Juni 10th, 2021 by Silversurger

Kleber ist ja eigentlich dafür da, Dinge zusammenzufügen, aber in der MLB haben klebrige Substanzen gerade den gegenteiligen Effekt: Sie verursachen einen tiefen Riss zwischen jenen, die den Gebrauch solcher Hilfsmittel durch Pitcher als ein Problem ansehen und jenen, die das in Ordnung finden. Die reine Tatsache, dass Mittel wie Pinienteer, Tyrus Sticky Grip oder Spider Tack unter Pitchern verbreitet sind, um einen besseren Griff an den Ball zu bekommen und dessen Rotation zu erhöhen, bestreitet so gut wie niemand. Es gibt nur auf der einen Seite Spieler wie Josh Donaldson, die sich darüber öffentlich beschweren, und auf der anderen Seite solche wie Aaron Judge oder Pete Alonso, die das Thema als eine Art Kavaliersdelikt darstellen, bei dem Chancengleichheit dadurch entsteht, dass es quasi jeder macht. Interessanterweise sind es fast ausschließlich Batter, die sich zu der Situation äußern. Pitcher wie Cy-Young-Kandidat Gerrit Cole neigen dazu, ausweichend auf klebrige Fragen zu antworten – wohl auch vor dem Hintergrund, dass die MLB angekündigt hat, die bestehenden Regeln von jetzt an konsequenter umzusetzen. Ein erster Warnschuss wurde diese Woche abgegeben, indem mindestens vier Minor-League-Pitcher für jeweils zehn Spiele gesperrt wurden. Das Thema wird die laufende Saison wohl noch für eine Weile begleiten. Jetzt aber erst mal zum aktuellen sportlichen Geschehen:

American League
Die Tampa Bay Rays (39-24) zeigen nach wie vor keine Spur von World-Series-Hangover. Mit ihrer Bilanz sind sie bislang das stärkste Team sowohl der AL East als auch der gesamten MLB. Der Erfolg der Rays basiert, wie man es von ihnen gewohnt ist, nicht auf großen Namen, sondern auf einem ausgewogenen Kader, bei dem alle kleinen Rädchen ineinander greifen und jedes davon bei Bedarf ausgetauscht werden kann. Mit diesem Erfolgsrezept bringen sie es in der bisherigen Saison auf die zweitmeisten erzielten und die zweitwenigsten kassierten Runs der AL. Ihre Rolle als Verfolger Nummer eins der Rays haben die Boston Red Sox (37-25) gefestigt, indem sie am vergangenen Wochenende mit einem 3-Spiele-Sweep die New York Yankees (33-29) in deren eigenem Ballpark abfertigten – übrigens zum ersten Mal seit zehn Jahren. Mitte nächster Woche kommt es in Buffalo zu einem interessanten Duell zwischen den Toronto Blue Jays (31-28) und den Yankees. Ein klarer Ausgang dieser Serie könnte für das unterlegene Team bedeuten, dass man das Rennen um die Playoff-Plätze vorerst abhaken kann. 

Die AL Central bietet zurzeit von allen Divisionen das eindeutigste Bild. Die Chicago White Sox (37-24) führen klar mit vier Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (32-27). Dass dieser Abstand kein Zufall, sondern eher noch schmeichelhaft für die Indians ist, zeigt der Blick auf die Run Differentials: Die White Sox haben mit +86 das beste Runverhältnis der gesamten Liga, während die Indians (-12) genau wie alle anderen Teams der Division im negativen Bereich rangieren. Die Detroit Tigers (25-36) und die Minnesota Twins (24-37) sind in der Division längst abgeschlagen; nur was ich von den Kansas City Royals (29-31) halten soll, weiß ich nicht so recht. Einem bärenstarken Saisonbeginn im April folgte der freie Fall in der ersten Maihälfte. Dann arbeiteten sich die Royals langsam wieder hoch, bevor sie zuletzt fünf Spiele in Folge verloren. Angesichts einer anstehenden Vier-Spiele-Serie in Oakland könnte es schwer werden, diesen Negativtrend zeitnah zu stoppen.

Im Gegensatz zu den Royals zeigen die Oakland Athletics (37-26) nämlich eine beeindruckende Konstanz. Ignoriert man ihren mit sechs Niederlagen verschlafenen Start in die Saison, weisen sie seitdem die beste Bilanz der gesamten MLB auf. So reicht es immerhin zur Führung in der AL West, wenn auch nur knapp vor den Houston Astros (35-26). Die Astros haben acht ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, allesamt gegen starke Gegner wie die Padres, die Red Sox und die Blue Jays. Das Rennen zwischen ihnen und den A’s dürfte auf absehbare Zeit interessant bleiben, während die Seattle Mariners (31-32) langsam aber sicher den Anschluss an das Spitzenduo verlieren. Einen klaren Aufwärtstrend zeigten zuletzt die Los Angeles Angels (30-32) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Auch ihnen traue ich eher nicht zu, noch ernsthaft ins Rennen einzugreifen. Sie können mich gerne eines Besseren belehren, indem sie Mitte nächster Woche ein paar Spiele gegen die Athletics gewinnen.

National League
In der NL East halten sich die New York Mets (30-24) trotz widriger Umstände wie Verletzungen, Offensiv-Slumps und Spielausfällen nach wie vor wacker auf Platz eins. Das liegt nicht zuletzt an der schwachen Konkurrenz, denn die Atlanta Braves (29-30), Philadelphia Phillies (29-31), Washington Nationals (25-33) und Miami Marlins (26-35) stehen durch die Bank bei negativen Bilanzen und negativen Run Differentials – mit Ausnahme der Braves, deren Run Differential bei null steht. Ob die Mets sich auf Dauer da oben einrichten können, werden die anstehenden vier Wochen der Wahrheit weisen, vor die sie der Spielplan stellt: 3-mal gegen die Padres, 4-mal gegen die Cubs, 5-mal gegen die Nationals, 7-mal gegen die Braves, 4-mal gegen die Phillies, 3-mal gegen die Yankees und 3-mal gegen die Brewers lautet das bockelharte Programm. Falls die Mets dann, nach gut der Hälfte der Saison, noch vorne stehen sollten, darf man sich wirklich fragen, wer sie noch stoppen soll. 

Eine Woche der Wahrheit steht auch in der NL Central an. Das betrifft zum einen das bevorstehende Duell der Chicago Cubs (35-27) und der St. Louis Cardinals (32-30). Die Cubs befinden sich seit Wochen im Aufwärtstrend, in dessen Zuge sie die Cardinals als Tabellenführer entthront haben. Diese hingegen scheinen völlig von der Rolle, haben zuletzt acht von zehn Spielen verloren, darunter alle vier Partien einer Heimserie gegen die Cincinnati Reds (29-30). Wenn die drei Spiele in Chicago von Freitag bis Samstag nicht die Wende bringen, rückt die Divisionsspitze für St. Louis in weite Ferne. Hinzu kommt, dass mit den Milwaukee Brewers (34-27) ein weiteres Team in der Division einen starken Lauf und sich mittlerweile schon zwischen die Cubs und die Cardinals geschoben hat. Zehn der letzten zwölf Spiele haben die Brewers für sich entschieden. In den kommenden Tagen geht es für sie viermal gegen die Reds und dreimal gegen die Pittsburgh Pirates (23-37) – Gelegenheit genug, um sich von diesen Teams aus der unteren Tabellenhälfte weiter abzusetzen und Kapital daraus zu ziehen, dass die Cubs und die Cardinals sich gegenseitig Punkte abnehmen.

In der NL West finden wir das beste Team der NL und obwohl das schon seit Wochen so ist, bin ich bei jedem Blick auf die Tabelle wieder überrascht, dass es sich weder um die Los Angeles Dodgers (36-25) noch um die San Diego Padres (37-27) handelt, sondern um die San Francisco Giants (38-23). Natürlich sind noch hundert Spiele zu spielen, aber die Saison ist schon weit genug vorangeschritten, um sagen zu können, dass die Giants offensichtlich „for real“ sind. Nach den Dodgers am vorletzten Wochenende haben sie auch die Cubs am letzten Wochenende 3-1 geschlagen und damit gezeigt, dass sie gegen die Spitzenteams bestehen können. Nun warten erstmal vermeintlich leichtere Aufgaben in Form der Nationals und der Arizona Diamondbacks (20-43). Letztere zeigen sich seit Wochen in einem desolaten Zustand. Seit Mitte Mai haben sie unglaubliche 21 von 23 Spielen verloren, weisen mittlerweile die schlechteste Bilanz der gesamten Liga auf. Falls hier Fans der Diamondbacks mitlesen – schaut euch lieber nicht den Restspielplan bis zum All-Star-Break an…

Szene der Woche 
Eines der vielen schönen Dinge am Baseball ist, dass man auch in Misserfolgen und Niederlagen immer wieder besondere Teil- und Einzelleistungen findet, an denen man sich erfreuen kann. Die Yankees hatten so einen Moment am Freitag, als ihr Starter Michael King im vierten Durchgang gegen die Red Sox ein immaculate Inning warf. Von einem solchen „makellosen“ Inning spricht man, wenn es aus drei Strikeouts besteht und der Pitcher dafür nur die Mindestanzahl von neun Pitches benötigt. In der MLB-Historie gab es bislang 103 immaculate Innings. Zum Vergleich: No-Hitter kamen mehr als dreimal so oft vor, nämlich 311-mal. Richtig freuen konnte King sich über seinen Eintrag in die Geschichtsbücher aber nicht: „Ich würde lieber ein Spiel gewinnen statt ein immaculate Inning zu werfen,“ war sein Fazit nach der 2:5-Niederlage seines Teams.

Statistik der Woche 
2765. So viele Spiele hat Tony La Russa als MLB-Manager gewonnen. Mit Sieg Nummer 2764 überholte der Cheftrainer der Chicago White Sox am Sonntag John McGraw in der ewigen Rangliste. An Platz eins wird der 76-Jährige wohl nicht mehr herankommen, denn dort steht Connie Mack mit unglaublichen 3731 Wins. Dabei möchte ich nicht verschweigen, dass Mack die Niederlagentabelle noch deutlicher anführt als die mit den Siegen. Hinter seinen 3948 verlorenen Spielen belegt auch hier La Russa den zweiten Platz mit 2389.

Spiel der Woche
Pleiten, Pech und Pannen lautete das Motto in der Partie der Phillies gegen die Nationals am Sonntag. Im ersten Inning gab es eine Unterbrechung, weil Brian O’Nora einen Foulball an die Gesichtsmaske bekam und das Spiel verlassen musste. Im dritten Inning wurde das Spiel unterbrochen, weil Nationals-Pitcher Austin Voth einen Fastball von Vince Velasquez ins Gesicht bekam und sich die Nase brach. Die nächste und längste Unterbrechung kam im achten Inning, als das Schutznetz entlang des Infields herunterfiel und vom engagierten Stadionpersonal wieder aufgehängt werden musste. Baseball wurde zwischendurch auch noch gespielt. Die Phillies gewannen 12:6, unter anderem mit dem 100. Homerun in der Karriere von Catcher J. T. Realmuto.

Mein Einschalttipp
Die Padres und die Mets lieferten sich schon am letzten Wochenende in New York eine sehenswerte Serie, in der sie sich letztlich die Siege 2-2 teilten. Zwei der Spiele waren geprägt durch überragendes Pitching: das 2:0 der Padres vom Freitag mit sieben Innings (1 H, 0 ER, 10 K) von Blake Snell sowie das 4:0 der Mets vom Samstag mit sieben Innings (3 H, 0 ER, 11 K) von Jacob deGrom. Dieses Wochenende treffen die beiden Teams wieder aufeinander, und voraussichtlich wird es gleich am Freitag zum potenziell epischen Duell zwischen Snell und deGrom kommen. Sofern ihr euch an Baseball auch dann erfreuen könnt, wenn Hits und Runs Seltenheitswert haben, dann schaltet morgen Nacht um 1:10 Uhr unserer Zeit mlb.tv ein – auch ohne Abo, denn die Partie ist das „Free Game of the Day“.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , ,

Mai 27th, 2021 by Silversurger

Es ist fast schon eine Meldung wert, dass wir auf eine ganze MLB-Woche ohne No-Hitter zurückblicken. Dafür habe ich diese Woche ein Triple Play, einen historischen Meilenstein und zwei Teams, die gerade massiv durchstarten, im Angebot. 

American League
Einer der beiden Durchstarter ist in der AL East zu Hause und amtierender Champion der American League: Die Tampa Bay Rays (31-20) haben sage und schreibe 12 der letzten 13 Spiele gewonnen und dadurch die Divisionsführung übernommen. Groß ist ihr Vorsprung allerdings noch nicht, denn auch die Boston Red Sox (30-20) und die New York Yankees (28-20) spielen zurzeit guten Baseball und halten den Kontakt zur Spitze. Übrigens sind die Red Sox mit bislang 259 Runs das offensivstärkste und die Yankees mit 171 zugelassenen Runs das defensivstärkste Team der AL. Jedoch muss das Pitching der Yankees einen empfindlichen Schlag verdauen, denn Corey Kluber fällt mit einer Schulterverletzung voraussichtlich zwei Monate lang aus. Die Toronto Blue Jays (25-23) haben – vor allem durch vier Niederlagen gegen die Rays in dieser Woche – den Anschluss nach ganz oben erst mal verloren. Das kann sich allerdings schnell ändern, wenn sie den heutigen Doubleheader gegen die Yankees genauso erfolgreich gestalten wie das erste Spiel der Serie, dass sie 6:2 gewannen.

Die Chicago White Sox (28-20) haben sich diese Woche von den Yankees sweepen lassen und dadurch den Cleveland Indians (26-21) erlaubt, sich in der AL Central ein Stück heranzutasten. Das ergibt eine interessante Ausgangslage für die Anfang nächster Woche anstehende Spitzenserie zwischen den beiden Teams. Vorher müssen allerdings die White Sox noch gegen Baltimore ran und die Indians gegen die Blue Jays. Die Kansas City Royals (23-24) haben nach ihrem furiosen Start und dem anschließenden tiefen Fall eine solide Woche mit fünf Siegen aus den letzten sieben Spielen hinter sich. Am Wochenende spielen sie gegen die Minnesota Twins (20-29), die gerade zum ersten Mal in diesem Jahr vier Spiele hintereinander gewonnen haben und nun gegen die Royals untermauern wollen, dass mit ihnen vielleicht doch noch zu rechnen ist.

Die AL West ist nach wie vor ein Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (29-22) und den Houston Astros (27-22), auch wenn die beiden sich zurzeit eher ein Schneckenrennen liefern. Die A’s haben zuletzt eine Serie gegen die Seattle Mariners (23-27) verloren, während die Astros sich von den Texas Rangers (22-29) sweepen ließen und noch ein Spiel gegen die Dodgers verloren, bevor sie gestern ihren einzigen Sieg in dieser Woche einfuhren. Der Blick auf den Spielplan zeigt für die Astros ein bockelhartes Programm: Sie bekommen es in den nächsten zwei Wochen mit den Padres, den Blue Jays und zweimal den Red Sox zu tun. Die Athletics spielen in derselben Zeit gegen die Los Angeles Angels (22-27), die Mariners, die Rockies und die Diamondbacks, was sich – bei allem Respekt für diese Teams – ein bisschen angenehmer anhört.

National League
Die NL East bleibt die schwächste und zugleich die spannendste Division der MLB. An der Spitze halten sich immer noch die New York Mets (22-20) als einziges Team mit positivem Record, obwohl sie unter einer beispiellosen Verletzungsflut leiden. Außer einem Catcher haben die Mets für jede Feldposition mindestens einen gestandenen MLB-Spieler auf ihrer Verletztenliste, von der ursprünglichen Stammformation sind lediglich Shortstop Francisco Lindor und Catcher James McCann übrig – wobei Letzterer zurzeit vor lauter Not meistens als First Baseman spielt. Obendrein kam heute die Hiobsbotschaft, dass die ersehnte Rückkehr von Noah Syndergaard in die Starting Rotation sich um mindestens sechs Wochen verzögert, weil der Rechtshänder unter einer Entzündung im Ellenbogen des Wurfarms leidet. Die Atlanta Braves (24-25), Philadelphia Phillies (24-26) und Washington Nationals (20-24) können aus dem Pech der Mets bislang kein Kapital schlagen, zumal sie durchaus ihre eigenen Sorgen haben. So mussten diese Woche die Braves Marcell Ozuna (gebrochener Finger), die Phillies Bryce Harper (verstauchter Arm) und die Nationals Victor Robles (Knöchelzerrung) auf die Liste setzen. Eine wirklich gute Woche hatten in der Division lediglich die Miami Marlins (24-25), die sich mit erfolgreichen Serien gegen die Mets und die Phillies auf den zweiten Platz vorgearbeitet haben.   

Noch stehen die St. Louis Cardinals (27-22) an der Spitze der NL Central, doch der Tabellenführer schwächelt unübersehbar. Gegen beide Chicagoer Klubs wurden diese Woche Serien verloren, erst gegen die Cubs (26-22) und dann gegen die White Sox. Die Cubs haben heute die Chance, mit einem weiteren Sieg über die Pittsburgh Pirates (18-30) zu den spielfreien Cardinals aufzuschließen. Am Wochenende erwarten sowohl die Cardinals mit den Diamondbacks als auch die Cubs mit den Cincinnnati Reds (21-25) lösbare Aufgaben, bevor es während der Woche zu einer spannenden Konstellation kommt: Das Spitzenduo der NL Central trifft auf das Spitzenduo der NL West – die Cardinals auf die Padres, die Cubs auf die Dodgers.

Zur NL West muss man in dem Zusammenhang sagen, dass sich am Spitzenduo durchaus noch etwas ändern kann, denn hier mischt noch ein Dritter mit. Vorne stehen zurzeit die San Diego Padres (32-18). Sie sind das zweite der eingangs erwähnten Durchstarter-Teams, haben 11 der letzten 12 Spiele gewonnen und 14 der letzten 16. Heute Abend gegen die Brewers und am Wochenende gegen die Astros winkt die Chance, die Führung in der Division auszubauen, denn die beiden Konkurrenten Los Angeles Dodgers und San Francisco Giants (jeweils 30-19) treffen direkt aufeinander und werden sich in irgendeiner Form gegenseitig Punkte abnehmen. Die Dodgers gehen als Favoriten in die Serie, nachdem sie am letzten Wochenende alle drei Spiele in San Francisco gewannen und nun zusätzlich den Heimvorteil auf ihrer Seite haben. Den Blick nach unten vergisst man leicht in dieser aufregenden Division: Dort steht mit den Colorado Rockies (19-30) eines der schwächsten Teams der Liga und mit den Arizona Diamondbacks (18-32) ein aktuell noch schwächeres, das seine letzten zehn Spiele allesamt verloren hat.

Szene der Woche 
Erst zum zweiten Mal in dieser MLB-Saison haben wir ein Triple Play zu sehen bekommen. Der seltene Spielzug gelang den Yankees im neunten Inning des Freitagsspiels gegen die White Sox. 3B Gio Urshela, 2B Rougned Odor und 1B Luke Voit retteten beim Stand von 1:1 ihren Closer Aroldis Chapman aus einer misslichen Lage und bereiteten damit den Weg zum Walkoff-Sieg in der unteren Hälfte des Innings.

Statistik der Woche 
20.002. So viele verschiedene Spieler haben bislang in der MLB oder ihren Vorgängerligen seit Gründung der National Association im Jahr 1871 gespielt. Zur Nummer 20.000 wurde am Freitag José Godoy. Der 26-jährige Backup-Catcher der Mariners hatte beim 1:16 seines Teams gegen die Padres ein eher unspektakuläres Debüt, aber den statistischen Meilenstein kann ihm niemand nehmen. Man muss sich das mal vorstellen: In 150 Jahren Major-League-Baseball haben es gerade mal so viele Spieler auf das höchste Niveau geschafft, dass sie alle gemeinsam in ein MLB-Stadion passen würden, sogar mit Corona-Abstand. 

Spiel der Woche
Die 11 erwies sich am Montag als Glückszahl der Tampa Bay Rays: 11 Hits erzielten sie in 11 Innings und sicherten sich damit ihren elften Sieg in Folge. Auf dem Weg dahin verspielten sie Führungen von 5:0 im ersten und 7:5 im zehnten Inning, bevor sie mit sieben Runs im elften die Hoffnungen der Blue Jays auf ein weiteres Comeback zunichte machten. Für die Blue Jays war es übrigens der voraussichtlich letzte Pflichtspiel-Auftritt im Spring-Training-Park in Dunedin, Florida. Für die kommenden Heimspiele zieht das Team um nach Buffalo im Bundesstaat New York und spätestens nächstes Jahr zurück nach Toronto.

Mein Einschalttipp
In den kommenden Tagen steht ein Haufen interessanter Paarungen an – Blue Jays gegen Yankees, White Sox gegen Indians, Mets gegen Braves, Cardinals gegen Padres, Dodgers gegen Cubs, Dodgers gegen Giants, um nur ein paar zu nennen. Am meisten gespannt bin ich auf die Serie zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees. Die beiden Teams, die in vielerlei Hinsicht kaum unterschiedlicher sein könnten, haben sich in den letzten Jahren spannende Rennen um die AL East geliefert. Dass die Rays 2020 die Division mit sieben Spielen Vorsprung gewannen, ließ sich komplett auf ihre 11-4-Bilanz gegen die Yankees zurückführen. Auch dieses Jahr scheint der notorisch überraschende Underdog ein gutes Rezept gegen den Rekordmeister in der Tasche zu haben. Ob sich dieser Eindruck verfestigt, werden wir ab Montag in einer Vier-Spiele-Serie sehen. Das erste Spiel ist am Montag ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit sowohl auf mlb.tv als auch bei DAZN zu sehen. Die voraussichtlichen Starter sind Rich Hill (3.63 ERA, 3.92 FIP) für die Rays und Domingo German (3.05 ERA, 3.83 FIP) für die Yankees.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , ,

Mai 20th, 2021 by Silversurger

Es ist ganz offensichtlich das Jahr der No-Hitter in der MLB: Detroits Spencer Turnbull und Corey Kluber von den Yankees sind schon der fünfte und der sechste Pitcher mit einem Spiel ohne gegnerischen Hit in dieser noch relativ jungen Saison. Neben den No-Hittern häufen sich zurzeit leider auch die Verletzungen bei vielen Teams. Der prominenteste Ausfall dieser Woche ist Angels-Superstar Mike Trout, der mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel sechs bis acht Wochen pausieren muss. Auch Kevin Pillar, Centerfielder der Mets, wird eine Weile nicht spielen können, nachdem er einen Pitch ins Gesicht bekam und sich mehrfach die Nase brach. Ein erster Kandidat für die dämlichste Verletzung des Jahres steht auch schon fest: Huascar Ynoa, Pitcher der Braves, brach sich am Sonntag die Hand, als er aus Frust über die eigene Leistung auf eine Bank im Dugout einschlug.

National League
Jede Woche ein neuer Tabellenführer in der NL East? Das stimmte in letzter Zeit meistens, aber nicht dieses Mal. Die New York Mets (20-17) halten sich knapp vor den Philadelphia Phillies (22-21), auch und vor allem indem sie in den letzten Tagen die Atlanta Braves (20-23) durch eine gewonnene Serie auf Distanz gehalten haben. Dass die Mets sich so wacker schlagen, ist bemerkenswert – einerseits weil sie immer noch mit Abstand die wenigsten Runs der gesamten MLB auf dem Konto haben, andererseits weil sie zurzeit extrem ersatzgeschwächt antreten müssen: Mit Jeff McNeill, Michael Conforto, Kevin Pillar, Brandon Nimmo, J. D. Davis, Albert Almora, Luis Guillorme, Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Carlos Carrasco, Taijuan Walker und Seth Lugo stehen inzwischen mehr als die halbe Startformation plus die beiden wichtigsten Ersatzspieler und eine komplette Starting Rotation auf der Verletztenliste. 

In der NL Central haben die St. Louis Cardinals (25-18) sich zwar letztes Wochenende von den Padres sweepen lassen, doch zwei Siege gegen die Pittsburgh Pirates (17-25) genügten, um sich gegenüber der schwächelnden Konkurrenz in der Division ein Stück weiter abzusetzen. In den kommenden Tagen haben die Cardinals ihren Verfolger Nummer eins, die Chicago Cubs (21-21), in einer möglicherweise richtungsweisenden Serie zu Gast. Ebenso richtungsweisend kann auch die Serie der Milwaukee Brewers (21-22) bei den Cincinnati Reds (19-22) werden. Beide Teams kassierten zuletzt eine Menge Niederlagen und müssen darum kämpfen, nicht langfristig den Anschluss zu verlieren. 

Der Anschluss in der NL West ist für zwei Teams längst abgerissen. Zwischen den Arizona Diamondbacks (18-26) und den Colorado Rockies (15-29) auf der einen und den restlichen drei Teams auf der anderen Seite vollzieht sich eine Kluft, die selbst in noch weit über 100 ausstehenden Spielen unüberbrückbar erscheint. Das kommt nicht ganz überraschend – abgesehen davon, dass ich die San Francisco Giants (27-16) am unteren Rand der Kluft erwartet hätte statt an der Tabellenspitze, die sie zurzeit vor den San Diego Padres (27-17) und den Los Angeles Dodgers (25-18) behaupten. Ich habe hier schon ein paarmal geschrieben, dass die Giants auch etwas Glück mit dem Spielplan hatten, aber das ist jetzt vorbei: Am Wochenende treffen die Giants erstmals in dieser Saison auf die Dodgers (siehe „Einschalttipp“), am Wochenende danach übrigens schon wieder. Nutznießer des Duells der Erzrivalen könnten die Padres sein, die den Covid-Ausbruch im Team sensationell weggesteckt und neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben.

American League
Mit der Hochspannung in der NL West kann in der American League vor allem die AL East mithalten. Die Boston Red Sox (26-18) stehen zwar seit Wochen an der Spitze, doch es ist inzwischen ein Vierkampf, und die Abstände zwischen Boston, den Tampa Bay Rays (25-19), den Toronto Blue Jays (23-18) und den New York Yankees (24-19) sind hauchdünn. Alle drei Verfolger haben sieben ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, die Rays sogar die letzten sechs am Stück. Die interessanteste Paarung der nächsten Tage steigt in Dunedin, Florida, wo die Blue Jays die Rays für vier Spiele empfangen. Es werden übrigens die letzten „Heimspiele“ sein, die die Blue Jays in dem nur wenige Meilen von Tampa entfernten Spring-Training-Park absolvieren. Ab 1. Juni wird das Übergangs-Zuhause ein Stück näher an die kanadische Grenze verlegt, in den Ballpark des AAA-Affiliates Buffalo Bisons.

Bei den Chicago White Sox (26-17) läuft es im Prinzip super. Zehn der letzten dreizehn Spiele – übrigens allesamt gegen die Kansas City Royals (20-22) und die Minnesota Twins (14-27) – wurden gewonnen, die AL Central führt man mit zwei Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (23-18) an. Dennoch herrscht nicht eitel Sonnenschein in Chicagos Süden, denn zwischen Team und Manager scheint es zu knirschen – mehr dazu später in diesem Artikel. Richtig mies läuft die bisherige Saison für die Twins. Was ist los mit dem Team, das als Co-Favorit mit den White Sox gestartet war, aber nun Letzter ist? Ein einzelner Grund lässt sich nicht festmachen, denn sowohl die Offense als auch die Starter finden ihren Rhythmus nicht, vom Bullpen ganz zu schweigen. Meine Vermutung ist, dass es in erster Linie eine Frage verlorenen Selbstvertrauens durch den schwachen Start ist. Um auch etwas Positives aus der Central zu berichten: Die Detroit Tigers (17-26) sind auf einer richtig guten Welle. Acht der letzten zehn Spiele hat der Außenseiter gewonnen, darunter sogar einen No-Hitter gegen die Mariners – auch dazu später mehr.

Apropos Seattle Mariners (21-23): Ihre Saison ist bisher eine ziemliche Achterbahnfahrt. Vom krassen Außenseiter schwangen sie sich auf zum Überraschungsteam und scheinen nun auf dem Weg zurück in die Niederungen der AL West. Von ihren letzten fünfzehn Spielen haben sie nicht nur zehn verloren, sondern sich dabei zweimal no-hitten lassen. Durch den Absturz der Mariners und die weiterhin wenig ermutigenden Leistungen der Los Angeles Angels (18-24) und Texas Rangers (19-26) entwickelt sich die Division immer mehr zu einem Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (26-18) und den Houston Astros (25-18). Die beiden stehen sich derzeit im direkten Duell gegenüber; nach je einem Sieg für beide Teams steht heute Abend ab 21:37 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Game um die Tabellenführung an.

Szene(n) der Woche
Hier hätte ich gern den Schlag von Huascar Ynoa gegen die Dugout-Bank gezeigt, aber leider ist davon kein Videomaterial zu finden. Stattdessen zeige ich euch zwei Aktionen, über die diese Woche in den sozialen Medien diskutiert wurde. Die erste ist ein Slide von Manny Machado. Im Spiel selbst war es keine große Sache: Machado slidet unter Tommy Edman, um den Tag und ein Doubleplay zu verhindern. Danach schaut er besorgt nach dem getroffenen Gegenspieler und da mit diesem alles in Ordnung ist, klatscht man sich ab und weiter geht’s. Auf Twitter und Co. entwickelte sich allerdings ein regelrechter Shitstorm wegen des angeblich schmutzigen Spiels von Machado. Was meint ihr dazu? Schmutzig oder nicht?

Und dann war da noch der Homerun von Yermin Mercedes. Ein Homerun ist eigentlich immer eine tolle Sache, aber der DH der White Sox schlug ihn in einer Situation, die einigen Verfechtern ungeschriebener Regeln als unanständig gilt: bei einer hohen Führung des eigenen Teams, einem Positionsspieler auf dem Mound und einem 3-0-Count. Dass sich in so einem Fall die gegnerischen Spieler und Fans ärgern, ist nicht außergewöhnlich, wohl aber, dass einem der eigene Manager öffentlich in den Rücken fällt. Mercedes habe einen Fehler gemacht und werde dafür interne Konsequenzen erleiden, ließ White-Sox-Skipper Tony La Russa nach dem Spiel wissen. Nachdem mehrere Spieler der White Sox und anderer Teams Mercedes verteidigten, darunter Pitcher Lance Lynn, legte La Russa nach: „Lance hat einen Spind, ich habe ein Büro.“ Das könnte noch interessant werden in Chicago…

    

Statistik der Woche 
61. So viele Strikeouts warf Yankees-Pitcher Gerrit Cole im Laufe von 41.2 Innings, ohne zwischendurch einen Walk zuzulassen. Das ist ein Rekord, der mindestens bis 1893 zurückreicht, das Jahr, in dem die heutige Entfernung zwischen Mound und Homeplate festgelegt wurde. Lustigerweise war die alte Bestmarke erst ein paar Tage vorher aufgestellt worden, nämlich von Corbin Burnes, der für die Brewers letzten Donnerstag den ersten Walk nach 58 Strikeouts zuließ. 

Spiel(e) der Woche
Für diese Kategorie habe ich keine andere Wahl als die beiden No-Hitter der letzten Tage zu präsentieren. Spencer Turnbull von den Tigers ist sicher der überraschendere der beiden Namen, die sich neu in die MLB-Geschichtsbücher eintragen durften. Beim 5:0 seiner Tigers gegen die Mariners pitchte er zum ersten Mal in seinem Leben über das siebte Inning hinaus und schloss das Spiel nach 117 Pitches ab. Er ließ nur zwei Baserunner zu, beide per Walk. 

Einen Tag später hatte Corey Kluber seinen großen Auftritt – ausgerechnet in Globe Life Field, wo er letztes Jahr den Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere erlebt hatte. Nur ein einziges Inning konnte er im Trikot der Texas Rangers pitchen, den Rest der Saison verpasste er mit Verletzungen. Bei den Yankees bekam er dieses Jahr eine neue Chance und seine gestrige Leistung zeigt eindeutig, dass er wieder da ist. Mit nur 101 Pitches fertigte er sein ehemaliges Team ab. Ein Walk für Charlie Culberson im dritten Inning war alles, was ihn von einem perfekten Spiel trennte.

Mein Einschalttipp
Heute und in den nächsten Tagen stehen reihenweise Spitzenspiele an, aber das bevorstehende Duell der ewigen Erzrivalen Giants und Dodgers ragt für mich noch ein Stück aus dem Rest heraus. Die beiden sehen sich in der Wochenendserie zum ersten Mal in dieser Saison. Je nach Schlafgewohnheiten kann man sich natürlich auch die beiden Nachtspiele von Freitag auf Samstag (3:45 Uhr) und Samstag auf Sonntag (1:15 Uhr) anschauen, aber für den Durchschnittseuropäer bietet sich wohl die Partie am Sonntag um 22:05 Uhr unserer Zeit an. Starting Pitcher sind Anthony DeSclafani (2.03 ERA, 3.28 FIP) für die Giants und Julio Urias (3.04 ERA, 2.92 FIP) für die Dodgers.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , ,

April 8th, 2021 by Silversurger

Die MLB ist zurück. In der ersten Woche gab es eine Menge großartiger Szenen und Spiele, leider aber auch schon die ersten coronabedingten Spielausfälle. Zudem gab es politisch verursachten Trubel um das All-Star-Game: Die Ligaleitung hat entschieden, dieses nicht wie geplant in Atlanta auszutragen, sondern es nach Denver zu verlegen. Hintergrund ist eine Änderung des Wahlgesetzes im Staat Georgia, die relativ offensichtlich dem Ziel dient, sozialen und ethnischen Minderheiten die Wahlteilnahme zu erschweren. MLB-Commissioner Rob Manfred teilte in einer Erklärung mit, dass er die Verlegung des Spiels als „besten Weg, unsere Werte als Sport zu demonstrieren“ ansieht. Ich halte das für ein grundsätzlich richtiges Zeichen, wenngleich ich auch die Enttäuschung der als Gastgeber ausgebooteten Atlanta Braves verstehe, die keine Schuld an der Gesetzgebung ihres Staates tragen. Jetzt aber zum Sport: 

National League
Über die NL East lässt sich bislang am wenigsten sagen, da sie vom ersten Tag der Saison an stark von Ausfällen betroffen war. Ein Covid-19-Ausbruch im Team der Washington Nationals (1-2) führte dazu, dass deren gesamte Serie gegen die New York Mets (1-2) verschoben werden musste. Seit Dienstag sind die Nationals wieder im Einsatz, müssen allerdings noch für einige Tage auf Patrick Corbin, Jon Lester, Yan Gomes, Alex Avila, Josh Bell, Josh Harrison, Jordy Mercer, Kyle Schwarber und Brad Hand verzichten. Für einen Sieg im ersten Spiel gegen die Atlanta Braves (2-4) reichte es trotzdem. Die Braves hatten vorher schon einen lupenreinen Fehlstart, indem sie sich 0-3 von den Philadelphia Phillies (5-1) sweepen ließen. Im gestrigen Doubleheader gegen die Nationals konnten sie sich mit zwei Siegen rehabilitieren. Auch die Miami Marlins (1-5) sind schwach gestartet und sehen nicht so aus, als könnten sie die Überraschung der letzten Saison wiederholen.

Vielleicht kommt das Überraschungsteam des Jahres 2021 aus der NL Central. Die Cincinnati Reds (5-1) haben aus sechs Spielen nicht nur fünf Siege, sondern auch ein beeindruckendes Run Differential von +31 eingefahren. Allerdings holten sie den größten Teil davon gegen die Pittsburgh Pirates (1-5). Die richten sich wohl wie erwartet von Anfang an im Keller ein, zumal sich mit Ke’Bryan Hayes ihr einziger Star im ersten Saisonspiel verletzte. Zwischen den beiden Favoriten der Division, den St. Louis Cardinals (4-2) und den Milwaukee Brewers (3-3), steht ab heute eine möglicherweise weichenstellende Serie an. Die Chicago Cubs (3-3) haben derweil das Glück, in ihrer dritten Serie schon zum zweiten Mal gegen die Pirates antreten zu dürfen.

Die NL West begann bemerkenswert, indem eines der wohl schwächsten Teams der MLB, die Colorado Rockies (2-4), das wohl stärkste, die Los Angeles Dodgers (5-2), im Eröffnungsspiel besiegte. Aber das Strohfeuer ist schon wieder erloschen: Die Dodgers haben ihren gewohnten Platz an der Spitze der Division eingenommen, die Rockies bilden gemeinsam mit den Arizona Diamondbacks (2-4) das Schlusslicht. Mit den San Diego Padres (4-3) und den San Francisco Giants (3-3) auf dem dritten Platz ist die NL West die einzige Division, die schon nach einer Woche ziemlich genau so dasteht, wie man es auch für das Ende der Saison erwarten würde. Die Padres müssen allerdings einen harten Schlag verkraften: Fernando Tatis Jr. musste am Montag ausgewechselt werden, nachdem er sich bei einem harten Schwung die Schulter auskugelte. Die Schwere der Verletzung ist noch unklar, doch es scheint sich um mehr zu handeln als „nur“ um ein aus der Pfanne und wieder zurück gesprungenes Gelenk. Der Star-Shortstop steht auf der 10-Tage-Verletztenliste und unterzieht sich weiteren Untersuchungen.

American League
Die Baltimore Orioles (4-2) haben sicher schon ein paar Screenshots von der Tabelle der AL East geschossen. Durch einen Sweep gegen die Boston Red Sox (3-3) in der Eröffnungsserie setzten sie sich an die Spitze der Division, und dort stehen sie nach zwei Niederlagen und einem Extra-Inning-Sieg gegen die New York Yankees (3-3) immer noch. Die Red Sox überraschten ihrerseits, indem sie dem desolaten Start einen Sweep gegen die Tampa Bay Rays (2-4) folgen ließen. Gute und schlechte Nachrichten gibt es für die Toronto Blue Jays (3-3): Die gute ist, dass der Klub mit General Manager Ross Atkins eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre aushandeln konnte. Die schlechte ist, dass das Debüt von Neueinkauf George Springer nach wie vor auf sich warten lässt. Springer startete die Saison auf der Verletztenliste wegen einer Bauchmuskelzerrung; die ist inzwischen überwunden, doch nun sind beim Rennen Schmerzen im Oberschenkel aufgetreten und machen den geplanten Auftritt beim heutigen Home-Opener gegen die Angels unmöglich.

Den besten Start in der AL Central haben die Minnesota Twins (4-2) erwischt, die ihre Serien gegen die Brewers und gegen die Detroit Tigers (3-3) jeweils 2-1 gewannen. Am Wochenende wird es interessant, wenn die etwas besser als erwartet dastehenden Kansas City Royals (3-2) bei den etwas schlechter als erwartet gestarteten Chicago White Sox (3-4) antreten. Die Cleveland Indians (2-3) bieten derweil das Bild, das man von ihnen gewohnt ist: die wenigsten erzielten Runs in der gesamten AL und dennoch ein Run Differential von +1 dank ihres hervorragenden Pitchings.

In der AL West hatte gleich die erste Serie schon stark richtungsweisenden Charakter: Die Oakland Athletics (1-6) mussten im eigenen Ballpark einen 4-Spiele-Sweep der Houston Astros (5-1) hinnehmen. Da die A’s auch die nächsten beiden Spiele gegen die Dodgers verloren und obendrein den Ausfall ihres Closers Trevor Rosenthal verkraften müssen, stehen sie bereits mit dem Rücken zur Wand. Zu allem Überfluss müssen sie jetzt nach Houston reisen. Aber vielleicht geht ja ein Ruck durch das Team, nachdem gestern per Extra-Innings-Walkoff über die Dodgers der erste Saisonsieg eingefahren wurde. Außer den Astros sind auch die Los Angeles Angels (4-2) stark in die Saison gestartet, unter anderem mit drei Siegen gegen die White Sox. In einem davon hatte Shohei Ohtani seinen großen Auftritt, indem er zum ersten Mal im selben MLB-Spiel pitchte und schlug. In 4.2 Innings erzielte er einen Homerun und ließ nur einen gegnerischen Run zu. 

Szene der Woche
Die folgende Szene aus dem Eröffnungsspiel zwischen den Dodgers und den Rockies ist so kurios wie erklärungsbedürftig: Mit Justin Turner als Runner an der ersten Base schlägt Cody Bellinger einen weiten Ball ins Leftfield. Raimel Tapia bekommt den Ball kurz in den Handschuh, lässt ihn aber über den Zaun fallen. Bellinger und Turner denken zunächst, dass es ein Homerun ist, doch dann ist sich Turner der Sache nicht mehr sicher und sprintet zurück zur ersten Base, wie es nach einem Flyout erforderlich wäre. Dabei achtet er nicht auf Bellinger und läuft an diesem vorbei. Regeltechnisch hat Bellinger dadurch Tuner beim Baserunning überholt und ist automatisch aus – trotz des inzwischen von den Umpires bestätigten Homeruns. Weil Bellinger zwischen der ersten und zweiten Base aus ist, gilt sein Schlag nur als Single. Turner darf aber um die Bases laufen, der RBI dafür geht an Bellinger.

Zwei Tage später schlug übrigens die ausgleichende Gerechtigkeit in Form einer verblüffend ähnlichen Szene zu: Dieses Mal war Zach McKinstry für die Dodgers am Schlag. Wieder flog der Ball Richtung Leftfieldzaun, wieder war Raimel Tapia mit dem Handschuh dran. Dieses Mal landete der Ball im Feld, aber weil Tapia das zu spät merkte, gelang McKinstry ein Inside-The-Park-Homerun. 

Statistik der Woche 
8. So viele Hits hatte Yermin Mercedes von den Chicago White Sox in ebenso vielen Plate Appearances zum Start der Saison. Das ist MLB-Rekord und auch deshalb erstaunlich, weil von dem 28-Jährigen bisher kaum jemand je gehört hatte. Kurz vor Saisonstart war er durch die Verletzung von Eloy Jimenez in den Kader gerutscht und durfte im ersten Spiel als DH antreten. Er schlug 5-für-5 und traf im nächsten Spiel erneut dreimal hintereinander, bevor ihn beim neunten Versuch ein Flyout ereilte.

Die zweite Feel-Good-Story des Opening Weekends möchte ich an der Stelle nicht unerwähnt lassen: Auch die Detroit Tigers haben einem bislang kaum bekannten Spieler eine Chance gegeben, und auch er nutzte sie auf spektakuläre Weise: Akil Baddoo schlug den ersten Pitch seiner MLB-Karriere zum Homerun. 

Spiel der Woche
Die Entscheidung fällt schwer angesichts der vielen tollen Spiele, die die erste Woche zu bieten hatte. Weil es in diesem Artikel bisher vor allem um Offense ging, geht meine Stimme hier an die Partie der Twins gegen die Brewers vom Samstag. José Berrios und Corbin Burnes lieferten sich sechs Innings lang ein geradezu wahnwitziges Pitcherduell: 12 Strikeouts für Berrios, 11 für Burnes, kein Walk und kein Hit auf beiden Seiten. Die einzigen Baserunner ließen beide Pitcher im fünften Innning durch jeweils einen Hit-by-Pitch zu. Im siebten Inning beendete Byron Buxton per Homerun den No-Hitter von Burnes. Berrios wurde trotz seines noch intakten No-Hitters nach sechs Innings und 84 Pitches ausgewechselt. Den ersten und einzigen Hit der Brewers erzielte Omar Narvaez im achten Inning gegen Tyler Duffey.

Mein Einschalttipp
Am Wochenende steht die Paarung an, die letztes Jahr das Duell in der AL darstellte: Die New York Yankees treffen auf die Tampa Bay Rays. Beide Teams hatten einen durchwachsenen Start und dürften entsprechend motiviert sein, das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen. Die erste Partie der 3-Spiele-Serie beginnt am Freitag zur perfekten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr und ist obendrein das Free Game of the Day auf mlb.tv. Als Starting Pitcher treten die beiden Routiniers Rich Hill (Rays) und Corey Kluber (Yankees) an.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

April 1st, 2021 by Silversurger

Update: Wenige Minuten nach Veröffentlichung dieses Artikels gaben die Nationals bekannt, dass sie wegen ihres Covid-Falls und wegen der noch andauernden Kontaktnachverfolgung das heutige Spiel gegen die Mets abgesagt haben.

Endlich! Endlich! Endlich! Der Opening Day der MLB ist da, dank Feiertag steht einem Nachtschicht-Bingewatching nichts im Wege, und als wäre das noch nicht genug Grund zur Freude, hat mein Lieblingsteam letzte Nacht die lang ersehnte Vertragsverlängerung mit Francisco Lindor unter Dach und Fach gebracht. Was für ein wunderbarer Tag für den garantiert letzten Grand Slam am Donnerstag vor Beginn der Saison 2021.

Das Programm am Opening Day
Wer sich zur Saisoneröffnung die volle Baseball-Breitseite geben möchte – und das nötige Abo von mlb.tv hat – kann heute Abend und Nacht 12 Stunden am Stück MLB-Baseball sehen. Um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit den Yankees gegen die Blue Jays, fünf Minuten später starten die Tigers gegen die Indians. Bis 22:10 Uhr kommen stündlich Spiele dazu. Ab 1:09 Uhr kann man sich ganz auf Lindors erstes Spiel mit den Mets gegen die Nationals und das aufregende Pitching-Matchup deGrom vs. Scherzer konzentrieren, bevor ab kurz nach 4 Uhr noch drei Spiele an der Westküste laufen. Für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: DAZN wird wohl täglich ein Spiel übertragen, am Opening Day ist es Yankees vs. Blue Jays. Auf mlb.tv gibt es normalerweise auch wieder jeden Tag ein „Free Game of the Day“, für heute wurde allerdings bisher keines bekannt gegeben. 
Die Fans der Red Sox und der Orioles müssen sich leider noch einen Tag länger gedulden: Die Partie in Boston wurde um einen Tag verschoben, weil in der Region starke Regenfälle erwartet werden.

Zuschauer in allen Stadien
Bei allen Spielen der MLB werden von Saisonbeginn an Zuschauer erlaubt sein. Die dafür freigegebene Kapazität gestaltet sich sehr unterschiedlich. Für die meisten Ballparks ist eine Auslastung von 20 bis 25% vorgesehen. In Fenway Park und Nationals Park ist man deutlich vorsichtiger, dort werden nur 12% der Plätze belegt. Coors Field und Chase Field hingegen sind zu über 40% freigegeben. Die Texas Rangers sind die einzigen, die ihr neues Stadion Globe Life Field am Opening Day komplett nutzen wollen und dürfen: 40.518 Fans werden die Ränge füllen. Entgegen dem Rat der örtlichen Gesundheitsbehörden hat der texanische Gouverneur Greg Abbott sogar die Maskenpflicht aufgehoben. Die Rangers schreiben allerdings auf eigene Faust das Tragen einer Maske im Stadion vor.

Quarantänefälle bei den Nationals
Dass die Pandemie auch in dieser Saison ein Faktor ist, sieht man nicht nur an den fast überall geltenden Zuschauerbeschränkungen. Schon am Opening Day gibt es die ersten coronabedingten Spielerausfälle:  Ein Mitglied der Washington Nationals wurde positiv getestet, vier weitere Spieler und ein Angestellter gelten als enge Kontaktpersonen und sind deshalb ebenfalls in Quarantäne. Um welche Spieler es sich handelt, wurde bislang nicht bekannt.

341 Millionen für Lindor 
Seit dem spektakulären Trade mit den Cleveland Indians war eigentlich klar, dass sich dieser für die New York Mets nur dann richtig lohnt, wenn man Francisco Lindor über die Saison 2021 hinaus an sich binden kann. Lindor zeigte sich offen dafür, machte aber zur Bedingung, dass er nicht bis in die Saison hinein verhandeln möchte. Entsprechend hektisch wurde es im Umfeld, als bis in die späten Abendstunden am Vortag der Saisoneröffnung immer noch kein Deal in Sicht war. Doch gegen 23 Uhr Ortszeit zog endlich weißer Rauch durch die sozialen Netzwerke: Lindor und die Mets haben sich geeinigt, der Star-Shortstop unterschreibt für zehn Jahre von 2022 bis 2031. Er erhält dafür insgesamt 341 Millionen Dollar, verteilt auf ein Handgeld von 21 Millionen und auf zehn Gehälter á 32 Millionen. Der Vertrag enthält keine Ausstiegsoptionen und eine No-Trade-Klausel in Bezug auf 15 Teams. Der große Gewinner der Einigung neben Lindor ist Steve Cohen. Der neue Teameigner hatte angekündigt, die Mets als Big-Market-Franchise zu führen, und mit diesem Vertrag lässt er Worten Taten folgen. Es ist der langfristigste Spielervertrag der Vereinsgeschichte und mit großem Abstand der teuerste. Zudem ist es der höchste Vertrag, den je ein Shortstop bekommen hat. Er übertrifft den 14-Jahresvertrag von Fernando Tatis Jr. mit den Padres vermutlich nicht zufällig um genau eine Million.  

Twins verlängern mit Dobnak
Randy Dobnak hat sich mit den Minnesota Twins auf einen neuen Vertrag geeinigt. Der Pitcher bleibt dem Team für mindestens fünf Jahre erhalten und bekommt dafür 9,25 Millionen Dollar. Das ist für MLB-Verhältnisse keine spektakuläre Summe, doch die Geschichte dahinter ist ziemlich originell: Dobnak verließ 2017 mit 22 Jahren das College, ohne von einem MLB-Team gedraftet zu werden, und schloss sich dem Independent-Team Utica Unicorns an. Die Scouts der Twins entdeckten ihn über Youtube-Videos und verpflichteten ihn für ein Handgeld von 500 Dollar in ihr Minor-League-System, ohne ihn je persönlich gesehen zu haben. Während er seinen Lebensunterhalt als Uber-Fahrer verdiente, arbeitete Dobnak sich innerhalb von zwei Jahren durch die Minor Leagues und debütierte 2019 erfolgreich in der MLB. Die Twins setzen ihn sowohl als Starter als auch im Bullpen ein. Der Klub hat sich für 2026 bis 2028 Verlängerungsoptionen gesichert, mit denen der Vertrag auf insgesamt acht Jahre und bis zu 29,75 Millionen Dollar ausgedehnt werden kann.

Ein paar Verletzungs-News
Keine Woche ohne Tommy-John-Surgery: Jose Leclerc, bislang Closer der Texas Rangers, ist der nächste Kandidat, der sich der ungebliebten Prozedur unterziehen muss und bis ins nächste Jahr hinein ausfällt. In seiner Abwesenheit werden voraussichtlich Ian Kennedy und/oder Matt Bush die Save-Aufgaben bei den Rangers übernehmen.
Rockies-Reliever Scott Oberg benötigt schon zum vierten Mal in seiner Karriere eine Operation, weil sich bei ihm immer wieder Blutgerinnsel im Ellenbogen seines Wurfarms bilden. Ob er nach dem neuerlichen Eingriff noch einmal Profisport betreiben darf oder seine Karriere beenden muss, ist noch unklar.
Das prominenteste Verletzungsopfer der Woche ist Eloy Jimenez von den Chicago White Sox. Ein gerissener Brustmuskel beim Versuch, einen Homerun zu verhindern, setzt den Leftfielder für vier bis fünf Monate, also für einen Großteil der Saison außer Gefecht. Einen offensichtlichen Ersatzmann für seinen Posten haben die White Sox bisher nicht, aber es gibt ein paar Ideen für Notlösungen (siehe weiter unten).
Nick Anderson, ein wichtiger Teil des Bullpens der Tampa Bay Rays, hat sich ein Band im Ellenbogen teilweise gerissen und fällt voraussichtlich bis nach dem All-Star-Break aus.
Auch den New York Yankees bleibt das Verletzungspech treu: First Baseman Luke Voit muss wegen eines Meniskusrisses operiert werden. Er wird den Yankees für ein bis zwei Monate fehlen.

Lamb zu den White Sox
Jake Lamb wurde vor einigen Tagen von den Atlanta Braves entlassen, nachdem diese sich entschieden, an seiner Stelle Pablo Sandoval einen Platz im Roster zu geben. Lamb war nicht lange arbeitslos, denn den Chicago White Sox kam er nach der Verletzung von Leftfielder Eloy Jimenez wie gerufen. Lamb hat zwar keine Erfahrung im Leftfield und wird dort wohl auch nicht zum Einsatz kommen. Aber er gibt den White Sox neue Flexibilität. Yoan Monacada, der Inhaber des Stammplatzes auf Lambs Position an der dritten Base, hatte in der Vergangenheit schon signalisiert, falls nötig auch im Outfield zu spielen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der frisch ins MLB-Team berufene Rookie Andrew Vaughn sich im Leftfield versucht, während Lamb als Designated Hitter einsteigt.

Rockies verpflichten Chacin
Quasi in allerletzter Sekunde sind die Colorado Rockies doch noch tätig geworden. Als einziges MLB-Team hatten sie in der bisherigen Offseason auf jegliche Neuverpflichtung eines Free Agents verpflichtet. Das hat sich nun geändert, indem sie Pitcher Jhoulys Chacin unter Vertrag genommen haben. Der Rechtshänder hatte den größten Teil des Spring-Trainings unter einem Minor-League-Vertrag bei den Yankees verbracht. Nachdem diese ihn Anfang der Woche ziehen ließen, wurde er sich mit den Rockies einig, bei denen seine Karriere einst begonnen hatte.

Ein Catcher für die Cubs
Auch die Chicago Cubs haben noch eine Ergänzung an Land gezogen. Catcher Tony Wolters unterschreibt einen Einjahresvertrag, nachdem er die Ausstiegsoption aus einem Minor-League-Kontrakt mit den Pirates gezogen hatte. Die Cubs hatten im Dezember ihren Ersatzcatcher Victor Caratini zusammen mit Yu Darvish zu den Padres getradet und waren seitdem auf der Suche nach einem neuen Backup für Willson Contreras.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

März 24th, 2021 by Silversurger

Die New York Yankees versuchen in dieser Offseason, zwei scheinbar gegensätzliche Ziele unter einen Hut zu bringen. Zum einen wollen sie kräftig an den Spielergehältern sparen – nicht, weil der reichste Klub der Welt plötzlich kein Geld mehr hätte, sondern um wenigstens einmal unter der Luxussteuer-Grenze von 210 Millionen Dollar zu bleiben. Die Strafzahlungen steigen nämlich, wenn man längerfristig über der Grenze liegt, von Jahr zu Jahr an und gehen ab einer bestimmten Höhe zusätzlich mit einer Abstufung bei der Draft einher. Um das Ziel zu erreichen, trennten sich die Yankees von Reliever Adam Ottavino sowie den Startern Masahiro Tanaka, J. A. Happ und James Paxton und begnügten sich als Ersatz mit schwer einzuschätzenden und deshalb kostengünstigen Neuverpflichtungen. Der einzige, für dessen Verbleib die Yankees eine größere Ausgabe wagten, ist Infielder D. J. LeMahieu – der 90-Millionen-Dollar-Vertrag für den 32-Jährigen wird über sechs Jahre gestreckt, um im aktuellen Jahr die Obergrenze einzuhalten. LeMahieu soll einer der Garanten dafür sein, dass trotz Spardiktat das zweite Ziel der Yankees nicht außer Reichweite gerät: Eine Meisterschaft soll her und zwar dringend. Das vergangene Jahrzehnt war das erste seit 100 Jahren, in dem die Yankees kein einziges Mal die World Series erreichten. Eine solche Serie ist mit dem Anspruch des Rekordmeisters nicht vereinbar. Insbesondere Manager Aaron Boone steht unter massivem Druck, denn er geht in sein letztes Vertragsjahr und wenn sein Team das große Ziel erneut verpasst, könnte die Geduld der Vereinsführung schnell am Ende sein.

Voraussichtliches Lineup
C Gary Sanchez
1B Luke Voit
2B DJ LeMahieu
SS Gleyber Torres
3B Gio Urshela
LF Clint Frazier
CF Aaron Hicks
RF Aaron Judge
DH Giancarlo Stanton

Voraussichtliche Rotation
RHP Gerrit Cole
RHP Corey Kluber
RHP Jameson Taillon
LHP Jordan Montgomery
LHP Deivi Garcia
(RHP Luis Severino; verletzt bis ca. Saisonmitte)
Key Relievers: Aroldis Chapman, Chad Green

Wichtigster Zugang
RHP Corey Kluber (Texas Rangers)

Wichtigster Abgang
RHP Masahiro Tanaka (Rakuten Golden Eagles, Japan)

Bestes Prospect
OF Jasson Dominguez

Größte Stärke
Power: Die Yankees führten 2020 die American League in Runs pro Spiel (5.25), wRC+ (116) und OPS+ (117) an, zudem schlugen sie die zweitmeisten Homeruns (94). Da Aaron Judge und Giancarlo Stanton letztes Jahr längere Zeit ausfielen und Gary Sanchez und Gleyber Torres nicht annähernd Normalform erreichten, stehen die Chancen gut, dass die Yankees-Offense 2021 noch eine Schippe drauflegen kann.

Größte Schwäche
Starting Pitching: Gerrit Cole als Ass des Teams ist über jeden Zweifel erhaben, doch im Rest der Rotation tummeln sich mehr Fragezeichen als in Rocky Beach. Corey Kluber hat wegen einer Schulterverletzung seit 2019 nur ein einziges Inning gepitcht. Das ist ein Inning mehr als Jameson Taillon (Tommy-John-Surgery) und Domingo German (Suspendierung wegen häuslicher Gewalt) zusammen. Jordan Montgomery kam letztes Jahr von einer langen Verletzungspause zurück und muss seine MLB-Reife ebenso wie Top-Prospect Deivi Garcia erst noch unter Beweis stellen. Große Hoffnungen ruhen auf Luis Severino, der sich ebenfalls noch von einer Tommy-John-Surgery erholt und wohl im Juni oder Juli zum Team stoßen wird.

Spannendste Frage
Können Sie gesund bleiben? Das ist seit Jahren die Frage in dem Klub, der 2019 diverse Verletzungsrekorde aufstellte und auch 2020 vom Pech verfolgt blieb. Die Hoffnung ist, dass das erste volle Vorbereitungsprogramm unter dem vor einem Jahr eingestellten Kraft- und Konditionstrainer Eric Cressey Wunder wirkt. Mit Kluber und Taillon holte man sich aber neue Verletzungssorgenkinder ins Haus und bei Muskelprotzen wie Giancarlo Stanton und Aaron Judge stelle ich mir ganz naiv und laienhaft die Frage, ob sie nicht einfach zu aufgepumpt sind, um eine 162-Spiele-Saison durchzuhalten.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL East, Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

März 11th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison ist nur noch drei Wochen entfernt, das Spring-Training läuft auf Hochtouren und endlich haben auch die beiden letzten „großen“ Free Agents Jackie Bradley Jr. und Jake Odorizzi ihr neues Team gefunden. Leider gab es diese Woche auch wieder ein paar Verletzungen, durch die die Saison für die betreffenden Spieler ganz oder teilweise gelaufen ist, bevor sie richtig begonnen hat. Dank des deutschen Corona-Flickenteppichs gibt es etwas verwirrende Neuigkeiten in Bezug auf die Baseball-Bundesliga – mehr dazu am Ende dieses Artikels.

Bradley Jr. zu den Brewers
Die Milwaukee Brewers haben sich die Dienste von Jackie Bradley Jr. gesichert. Das kam etwas überraschend, denn im Centerfield der Brewers ist bereits Lorenzo Cain als Stammspieler gesetzt. Dasselbe gilt für das Leftfield mit Christian Yelich, sodass für Bradley Jr. voraussichtlich die etwas größeren Anteile eines Platoons mit Avisail Garcia im Rightfield bleiben. Der in Kürze 31-Jährige erhält einen Zweijahresvertrag, der ihm 13 Millionen Dollar im ersten und 11 Millionen im zweiten Jahr garantiert. Eine Option ermöglicht dem Spieler, nach dem ersten Jahr einseitig aus dem Vertrag auszusteigen. 

Astros verpflichten Odorizzi
Auch Jake Odorizzi hat einen neuen Job. Der Starting Pitcher unterschreibt für zwei Jahre bei den Houston Astros. Dafür erhält er ein garantiertes Gehalt von 23,5 Millionen Dollar und die Verlängerungsoption für ein weiteres Jahr. Odorizzi hatte 2019 ein starkes Jahr für die Minnesota Twins mit 3.51 ERA und 3.36 FIP in 30 Starts. 2020 konnte er wegen mehrerer Verletzungen nur 13.2 Innings pitchen. Die Astros sahen sich offenbar gezwungen, noch eine Verstärkung an Land zu ziehen, nachdem Framber Valdez sich an seinem letzte Woche gebrochenen Finger operieren lassen muss und möglicherweise für die gesamte Saison ausfällt. Zudem steht seit gestern fest, dass Pitching-Prospect Forrest Whitley sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss, womit für ihn die Saison gelaufen ist. 

Castillo, Martinez, Britton, Votto fallen aus
Auch für Jose Castillo, Relief Pitcher der San Diego Padres, ist die Saison bereits beendet. Der 25-jährige Linkshänder benötigt ebenfalls eine Tommy-John-Surgery und wird erst irgendwann im nächsten Jahr wieder spielen können.
Nur unwesentlich besser ergeht es Yankees-Reliever Zack Britton, dem in einer arthroskopischen Operation Knochensporne entfernt werden müssen. Sein Arm muss danach sechs Wochen komplett ruhen, danach schließen sich drei bis vier Monate Reha bis zur Einsatzfähigkeit an.
Rund vier Monate wird auch Jose Martinez ausfallen. Der Corner-Infielder/Outfielder schien auf gutem Weg, einen Platz auf der Bank der New York Mets zu ergattern, bevor er in einem Spring-Training-Spiel mit einem Umpire zusammenprallte und einen Meniskusriss erlitt.
Leider gibt es auch schon den ersten prominenten Covid-19-Fall der Saison: Joey Votto wurde positiv getestet. Der First Baseman der Cincinnati Reds muss sich für mindestens zehn Tage isolieren. Ob und in welcher Stärke er unter Symptomen leidet, ist bislang nicht bekannt. 

Lou Gehrig Day am 2. Juni
Ab diesem Jahr wird in der MLB regelmäßig am 2. Juni ein Lou Gehrig Day begangen. An diesem Tag wird dem legendären First Baseman der Yankees gedacht werden, vor allem aber soll er an die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erinnern, die auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt ist. Gehrig starb am 2. Juni 1941 im Alter von 37 Jahren an ALS – am selben Datum, an dem er 16 Jahre früher eine Rekordstrecke von 2.130 Einsätzen hintereinander gestartet hatte. Lou Gehrig ist der dritte Spieler nach Jackie Robinson (15. April) und Roberto Clemente (9. September), dem die MLB jährlich einen eigenen Tag widmet.

Bundesliga startet versetzt
Am 1. April ist Opening Day – das gilt nicht nur für die MLB, sondern auch für die Baseball-Bundesliga. Allerdings nur für den Süden, denn die Nordgruppe der höchsten deutschen Spielklasse startet erst über einen Monat später und absolviert mit 7 Spieltagen nur halb so viele Partien wie die Bundesliga Süd. Der Hintergrund ist, dass die an der Südgruppe beteiligten Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Liga als Teil des Spitzensports anerkennen, die nördlichen Bundesländer hingegen nicht. Das hört sich an wie ein verfrühter Aprilscherz, ist aber kuriose und bittere Realität. Aber vielleicht sollte man es nicht zu negativ sehen und lieber froh sein, dass es in Baseball-Deutschland zur Coronazeit nur zwei unterschiedliche Regelungen gibt und nicht 16…

Posted in Baseball in Deutschland, Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , ,

Februar 25th, 2021 by Silversurger

Fenster auf, Augen zu – riecht ihr auch schon das frisch gemähte Gras der Baseballfelder, wartet ihr auch schon sehnsüchtig auf das Geräusch des Schlägers, der auf den Ball trifft? Es ist soweit, am Sonntag geht es los mit den Spring-Training-Spielen. In der ersten auf mlb.tv übertragenen Partie treffen um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Toronto Blue Jays auf die New York Yankees.
Ziemlich getrübt dürfte die Vorfreude auf den Saisonstart bei den Seattle Mariners sein: Dort sorgten in den letzten Tagen einige bierselige Äußerungen des Team-Präsidenten für reichlich Unruhe.  

Mariners-Präsident tritt zurück
In einer Zoom-Konferenz des Rotarierklubs Seattle-Bellevue Anfang Februar fühlte Kevin Mather sich offenbar ungezwungen genug, um mal völlig undiplomatisch vom Leder zu ziehen. Der Präsident und Geschäftsführer der Mariners echauffierte sich über die mangelnden Sprachkenntnisse eines japanischen und eines dominikanischen Spielers, markierte einen der Stars seines Teams als „überbezahlt“ und brüstete sich damit, dass Free Agents „mit dem Hut in der Hand“ um einen Vertrag betteln würden, wenn man sie nur lange genug auf ein Angebot warten ließe. Zudem brach er das unter MLB- und Teamfunktionären herrschende Tabu, offen über Service-Time-Manipulation zu reden – also über die Praxis, leistungsstarke junge Spieler gezielt später in die MLB zu berufen, um dem Klub eine verlängerte vertragliche Kontrolle zu ermöglichen.

Der Rotarierklub stellte die 45-minütige Rede, deren Brisanz man offenbar nicht erkannte, anschließend bei Youtube zur Verfügung. Dort stieß ein Mariners-Fan zufällig auf das Video und trat einen Sturm der Entrüstung unter lokalen Beatwritern, Anhängern und den von Mather kritisierten Spielern los, durch den Mather sich sowohl zu einer Entschuldigung als auch zum Rücktritt gezwungen sah. Mather war im Umfeld des Klubs schon vorher nicht sonderlich beliebt, und manch einer wird froh sein, ihn auf diese Weise losgeworden zu sein. Allerdings muss man wohl auch konstatieren, dass er nicht mehr und nicht weniger als das ausgesprochen hat, was dem Denken und Handeln vieler anderer Funktionäre entspricht. Die nach der Saison anstehenden Verhandlungen zwischen der Liga, den Klubs und der Spielergewerkschaft über einen neuen Rahmenvertrag sind nach diesem Vorfall mit Sicherheit nicht leichter geworden. 

Walker zu den Mets
Die New York Mets haben zum Ende ihrer sehr aktiven Offseason noch einmal nachgelegt: Starting Pitcher Taijuan Walker wurde mit einem Zweijahresvertrag verpflichtet. Der 28-Jährige erhält für sein Engegament ein garantiertes Gehalt von 20 Millionen Dollar; für 2023 hat er zudem die Option auf eine Verlängerung, die ihm weitere rund 10 Millionen einbrächte. Walker brachte es letztes Jahr in elf Starts für die Mariners und die Blue Jays auf einen ERA von 2.70. Er komplettiert eine sehr namhafte Starting Rotation mit Jacob deGrom, Marcus Stroman, Carlos Carrasco und David Peterson. Voraussichtlich im Juni ist zudem mit der Rückkehr von Noah Syndergaard nach seiner Tommy-John-Surgery zu rechnen. Im Gegensatz zu Syndergaard, der sich regelmäßig über soziale Medien mit Mr. Met kabbelt, scheint Walker daran gelegen zu sein, gut mit dem Team-Maskottchen auszukommen: Weil seine bevorzugte Rückennummer „00“ schon von Mr. Met getragen wird, hat sich der Pitcher bereitwillig umorientiert und die „99“ gewählt.

Weitere Neuverpflichtungen  
Die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche: OF Brett Gardner (New York Yankees, 1 Jahr plus Kluboption, 4 Millionen Dollar), 1B/DH Mitch Moreland (Oakland Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen plus Leistungsboni), 1B/3B Jake Lamb (Atlanta Braves, ), RP Chaz Roe (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 1,15 Millionen).

Diese Free Agents sind noch ohne Vertrag
Die Free Agency hat in dieser Offseason, vermutlich auch coronabedingt, erst spät an Fahrt aufgenommen. Inzwischen sind aber fast alle Akteure mit Rang und Namen entweder bei einem Team untergekommen oder haben sich wie Hunter Pence, Daniel Murphy, Dustin Pedroia, Cody Allen und Brian Dozier entschieden, ihre Karriere zu beenden. Irgendwo zwischen den Welten befindet sich Ryan Braun, der nach eigener Aussage „zurzeit nicht interessiert“ ist zu spielen, aber auch noch nicht bereit, sein Karriereende zu verkünden.

Von meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents ist nur noch Jackie Bradley Jr. übrig. Der Centerfielder scheint sich etwas verzockt zu haben mit seiner Forderung nach einem hoch bezahlten Vertrag über mindestens vier Jahre, die interessierte Teams wie die Mets und die Astros abschreckte. Neben Bradley Jr. sind noch einige interessante Starting Pitcher verfügbar, allen voran Jake Odorizzi. Auch er ist möglicherweise mit zu hohen Forderungen aufgetreten und wird sich mit weniger zufrieden geben müssen. Ein MLB-Vertrag dürfte ihm aber sicher sein. Anders könnte es für Kandidaten wie Cole Hamels und Rick Porcello aussehen. Wenn sich innerhalb der nächsten Tage nichts anderes ergibt, müssen sie eventuell den Weg beschreiten, auf dem Matt Harvey (Orioles), Felix Hernandez (Orioles) und Julio Teheran (Tigers) sich schon befinden. Die drei haben Minor-League-Verträge unterschrieben und versuchen sich im Camp neu zu empfehlen für eine weitere Chance auf der großen Bühne.

Desmond wählt Opt-Out
Ob wir Ian Desmond noch mal auf der großen Bühne sehen werden, bleibt abzuwarten. Der Outfielder hat zwar einen laufenden Vertrag mit den Colorado Rockies, doch er kündigte vor wenigen Tagen an, erneut die Ausstiegsoption zu ziehen, die allen Spielern wegen der Coronapandemie zugestanden wird. Er verzichtet damit auf mittlerweile 13,56 Millionen Dollar. Sein Wunsch, bei seiner Familie zu sein, sei größer als der Wunsch, unter den aktuellen Umständen Baseball zu spielen, ließ er in einem Statement wissen. Für nächstes Jahr haben die Rockies die Option einer Vertragsverlängerung für 15 Millionen. Dass sie diese für einen dann 36-Jährigen ziehen, der zwei Jahre lang nicht gespielt hat, erscheint unwahrscheinlich. 

Top-Prospect der Twins fällt lange aus
Royce Lewis, das am höchsten eingestufte Nachwuchstalent der Minnesota Twins, muss auf den Start seiner MLB-Karriere noch mindestens bis 2022 warten. Der 21-jährige Shortstop zog sich einen Kreuzbandriss zu und muss deswegen morgen operiert werden. Die anschließende Reha dauert üblicherweise neun bis zwölf Monate, sodass die Saison 2021 für Lewis definitiv gelaufen ist. Die Twins haben sich auf der Shortstop-Position gerade erst durch die Verpflichtung von Andrelton Simmons verstärkt, somit entsteht durch den Ausfall von Lewis zumindest kurzfristig keine Lücke. Trotzdem ist es ein herber Rückschlag, dass das Top-Prospect der Franchise durch die ausgefallene Minor-League-Saison 2020 und die jetzt erlittene Verletzung insgesamt rund zweieinhalb Jahre lang kein einziges Baseballspiel bestreiten kann.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Februar 18th, 2021 by Silversurger

Der Frühling ist da! Das ist zwar weder astronomisch noch meteorologisch korrekt, aber für den Baseballfan beginnt diese Jahreszeit eben mit dem Spring Training, und das haben in dieser Woche sämtliche MLB-Teams aufgenommen. Rund zwei Wochen nehmen sich die Akteure, um erstmal den gröbsten Rost abzuschütteln und eine Wellenlänge mit neuen Mitspielern und Coaches zu finden. Am 28. Februar geht es dann los mit den öffentlichen Testspielen, in denen die Teams sich auf den Start der echten Saison am 1. April vorbereiten.

Angepasste Spring-Training-Spielpläne
Coronabedingt wurden für dieses Jahr die Spielpläne der Vorbereitungsspiele umgestellt: Die Teams sollen möglichst wenig reisen und auf nicht zu viele unterschiedliche Gegner treffen. So spielen zum Beispiel die Mets, die Astros, die Marlins, die Cardinals und die Nationals, deren Trainingslager an der Ostküste von Florida liegen, ausschließlich untereinander. Die vollständigen Spielpläne findet ihr hier. Wie gewohnt werden nicht alle, aber viele der Testspiele auf mlb.tv übertragen.

Blue Jays starten Saison in Florida
Wenn Ende März die anderen Teams zurück in ihre Heimatstädte fliegen, bleiben nicht nur die Miami Marlins und die Tampa Bay Rays, sondern auch die Toronto Blue Jays in Florida zurück. Wegen der Pandemie bestehen nach wie vor rechtliche und logistische Hürden beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada, daher trägt das einzige kanadische Team der MLB seine Heimspiele auch in diesem Jahr zumindest während der ersten Saisonwochen in einem Ausweichquartier aus. Letztes Jahr nutzten die Blue Jays dafür das Stadion ihrer AAA-Filiale in Buffalo, dieses Mal bleiben sie in ihrem Spring-Training-Komplex in Dunedin, gleich westlich von Tampa.

340 Millionen für Tatis Jr.
Fernando Tatis Jr. ist erst 22 Jahre alt, gilt aber bereits als einer der besten Shortstops der Liga. Damit sie an ihm noch lange Freude haben, nehmen die San Diego Padres eine enorme Menge Geld in die Hand. 340 Millionen Dollar bezahlen sie dem Jungstar dafür, dass er sich für die nächsten 14 Jahre dem Verein verschreibt. Da Tatis im Rahmen seines Rookievertrags ohnehin noch bis 2025 an die Padres gebunden gewesen wäre, kommt die Verlängerung überraschend frühzeitig. Aus Vereinssicht ist der Vertrag eine teure Wette darauf, dass Tatis sein hohes Leistungsniveau auf Dauer hält. Solange das der Fall ist, haben sicher beide Seiten ein gutes Geschäft gemacht. Sollte der Junge im Laufe der Zeit durch eine Verletzung oder andere Umstände aus der Bahn geworfen werden, hätte man sich allerdings einen heftigen Klotz ans Bein gebunden. 

Turner bleibt bei den Dodgers
Auch das letzte Mitglieder meiner Top-10 der diesjährigen Free Agents hat sein neues Zuhause gefunden; in diesem Fall ist es zugleich das alte: Justin Turner bleibt für zwei weitere Jahre bei den Los Angeles Dodgers. Der 36-jährige Third Baseman erhält für seine Unterschrift 34 Millionen Dollar, zudem kann der Klub für weitere 14 Millionen die Option auf ein drittes Jahr ziehen, und ein paar leistungsbezogene Extras kommen noch obendrauf.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Hier die weiteren Free-Agent-Abschlüsse dieser Woche, wie immer beschränkt auf MLB-Verträge: RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics, 1 Jahr, 11 Millionen Dollar), SP James Paxton (Seattle Mariners, 1 Jahr, 8,5 Millionen plus Leistungsboni), SP Jake Arrieta (Chicago Cubs, 1 Jahr plus beidseitige Option, 6 Millionen), SP Aaron Sanchez (San Francisco Giants, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Leistungsboni), CF Kevin Pillar (New York Mets, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3,6 Millionen), IF/OF Brad Miller (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 3,5 Millionen), IF/OF Marwin Gonzalez (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Leistungsboni), RP Mark Melancon (San Diego Padres, 1 Jahr plus beidseitige Option, 3 Millionen), RP Yusmeiro Petit (Athletics, 1 Jahr, 2,55 Millionen plus Leistungsboni), SP Rich Hill (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 2,5 Millionen), SP Tyler Anderson (Pittsburgh Pirates, 1 Jahr, 2,5 Millionen), RP Sergio Romo (Athletics, 1 Jahr, 2,25 Millionen), SP Matt Shoemaker (Minnesota Twins, 1 Jahr, 2 Millionen plus Leistungsboni), SP Collin McHugh (Rays, 1 Jahr, 1,8 Millionen), IF Asdrubal Cabrera (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP David Phelps (Toronto Blue Jays, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), OF Nomar Mazara (Detroit Tigers, 1 Jahr, 1,75 Millionen plus Leistungsboni), RP Brandon Workman (Cubs, 1 Jahr, 1 Million plus Leistungsboni), RP Oliver Drake (Rays, 1 Jahr, 775.000), RP Justin Wilson (New York Yankees, 1 Jahr, Finanzen unbekannt), RP Ken Giles (Mariners, 2 Jahre, Finanzen unbekannt).

Zudem gab es zwei kleine Trades, jeweils unter Beteiligung der Tampa Bay Rays: Von den Boston Red Sox bekommen sie die beiden Pitcher Chris Mazza und Jeffrey Springs im Austausch gegen die Prospects Catcher Ronaldo Hernandez und Pitcher Nick Sogard. Im zweiten Trade schicken die Rays Pitcher John Curtiss zu den Miami Marlins und bekommen dafür Minor-League-1B Evan Edwards.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Januar 28th, 2021 by Silversurger

Keine Woche ohne einen verstorbenen Hall of Famer – so sieht der Start in das lang ersehnte Jahr 2021 bisher leider aus. Diese Woche steht die Trauermeldung nicht am Ende, sondern am Anfang des Grand Slams, denn mit Hank Aaron ist einer der ganz Großen des Baseballs von uns gegangen.
Viel Zeit zum Innehalten bleibt leider nicht, denn der Countdown zur neuen Saison läuft und die MLB-Teams sind eifrig dabei, letzte Hand an ihre Kader zu legen. Den größten Deal landeten diese Woche die Phillies. Sie wurden sich mit J. T. Realmuto einig, dem Top-Free-Agent dieser Offseason nach meiner Rangliste vom November. 

Abschied von Hank Aaron
Die Baseballwelt trauert um einen der größten Slugger aller Zeiten: Henry „Hank“ Aaron ist am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. Aaron schlug in seiner Karriere 755 Homeruns und war damit lange Rekordhalter, bevor ihn Barry Bonds im Jahr 2007 überholte. Angesichts der Rolle von Bonds in der Steroid-Ära gilt Aaron Vielen bis heute als der wahre Homerun-Champion der MLB-Geschichte. In seiner 23 Jahre langen Karriere mit den Milwaukee/Atlanta Braves und den Milwaukee Brewers wurde er 21-mal ins All-Star-Team berufen, gewann zwei Batting-Titel, drei Gold Gloves und die World Series 1957. Die Zeit seines größten Erfolges war für ihn zugleich die schwerste seines Lebens, denn das Übertreffen des Homerun-Rekords von Babe Ruth im Jahr 1974 wurde von massiven rassistischen Anfeindungen und Morddrohungen begleitet. Aaron ertrug den blinden Hass mit Mut und Gelassenheit. Für seine Rolle als Vorbild und sein auch nach der Karriere fortgesetztes gesellschaftliches Engagement wurde er 2002 mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet. Seit 1982 ist er Mitglied der Baseball Hall of Fame, in die er im ersten Jahr der Wählbarkeit mit 98% der Stimmen aufgenommen wurde.

Niemand in die Hall of Fame gewählt
Apropos Hall of Fame: Die diesjährige Wahl zur Aufnahme in die Ehrenhalle ist vorbei und zum ersten Mal seit 2013 erreichte niemand die nötige Mehrheit von 75% Zustimmung der 401 wahlberechtigten Baseball-Journalisten. 14 Wahlberechtigte gingen sogar so weit, einen leeren Wahlzettel abzugeben.
Die höchsten Werte erzielten Curt Schilling (71,1%), Barry Bonds (61,8%) und Roger Clemens (61,6%). Diese drei wären von ihren Karriereleistungen her eigentlich allesamt sichere Hall-of-Fame-Kandidaten, doch wegen Dopingvorwürfen und Charakterfragen wird ihnen schon seit neun Jahren regelmäßig die nötige Mehrheit verweigert. Nächstes Jahr stehen sie zum zehnten und letzten Mal auf dem Wahlschein – ihre letzte Chance wird vermutlich ihre beste sein, weil es einige der Wahlberechtigten wohl als ausreichenden Denkzettel ansehen werden, sie so lange wie möglich schmoren zu lassen und sie dann doch noch in die Halle zu wählen. Schilling hat auf dieses Spiel keine Lust mehr und bat in einem Brief darum, nächstes Mal nicht mehr zur Wahl gestellt zu werden. Voraussichtlich wird die Hall of Fame diesem Wunsch nicht entsprechen, da die Regeln eine freiwillige Aufgabe der Wählbarkeit nicht vorsehen.
Die Spieler, die dieses Jahr zum ersten Mal wählbar waren, galten bereits im Vorfeld als wenig aussichtsreiche Gruppe. Mark Buehrle erhielt von ihnen die meisten Stimmen, ist aber mit 11,0% weit von einer Berufung entfernt. Mit weniger als 5% der Stimmen sind Aramis Ramirez, LaTroy Hawkins, Barry Zito, A.J. Burnett, Michael Cuddyer, Dan Haren, Nick Swisher und Shane Victorino bei zukünftigen Wahlrunden nicht mehr dabei.

Saisonstart: Cactus League bittet um Verschiebung
Der Zeitplan bis zum Start der MLB-Saison am 1. April ist nach wie vor in Kraft, aber Verzögerungen durch Corona sind längst nicht vom Tisch. In einem Brief an Commissioner Rob Manfred hat nun die Cactus League – also der in Arizona basierte Teil der Spring-Training-Einrichtungen – darum gebeten, den Beginn des Spring Trainings zu verschieben. Als Grund werden die zurzeit hohen Infektionszahlen in Maricopa County angegeben.
Die Entscheidung über eine Verschiebung können die Cactus League und die MLB nur gemeinsam mit der Spielergewerkschaft MLBPA treffen. Die MLBPA hat derweil bereits sehr deutlich gemacht, dass sie einen späteren Start des Spring Trainings sehr kritisch sieht. Der Grund dafür aus Sicht der Spieler liegt auf der Hand: Ein verspätetes Spring Training würde wahrscheinlich auch einen verspäteten Saisonstart und im Endeffekt eine erneut verkürzte Saison bedeuten – und damit Gehaltseinbußen, da die Spielergehälter sich anteilsmäßig reduzieren, wenn weniger Spiele stattfinden.  

Zahltag für Realmuto
Schon seit sie J. T. Realmuto im Februar 2019 von den Miami Marlins ertradeten, waren die Philadelphia Phillies erklärtermaßen an einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Catcher interessiert. Die Verhandlungen zogen sich jedoch lange hin, der Vertrag lief aus und es mehrten sich die Gerüchte, dass der zweimalige All-Star sich anderweitig orientieren könnte. Nun haben beide Seiten doch noch zu einem Abschluss gefunden und sich auf eine Zusammenarbeit für weitere fünf Jahre geeinigt. Der Deal hat ein Volumen von 115,5 Millionen Dollar. Das entspricht einem jährlichen Durchschnitt von 23,1 Millionen und stellt in dieser Hinsicht den teuersten Vertrag da, den je ein Catcher bekommen hat. Es war offenbar ein zentraler Verhandlungspunkt für Realmuto, den Gehaltsschnitt von Joe Mauer zu übertreffen, der 2010 bei den Minnesota Twins einen Achtjahresvertrag über 184 Millionen (23 Millionen pro Jahr) erhielt.

Yankees ertraden Taillon 
Die New York Yankees arbeiten weiter daran, ihre Starting Rotation aufzuwerten und gleichzeitig 2021 unter der 210-Millionen-Grenze für Spielergehälter zu bleiben, ab welcher Strafzahlungen fällig wären. Vor diesem Hintergrund ist der Move zu sehen, von den Pittsburgh Pirates James Taillon zu holen. Der 29-Jährige ist ein solider Starter mit einem Karriere-ERA von 3.67 und hat für dieses Jahr einen Vertrag über relativ überschaubare 2,5 Millionen. Das Fragezeichen, das Taillon mitbringt, ist eine Tommy-John-Surgery vom August 2019, wegen der er die gesamte Saison 2020 pausieren musste. Als Gegenleistung für Taillon schicken die Yankees vier Prospects nach Pittsburgh: die Pitcher Miguel Yajure und Roansy Contreras, Infielder Maikol Escotto und Outfielder Canaan Smith werden Teil des Rebuilds der Pirates. 
Ein langjähriges Mitglied der Yankees-Rotation wird 2021 nicht mehr an Bord sein: Masahiro Tanaka gab heute bekannt, dass er zurück nach Japan geht und sich dort den Rakuten Eagles anschließt.

Weitere Trades und Neuverpflichtungen  
Da die Signings gerade massenweise einprasseln, liste ich den Rest wieder im Telegrammstil auf. Neue MLB-Verträge gab es diese Woche für: IF/OF Jurickson Profar (San Diego Padres, 3 Jahre plus beidseitige Option, 21 Millionen Dollar), SS Marcus Semien (Blue Jays, 1 Jahr, 18 Millionen), IF/OF Enrique Hernandez (Boston Red Sox, 2 Jahre, 14 Millionen), SS Andrelton Simmons (Minnesota Twins, 1 Jahr, 10,5 Millionen), RP Brad Hand (Washington Nationals, 1 Jahr, 10,5 Millionen), SP Garrett Richards (Boston Red Sox, 1 Jahr plus Kluboption, 10 Millionen), 2B Cesar Hernandez (Cleveland Indians, 1 Jahr plus Kluboption, 5 Millionen), RP Anthony Bass (Miami Marlins, 2 Jahre plus Kluboption, 5 Millionen), C Wilson Ramos (Detroit Tigers, 1 Jahr, 2 Millionen), C Austin Romine (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1,5 Millionen), SS Freddy Galvis (Baltimore Orioles, 1 Jahr, 1,5 Millionen), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 1 Million), IF Tommy La Stella (San Francisco Giants, 3 Jahre, Gehalt unbekannt), RP Aaron Loup (New York Mets, 1 Jahr, Gehalt unbekannt). 

Zudem gab es noch zwei kleinere Trades: Die New York Mets schicken SP/RP Steven Matz nach Toronto und erhalten dafür die drei Pitching-Prospects Josh Winckowski, Sean Reid-Foley und Yennsy Diaz aus dem Farmsystem der Blue Jays. Die New York Yankees geben RP Adam Ottavino sowie Minor-League-Pitcher Frank German für einen noch zu benennenden Spieler und/oder eine Ablösezahlung an die Boston Red Sox ab. Das Bemerkenswerte an letzterem Trade ist, dass er der erste zwischen den Erzrivalen Yankees und Red Sox seit sechseinhalb Jahren ist.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,