Sehen wir gerade den besten und den schlechtesten Baseballer aller Zeiten?

Es ist an der Zeit, Mike Trout und der großartigen Saison, die er gerade spielt, hier mal einen eigenen Artikel zu widmen. Der Mann ist so unglaublich gut, dass er möglicherweise auf dem Weg zur besten Saison eines MLB-Spielers aller Zeiten ist. Nach über 170 Jahren Major League Baseball, in denen fast 20.000 Spieler mehr als 16 Millionen Plate Appearances absolvierten, könnte das Jahr 2018 kurioserweise gleich doppelt historisch werden, denn auch auf der anderen Seite des in der Liga gebotenen Leistungsspektrums tut sich Erstaunliches. Aber dazu später mehr.

Mike Trout ist erst 26, blickt aber bereits auf 1004 MLB-Spiele zurück und wurde 2014 und 2016 als wertvollster Spieler der American League ausgezeichnet. Zwei MVP-Titel wären für die meisten anderen Spieler ein großartiger Eintrag auf der Visitenkarte, aber Trout ist damit eher noch unterbewertet. Schließlich führte er die Liga von 2012 bis 2016 in jedem Jahr in Wins Above Replacement (WAR) an. Auch 2017 war er in der Spitzengruppe dabei, obwohl er rund ein Viertel der Saisonspiele verletzungsbedingt verpasste. Zur Erinnerung: WAR sagt aus, wie viele zusätzliche Siege ein Spieler seinem Team einbringt im Vergleich mit einem Spieler auf Replacement Level, also einem problemlos verfügbaren Ersatzmann vom freien Markt oder aus der Minor League. Eine nähere Erläuterung dieser Statistik kann man in einem Artikel nachlesen, den ich vor zwei Jahren ebenfalls über Mike Trout geschrieben habe. Der Einfachheit halber beziehe ich mich hier durchweg auf die WAR-Version von Baseball-Reference, oft auch als bWAR abgekürzt.

Im laufenden Jahr hat Trout bislang keines der 79 Spiele seiner Los Angeles Angels ausgelassen und dabei schier unglaubliche Werte produziert. Seine Slashline von .325/.461/.657 und die daraus resultierende OPS von 1.118 führen ebenso die MLB an wie seine 23 Homeruns. Um das Paket komplett zu machen, hat Trout auch schon 13 Bases gestohlen und im Outfield mit einer makellosen Fielding Percentage sowie 2.9 UZR überzeugt. Zurzeit ist er etwas angeschlagen und läuft deshalb seit einer Woche nur als Designated Hitter auf.

Rechnet man die 6.6 WAR, die Trout seinem Klub bislang (Stand nach 78 Spielen) eingebracht hat, auf die ganze Saison hoch, kommt man auf eine Prognose von 13.7 WAR für das gesamte Jahr 2018. Das wäre Platz zwei in der Allzeit-Rangliste, direkt zwischen den Saisons 1923 und 1921 von Babe Ruth mit 14.1 bzw. 12.9 WAR. Man muss sich das mal vor Augen führen: Wir reden hier von Babe Ruth und Mike Trout und haben im Hinterkopf all die anderen großen Namen wie Barry Bonds, Mickey Mantle, Willie Mays, Ted Williams, Hank Aaron, Lou Gehrig, Ty Cobb und so weiter und so fort. Außer Ruth kann man jeden einzelnen von ihnen nehmen, seine beste Saison auf dem absoluten Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit anschauen – und jedes Mal feststellen, dass Mike Trout gerade eine bessere Saison spielt.

Genug der Huldigungen. Ich hatte ja eingangs versprochen, auch einen Blick auf die andere Seite des Leistungsspektrums zu werfen, das uns in der MLB geboten wird. Während Mike Trout eine der besten, wenn nicht sogar die beste Saison der MLB-Geschichte spielt, könnte gleichzeitig die von Chris Davis von den Baltimore Orioles eine der schlechtesten, wenn nicht sogar die schlechteste werden. Davis hat in seiner Karriere ebenfalls beachtliche Leistungen gebracht, ihr Highlight war eine Saison mit 53 Homeruns im Jahr 2013. Davon ist die 2018-Version von Chris Davis leider weit entfernt: In bislang 61 Spielen schlägt er .149/.230/.239 mit nur 5 Homeruns und 93 Strikeouts. Mit -2.3 WAR (Stand nach 60 Spielen) hat er seinem Team bisher deutlich mehr geschadet als genutzt. Normalerweise findet man sich bei solchen Werten recht schnell in den Minor Leagues oder auf dem freien Markt wieder, doch das Problem für die Orioles ist, dass der 32-Jährige sich in der dritten Saison eines Sieben-Jahres-Vertrags über 161 Millionen Dollar befindet. Deswegen und weil es für die Orioles ohnehin schon lange um nichts mehr geht, lässt man Davis weiterspielen in der Hoffnung, dass er irgendwann doch noch die Kurve kriegt und man für ihn irgendeinen Gegenwert herausholen kann. Dass man auf dem Großteil des ihm zustehenden Gehalts sitzen bleiben wird, ist den Orioles natürlich längst klar.

Um auch hier die Methode der Hochrechnung zu bemühen, die in Davis‘ Fall natürlich auf noch etwas wackligeren Füßen steht als bei Trout: Wenn Chris Davis den Rest des Jahres so oft und so schlecht weiter spielt wie bisher, wird er bei -4.8 WAR landen. Das wäre dann tatsächlich die schlechteste Saison der MLB-Geschichte. Bislang kommt diese zweifelhafte Ehre Jerry Royster zu, der 1977 für die Atlanta Braves -4.0 WAR produzierte.

Juni 26th, 2018 by