Spieltipp: MLB The Show 20

Ob und wann es eine MLB-Saison 2020 geben wird, steht leider in den Sternen. Unter diesen Umständen ist das Videospiel MLB The Show auf absehbare Zeit wohl die beste verfügbare Annäherung an Live-Baseball. Seit dieser Woche ist die aktuelle Version des Sony-Spiels verfügbar. The Show 20 ist wie seine Vorgänger ein Exklusivtitel für die Playstation 4. Das soll sich übrigens nächstes Jahr ändern – nicht nur, weil bis dahin die Playstation 5 auf dem Markt sein wird, sondern auch weil Sony plant, MLB The Show 21 auf weiteren Plattformen zu veröffentlichen. Besitzer einer Nintendo Switch oder einer Xbox können sich schon mal darauf freuen.

The Show 20 wird man in Deutschland in kaum einem Geschäft finden, aber im Online-Handel bekommt man es problemlos. Noch schneller und einfacher geht es per Download über den Playstation-Store. Erhältlich ist es dort in der Standardversion (zurzeit 49,99 Euro), als MVP Edition (69,99 Euro) sowie als Digital Deluxe Edition (99,99 Euro). Das eigentliche Spiel ist in allen Ausgaben dasselbe. Die beiden teureren Editionen heben sich durch diverse Extras (Packs, Boni, Avatare, Guthaben) für den Sammelmodus „Diamond Dynasty“ ab.

Eines vorweg: Das Prinzip und die Grundfunktionen des Spiels sind nach wie vor dieselben wie in den Vorgängerversionen. Wenn The Show für euch komplettes Neuland ist, lest am besten zunächst in meinem zwei Jahre alten Artikel zu The Show 18 den Abschnitt unter der Überschrift „Das Spielprinzip“. Im vorliegenden Artikel konzentriere ich mich darauf, was sich in der 20er-Version geändert hat.

Das ist neu
Wirkliche Neuerungen sind in The Show 20 eher rar gesät, aber es gibt sie. Zu erwähnen ist vor allem, dass zum ersten Mal die Minor-League-Spieler zumindest der AA- und AAA-Ligen unter ihren realen Namen mit von der Partie sind. Das ist in meinen Augen ein deutlicher Fortschritt, denn so kann man sich endlich auf die „echten“ Prospects seines Teams freuen, statt mit zufällig generierten Nachrückern Vorlieb nehmen zu müssen.

Neu ist zudem der Custom-League-Modus. Dahinter steckt das, was der Name sagt: die Möglichkeit, eine eigene Liga zu erstellen, mit variabler Größe, Inningszahl usw. In so einer Ligen kann man entweder mit einem MLB-Team oder einem Diamond-Dynasty-Team online gegen andere Spieler antreten. In mancherlei Hinsicht schöpft der neue Modus sein Potenzial leider nicht aus. Das Team-Management in den Custom Leagues ist auf ein Minimum beschränkt und kann bei weitem nicht mit dem auf Einzelspieler beschränkten Franchise-Modus mithalten.

Das ist besser geworden
Revolutionär Neues gibt es also kaum, aber man muss der aktuellen Ausgabe von The Show attestieren, dass sie quasi durchweg in allen Bereichen ein bisschen schöner und besser geworden ist. Die Spieler-, Ballpark–und sonstigen Grafiken und Animationen sehen noch ein Stück realistischer aus. Die Mechaniken haben vor allem beim Fielding noch mal deutliche Fortschritte gemacht.

In Road To The Show, der Simulation einer Spielerkarriere, wurde neu eingeführt, dass man Beziehungen zu den Teamkameraden aufbauen und pflegen kann, welche sich auf das Zusammenspiel auswirken. Das klingt allerdings etwas spektakulärer als es im Spiel tatsächlich ist. Im Franchise-Modus wurden die Anpassungsmöglichkeiten deutlich erweitert, zum Beispiel kann man jetzt Teams umbenennen und in andere Städte verlegen. Der im letzten Jahr neu eingeführte Modus March to October, in dem man sein Team durch die herausragenden Momente einer Saison führt, enthält nun auch Trades und Call-ups aus den Minor Leagues. Im Reward-Modus Diamond Dynasty gibt es die neue Herausforderung Showdown, in der man diverse Challenges zu erfüllen hat und dafür mit Teamverbesserungen belohnt wird.

Das ist noch nicht optimal
Für zukünftige Weiterentwicklungen steht ganz oben auf meiner Wunschliste die Integration der vollständigen Minor Leagues. Dass seit diesem Jahr die AAA- und AA-Spieler dabei sind, ist ein erfreulicher erster Schritt, dem hoffentlich weitere folgen.

Als störend empfinde ich bei The Show 20 wie schon in den Vorversionen, dass die voreingestellten Roster teilweise unrealistisch sind. In nahezu jedem Team finden sich bei näherer Betrachtung Spieler, die im MLB-Roster wenig verloren haben, während andere fehlen – Gavin Lux von den Los Angeles Dodgers zum Beispiel wurde offenbar komplett vergessen.

Was ich unter all den vielen Anpassungs- und Einstellungsmöglichkeiten vermisse, ist vor allem die Option, einen eigenen Ballpark zu designen. Außerdem fände ich gut, wenn man im Franchise-Modus ein Team nicht nur umbenennen, sondern es in einer Expansion-Draft komplett neu zusammenstellen könnte.

Ein letzter Kritikpunkt noch: Der TV-Kommentar wurde nach meiner Wahrnehmung gegenüber The Show 19 wenig bis gar nicht geändert, man hört dieselben Sprüche wie im letzten Jahr. Das ist auf Dauer ein bisschen öde.

Fazit
Es ist immer noch Luft nach oben und zumindest für Gelegenheitsspieler stellt sich die berechtigte Frage, ob das Ausmaß der Weiterentwicklungen von The Show rechtfertigt, dass man sich jedes Jahr die neueste Version kauft. Offen gestanden verpasst man nicht viel, wenn man sich nur jede zweite oder dritte Fassung zulegt. Aber das ist bei so ziemlich jeder der großen Sportsimulationen wie Fifa, Madden, NBA oder NHL der Fall. Festzuhalten ist in jedem Fall, dass MLB The Show 20 die mit Abstand beste Baseballsimulation auf dem Markt ist und sich die Anschaffung ganz sicher lohnt – in diesem außergewöhnlichen Jahr, in dem die echten Ballparks noch lange leer bleiben und wir alle so viel wie möglich zu Hause bleiben sollen, vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst.

Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller Sony zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

März 21st, 2020 by