April 1st, 2021 by Silversurger

Update: Wenige Minuten nach Veröffentlichung dieses Artikels gaben die Nationals bekannt, dass sie wegen ihres Covid-Falls und wegen der noch andauernden Kontaktnachverfolgung das heutige Spiel gegen die Mets abgesagt haben.

Endlich! Endlich! Endlich! Der Opening Day der MLB ist da, dank Feiertag steht einem Nachtschicht-Bingewatching nichts im Wege, und als wäre das noch nicht genug Grund zur Freude, hat mein Lieblingsteam letzte Nacht die lang ersehnte Vertragsverlängerung mit Francisco Lindor unter Dach und Fach gebracht. Was für ein wunderbarer Tag für den garantiert letzten Grand Slam am Donnerstag vor Beginn der Saison 2021.

Das Programm am Opening Day
Wer sich zur Saisoneröffnung die volle Baseball-Breitseite geben möchte – und das nötige Abo von mlb.tv hat – kann heute Abend und Nacht 12 Stunden am Stück MLB-Baseball sehen. Um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit den Yankees gegen die Blue Jays, fünf Minuten später starten die Tigers gegen die Indians. Bis 22:10 Uhr kommen stündlich Spiele dazu. Ab 1:09 Uhr kann man sich ganz auf Lindors erstes Spiel mit den Mets gegen die Nationals und das aufregende Pitching-Matchup deGrom vs. Scherzer konzentrieren, bevor ab kurz nach 4 Uhr noch drei Spiele an der Westküste laufen. Für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: DAZN wird wohl täglich ein Spiel übertragen, am Opening Day ist es Yankees vs. Blue Jays. Auf mlb.tv gibt es normalerweise auch wieder jeden Tag ein „Free Game of the Day“, für heute wurde allerdings bisher keines bekannt gegeben. 
Die Fans der Red Sox und der Orioles müssen sich leider noch einen Tag länger gedulden: Die Partie in Boston wurde um einen Tag verschoben, weil in der Region starke Regenfälle erwartet werden.

Zuschauer in allen Stadien
Bei allen Spielen der MLB werden von Saisonbeginn an Zuschauer erlaubt sein. Die dafür freigegebene Kapazität gestaltet sich sehr unterschiedlich. Für die meisten Ballparks ist eine Auslastung von 20 bis 25% vorgesehen. In Fenway Park und Nationals Park ist man deutlich vorsichtiger, dort werden nur 12% der Plätze belegt. Coors Field und Chase Field hingegen sind zu über 40% freigegeben. Die Texas Rangers sind die einzigen, die ihr neues Stadion Globe Life Field am Opening Day komplett nutzen wollen und dürfen: 40.518 Fans werden die Ränge füllen. Entgegen dem Rat der örtlichen Gesundheitsbehörden hat der texanische Gouverneur Greg Abbott sogar die Maskenpflicht aufgehoben. Die Rangers schreiben allerdings auf eigene Faust das Tragen einer Maske im Stadion vor.

Quarantänefälle bei den Nationals
Dass die Pandemie auch in dieser Saison ein Faktor ist, sieht man nicht nur an den fast überall geltenden Zuschauerbeschränkungen. Schon am Opening Day gibt es die ersten coronabedingten Spielerausfälle:  Ein Mitglied der Washington Nationals wurde positiv getestet, vier weitere Spieler und ein Angestellter gelten als enge Kontaktpersonen und sind deshalb ebenfalls in Quarantäne. Um welche Spieler es sich handelt, wurde bislang nicht bekannt.

341 Millionen für Lindor 
Seit dem spektakulären Trade mit den Cleveland Indians war eigentlich klar, dass sich dieser für die New York Mets nur dann richtig lohnt, wenn man Francisco Lindor über die Saison 2021 hinaus an sich binden kann. Lindor zeigte sich offen dafür, machte aber zur Bedingung, dass er nicht bis in die Saison hinein verhandeln möchte. Entsprechend hektisch wurde es im Umfeld, als bis in die späten Abendstunden am Vortag der Saisoneröffnung immer noch kein Deal in Sicht war. Doch gegen 23 Uhr Ortszeit zog endlich weißer Rauch durch die sozialen Netzwerke: Lindor und die Mets haben sich geeinigt, der Star-Shortstop unterschreibt für zehn Jahre von 2022 bis 2031. Er erhält dafür insgesamt 341 Millionen Dollar, verteilt auf ein Handgeld von 21 Millionen und auf zehn Gehälter á 32 Millionen. Der Vertrag enthält keine Ausstiegsoptionen und eine No-Trade-Klausel in Bezug auf 15 Teams. Der große Gewinner der Einigung neben Lindor ist Steve Cohen. Der neue Teameigner hatte angekündigt, die Mets als Big-Market-Franchise zu führen, und mit diesem Vertrag lässt er Worten Taten folgen. Es ist der langfristigste Spielervertrag der Vereinsgeschichte und mit großem Abstand der teuerste. Zudem ist es der höchste Vertrag, den je ein Shortstop bekommen hat. Er übertrifft den 14-Jahresvertrag von Fernando Tatis Jr. mit den Padres vermutlich nicht zufällig um genau eine Million.  

Twins verlängern mit Dobnak
Randy Dobnak hat sich mit den Minnesota Twins auf einen neuen Vertrag geeinigt. Der Pitcher bleibt dem Team für mindestens fünf Jahre erhalten und bekommt dafür 9,25 Millionen Dollar. Das ist für MLB-Verhältnisse keine spektakuläre Summe, doch die Geschichte dahinter ist ziemlich originell: Dobnak verließ 2017 mit 22 Jahren das College, ohne von einem MLB-Team gedraftet zu werden, und schloss sich dem Independent-Team Utica Unicorns an. Die Scouts der Twins entdeckten ihn über Youtube-Videos und verpflichteten ihn für ein Handgeld von 500 Dollar in ihr Minor-League-System, ohne ihn je persönlich gesehen zu haben. Während er seinen Lebensunterhalt als Uber-Fahrer verdiente, arbeitete Dobnak sich innerhalb von zwei Jahren durch die Minor Leagues und debütierte 2019 erfolgreich in der MLB. Die Twins setzen ihn sowohl als Starter als auch im Bullpen ein. Der Klub hat sich für 2026 bis 2028 Verlängerungsoptionen gesichert, mit denen der Vertrag auf insgesamt acht Jahre und bis zu 29,75 Millionen Dollar ausgedehnt werden kann.

Ein paar Verletzungs-News
Keine Woche ohne Tommy-John-Surgery: Jose Leclerc, bislang Closer der Texas Rangers, ist der nächste Kandidat, der sich der ungebliebten Prozedur unterziehen muss und bis ins nächste Jahr hinein ausfällt. In seiner Abwesenheit werden voraussichtlich Ian Kennedy und/oder Matt Bush die Save-Aufgaben bei den Rangers übernehmen.
Rockies-Reliever Scott Oberg benötigt schon zum vierten Mal in seiner Karriere eine Operation, weil sich bei ihm immer wieder Blutgerinnsel im Ellenbogen seines Wurfarms bilden. Ob er nach dem neuerlichen Eingriff noch einmal Profisport betreiben darf oder seine Karriere beenden muss, ist noch unklar.
Das prominenteste Verletzungsopfer der Woche ist Eloy Jimenez von den Chicago White Sox. Ein gerissener Brustmuskel beim Versuch, einen Homerun zu verhindern, setzt den Leftfielder für vier bis fünf Monate, also für einen Großteil der Saison außer Gefecht. Einen offensichtlichen Ersatzmann für seinen Posten haben die White Sox bisher nicht, aber es gibt ein paar Ideen für Notlösungen (siehe weiter unten).
Nick Anderson, ein wichtiger Teil des Bullpens der Tampa Bay Rays, hat sich ein Band im Ellenbogen teilweise gerissen und fällt voraussichtlich bis nach dem All-Star-Break aus.
Auch den New York Yankees bleibt das Verletzungspech treu: First Baseman Luke Voit muss wegen eines Meniskusrisses operiert werden. Er wird den Yankees für ein bis zwei Monate fehlen.

Lamb zu den White Sox
Jake Lamb wurde vor einigen Tagen von den Atlanta Braves entlassen, nachdem diese sich entschieden, an seiner Stelle Pablo Sandoval einen Platz im Roster zu geben. Lamb war nicht lange arbeitslos, denn den Chicago White Sox kam er nach der Verletzung von Leftfielder Eloy Jimenez wie gerufen. Lamb hat zwar keine Erfahrung im Leftfield und wird dort wohl auch nicht zum Einsatz kommen. Aber er gibt den White Sox neue Flexibilität. Yoan Monacada, der Inhaber des Stammplatzes auf Lambs Position an der dritten Base, hatte in der Vergangenheit schon signalisiert, falls nötig auch im Outfield zu spielen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der frisch ins MLB-Team berufene Rookie Andrew Vaughn sich im Leftfield versucht, während Lamb als Designated Hitter einsteigt.

Rockies verpflichten Chacin
Quasi in allerletzter Sekunde sind die Colorado Rockies doch noch tätig geworden. Als einziges MLB-Team hatten sie in der bisherigen Offseason auf jegliche Neuverpflichtung eines Free Agents verpflichtet. Das hat sich nun geändert, indem sie Pitcher Jhoulys Chacin unter Vertrag genommen haben. Der Rechtshänder hatte den größten Teil des Spring-Trainings unter einem Minor-League-Vertrag bei den Yankees verbracht. Nachdem diese ihn Anfang der Woche ziehen ließen, wurde er sich mit den Rockies einig, bei denen seine Karriere einst begonnen hatte.

Ein Catcher für die Cubs
Auch die Chicago Cubs haben noch eine Ergänzung an Land gezogen. Catcher Tony Wolters unterschreibt einen Einjahresvertrag, nachdem er die Ausstiegsoption aus einem Minor-League-Kontrakt mit den Pirates gezogen hatte. Die Cubs hatten im Dezember ihren Ersatzcatcher Victor Caratini zusammen mit Yu Darvish zu den Padres getradet und waren seitdem auf der Suche nach einem neuen Backup für Willson Contreras.

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Mai 14th, 2019 by Silversurger

Wenn man sich die Zuschauerzahlen der MLB-Teams anschaut, so erklärt sich Vieles von selbst: Ganz oben stehen Teams, die sowohl eine lange Tradition ihr eigenen nennen als auch aktuell oben mitspielen – die Dodgers, die Cardinals, die Yankees, die Phillies und die Cubs. Ganz unten stehen überwiegend die Klubs, die sportlich mit geringen Ambitionen unterwegs sind – zum Beispiel die Orioles, die Tigers, die Royals und ganz besonders die Marlins. Vergleicht man die Zahlen mit denen des Vorjahres, so kann man auch ganz gut ablesen, welche Teams interessanter geworden sind – vor allem die Phillies und die Padres – und welche sich auf dem absteigenden Ast befinden – beispielsweise die Giants, die Nationals und die Indians.

Eine erstaunliche Konstanz legen hingegen die Zuschauer der Tampa Bay Rays an den Tag: Durchschnittlich 14.540 Leute wollten im bisherigen Jahr die Rays im Ballpark sehen. Das sind fast exakt gleich viele wie 2018 (14.428), und es sind vor allem deutlich weniger als bei jedem anderen Team außer den Marlins. Die Marlins stecken bekanntlich tief im Rebuilding, sind mit Abstand das schlechteste Team der MLB und tun nichts, was irgendwie zum Stadionbesuch ermuntern würde. Ganz anders die Rays: Sie haben letztes Jahr 90 Spiele gewonnen und nur äußerst knapp die Playoffs verpasst. Dieses Jahr führen sie die AL East an, in welcher mit den Red Sox und den Yankees die vielleicht stärksten und attraktivsten Konkurrenten der gesamten Liga unterwegs sind.

Am vergangenen Wochenende immerhin war Tropicana Field an zwei Tagen hintereinander ausverkauft. Man muss dazu zweierlei sagen: Erstens sahen die optischen und akustischen Eindrücke sehr stark danach aus, als wären es Heimspiele der Yankees. Zweitens bedeutet „ausverkauft“ in Tampa Bay nicht mehr als 25.025 Zuschauer und somit eine geringere Zahl als in anderen MLB-Stadien durchschnittlich die Spiele besucht. Die Kapazität von Tropicana Field wurde im Laufe der letzten 20 Jahre von einst rund 45.000 Plätzen immer weiter künstlich reduziert, indem ganze Blöcke und Ebenen dauerhaft geschlossen wurden mit dem Ziel, durch engeres Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen.

Die Gründe für das Ausbleiben der Zuschauer sind vielfältig. Ein Punkt ist sicher, dass das Stadion alles andere als schön ist. Es ist der einzige Ballpark der MLB mit dauerhaft geschlossenem Dach. Das Dach mit seinen vielen Verstrebungen und Gerüsten sieht von innen aus wie ein behelfsmäßiges Zirkuszelt, die Bullpens sind nicht vom Feld abgetrennt und die vielen außer Betrieb genommenen und abgedeckten Sitzplätze versprühen den Charme einer Bauruine. Auch die Lage des Stadions ist sehr ungünstig für einen Großteil der Einwohner des Einzugsbereichs. Von Tampa, der bevölkerungsreichsten Stadt der Tampa-Bay-Region, sind es über 30 Kilometer und das mit Verkehrsanbindungen, die im Berufsverkehr in der Regel überlastet sind. Hinzu kommt, dass Florida generell ein schlechtes Pflaster für professionellen Baseball zu sein scheint: Die beliebteste Sportart der Gegend ist Football und die Bevölkerung des Staats hat eine hohe Quote von Zugereisten, die selbst bei vorhandenem Baseballinteresse meist andere Lieblingsteams haben als die erst 1998 gegründeten Rays.

Im Endeffekt scheint es nur zwei realistische Auswege aus der Zuschauermisere der Tampa Bay Rays zu geben: einen Stadion-Neubau oder eine Relocation. Über Ersteren wird seit Jahren diskutiert, doch die aussichtsreichsten Pläne für einen neuen Ballpark im weitaus günstiger gelegenen Ybor City haben sich inzwischen zerschlagen. Momentan konzentrieren sich die Überlegungen wieder auf St. Petersburg, die aktuelle Heimat der Rays. Wahrscheinlicher erscheint allerdings, dass die Franchise spätestens 2027 mit Auslaufen der aktuellen Mietverträge eine ganz neue Heimat suchen und finden wird. Über mögliche Verlegungen oder Erweiterungen der MLB wird seit Jahren spekuliert. Es erscheint sehr gut vorstellbar, dass die Rays in diesem Zuge nach Montreal, Portland, Charlotte oder gar Mexico City verlegt werden. Das wäre zwar schade für die Region, aber ich glaube für die Liga wäre es die richtige Entscheidung.

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Juni 19th, 2018 by Silversurger

Es ist mal wieder eine großartige Baseballsaison mit atemberaubenden Plays, epischen Spiele, hautengen Divisionsrennen, Geschichten zum Lachen und zum Weinen. Aber eines ist in diesem Jahr bislang alles andere als erfreulich, sondern geradezu besorgniserregend: die Zuschauerzahlen. Je nach Quelle und Rechenmodell sind 2018 bislang zwischen 5% und 7% weniger Besucher in die Ballparks gekommen als bis zum vergleichbaren Zeitpunkt im letzten Jahr.

Die Entwicklung ist vor allem deshalb erstaunlich, weil die Zahlen in diesem Jahrzehnt bislang ziemlich stabil waren. Ein Rückgang um 1,1% von 2015 auf 2016 war bereits die größte Schwankung in diesem Zeitraum. Sollte es bis Saisonende bei dem bisherigen Rückgang von 5% oder mehr bleiben, wäre das ein echter Erdrutsch. Erstmals seit 2003 könnten die Gesamtzahl der Stadionbesuche unter die Schwelle von 70 Millionen und der Zuschauerschnitt pro Spiel unter 28.000 fallen.

Es ist sicher noch zu früh, in Krisenstimmung zu verfallen, aber man kann und sollte sich zumindest fragen, woran es liegt, dass dieses Jahr so viel weniger Menschen die Ballparks besuchen. Zwei Gründe scheinen sich aufzudrängen: das Wetter und die gefühlt außergewöhnlich hohe Zahl von Teams, die die Jagd nach sportlichen Erfolgen auf kommende Jahre vertagt haben.

Tatsächlich war das Wetter dieses Jahr im April und bis in den Mai hinein außergewöhnlich schlecht, das heißt es hat häufiger geregnet und die Temperaturen waren niedriger als in der Jahreszeit üblich. Das gilt mehr oder weniger für die gesamten USA und ganz besonders für den Norden und den mittleren Westen. Der lange Winter führte zu einer Rekordzahl von Spielverlegungen, aber auch dazu, dass viele Spiele unter ungünstigen äußeren Bedingungen stattfanden und/oder bis kurz vor Beginn noch auf der Kippe standen. Dass unter solchen Umständen weniger Zuschauer in die Ballparks kommen als an sonnigen Frühlingstagen, ist logisch. Es reicht jedoch bei weitem nicht aus, einen Rückgang von rund 2 Millionen Zuschauern zu erklären; außerdem ist inzwischen das Wetter besser geworden, die Zuschauerzahlen aber nicht.

Somit kommt der zweite Erklärungsansatz ins Spiel: die sehr hohe Anzahl von Teams, die sich im Modus des Tanking, Rebuilding oder wie auch immer man es nennen möchte, befinden. Der Ansatz, sich für ein paar Jahre aus dem Konkurrenzkampf auszuklinken und sich Zeit für einen fundierten Neuaufbau mit jungen Spielern zu nehmen, ist in einem System ohne Auf- oder Abstiege zweifelsohne ein sinnvoller. Das unterstreichen nicht zuletzt die Erfolge der jüngsten World Champions Houston Astros und Chicago Cubs, die genau diesen Weg gegangen sind. Aktuell haben sie damit aber leider so viele Nachahmer gefunden, dass die Spannung der Liga merklich beeinträchtigt wird. Mindestens zehn Teams, also ein Drittel der MLB, sind dieses Jahr ganz bewusst nicht konkurrenzfähig. Fünf von ihnen stehen derzeit bei einer Siegquote von unter 40% – das sind so viele wie in den vergangenen drei Jahren zusammen.

In Toronto, Detroit, Kansas City, Süd-Chicago, Baltimore, Pittsburgh und anderen Städten mit Rebuilding-Teams sind die Zuschauerzahlen besonders massiv eingebrochen. Am krassesten zeigt sich die Auswirkung der absichtlichen Nicht-Wettbewerbsfähigkeit auf den Zuschauerzuspruch in Miami. Mit 10.267 Besuchern pro Heimspiel bilden die von der neuen Ownergruppe um Derek Jeter entkernten Marlins das Schlusslicht der Liga. Letztes Jahr, als man zwar auch nicht besonders erfolgreich, aber zumindest aufrichtig bemüht war und dabei Stars wie Giancarlo Stanton und Christian Yelich in die Arena schickte, wurden fast doppelt so viele Zuschauer gezählt. Man muss allerdings auch erwähnen, dass die Marlins vor der Saison angekündigt hatten, ab diesem Jahr ehrlicher zu zählen als bisher – ein Teil des extremen Rückgangs ist vermutlich dadurch erklärbar.

Natürlich lassen sich weitere potenzielle Gründe für die schwachen Zuschauerzahlen finden. Laufen die Länge und das Tempo der Spiele zu sehr dem Zeitgeist zuwider? Ist das Spiel langweiliger geworden durch die Zunahme von Strikeouts und Homeruns? Sitzt den Menschen das Geld nicht mehr so locker, um die hohen Eintrittspreise bezahlen? Bieten Fernsehen und Streaming inzwischen zu viele Möglichkeiten, die Spiele bequem auf dem Sofa zu verfolgen? Vermutlich spielt all das eine gewisse Rolle, doch ich bin relativ optimistisch, dass die Besucherzahlen sich erholen werden, sobald ein nennenswerter Teil der Rebuilding-Teams sich zurück im Konkurrenzkampf meldet.

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