Spieltipp: MLB The Show 21

Alle Jahre wieder stellen viele videospielinteressierte Baseballfans (oder baseballinteressierte Videospieler) sich dieselbe Frage: Lohnt es sich, die neue Version von MLB The Show zu kaufen? In diesem Jahr können vermutlich einige Gamer mehr als sonst diese Frage problemlos mit ja beantworten. Denn wenn man Besitzer einer Xbox One oder Xbox Series X/S ist, dann hat man nun erstmals die Chance, die bislang PS-exklusive Baseballsimulation auf der Microsoft-Konsole zu spielen. Auch wenn man zu den Glücklichen gehört, die bereits eine Playstation 5 ergattern konnten, bietet The Show 21 mit besseren Grafiken und Ladezeiten sowie dem nur auf Next-Gen-Konsolen verfügbaren neuen Ballpark Creator einige Kaufanreize. Ist man hingegen – so wie ich – nach wie vor auf der PS4 unterwegs, so kann man durchaus geteilter Meinung sein, ob die jährliche Neuanschaffung sich lohnt.

Im Wesentlichen haben wir es seit Jahren mit demselben Spiel zu tun. Das ist nichts Schlechtes, denn MLB The Show ist und bleibt eine der besten Baseball- und Sportsimulationen überhaupt. Wenn The Show für euch komplettes Neuland ist, lest am besten zunächst in meinem drei Jahre alten Artikel zu The Show 18 den Abschnitt unter der Überschrift „Das Spielprinzip“.

Wirkliche Neuerungen in der 21-Version muss man leider regelrecht mit der Lupe suchen. Die Optik der Spieler und Aktionen wurde etwas weiterentwickelt, was auf der PS4 schon sichtbar ist und auf den Next-Gen-Konsolen sicher noch deutlicher hervorsticht. Zudem wird ein neues Pitching-Interface angeboten, das sogenannte Pinpoint Pitching. Es basiert darauf, dass man vor jedem Pitch mit dem rechten Analogstick ein Muster nachzeichnet. Je besser das gelingt, umso genauer wird der Pitch. Ich finde die Idee ganz nett, bin nach meinen ersten Versuchen aber froh, dass auch die bewährten Interfaces wie Meter und Pulse nach wie vor zur Verfügung stehen.

Die Spielmodi sind dieselben wie bisher: die Spielerkarriere in „Road To The Show“, die Saison-Highlights mit einem Team in „March To October“, der Sammelkartenmodus „Diamond Dynasty“ mit seinen diversen Challenges, der klassische Franchise-Modus und natürlich die Möglichkeit, Einzelspiele, Home-Run-Derbys und Practice-Drills zu absolvieren. Ich habe alle Modi kurz angespielt, und bei jedem davon hat sich mein zwiespältiger Eindruck von The Show 21 etwas mehr verfestigt: Das Spiel macht Spaß und wartet mit dem einen oder anderen kosmetischen Update auf, aber die offensichtlichen Potenziale für echte Verbesserungen bleiben auch dieses Jahr wieder ungenutzt.

Die sichtbarsten Neuerungen gibt es in Road To The Show (RTTS). Ich kann meinen Spieler nun als 2-Way-Player anlegen, seine Karriere wird regelmäßig in Videoeinspielern von MLB-Reportern und -Analysten kommentiert und ich habe die Möglichkeit, den Spieler in meine Diamond Dynasty zu überführen. Das ist ganz nett, aber was ich mir eigentlich gewünscht hätte, wäre ein weniger halbherziger Storymode und vor allem ein realistischer Karrierestart in den unteren Minor Leagues. Eine RTTS-Laufbahn beginnt nach wie vor mit der Draft, und direkt im Anschluss daran ist man schon im AA-Team, weil die unteren Minors nach wie vor nicht im Spiel enthalten sind. Zudem enthalten die vorhandenen AAA- und AA-Ligen zwar seit letztem Jahr die echten Spielernamen, aber keine echten Ballparks.

Apropos echte Ballparks: Dieser Punkt stört mich nicht nur in den Minor Leagues, sondern noch viel mehr in den historischen Settings, die man unter anderem in den „Moments“ der Diamond Dynasty vorfindet. Man soll dort, um sich Belohnungen zu verdienen, bestimmte Spiele oder Momente aus der MLB-Geschichte wiederholen. Das Feeling, mit dem legendären Willie Mays gegen die Montreal Expos anzutreten, wird leider stark beeinträchtigt, wenn das Ganze im heutigen Ballpark des Expos-Nachfolgeklubs Washington Nationals stattfindet und außer Mays sämtliche beteiligten Spieler den aktuellen Kadern der Giants und Nationals entstammen.

Ein weiterer Punkt, bei dem The Show 21 die Unzulänglichkeiten der Vorgänger nicht abgestellt hat, ist die Aktualität der Roster. Die kann man zwar für Einzelspiele oder den Franchise-Modus auf den aktuellen Stand bringen, aber zum Beispiel in „March to October“ sind die Roster unveränderlich festgelegt und an manchen Stellen völlig unrealistisch. Ich habe aus naheliegenden Gründen testweise ein Spiel mit den Padres begonnen und festgestellt, dass zum Beispiel Ha-Seong Kim komplett fehlt. Stattdessen ist Nick Tanielu im Kader – ein Minor Leaguer, der in der Realität nie eine nennenswerte Chance hatte, es in den MLB-Kader zu schaffen. So etwas darf einem Spiel, das drei Wochen nach Saisonstart erscheint, schlichtweg nicht passieren – zumal der Modus offensichtlich nicht vor Beginn der Saison eingefroren wurde, was man daran sieht, dass der No-Hitter von Joe Musgrove bereits in die Storyline eingebunden wurde.

Mein Fazit habe ich weitgehend vorweggenommen: Wenn ihr auf eurer Konsole noch keine Version von MLB The Show besitzt, gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung. Gelegenheitsspieler, die The Show 19 oder 20 besitzen, können ruhigen Gewissens darauf verzichten, sich jedes Jahr die neueste Version zuzulegen.

MLB The Show 21 ist ab heute im Online-Handel in verschiedenen Disc- und Downloadversionen erhältlich. Das eigentliche Spiel ist in allen Ausgaben dasselbe. Die teureren Editionen heben sich vom Standard durch diverse Extras wie virtuelle Card-Packs und In-Game-Guthaben für „Diamond Dynasty“ sowie im Fall der Jackie Robinson Deluxe Edition durch eine beigelegte Baseballkappe ab.

Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller Sony zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

April 20th, 2021 by