Die Wild-Card-Runde 2016

Irgendwie ist es schon seltsam, dass man sich 162 Spiele lang abrackert, um an einem einzigen Spiel teilzunehmen, bei dem der Verlierer direkt ausscheidet. Baseball ist grundsätzlich auf Serien ausgelegt und darauf, den längeren Atem zu beweisen. Dass man auch mal zwei Spiele gewinnen oder verlieren und das Ruder dann trotzdem noch herumgerissen werden kann, macht in meinen Augen einen Teil des Reizes der Playoffs aus. Deshalb bin ich kein Freund des aktuellen Wild-Card-Modus, dass sich zwei Teams für ein One-Game-Playoff qualifizieren, in dem es für beide um Alles oder Nichts geht.

Das wollte ich nur kurz mal loswerden, aber der Modus ist nunmal so wie er ist und natürlich bin ich auch froh, dass unter anderen meinen Mets überhaupt trotz des deutlich verpassten Divisionssieges noch ein Weg durch die Postseason offen steht.

Toronto Blue Jays – Baltimore Orioles
Dienstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit macht die American League den Anfang mit dem Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Baltimore Orioles. Da beide Teams aus der über weite Strecken der Saison heiß umkämpften AL East kommen, kennen sie sich bereits in- und auswendig. In den 19 Spielen, die sie dieses Jahr gegeinander absolviert haben, gewannen zehnmal die Blue Jays und neunmal die Orioles, von den Spielen in Toronto gingen sechs für die Blue Jays aus und vier für die Orioles. Beide haben identische Bilanzen von 89-73 in der Gesamtsaison und 11-9 in den letzten 20 Spielen.

Die Blue Jays gehen für mich als leichter Favorit in das Spiel. Dafür spricht neben dem Heimvorteil das deutlich günstigere Run Differential von Toronto (+93 gegenüber +29), welches seine Ursache vor allem im besseren Starting Pitching der Blue Jays hat. Deren Starter brachten es während der Saison auf einen ERA von 3.64 und damit Rang 1 in der AL, die der Orioles hingegen nur auf 4.72 und Platz neun. Andererseits haben die Orioles mit Zach Britton (47/47 Saves, 0.54 ERA) den wohl besten Reliever der Liga in ihren Reihen. In der Offense nehmen die Teams sich kaum etwas, sie haben ungefähr gleich viele Runs erzielt und gehören beide zu den homerunfreudigsten Mannschaften der Liga.

Ihren besten Starter haben die Blue Jays mit Aaron Sanchez bereits für das letzte Regular-Season-Spiel verbraucht, daher wird Marcus Stroman (4.37 ERA, 3.71 FIP) starten und sich Chris Tillman (3.77 ERA, 4.23 FIP) gegenüber sehen. Je nachdem, ob man eher an ERA oder an FIP glaubt, ist der eine oder der andere Pitcher im Vorteil. Stroman sah dieses Jahr gegen die Orioles nicht besonders gut aus (4 Starts, 23 IP, 18 ER, 7.04 ERA), Chris Tillman gegen die Blue Jays hingegen ganz ordentlich (4 Starts, 22.1 IP, 9 ER, 3.63 ERA).

New York Mets – San Francisco Giants
Das Wild-Card-Spiel der National League folgt Mittwochnacht, ebenfalls um 2:08 Uhr unserer Zeit. Mit den New York Mets und den San Francisco Giants treffen auch hier zwei Teams mit einigen Gemeinsamkeiten aufeinander. Beide leben vor allem von starkem Pitching, welches aus dem unterdurchschnittlichen Scoring der jeweiligen Offense positive Bilanzen gezaubert hat. Beide landeten am Ende bei 87-75, allerdings mit sehr unterschiedlichem Saisonverlauf: Die Giants waren bis zum All-Star-Break das erfolgreichste Team der Liga, danach hingegen das zweitschlechteste. Mit vier Siegen zum Abschluss haben sie gerade noch die Kurve bekommen, um die Playoffteilnahme nicht zu verspielen. Die Mets hingegen standen am 15. August noch bei 59-59 und hatten die Saison schon fast als Misserfolg abgehakt, bevor sie einen siebenwöchigen Endspurt hinlegen, während dem ihre 28-16-Bilanz nur von den Chicago Cubs übertroffen wurde. Im direkten Vergleich haben die Mets dieses Jahr gegen die Giants vier Spiele gewonnen und drei verloren.

Das Pitcherduell am Mittwoch lässt das Herz jedes Baseballfans höher schlagen: Noah Syndergaard wird auf Madison Bumgarner treffen. Nach ERA sind das mit 2.60 respektive 2.74 die beiden besten Pitcher, die nicht bei den Cubs spielen. Nach anderen Werten (2.29 FIP, 6.5 fWAR) ist Syndergaard sogar der beste Pitcher der Liga und Bumgarner (3.24 FIP, 4.9 fWAR) zumindest in den Top-10. Bei früheren Aufeinandertreffen der Mets und der Giants in diesem Jahr sahen sowohl Bumgarner (2 Starts, 11 IP, 4 ER, 3.27 ERA) als auch Syndergaard (2 Starts, 13.2 IP, 4 ER, 2.63 ERA) gut aus.

Ich halte auch in diesem Spiel das Heimteam für leicht favorisiert, aber da spielt zugegebenermaßen die Fanbrille eine gewisse Rolle. Ich sehe jedenfalls einer langen Nacht von Mittwoch auf Donnerstag entgegen, denn das wird eines der Spiele, bei denen für mich eine Aufzeichnung oder gar Zusammenfassung keine Alternative zur Liveübertragung darstellt.

Oktober 3rd, 2016 by