Dezember 12th, 2019 by Silversurger

In San Diego enden heute die Winter Meetings. Eigentümer, Manager, Scouts und sonstige Offizielle aller MLB- und Minor-League-Teams, dazu Ligavertreter, Spieleragenten und jede Menge Journalisten bevölkerten in den letzten Tagen das Hilton Bayfront Hotel und dessen Umgebung. Die Meetings haben dieses Jahr mit diversen großen Neuigkeiten ihren Ruf als Höhepunkt der Offseason untermauert. Neben der Bekanntgabe neuer Hall-of-Fame-Berufungen und des All-MLB-Teams gab es ein paar interessante Trades und jede Menge Vertragsabschlüsse. Allen voran kamen die drei dicksten Fische des Free-Agent-Pools – Gerrit Cole, Stephen Strasburg und Anthony Rendon – vom Markt. Insgesamt haben die MLB-Klubs innerhalb der sieben Tage seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag Spielerverträge im Wert von knapp einer Milliarde Dollar vergeben.

Yankees locken Cole mit Rekordvertrag
Die New York Yankees haben bei ihren Bemühungen um Gerrit Cole großes Durchhaltevermögen bewiesen. Schon 2008 wollten sie ihn haben, wählten ihn in der ersten Draftrunde aus, doch Cole entschied sich damals gegen die frühe MLB-Karriere und für das College UCLA. Zehn Jahre später versuchten sie, ihn per Trade von den Pittsburgh Pirates zu holen, doch die Houston Astros machten das bessere Angebot. Beim dritten Versuch ist es nun endlich gelungen, das Ass in die Bronx zu locken. Erforderlich war dafür ein Vertragsangebot, das Cole zur teuersten Verpflichtung eines Pitchers aller Zeiten macht. 324 Millionen Dollar erhält der 29-Jährige über eine Laufzeit von neun Jahren. Das sind 36 Millionen pro Jahr und somit mehr als eine Million Dollar für jedes einzelne Spiel, das Cole für die Yankees absolvieren wird. Der Vertrag umfasst eine No-Trade-Klausel sowie eine Ausstiegsoption für den Spieler nach fünf Jahren. Die Yankees tragen somit das volle Risiko für den Fall, dass Cole seine zuletzt überragenden Leistungen im Laufe der neun Jahre irgendwann nicht mehr bringen sollte. Solange er sie bringt, ist er jedenfalls eine enorme Verstärkung.

Strasburg bleibt in Washington
Der zweite Top-Pitcher unter den diesjährigen Free Agents bleibt dort, wo er 2010 seine MLB-Karriere begonnen hat und wo er sie wohl auch beenden wird: Stephen Strasburg hat sich mit den Washington Nationals auf einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren geeinigt. Das garantierte Gehalt für den amtierenden World-Series-MVP beträgt 245 Millionen Dollar, zudem sind diverse Boni für das Erreichen von Einzelawards vorgesehen und ein Trade ohne Zustimmung des Spielers ist vertraglich ausgeschlossen. Verlängerungs- oder Ausstiegsoptionen wurden nicht vereinbart.

Rendon wird ein Angel
Schon vor dem Abschluss mit Strasburg hatten die Nationals durchblicken lassen, dass sie sich finanziell höchstens einen ihrer beiden Top-Free-Agents – Antony Rendon oder eben Strasburg – leisten können. Für Rendon hieß das, dass er sich anderweitig umsehen musste. Er wurde schnell fündig: Es geht an die andere Küste der USA, zu den Los Angeles Angels. Der Third Baseman erhält dort im Wesentlichen den selben Vertrag wie sein ehemaliger Teamkamerad Strasburg in Washington: 245 Millionen Dollar über sieben Jahre, ohne Ausstiegsoption, mit No-Trade-Klausel. Mit Rendon und Mike Trout haben die Angels nun die beiden – nach jährlichem Durchschnittsgehalt – höchstbezahlten Positionsspieler der MLB in ihren Reihen.

Rays schicken Pham nach San Diego
Der interessanteste Trade der Woche wurde schon vor den Winter Meetings eingetütet: Die Tampa Bay Rays und die San Diego Padres tauschen zwei gestandene Outfielder und zudem eine Reihe von Prospects. Die Padres erhalten OF Tommy Pham sowie Minor-League-IF Jake Cronenworth, die Rays bekommen dafür OF Hunter Renfroe sowie Minor-League-SS Xavier Edwards und einen später zu benennenden Spieler. Der 31-jährige Pham ist definitiv der prominenteste Teil des Trades. Mit 13.6 fWAR über die letzten drei Jahre war er einer der effektivsten Outfielder der Liga in diesem Zeitraum. Dass er abgegeben wird, dürfte von Seiten der notorisch sparsamen Rays vor allem Kostengründe haben. Pham ist noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, sein im Arbitration-Verfahren auszuhandelndes Gehalt wird für 2020 auf 8,6 Millionen Dollar prognostiziert.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Den Rest der sehr aktiven Woche auf dem Spielermarkt gibt es im Telegrammstil: Neue MLB-Verträge vereinbart haben SP Kyle Gibson (Texas Rangers, 3 Jahre, 28 Millionen Dollar), SP Tanner Roark (Toronto Blue Jays, 2 Jahre, 24 Millionen), SP Michael Pineda (Minnesota Twins, 2 Jahre, 20 Millionen), SP Jordan Lyles (Rangers, 2 Jahre, 16 Millionen), SS Didi Gregorius (Philadelphia Phillies, 1 Jahr, 14 Millionen), SP Rick Porcello (New York Mets, 1 Jahr, 10 Millionen), RP Blake Treinen (Los Angeles Dodgers, 1 Jahr, 10 Millionen), SP Josh Lindblom (Milwaukee Brewers, 3 Jahre, 9-18 Millionen leistungsabhängig), SP Kevin Gausman (San Francisco Giants, 1 Jahr, 9 Millionen), RP Joely Rodriguez (Rangers, 2 Jahre, 5,5 Millionen plus Option für ein drittes Jahr), C Alex Avila (Twins, 1 Jahr, 4,25 Millionen), SP Michael Wacha (Mets, 1 Jahr, 3-10 Millionen leistungsabhängig), RP Junior Guerra (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 2,65 Millionen plus Option für ein zweites Jahr), RP Brad Brach (Mets, 1 Jahr, 850.000 plus Einsatzboni), RP Dan Winkler (Chicago Cubs, 1 Jahr, 750.000) und RP Kyle Finnegan (Nationals, 1 Jahr, Gehalt unbekannt).
Die Mets gönnen sich eine Ergänzung für das Outfield, indem sie CF Jake Marisnick von den Houston Astros holen. Für den Defensivspezialisten gehen zwei eher nachrangige Prospects – P Blake Taylor und OF Kenedy Corona – nach Houston.
OF Nomar Mazara wechselt zu den Chicago White Sox, die dafür OF-Prospect Steele Walker zu den Texas Rangers schicken.
Die Giants holen IF Zack Cozart und SS-Prospect Will Wilson von den Los Angeles Angels. Die Angels erhalten dafür keine direkte Gegenleistung – ihr Profit besteht darin, dass die Giants den teuren Vertrag des zuletzt sehr schwachen und häufig verletzten Cozart (12,167 Millionen für 2020) übernehmen.

Miller und Simmons kommen in die Hall of Fame
Marvin Miller und Ted Simmons werden in die Hall of Fame des Baseballs aufgenommen. Diese Entscheidung wurde während der Winter Meetings vom Modern Era Committee bekannt gegeben. Es handelt sich um eines der im jährlichen Wechsel tagenden Expertengremien, die über die quasi nachträgliche Aufnahme von Personen aus bestimmten historischen Zeiträumen befinden. Dieses Jahr war der Zeitraum von 1970 bis 1987 dran. Simmons war ein schlagstarker Catcher, der den Großteil seiner Karriere bei den St. Louis Cardinals verbrachte. Miller war ein langjähriger und äußerst einflussreicher Vertreter der Spielergewerkschaft MLBPA. Die offizielle Einführung von Miller und Timmons in die Ruhmeshalle wird am 26. Juli 2020 stattfinden – gemeinsam mit jenen Spielern, die von den Mitgliedern des Journalistenverbandes BBWAA gewählt und am 21. Januar bekannt gegeben werden.

Rule-5-Draft heute Abend
Ein integraler Bestandteil der Winter Meetings – und gleichzeitig ihr Abschluss – ist die sogenannte Rule 5 Draft. Es handelt sich um ein Verfahren, das verhindern soll, dass Teams übermäßig Talente horten und diese keine Chance auf MLB-Spielzeit haben: Spieler, die seit vier oder fünf Jahren in den Minor-Leagues sind und nicht den Sprung in den 40-Mann-Kader geschafft haben, können in der Rule-5-Draft von anderen Teams abgeworben werden. Wählbar sind nach diesen Kriterien Hunderte von Spielern, tatsächlich werden aber normalerweise insgesamt nicht mehr als 10-15 gepickt. Ein guter Teil von ihnen wird zudem im Laufe der Folgesaison zurück zum alten Team geschickt, denn das neue Team verliert seinen Anspruch auf den Spieler, sobald es ihn nicht das ganze Jahr über im MLB-Kader führt. Die Rule-5-Draft findet am heutigen Donnerstag ab 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Den ersten Pick haben die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Auf mlb.com wird es einen Audio-Livestream geben.

All-MLB-Team gewählt
Zum ersten Mal ließ die MLB dieses Jahr nach Saisonende ein All-MLB-Team wählen. Wer dabei ist, entschieden zu gleichen Anteilen die Fans per Internet-Abstimmung sowie ein Expertengremium. Hier ist es, das „Dream-Team“ der MLB-Saison 2019:

C J.T. Realmuto, Phillies
1B Pete Alonso, Mets
2B DJ LeMahieu, Yankees
3B Anthony Rendon, Nationals
SS Xander Bogaerts, Red Sox
OF Mike Trout, Angels
OF Cody Bellinger, Dodgers
OF Christian Yelich, Brewers
DH Nelson Cruz, Twins
SP Gerrit Cole, Astros
SP Justin Verlander, Astros
SP Jacob deGrom, Mets
SP Max Scherzer, Nationals
SP Stephen Strasburg, Nationals
RP Kirby Yates, Padres
RP Josh Hader, Brewers

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Dezember 10th, 2019 by Silversurger

Er tauchte dieses Jahr in nur einem einzigen MLB-Spiel auf, aber dieser eine Auftritt hinterließ bleibenden Eindruck: Dellin Betances erhält den MRI-Award 2019. Die Wahl zu diesem aus unerfindlichen Gründen wenig geliebten Titel fand hier im Baseblog statt und ging mit überwältigender Mehrheit an den Yankees-Reliever. Von 52 abgegebenen Stimmen für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres entfielen 27 und somit satte 52% auf Betances. Mit gehörigem Abstand folgt Hunter Strickland (11 Stimmen, 21%), für den es zum zweiten Mal im Folge nur zum Vize-MRI-Award reichte – was, nebenbei bemerkt, ein MLB-Rekord für die Ewigkeit sein dürfte.

So hat es sich im Nachhinein für Betances also doch noch gelohnt, wenigstens dieses eine Spiel zu absolvieren. Der 31-Jährige war ein Jahr lang mit Schulterproblemen ausgefallen, bevor er am 15. September gegen die Los Angeles Angels seine Rückkehr auf den Mound feierte. Das Comeback mit zwei Strikeouts war für den Reliever so erfolgreich und elektrisierend, dass es ihn zu einem Jubelsprung veranlasste, bei dem er sich die linke Achillessehne anriss.

Dellin Betances ist inzwischen auf dem Weg der Besserung und auf der Suche nach einem neuen Job, da der Vertrag bei den Yankees ausgelaufen ist. Gut möglich, dass der gebürtige New Yorker in seiner Heimatstadt bleibt, denn sowohl die Yankees als auch die Mets gelten als ernsthafte Interessenten an seinen Diensten für die Saison 2020. Ich wünsche ihm, dass es ein verletzungsfreies Jahr wird.


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Dezember 5th, 2019 by Silversurger

Die Free Agency in der MLB nimmt Fahrt auf: Mit Zack Wheeler und Mike Moustakas durften diese Woche zwei der dickeren Fische der diesjährigen FA-Klasse hochdotierte Verträge in Philadelphia beziehungsweise Cincinnati unterschreiben. Um die „Hauptpreise“ Stephen Strasburg und Gerrit Cole war es eine Zeit lang relativ ruhig, doch nun haben sich beide mit den Verantwortlichen der New York Yankees getroffen. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass es mit einem von ihnen innerhalb der nächsten Tage einen Vertragsabschluss gibt.

Hier im Baseblog läuft übrigens noch fünf Tage lang die Abstimmung über den MRI-Award. Momentan hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert, aber noch ist nichts entschieden.

Wheeler zu den Phillies
Hinter Zack Wheeler war eine ganze Reihe von Teams her, da er nach den teuren Stars Cole und Strasburg als die beste bezahlbare Alternative zur Verstärkung einer Starting-Rotation galt. „Bezahlbar“ ist ein relativer Begriff, denn seine Dienste lassen sich die Philadelphia Phillies immerhin stolze 118 Millionen Dollar für fünf Jahre kosten. Sie erhalten dafür einen 29-jährigen Starting Pitcher, der eine Menge messbarer Fähigkeiten mitbringt, bisher aber nie ganz den Sprung vom Talent zum Ass geschafft hat. Gebremst wurde seine Entwicklung durch Verletzungen, die ihn 2015 bis 2017 zweieinhalb MLB-Saisons kostete. Doch nach zwei soliden und weitgehend verletzungsfreien Spielzeiten 2018 und 2019 liegen die Sorgen um Wheelers körperliche Robustheit weitgehend hinter ihm. Da Wheeler ein Qualifying Offer der Mets abgelehnt hatte, kostet seine Aufnahme die Phillies ihren Zweitrundenpick in der kommenden Draft sowie 500.000 Dollar des Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

Reds holen Moustakas
Mike Moustakas brauchte drei Anläufe, bis es für ihn mit dem ersehnten Langzeitvertrag klappte: Sowohl 2017 als auch 2018 galt der Infielder als einer der besseren Free Agents, doch beide Male musste er sich schließlich mit kurzzeitigen Engagements bei den Royals beziehungsweise den Brewers zufrieden geben. Bei den Cincinnati Reds gibt es nun den großen Zahltag in Form eines Vierjahresvertrages über 64 Millionen Dollar. Geholfen hat dem gelernten Third Baseman dabei, dass er bei den Brewers letztes Jahr unter Beweis stellen konnte, auch an der zweiten Base eine gute Figur abzugeben. Der 3B-Posten ist in Cincinnati nämlich fest an Eugenio Suarez vergeben, aber als Doubleplay-Partner von Freddy Galvis hat sich ein Platz für Moustakas in dem aufstrebenden Team gefunden.

Vier Minor Leaguer für Dylan Bundy
Die Los Angeles Angels suchen mehrere Upgrades für ihre Starting-Rotation. Das erste haben sie nun nicht unter den Free Agents gefunden, sondern auf dem Trade-Markt. Rechtshänder Dylan Bundy kommt von den Baltimore Orioles im Austausch gegen vier Minor-League-Pitcher. Unter diesen ist Isaac Mattson der aussichtsreichste Kandidat auf eine zukünftige MLB-Karriere; außer ihm wechseln Kyle Bradish, Kyle Brnovich und Zach Peek nach Baltimore.

Weitere Trades und Verpflichtungen
Die Atlanta Braves ergänzen ihre Rotation für ein Jahr mit Linkshänder Cole Hamels. Der 36-Jährige erhält 18 Millionen Dollar.
In einem kleinen Trade mit den Boston Red Sox haben die Cleveland Indians Sandy Leon als neuen Ersatz-Catcher an Land gezogen. Leon erhält einen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar. Für ihn geben die Indians Minor-League-Pitcher Adenys Bautista an Boston ab.
Die Miami Marlins griffen dankbar zu, als zwei erprobte MLB-Spieler von ihren bisherigen Teams entlassen wurden: 1B Jesus Aguilar wurde über den Waiver von den Tampa Bay Rays geholt, IF Jonathan Villar kommt im Austausch gegen den linkshändigen Nachwuchspitcher Easton Lucas von den Baltimore Orioles nach Miami.
Die Oakland Athletics haben sich mit Lefty-Reliever Jake Diekman auf eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre für insgesamt 7,5 Millionen Dollar geeinigt.

Treinen, Pillar und andere sind nun Free Agents
Während einige Spieler bereits ihr neues Team gefunden haben, haben andere erst vor wenigen Tagen erfahren, dass sie eines brauchen. In 56 Fällen haben die MLB-Teams entschieden, Spielern, die sie über das Arbitration-Verfahren weiterhin an sich hätten binden können, kein Angebot zu unterbreiten. Diese sogenannten Non-Tender sind nun Free Agents und damit auf Job-Suche. Bei den meisten Non-Tenders handelt es sich um wenig bekannte Ergänzungsspieler, aber es sind auch ein paar namhafte Überraschungen dabei. Insbesondere RP Blake Treinen (Athletics), OF Kevin Pillar (Giants), SP Aaron Sanchez (Astros), SP Kevin Gausman (Reds) und SS Addison Russell (Cubs) dürften einige Interessenten auf den Plan rufen.

Wechseln die Mets den Besitzer?
In Fankreisen der New York Mets schlug die Nachricht gestern ein wie eine Konfettibombe: Der Milliardär Steve Cohen steht wohl kurz davor, eine Mehrheit der Eigentumsanteile an dem Klub zu übernehmen. Dies würde das Ende der Ära Wilpon einläuten. Fred Wilpon hatte seit 1980 als Teilhaber und seit 2002 allein das Ruder bei den Mets in der Hand, inzwischen unterstützt von seinem Sohn Jeff. Die Wilpons, die 2008 in den gigantischen Finanzskandal um Bernie Madoff verwickelt waren, sind bei den Anhängern der Mets extrem unbeliebt, weil sie zum einen als sehr knausrig hinsichtlich notwendiger Investitionen gelten und zum anderen als Kontrollfreaks, die sich unverhältnismäßig ins sportliche Tagesgeschäft einmischen. Ob Cohen der erhoffte Heilsbringer ist, wird man abwarten müssen, aber die bisherigen Quellenberichte sprechen dafür, dass er wohl eine deutlich ausgabefreudigere Politik anstrebt als seine Vorgänger. Leisten kann er es sich jedenfalls – sein Vermögen wird auf 13,6 Milliarden Dollar geschätzt, er wäre damit der reichste Owner eines MLB-Teams. Die Mets sollen ihn angeblich rund 2,6 Milliarden kosten – kein schlechter Schnitt für die Wilpons, die ihre Anteile zwischen 1980 und 2002 schrittweise für 470 Millionen erworben haben.

Angels bleiben in Anaheim
Die Los Angeles Angels werden auch in den nächsten 30 Jahren nicht in Los Angeles, sondern in Anaheim zu Hause sein: Mit der Stadt wurde eine Einigung erzielt, die den Verbleib des Teams bis 2050 sichert und für den Betrag von 325 Millionen Dollar das Stadion in das Eigentum des Klubs übergehen lässt. Als ihr eigener Hausherr werden die Angels nun das Thema Modernisierung vorantreiben. Ob es auf eine Renovierung des vorhandenen Ballparks oder auf einen Abriss und Neubau hinausläuft, ist noch zu entscheiden.

Carrasco und Donaldson sind die Comeback Players 2019
Die MLB hat bekannt gegeben, dass Carlos Carrasco und Josh Donaldson die Comeback Players of the Year 2019 sind. Dass Carrasco diese Auszeichnung erhalten würde, stand zu keiner Zeit in Frage. Der 32-jährige Pitcher gab am 6. Juli bekannt, dass er unter Leukämie erkrankt war und auf unbestimmte Zeit ausfallen würde. Knapp zwei Monate später stand er unter großem Jubel wieder auf dem Mound und absolvierte noch elf Saisonspiele. Josh Donaldson hatte 2018 nur in 55 Spielen dabei sein können und galt vor der Saison wegen seiner Verletzungsgeschichte und dem relativ hohen Alter von 33 Jahren als Risikoverpflichtung. Mit 155 Auftritten und 37 Homeruns in der Saison 2019 ließ er alle Zweifler verstummen.

London-Tickets ab heute erhältlich
Die MLB kehrt zurück nach Europa: Nach der diesjährigen Premiere mit zwei Spielen zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox steht 2020 ein weiteres Traditionsduell auf dem Programm. Am 13. und 14. Juni treffen die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals im London Stadium aufeinander. Tickets dafür sind seit heute über die offizielle Seite erhältlich.

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November 28th, 2019 by Silversurger

Happy Thanksgiving allerseits! Für die USA im Allgemeinen und für NFL-Football im Speziellen ist heute ein bedeutender Feiertag. In der MLB wird sich heute eher nichts tun, die Spieler und sonstigen Akteure verbringen den Tag entweder mit der Familie oder mit sozialem Engagement. Für mich ist das eine gute Gelegenheit, in Ruhe darauf zurück zu blicken, was sich rund um die Liga in den vergangenen sieben Tagen getan hat – angefangen mit der Verpflichtung von Yasmani Grandal, die die White Sox frecherweise wenige Minuten nach dem letzten Grand Slam am Donnerstag öffentlich machten.

Die White Sox investieren in Grandal und Abreu
Das Rebuiling-Projekt der Chicago White Sox ist wohl offiziell abgeschlossen: Zwei Deals innerhalb weniger Tage über zusammen mehr als 120 Millionen Dollar signalisieren klar, dass der Klub ab sofort wieder eine Rolle spielen möchte in der AL Central und darüber hinaus. Das Geld bekommen zwei Spieler, die als erfahrene Eckpfeiler dabei helfen sollen, das junge, talentierte Team zu führen, welches die White Sox sich im Laufe der letzten Jahre aufgebaut haben.
Yasmani Grandal kommt für für vier Jahre und 73 Millionen Dollar nach Chicago. Der 31-Jährige war in der zweiten Offseason hintereinander der beste Catcher unter den Free Agents. Er hatte letztes Jahr damit überrascht, dass er sich mit einem Einjahresvertrag über 18,25 Millionen bei den Milwaukee Brewers zufrieden gab und ein Angebot der Mets über vier Jahre und 60 Millionen ausschlug. Der Vertrag, den er jetzt erzielt hat, spricht dafür, dass Grandals Taktik der Wette auf sich selbst aufgegangen ist. Gelungen ist ihm das durch die stärkste Saison seiner Karriere, in der er es auf 5.2 fWAR brachte mit einer Slashline von .246/.380/.468, 28 Homeruns in 632 Plate Appearances und einer soliden Defense.
Weitere 50 Millionen lassen die White Sox sich die Dienste von First Baseman Jose Abreu in den kommenden drei Jahren kosten. Der 32-jährige Slugger hatte letzte Woche einem Qualifying Offer der White Sox zugestimmt, nun konnten sich beide Seiten doch noch auf eine längerfristige Zusammenarbeit einigen. Abreus Saison 2019 (1.9 fWAR, .284/.330/.503, 33 Homerun) war gut, aber doch weit entfernt von den Leistungen, die er von 2014 bis 2017 gezeigt hat. Der Vertrag, den die White Sox ihm nun geben, wirkt in diesem Lichte recht großzügig, aber Abreus Wert als Führungsspieler dürfte für das Team deutlich über die zahlenmäßige Produktion hinaus gehen.

Trade zwischen den Brewers und den Padres
Keinen Blockbuster, aber einen interessanten Tausch einiger junger Spieler haben die Milwaukee Brewers und die San Diego Padres vereinbart: OF Trent Grisham und RHP Zach Davies gehen nach San Diego, dafür wechseln IF Luis Urias und LHP Eric Lauer zu den Brewers. Die Brewers erhalten darüber hinaus noch einen „Player to be named later“. Grisham und Urias sind beide frühere Top-Prospects, die die in sie gesetzten Erwartungen 2019 (noch?) nicht voll erfüllen konnten. Ein Tapetenwechsel hin zu einem Team, in dem die Konkurrenz auf den jeweiligen Positionen geringer ist als im bisherigen Klub, klingt in beiden Fällen nach einer guten Idee. Die in den Trade involvierten Pitcher sind Material für Mitte bis Ende einer Starting Rotation, wobei der 26-jährige Davies die etabliertere Größe ist, während der 24-jährige Lauer etwas mehr Entwicklungspotenzial bietet.

Mariners verlängern mit Rookie
Auch die Seattle Mariners haben ihren Posten an der ersten Base langfristig vergeben: Sie haben sich mit Evan White auf einen Sechsjahresvertrag über 24 Millionen Dollar geeinigt. Der Vertrag enthält zudem drei Verlängerungsoptionen für den Klub, durch die er sich letztlich auf neun Jahre und 55,5 Millionen belaufen kann. Der 23-Jährige White hat bisher noch kein MLB-Spiel absolviert. Die Saison 2019 verbrachte er bei den Arkansas Travelers, dem AA-Minor-League-Team der Mariners. Die frühzeitige und langfristige Verpflichtung erinnert stark an den Vertrag zwischen den Philadelphia Phillies und Scott Kingery, der damals – kurz vor der Saison 2018 – ebenfalls vor seinem ersten MLB-At-Bat für 24 Millionen und sechs Jahre unterschrieb. Interessanter Fakt am Rande: White ist derzeit der einzige Spieler im Roster der Mariners mit einem garantierten Vertrag, der über 2021 hinaus reicht.

Ein paar weitere Signings
Auf dem Free-Agent-Karussell der MLB standen diese Woche vor allem Catcher hoch im Kurs. Neben Grandal fanden auch Travis d’Arnaud (Atlanta Braves für 2 Jahre, 16 Millionen), Yan Gomes (Washington Nationals, 2 Jahre, 10 Millionen), Stephen Vogt (Arizona Diamondbacks, 1 Jahr, 3 Millionen), Mike Zunino (Tampa Bay Rays, 1 Jahr, 4,5 Millionen plus Klub-Option) und Dustin Garneau (Houston Astros, 1 Jahr, 650.000) neue Engagements für ihre Tätigkeit hinter der Homeplate.
RHP Kyle Gibson einigte sich mit den Texas Rangers auf einen Dreijahresvertrag über 30 Millionen Dollar. Auch LHP Drew Pomeranz (San Diego Padres, 4 Jahre, 34 Millionen), RHP Kendall Graveman (Seattle Mariners, 1 Jahr, 2 Millionen plus Klub-Option) und RHP Carl Edwards Jr. (Seattle Mariners, 1 Jahr, 950.000) haben neue Jobs gefunden.

Koreanischer Pitcher auf dem Sprung
Letzte Woche habe ich einige interessante Spieler aus der japanischen NPB aufgelistet, die sich in dieser Offseason um einen Wechsel in die MLB bewerben. Mindestens ebenso großes Interesse zieht derzeit der Koreaner Kwang-hyung Kim auf sich. Der linkshändige Pitcher von den SK Wyverns soll bereits Anfragen von den Mets, den Royals, den Dodgers, den Diamondbacks und den Cubs erhalten haben. In der KBO wurde der 30-Jährige in der Regel als Starter eingesetzt. Ob er in der MLB ebenfalls starten oder zum Reliever umfunktioniert werden soll, ist noch unklar – möglicherweise wird das auch ein Punkt in den anstehenden Verhandlungen mit den interessierten Vereinen sien.

Yankees streiten mit Ellsbury
Die New York Yankees waren in den letzten Jahren von außergwöhnlich zahlreichen Verletzungen geplagt. Von zwei besonders häufig verletzten Spielern, First Baseman Greg Bird und Outfielder Jacoby Ellsbury, hat man sich nun getrennt. Ein Schlussstrich ist damit, zumindest was Ellsbury betrifft, noch nicht gezogen. Ihm schulden die Yankees nämlich noch rund 26 Millionen Dollar aus einem 2014 geschlossenen Siebenjahresvertrag – 21 Millionen für die Saison 2020 sowie 5 weitere Millionen als Buyout, damit sich der Vertrag nicht automatisch bis 2021 verlängert. Die Yankees weigern sich bislang, dieses Geld zu bezahlen. Ihr Vorwurf lautet, Ellsbury habe sich ohne Absprache von einem Arzt außerhalb der Organisation behandeln lassen und damit seine Genesung beeinträchtigt. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat bereits erklärt, Ellsbury zu unterstützen in dieser Auseinandersetzung, die zu einem interessanten Präzedenzfall werden kann.

Neuer Eigentümer für die Royals
Die Kansas City Royals haben einen neuen Owner: Der Unternehmer John Sherman hat den Klub für rund eine Milliarde Dollar gekauft. Er und der bisherige Eigentümer, David Glass, hatten sich vor drei Monaten auf den Handel geeinigt. Letzte Woche erfolgten die notwendigen Zustimmungen der anderen MLB-Teambesitzer, sodass der Verkauf vorgestern offiziell bekannt gegeben werden konnte. Sherman ist schon länger im Baseball-Geschäft aktiv. Bevor er nun das Team seiner Heimatstadt erwarb, hielt er bereits einige Jahre lang Minderheitenanteile an den Cleveland Indians. Für Glass waren die Royals ein glänzendes Geschäft: Er hatte den Klub im Jahr 2000 für 96 Millionen Dollar erworben.

Wahl zum ersten All-MLB-Team läuft
Seit 1933 gibt es in der MLB das All-Star-Spiel. Das Verfahren, nach dem die Spieler für die All-Star-Roster ausgewählt werden, hat sich seitdem mehrfach geändert, doch zwei Dinge sind immer gleich geblieben: erstens dass es je ein Team für die American League und die National League gibt, zweitens dass das Spiel ungefähr zur Mitte der Saison stattfindet und somit bei der Spielerauswahl nur die Leistungen aus der ersten Saisonhälfte berücksichtigt werden. Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern, aber es brachte die MLB auf die Idee, ab diesem Jahr zusätzlich die Wahl eines All-MLB-Teams einzuführen. Dieses Team wird nicht nach Ligen getrennt sein und es wird erst nach Abschluss der Saison gewählt. Die Auswahl erfolgt mit einem Gewicht von je 50 Prozent durch die Fans und durch ein Expertengremium. Die Fanwahl läuft seit Dienstag dieser Woche bis Dienstag nächster Woche (3. Dezember). In diesem Zeitraum könnt ihr hier eure Stimmen abgeben, bei Bedarf auch mehrmals im Abstand von 24 Stunden. Das Ergebnis wird am 10. Dezember während der Winter Meetings der MLB bekannt gegeben.

Dämliche Verletzungen gesucht!
Auch hier im Blog gibt es in Kürze wieder eine Wahl – zum zweiten Mal werde ich den MRI-Award für die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres vergeben. Ich habe bereits ein paar sehr aussichtsreiche Kandidaten auf dem Zettel, aber bevor ich die Abstimmung starte, möchte ich hier erstmal zu weiteren Nominierungen aufrufen. Teilt mir eure Kandidaten einfach als Kommentar unter diesem Artikel mit – bitte mit der dazugehörigen Geschichte, egal ob als Link oder in euren eigenen Worten.
Für alle, die den Award nicht schon vom letzten Jahr kennen: Es handelt sich um eine nicht bierernst gemeinte Auszeichnung für einen Spieler, der sich bei einer möglichst lächerlichen Aktion verletzt hat. Hier könnt ihr die Nominierungen und das Abstimmungsergebnis aus dem letzten Jahr nachlesen, hier die Laudatio auf den ersten Preisträger Chris Martin.

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Oktober 24th, 2019 by Silversurger

Die World Series macht heute ihre erste – und vielleicht einzige – Reisepause. Die Washington Nationals sind sensationell in die Finalserie gestartet, haben beide Auswärtsspiele gewonnen und zwar ausgerechnet gegen Houstons Top-Starter Gerrit Cole und Justin Verlander. Die Nationals sind somit nur noch zwei Siege vom Gewinn der Meisterschaft entfernt und genießen in den nächsten drei Partien Heimvorteil.

Da in diesen Tagen sowieso jedes Spiel interessant und wichtig ist, verzichte ich heute auf die Kategorien „Spiel der Woche“ und „Einschalttipp“ und unterscheide auch nicht nach National League und American League. Stattdessen werfe ich neben der Übersicht zur World Series einen Blick darauf, was sich im Rest der Liga tut. Schließlich schlafen auch die 28 bereits ausgeschiedenen Teams nicht und einige von ihnen stellen gerade wichtige Weichen für die Zukunft.

Die World Series
Spiel eins war direkt ein Paukenschlag aus Sicht der Nationals. Seit Anfang Juli hatten die Astros kein Spiel mehr verloren, in dem Gerrit Cole der Starting Pitcher war. Die Nationals beendeten diese Serie mit einem 5:4-Sieg, bei dem alle fünf Runs gegen Cole gelangen. Die Astros hatten im ersten Inning eine 2:0-Führung vorgelegt und Washingtons Starter Max Scherzer wirkte ungewohnt wacklig, ließ aber für den Rest seiner fünf Innings keine weiteren Runs zu. Der Held auf Seiten der Nationals war einmal mehr der kommende Superstar Juan Soto. Der 20-Jährige trug drei Hits zum Erfolg seines Teams bei, darunter einen gewaltigen Homerun im zum 2:2 im vierten und einen 2-Run-Double an die Mauer zum 5:2 im fünften Inning. Gegen Washingtons Bullpen brachte George Springer die Astros durch einen Homerun und ein Double noch einmal heran, doch die Wende gelang nicht.

Das Ergebnis von Spiel zwei aus der vergangenen Nacht war mit 12:3 für die Nationals am Ende sehr deutlich, doch über weite Strecken war es eine spannende Partie. Justin Verlander und Stephen Strasburg ließen im ersten Innings je zwei Runs zu, ansonsten war es das erwartete Duell zweier Spitzen-Pitcher – bis im siebten Durchgang die Astros komplett implodierten. Nationals-Catcher Kurt Suzuki eröffnete mit einem Leadoff-Homerun, Victor Robles holte einen Walk heraus und damit war Verlanders Arbeitstag beendet. Star-Reliever Ryan Pressly übernahm, erwischte aber einen rabenschwarzen Tag und ließ weitere fünf Runs zu – drei davon gehen auf sein Konto, einer wegen des Walks noch auf das von Verlander und einer auf das von Third Baseman Alex Bregman, der uncharakteristische Schwächen im Fielding zeigte. Das Spiel war damit faktisch gelaufen, die Nationals legten im achten und neunten Inning noch drei Runs nach, bevor Martin Maldonado mit seinem Homerun zum 3:12 ein letztes bisschen Ergebniskosmetik betrieb.

Ab Freitagnacht gastiert die World Series für mindestens zwei Tage in Washington (drei, sofern die Astros wenigstens einmal gewinnen). Der wichtigste Unterschied zu den Spielen im Minute Maid Park ist, dass die Partien im Nationals Park Stadium ohne Designated Hitter gespielt werden und stattdessen die Pitcher Teil des Batting-Lineups sind. Das dürfte ein kleiner Vorteil für die Nationals sein, deren Pitcher das aus dem Alltag in der National League gewohnt sind.

Als Starting Pitcher werden in Spiel drei Zack Greinke für die Astros und Anibal Sanchez fur die Nationals antreten. Sanchez erhält den Vorzug gegenüber Patrick Corbin, weil Letzterer in Spiel eins als Reliever eingesetzt wurde. Voraussichtlich wird Corbin in Spiel vier starten, während die Astros entscheiden müssen, ob sie mit dem Rücken zur Wand Cole trotz verkürzter Erholungspause ein zweites Mal auf den Mound schicken.

Vorsicht beim Weckerstellen: Zwar beginnen nach amerikanischer Zeit auch die restlichen Partien der World Series jeweils ein paar Minuten nach 20 Uhr Eastern Time, aber weil wir in Europa am Wochenende die Uhr um eine Stunde zurück stellen, ergibt sich ab dem möglichen Spiel fünf für uns eine Änderung: Freitagnacht und Samstagnacht geht es jeweils um kurz nach 2 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit los, Sonntagnacht um kurz nach 1 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit.

Der Rest der Liga
Eine Woche, nachdem Joe Maddon einen neuen Arbeitsplatz als Manager der Los Angeles Angels gefunden hat, präsentieren die Chicago Cubs Maddons Nachfolger: David Ross soll ab sofort die Geschicke der Cubs lenken. Der 42-Jährige ist ein Neuling in diesem Job. Bis 2016 war er noch als Spieler für die Cubs im Einsatz und maßgeblich am Gewinn der World Series beteiligt. Im Anschluss daran beendete er seine Karriere und war seitdem als Assistenztrainer sowie als TV-Analyst aktiv.

Weiterhin auf der Suche nach einem neuen sportlich Verantwortlichen sind die Pittsburgh Pirates, die San Diego Padres, die New York Mets, die Philadelphia Phillies, die San Francisco Giants und die Kansas City Royals. Ein besonders heiß umworbener Kandidat für eine der freien Stellen ist Joe Girardi, der einst sehr erfolgreich bei den New York Yankees tätig war. Girardi hat vorgestern angekündigt, seine Entscheidung in 48 Stunden bekannt geben zu wollen – also heute. Als Favorit auf seine Unterschrift gelten die Phillies, Außenseiterchancen werden den Mets zugerechnet.

Falls Girardi zu den Mets geht, darf er dort mit dem amtierenden Rookie of the Year der National League arbeiten. Wie gestern bekannt wurde, ist Pete Alonso mit überwältigender Mehrheit von den amerikanischen Baseballjournalisten zum Träger dieses Titels gewählt worden. Auch in der American League war die Entscheidung deutlich: Dort ist Yordan Alvarez von den Houston Astros der Neuling des Jahres.

Szene der Woche
Man hat schon schönere Abschiede erlebt als den von C. C. Sabathia. Bei geladenen Bases im achten Inning musste er sich mit einer Schulterverletzung auswechseln lassen. Immerhin waren ihm stehende Ovationen und „CC, CC“-Rufe der heimischen Fans vergönnt, denn obwohl er es erst hinterher offiziell bestätigte, war in dem Moment für alle offensichtlich, dass man die letzten Pitches einer großen und bewegten Karriere gesehen hatte. 19 Jahre war er in der MLB aktiv, davon acht für die Cleveland Indians und elf für die New York Yankees mit einem kurzen Zwischenspiel bei den Milwaukee Brewers. 2007 gewann er bei den Indians den Cy-Young-Award, 2009 mit den Yankees die World Series, sechsmal wurde er ins All-Star-Team gewählt. Es gab aber auch einige verschenkte Jahre, in denen er mit verlorener Pitchgeschwindigkeit, häufigen Verletzungen und Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Dass er sich aus all dem zurück gekämpft und im relativ hohen Sportleralter einen zweiten Frühling erlebt hat, machte ihn zu einem Publikumsliebling. Symptomatisch für seine Einstellung ist der Satz, mit dem er seinen Abschied vom aktiven Baseball bekannt gab: „I threw until I couldn’t anymore.“

Statistik der Woche
10 von 13. In so vielen Fällen gewann ein Team, das nach zwei Auswärtsspielen mit 2:0 Siegen vorne lag, am Ende die World Series.

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Oktober 17th, 2019 by Silversurger

Historisches Ereignis in Washington: Zum ersten Mal in der Klubgeschichte haben die Nationals die Meisterschaft der National League gewonnen und damit die World Series erreicht. Das umfasst nicht nur die 14 Jahre seit Ansiedlung der Franchise in Washington, sondern auch die 36 davor, in denen sie unter dem Namen Montreal Expos firmierte.

Außer Feiern heißt es für die Nationals jetzt erstmal warten. Während sie selbst mit den St. Louis Cardinals kurzen Prozess machten, liefern sich in der American League die New York Yankees und die Houston Astros ein spannendes Duell, das erst im Laufe des bevorstehenden Wochenendes entschieden wird.

National League
Als die Nationals nach 50 Spielen der regulären Saison nur 19 Siege auf dem Konto hatten und zehn Spiele von einem Playoff-Platz entfernt standen, gab niemand mehr einen Pfifferling auf sie. Doch das Team fing sich, arbeitete sich Schritt für Schritt hoch bis auf einen Wild-Card-Platz. Ein 4:3-Comebacksieg über die Milwaukee Brewers im Wild-Card-Spiel brachte sie in die NLDS. Dort überraschten sie die Baseball-Welt mit einem Duell auf Augenhöhe gegen die übermächtig erscheinenden Los Angeles Dodgers, welches Howie Kendrick mit einem Grand Slam im elften Inning des fünften Spiels entschied.

In der NLCS, der Finalserie um den Titel in der National League, wurden die St. Louis Cardinals und die Nationals als etwa gleich starke Gegner eingestuft. Doch wieder überraschten die Nationals, dieses Mal durch pure Dominanz. Gerade mal zwei Runs erlaubten die Pitcher der Nationals in den ersten drei Spielen der Serie, die Washington 2:0, 3:1 und 8:1 gewann. Im vierten Spiel kamen die Cardinals immerhin auf vier Runs, doch die interessierten kaum noch jemanden, nachdem die Nationals schon im ersten Inning eine 7:0-Führung vorgelegt hatten.

So findet die Cinderella-Story der Nationals also ihre Fortsetzung in der World Series. Am Dienstag geht es los, entweder in Houston oder in New York.

American League
Fast hätte man befürchten müssen, dass die Championship Series der American League genauso einseitig wird wie die der National League: 7:0 gewannen die New York Yankees das erste Spiel in Houston. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, dass die Yankees nach ihrem Sweep in der ALDS deutlich mehr Zeit hatten, sich auf den Gegner einzustellen. Am nächsten Tag jedenfalls fanden die Astros zurück ins Spiel und gewannen ein hochklassiges Duell durch Carlos Correas Walkoff-Homerun im elften Inning (siehe „Spiel der Woche“). Das dritte Spiel geht auf das Konto von Houstons Star-Pitcher Gerrit Cole. Cole hatte zwar ungewöhnlich viele Walks (5) und ungewöhnlich wenige Strikeouts (7), ließ aber letztlich in sieben Innings keinen Run zu und bereitete den Weg zu einem 4:1-Sieg der Astros in ihrem ersten Auswärtsspiel der Serie.

Spiel vier stand für gestern auf dem Programm, musste aber wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben werden. Daher werden heute und morgen Nacht die beiden restlichen Partien in New York stattfinden, bevor es – falls nötig – noch mal für bis zu zwei Spiele nach Houston geht, um die Best-of-7-Serie zu entscheiden. Der verlorene Tag wird wieder reingeholt, indem die Reisepause am Freitag gestrichen wird. Für die Astros könnte sich die Verschiebung als Vorteil erweisen, denn sie ermöglicht ihnen, in Spiel 5 Justin Verlander und in Spiel 6 gegebenenfalls Gerrit Cole starten zu lassen.

Szene der Woche 
Die unfreiwillige Pause durch den gestrigen Spielausfall ermöglichte, den Blick zwischendurch mal darauf zu richten, was sich außerhalb der Playoffs in der Liga tut. Einen besseren Zeitpunkt hätten die Los Angeles Angels kaum wählen können, um die Verpflichtung ihres neuen Managers zu verkünden. Es handelt sich in mehrerlei Hinsicht um einen alten Bekannten: Joe Maddon war bereits von 1975 bis 2005 in unterschiedlichen Rollen – Spieler, Scout, Trainer, Manager… – für die Angels tätig gewesen. Der Durchbruch als einer der höchstgeachteten Manager der Liga gelang ihm auf den weiteren Stationen in Tampa Bay und bei den Chicago Cubs, mit denen er 2016 die World Series gewann. Ich bin sehr gespannt darauf, ob Maddon es schafft, die in den letzten Jahren trotz Stützpfeilern wie Mike Trout und Shohei Ohtani immer wieder enttäuschenden Angels aus dem Tief zu führen.

Statistik der Woche 
17,8 Millionen Dollar. Das ist die Höhe eines Qualifying Offers für die MLB-Saison 2020. Ich erklär’s noch mal kurz: Ein Qualifying Offer kann ein Klub einem Spieler unterbreiten, dessen Vertrag ausgelaufen ist – vorausgesetzt, er hatte noch nie vorher ein solches erhalten und er stand in der vergangenen Saison durchgängig bei dem Klub unter Vertrag. Das Angebot hat eine vorgegebene Dauer – ein Jahr – sowie eine jedes Jahr neu bestimmte Höhe. Das Besondere an diesem Angebot: Wenn der Spieler es ablehnt und anderswo unterschreibt, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Das Besondere an der Höhe der Summe: Zum ersten Mal seit seiner Einführung im Jahr 2012 ist der Wert des Qualifying Offers leicht gesunken. Was sich darin widerspiegelt, ist die Zurückhaltung der Teambesitzer in der Free Agency der beiden vergangenen Jahre, denn das Qualifying Offer errechnet sich als Durchschnittssumme der Gehälter der 125 bestbezahlten MLB-Spieler.

Spiel der Woche 
Ein einziger Schwung mit dem Schläger kann nicht nur einem Spiel, sondern einer ganzen Serie, vielleicht sogar einer ganzen Saison eine neue Richtung geben. Der Schwung von Carlos Correa zum Walkoff-Homerun in Spiel zwei der ALCS war so einer, denn er brachte die Houston Astros zurück ins Rennen um die World Series.  Mit zwei verlorenen Heimspielen wären die Astros nicht ausgeschieden, doch sie hätten vor der riesigen Herausforderung gestanden, zwei von drei Spielen in New York gewinnen zu müssen. Dank Correa gingen sie mit einem Serien stand von 1:1 auf die Reise und liegen inzwischen sogar 2:1 in Front. Dass Correa überhaupt die Möglichkeit hatte, im elften Inning den siegbringenden Ball zu schlagen, war natürlich das Verdienst des gesamten Team, vor allem aber von Starter Justin Verlander, dem Bullpen der Astros und auch von Correa selbst. Denn im sechsten Inning hatte er mit einer hervorragenden Defensiv-Aktion D. J. LeMahieu an der Homeplate ausgeworfen und damit fünf Innings vor seiner großen Heldentat einen Rückstand verhindert.

Mein Einschalttipp
O. K., jetzt ist es endgültig witzlos geworden, an dieser Stelle einen Tipp zu geben, welches Spiel ihr anschauen sollt. Es läuft dieses Jahr an keinem Tag mehr mehr als ein Spiel und jede Partie ist so interessant und wichtig, dass man sie sich als Baseballfan anschauen sollte, sofern man die Zeit aufbringen und das Schlafdefizit verkraften kann. Alle verbleibenden Spiele der ALCS sowie die World Series könnt ihr auf mlb.tv oder auf DAZN verfolgen. Ob es auch eine Übertragung im Free-TV geben wird, ist mir bislang nicht bekannt. Wenn jemand dazu etwas weiß, freue ich mich auf einen Hinweis.

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Oktober 10th, 2019 by Silversurger

Die Divisional-Serien der MLB-Saison 2019 geizen nicht mit Highlights. Einzig zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins war es eine sehr einseitige Angelegenheit, während in allen drei anderen Serien ein entscheidendes fünftes Spiel nötig wurde. Die bislang größte Überraschung gelang den Washington Nationals, die als Wild-Card-Team und klarer Außenseiter die Los Angeles Dodgers aus dem Rennen warfen. In der kommenden Nacht haben die Tampa Bay Rays die Chance, es gegen die Houston Astros den Nationals gleichzutun.

American League
Die New York Yankees haben sich zum großen Favoriten auf die Meisterschaft aufgeschwungen. Von vier MLB-Teams, die mit über 100 Siegen aus der regulären Saison in die Playoffs gingen, sind neben ihnen nur noch die Houston Astros dabei. Diese müssen allerdings gegen die Tampa Bay Rays nachsitzen. Nach Heimsiegen der Astros in den ersten beiden Partien sah es nach einem lockeren Durchmarsch des Favoriten aus. Aber weit gefehlt, die Rays kamen zurück, glichen auf 2:2 aus und gehen nun mit einer ordentlichen Portion Momentum in das Entscheidungsspiel. Selbst wenn die Astros die Serie noch gewinnen sollten, bringt sie der bis dahin nötige Kraftaufwand ins Hintertreffen gegenüber den Yankees. Diese genießen drei zusätzliche Ruhetage und gehen mit voll regeneriertem Pitching Staff in die American League Championship Series (ALCS).

Verdient haben sich die Yankees die Ruhetage, indem sie die Minnesota Twins innerhalb der Mindestzahl von drei Partien abfertigten. 10:4, 8:2 und 5:1 waren die Resultate der Spiele, in denen für die Yankees fast alles, für die Twins hingegen fast nichts funktionierte. Minnesotas deutscher MLB-Star Max Kepler blieb wie der Rest seines Teams blass, holte lediglich ein paar Walks heraus und brachte es auf keinen Hit.

Die ALCS beginnt Samstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit. Das Heimrecht in den ersten beiden Spielen haben die Astros, wenn sie weiterkommen, beziehungsweise die Yankees, falls ihr Gegner die Rays sind.

National League
In der NL schien es die ganze Saison über ausgemachte Sache zu sein, dass die Los Angeles Dodgers zum dritten Mal hintereinander in die World Series stürmen. Sie waren mit 106 Siegen mit Abstand das stärkste Team, fuhren die meisten Runs ein und ließen die wenigsten gegnerischen Runs zu. Die Washington Nationals, über die Hintertür des Wild-Card-Spiels qualifiziert, sollten für die Dodgers nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg zum großen Ziel, endlich den Titel zu holen. Genau danach sah es nach Spiel eins, einem souveränen 6:0 der Dodgers, auch aus. Doch vielleicht war man sich der Sache zu sicher und unterschätzte die Nationals. Die jedenfalls gewannen die Spiele zwei und vier und letzte Nacht auch das spannende Spiel fünf (siehe „Spiel der Woche“). Für die Nationals ist der Einzug in die NLCS der größte Erfolg ihrer seit erst 14 Jahren währenden Teamgeschichte. Bei den Dodgers wird derweil in den nächsten Tagen und Wochen Krisenstimmung herrschen. Es würde mich sehr überraschen, wenn Dave Roberts beim nächsten Grand Slam am Donnerstag noch ihr Manager ist.

Der Gegner der Nationals in der NLCS sind die St. Louis Cardinals. Auch ihr Vordringen bis zu diesem Punkt ist eine Überraschung. Durch eine furiosen Aufholjagd in den letzten Wochen der Saison haben sie die Chicago Cubs und die Milwaukee Brewers auf dem Weg zum Gewinn der NL Central abgefangen. In der NLDS ließen sie zweimal die Atlanta Braves vorlegen, um jeweils im nächsten Spiel die Serie auszugleichen. In Spiel fünf hingegen ließen die Cardinals nie Zweifel aufkommen: Noch bevor die Braves vor ihrem heimischen Publikum zum ersten Mal an die Platte traten, führten die Gäste bereits mit zehn Runs (siehe „Szene der Woche“), am Ende gewannen die Cards 13:1.

Die NLCS zwischen den Cardinals und den Nationals beginnt Freitagnacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit. St. Louis hat Heimrecht in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben der Best-of-7-Serie.

Szene der Woche 
Nichts war diese Woche so beeindruckend wie das erste Inning der St. Louis Cardinals in Spiel fünf der NLDS gegen die Atlanta Braves. Zehn Runs hatte in der Geschichte der MLB-Playoffs noch nie ein Team im ersten Durchgang erzielt – bis die Cardinals gestern genau das taten. Besonders erstaunlich finde ich, dass ihnen das in diesem an Homerunrekorden reichen Jahr ohne einen einzigen Homerun gelungen ist. Vier Walks, drei Doubles, zwei Singles, ein Sacrifice Bunt, ein Error und ein Wild Pitch summierten sich zu der frühen Vorentscheidung des Spiels.

Statistik der Woche 
16. So viele Playoffspiele haben die Minnesota Twins hintereinander verloren – ein Rekord, auf den sie sicher liebend gern verzichten würden. Seit mittlerweile 16 Jahren hält die Durststrecke an. Der größte Spielverderber für die Twins waren immer wieder die Yankees, welche für 13 der 16 Niederlagen verantwortlich waren.

Spiel der Woche 
Das erste Spiel fünf der letzten Nacht war zwar im ersten Inning sensationell, ansonsten aber ein Langweiler. Ganz im Gegensatz zu der darauf folgenden Partie zwischen den Dodgers und den Nationals. Auch hier gab es eine frühe Führung, 2:0 nach einem und 3:0 nach zwei Innings für die favorisierten Dodgers. Doch Nationals-Starter Stephen Strasburg fand in seinen Rhythmus und hielt das Spiel offen, indem er im Rest seiner sechs Innings nichts mehr zuließ. Der mit Patrick Corbin verstärkte Bullpen steuerte weitere fünf saubere Innings bei und ermöglichte so das Comeback. Dieses gelang ausgerechnet gegen Clayton Kershaw, der sich als Reliever im achten Inning Homeruns von Anthony Rendon und Juan Soto einschenken ließ. Mit 3:3 ging das Spiel ins Extra-Inning, in welchem die größte Stunde in der langen Karriere von Howie Kendrick schlug: Nach einem Walk von Adam Eaton, einem Double von Rendon und einem Intentional Walk von Soto kam der Routinier gegen Joe Kelly an den Schlag und beförderte den zweiten Pitch zum Grand Slam über das Centerfield. Sean Doolittle besiegelte den 7:3-Sieg der Nationals mit einem perfekten zehnten Inning gegen AJ Pollock, Max Muncy und Justin Turner. Eine Schrecksekunde gab es im siebten Inning: Nationals-Catcher Kurt Suzuki wurde von einem Pitch von Walker Buehler an der Hand getroffen, von dort sprang der Ball nach oben und schlug ihm den Helm von Kopf. Suzuki ging zu Boden, konnte aber nach kurzer Behandlung selbstständig vom Feld gehen und war beim Feiern nach dem Spiel schon wieder mit von der Partie.

Mein Einschalttipp
Die Divisional-Runde ist noch nicht vorbei: Heute Nacht ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit kommt es in Houston zum Showdown zwischen den Astros und den Tampa Bay Rays. Tyler Glasnow (1.78 ERA, 2.26 FIP) für die Rays und Gerrit Cole (2.50 ERA, 2.64 FIP) für die Astros bilden ein hochwertiges Pitching-Matchup in der Partie, deren Gewinner in die ALCS gegen die Yankees einzieht. Das Spiel könnt ihr sowohl auf DAZN als auch über mlb.tv verfolgen.

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Oktober 3rd, 2019 by Silversurger

Die Kandidatenliste für die MLB-Meisterschaft ist auf nur noch acht Namen zusammengeschrumpft. Für die Oakland Athletics und die Milwaukee Brewers waren die Playoffs ein kurzes Abenteuer, sie unterlagen in den Wild-Card-Spielen den Tampa Bay Rays beziehungsweise den Washington Nationals. Heute Abend geht es schon los mit den Divisional Series, sozusagen den Viertelfinals um die World Series.

Die wichtigsten Neuigkeiten um die Teams, die es nicht in die Playoffs geschafft haben, sind die bekannt gegebenen Trainerentlassungen. Urgestein Joe Maddon erhält keinen neuen Vertrag bei den Chicago Cubs, die Los Angeles Angels feuern Brad Ausmus nach nur einer Saison und die Pittsburgh Pirates trennen sich von Clint Hurdle, dem sie wenige Tage zuvor noch öffentlich die Treue geschworen hatten. Kurz nach Fertigstellung dieses Artikels ergänze ich noch die Nachricht, dass auch Mickey Callaway und die New York Mets getrennte Wege gehen. Eine andere Art von Abschied feierten die Texas Rangers bei ihrem letzten Saisonspiel am Sonntag. Das 6:1 gegen die Yankees war das letzte Spiel im Globe Life Park. Ab der nächsten Saison werden die Rangers ihre Heimspiele im gleich nebenan neu erbauten Globe Liefe Field austragen.

National League
Die National League hat am Dienstag als erste der beiden Ligen ihr Wild-Card-Spiel absolviert und sie startet heute auch als erste in die Divisional Series.

Ab 23 Uhr heute Abend tragen die St. Louis Cardinals und die Atlanta Braves den ersten Teil ihres Best-of-5-Duells aus. Ein klarer Favorit lässt sich meiner Ansicht nach nicht festmachen. Jedes der beiden Teams hat etwas überraschend seine Division gewonnen, die Braves mit Schwerpunkt auf Offensive, die Cardinals vor allem mit starkem Pitching. Da die Braves den etwas besseren Record in der Saison hatten, genießen sie Heimrecht in den ersten beiden Spielen und auch im fünften Spiel, falls es dazu kommen sollte. Zum Auftakt werden Dallas Keuchel für Atlanta und Miles Mikolas für St. Louis auf dem Mound stehen.

In der zweiten NLDS sind die Rollen eindeutiger verteilt: Die Los Angeles Dodgers sind der klare Favorit in der Serie gegen die Washington Nationals, die heute Nacht um 2:30 mitteleuropäischer Zeit beginnt. Mit Ryu-Kershaw-Buehler und Scherzer-Strasburg-Corbin treffen zwei beeindruckende Starter-Riegen aufeinander. Allerdings sehe ich Vorteile für die Dodgers im Batting Lineup und vor allem im Bullpen. Hinzu kommt, dass die Dodgers sich in aller Ruhe zu Hause auf die Serie einstellen konnten, während die Nationals sowohl das Wild-Card-Spiel als auch die Reise von der Ost- an die Westküste wegstecken müssen.

American League
Einen Tag später als die NL, am Freitag, beginnen auch in der American League die Divisional Series. Ab 20 Uhr unserer Zeit treffen die Houston Astros auf Wild-Card-Gewinner Tampa Bay Rays. Ähnlich wie in der NL zwischen den Dodgers und den Nationals, herrschen auch in dieser Serie scheinbar klare Verhältnisse: Das 107-Siege-Team der Astros geht als haushoher Favorit in die Spiele gegen die Rays. Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke werden in den ersten drei Partien starten und ich wäre nicht überrascht, wenn diese drei Partien den Astros schon ausreichen, um die Best-of-5-Serie zu gewinnen.

Spannender sieht das Matchup zwischen den New York Yankees und den Minnesota Twins aus. Es sind die beiden offensivstärksten Teams der gesamten MLB mit jeweils eher mittelmäßigem Pitching. Die Yankees haben das erste Heimrecht Freitagnacht ab 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die Starter der Partie wurden noch nicht bekannt gegeben. In jedem Fall müssen die Yankees auf Domingo German verzichten. Der Pitcher steht unter starkem Verdacht, seine Freundin geschlagen zu haben, und ist bis zur Aufklärung des Falles – mindestens für den Rest der Saison – gesperrt.

Szene der Woche 
Der erste Held der diesjährigen Playoffs heißt Juan Soto. Dem 20-Jährigen gelang im Wild-Card-Spiel der NL der entscheidende Hit für seine Washington Nationals. Bis ins achte Inning lagen die Nats noch 1:3 hinten. Die Wende begann mit einem umstrittenen Hit by Pitch: Michael Taylor wurde am Handgelenk getroffen, aber der Ball traf auch das Ende seines Schlägers. Trotz Review konnte die Reihenfolge der Ereignisse nicht zweifelsfrei geklärt werden, daher blieb der Call des Umpires stehen. Es folgten ein Broken-Bat-Single von Ryan Zimmerman in einem At-Bat, das sein letztes für dieses Team hätte sein können, sowie ein Walk von Anthony Rendon. Dann kam der große Auftritt von Soto. Bei geladenen Bases und zwei Outs hämmerte er den Ball ins Rightfield und brachte dadurch die ersten zwei Runs zum Ausgleich nach Hause. Da Milwaukees Trent Grisham den Ball unter dem Handschuh durchrollen ließ, war plötzlich noch mehr möglich. Soto lief weiter zur zweiten Base, ließ diese hinter sich und fand sich zwar in einem Rundown zwischen der zweiten und dritten Base gefangen, konnte diesen aber lange genug verzögern, dass Rendon vor dem Out das 4:3 gelang.

Statistik der Woche 
613. So viele Homeruns haben die Yankees und die Twins in der regulären Saison zusammen erzielt. Es war ein enges Rennen darum, wer der neue Rekordhalter wird. Am Ende hatten die Twins mit 307 die Nase knapp vor den Yankees mit 306. Nun treffen die beiden Teams sich in der ALDS und es ist wohl keine gewagte Vorhersage, dass in dieser Serie viele Bälle sehr weit fliegen werden.

Spiel der Woche 
Beide Wild-Card-Spiele hätten verdient, hier gewürdigt zu werden, aber da das der NL schon zwei Kategorien weiter oben Thema war, hat hier die AL-Partie zwischen den Athletics und den Rays ihren Platz. Das Ergebnis von 5:1 für die Rays hört sich eindeutig an, doch es war durchaus ein spannendes Spiel. Die Athletics hatten sogar mehr Hits als die Rays, 8:7 führten sie in dieser Kategorie. Den Unterschied zugunsten Tampa Bays machte letztlich zweierlei: erstens, dass vier ihrer sieben Hits Homeruns waren, darunter zwei von Leadoff-Hitter Yandy Diaz; zweitens, dass sie mit Charlie Morton einen erfahrenen Pitcher am Start hatten, der sich aus mehreren brenzligen Situationen befreien konnte. Allein für das erste Inning benötigte Morton 32 Pitches, aber letztlich brachte er Jurickson Profar zum Flyout bei geladenen Bases. Insgesamt lieferte Morton fünf Innings mit nur einem unearned Run ab, bevor der Bullpen den Rest besorgte und den Einzug in die ALDS perfekt machte.

Mein Einschalttipp
Es sind die MLB-Playoffs, somit ist ab sofort jedes Spiel ein Einschalttipp. Ein besonders Highlight im Baseballjahr ist der morgige Freitag. Es ist der möglicherweise einzige Tag, an dem man vier Playoff-Spiele hintereinander schauen kann. Nur am kommenden Montag könnte es noch einmal so ein volles Programm geben, aber nur wenn beide NL-Serien ins vierte Spiel gehen. Falls ihr noch keinen Dienst abonniert habt, über den ihr zuschauen könnt: mlb.tv gibt es für den Rest der Saison für 24,99 Dollar und DAZN überträgt wohl ebenfalls alle Postseason-Spiele, sodass dies der richtige Zeitpunkt für den kostenlosen Probemonat sein könnte.

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September 26th, 2019 by Silversurger

Für 20 Teams endet die MLB-Saison mit dem kommenden Wochenende. Für die restlichen 10 wird es dann erst richtig interessant, denn die Playoffs stehen ins Haus. Wer zu diesen 10 Teams gehört, steht seit letzter Nacht bis auf eine einzige Ausnahme fest. Im Grand Slam am Donnerstag geht es diese Woche daher in erster Linie um die möglichen Konstellationen in den ersten Runden der Postseason.

National League
In der National League werden die Los Angeles Dodgers (102-56), die Atlanta Braves (97-62), die St. Louis Cardinals (90-69), die Washington Nationals (89-69) und die Milwaukee Brewers (88-70) die Playoffs bestreiten.

Die Dodgers stehen darüber hinaus als das Team mit der besten Bilanz der NL fest. Sie werden deshalb sowohl in der Divisional Series (NLDS) als auch im Fall des Erreichens der Championship Series (NLCS) die etwas günstigere Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen genießen. Der erste Gegner der Dodgers wird das Team sein, welches am Dienstag das Wild-Card-Spiel gewinnt.

Ein Teilnehmer des Wild-Card-Games sind in jedem Fall die Nationals. Ihr Gegner steht noch nicht fest: Es sind entweder die St. Louis Cardinals oder die Milwaukee Brewers, je nachdem wer von beiden nicht die NL Central gewinnnt.

In der zweiten NLDS werden die Braves das erste Heimrecht gegen den Sieger der NL Central haben. Zurzeit haben die Cardinals hier noch 1,5 Spiele Vorsprung auf die Brewers. Doch die Brewers gewinnen seit drei Wochen nahezu jedes Spiel und haben mit den Cincinnati Reds und dreimal den Colorado Rockies sehr schlagbare Gegner vor sich. Die Cardinals treffen in den letzten drei Spielen auf die Chicago Cubs. Auch die sind zurzeit sehr schlagbar, haben sich mit acht Niederlagen in Folge aus den Playoffs gespielt; aber es würde mich nicht wundern, wenn sie in dieser finalen Serie noch mal eine kleine Trotzreaktion zeigen und St. Louis ein, zwei Spiele abnehmen. Das könnte in der Situation münden, dass am Ende St. Louis und Milwaukee gleichauf stehen. In diesem Fall würde am Montag zwischen den beiden ein Entscheidungsspiel, ein sogenanntes „Game 163“ stattfinden.

American League
Während es in der NL nur noch darum geht, wer in den Playoffs gegen wen spielt, steht in der American League noch eine grundlegende Entscheidung aus: Von den Oakland Athletics (95-63), den Tampa Bay Rays (95-64) und den Cleveland Indians (93-65) werden sich zwei Teams am Mittwoch zum Wild-Card-Spiel treffen, das dritte bleibt schon vorher auf der Strecke. Alle drei Teams müssen ihre letzten Spiele der regulären Saison auswärts bestreiten. Die Rays in Toronto und die Athletics in Seattle haben dabei Gegner, für die es schon lange um nichts mehr geht. Die Indians hingegen müssen – nach der heutigen Partie bei den White Sox – zu den Washington Nationals, welche noch um das Heimrecht im Wild-Card-Spiel der NL kämpfen. Verbunden damit, dass die Indians zurzeit 1,5 Spiele Rückstand auf die Rays und 2 Spiele auf die Athletics aufweisen, gehen sie klar als Außenseiter in das Wochenende der Entscheidung.

Das Team von diesen dreien, das sich im Wild-Card-Spiel durchsetzt, wird in der ALDS auf den Divisionssieger mit den meisten Siegen treffen. Das werden ziemlich sicher die Houston Astros (104-54) sein – die New York Yankees (102-57) wären es nur, wenn sie ihre restlichen drei Spiele alle gewinnen und die Astros ihre restlichen vier alle verlieren würden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird somit die zweite ALDS zwischen den Yankees und den Minnesota Twins (98-60) stattfinden. Die Twins stehen seit letzter Nacht als Sieger der AL Central fest, zum ersten Mal seit 2010. Wir werden also den einzigen deutschen Major Leaguer, Max Kepler, in den Playoffs sehen. Nicht zum ersten Mal übrigens, denn 2017 stand Kepler bereits im Starting Lineup der Twins im Wild-Card-Spiel. Der Gegner waren damals ebenfalls die Yankees, welche mit 8:4 die Oberhand behielten.

Szene der Woche 
Alles fiebert der Postseason entgegen, aber für einige steht mit dem Ende der regulären Saison das große Abschiednehmen an. Dass Bruce Bochy, der langjährigste Manager der Liga, von den San Francisco Giants in den Ruhestand wechselt, ist schon seit Saisonbeginn bekannt. Vor wenigen Tagen erklärte nun auch Ned Yost, Manager der Kansas City Royals, dass er seine Karriere beenden wird.

Kein Karriereende, aber das Ende seines Engagements in San Diego, ereilte diese Woche darüber hinaus Padres-Manager Andy Green. Man darf gespannt sein, welche Teams es den Padres in den nächsten Wochen gleich tun und ebenfalls ihre Manager feuern werden. Heiße Kandidaten dafür sind unter anderem Mickey Callaway von den Mets und Gabe Kapler von den Phillies. Clint Hurdle von den Pirates hat hingegen trotz einer enttäuschenden Saison bereits ein öffentliches Treuebekenntnis seines Arbeitgebers erhalten.

Statistik der Woche 
19. So viele Saisons hat die MLB nun hintereinander gespielt, ohne dass ein World-Series-Gewinner seinen Titel verteidigen konnte. Die aktuelle Saison ist dabei bereits mitgerechnet, denn seit vor ein paar Tagen die Boston Red Sox die letzte Chance auf eine Playoff-Qualifikation verspielt haben, steht fest, dass es auch dieses Jahr keinen Repeat-Champion geben wird. Die letzten, die es geschafft haben, waren die New York Yankees. Sie gewannen von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander die World Series.

Spiel der Woche
19 ist auch in dieser Kategorie die herausstechende Zahl, denn ebenso viele Innings benötigten die Arizona Diamondbacks und die St. Louis Cardinals Dienstagnacht, um ihre Partie zu einem Ende zu bringen. Der Held der Nacht war Arizonas Ildemaro Vargas. Er war in den ersten acht Innings gar nicht dabei, brachte es aber letztlich auf vier Hits in sechs At Bats. Zwei dieser Hits waren spielentscheidend: Im neunten Inning kam Vargas als Pinch Hitter beim Stand von 0:1 ins Spiel und erzielte per Solo-Homerun den Ausgleich. Zehn Innings später gelang ihm bei zwei Outs und geladenen Bases der Walkoff-Single zum Sieg seines Teams. Zuvor hatten beide Teams zusammen 48 Strikeouts erzielt. Damit wurde ein MLB-Rekord eingestellt, den die Cubs und die Yankees am 7. Mai 2017 vorgelegt hatten.

Mein Einschalttipp
Es sind die Tage der finalen Entscheidungen und natürlich empfehle ich, in alle Spiele reinzuschauen, in denen es noch um etwas geht. Von den letzten Partien der regulären Saison dürfte das Duell der Washington Nationals gegen die Cleveland Indians das interessanteste sein, da es Auswirkungen auf die Wild-Card-Konstellation in beiden Ligen hat. Davon abgesehen gilt mein Einschalttipp den beiden Wild-Card-Spielen. Das der NL läuft Dienstagnacht, das der AL Mittwochnacht. Genaue Uhrzeiten stehen noch nicht fest, aber voraussichtlich wird es auf  2 Uhr nachts unserer Zeit plus/minus eine Stunde hinauslaufen.

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September 12th, 2019 by Silversurger

Wir sind in der Jahreszeit der Magic Numbers und der Elimination Numbers angekommen. Falls ihr nicht wisst, was das ist, könnt ihr es in diesem Artikel aus dem letzten Jahr nachlesen. Als erstes MLB-Team des Jahres haben es vorgestern die Los Angeles Dodgers geschafft, ihre Magic Number für den Divisionssieg auf 0 zu senken. Die nächsten in der Reihe sind die Yankees, die Astros und die Braves. Sie alle haben eine Magic Number von 8 und somit die Chance, bis nächste Woche mit etwas Schützenhilfe durch die Konkurrenz alles klar zu machen. In den Rennen um die Wild Cards beider Ligateile hingegen ist noch gar nichts klar: In der AL ist es nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen von drei Teams, in der NL machen sich sogar noch sechs Teams berechtigte Hoffnungen und sind seit letzter Woche wieder enger zusammengerückt.

American League
In der American League East hat sich seit letzter Woche wenig geändert: Die New York Yankees (95-51) cruisen souverän in Richtung Divisionstitel und 100-Siege-Marke. Die Tampa Bay Rays (87-60) überzeugen ebenfalls seit Wochen, haben derzeit sechs der letzten sieben und 11 der letzten 13 Spiele gewonnen. Im Ringen um die Wild-Card-Plätze beschert ihnen das ein halbes Spiel Vorsprung auf die Athletics und ein ganzes auf die Indians. Die größten Schlagzeilen produzierten derweil die Boston Red Sox (76-70): Der Titelverteidiger hat durch fünf Niederlagen in Folge – drei davon gegen den New Yorker Erzrivalen – seine ohnehin schon geringen Playoffchancen auf 0% gesenkt. Als Reaktion auf die schwache Saison wurde am Sonntag General Manager Dave Dombrowski entlassen. Das kam überraschend, denn immerhin war Dombwoski der Architekt des Meisterteams 2018. Offenbar war es aber nicht nur die schwache Saison 2019, sondern auch die eine oder andere atmosphärische Störung zwischen dem Klub und seinem leitenden Angestellten, die zu der Entscheidung führte. Es ist jedenfalls sehr ungewöhnlich, dass es dazu weder eine Pressekonferenz noch einen öffentlichen Kommentar der Teambesitzer gab.

Die Cleveland Indians (86-61) haben die AL Central noch nicht aufgegeben: Mit 2:1 Siegen in der Serie bei den Minnesota Twins (89-56) sowie einem darauf folgenden Sweep der Angels haben sie genau das getan, was nötig war, um den Kampf um die Division offen zu halten. Am Wochenende treffen die Twins und die Indians erneut dreimal direkt aufeinander. Das Ergebnis dieser Serie wird bestimmen, ob Max Kepler & Co. sich in den folgenden Wochen beruhigt auf die Playoffs einstellen können oder ob ihnen ein heißer Frühherbst bevorsteht. Am anderen Ende der Tabelle haben übrigens die Detroit Tigers (43-100) als erstes Team des Jahres die Marke von 100 Niederlagen erreicht. Mit den Kansas City Royals (54-92) sowie den Baltimore Orioles (47-98) in der AL East und den Miami Marlins (51-94) in der NL East sind drei weitere Teams auf Kurs für 100 Niederlagen – wenn es dazu kommt, wäre der Rekord von vier 100-Loss-Teams aus der Saison 2002 eingestellt.

Was es noch nie gegeben hat, ist eine Saison mit vier 100-Win-Teams. Dieses Jahr könnte es soweit sein, denn den Houston Astros (95-52) fehlen ebenso wie den Yankees nur noch fünf Siege, den Dodgers noch sechs und den Braves neun. In der AL West gab es diese Woche ein paar ziemlich interessante Ergebnisse: Am Sonntag gewannen die Astros 21:1 gegen die Seattle Mariners (68-80), am Montag ließen sie ein 15:0 gegen die Oakland Athletics (80-68) folgen – das war das höchste kombinierte Ergebnis in zwei aufeinander folgenden Spielen aller Zeiten. Am Dienstag erlebten die Astros schon wieder ein Schützenfest, dieses Mal aber gegen sich beim 21:7 für die Athletics. Für die A’s war es enorm wichtig, sich für die Demütigung vom Vortag sofort zu revanchieren, schließlich brauchen sie im Wild-Card-Rennen jeden Sieg. Sie ließen am Mittwoch ein 5:3 folgen und versuchen heute, den Astros das dritte Spiel in Folge abzunehmen.

National League
Die National League East werden die Atlanta Braves (91-56) gewinnen. Dahinter tummeln sich drei Teams, von denen ich jedes während der Saison mindestens einmal abgeschrieben habe. Doch hier sind sie, allesamt mitten im Wettbewerb um die Wild Cards: Die Washington Nationals (80-64) haben in diesem Rennen dreieinhalb Spiele Vorsprung, allerdings haben sie ein ziemlich heftiges Restprogramm mit einmal Minnesota, dreimal Atlanta, dreimal St. Louis, fünfmal Philadelphia, dreimal Cleveland – und nur dreimal den Miami Marlins (51-94) als einzigem Gegner, für den es um nichts mehr geht. Das öffnet die Tür für die Philadelphia Phillies und die New York Mets (jeweils 75-50), noch einmal heranzukommen. Insbesondere von den Mets hätte ich das noch vor einer Woche nicht gedacht, aber nach drei Siegen gegen die Diamondbacks sind sie wieder voll dabei.

Voll dabei sind auch drei Teams der NL Central, die in den zweieinhalb verbleibenden Wochen noch einige Male direkt gegeneinander spielen werden. Mit vier Spielen Vorsprung haben die St. Louis Cardinals (81-64) derzeit relativ komfortabel die Nase vorn. Es folgen gleichauf die Milwaukee Brewers und die Chicago Cubs (77-68), die in den letzten Tagen in unterschiedliche Richtungen unterwegs waren: Die Brewers gewannen trotz des Verletzungsschocks um Christian Yelich (siehe „Szene der Woche“) sechs Spiele in Folge, die Cubs verloren fünf der letzten sechs – drei davon gegen die Brewers. Die Cubs müssen sich nun bemühen, in den vermeintlich lösbaren Aufgaben gegen San Diego, Pittsburgh und Cincinnati wieder ein kleines Polster aufzubauen, denn die letzten zehn Tage der Saison mit sieben Spielen gegen St. Louis werden bockelhart.

Die NL West haben die Los Angeles Dodgers (94-53) zum siebten Mal in Folge für sich entschieden – gefühlt seit Monaten, offiziell seit Dienstag. Von den Teams dahinter sind nur die Arizona Diamondbacks (75-71) noch erwähnenswert. Sie hatten sich zwei starke Wochen lang aus fast aussichtsloser Lage zurück ins Wild-Card-Rennen gearbeitet, nun allerdings drohen sie durch eine bislang katastrophale Serie bei den Mets alles wieder zu verspielen. Mit zweieinhalb Spielen Rückstand bilden sie derzeit das Schlusslicht unter den sechs Wild-Card-Anwärtern der NL. Aber ich werde den Teufel tun, sie totzusagen, denn damit lag ich in dem verrückten Wild-Card-Rennen dieses Jahres bislang jedes Mal falsch.

Szene der Woche 
Den schönsten Moment der Woche hatten definitiv die Los Angeles Dodgers, die als erstes Team dieser Saison die Divisionsmeisterschaft feiern durften:

Ich muss aber auch eine weit weniger schöne Szene erwähnen, die diese MLB-Woche geprägt hat, nämlich die Verletzung von Christian Yelich. Der MVP 2018 der National League brach sich die rechte Kniescheibe bei einem extrem unglücklich vom Schläger abgeprallten Foulball. Zart besaitete Gemüter starten lieber nicht das unten stehende Video, sondern schauen sich besser noch mal die feiernden Dodgers an.

Statistik der Woche 
1995-2019. Diese Zahlenkombination begegnete einem in den letzten Tagen, wenn man die MLB verfolgt, ziemlich häufig. Sie führte sogar zu Rücktrittsforderungen gegenüber Bruce Bochy, dem Manager der San Francisco Giants. Bochy, der dienstälteste Manager der gesamten Liga, hatte bereits vor der Saison angekündigt, dass für ihn danach Schluss ist. Seine Karriere dauerte dann von 1995 bis 2019. Da wäre es doch wirklich originell gewesen, wenn er vorgestern aufgehört hätte, als seine Bilanz aus Siegen und Niederlagen ebenfalls bei 1995-2019 stand. Hat er aber nicht gemacht, stattdessen steht er jetzt bei 1996-2019 und strebt in den verbleibenden 16 Spielen noch seinen 2000. Sieg als MLB-Manager an. Die Seattle Mariners dachten sich derweil offenbar: „Was der kann, können wir auch.“ Einen Tag nach Bochys obskurem statistischen Meilenstein präsentierten die Mariners ihre eigene Bilanz für die Jahre 1995-2019. Sie lautete, ja genau: 1995-2019.

Spiel der Woche
Was ich am Baseball ganz besonders mag, sind die Momente, in denen monatelange Prügelknaben wenigstens für einen Abend mal den letzten Lacher auf ihrer Seite haben. Zum Beispiel am Dienstag, als das frischgebackene 100-Niederlagen-Team Detroit Tigers den übermächtig erscheinenden Rekordmeister New York Yankees empfing: Neben der 100. Niederlage am Vortag gegen die Athletics hatten die Tigers auch zu verdauen, dass die Yankees ihnen sage und schreibe sechs Homeruns einschenkten und damit den aktuellen Rekord für die meisten Homeruns in einer Saison brachen – einen Rekord, den sich eine Woche zuvor die Twins geholt hatten, ebenfalls in Detroit. Was macht man in so einer Lage? Sich flach auf den Boden legen und warten, bis es vorbei ist? Von wegen: Detroit ließ sich nie hängen, kämpfte sich von einem frühen 6-Run-Rückstand zurück und gewann am Ende 12:11 per Walkoff. Gut gebrüllt, Tigers!

Mein Einschalttipp
Showdown in der AL Central: Zum letzten Mal in diesem Jahr kreuzen die Cleveland Indians und die Minnesota Twins direkt die Klingen. Die Ausgangslage ist klar: Gewinnen die Twins die Serie, ist ihnen der Divisionssieg wahrscheinlich nicht mehr zu nehmen. Fahren hingegen die Indians zwei oder gar drei Siege ein, stehen der Division zwei richtig spannende Endspurt-Wochen bevor. Das Finale der Serie steigt am Sonntag zur besten europäischen Sendezeit und bietet mit Shane Bieber (3.17 ERA, 3.21 FIP) gegen José Berrios (3.63 ERA, 3.92 FIP) ein attraktives Pitcherduell. Zu sehen ist das Spiel wie üblich auf mlb.tv.

DAZN hingegen macht sich zurzeit leider sehr rar mit MLB-Übertragungen. Laut den derzeit verfügbaren Programmübersichten laufen dort bis nächsten Donnerstag lediglich vier MLB-Spiele und zwar ausschließlich solche, die im Hinblick auf die Playoffs komplett unbedeutend sind.

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