World Series 2019: Astros vs. Nationals im 1:1-Vergleich

Für die Houston Astros und die Washington Nationals ist der große Tag gekommen: Heute Nacht beginnt die World Series. Die Rollen sind in diesem Jahr klar verteilt: Die Astros waren mit 107 Siegen und einem Run Differential von +280 das stärkste Team der regulären MLB-Saison. Die Nationals haben mit 93 Siegen und +149 Runs zwar ebenfalls ein starkes Jahr gespielt, aber eben bei weitem kein so überragendes wie der Gegner. Nach katastrophalem Start und einer fulminanten Aufholjagd sind sie nur durch die Hintertür, sprich mit einer Wild Card, überhaupt in die Playoffs gekommen. Sie gehen als klarer Außenseiter in die Finalserie, doch das sind sie schon gewohnt: Sowohl in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers als auch in der NLCS gegen die St. Louis Cardinals traten die Nationals bereits als vermeintlicher Underdog an und triumphierten am Ende doch.

Die äußeren Faktoren halten sich ziemlich die Waage: Die Astros haben wegen ihrer besseren Bilanz aus der regulären Saison das günstigere Heimrecht (Spiele eins, zwei, sechs und sieben). Dafür gehen die Nationals ausgeruhter in die Endspiele, für die sie das Ticket bereits letzten Dienstag gebucht haben, während die Astros sich noch bis Samstagnacht mit den Yankees herumschlagen mussten.

Um ein besseres Bild über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten zu bekommen, gehe ich Position für Position durch:

Starting Rotation
Beide Teams haben hier ihre herausragende Stärke. Die Trios aus Justin Verlander, Gerrit Cole und Zack Greinke (Astros) sowie aus Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin (Nationals) sind die besten im Baseball. Ich sehe im Vergleich dieser dreiköpfigen Monster die Astros hauchdünn vorn. Anders sieht es aus beim Blick auf die Nummer vier der Rotationen. Die Nationals gehen mit Anibal Sanchez ins Rennen, der eine sehr solide Saison und eine noch bessere bisherige Postseason (nur ein Run in 12.2 Innings) abgeliefert hat. Den Astros fehlt ein verlässlicher vierter Starter, deswegen haben sie bereits Spiel 6 der ALCS als Bullpen-Game absolviert.
Unentschieden

Bullpen
Der Bullpen der Nationals  war in der regulären Saison die Achillesferse des Teams. Mit einem ERA von 5.68 war er der schlechteste der NL und zweitschlechteste der gesamten MLB (nach den Orioles mit 5.79). In den Playoffs konnte dieser Schwachpunkt bisher überspielt werden, allerdings auf Kosten eines sehr intensiven Einsatzes der Starter und der beiden Top-Reliever Daniel Hudson und Sean Doolittle. Sollte der Bullpen in der World Series stärker gefordert werden, kann dieses Gebäude schnell zusammen brechen. Die Astros sind hier deutlich breiter aufgestellt mit Roberto Osuna, Will Harris, Joe Smith und allen voran Ryan Pressly.
Vorteil Astros

Catcher
Robinson Chirinos (Astros) und Kurt Suzuki (Nationals) sind solide offensive Catcher. Chirinos bringt allerdings das deutlich bessere Defensivspiel mit und hat in Martin Maldonado einen soliden Backup. Die Nationals hingegen stehen täglich vor der Entscheidung, ob man Suzukis defensive Schwächen in Kauf nimmt oder stattdessen Yan Gomes aufstellt, der ein besserer Catcher, aber ein schwächerer Schlagmann ist.
Vorteil Astros

First Base
Ryan Zimmerman ist ein Urgestein der Nationals, doch die Leistungen des 35-Jährigen in seiner möglicherweise letzten Saison sind längst nicht mehr das, was sie mal waren. Dass Alter kein verlässliches Kriterium zur Leistungsvorhersage ist, beweist Zimmermans Gegenüber Yuli Gurriel: Er ist ebenfalls 35, spielt aber gerade die beste Saison seines Lebens.
Vorteil Astros

Second Base
Mit Brian Dozier oder Howie Kendrick ist die Position bei den Nationals solide besetzt, aber hier müssen wir uns nicht lange mit Erklärungen und Analysen aufhalten angesichts der Tatsache, dass für die Astros der großartige José Altuve spielt.
Vorteil Astros

Shortstop
Auf den ersten Blick ein interessantes Matchup zwischen Carlos Correa (Astros) und Trea Turner (Nationals), denn beide gehören offensiv zu den besseren Shortstops der Liga. Vergleichbare On-Base-Kompetenzen, etwas mehr Power von Correa, dafür stärkeres Baserunning von Turner könnten auf ein Unentschieden hinauslaufen. Doch wir reden von einer der wichtigsten Feldpositionen in der Defensive und in dieser Hinsicht hat Correa klar die Nase vorn.
Vorteil Astros

Third Base
Abgesehen von den Starting Rotations findet sich an der dritten Base das hochkarätigste Matchup. Anthony Rendon für die Nationals und Alex Bregman für die Astros gehören zu den besten Hittern der Liga, beide haben in der regulären Saison eine OPS von über 1.000 produziert und sind in der engeren Auswahl der MVP-Kandidaten in ihrer jeweiligen Liga. Im Defensivspiel sind beide gleichermaßen solide.
Unentschieden

Leftfield
Michael Brantley war die einzige nennenswerte Neuverpflichtung der Astros vor dieser Saison und er hat sich mit mit starken Leistungen nahtlos in das Team eingefügt. Der Vergleich geht dennoch klar an die Nationals, denn sie bieten mit Juan Soto einen der interessantesten Jungstars der Liga auf. Der 20-Jährige produziert in nahezu allen Offensivstatistiken bessere Werte als sein Counterpart und paart das Ganze mit einer ebenfalls überragenden Defensive.
Vorteil Nationals

Centerfield
Victor Robles ist der zweite der jungen Wilden, dank derer sich die Trauer um den Verlust von Bryce Harper bei den Nationals in Grenzen hält. Robles ist ein hervorragender Feldspieler, reicht allerdings offensiv nicht an seinen Nebenmann Soto heran – und auch nicht an George Springer, den Centerfielder der Astros. Springer ist der wohl beste Lead-Off-Hitter der Liga und gewinnt diesen Vergleich deutlich.
Vorteil Astros

Rightfield
Josh Reddick (Astros) und Adam Eaton (Nationals) sind sowohl defensiv als auch offensiv solide MLB-Spieler, nicht mehr und nicht weniger. Eaton kommt etwas häufiger auf Base und bringt etwas mehr Power mit, daher geht der Punkt hier an ihn.
Vorteil Nationals

Designated Hitter
Die Position des DH gibt es immer dann, wenn das Team aus der American League Heimrecht hat, dieses Mal also in den Spielen eins, zwei, sechs und sieben. Naturgemäß sind die Astros besser auf das Spiel mit DH eingestellt und Yordan Alvarez hat gerade eine fantastische Rookie-Saison gespielt. Allerdings ist Alvarez in den bisherigen Playoffs, insbesondere in der Serie gegen die Yankees, kaum etwas gelungen. Wenn sich das nur als kleines Zwischentief und nicht als veritabler Slump erweist, geht das Duell klar an die Astros. Für die Nationals dürften in den Auswärtsspielen entweder Ryan Zimmerman oder Howie Kendrick als DH antreten, während der jeweils andere die erste Base bemannnt.
Vorteil Astros

Fazit
Ich komme auf siebenmal Astros, zweimal Nationals und zweimal Unentschieden. Das ist keine große Überraschung und entspricht der klaren Favoritenstellung der Astros. Ich persönlich habe zwar traditionell Sympathien für Underdogs, mochte aber die Nationals nie besonders und drücke deshalb den Astros die Daumen. Vor allem aber wünsche und erwarte ich eine spannende Serie mit einem hoffentlich verdienten Sieger.

Heute Nacht um 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit Max Scherzer gegen Gerrit Cole. Allein wegen dieses Matchups lohnt es sich definitiv, eine Nachtschicht einzulegen. Zu sehen sind die Spiele auf mlb.tv und DAZN. Eine Liveübertragung im deutschen Free-TV gibt es dieses Jahr meines Wissens leider nicht.

Oktober 22nd, 2019 by