Gebt mir sieben!

Wenigstens eines hält in diesem dämlichen Jahr, was es verspricht, und das ist die MLB-Postseason. Die beiden Top-Teams der Liga liefern sich eine mitreißende und abwechslungsreiche World Series. Mit meiner Vorhersage, dass diese über mindestens sechs Spiele gehen würde, liege ich schon mal richtig. Den heutigen zweiten und letzten Pausentag nehme ich zum Anlass für ein kurzes Update zu den drei letzten Partien.

Spiel 3
Den Dodgers stand zum ersten Mal in der Serie Walker Buehler als Starting Pitcher zur Verfügung und das bekam der Offense der Rays nicht gut. Das junge Ass pitchte sechs hervorragende Innings, verrteilte zehn Strikeouts verteilte und ließ nur drei Hits und einen Run zu. Gleichzeitig machten die Batter der Dodgers Tampa Bays Starter Charlie Morton das Leben schwer, beginnend mit einem Solo-Homerun von Justin Turner im ersten Inning. Im fünften Durchgang musste Morton weichen, da war die Partie beim Stand von 0:5 aus Sicht der Rays schon so gut wie entschieden. Ein bisschen Grund zur Freude hatte wenigstens Tampas Rookie-Sensation Randy Arozarena: Sein Homerun im neunten Inning vermochte zwar nicht mehr am Spielausgang zu rütteln, aber es war sein achter Homerun und sein 23. Hit in dieser Postseason. Den Rekord für Homeruns stellte er damit ein, den für Hits stellte er neu auf.

Spiel 4
Dieses Spiel ist eindeutig der Star unter den bisherigen Partien der Serie. Wieder mal erwischten die Dodgers den besseren Start, genau wie am Vortag begann das Scoring mit einem Solo-Homerun von Justin Turner im ersten Durchgang. In fast jedem Inning legten die Dodgers einen oder zwei Runs nach. Doch ab dem vierten Inning kam gegen Julio Urias auch die Offense der Rays in Schwung – beginnend mit einem Homerun von Randy Arozarena, der nun auch in dieser Kategorie alleiniger Postseason-Rekordhalter ist. Ein 3-Run-Homerun im sechsten Inning von Brandon Lowe brachte die Rays sogar kurzzeitig 5:4 in Führung, welche die Dodgers prompt wieder herumdrehten. Die Rays glichen erneut aus, die Dodgers holten sich die Führung zum dritten Mal zurück. Dieses Mal hielt sie bis in den Bottom des neunten Innings. Zwei Outs waren Closer Kenley Jansen schon gelungen, zwei Strikes gegen Brett Phillips geschafft, bevor eines der verrücktesten Plays der World-Series-Geschichte die finale Wendung brachte: Phillips gelang ein Linedrive ins Centerfield, bei dem es Formsache war, dass Kevin Kiermaier von der zweiten Base aus den Ausgleich erzielte. Arozarena war von der ersten Base unterwegs in Richtung dritte Base und wäre dort sicher gestoppt worden, hätte Dodgers-Centerfielder Chris Taylor nicht die Ballaufnahme verbaselt. So rannte Arozarena weiter und Taylors Wurf ging über die Zwischenstation Max Muncy an die Homeplate. Dort wäre Arozarena wohl in einen Rundown gelaufen, nachdem er auf dem Weg in einen Purzelbaum gestolpert war. Doch sowohl Muncy als auch Catcher Will Smith führten ihre Aktionen zu überhastet aus und ermöglichten Arozarena den Score zum Walkoff-Sieg.

Spiel 5
Zu zweiten Mal in der Serie zeigte sich, dass die Dodgers mit Tyler Glasnow besser fertig werden als die Rays mit Clayton Kershaw. Die Dodgers eröffneten das Scoring gewohnt früh und lagen nach zwei Innings schon 3:0 in Front. Die Rays brachten es zwar insgesamt auf mehr Hits als der Gegner (7:6), doch in den entscheidenden Szenen des Spiels fehlten immer die letzten Zentimeter. Das zeigte sich sehr plakativ im vierten Inning, welches Manuel Margot für Tampa Bay mit einem Walk eröffnete, bevor er die zweite Base stahl und dank eines Errors weiter zur dritten rückte. Von dort versuchte er sich bei zwei Outs an der Königsdisziplin des Baserunners: einem direkten Steal von Home. Unter Ausnutzung von Kershaws gewohnt langwieriger Pitchingbewegung wäre das fast gelungen, aber eben nur fast. Stattdessen wurde Margot von Kershaw haarscharf ausgeworfen, das Inning damit beendet, und näher sollten die Rays dem Ausgleich nicht mehr kommen. Muncy legte im fünften Inning gegen Glasnow einen Solo-Homerun zum 4:2 nach. Da beide Bullpens den Rest des Spiels mit reiner Weste über die Bühne brachten, war das auch der Endstand.

Morgen geht es weiter 
Dass es dieses Jahr zwei Teams in die Finalserie geschafft haben, denen ich die Meisterschaft gleichermaßen gönnen würde, macht die World Series für mich zu einem recht entspannten Genuss. Ich hoffe, die Dodgers-Fans unter den Lesern nehmen mir nicht übel, dass ich mir das wünsche, was wohl jeder halbwegs neutrale Baseballfan sehen will: ein Spiel sieben. Damit es dazu kommt, müssen in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (1:08 nach mitteleuropäischer Winterzeit) die Rays gewinnen. Die Chancen dafür stehen meiner Ansicht nach nicht schlecht, denn während die Rays Blake Snell auf den Mound schicken, haben die Dodgers einen verlässlichen Starter zu wenig im Kader. Sie müssen in Spiel sechs wieder auf Tony Gonsolin und den Bullpen bauen, was in Spiel zwei schon einmal schief ging. Falls es zum entscheidenden siebten Spiel kommt, sehe ich wiederum die Dodgers mit Buehler als Favorit.

Oktober 26th, 2020 by