Die Ballparks der MLB: Yankee Stadium

An der 161st Street im New Yorker Stadtteil Bronx steht der Ballpark, der dieses Jahr in der MLB die (nach Dodger Stadium) zweitmeisten Besucher begrüßen durfte. Er beherbergt die erfolgreichste Franchise der Baseball-Geschichte: die New York Yankees.

Geschichte
Yankee Stadium ist einer der neuesten Ballparks der Liga, allerdings wird das vom nur halb interessierten Beobachter schnell übersehen. Es besteht nämlich akute Verwechslungsgefahr mit dem alten Stadion der Yankees, das den gleichen Namen trug, an fast der gleichen Stelle stand und dem neuen architektonisch sehr ähnelte.

Das 1923 eröffnete alte Yankee Stadium war das erste eigene Stadion der Yankees, die sich bis dahin die Polo Grounds mit den New York Giants geteilt hatten. Leisten konnten sich die Yankees den Bau nicht zuletzt deshalb, weil sie in den Jahren zuvor zu New Yorks erfolgreichstem Klub aufgestiegen waren und den Giants auch bei den Zuschauerzahlen den Rang abgelaufen hatten. Für beide Entwicklungen spielte Superstar Babe Ruth eine große Rolle. Man nannte das Stadion deshalb auch gerne „the house that Ruth built“.

Das alte Yankee Stadium (1923-2008) (1)

Eine umfangreiche Renovierung 1974/75 verlängerte die Lebensdauer des Ballparks, doch schon ab Beginn der 1980er Jahre warb Teambesitzer George Steinenbrenner immer wieder für einen Neubau. Das tat er lange ohne Erfolg, weil er weder in New York noch am Alternativstandort in New Jersey die Zustimmung zu der nötigen öffentlichen Finanzierung fand. Doch steter Tropfen höhlt den Stein: 20 Jahre später hatte Steinenbrenner die Verhandlungen mit dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani kurz vor dem Ende von dessen Amtszeit so weit getrieben, dass sein Nachfolger Michael Bloomberg aus den Zusagen nicht mehr heraus kam, obwohl er es versuchte. Mit Gesamtkosten von 2,3 Milliarden Dollar, davon 1,2 Millarden öffentliche Gelder, ist das von 2006 bis 2008 erbaute Yankee Stadium bis heute das teuerste Stadion der Welt.

Sportlich war der Neueinzug ins Stadion für die Yankees immer ein Garant für schnelle Erfolge: 1923 gewannen sie im frisch erbauten Yankee Stadium ihre erste World Series, 2009 im neuen Yankee Stadium ihre 27. und bisher letzte. 1976, als sie nach zwei Jahren Umbau zurück in ihr Stadion durften, erreichten sie zumindest die Finalserie und in den beiden Folgejahren holten sie jeweils den Titel. Es mag überraschen, dass das zehn Jahre alte Stadion bisher noch nie Gastgeber des All-Star-Games sein durfte. Das liegt vor allem daran, dass der alte Ballpark diese Ehre 2008 zum Abschied hatte, sodass die Yankees nun eben wieder eine Weile warten müssen, bevor sie das nächste Mal an die Reihe kommen.

Außer Baseball finden im Yankee Stadium auch regelmäßig die Fußballspiele des New York City FC sowie gelegentlich College Football und Konzerte statt.

Das neue Yankee Stadium (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Das neue Yankee Stadium ist im Kern selbstverständlich ein hochmoderner Ballpark mit diversen Annehmlichkeiten. Doch bei der äußeren Gestaltung wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Vorbilder aus dem alten Stadion aufzugreifen. Die Fassade soll der des Urzustands des ersten Yankee Stadium von 1923 möglichst ähnlich sehen und auch die bordürenartige Verzierung am Dach wurde aus dieser Zeit kopiert.

Im Centerfield steht eine moderne Videowand, doch im linken und rechten Outfield wurden zusätzlich manuell betriebene Anzeigetafeln angebracht, an den selben Stellen wie im alten Stadion. Auch die zwei Einschnitte im Stadionrund, durch die man die vorbeifahrenden Subway-Züge sehen kann, wurden beim Neubau übernommen.

Panorama-Ansicht von Yankee Stadium aus dem Outfield (3)

Das Innenleben des neuen Yankee Stadium ist Geschmackssache, um nicht zu sagen: Mir gefällt es nicht. Die große Halle im südlichen Teil ist schon nicht besonders schön, aber zumindest geräumig. Beim Versuch, das Stadion zu umrunden, gerät man hinter dem Outfield zwangsläufig in sehr düstere Betonkanäle. Zu den höher gelegenen Tribünen führen statt offener Treppen, wie sie in den meisten anderen neueren Stadien üblich sind, endlose rundum geschlossene Betonrampen.

Die große Halle im südlichen Innenbereich des Stadions (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Feldmaße des neuen Yankee Stadium sind nahezu identisch mit denen des alten: Mit Foul-Linien von 318 Fuß (97 Meter) im Leftfield und 314 Fuß (96 Meter) im Rightfield sowie einem 408 Fuß (124 Meter) tiefen Centerfield gehört der Ballpark zu den kleineren in der MLB und ermöglicht entsprechend viele Homeruns.

Das spiegelt sich auch in den Ballpark-Faktoren wieder, denen zufolge Yankee Stadium mehr Hits, mehr Runs und mehr Homeruns zulässt als die meisten anderen Stadien. Doubles und Triples kommen hingegen seltener vor als im MLB-Durchschnitt – auch das ist eine typische Beobachtung in eher kleinen Ballparks.

Wo sitzt man am besten?
New York ist generell ein teures Pflaster und das merkt man auch beim Kauf von Baseballtickets. Aufgrund der ungebrochenen Popularität der Yankees ist das Stadion häufig ausverkauft, sodass man Tickets oft nur mit großem zeitlichem Vorlauf oder aber über die gängigen Weiterverkaufs-Plattformen erhält.

Man kann das Spiel in Yankee Stadium von fast jedem Sitz gut verfolgen, am besten natürlich von den Plätzen auf der unteren Ebene rund um die Homeplate. Für solche Sitze muss man in aller Regel mit Preisen von mehreren hundert Dollar rechnen. Eine Ebene höher ist die Sicht fast genauso gut und der Preis pro Ticket deutlich geringer, aber immer noch dreistellig.

Blick von der Homeplate-Seite aus (5)

Ein Schnäppchen kann man in Yankee Stadium machen, indem man mit einem Platz auf den Bleachers, also den unüberdachten Outfield-Tribünen vorlieb nimmt. Ab 15 Dollar kann man hier ein Ticket bekommen, wenn es nicht gerade gegen die Red Sox oder die Mets geht. In den Blöcken 201 und 239 fangen die Preise sogar bei 5 Dollar an – allerdings nur, weil das die Blöcke sind, aus denen die Sicht auf einen Teil des Feldes beschränkt ist.

Meine Empfehlung sind Plätze entlang der First-Base- und Third-Base-Linie auf der dritten oder vierten Ebene. Hier findet sich ein meiner Ansicht nach sehr annehmbarer Kompromiss aus einem guten Überblick aus der Vogelperspektive und auch mit Familie noch erschwinglichen Preisen von ungefähr 30 bis 70 Dollar pro Karte.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Severin St. Martin (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
(3), (4), (5) Eigene Aufnahmen

November 27th, 2018 by