MLB The Show 19: Zu kurz gesprungen

Eine neue MLB-Saison bedeutet immer auch eine neue Version von „MLB The Show“, der bekanntesten und verbreitetsten Videospielumsetzung des schönen Baseballsports. Das diese Woche erschienene „MLB The Show 19“ ist schon die vierzehnte Fassung des Spiels, das exklusiv für die Playstation 4 angeboten wird. Erwerben kann man es als Download im Playstation-Store zum Preis von 59,99 Euro oder als DVD bei diversen Online-Händlern. Neben der normalen gibt es auch eine teurere „MVP Edition“. Diese enthält ein höheres Startguthaben und weitere Extras für den Sammelmodus „Diamond Dynasty“; das eigentliche Spiel ist in beiden Editionen identisch.

Die grundlegenden Abläufe und Mechaniken des Spiels sind nach wie vor dieselben wie in der Vorgängerversion. Wenn The Show für euch komplettes Neuland ist, lest am besten in meinem Artikel zu The Show 18 den Abschnitt unter der Überschrift „Das Spielprinzip“. Dann kann ich mich hier auf die Neuerungen der 19er-Version beschränken.

Was das Gameplay angeht, so sind Fortschritte größtenteils in kosmetischen Details zu suchen – zum Beispiel in Form verbesserter Animationen im Feldspiel und in den Aktionen der Umpires sowie eines realistischeren Aussehens der Spieler. Oder sagen wir einiger Spieler, den manche haben immer noch erstaunlich wenig Ähnlichkeit mit sich selbst (Josh Donaldson ist mir in dieser Hinsicht als ein Negativbeispiel aufgefallen). Dass das Gameplay ansonsten weitgehend unverändert blieb, ist für mich keine schlechte Nachricht. Im Gegenteil, denn The Show ist in dieser Hinsicht schon seit Jahren die beste und ausgereifteste Sport-Simulation, die ich kenne. Insofern bin ich froh, dass man nicht auf die Idee gekommen ist, man müsste dringend etwas ändern, nur um etwas geändert zu haben.

Die spürbarsten Neuerungen von The Show 19 sind zwei neue Spielmodi. Der erste nennt sich „March to October“. Es handelt sich um eine Art Storymode, bei dem man in jedes der 30 Teams schlüpfen und mit ihm versuchen kann, die World Series 2019 zu gewinnen. Gespielt werden bestimmte Highlights der Saison. Meistens steuert man das ganze Team in den Schlussphasen für die Story ausgewählter Spiele, manchmal aber auch nur einen einzelnen Spieler für ein ganzes Spiel. Die Ergebnisse, die man dabei erzielt, wirken sich auf den weiteren Saisonverlauf aus, zum Beispiel indem das Team durch einen Comeback-Win Selbstvertrauen tankt oder durch eine bittere Niederlage frustriert wird.

Der Bildschirm für die Teamauswahl im Modus „March to October“.

Mir gefällt die Grundidee dieses Modus sehr gut und er hat mich in den paar Tagen, seit ich The Show 19 spiele, bisher am meisten gefesselt. Leider stört eines ganz gewaltig und das sind die unrealistischen Roster. Nehmen wir zum Beispiel die New York Mets: Aus unerfindlichen Gründen sind Brandon Nimmo und Amed Rosario – beide waren schon letztes Jahr etablierte Stammspieler und sind es nach wie vor – nicht dabei. Einziger Shortstop im Kader ist Adeiny Hechavarria, der bei den echten Mets nur Füllmaterial in der Minor League ist. In den Spielen stellt die KI meistens Jed Lowrie positionsfremd als Shortstop auf. Im Outfield spielt Yoenis Cespedes vom Opening Day an, weil Verletzungen in dem Modus nicht berücksichtigt werden. Und offenbar werden die Roster für diesen Modus, im Gegensatz zu jenen für Einzelspiele oder Franchises, während der Saison nicht aktualisiert. Das heißt auch, dass junge Spieler wie Pete Alonso, Eloy Jimenz, Fernando Tatis Jr. oder Vlad Guerrero Jr. in dem Modus keine Berücksichtigung finden werden. Denn The Show hat nach wie vor keine Lizenz, die echten Namen von Minor-League-Spielern zu verwenden; deshalb können die Genannten erst nach ihrem ersten MLB-Einsatz über Roster-Updates eingepflegt werden, welche es wie gesagt für „March to October“ nicht gibt.

Der andere neue Modus heißt „Moments“. Hier geht es darum, historische Momente in der Geschichte der Liga nachzuspielen. Auch das ist von der Idee her eine schöne Sache, die Umsetzung leidet jedoch noch stärker als die von „March to October“ unter nicht stimmigen Details. Die Stadien passen nicht zum historischen Setting, die Uniformen stimmen ebenso wenig wie die Roster. So vermag sich das nostalgische Feeling, das dieser Modus vermitteln soll, nie so richtig einzustellen.

Alles in allem kann ich nichts anderes behaupten als dass The Show 19 mich ein bisschen enttäuscht. Es ist – das hört sich jetzt vielleicht widersprüchlich zur eben getätigten Aussage an – ein hervorragendes Spiel. Ich werde es genau wie seine Vorgängerversionen häufig spielen, ich werde Spaß daran haben und ich werde jedem, der nach meinem Rat fragt, den Kauf empfehlen. Trotzdem bleibt das ärgerliche Gefühl zurück, das man bei den Neu- und Weiterentwicklungen gegenüber The Show 18 zu oft ein kleines, aber entscheidendes Stück zu kurz gesprungen ist.

Dass Bryce Harper dieses Jahr das Cover zieren würde, stand seit Monaten fest – unklar war aber lange, welches Trikot er tragen würde.

Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller Sony zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

März 31st, 2019 by