Von Base Paths, Running Lanes und Coach’s Boxes

Heute betreibe ich ein bisschen Regelkunde zum Baserunning und Basecoaching. Auf die Idee gebracht hat mich Leser Calvero im Zuge meines Offseason-Wunschkonzerts. Seine meiner Ansicht nach sehr interessanten Fragen machen sich fest an Spiel 6 der World Series. Dort gab es zum einen die folgende Szene im siebten Inning:

Trea Turner wurde hier von den Umpires als out erklärt, weil er den defensiven Spielzug des gegnerischen Teams behindert habe. Es gab um diese Entscheidung sowohl während des Spiels als auch danach intensive Diskussionen. Zuerst hieß es, Turner sei deshalb ausgegeben worden, weil er innerhalb der Foullinie – und somit außerhalb der Running Lane – gerannt sei. Später stellte Liga-Funktionär Joe Torre klar, dass es bei der Entscheidung nicht allein um Turners Laufweg gegangen sei, sondern darum, dass er den First Baseman beim Catch behindert habe, als er beim Schritt auf die Base mit dessen Handschuh kollidierte. Turner selbst berief sich darauf, den direkten Base Path zwischen der Home Plate und der ersten Base gewählt zu haben.

Schauen wir uns die beiden Begriffe, mit denen argumentiert wird, näher an, basierend auf den Regeln der MLB.

Base Path: Der Base Path laut Regel 5.09(b)1 ist keine gemalte Linie, sondern der jeweilige direkte Weg des Runners zur Zielbase. Zu beachten ist, dass es einen Base Path nur dann gibt, wenn ein Verteidiger versucht, den Runner zu taggen. Solange kein Tag-Versuch stattfindet, kann der Runner seinen Laufweg frei wählen – ein Base Path existiert nicht. Während des Tag-Versuchs hingegen darf der Runner nicht weiter als drei Fuß (91cm) vom Base Path abweichen, um dem Tag zu entgehen. Entfernt er sich in so einer Situation nach Ermessen des Umpires zu weit vom Base Path, so ist der Runner out.

Running Lane: Eine Besonderheit stellt der Weg von der Homeplate zur ersten Base dar, genauer gesagt die zweite Hälfte dieses Weges. Dort ist die sogenannte Running Lane eingezeichnet. Sie wird in Regel 5.09(a)11 defniert als der Streifen zwischen der Foullinie und der drei Fuß rechts davon aufgemalten Three-Foot-Line (die Linien selbst zählen ebenfalls mit zur Running Lane). Als Runner ist man nicht verpflichtet, innerhalb der Running Lane zu laufen; aber wenn man es nicht tut und nach Urteil des Umpires dabei den Verteidiger an der ersten Base beim Fangen des Ball behindert, dann kann man als out erklärt werden.

Ob die oben erwähnte Szene mit Trea Turner unter diese Regel fällt, ist eine Ermessensentscheidung. Fakt ist, dass Turner seinen gesamten Weg links von der Foullinie, also außerhalb der Running Lane, zurück gelegt hat. Fakt ist auch, dass er sich an der Base mit Yuli Gurriel ins Gehege kam und der dabei den Handschuh verlor. Für den Umpire war das in dem Moment Grund genug, auf out zu entscheiden – eine harte, aber innerhalb des von den Regeln eingeräumten Spielraums liegende Entscheidung.

Zu Calveros zweiter Frage habe ich leider kein Video gefunden. Hier ist seine Beschreibung der Szene:

Die andere Situation die mir aufgefallen ist, war an der 3. Base. Da hat der Astros 3rd-Basecoach den Runner fast körperlich aufgehalten, zur Home durchzulaufen. Auf jeden Fall war er weit weit weg von dem aufgemalten Bereich, in dem er stehen soll. Gilt der nicht? Es gab eine Challenge, in der wohl nur nachgeschaut wurde, ob er den Runner berührt hat. Nach der Logik könnte er also überall stehen, wenn er niemanden behindert?

Tatsächlich sind die Regeln in diesem Fall recht großzügig. Eine Interference unter Beteiligung des Base Coaches ist nur in zwei Fällen vorgesehen. Der erste Fall ist in Regel 6.01(a)9 beschrieben: Der Coach verlässt seine Box, um einen Fielder zu einem Wurf zu bewegen. Das kann man sich am ehesten in Form eines schlitzohrigen Coaches vorstellen, der dem Pitcher oder einem anderen gegnerischen Spieler signalisiert, dass er ihm den Ball zuwerfen soll, weil er ihn angeblich überprüfen möchte. Wenn der Spieler darauf reinfällt, lässt der Coach den Ball an sich vorbei fliegen und schickt seinen Runner von der dritten Base nach Hause. Regel 6.01(a)9 verhindert diesen Trick – sie gilt allerdings ausdrücklich nur für den Fall, dass ein Runner an der dritten Base vorhanden ist.

Der zweite Fall einer Interference durch den Coach kommt der oben beschriebenen Situation deutlich näher: Nach Regel 6.01(a)8 ist ein Runner an der ersten oder dritten Base out zu geben, wenn der Base Coach ihn nach Ermessen des Umpires durch Berühren oder Festhalten körperlich dabei unterstützt, die Base zu verlassen oder zu ihr zurück zu kehren. Die entscheidenden Wörter sind hier „Berühren“, „Festhalten“ und „körperlich“ – nur im Weg zu stehen oder irgendwo außerhalb der Box herumzutänzeln genügt nicht, um eine Konsequenz zu verursachen; und selbst wenn eine Berührung vorliegt, ist es noch Ermessenssache des Schiedsrichters, ob der Runner dadurch unterstützt wurde oder nicht.

Was Interference-Entscheidungen betrifft, kann der Base Coach somit tatsächlich stehen wo er will. Allerdings gibt es da noch Regel 5.03(c), laut der sich die Base Coaches – von bestimmten Ausnahmesituationen abgesehen – in der eingezeichneten Coach’s Box aufzuhalten haben. Verstoßen sie dagegen, so kann sie der Umpire auf Antrag des gegnerischen Teams erst verwarnen und dann falls nötig des Feldes verweisen.

November 26th, 2019 by