kimbrel lud die Bases und ließ per Hit-by-Pitch gegen Neil Walker sowie Sac-Fly von Gary Sanchez den Vorsprung auf einen einzigen Run schmilzen. Mit zwei Outs und zwei Baserunnern war es der Defense von 3B Nunez und 1B Steve Pearce zu verdanken, dass Gleyber Torres haarscharf das entscheidende Out ereilte.

Mein Einschalttipp
Der Einschalttipp soll dabei helfen, in der Flut von MLB-Spielen die interessantesten herauszupicken. Inzwischen sind wir längst in den Tagen des Jahres angekommen, in denen sich die Flut auf natürliche Weise gelichtet hat und die Empfehlung nur lauten kann, jedes der verbleibenden Spiele anzuschauen – sei es live, zeitversetzt oder auch nur als Zusammenfassung. Einen Bonustipp habe ich aber doch: Wagt doch mal den Blick über die MLB hinaus, denn auch in Deutschland wird sehenswerter Baseball gespielt und manchmal gibt es davon sogar Liveübertragungen. Am Samstag und – falls nötig – am Sonntag duellieren sich in Bonn die Capitals und die Heidenheim Heideköpfe um die Entscheidung der Deutschen Meisterschaft. Spielbeginn ist jeweils um 13 Uhr, auf baseball-bundesliga.de findet man den Link zum Livestream. Heidenheim führt nach den beiden Heimsiegen vom vergangenen Wochenende die Serie mit 2:1 an und benötigt somit nur noch einen Sieg zur Meisterschaft. Bonn muss beide Spiele gewinnen, um den Traum vom ersten Titel der Vereinsgeschichte wahr werden zu lassen.

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Oktober 4th, 2018 by Silversurger

Da waren es nur noch acht: Die Oakland Athletics und die Chicago Cubs sind die ersten Playoff-Teams, die auf der Strecke geblieben sind. Für die Athletics war ein einziges Spiel entscheidend, das sie letzte Nacht 2:7 gegen die New York Yankees verloren. Die Cubs hatten immerhin zwei Chancen, die erste „richtige“ Playoff-Serie – die National League Divisional Series (NLDS) – zu erreichen. Doch sie verloren sowohl das Extraspiel um den Divisionssieg gegen die Milwaukee Brewers als auch das Wild-Card-Spiel gegen die Colorado Rockies und somit ist das NL-Team mit der zweitbesten Saisonbilanz wohl verdient ausgeschieden.

Ebenfalls ausgeschieden ist Buck Showalter als Manager der Baltimore Orioles. Nach neun Jahren, deren schlechtestes das aktuelle mit desaströsen 115 Niederlagen war, ist er seinen Job los. Auch die Minnesota Twins haben bekannt gegeben, dass sie sich von ihrem Manager Paul Molitor trennen. Molitor war vier Jahre im Amt und letztes Jahr nach einer überraschend starken Saison zum Manager of the Year gewählt worden. 2018 wurde allerdings zur Enttäuschung, daher soll nun ein neuer Cheftrainer die Aufgabe übernehmen, die Twins in der AL Central wieder wettbewerbsfähig zu machen.

National League
Die National League hat einer in weiten Teilen extrem spannenden Saison die Krone aufgesetzt, indem in gleich zwei Divisionen ein entscheidendes „Spiel 163“ ausgetragen werden musste, um eine Entscheidung über den Gruppensieg herbei zu führen. Zwischen den Chicago Cubs und den Milwaukee Brewers war es ein sehr enges Spiel, das sich erst im achten Inning in Richtung der Gäste aus Milwaukee neigte, welche schließlich 3:1 gewannen. Das Duell um die NL West zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war weniger spannend. Die Dodgers dominierten von Anfang an und führten bereits mit 5:0, bevor die Bats der Rockies im neunten Inning mit zwei Solo-Homeruns erwachten, ohne den Ausgang der Partie ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Die Verlierer der Entscheidungsspiele durften sich damit trösten, dass sie zumindest in das Wild-Card-Spiel einzogen. Dort war dann allerdings zwingend Endstation für eines von ihnen, in dem Fall für die Cubs (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies treffen als Wild-Card-Sieger ab heute Nacht in einer Best-of-5-Serie auf die Brewers. In der anderen Paarung der NLDS erwarten die Dodgers die Atlanta Braves. Die Braves sind das einzige Team der NL, das sich seit dem Ende der regulären Saison am letzten Sonntag ausruhen konnte. Man wird sehen, ob sie diesen Vorteil nutzen können.

American League
In der AL stand zwischen Saison und Playoffs deutlich mehr Erholung auf dem Programm: Montag und Dienstag waren für alle Teams frei, am Mittwoch fand das Wild-Card-Spiel zwischen den Yankees und den Athletics statt und erst am Freitag geht es weiter mit den beiden Divisional-Serien.

Eine der beiden ALDS findet statt zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians. Mit 103 Siegen und als Titelverteidiger gehen die Astros als klarer Favorit ins Rennen gegen die Indians, die das Glück hatten, einen Großteil ihrer 91 Siege innerhalb der sehr schwach besetzen AL Central einfahren zu können.

Die andere ALDS ist der Baseball-Klassiker schlechthin: Die Boston Red Sox erwarten die New York Yankees. Als Divisionsrivalen haben die beiden in der regulären Saison schon 19-mal gegeneinander gespielt. Mit 10:9 für die Red Sox war das Gesamtergebnis denkbar knapp und es drückt ziemlich genau die leichte Favoritenrolle aus, die die Red Sox vor dieser ersten Playoff-Serie gegen den Erzrivalen seit 2004 inne haben.

Szene der Woche
Das Wild-Card-Spiel der AL war zwar nicht halb so spannend wie das der NL, aber es hatte einen definierenden und für die Fans der Yankees regelrecht erlösenden Moment: den 2-Run-Homerun von Aaron Judge. Der weite Schlag über das Leftfield im ersten Inning besorgte nicht nur die beruhigende frühe Führung, er war auch das klare Statement, dass mit Judge wieder zu rechnen ist. Knapp zwei Monate war er mit einem angebrochenen Handgelenk ausgefallen und in den zwei Wochen seit seiner Rückkehr ins Lineup war er sichtlich nicht der dominierende Hitter, als den man ihn kannte. Jetzt ist er offenbar wieder der Alte und bereits auf der Jagd nach Rekorden: Es war sein vierter Homerun in sieben Playoffspielen für die Yankees, was außer ihm nur „Mister October“ Reggie Jackson geschafft hat. Im sechsten Inning legte er übrigens noch ein Leadoff-Double nach und leitete damit die endgültige Entscheidung in Form eines 4-Run-Innings ein. Schön, dass mal wieder ein anderer Judge die Schlagzeilen beherrscht als Brett Kavanaugh…

Statistik der Woche
.247. Zugegeben, über den Rekord, den die Yankees aufgestellt haben, wird man wohl länger reden als über diese Zahl: 267 Homeruns haben die New Yorker in der regulären Saison geschlagen und damit mehr als jemals ein anderes Team. Die .247 finde ich persönlich aber noch bemerkenswerter. Es ist der Batting Average, mit dem Athletics-Slugger Khris Davis die Saison abgeschlossen hat – und zwar nicht nur die Saison 2018, sondern auch die Saisons 2015, 2016 und 2017. Viermal hintereinander den gleichen Average zu erzielen ist eine unglaublich unwahrscheinliche Leistung, mit der Khris Davis obendrein die Aufmerksamkeit von seinem Beinahe-Namensvetter Chris Davis von den Orioles ablenkt. Der hat nämlich ebenfalls einen Rekord erzielt: Sein Batting Average von .168 ist der niedrigste, mit dem je ein qualifizierter Blätter – also einer mit mindestens 502 Plate Appearances – eine Saison beendet hat.

Spiel der Woche
Jon Lester kennt der durchschnittliche Baseballfan schon lange, Kyle Freeland möglicherweise erst seit diesem Jahr, Tony Wolters vermutlich erst seit gestern. Sowohl der erfahrene Veteran der Cubs als auch der starke Newcomer der Rockies haben im Wild-Card-Spiel der NL eine sehr gutes Partie gepitcht. Lester erlaubte lediglich einen Sacrifice-Fly von Nolan Arenado zur frühen 1:0-Führung der Rockies, Freeland ließ nur vier Hits und keinen Run zu. Dass es trotzdem nicht innerhalb der regulären Spielzeit für die Rockies reichte, lag an Javier Baez, dem gegen Adam Ottavino bei zwei Outs und einem 0-2-Count im achten Inning ein Double zum 1:1 gelang. Das war auch schon alles, was gegen die beiden überzeugenden Pitcherriegen bis zum dreizehnten Inning zu holen war. Am Ende des längsten Ausscheidungsspiels aller Zeiten wurde einer zum Helden, den wohl niemand auf der Rechnung hatte: Tony Wolters gelang gegen Kyle Hendricks der entscheidende Single, der Trevor Story zum 2:1 nach Hause brachte, nachdem dieser und Gerrardo Parra jeweils Singles bei zwei Outs vorgelegt hatten. Es ist keine Schande, wenn man den Backup-Catcher der Rockies bislang nicht kannte. Mit einem Batting Average von .170 hat er in der regulären Saison nicht gerade für Aufsehen gesorgt, aber jetzt kennt ihn jeder als den Mann, der den Rockies den ersten Playoffsieg seit 2009 beschert hat.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein dürfte. Das von den Namen her reizvollste Duell ist natürlich das zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees. Die beste Sendezeit bietet das erste Spiel zwischen den Houston Astros und den Cleveland Indians am Freitag ab 20:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das ist im Übrigen auch die Partie mit dem aufregendsten Pitcher-Matchup, denn aller Voraussicht nach werden Justin Verlander (2.52 ERA, 2.78 FIP) und Corey Kluber (2.89 ERA, 3.12 FIP) sich die Ehre geben.

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September 27th, 2018 by Silversurger

Für zehn Teams geht die MLB-Saison nächste Woche weiter und bis auf eine Ausnahme wissen wir, welche zehn es sein werden. Mit diesen Teams beschäftige ich mich im Hauptteil dieses Artikels.

Alle anderen sind längst dabei, die Weichen für das nächste Jahr und darüber hinaus zu stellen. Einige Klubs haben bereits bekannt gegeben, dass sie verantwortliche Personen in der sportlichen Leitung austauschen werden. Die Rangers sowie aller Voraussicht nach die Angels und die Orioles werden den Manager wechseln, während die Mets und die Giants nach einem neuen General Manager suchen (zur Erinnerung: der Manager ist in der MLB das, was man woanders den Cheftrainer nennt; der General Manager ist der, der den Kader zusammenstellt)

Für eine ganze Reihe von Spielern wird diese Saison die letzte gewesen sein. Victor Martinez von den Tigers hat sein Abschiedsspiel bereits hinter sich, David Wright von den Mets wird seines am Samstag bekommen (siehe „Einschalttipp“), das von Ichiro Suzuki wird wohl Anfang nächsten Jahres in Tokio stattfinden. Adrian Beltre von den Texans könnte ein weiterer prominenter Neurentner werden, er hat eine Entscheidung zum Saisonende angekündigt. Unterdessen hat Bartolo „Big Sexy“ Colon, mit 45 Jahren der älteste Spieler der Liga, bereits bekannt gegeben, dass er gerne noch ein Jahr dranhängen möchte. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Eine weitere gute Nachricht gibt es für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: An den drei letzten Tagen der Saison – Freitag bis Sonntag – sind über den Streaming-Dienst der MLB alle Spiele kostenfrei zu empfangen.

American League
Die Playoff-Paarungen waren eigentlich schon eine ganze Weile klar, inzwischen stehen sie offiziell fest: Die Houston Astros (100-58) treffen in der American League Divisional Series (ALDS) auf die Cleveland Indians (89-69) und die Boston Red Sox (107-52) auf den Sieger des Wild-Card-Spiels der New York Yankees (97-61) gegen die Oakland Athletics (96-63).

Das Wild-Card-Spiel wird am 3. Oktober stattfinden, der Ort ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die Yankees haben derzeit einen Vorsprung von 1,5 Spielen und es selbst in der Hand, diesen heute Abend in Tampa Bay auf 2 Spiele auszubauen. Die Athletics greifen erst von Freitag bis Sonntag wieder ins Geschehen ein und haben dann die Chance, mit einer guten Serie bei den Los Angeles Angels den Yankees den Heimvorteil noch abzujagen. Diese bekommen es in den letzten drei Spielen noch einmal mit den Red Sox zu tun, welche sicher nichts dagegen hätten, ihrem Erzrivalen kurz vor den Playoffs noch mal in die Suppe zu spucken.

Sollten die Yankees und die Athletics die Saison mit einer identischen Bilanz abschließen, so werden für die Entscheidung des Heimvorteils zunächst die Ergebnisse der direkten Spiele zwischen diesen beiden herangezogen. Dieser Vergleich ist aber 3:3 ausgegangen und somit keine Hilfe. Als nächstes entscheidet die Bilanz innerhalb der eigenen Division. Hier stehen die Yankees bei 41-31 und die Athletics bei 37-36. Das können die A’s nicht mehr einholen, also müssen sie die Yankees zwingend überholen, wenn sie das Wild-Card-Spiel im eigenen Stadion spielen wollen.

National League
Wie schon das ganze Jahr über, geht es auch in den letzten Tagen der Saison in der National League äußerst eng zu. Die Atlanta Braves (89-69) haben als einzige schon den Sieg in ihrer Division sicher. Ebenfalls sicher ist, dass die Chicago Cubs (92-66) und die Milwaukee Brewers (92-67) an den Playoffs teilnehmen. Wer von den beiden Divisionssieger wird und wer ins Wild-Card-Spiel muss, bleibt spannend bis zum Schluss. Die Cubs haben noch ein Spiel weniger, das sie heute Nacht gegen die Pittsburgh Pirates absolvieren. Anschließend müssen sie eine sicher schwierige Serie gegen die St. Louis Cardinals (87-72) spielen, welche ihrerseits um den zweiten Wild-Card-Platz kämpfen. Die Brewers haben die vermutlich leichtere Aufgabe, sie schließen die reguläre Saison mit drei Spielen gegen die Detroit Tigers ab.

Zusätzlich zum schweren Restprogramm werden die Cubs derzeit mit der Geschichte um Addison Russell belastet. Der Shortstop wird von seiner Ex-Frau beschuldigt, sie sowohl köperlich als auch verbal misshandelt zu haben. Natürlich gilt für ihn wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung. Doch die MLB ermittelt schon seit 15 Monaten wegen der Vorwürfe und diese wiegen offenbar so schwer, dass Russell nun von der Liga vorerst beurlaubt wurde – das heißt, bis zu einer erneuten Entscheidung erhält er weiter sein Gehalt, darf aber nicht spielen.

Zurück zum Sport: In der NL West ist das Rennen ebenso offen wie in der NL Central. Die Colorado Rockies (88-70) haben letzte Nacht mit ihrem sechsten Sieg in Folge die Spitze von den Los Angeles Dodgers (88-71) zurück erobert. Die Dodgers haben zuletzt zweimal gegen die Arizona Diamondbacks verloren und müssen heute Nacht tatenlos zusehen, ob die Rockies ein weiteres Spiel gegen die Philadelphia Phillies gewinnen, um ihre Führung auf ein volles Spiel auszubauen. Das Restprogramm der Dodgers und der Rockies dürfte ungefähr gleich schwer sein: Die Rockies treffen auf die Washington Nationals, die Dodgers auf die San Francisco Giants. Das sind beides Teams, die mit großen Playoff-Hoffnungen in die Saison gestartet waren, diesen aber nicht gerecht geworden sind. Beide werden versuchen, dem Jahr ein versöhnliches Ende zu geben – wobei bei den Giants die Motivation noch etwas höher sein könnte, da sie immerhin gegen ihren Erzrivalen antreten.

Bevor die Playoffs der NL beginnen können, muss noch einer aus dem Trio Dodgers/Rockies/Cardinals die Segel streichen und es muss eindeutig feststehen, wer Divisionssieger und wer Teilnehmer des Wild-Card-Spiels ist. Anders als wenn es (wie in der AL zwischend den Yankees und den Athletics) „nur“ um den Heimvorteil geht, treten bei einem Gleichstand in Bezug auf die Playoff-Teilnahme keine Tie-Break-Regeln in Kraft. Stattdessen kommt es zu einem Entscheidungsspiel, das noch zwischen das Ende der regulären Saison und das Wild-Card-Spiel gequetscht werden muss. Es können dieses Jahr drei Fälle auftreten:

a) An der Spitze einer Division stehen zwei Teams mit gleicher Bilanz. Das könnte die Brewers und die Cubs und/oder die Dodgers und die Rockies betreffen. In dem Fall gibt es ein Entscheidungsspiel um Platz eins.

b) Zwei Teams, die um den zweiten Wild-Card-Platz konkurrieren, haben die gleiche Bilanz. Das könnte die Cardinals sowie entweder die Dodgers oder die Rockies betreffen. Zwischen diesen beiden Teams würde ebenfalls ein Entscheidungsspiel stattfinden.

c) Die Fälle a) und b) treten gleichzeitig ein. Das heißt, die Cardinals, die Rockies und die Dodgers schließen mit der gleichen Bilanz ab. Dann würde zuerst ein Entscheidungsspiel zwischen den Rockies und den Dodgers um den Divisionssieg stattfinden, anschließend ein weiteres Entscheidungsspiel des Verlierers gegen die Cardinals um die Wild Card und dann erst das Wild-Card-Spiel.

Szene der Woche
Eine Eigenheit, die ich am Baseball besonders mag, ist dass es trotz seiner langen und bewegten Geschichte und trotz der sehr hohen jährlichen Anzahl von Spielen fast jede Woche wieder irgendetwas gibt, das so noch nie passiert ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Francisco Arcia. Er schrieb in einem ansonsten katastrophal schlechten Spiel seiner Los Angeles Angels gegen die Oakland Athletics Geschichte, indem er als erster Major Leaguer überhaupt im selben Spiel pitchte, catchte und einen Homerun schlug. Arcia startete das Spiel hinter der Platte und übernahm im siebten Inning den Mound, um die Pitcher des Teams zu schonen, nachdem man bereits mit 16 Runs zurück lag. Der 29-jährige Rookie schlug sich nicht schlecht in der ungewohnten Rolle: Zwar erlaubte er zunächst zwei Homeruns, pitchte dann aber ein sauberes achtes Inning. Im neunten Inning blieb er als Batter im Spiel und erzielte gegen Chris Hatcher den Solo-Homerun zum 3:21-Endstand, womit er seinen historischen Nachmittag vervollständigte.

Statistik der Woche
23-31. So lautet die Bilanz der Cleveland Indians gegen Mannschaften, die bei einer Siegquote von .500 oder besser stehen. Das ist erschreckend wenig für ein Team, das insgesamt eine Bilanz von 89-69 aufweist und das vor knapp zwei Wochen als erstes in der ganzen MLB den Gewinn seiner Division perfekt gemacht hat. Die Zahlen nähren die Zweifel daran, dass die Indians so gut sind wie sie in der Tabelle dastehen. Mit diesen Zweifeln müssen sie das ganze Jahr schon leben, weil sie in ihrer AL Central auf keine echten Prüfsteine getroffen sind und ihnen der Gruppensieg quasi in den Schoß gefallen ist. Ob sie in den Playoffs mit den weniger umstrittenen Top-Teams mithalten können, muss sich auf dem Platz zeigen. Die Houston Astros, der Gegner der Indians in der ALDS, haben eine Bilanz von 41-38 gegen Teams, die bei mindestens .500 stehen. Führend in dieser Statistik sind übrigens die Los Angeles Dodgers mit einer Bilanz von 50-38.

Spiel der Woche
Über die Toronto Blue Jays konnte man dieses Jahr nicht viel Positives berichten, aber gegen die Tampa Bay Rays haben sie Donnerstagnacht ein ganz fantastisches Spiel oder sagen wir besser: ein ganz fantastisches neuntes Inning hingelegt. Am Anfang der Partie waren sie auch nicht schlecht, immerhin hielten sie die Rays drei Innings lang ohne Hit und gingen durch einen 2-Run-Homerun von Rowdy Tellez in Front. Doch im vierten Inning glich Tampa Bay aus, holte sich im sechsten Durchgang die Führung und zog im siebten mit fünf Runs auf ein scheinbar vorentscheidendes 8:2 davon. Nun war es an dem jungen Blue-Jays-Team – sechs der neun Spieler hatten den größten Teil der Saison in der Minor League verbracht –, Charakter zu zeigen und genau das tat es. Sieben Runs markierten das höchste Comeback im letzten Inning in Torontos 42-jähriger Teamgeschichte. Die entscheidenden Hits zum Ausgleich – Doubles von Dwight Smith und Rowdy Tellez, Homeruns von Danny Jansen und Lourdes Gurriel Jr. – wurden allesamt von Rookies beigesteuert. Der finale Akt war dem Routinier Justin Smoak vorbehalten. Er schlug direkt den nächsten Pitch nach Gurriels Homerun zum Walkoff über den Zaun, weil, so Manager John Gibbons, „wir keine Extra-Innings spielen wollten“.

Mein Einschalttipp
Sicher, es stehen an diesem Abschlusswochende der regulären Saison wichtigere Spiele an als eine Partie der New York Mets gegen die Miami Marlins. Genauer gesagt ist das schon seit Monaten eine der unbedeutendsten Paarungen der Liga, weil beide Teams schon sehr lange jede Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison verspielt haben. Trotzdem wird das Spiel dieser beiden Teams Samstagnacht ab 1:10 Uhr ein ganz besonderes. Es ist das Abschiedsspiel für einen der großen Spieler seiner Zeit, dessen Karriere leider viel zu früh endet. David Wright, jahrelang Team Captain sowohl der Mets als auch der US-Nationalmannschaft, wird nach über zwei Jahren Verletzungspause noch einmal das Trikot anziehen und als Third Baseman in der Startformation stehen. Damit wird der siebenfache All-Star, zweifache Gold-Glove- und zweifache Silver-Slugger-Gewinner seine aktive Laufbahn abschließen, weil nach zahlreichen Versuchen und Bemühungen um sein Comeback klar geworden ist, dass der Körper – insbesondere der Rücken – einfach nicht mehr mitspielt. Das ist traurig, aber es ist ein Trost für Wright und seine zahlreichen Fans, dass er die Gelegenheit erhält, sich am Samstag in würdigem Rahmen vor ausverkauftem Haus zu verabschieden. Auf DAZN kommt das Spiel zwar nicht, aber dank der eingangs erwähnten Wochenend-Aktion von mlb.tv kann jeder es sehen.

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September 20th, 2018 by Silversurger

Neun bis elf Spiele noch, dann ist für alle Teams die reguläre Saison der MLB beendet. Mit Spannung bis zum Schluss ist durchaus zu rechnen, allerdings bezieht sich diese auf nur noch eine Handvoll offener Fragen im Hinblick auf das Playoff-Bild. In der American League stehen die Teilnehmer an der Postseason schon lange fest, inzwischen lassen sich auch die konkreten Paarungen der ersten Runde so gut wie sicher absehen. In der National League stehen noch ein paar mehr Entscheidungen aus, aber zumindest was die reine Teilnahme an den Playoffs angeht, sind es realistisch betrachtet nur noch zwei Teams, die sich um den letzten freien Platz in der Meisterschaftsrunde streiten. Der Grand Slam am Donnerstag konzentriert sich daher heute ganz auf das Playoff-Bild und die noch offenen Fragen.

National League
Als Sieger der National League East werden die Atlanta Braves (84-68) in die Playoffs einziehen. Dabei haben sie Glück, dass die Konkurrenz innerhalb der Division recht schwach ist, denn in jeder anderen Division wären sie mit ihrer Bilanz bestenfalls Zweiter. In der ersten Playoff-Runde, der National League Divisional Series (NLDS), werden die Braves aller Voraussicht nach auf den Sieger der NL West treffen. Das wären nach derzeitigem Stand die Los Angeles Dodgers (85-68). Die Dodgers haben über die letzten drei Tage die Colorado Rockies (82-70) gesweept und damit wohl den entscheidenden Big Point gelandet, um nach einer turbulenten Saison wahrscheinlich doch noch den Divisionssieg einzufahren (siehe „Spiel der Woche“).

Die Rockies laufen derweil Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, denn sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Ranking hätten sie momentan das Nachsehen. Ihre größte Hoffnung dürfte darin bestehen, die St. Louis Cardinals (84-69) noch abzufangen. Diese haben zurzeit noch eineinhalb Spiele Vorsprung. Das halbe der eineinhalb Spiele entzieht sich allerdings ihres Einflusses, denn es rührt daher, dass die Rockies noch eine Partie mehr zu absolvieren haben als die Cardinals. Beide Teams haben ein schwieriges Restprogramm: Die Rockies treffen noch auf die Arizona Diamondbacks (79-74), die Philadelphia Phillies (78-73) und die Washington Nationals (77-75) – drei Clubs, die alle so gut wie sicher aus dem Rennen sind, aber wohl mit dem Mute der Verzweiflung um ihre letzte theoretische Chance kämpfen werden. Die Cardinals haben zwar erstmal „nur“ die San Francisco Giants (72-81) vor sich, müssen aber zum Abschluss Serien gegen die Chicago Cubs (89-63) und die Milwaukee Brewers (87-66) spielen (siehe „Einschalttipp“).

Die Cubs und die Brewers wetteifern noch um die NL Central, der Unterlegene wird ziemlich sicher im Wild-Card-Spiel stehen. Nach derzeitigem Stand würde die NL Central quasi ihre eigenen Playoffs spielen: Zuerst träfen die Brewers und die Cardinals in der Wild-Card-Runde aufeinander. Anschließend würde der Sieger auf das beste NL-Team der regulären Saison treffen, was derzeit die Cubs sind.

American League
Die Boston Red Sox (103-49) haben zuletzt zwei Niederlagen gegen die New York Yankees (93-58) einstecken müssen, aber ihre Magic Number für den Divisionssieg liegt nur noch bei 2. Mit einem Sieg im heutigen dritten Spiel gegen die Yankees können sie die letzten Zweifel beseitigen und selbst wenn dieser nicht gelingt, wird ihnen niemand mehr die American League East ernsthaft streitig machen. Auch dass die Red Sox am Ende die beste Bilanz der gesamten AL haben werden, darf als sicher gelten und somit, dass sie in der ALDS auf den Gewinner des Wild-Card-Spiels treffen.

Das Wild-Card-Spiel tragen die Yankees und die Oakland Athletics (91-61) untereinander aus, auch das steht quasi fest. Die einzige offene Frage vor den Playoffs der AL ist, wer in diesem Spiel Heimrecht haben wird. Das ist keine unerhebliche Frage, denn die beiden Teams stammen von entgegengesetzten Enden der USA und das Gastteam muss eine Anreise von Küste zu Küste auf sich nehmen. Die Trümpfe liegen derzeit klar bei den Yankees: Sie haben zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Athletics und noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Daher müssen die A’s sich wohl darauf einrichten, dass die Partie um die Wild Card im Yankee Stadium stattfinden wird. Wenigstens können sie sich mit dem Gedanken trösten, dass die Reise an die Ostküste bei einem erfolgreichen Playoff-Run früher oder später ohnehin nötig geworden wäre; denn wenn die Athletics die Yankees überwinden, geht es anschließend nach Boston.

In der AL Central stehen die Cleveland Indians (85-66) schon lange als Divisionssieger fest – übrigens mit exakt der gleichen aktuellen Bilanz wie sie die Tampa Bay Rays (85-66) haben, die in der AL East keine Chance auf die Postseason haben. In der ALDS-Runde treffen die Indians aller Voraussicht nach auf den Titelverteidiger, die Houston Astros (95-57). Die Astros haben in Bezug auf die AL West noch eine Magic Number von 7, aber ich sehe kein ernsthaftes Szenario, in dem sie sich den Divisionssieg nehmen lassen. Mit den Los Angeles Angels (75-77), den Toronto Blue Jays (69-83) und am Schluss viermal den Baltimore Orioles (44-108) haben die Astros ein Restprogramm, das man bei allem Respekt für die Gegner als bequem bezeichnen darf.

Szene der Woche
Die Szene der Woche besteht aus vier Teilen – der Baseballkenner ahnt schon, was das bedeutet: Es gab mal wieder einen Cycle in der MLB, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler im gleichen Spiel. Das ist ein seltenes Ereignis, in diesem Jahr kam es erst dreimal vor. Entsprechend noch viel seltener kommt es vor, dass ein Spieler seinen zweiten Cycle innerhalb einer Saison schlägt. Christian Yelich von den Milwaukee Brewers gelang dies am Montag als erst dritter Spieler in der Geschichte der Liga. Eines schaffte er sogar als Allererster: Noch nie zuvor hatte ein Spieler zwei Cycles in einer Saison gegen dasselbe Team erzielt. Yelich hat es geschafft und sich damit bei den Cincinnati Reds sicher nicht beliebt gemacht.

Statistik der Woche 
0. So viele Plate Appearances von Pitchern gab es letzten Samstag im Spiel der Miami Marlins gegen die Philadelphia Phillies (4:5). Beide Teams wechselten ihre Pitcher konsequent gegen Pinch Hitter aus, sobald sie am Schlag gewesen wären. Insgesamt kamen 15 Pitcher zum Einsatz, sieben für die Marlins und acht für die Phillies. Es war das erste MLB-Spiel seit mindestens dem Jahr 1900, in dem weder ein Pitcher noch ein Designated Hitter an den Schlag ging.

Spiel der Woche
Die Partie letzte Nacht zwischen den Los Angeles Dodgers und den Colorado Rockies war vermutlich die entscheidende um den Gruppensieg in der NL West. Die Rockies waren als Tabellenführer in die Serie gegangen, hatten jedoch nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen den Spitzenrang räumen müssen. Nun galt es im dritten Spiel der Serie, das Schlimmste zu verhindern und den Abstand zu den Dodgers knapp zu halten. Mit zwei Runs gegen Walker Buehler, den starken Rookie der Dodgers, erwischten die Rockies einen guten Start. Doch Buehler fing sich und brachte es letztlich auf sechs Innings, keine weiteren Runs und 12 Strikeouts. Ein Solo-Homerun von Matt Kemp sowie ein RBI-Double von Brian Dozier gegen Colorados Starter Tyler Anderson glichen die Partie aus und alles war wieder offen – bis zum großen Auftritt von Yasiel Puig. Puig kam im siebten Inning als Pinch-Hitter und sah in dem Spiel nur zwei Pitches. Den zweiten schlug er in hohem Bogen über das linke Centerfield zu einem Drei-Run-Homerun, der letztendlich den Unterschied zwischen den beiden Teams bedeutete. Man beachte beim Anschauen der Szene auch, wie Puig in ebenso hohem Bogen seinen Schläger hinterher wirft. Durch den 5:2-Sieg haben die Dodgers nun zweieinhalb Spiele Vorsprung, die schwer aufzuholen sein dürften.

Mein Einschalttipp
Da in der AL nahezu alles klar ist, muss der Blick des allgemein interessierten MLB-Fans sich diese Woche auf die NL richten. Eine besonders interessante Serie spielen von Montag bis Mittwoch die Brewers gegen die Cardinals. Für die Cardinals geht es in jedem Fall um den Wild-Card-Platz, für die Milwaukee Brewers vielleicht um noch mehr: Je nachdem, wie die Spiele der Brewers gegen die Pirates (und die der Cubs gegen die White Sox) am Wochenende laufen, haben die Brewers vielleicht noch Chancen, die NL Central zu gewinnen. Vielleicht müssen sie aber auch um das Heimrecht bangen, das sie zurzeit im Wild-Card-Spiel hätten. Die Cardinals würden in den drei Heimspielen der Serie dann sicher alles dafür geben, eine Woche später an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner spielen zu dürfen. Leider wird es einem in Deutschland nicht leicht gemacht, dieser wichtigen und interessanten Serie zu folgen: Erstens finden alle Spiele nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, zweitens wird die Serie von DAZN komplett ignoriert. Erfreulicherweise wird aber die erste Partie (Montagnacht ab 2:15 Uhr) das kostenlose Spiel des Tages auf mlb.tv sein. Als Pitcher werden voraussichtlich Chase Anderson (3.93 ERA, 5.21 FIP) für Milwaukee und Austin Gomber (3.63 ERA, 3.71 FIP) für St. Louis auflaufen.

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September 13th, 2018 by Silversurger

Die Red Sox haben die ersten großen Meilensteine der regulären Saison gesetzt: Seit gestern sind sie als erstes Team hieb- und stichfest für die Playoffs qualifiziert und seit heute sind sie die erste Mannschaft, die es in diesem Jahr auf 100 Siege gebracht hat. Abseits der grauen Theorie bleibt es dabei, dass das Playoff-Picture der American League praktisch feststeht. Offen ist allein die Frage, wer von den beiden Kontrahenten im Wild-Card-Spiel das Heimrecht erhält – die Yankees oder die Athletics.

Für das Erreichen von 100 Siegen kann man sich zwar nichts kaufen, aber es ist immer ein sehr plastischer Beweis dafür, dass man eine besonders gute Saison gespielt hat. Bisher haben das noch nie vier MLB-Teams in einer Saison geschafft und nie drei in einer der beiden Teilligen. Beides könnte dieses Jahr passieren: In der AL sind sowohl die Yankees als auch die Astros auf Kurs für diese Marke und auch die Athletics haben noch realistische Chancen, sie zu erreichen. Die andere Seite der Medaille ist, dass wir in der AL auch mindestens zwei Teams mit mehr als 100 Niederlagen sehen werden. Die Orioles haben diese Schwelle mit 104 verlorenen Spielen bereits überschritten, die Royals mit bislang 96 werden folgen. Auch die White Sox und die Tigers könnte es noch mit einer dreistelligen Zahl in der „L“-Spalte erwischen.

Die National League präsentiert sich wie schon das ganze Jahr über deutlich ausgeglichener: Voraussichtlich wird kein Team 100 Siege oder 100 Niederlagen erreichen und es steht auch noch längst kein Playoff-Teilnehmer fest – auch wenn die Braves langsam aufatmen können, weil ihnen die Verfolger ausgehen.

American League
Theoretisch sicher ist den Boston Red Sox (100-46) bisher nur die Playoff-Teilnahme. Um den Gewinn der American League East wetteifern sie offiziell noch mit den New York Yankees (90-56), was bei zehn Spielen Rückstand und nur noch 16 ausstehenden Spielen nicht allzu realistisch erscheint. Aber in sechs dieser Spiele treffen die Yankees und die Red Sox direkt aufeinander, insofern könnte da tatsächlich noch etwas passieren. Nichts mehr passieren wird zugunsten der Tampa Bay Rays (80-65), die mit ihrer Bilanz in der NL voll im Rennen um jede Division und um eine Wild Card wären. Aber sie haben das Pech, in der AL East angesiedelt zu sein, deshalb sind acht Siege aus den letzten zehn Spielen und eine insgesamt hervorragende Saison des Small-Market-Teams leider vergeblich.

In der AL Central haben die Minnesota Twins (67-78) ein Lebenszeichen von sich gegeben, indem sie gerade zwei Spiele gegen die Yankees gewonnen haben. Das kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass sie der mit Abstand schlechteste Divisionszweite der Liga sind und den Cleveland Indians (82-64) das Leben nach wie vor extrem einfach machen. Die Chicago White Sox (57-89) sahen ein paar Wochen lang so aus wie das kommende junge Team, mit dem man in den nächsten Jahren rechnen darf. Nach einer Serie von sechs Niederlagen, die erst letzte Nacht mit einem 12-Innning-Zittersieg in Kansas City gestoppt wurde, sind sie allerdings erst mal wieder hart auf dem Boden gelandet und sie müssen noch einen härteren Rückschlag einstecken: Ihr hochgelobter Rookie-Pitcher Michael Kopech wird seine MLB-Karriere leider nach nur vier Starts für ca. eineinhalb Jahre auf Eis legen, denn er muss sich wegen eines gerissenen Bandes im Ellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

Die Houston Astros (92-54) spielen eine blitzsaubere Saison. Sie haben dank eines starken Lineups und noch stärkeren Pitchings inzwischen wieder das beste Run Differential der Liga (+242), die Red Sox wurden am Wochenende mit 2:1 Spielen besiegt und in der AL West stehen die Astros ebenfalls vorne. Es spricht somit vieles dafür, dass der Titelverteidiger auch in diesem Jahr ein gewichtiges Wort um die World Series mitreden wird. Trotzdem stehen die Astros in der allgemeinen Aufmerksamkeit ein bisschen im Schatten zum einen der Red Sox, die dank ihrer 100 Siege und der ewig jungen Rivalität mit den Yankees die Blicke auf sich ziehen; und zum anderen in dem der Oakland Athletics (89-57), die gerade wieder sechs Siege hintereinander zu ihrer unglaublichen zweiten Saisonhälfte hinzugefügt haben und mit 34-15 nach dem All-Star-Break die MLB anführen. In der Division dürften die drei Spiele Rückstand auf die Astros kaum einzuholen sein, aber im Wild-Card-Ranking liegen die A’s nur noch ein Spiel hinter den Yankees, sodass das Heimrecht noch in Reichweite ist. Ein Vorteil für die A’s ist ihr relativ leichtes Restprogramm; ein Nachteil ist, dass sie gerade mit Sean Manaea einen Top-Pitcher für den Rest der laufenden und vielleicht für die ganze nächste Saison an eine Schulterverletzung verloren haben.

National League
Obwohl die Philadelphia Phillies (74-71) seit Wochen keinen guten Baseball mehr spielen, waren sie in der National League East lange Zeit ganz nah dran an den führenden Atlanta Braves (82-64). In den letzten Tagen gewannen die Braves in Spielen gegen Arizona und San Francisco fünfmal am Stück, während die Phillies gegen die Mets und die Nationals fünfmal am Stück verloren. Damit dürfte die Sache weitgehend durch sein. Zwar spielen die Braves und die Phillies in den verbleibenden Wochen noch siebenmal gegeneinander, doch die Leistungskurven der beiden zeigen einfach zu eindeutig in unterschiedliche Richtungen. Bevor sie die Braves einholen, verlieren die Phillies eher noch Rang zwei an die Washington Nationals (74-72). Für eine Wild Card kommen beide nicht ernsthaft in Frage.

Führend im Wild-Card-Ranking sind nach wie vor die Teams aus der NL Central. Nachdem die Milwaukee Brewers (84-63) bei den Chicago Cubs (84-61) zwei von drei Spielen gewonnen haben, stehen die Cubs nur dank zweier ausstehender Nachholspiele noch vorne und somit gewaltig unter Druck. Die St. Louis Cardinals (81-65) haben die Spitze ebenfalls noch in Reichweite, dürften aber mehr als zufrieden sein, wenn sie den aktuellen Wild-Card-Platz halten. Ihr Restprogramm macht nämlich einen sehr schweren Eindruck mit Serien gegen die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), die Braves, die Brewers, die Cubs und lediglich den Giants als mutmaßlich schwachem Gegner.

Die Colorado Rockies sind ein verblüffendes Phänomen: Zweieinhalb Wochen vor Saisonende führen sie immer noch die NL West an und sind damit nicht nur der einzige Spitzenreiter einer Division mit einem negativen Run Differential (-2). Sie sind sogar der einzige mit einem Run Differential von weniger als +100. Eineinhalb Spiele dahinter stehen die Los Angeles Dodgers (79-67), die ein Run Differential von +133 aufweisen, dahinter die Arizona Diamondbacks (77-69) mit +72. Da das Run Differential ein wichtiger Teil der Schätzverfahren ist, wie sie zum Beispiel Fangraphs bei der Ermittlung der Playoff-Wahrscheinlichkeiten anwendet, gelten die Dodgers nach wie vor als deutlicher Favorit auf den Divisionssieg. Ich schenke diesen Zahlen nicht allzu viel Glauben, vielmehr erscheint mir der Ausgang in der NL West völlig offen. Alle Beteiligten des Dreikampfes treffen in der restlichen Zeit noch direkt aufeinander, sodass jeder von ihnen sein Schicksal selbst in der Hand hat. Komplett aus dem Rennen sind unterdessen nach momentan elf Niederlagen in Folge die San Francisco Giants (68-79).

Szene der Woche
Die Szene der Woche gehört endlich mal wieder „unserem“ MLB-Star Max Kepler. Um ein Haar hätten wir diese Woche das erste Perfect Game seit 2012 gesehen, also eine Pitching Performance, die über ein gesamtes Spiel keinen einzigen Baserunner zulässt. Jorge Lopez, ein junger und in seinen Leistungen bislang recht wechselhafter Pitcher der Kansas City Royals, warf am Sonntag gegen die Twins acht Innings lang das Spiel seines Lebens. Drei Outs trennten ihn davon, in die Geschichte der bislang 23 Perfect Games in der MLB einzugehen. Doch Kepler behielt die Nerven und holte einen Walk heraus, um seinem Team die Höchststrafe zu ersparen. Anschließend gelang Robbie Grossman auch noch der erste und einzige Hit der Twins an diesem Abend und Ehire Adrianza brachte Kepler per Sacrifice Fly zum 1:4 nach Hause.

Statistik der Woche 
7. So viele MLB-Spiele hat Rookie Rowdy Tellez von den Toronto Blue Jays bislang absolviert und dabei genauso viele Doubles geschlagen. Er ist der erste Spieler seit 1913, dem dies zum Karrierestart gelungen ist. Sechs der Doubles hatte er sogar in seinen ersten drei Spielen, was ebenfalls seit 1913 kein anderer geschafft hat. Dass ein Rookie überhaupt sechs Doubles in drei aufeinander folgenden Spielen schlägt, ist im modernen Baseball zuvor nur einem gelungen: Joe diMaggio im Jahr 1936.

Spiel der Woche
Es ist ja fast ein bisschen langweilig, aber ich muss erneut ein Spiel der Red Sox zum Spiel der Woche erklären. Die Serie gegen die Houston Astros war ein äußerst sehenswertes Kräftemessen und um ein Haar hätten die Astros nach Siegen in den ersten beiden Spielen am Sonntag den Sweep perfekt gemacht. Denn Boston begann zwar stark und lag nach fünf Innings mit 5:1 vorne, unter anderem durch J. D. Martinez‘ vierzigsten Homerun in diesem Jahr. Doch die Astros drehten das Momentum im sechsten Inning, in dem sie durch fünf Hits und einen Walk die Partie auf 5:5 ausglichen. Im siebten Inning legten die Astros eigentlich die 6:5-Führung nach. Eigentlich… denn Jose Altuves Run, den er nach einem Schlag von Yuli Gurriel und einem zu hohen Wurf von Xander Bpgaerts scheinbar erzielte, wurde von den Umpires nicht gegeben. Sie urteilten, dass Altuve von Astros-Catcher Sandy Leon vor dem Erreichen der Homeplate getagt wurde. Tatsächlich war es eine knappe Angelegenheit und hier als Schiedsrichter daneben zu liegen, ist keine Schande. Unakzeptabel erscheint mir hingegen, dass nach einer fast vier Minuten lang andauernden Prüfung per Video die Entscheidung bestehen blieb. Für mich sah Altuve nach den Stand- und Zeitlupenbildern eindeutig safe aus, aber urteilt selbst. So blieb es beim 5:5 und die Red Sox nutzten im neunten Inning die Gelegenheit, durch einen Hit von Mitch Moreland ihren siebten Walkoff-Sieg des Jahres einzufahren.

Mein Einschalttipp
So kurz vor dem Saisonende gibt es naturgemäß eine ganze Menge richtungsweisender Serien, jedenfalls in der noch heiß umkämpften NL. Eine davon liefern sich ab heute Nacht vier Spiele lang die St. Louis Cardinals und die Los Angeles Dodgers. Beide haben noch die jeweilige Divisionsspitze im Blick, sind aber vor allem direkte Konkurrenten um den zweiten Wild-Card-Platz der NL. Wenn ihr die MLB über DAZN schaut, habt ihr lediglich das Serienfinale in der Nacht von Sonntag auf Montag zur Auswahl. Auf mlb.tv könnt ihr auch die anderen Spiele sehen, zum Beispiel am Samstag um 19:05 Uhr das einzige, das nach unserer Zeit nicht mitten in der Nacht läuft. Vom Pitching-Matchup dürfte das erste Spiel (heute Nacht ab 1:15 Uhr) das interessanteste sein, wenn Clayton Kershaw (2.42 ERA, 3.03 FIP) auf Austin Gomber (2.93 ERA, 3.64 FIP) trifft.

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September 6th, 2018 by Silversurger

Zum wahrscheinlich letzten Mal in dieser Saison beginne ich den wöchtentlichen Rundumblick zur MLB mit Trade-Nachrichten. Kurz vor der endgültigen Deadline am 31. August, nach der keine Spieler mehr getradet und in den Playoffs eingesetzt werden dürfen, haben sich vor allem die New York Yankees und die Milwaukee Brewers noch einmal verstärkt. Die Yankees haben Outfielder Andrew McCutchen aus San Francisco und Shortstop Adeiny Hechavarria aus Pittsburgh geholt und sich somit mit zwei erfahrenen Spielern ausgestattet, um sich auf  Positionen abzusichern, auf denen sie Verletzungsorgen haben. Die Brewers haben ebenfalls zweimal nachgelegt, zum einen mit Pitcher Gio Gonzalez von den Washington Nationals, zum anderen mit Outfielder Curtis Granderson von den Toronto Blue Jays. Mit Third Baseman Josh Donaldson verließ ein weiterer Star die Blue Jays in Richtung Cleveland. Dieser Trade sorgte für etwas Verwunderung, erstens weil Donaldson noch verletzt ist und zweitens weil die Indians in Jose Ramirez bereits einen der besten Third Basemen der Liga unter Vertrag haben. Der Plan ist wohl, Ramirez an der zweiten Base einzusetzen, sobald Donaldson einsatzfähig ist.

Der letzte Monat der regulären Saison ist derweil in vollem Gange, wobei in der AL im Prinzip schon alles klar ist: Jede Änderung am aktuellen Playoffbild mit den Red Sox, den Indians und den Astros als Divisionssieger sowie den Yankees und den Athletics als Gegner im Wild-Card-Spiel käme einem Wunder gleich. Dafür geht es in der NL nach wie vor sehr spannnend zu. Nur eine Division ist mehr oder weniger entschieden, um die beiden anderen sowie vor allem um die Wild Cards wird noch eifrig gerungen.

National League
Die Atlanta Braves (76-63) hatten keine gute Woche. Sechs der letzten acht Spiele gingen verloren, zuletzt setzte es einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Red Sox mit einer besonders frustrierenden Niederlage zum Abschluss (siehe „Spiel der Woche“). Die Spitzenposition in der National League East wurde dadurch kaum beschädigt, denn den Philadelphia Phillies (73-66) erging es nicht besser als ihnen. Seit nunmehr fünf Wochen haben die Phillies keine Serie mehr gewonnen. Mit drei Spielen Rückstand auf die Braves und viereinhalb auf die Wild-Card-Plätze ist die Saison für Philadelphia theoretisch noch nicht gelaufen, aber praktisch machen sie auf mich den Eindruck, dass da nicht mehr viel kommen wird. Wahrscheinlich belehren sie mich prompt eines Besseren, wenn sie am Wochenende dreimal bei meinen New York Mets (63-76) antreten.

Relativ sicher dürfen sich inzwischen die Chicago Cubs (82-57) in der NL Central fühlen. Beim Verfolger Milwaukee Brewers (79-62) standen sie kurz davor, gesweept zu werden. Dann wäre das Rennen noch mal richtig spannend geworden, aber durch Chicagos 6:4-Sieg im dritten Spiel wurde wieder ein Abstand von vier Spielen hergestellt. Von Montag bis Mittwoch kommt es noch einmal zum Duell der beiden Teams, dieses Mal in Chicago. Das dürfte dann die letzte Chance der Brewers sein, noch mal einen Angriff auf die Divisionsspitze zu starten. Realistischer erscheint, dass sie sich bis zum Schluss mit den St. Louis Cardinals (78-62) um die Wild Card streiten. In drei Wochen, kurz vor dem Saisonende, treffen St. Louis und Milwaukee noch einmal direkt aufeinander. Vielleicht geht es dann aber auch nur noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel, denn nach derzeitigem Stand wären beide für die Teilnahme an dem Spiel qualifiziert.

Die ernstzunehmenden Verfolger der Cardinals und der Brewers finden sich allesamt in der NL West, haben derzeit aber vermutlich gar keine Zeit und Lust, sich mit der Wild-Card-Frage zu beschäftigen. Zwischen den Colorado Rockies (77-62), den Los Angeles Dodgers (76-64) und den Arizona Diamondbacks (75-64) geht es nämlich so eng zu, dass alle drei sich noch berechtigte Hoffnungen machen, die Playoffs auf dem Königsweg als Divisionssieger zu erreichen. Die Rockies haben nach fünf Siegen in Folge derzeit knapp die Nase vorn, während die Dodgers zwar das direkte Duell gegen die Diamondbacks 3:1 gewonnen, dann aber eine Serie 1:2 an die Mets abgegeben haben. Erfreulicherweise stehen für den Rest der Saison noch zahlreiche direkte Aufeinandertreffen in dem Dreikampf um die NL West an. Die Rockies haben es in der Hand, sich in der kommenden Woche aus eigener Kraft ein Polster zu verschaffen, denn von Freitag bis Sonntag müssen die Dodgers und von Montag bis Donnerstag die Diamondbacks im Coors Field antreten.

American League
In den kommenden Tagen werden die Boston Red Sox (97-44) wohl ihren hundertsten Sieg einfahren und dann ist noch eine ganze Menge Saison übrig. Immerhin müssen sie sich keine Sorgen machen, bis zu den Playoffs nicht mehr gefordert werden, denn mit den Astros, den Indians und zweimal den New York Yankees (87-53) warten auf sie noch fast alle Gegner, mit denen sie es in den Playoffs der AL zu tun bekommen könnten. In der American League East sind mit gehörigem Abstand auch die New York Yankees noch auf Kurs für eine 100-Siege-Saison. Die letzten zehn Tage waren allerdings ein ziemlicher Dämpfer aus Sicht der New Yorker mit verlorenen Serien gegen die White Sox und die Athletics sowie einem Split gegen die Tigers. Vor allem das Duell mit den Athletics war interessant, denn aller Wahrscheinlichkeit wird das auch die Paarung des Wild-Card-Spiels sein. Inwiefern die Resultate dieser Serie etwas aussagen oder ob möglicherweise beide Teams dem Gegner bewusst nicht alles gezeigt haben, darüber kann man freilich nur spekulieren.

Die Cleveland Indians (79-60) langweilen sich in der AL Central nach wie vor zu Tode. Nachdem die Minnesota Twins (63-76) gerade fünfmal in Folge verloren haben, ist der schon lange unüberbrückbare Abstand zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten auf mittlerweile 16 Spiele angewachsen. Ein Ende der Langeweile ist in Form der Playoffs in Sicht, bis dahin müssen die Indians aber weiterhin viel Geduld und Nachsicht aufbringen und dabei den Fokus nicht verlieren: In den verbleibenden dreieinhalb Saisonwochen spielen sie nur noch eine einzige Serie gegen ein Team, das mit ihnen in die Postsason einziehen wird (die Red Sox).

Die Houston Astros (87-53) haben sich vor rund zwei Wochen ein kleines Zwischentief gegönnt, sitzen aber inzwischen in der AL West wieder fest im Sattel nach Siegen in den letzten fünf Spielen und in 12 der letzten 15. Mit dreieinhalb Spielen Rückstand haben die  Oakland Athletics (84-57) noch eine Außenseiterchance, insbesondere falls die A’s souverän die anstehende Pflichtaufgabe gegen die Texas Rangers (61-79) erledigen sollten, während die Astros die schwierige Auswärtsserie in Boston spielen müssen. Ein bisschen Träumen ist erlaubt für die Athletics, denn im Hinblick auf das Minimalziel Wild Card scheint von den Seattle Mariners (78-62) inzwischen keine ernsthafte Gefahr mehr zu drohen. Bei den Los Angeles Angels (68-72) gibt es derweil neue Sorgen um das japanische Super-Talent Shohei Ohtani: Nach langer Verletzungspause, durch die man mit konservativen Methoden um eine Tommy-John-Surgery herumkommen wollte, stand Ohtani am Sonntag erstmals wieder auf dem Mound. Im dritten Inning der 2:4-Niederlage in Houston ließ er sich mit Schmerzen auswechseln und die berüchtigte Operation steht nun doch wieder im Raum.

Szene der Woche
Vor ein paar Wochen hatte ich hier eine Szene erwähnt, in der Max Muncy im Dodger Stadium bei einem verpassten Catch auf dem Schoß eines Fans in der ersten Reihe landete. An fast der gleichen Stelle setzte am Montag auch Mets-3B Todd Frazier zu einem beherzten Sprung an und im Gegensatz zu Muncy gelang ihm das Out. Jedenfalls dachten das alle Beteiligten in dem Moment, denn Frazier rappelte sich hoch, präsentierte kurz den Ball in seinem Handschuh und warf ihn dann scheinbar achtlos hinter sich. Erst einen Tag später kam die Wahrheit heraus: Frazier hatte den Ball nicht gefangen. Stattdessen hatte er sich einen weißen Gummmiball gegriffen, der zufällig auf der Ablage vor dem Sitzplatz gelegen hatte, und diesen ganz bewusst nur andeutungsweise präsentiert, bevor er ihn schnell weiter gab. Schlitzohrig oder unverschämt? Ich weiß nicht ganz, was ich von der Sache halten soll. Zum einen kann ich darüber lachen, zum anderen ist es aber auch eine Art Betrug und die Aufregung wäre zurecht groß, wenn es die entscheidende Szene eines wichtigen Spiels gewesen wäre – was zum Glück nicht der Fall war. Die Liga hat bisher übrigens nicht verlauten lassen, ob Frazier eine Strafe droht.

Statistik der Woche 
25. So viele Starts hat Jacob deGrom hintereinander absolviert, ohne in einem davon mehr als drei Runs zuzulassen. Das ist nicht nur ein starkes Argument dafür, ihm den Cy-Young-Award zuzusprechen, sondern auch MLB-Rekord. Der bisherige Rekordhalter war übrigens ebenfalls ein Met: Dwight „Doc“ Gooden war es 1985 gelungen, 24 Starts in Folge mit drei Runs oder weniger zu pitchen. Gleichzeitig brach deGrom einen anderen Rekord, der ihm vermutlich weniger Spaß macht: Das Spiel bei den Dodgers am Montag war sein neunter Start in diesem Jahr, in dem er mindestens sechs Innings absolvierte, höchstens einen Run zuließ und dennoch nicht den Pitcher-Win zugesprochen bekam. Es war übrigens auch der zweite Start in Folge, in dem sein Team genau einen Run auf die Anzeigetafel brachte, während deGrom im Spiel war – und beide Male erzielte er selbst den RBI.

Spiel der Woche
Die Wahnsinns-Saison der Boston Red Sox hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Gestern Abend in Atlanta sah es erst mal nach einem miesen Tag für die Red Sox aus, als sie nach sieben Innings mit 1:7 hinten lagen, was vor allem auf einen katastrophalen Relieve-Auftritt von Drew Pomeranz sowie eine durch Braves-Pitcher Mike Foltynewicz weitgehend abgemeldete Offensivabteilung zurückzuführen war. Doch im achten Inning wachten die Red Sox auf und vollbrachten das höchste Comeback des Jahres, indem sie auf 7:7 ausglichen. Die Braves – oder zumindest Freddie Freeeman – überwanden den Schock schnell und gingen durch Freemans Solo-Homerun prompt wieder in Führung. Im neunten Inning fehlte Atlanta nur noch ein einziges Out zum Sieg, als Boston Brandon Philipps an die Platte schickte – den frisch verpflichteten Veteranen in seinem ersten MLB-Spiel der Saison. Philipps schlug gleich den ersten Pitch zum Homerun, brachte Baserunner Andrew Benintendi mit nach Hause und nach dem Save durch Closer Craig Kimbrel war der 97. und definitiv der spektakulärste Sieg des Jahres unter Dach und Fach.

Mein Einschalttipp
Heute richtet sich mein Tipp mal in besonderer Weise an alle, die sich bisher nicht durchringen konnten, ein Abo bei mlb.tv oder bei DAZN abzuschließen, um regelmäßig die MLB zu verfolgen. Wie hoffentlich allseits bekannt ist, bietet mlb.tv jeden Tag ein „Free Game of the Day“ an, das man sich kostenlos anschauen kann. Das sind meistens nicht die Top-Partien, manchmal aber doch: In der Nacht von Montag auf Dienstag könnt ihr auf diesem Wege eines der Spitzenduelle der NL West sehen. Ab 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen die Colorado Rockies auf die Arizona Diamondbacks. Starting Pitcher werden voraussichtich Zach Godley (4.51 ERA, 3.75 FIP) für die Diamondbacks und German Marquez (4.05 ERA, 3.63 FIP) für die Rockies sein.

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August 16th, 2018 by Silversurger

Baseball-Fan zu sein ist ein wunderbares Hobby. Aber manchmal macht es mich auch richtig wütend. Ich meine nicht, wenn mein Team verliert – das ärgert mich natürlich auch, aber das ist in Ordnung, das gehört zum Sport dazu. Was mir wirklich sauer aufstößt, weil es eben nichts mit Sport zu tun hat, sind Szenen wie die der vergangenen Nacht. Da ist ein junger Spieler wie Ronald Acuna Jr., der sich nichts Übleres zu Schulden kommen lässt als das Spiel zu spielen, das wir alle lieben. Er spielt es gut, in den letzten Tagen spielte er es sogar so gut, dass er unter anderem acht Homeruns in acht Spielen zum Erfolg seiner Atlanta Braves beitrug. Die letzten drei davon waren Leadoff-Homeruns in aufeinander folgenden Partien gegen die Miami Marlins. Als Acuna letzte Nacht im vierten Spiel der Serie erneut als erster Schlagmann an die Platte trat, warf Marlins-Pitcher Jose Urena ihm gleich den ersten Pitch hart an den Ellenbogen. Es war der schnellste Pitch, den Urena im ganzen Jahr geworfen hat. Natürlich behauptete er hinterher, es sei keine Absicht gewesen, aber das zu glauben fälllt unter den gegebenen Umständen extrem schwer. Die Umpires glaubten es jedenfalls nicht und erteilten Urena einen Platzverweis. Mit einem einzigen Pitch war es der kürzeste Start des Jahres. Acuna spielte zunächst weiter, musste sich aber im zweiten Inning mit Schmerzen auswechseln lassen. Nach ersten Erkenntnissen scheint nichts gebrochen zu sein, weitere Untersuchungen stehen noch aus – ebenso wie die Entscheidung der MLB, ob Urena mit einer Sperre rechnen muss.

American League
Zum Glück gab es diese Woche nicht nur solche unschönen Szenen, sondern auch eine Menge sehenswerten Baseball. Zum Beispiel von den Boston Red Sox (86-36), die von ihren letzten 18 Spielen 15 gewonnen haben. Zudem haben sie für den ersten Cycle dieser Saison gesorgt, also einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun durch einen Spieler innerhalb eines Spiels: Mookie Betts ist dieses Kunststück am Donnnerstag in Toronto gelungen, allerdings ausgerechnet bei einer der seltenen Niederlagen der Red Sox. In der American League East ist der Vorsprung der Red Sox vor den New York Yankees (75-45) mittlerweile auf zehn Spiele angewachsen. Das ist die zweitdeutlichste Führung innerhalb der MLB und schon ein bisschen verrückt, denn schließlich sind die Yankees mit ihrer Bilanz das zweitbeste Team der ganzen Liga und selbst auf Kurs für 100 oder mehr Siege.

Noch größer als der Vorsprung der Red Sox ist nur der der Cleveland Indians (69-51) in der AL Central. Die Indians fahren weiterhin stabil ihre Siege ein, zuletzt sogar fünf hintereinander, während der Rest der Division längst einen Haken unter die Saison gemacht hat. Immerhin eine gute Nachricht von den Minnesota Twins (56-63) gibt es aus deutscher Sicht zu vermelden: Max Kepler hat nach seiner ausgedehnten Schwächephase im Mai und Juni inzwischen wieder voll in die Spur gefunden. Mit Slashlines von .358/.350/.494 im Juli und .268/.362/.488 im bisherigen August hat der Rightfielder wieder seinen Platz als einer der Leistungsträger seines Teams eingenommen.

Es ist ein bisschen schade, dass die East und die Central dieses Jahr so früh komplett entschieden scheinen. Dafür hat es die dritte Division der AL, die AL West, richtig in sich: Die Houston Astros (74-47) stehen zwar immer noch vorne, doch sicher können sie sich an der Spitze längst nicht mehr fühlen. Dazu trug insbesondere eine Reihe von fünf Niederlagen bei, vier davon beigebracht durch die Seattle Mariners (70-52). Die Oakland Athletics (72-49) stehen nun nur noch zwei Spiele hinter den Astros und die Mariners selbst sind ebenfalls nah herangerückt. Die meiste Zeit spielt man in der MLB ja Fernduelle, aber zurzeit trägt der Spielplan massiv dazu bei, den Dreikampf mit direkten Aufeinandertreffen zu befeuern: Nach den Serien Astros-Mariners und Athletics-Mariners in der letzten Woche stehen nun Athletics-Astros und anschließend Mariners-Astros an sowie eine Woche später Astros-Athletics und dann Athletics-Mariners.

National League
Die National League East hat sich in den letzten Tagen deutlich ausdifferenziert. Vor einer Woche noch standen die Atlanta Braves (68-51) und die Philadelphia Phillies (66-53) quasi gleichauf an der Spitze, die Washington Nationals (60-61) waren guter Hoffnung, eine Aufholjagd starten zu könnnen, und am Ende der Tabelle spürten die New York Mets (51-67) den Atem von Schlusslicht Miami Marlins (48-75) im Nacken. Inzwischen haben die Braves einen Vorsprung von zwei Spielen vor den Phillies, die Nationals sind mit neun Spielen Rückstand wohl endgültig aus dem Rennen und die Mets haben den vierten Platz gegenüber den Marlins deutlich gefestigt. Mal sehen, wie lange die Klarheit Bestand hat – die Braves haben übers Wochenende eine schwere Serie gegen die Rockies zu bestreiten, während die Phillies gleich fünfmal gegen die Mets antreten dürfen.

In der NL Central behaupten die Chicago Cubs (69-50) ihren Spitzenplatz vor den Milwaukee Brewers (68-55), doch die eigentliche Nachricht in dieser Division sind die St. Louis Cardinals (66-55). Acht Spiele in Folge haben die Cardinals gewonnen und zehn der letzten elf. Damit sind sie wieder dick im Rennen sowohl um die Division als auch um eine Wild Card. Damit beweisen die Cardinals mal wieder ihr legendäres Talent, immer dann aufzutrumpfen, wenn sie gerade allseits abgeschrieben wurden. Der Wechsel zu einem Interims-Manager in der Saisonmitte, der Verzicht auf Verstärkungen zur Trade-Deadline – alles sah danach aus, dass man die laufende Saison unspektakulär ausklingen lassen wollte. Doch nun steht man plötzlich nur noch ein Spiel hinter dem derzeitigen Wild-Card-Inhaber, den Brewers – und erwartet ausgerechnet diese Brewers am Wochenende zu einer Drei-Spiele-Serie. Den entgegengesetzten Weg sind derweil die Pittsburgh Pirates (61-60) gegangen. Sie hatten zur Deadline mit Starter Chris Archer und Reliever Keone Kela aufgerüstet, doch es sieht derzeit nicht danach aus, als könnten sie den Anschluss an die Playoff-Plätze noch mal herstellen. Die anstehende Vier-Spiele-Serie gegen die Cubs dürfte dafür bereits die letzte realistsiche Chance sein.

Bleibt noch die NL West, nach wie vor die knappste Division der Liga mit weniger als zwei Spielen Abstand zwischen drei Teams. Die Arizona Diamondbacks (66-55) stehen noch vorne, konnten zuletzt aber nicht überzeugen: In Cincinnati verlor man die Serie 1:2, in Texas reichte es nur zu einem 1:1-Split. Das öffnete der Konkurrenz die Tür und vor allem die Colorado Rockies (64-56) nutzten die Chance, um sich zurück in die Spitzengruppe zu spielen. Entscheidend dafür war, dass die Rockies die Serie gegen die Los Angeles Dodgers (65-57) 3:1 für sich entschieden. Die Dodgers verloren nach den drei Spielen in Colorado noch zwei weitere gegen die San Francisco Giants (61-61), bevor sie letzte Nacht die Bremse fanden und einen Walk-off-Sieg über die Giants im zwölften Inning einfuhren. Die Dodgers könnten gerade gut einen Aufbaugegner gebrauchen, aber den bekommen sie nicht: Mit Seattle und St. Louis erwarten sie Teams, die selbst gerade jeden Sieg benötigen, um in Contention zu bleiben.

Szene der Woche
Wer die Liga über mlb.tv verfolgt, hat bestimmt schon zigmal die Szene gesehen, in der Yoenis Cespedes (damals noch bei den Athletics) aus dem Leftield heraus Howie Kendrick an der Homeplate auswirft. Das war 2014 und es wird bis heute immer wieder als Pausenfüller eingespielt, weil es so ein großartiges Play war. Nun gibt es einen würdigen Nachfolger für diese Szene und die Hauptperson trägt ebenfalls das Trikot der Athletics: Rookie Ramon Laureano komplettierte ein traumhaftes Doubleplay gegen die Angels, als er am Samstag einen Flyball ins linke Centerfield mit einem für sich allein schon sehenswerten Catch eroberte und dann einen unglaublichen Wurf 321 Fuß (98 Meter) weit perfekt an die erste Base feuerte, bevor Eric Young es dorthin zurück schaffen konnte.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns schlug der Rookie-First-Baseman der Toronto Blue Jays, Ronald Guzman, am Freitag beim 12:7-Sieg über die Yankees. Guzman ist der erste Rookie, dem dies jemals in einem Spiel gegen die Yankees gelungen ist, und die Yankees dürften auch sonst sein Lieblingsgegner sein: In 17 At-Bats gegen die New Yorker hat Guzman dieses Jahr 6 Homeruns erzielt. Gegen den Rest der MLB waren es insgesamt 7 in 271 At-Bats.

Spiel der Woche
Die Nationals sind diese Woche faktisch aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden und wenn man später zurückblickt, wird man möglicherweise ein Spiel als den entscheidenden Knackpunkt der Saison ausmachen: In der bis dahin unentschiedenen Serie zwischen den Nationals und den Cubs trafen am Sonntagabend Cole Hamels und Max Scherzer aufeinander. Beide Pitcher hatten einen hervorragenden Tag und hielten je 7 Innings durch, in denen Scherzer nur drei, Hamels sogar nur einen Hit erlaubten. Mit Glück und Geschick hatten die Nationals aus diesem einen Hit im zweiten Inning eine 1:0-Führung gezaubert (Walk, Single, Sacrifice Fly) und als ihnen im neunten Inning gegen ihren Ex-Teamkameraden Brandon Kintzler durch zwei weitere Hits zwei weitere Runs gelangen, schien das Spiel so gut wie gewonnen. Ryan Madson übernahm den Mound als Closer, bekam den Job aber nicht erledigt: Durch einen Single und zwei Hit-by-Pitches lud er die Bases und bei zwei Outs kam Pinch Hitter David Bote an die Platte. Der war zwar nur einen Strike vom dritten Aus entfernt, schlug aber den kniehohen Fastball weit übers Centerfield zum Walkoff-Grand-Slam. Man nennt so etwas – einen Homerun mit Bases Loaded und drei Runs Rückstand im unteren neunten oder Extra-Inning – auch einen „Ultimate Grand Slam“. Ein solcher kam bislang erst 27-mal vor und ist damit ähnlich selten wie das perfekte Spiel eines Pitchers.

Mein Einschalttipp
Ich habe ja oben schon erwähnt, dass es zurzeit vor allem in der AL West richtig rund geht, was direkte Duelle um die Playoff-Plätze angeht. Dort lohnt es sich auf jeden Fall, täglich reinzuschauen. Aber da mein letzter Einschalttipp schon diese Division betraf, gibt es eine andere Empfehlung: Die Atlanta Braves und die Colorado Rockies haben beide zurzeit einen Lauf und es wird interessant zu sehen sein, ob und wie sich das fortsetzt, wenn sie es von heute bis Sonntag miteinander zu tun bekommen. Das attraktivste Matchup gibt es Freitagnacht ab 1:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit zwischen Colorados Kyle Freeland (3.02 ERA, 3.95 FIP) und Atlantas Sean Newcomb (3.40 ERA, 4.15 FIP). Wer nachts lieber schläft, kann das letzte Spiel der Serie am Sonntag ab 19:35 Uhr unserer Zeit anschauen. Pitchen werden dann vermutlich German Marquez (4.51 ERA, 4.07 FIP) und Anibal Sanchez (3.07 ERA, 3.77 FIP).

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