World Series 2020: Dodgers vs. Rays im 1:1-Vergleich

In wenigen Stunden ist es soweit: Heute Nacht, um 2:09 Uhr unserer Zeit, beginnt die World Series 2020 zwischen den Los Angeles Dodgers und den Tampa Bay Rays. Beide taten sich in den League-Championships schwer und benötigten die volle Distanz von sieben Spielen, um sich gegen ihren jeweiligen Gegner durchzusetzen. Letzten Endes kommt es nun aber doch zum Aufeinandertreffen der beiden Teams, die schon in der regulären Saison die besten Bilanz der National League beziehungsweise der American League einfuhren.

Die Best-of-7-Serie um die World Championship findet komplett in Arlington, Texas, statt. Das könnte ein kleiner Vorteil für die Dodgers sein, denn sie campieren dort schon seit über einer Woche und haben sieben Spiele gegen die Braves absolviert, während die Rays noch nie im neuen Globe Life Field gespielt haben. Andererseits hatten die Rays nach dem Gewinn der League Championship einen Tag länger Pause, sodass die äußeren Faktoren ungefähr ausgeglichen stehen. Apropos Pause: Obwohl dieses Jahr keine Reisen zwischen unterschiedlichen Spielorten anstehen, legt die Serie zwei Unterbrechungen ein: am Donnerstag nach Spiel zwei sowie am Montag nach Spiel 5, sofern bis dahin keine Entscheidung gefallen ist.

Traditionell stimme ich mich auf die World Series mit einem Vergleich der Teams Position für Position ein:

Starting Rotation
Letztes Jahr sorgten die Rays für Aufsehen mit ihrem kreativen Ansatz, regelmäßig einen Opening Pitcher statt einem echten Starter einzusetzen. Diese Strategie wenden sie zwar gelegentlich immer noch an, aber durch die erwähnten Pausentage werden sie wohl mit ihren drei exzellenten Startern Tyler Glasnow, Charlie Morton und Blake Snell durch die World Series kommen. Bei den Dodgers hat Walker Buehler inzwischen Clayton Kershaw als Nummer eins den Rang abgelaufen, zumal Kershaw traditionell in der Postseason schwächelt. Allerdings wird Buehler wohl nicht vor Spiel 3 zum Einsatz kommen und Luis Urias erst in Spiel 4, sodass Los Angeles in Spiel 2 auf Dustin May und/oder Tony Gonsolin vertrauen muss.
Vorteil Rays

Bullpen
Schon in der Vorschau auf die NLCS hatte ich den Dodgers ein Bullpen-Problem attestiert und vor allem an Closer Kenley Jansen gezweifelt. Für die erste Hälfte der Serie sah es aus, als würde ich Recht behalten, in den letzten drei Spielen hingegen überzeugten Jansen und die anderen Reliever, ließen nur vier Runs in 18 Innings zu. Man darf gespannt sein, welches der zwei Gesichter wir in der World Series zu sehen bekommen. Bei den Rays verkörpert der Bullpen, was für das gesamte Team typisch ist: keine große Namen, aber enorme taktische Flexibilität mit unterschiedlichen Pitchertypen, die Manager Kevin Cash meisterhaft einzusetzen versteht.
Vorteil Rays

Catcher
Tampas Mike Zunino ist gut für den einen oder anderen Homerun zur rechten Zeit, ansonsten ist sein Spiel weder offensiv noch defensiv eine Offenbarung. Michael Perez ist defensiv stärker als Zunino, offensiv dafür komplett zu vernachlässigen. Die Dodgers hingegen können auf ein herausragendes Duo setzen, bestehend aus dem schlagstarken Youngster Will Smith und dem auf Kershaw spezialisierten Austin Barnes.
Vorteil Dodgers

First Base
Max Muncy war 2018 und 2019 ein überraschender Senkrechtstarter für die Dodgers, konnte dieses Jahr in der regulären Saison aber nicht daran anknüpfen. In den Playoffs zeigte seine Leistungskurve immerhin nach oben mit neun Walks und vier Extra-Base-Hits in der NLCS. Die Rays setzen auch hier auf Flexibilität mit dem immer wieder sehenswerten Ji-Man Choi gegen Rechtshänder und entweder Yandi Diaz oder Allzweckwaffe Mike Brosseau gegen Linkshänder.
Unentschieden

Second Base
Auch hier könnte bei den Rays gelegentlich Mike Brosseau auftauchen, um Brandon Lowe zu entlasten, der eine starke reguläre Saison hatte, in der Postseason aber bisher seiner Form hinterherläuft. Bei den Dodgers trifft auf Chris Taylor ziemlich exakt dasselbe zu. Für Taylor könnte, vor allem gegen Linkshänder, Kike Hernandez einspringen.
Unentschieden

Shortstop
Willy Adames ist defensiv überragend und bringt am Schlag genug, um seinen Stammplatz zu rechtfertigen. Dem Vergleich mit einem Corey Seager in Topform hält er aber nicht stand, und dass Seager sich in Topform befindet, wird nach fünf Homeruns und einem MVP-Titel in der NLCS niemand bestreiten.
Vorteil Dodgers

Third Base
Wieder eine Position, auf der sich die Rays und die Dodgers ähneln: Sowohl Joey Wendle als auch Justin Turner sind solide Batter mit der Fähigkeit, ein Spiel im Alleingang zu entscheiden, haben aber auch Phasen, in denen sie einige Spiele lang regelrecht abtauchen. Das war zuletzt bei beiden weitgehend der Fall. Aus dem Bauch heraus traue ich Turner etwas stärker zu, den Slump hinter sich zu lassen und der World Series seinen Stempel aufzudrücken.
Vorteil Dodgers

Leftfield
A.J. Pollock spielt eine gute Saison für die Dodgers, gelegentlich wird er von Linkshänder Joc Pederson abgelöst. Beide verblassen im Vergleich mit Randy Arozarena, der kubanischen Rookie-Sensation der Rays.
Vorteil Rays

Centerfield
Defensiv haben die Rays hier mit Kevin Kiermaier den vielleicht besten Spieler der Liga am Start. In dieser Hinsicht kann Cody Bellinger nicht mithalten, aber auch der Dodgers-Allrounder spielt die Position sehr ordentlich, und offensiv lässt er Kiermaier weit hinter sich.
Vorteil Dodgers

Rightfield
Für die Rays tritt im Rightfield Manny Margot oder Austin Meadows an. Margot ist der bessere Outfielder, Meadows normalerweise der bessere Hitter, wobei Margot in der ALCS mit drei Homeruns auf sich aufmerksam machte. Die Dodgers haben Mookie Betts. Ende der Diskussion.
Vorteil Dodgers

Designated Hitter
Wie schon in der gesamten Saison, gilt dieses Jahr auch in der World Series in allen Spielen die DH-Regel. Die Pitcher müssen also nicht schlagen, stattdessen darf jedes Team einen Spieler benennen, der nur schlägt und keine Position auf dem Feld bekleidet. Weder die Rays noch die Dodgers haben einen regelmäßigen Designated Hitter. Wenn Barnes catcht, ist für Los Angeles Smith der DH, ansonsten wohl meistens Pederson. Tampa Bay wird voraussichtlich meistens Meadows einsetzen, gelegentlich vielleicht Diaz oder auch mal Arozarena, wenn er nicht im Feld spielt.
Vorteil Dodgers

Fazit
Schnell mal durchgezählt: Ich komme auf sechsmal Dodgers, dreimal Rays und zwei Unentschieden. Macht das die Dodgers zum Favoriten? Ich behaupte nein, zum einen weil die Rays in meinem Vergleich beide Pitching-Kategorien gewinnen und zum anderen weil sie wie kein zweites Team verkörpern, dass sie als Mannschaft mehr sind als die Summe ihrer Teile. Ich glaube und hoffe, dass wir eine sehr ausgeglichene und spannende World Series mit mindestens sechs Spielen sehen werden.

Genau wie das erste Spiel werden auch alle weiteren Partien nach US-Ostküstenzeit entweder um 20:08 Uhr oder um 20:09 Uhr beginnen (fragt mich bitte nicht, warum die Zeiten um eine Minute variieren). Für die mitteleuropäische Zeitzone heißt das, dass die Spiele bis zur Zeitumstellung am Sonntagmorgen um kurz nach 2 Uhr nachts beginnen. Falls es zu den Spielen sechs und sieben kommt, beginnen diese für uns schon um 1:08 Uhr bzw. 1:09 Uhr. Zu sehen sind alle Spiele auf mlb.tv und DAZN. Eine Liveübertragung im deutschen Free-TV gibt es dieses Jahr meines Wissens leider nicht.

Oktober 20th, 2020 by